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Im Portrait

Swinney

Die Entwicklung einer Vision

George »Farvie« Swinney siedelte 1922 auf seinem 2.500 Hektar großen Anwesen in der – selbst für australische Verhältnisse – extrem abgelegenen und isolierten Region Frankland River. Hier sind wir über 330 Kilometer und beinahe vier Fahrstunden von Perth entfernt. Beim Blick auf die Landkarte vergessen wir Europäer immer wieder, WIE groß Australien ist! Das Klima ist hier wesentlich kühler und marginaler als in den meisten anderen Weinregionen des Landes. Das bedeutet de facto kontinentales Klima mit kalten, nassen Wintern und warmen, oftmals sehr trockenen Sommermonaten.

Dieser Teil Westaustraliens ist bekannt für seine sanften Hügel, Granitfelsen, weitreichenden Felder und unberührten Eukalyptuswälder – eine fabelhafte, idyllische Kulisse. Der Weinbau begann im Frankland River mit bescheidenen Schritten und wenigen Weingütern erst um 1960. Oft war Wein nicht das alleinige Standbein, wie auch bei der Familie Swinney, die ihr Land lange Zeit als gemischte Landwirtschaft betrieb. Der Fokus lag früher hauptsächlich auf der Viehzucht.

1998 und 2004 wurden dann die ersten 160 Hektar Reben in vier sorgfältig ausgewählten Parzellen auf eisenhaltigen Kiesböden mit Ton gepflanzt. Optimale Drainage ist also garantiert. Davon entfallen 67 Hektar auf Shiraz, 48 Hektar auf Cabernet Sauvignon sowie viele kleinere Anpflanzungen mit Riesling, Sémillon und einigen anderen, für Australien eher untypischen Rebsorten.

Die Eltern, Graham und Kaye Swinney, hatten gemeinsam mit ihren Kindern Matt und Janelle Swinney, die das Weingut heute führen, viel vor. Sie waren sich schon damals sicher, dass ihr Terroir zu Großem fähig ist. Das Ziel war von Anfang an nie eine »einfache« Traubenproduktion aus reinen Erwerbszwecken, sondern die Vision, irgendwann – trotz aller Abgelegenheit und der anfangs spärlichen Wein-Infrastruktur – zu den besten Weingütern Australiens zu gehören.

Die geernteten Weintrauben wurden zunächst beinahe zwei Jahrzehnte lang diskret an einige der berühmtesten Weingüter Australiens verkauft. Es zeugt von einem riesigen Commitment, auf den richtigen Zeitpunkt und die »Volljährigkeit« der Reben zu warten, um dann mit 100 Prozent Topklasse in den Markt zu gehen – ohne Frage ein Indiz für die weitsichtige Vision der Swinneys. 2018 kamen die ersten Weine unter eigenem Etikett auf den Markt. Die Familie verarbeitet bis heute übrigens nur einen Teil ihrer Trauben selbst, der Rest wird wie gehabt an langjährige Kunden verkauft.

Rotweinauswahl auf einem Tisch

Die Swinneys waren der erste Betrieb der Region, der Grenache, Tempranillo und Mourvèdre in größerem Maße in Buschform anlegte. Hier trifft Tradition auf »Cutting Edge«; denn diese Idee war in der heutigen Zeit tatsächlich mit echter Innovation verbunden. Neben Shiraz gewinnt die ungewöhnliche Region Frankland River also nicht zuletzt Dank der Swinneys mehr und mehr einen Ruf für herausragende, hochindividuelle Grenache- und Mourvèdre-Weine.

Vom »Nobody« zum Geheimtipp

Der Erfolg ließ nach dem Markteintritt von Swinney nicht lange auf sich warten, und die Geschwister avancierten rasant vom Geheimtipp zum regelmäßigen Liebling der renommiertesten Weinkritiker. Inzwischen ist besonders die »Farvie«-Serie von den besten und ältesten Parzellen der Familie in Australien so begehrt, dass die Weine seit dem fünften Jahrgang beinahe ausschließlich über Mailinglisten zugeteilt werden. Bedenkt man diesen Aufstieg innerhalb weniger Jahre, ist er fast schon schockierend. Auch international nimmt die Nachfrage zu, und wir müssen uns als Importeure für eine angemessene Zuteilung ordentlich ins Zeug legen!

Qualität kommt aus den Weinbergen

Statt auf Masse setzen die Swinneys wie gesagt konsequent auf kompromisslose Qualität im Weinberg. Das beginnt bei hochwertigen Klonen und reicht bis zur akribischen, zeitintensiven Bearbeitung der Stöcke. Hier könnten wir gar nicht weiter von dem (zu Unrecht) verbreiteten Vorurteil entfernt sein, dass Weinberge in Australien hauptsächlich maschinell bewirtschaftet werden. Die Philosophie erinnert eher an einen kleinen burgundischen Betrieb: Es wird augenscheinlich jedes Blatt einzeln zurechtgelegt. Die Familie praktiziert nachhaltige Anbaumethoden, um das Ökosystem so wenig wie möglich zu belasten. Das Team im Weinberg achtet akribisch auf die Rebgesundheit, die Biodiversität des Bodens sowie ein präzises Laubwandmanagement. In der komplett ohne Bewässerung in Buschform angebauten Lage »Wilson’s Pool« kennt das Team jeden Rebstock persönlich. Das Ergebnis sind spannende Weine, die auf ihre eigene Art wild und voller Identität, konzentriert und zugleich fein und raffiniert sind.

Ein Winzer-Talent mit Önologie im Blut

Rob Mann gilt als einer der intuitivsten und angesehensten Winzer Australiens und hat sich diesen Ruf unter anderem während seiner Zeit bei Cape Mentelle erarbeitet. Rob behandelt alle Trauben mit einer Philosophie, die zu pinot-artiger Finesse führt. Er setzte einen komplett neuen Standard für Grenache und Mourvèdre in Frankland River, der die Swinney-Weine mit einem Schlag auf Augenhöhe mit den besten der Welt brachte. Sein oberstes Ziel ist es, das Terroir auszudrücken und die Identität des jeweiligen Jahrgangs in seiner schönsten Form zu bewahren. Unter seiner Leitung erlangten Swinney-Weine einen Ruf für puristische Eleganz. Sie werden unter Kennern für ihre harmonische Balance, nuancierte Aromen und Tiefe gefeiert – er machte aus sehr guten Weinen herausragende Weltklasse-Gewächse!

Keine Zauberei im Keller

Die Gärung erfolgt in der Regel mit wilden (natürlichen) Hefen. Bei Rotweinen wird häufig die Ganztraubengärung angewendet, um dem Wein Struktur und aromatische Komplexität zu verleihen. Schonende Extraktionsmethoden wie das Einstampfen mit den Füßen oder sanftes Umpumpen bewahren dabei die Reinheit der Frucht. Der Ausbau findet in großformatigen, gebrauchten Eichenholzfässern statt, die zur Textur beitragen, ohne den frischen Charakter des Weins zu dominieren. Hier wird nichts überstürzt – die Weine reifen so lange wie nötig, um ihre ganz eigene Persönlichkeit zu entfalten.

Swinney ist ein hochspannendes Weingut, das jeder Liebhaber charaktervoller Weine auf dem Schirm haben sollte. In den besten Jahren sind die Swinney-Weine monumental und spielen zweifellos in der obersten Liga der Weltklasse mit!