Der Brunello Jahrgang 2021
Nach einem klirrend kalten Winter startete die Wachstumsperiode mithilfe der Märzsonne nur zögerlich. Dennoch reduzierte ein verheerender Spätfrost im April, der besonders die tiefer gelegenen Lagen im Nordosten Montalcinos sowie Weinberge mit Nord-Exposition mit voller Härte traf, die Ernteerträge des Jahrgangs bedeutend. Spitzenwinzer wie Riccardo Campinoti vom Weingut Le Ragnaie beklagen Verluste von bis zu 60 % in der berühmten Montosoli-Parzelle; bei Siro Pacenti fiel die Ernte insgesamt ein Drittel kleiner aus als üblich.
Diese schmerzhafte Mengenreduktion ist jedoch der einzige Wermutstropfen eines ansonsten absolut makellosen Jahrgangs. Denn was an Quantität verloren ging, wurde dafür mit einer atemberaubenden Qualität wettgemacht. Trotz heißer Sommermonate bewahrten 600 mm punktgenauer Niederschlag die Reben vor Trockenstress und schenkten den Pflanzen im richtigen Moment die nötige Kühlung. Die Weinberge befanden sich den ganzen Sommer über in einer geradezu magischen Harmonie. Im September vollendete ein spektakuläres Wechselspiel hoher Temperaturunterschiede von heißen Tagen mit kühlen Nächten die Reife langsam, harmonisch und gleichmäßig.
Die Polyphenole und Tannine erreichten ein perfektes Niveau der Reife, und zudem blieb die Säurebalance in den Trauben herausragend – ein Faktor, der zur wunderbaren Frische beitrug, die eine der wichtigsten Charaktereigenschaften des Jahrgangs darstellt. Während 2019 für große Konzentration und Struktur steht, ist 2021 ein Jahrgang der herrlich zarten Finesse und Spannung. Die Fruchtklarheit und die vibrierende Energie dieser Weine sind schlichtweg mind-blowing!
Die Tannine sind generell präsent, doch geschliffen, seidig und von einer fast puderzuckerartigen Eleganz. Im Gegensatz zum eher dunklen Profil von 2019 strahlt 2021 neben den klassischen Aromen von reifer Heidelbeere auch mit einer leuchtend roten Frucht, unterlegt von einer packenden, salzigen Mineralität. Dank der perfekten Tanninreife, die für den Brunello-Jahrgang 2021 durch die Bank überall im Glas zu finden war, werden die Weine ihr ideales Trinkfenster vermutlich sogar früher erreichen als die 2019er-Giganten. Ein unglaublich spannender Jahrgang für Puristen und Genießer gleichermaßen!
