Klassischer Ausbau im Barrique, rund ein Drittel neues Holz, der Rest ist ein- bis dreijähriges. 2023 war über den Sommer weniger heiß als 2022, aber dann ist gegen September und August nochmal eine ziemlich intensive Hitzewelle reingerollt, die die Trauben stark konzentriert und den Weinen wahnsinnig viel Power eingehaucht hat. Der Fruchtausdruck ist etwas dunkler und auch würziger als 2022. Wir haben eine warme, reiche mit Nelke und Zimt unterlegte Frucht von Schwarzkirsche und Brombeere. Auch kühler Rauch darüber vom Holzausbau. Ein vollreifes Jahr kommt Gevrey immer zugute, weil es eben diese würzige Kühle hat und die rassige Säure. Die Struktur, die in kühlen Jahren auch mal etwas rustikal werden kann, ist in 2023 einfach traumhaft seidig, gibt aber genug Halt, dass wir voll im Fokus bleiben. Läuft sehr fein und gerade auf der Kalkspur entlang. Die Tannine sind cremig-fein und strahlen eine köstliche Frische aus. Ich habe in 2023 klar das Gefühl die Frische ist an der Cote de Nuits, vor allem im Norden, höher als an der Cote de Beaune. Selbst Volnay war recht reich, aber dieser Gevrey lässt außer in seiner schicken Fruchtsüße kaum einen Deut Hitze zu, verblüffend. Power hat er genug, keine Frage, Alkoholpolster ist auch da. Genau wie im letzten Jahr ein an sich recht feiner Ausdruck von Gevrey, wäre da nicht auch die etwas herbere Seite der Frucht und dunkelwürzige Mineralanmutung.
Der Jahrgang 2023 präsentiert sich als eine perfekte Symbiose aus Klassik und Moderne. Nach den extremen Hitzejahren der Vergangenheit wirken die 2023er wie ein »tiefes Ausatmen«. Sie sind geprägt von seidiger Textur, cremiger Zugänglichkeit und einer hellen, strahlenden Frucht. Besonders beeindruckend ist die Kombination aus Transparenz für das jeweilige Terroir und einer verführerischen Extraktsüße. 2023 war für die Winzer im Burgund ein Befreiungsschlag in Sachen Quantität. Trotz der großzügigen Erträge fehlt es den Weinen nicht an Konzentration, da hohe Extraktwerte einer Verwässerung entgegenwirkten. Das Wetter war über den Sommer moderat mit ausreichend Niederschlag, bis eine extreme Hitzewelle kurz vor der Lese im September für den finalen Schub an Reife und Dichte sorgte. Während die Weißweine an die Reichhaltigkeit von 2018 erinnern, bewahren sie durch eine feine Säurefrische ihre klassische Brillanz. Es ist ein Jahrgang des puren Genusses, der bereits in seiner Jugend viel Freude bereiten wird und bei den Rotweinen an die reiche Eleganz von 2019 erinnert.