Der Visitenkartenwein der beiden ist La Bruja de Rozas, was soviel bedeutet wie Hexe von Rozas. Es ist natürlich ein sortenreiner Garnacha aus drei kleinen Parzellen mit 40 bis 65 Jahre alten Reben. Die Weine sind deutlich heller, zarter als die Garnacha aus Katalonien oder dem Languedoc. Die Böden in Gredos sind überwiegend sandig mit Einschüben von Granit, Schiefer und Quartz, darunter der reine Granitfels. Das Mikroklima ist mild und für Zentralspanien recht feucht, die hügelige Landschaft ist teilweise unaufhörlich in Nebel eingehüllt. Dieses spezielle Klima in Kombination mit der extremen Hochlage sorgt für eine sehr lange, langsame Vegetationsperiode mit voller Reife. Die Gärungen finden in offenen, französischen Holzcuves statt und der Ausbau in einer Mischung aus 500 Liter Fuderfässern und Tonamphoren. Bereits der Basiswein ist ein Garnacha, der verblüfft. Zart, duftig, leichtfüßig, kirschig, im Duft ein Burgunder. Dann kommt am Gaumen eine feste, aber unglaublich feinkörnige, samtige Struktur, die von den sandigen Granitböden erzählt. Granatapfel und Sauerkirsche mit feiner Säure, sehr erfrischend und aromatisch. Morey Saint Denis kommt in den Sinn, aber das ist doch ganz eigenwillig und einfach grandios.
2025 ist ein hervorragendes Jahr in Spanien, wenn auch mit vielen Ertrags Einbrüchen wegen der Trockenheit und vielen lokalen Schwierigkeiten wie Mehltau und Hagel. Ein wärmeres Jahr als das überaus schicke und elegante Jahr 2024, eher im Druck an 2023 erinnernd, aber mit mehr fruchtiger Saftigkeit und weniger Alkohol. Es gab mit über 500 mm in Summe genug Regen im Frühjahr. Das führte vermehrt lokal zu Mehltau (was die Qualität nicht mindert), in einigen Regionen gab es deshalb 50% weniger Menge. Der Sommer war sehr trocken (auch dadurch starke Ertragseinbußen) aber nicht zu heiß, im milderen Spätsommer gab es hier und da hilfreiche Regenfälle. Die Ernte verlief überall ziemlich früh und letztlich perfekt, wenn auch nicht überall homogen. In Summe gab es überwiegend Weine mit hoher Fruchtkonzentration und extremer Aromatik und Ausdrucksstärke bei großartiger Balance und relativ niedrigem Alkohollevel. Viele Winzer berichteten von einer so noch nie erlebten Harmonie und Eleganz. Das alles erinnert sehr an Bordeaux 2025! Das gilt vom Osten bis zum Westen, von Jumilla bis zur Rioja und Bierzo. Die Hochlagen Spaniens oberhalb 600 Metern waren klar im Vorteil, zum Glück haben die allermeisten Weltklasse-Winzer ihre Weinberge zwischen 600 und 1100 Höhenmetern. Nur Galizien profitiert auch in Flachlagen extrem vom atlantischen Klima und Regen. Ricardo Perez aus dem Bierzo (Descendientes Palacio) fasste das Jahr zusammen in einem Wort: »Buenisimo«.