Vom leidenschaftlichen Landwirt zum Winzer mit Herzblut
Gianfranco Fino ist der unangefochtene König der Rebsorten Primitivo und Negroamaro aus dem Süden Italiens. Dabei kam er zum Weinbau mehr oder weniger durch Zufall. Der Landwirt war nämlich eigentlich auf Olivenhaine spezialisiert, bis er 2004 eine 1,2 Hektar kleine Rebfläche alter Buschreben entdeckte, die aufgrund ihrer unwirtschaftlich niedrigen Erträge eigentlich keine Zukunft hatte und ausgerissen werden sollte. Fortan verschrieb sich Gianfranco gemeinsam mit seiner Frau Simona Natale mit all seinem Herzblut der Rettung und Erhaltung dieser alten Weinberge; nur kurze Zeit später kamen elf weitere alte Parzellen hinzu.
Im Durchschnitt ist der Großteil dieser Reben über 50 Jahre alt. Mittlerweile wurden zwar auch zusätzliche Rebanlagen neu gepflanzt, diese werden jedoch trotz der beinahe schmerzlich kleinen Erträge komplett separat gelesen und ausgebaut.
Von über 21 Hektar Rebfläche bringt das Weingut insgesamt gerade einmal 20.000 Flaschen Wein hervor. Diese Herangehensweise ist in der Gegend absolut ungewöhnlich, denn der Fokus liegt meist eher auf großen Erntemengen einfacher, körperreicher Rotweine mit sonnenverwöhnter, süßer Frucht. Gianfranco verbindet hingegen seinen Respekt für diese Reben und die regionale Tradition mit einer erfrischend modernen, präzisen und technisch einwandfreien Arbeitsweise.
Ein ideales Terroir und Mikroklima für mediterrane Rebsorten
Die Reben stehen auf kalkhaltigen, lehmigen roten Böden – »Terra Rossa« – in der Region Manduria, nahe der Stadt Tarent auf der Innenseite des Stiefelabsatzes. Trotz des südlichen Breitengrades herrscht dort ein erstaunlich moderates Klima, denn die intensive süditalienische Sonne wird von stetigen Meeresbrisen vom Ionischen Meer her erfrischt. Natürlich werden die Flächen naturnah bewirtschaftet.
Da die Weinberge hauptsächlich mit traditionellen Buschreben, dem sogenannten »Alberello Pugliese«, erzogen sind, müssen sie in sorgfältiger und aufwendiger Handarbeit gepflegt werden. Bei Rebabständen von nur 70 cm ist es beinahe unmöglich, hier Traktoren zum Einsatz zu bringen. Die Lese der reifen Trauben findet in der Regel in den frühen Morgenstunden noch vor Sonnenaufgang statt. Dabei werden die Trauben vorsichtig in kleine Kisten gelegt und im Weingut sofort gekühlt, um ihre Frische zu bewahren. Im Anschluss werden sie entrappt und nach der Gärung mindestens neun Monate lang in französischen Barriques ausgebaut.
Stilistik und Philosophie
Stilistisch sind Gianfrancos Weine so manchem Amarone gar nicht unähnlich: dicht schiebende Aromen reifer, intensiver Trockenfrüchte, die trotz ihrer krassen Konzentration unschlagbar harmonisch balanciert sind und dadurch nichts Schweres auf der Zunge hinterlassen. Das Sortiment konzentriert sich ausschließlich auf die regionalen Rebsorten Primitivo und Negroamaro. Diese Weine gehen stilistisch weit über das übliche Maß an Konzentration und Komplexität hinaus. Zudem ist Gianfrancos Philosophie tiefgehend: Die Etiketten beziehen sich auf Theorien von Freud und Jung und sollen die ungebremste Leidenschaft sowie den Verzicht auf Kompromisse symbolisieren.
Das Sortiment von Gianfranco Fino
ES ist die Visitenkarte des Weinguts. Der reinsortige Primitivo stammt von den um die 50 Jahre alten Rebanlagen und hat für seine sagenhafte Konzentration eine treue Anhängerschaft.
ES Red ist hingegen der absolute Primitivo-Höhepunkt und das Aushängeschild – sozusagen »the best of the best«. Eine Selektion der besten Fässer von den ältesten Reben des Weinguts.
JO ist der reinsortige Negroamaro, benannt nach dem nahegelegenen Ionischen Meer (Jonio). Die leicht überreifen Trauben werden im Stahltank vergoren und anschließend ungefähr ein Jahr lang in Barriques ausgebaut.
Gianfranco Fino spielt in seiner eigenen Liga und ist der wichtigste Qualitätswinzer der Region Apulien.



