Lobenberg: Der Jahrgang 2014 war vom Wetterverlauf und dem Ergebnis dem Jahrgang 2012 sehr ähnlich. 2014 ist sogar noch aromatischer als 2012 und hat auf jeden Fall klar höhere Säure und ist noch rotfruchtiger ausgebildet. Hier im Haus bewertet man den Jahrgang 2014 deutlich über dem schönen Jahrgang 2013, über 2011 sowieso. Handentrappung und eine neue schonende Entrappungsmaschine sind auch ein Grund zum weiteren Qualitätsanstieg. Keinerlei Verletzung der Beerenhäute. Das ist wichtig für die lange Kaltmazeration im Vorlauf zur Vergärung. Der Jahrgang 2014 wurde 23 Tage vergoren, natürlich spontan. Die Weinbergsbearbeitung findet organisch statt. Zwei Wochen nach der Presse geht der Wein dann in Sedimenttanks zum Absetzen, danach wird der Wein in Barriques von Chassin verbracht - nach wie vor die besten Barriques, die es derzeit im Burgund gibt. Der Ausbau geschieht zu 100% in neuem Holz, die Fässer sind aber nicht stark getoastet und werden dem Jahrgang und der Säure angepasst getoastet geliefert. Die Weine verbleiben dann bis zum Februar des übernächsten Jahres im Fass. Das sind fast 18 Monate ohne jegliche Batonnage auf der Feinhefe. Die Besonderheit bei Bernstein: Nach der Klärung wird die verbleibende Hefe sortiert, nur die beste Hefe wird genommen und mit einem langen Rohr, drei bis vier Liter pro gefülltes Barriques, auf den Grund eingefüllt. Es findet also keine Batonnage und keine Verwirbelung statt. Während der Fermentation hat Richard, der Kellermeister, den Saft täglich zwei Mal über die Schalen gepumpt, aber nur einmal innerhalb der drei Wochen überhaupt den Hut heruntergedrückt, so intensiv war die Aromatik und der Extrakt der Beeren und die Säure-Tannin-Struktur. Die Tannine sind in 2014 deutlich geschliffener, polierter, seidiger. 2014 verspricht hier ein wirklich großes Jahr zu werden. Sehr harmonische, runde, intensive Nase. Kirsche, Zwetschge, Rauch, helle Tabake. Milchschokolade, ein Hauch weißer Schokolade. Feine Würze, sehr aristokratisch und etwas abgehoben distanziert daherkommend. Tolle Säure im Mund, sehr fein. Ein typischer Vertreter der Appellation Chambolle Musigny in seiner Zartheit und Feinheit, gleichzeitig diese typische Tiefe und unnahbare Aristokratie von Bonnes Mares. Diese Tiefe, diese Wucht, und doch auch verschlossen und rätselhaft. Mit dem feinen Schmelz sehr saftig verbunden. Ein ganz hervorragender Wein zum Nachdenken und Entdecken. Sicherlich einer der besten Grand Crus von Olivier Bernstein. 97-100/100