Can Rafols dels Caus: Sumoll 2024

Can Rafols dels Caus: Sumoll 2024

BIO

Zum Winzer

Sumoll 100%
rot, trocken
13,0% Vol.
Trinkreife: 2027–2039
pikant & würzig
unkonventionell
seidig & aromatisch
Lobenberg: 95+/100
Galloni: 95/100
Spanien, Katalonien, Penedes
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Sumoll 2024

95+
/100

Die Weine von Can Rafols dels Caus entstammen der Region Massis del Garraf. Eine hügelige Landschaft mit teilweise steilen Hängen, trocken und karg. Die Weinberge stehen auf einem Kalkriff, das Teil der Küstenlinie von Katalonien ist und sich zwischen den Ebenen von Penedes und dem Mittelmeer befindet. Charakteristisch für Can Rafols dels Caus ist eine Flaschenreife im Weingut für alle Weine bevor sie im trinkreifen Zustand auf den Markt kommen. Die Weinberge werden biologisch bewirtschaftet. Sumoll ist eine alte, autochthone Rotwein-Rebsorte Kataloniens, die vom Aussterben bedroht ist. Nur noch äußerst wenige Erzeuger widmen sich dieser, zu Unrecht als etwas rustikal geltenden Sorte, Raventos verwendet ihn als Beimischung im Cava, und Can Rafols dels Caus macht sehr wahrscheinlich den besten reinsortigen Stillwein daraus. Die Reben für diesen Wein sind bereits 50 Jahre alt und der Ausbau erfolgt in Kastanienholz. Ein durchscheinendes Kirschrot im Glas, das etwas an Pinot Noir erinnert, in der Leuchtkraft sogar etwas an Beaujolais. In der Nase zeigt sich der Sumoll gar nicht rustikal, sondern viel mehr äußerst fein. Eleganter Sangiovese? Oder Callet aus Mallorca? Oder eher noch der Barbaresco von Produttori, ein Stil hochelegante Nebbiolo mit viel Schub dahinter. Wir haben hier überhaupt keine vordergründige Primärfrucht. Nur sehr zurückhaltende rote Frucht, die schwer zu definieren ist, sehr subtil und bedeckt. Wieder Affinität Nebbiolo. Auch eine leichte Würze, etwas Piment und Muskatnuss, sowie Nuancen von schwarzem Lavastein. Ein dunkel-würziger, fast mystisch wirkender Duft ohne herausstechende Frucht, alles hüllt sich in feine Zurückhaltung. Weit entfernt in der Tiefe dieser Nase kommen auch ein wenig Eisen und Blut, Garrigue und Schwarztee durch, elegant würziger Barolo aus Serralunga. Vielleicht ist das der Grund, weshalb die Sorte etwas vernachlässigt wurde, in Zeiten, in denen die Weine mit der lautesten Frucht und dem meisten Fett und Hoilz oft den meisten Eindruck schinden. Aber das macht den Wein für mich gerade besonders interessant, denn fette Fruchtbomben gibt es zur Genüge. Dieser Wein macht neugierig in seiner subtilen Art, seiner würzigen Eigenwilligkeit, seiner bedeckten Komplexität und seiner individuellen Aromatik. Das karge Terroir mit den steilen Felsklippen kommt in den Sinn, die alten Rebgärten auf den steinigen Böden - der Wein erzählt von seiner Herkunft, und das ganz ohne vordergründige Frucht, sondern auf eine bezaubernd leise, eigenartig-würzige Art. Im Mund geht es ebenso eigenwillig zu. Extrem fein, fast zart schwebt der Wein über den Gaumen, alle Geschmacksnerven streifend, auch hier schwer zu greifen. Wieder diese sehr subtile rote Frucht, ein wenig Granatapfel, rote Kirsche, ein paar Kräuter, aber alles ultrafein und schwebend, jetzt noch deutlicher Barbaresco von Produttori. Eine erfrischende Säure durchzieht die samtig-leichte Textur, unglaublich schwebende Tanninstruktur. Quasi ein Hauch von einem Wein, aber dazu eine, ob dieser ultrafeinen Texturiertheit, kaum zu glaubende aromatische Intensität, die sich in eine große Länge ausdehnt. Das ist in dieser Eigenart eigentlich trotz der Nebbiolo-Affinität unikathaft und unvergleichlich. Total eigenständig und hochindividuell in dieser granatapfeligen, kirschigen Subtilität, in dieser Finesse, in diesem sich nur durch Nuancen ausdrückende und doch schiebenden Aroma. Der Wein ist in seiner Leichtigkeit und finessereichen Zartheit äußerst schön zu trinken, unaufgeregt, unanstrengend bei gerade mal 12% Alk. Entweder man zerbricht sich den Kopf, in welche Kategorie man das einordnen will, oder man genießt einfach diese ultrazarte Schönheit, und lässt sich von ihrer unkonventionellen Art umhüllen und erfrischen. Ein Rotwein für Understatement- und Finessetrinker mit genialem Fluss und irgendwie grandios, mit diesem individuellen, eigenartig mystischen Charakter.

Jahrgangsbericht

2024 startete mit viel Wasser ins Jahr, hervorragende Auffüllung aller Speicher. Das Frühjahr brachte immer noch Regen und manchmal Kühle, Verrieselung der Blüte und Kampf gegen Pilze. Das bedeutet insgesamt geringer Ertrag. Ein moderater Sommer war perfekt für ein frisches Ergebnis, im Spätsommer und Herbst folgten einige Regenfälle. Wer vor der zweiten Oktoberwoche mit den schweren Regenfällen alles gelesen hatte (ALLE Topwinzer lesen inzwischen spätestens Anfang Oktober) hatte ein superbes Ergebnis. Rassige, frische Weine wie 2021, Cool Climate, vibrierende Rotweine und aufregende Weißweine. 2024 ist bei den besten Winzern Spaniens ein großes Jahr wie 2021. Schlanker und kühler als das opulentere 2023, reifer und zugleich frischer als das überheiße und blockierte 2022, aufregender und vibrierender als 2018 bis 2020. In der Klasse sicher so groß wie 2016 und 2019, eher noch etwas spannender und schicker, wie gesagt mit sehr viel Parallelen zu 2021.

95
/100

Galloni über: Sumoll

Made from Penedès fruit, the 2024 Sumoll offers a compelling expression of this native variety. Aged six months in chestnut barrels, it delivers wild red fruit—raspberry and sour cherry—alongside field herbs and a light wood touch. Dry, vibrant and high in acidity, it is agile and lively with fresh, tangy fruit that captivates. A highly expressive red that restores the rustic elegance of this historic grape.

Mein Winzer

Can Rafols dels Caus

Carlos Estevas erste Versuche in Sachen Weinbau fanden auf der Insel Menorca statt. Doch richtig los ging es für ihn erst im Jahr 1979 als er das Weingut seines Großvaters in Garraf übernahm, einer rauen Küstenregion im Umland von Barcelona.

Sumoll 2024