Der Sauvignon Blanc Fumé ist ein Paradebeispiel dafür, wie man aus einer Rebsorte mit starkem Charakter ein Weinbild formt, das kraftvoll, tief und gleichzeitig unglaublich präzise ist. 24 Stunden Maischestandzeit, abgepresst und mit viel Trub spontan durchgegoren. Das sorgt für Grip und innere Dichte. Vergoren und ausgebaut in 100 % neuem Tonneau, aber mit feinem Händchen: nichts wird überzeichnet, alles bleibt transparent und auf Frucht fokussiert. In der Nase direkt diese reife Exotik – nichts Lautes, nichts Grünes, sondern sehr kontrolliert und fein. Maracuja, saftige Nektarine, ein Hauch Mango, dazu zarte Vanille, Rauch, ein bisschen Kräuterwürze – das Holz schmiegt sich drumherum, macht warm, weich, aber nie schwer. Keine Breite, sondern Eleganz. Minimale Reduktion und nur ein klitzekleiner Hauch von Feuerstein runden das Ganze nobel ab. Am Gaumen dann diese typische Laible-Klarheit: glockenklar, druckvoll, mit vibrierender Frucht und salziger Mineralität. Der Ausbau im Holz gibt Struktur, Tiefe, Dimension, aber die Aromatik bleibt messerscharf erhalten. Wieder diese exotische Frucht von milder Limette und viel Maracuja, fein verwoben mit dezenter Würze, ein wenig Orangenblüte, ein Hauch Zitronenverbene, ganz subtil nussig im Finish. Die Säure ist präsent, aber fein integriert, das Mundgefühl saftig und cremig zugleich. Der Wein ist exotisch und reif, aber gleichzeitig hell und animierend – ein Sauvignon Fumé, der komplett aus der Laible-DNA heraus gedacht ist: Fokus auf Frucht, auf Spannung, auf Trinkfluss. Holz als Rahmen, nie als Maske. Ein wirklich genialer, eigenwilliger Sauvignon Blanc aus Deutschland, der internationale Klasse atmet, ohne laut zu sein.
Der Winter 2022 auf 2023 brachte endlich, wovon wir in den letzten Jahren oft zu wenig hatten: Niederschlag. Dank Regen satt, waren die Wasserreserven nach dem viel zu trockenen 2022 endlich wieder gut gefüllt, was den Reben einen vitalen Start ins Frühjahr eröffnete. Nahezu keine Frostschäden und paradiesisches Wetter begleiteten eine tolle Austriebs- und Blütezeit, die die Winzerherzen höherschlagen ließ. Es folgte, woran wir uns – mit Ausnahme von 2021 – bereits gewöhnt haben: ein heißer und (zu) trockener Sommer. An den kargsten Standorten gab es wie im Vorjahr etwas Trockenstress. Die älteren Reben kamen aber aufgrund der satten Winterniederschläge glimpflich und sehr gesund durch den provençalischen Frühsommer. Nichtsdestotrotz hätte 2023 eine mittlere Katastrophe werden können, wenn die Trockenheit bis zur Lese so durchgepowert hätte, doch ausgerechnet der sonnenverwöhnte August brachte die Kehrtwende auf den Hacken, denn es war der regenreichste August seit langem. Ab Anfang/Mitte September – gerade recht zur Lesezeit – machte das Wetter vielerorts erneut eine Kehrtwende und schwenkte zurück zu sonnig-warmen, trockenen Verhältnissen. Die bereits kühleren Nächte ermöglichten eine hocharomatische Ausreifung, die 2023 diese gewaltige Fruchtstärke und kühle Brillanz beschert hat. Tatsächlich sahen die Trauben mancherorts aus wie von einem anderen Stern: goldgelb, hochreif und voll praller Energie und Saft. Ob 2023 wirklich DAS Jahr der Jahre ist, steht natürlich noch in den Sternen, aber die Vorzeichen sind mehr als grandios… es ist aus mehreren Gründen der faszinierendste Jahrgang der letzten Jahre. Kein Jahr zuvor war in der Vegetationsperiode so »sonnig« UND so »nass« zugleich. Also doch kein reines (Wein-)Wunder, dass 2023 diese wundervolle geschmackliche Mischung zwischen den aromatisch-dichten 2018ern und 2019ern, sowie den rassig-kühlen 2012ern und 2013ern ist. Warme, satte Agrumenfrucht ohne Ende, von Grapefruit bis Quitte ist alles dabei – und darunterliegend immer wieder dieser mitreißende Speichelturbo. Die Weine haben mehr Dichte als in 2020, eine höhere Reife als in 2021 und mehr Geschmeidigkeit als in 2022 – deshalb gefällt mir der Jahrgang beim Riesling in der Breite bisher auch besser als seine Vorgänger. 2023 kann sowohl 2021er Riesling-Freaks als auch Fans des runderen 2018 abholen. Die Einzigartigkeit der 2023er Rieslinge liegt im Akkord aus beeindruckender Dichte, die selten schwer wirkt, glasklarem Terroircharakter und einem Trinkfluss für die Götter. Die höhere Wasserverfügbarkeit der Reben hat vielen Weinen einen schwer in Worte zu fassenden »Fluss« verliehen. Die Besten sind so reich und geschmeidig, dennoch nie fett oder überwältigend, immer freudvoll und saftig. Vor allem im direkten Vergleich mit dem phenolisch-festeren und etwas kargeren Vorjahr 2022, ist das ein Quantensprung in Richtung früher Trinkbarkeit und Gourmetfaktor. Ich kann mir gut vorstellen, dass 2023 sogar bei den großen Weinen für eine längere Zeit offen und zugänglich bleibt. Das gibt dem Jahr potenziell ein riesiges Trinkfenster, denn dank tiefer pH-Werte und großer Balance ist das allemal auch ein Jahrgang für den Keller. In der Spitze sind die 2023er buddhistische Rieslinge. Keines der letzten drei Jahre hatte ein so stimmiges Gesamtbild aus expressiver Frucht, samtig-dichter Textur und perfekt reifen Säuren. 2023 fließt einfach – Hedonismus pur!