Der 2019er hat eine klassische Ausrichtung in der Rebzusammensetzung: 67 Prozent Cabernet Sauvignon, 27 Prozent Merlot, drei Prozent Cabernet Franc und drei Prozent Petit Verdot. Der Alkoholgehalt liegt bei 14 Volumenprozent. Das Weingut ist seit 2017 als umweltschonend zertifiziert. Geerntet wurde bis zum 11. Oktober. Ein fast schwarzer Wein mit bläulich-rötlichen Reflexen. Pumpernickel, Süßholz und reife Zwetschge kommen zuerst aus dem Glas. Hochintensiv. Schwarzkirsche, Schlehe, Salz, Karamelle, auch Orangenzesten und ein Hauch von Cassis. Dann rote Johannisbeere, sehr duftig, viel Veilchen. Das Auffällige am Mundeintritt ist der unglaubliche Schliff der Gerbstoffe. Die Tannine sind so weich und geschmeidig, so geschliffen. Nichts Grobes stört, nichts Grünes. Alles ist reif, aber es ist nicht fett. Ein total kirschiger Touch, feine rote Kirschsüße. Ein bisschen Fruchtkaltschale und rote Grütze. Blaubeeren kommen dazu, ein ganz klein wenig Holunder darunter, aber die Kirsche ist ganz klar die Dominante. Sehr burgunischer Touch, wie es oft bei Léoville Poyferré der Fall ist. Von den drei Léovilles in Saint-Julien, die ja ursprünglich mal ein Weingut waren, ist Poyferré ganz klar das Château mit der burgundischsten Ausrichtung. Auch im Nachhall Kirsche und nochmal Kirsche. Das Ganze mit Salz unterlegt. Leichter Bitterstoff vom jungen Holz. Die Gerbstoffe bleiben so fein, es bleibt tänzelnd und verspielt und hat dabei trotzdem Fleisch und Blumen in der Mitte. Ein Wein zum Kauen, hochintensiv. Getrocknete Blaubeeren im Nachgang, wieder diese Orangenzesten. Eine schicke Säure, die nie spitz ist. Das ist ein großer Saint-Julien. Das ist 2018 mit einem Hauch mehr Frische. Es ist die elegantere und frischere Wiederkehr des großen Jahrgangs 2009. Der Wein wird zumachen, das ist sicher. Er braucht zehn Jahre oder mehr, aber es ist ein großer Erfolg für Léoville Poyferré.