Die Einzellagen von I Clivi sind mind blowing! Brazan ist eine der beiden Cru Lagen des Weinguts in der Provinz Gorizia, genauer gesagt in Brazzano di Cormons, direkt an der Grenze zu Slowenien. Der Blend besteht hauptsächlich aus aromatischen, autochthonen Rebsorten: 50 Prozent Ribolla, 40 Prozent Tocai Friulano und 10 Prozent Malvasia. Die Reben sind hier über 80 Jahre alt und stehen auf mineralreichen Mergel und Sandsteinböden. Die von Hand gelesenen Trauben werden als Ganztrauben, also mitsamt der Stiele, mit sanftem Druck gepresst. In diesen Wein geht nur der erste, reinste Teil der Pressung. Im Stahltank mit wilden Hefen angegoren, dann im Holzfass 12 Monate lang auf der Feinhefe ausgebaut und anschließend folgen nochmals sechs Monate im Stahltank, zur harmonischen Abrundung. Der relativ lange Ausbau rückt die mineralischen Aromen der Lage noch vor die Primärfrucht-Aromen der Rebsorten in den Vordergrund. Leuchtendes Zitronengelb mit grünen Reflexen. Die Nase ist von burgundischer Eleganz geprägt – intensive Kalkstein-Mineralität schiebt sich tänzelnd in den Vordergrund, salzig und leicht rauchig, mit zerbröseltem Gesteinsmehl. Die Mineralik wird mit etwas Zeit im Glas immer lauter. Die höher gelegenen Parzellen aus Chassagne-Montrachet lassen grüßen! Vorbei an verspielt duftenden reifen gelben Äpfeln und Birnen, Pfirsichen, frisch gebackener Zitronentarte und süßem Brioche. Nach und nach schweben ganz zarte, verträumte Aromen weißer Blüten hinzu, nur der kleinste Hauch verführerisch duftender Vanille taucht zusammen mit Muskatnuss und einem Hauch Zimt und braunem Pfeffer auf. Im Mund schießt Brazan dann mit linearer salziger Spannung und knackiger Frische mitten über die Zunge. Quitten und saftige Mirabellen zieren dabei die Seiten der Zunge. Das ist eine ultra fesselnde Kombination, die puristische, salzige Mineralität mit saftiger Frucht und guter Frische in wunderschöner Harmonie, sozusagen »the best of both worlds«! Leicht bittere florale Aromen klingen nach und geben dem Wein den Fingerprint des Friauls. Pudrige Rosenblüten, Mandarinenschale, ein Hauch weißer Pfeffer und Koriandersaat. Selbst im Mund scheint dieser Wein seelenverwandt mit dem Burgund, auch wenn er aromatisch gesehen eine deutlich höhere Drehzahl hat. Noch lange nach dem Schlucken bleibt diese steinige Kalkstein-Haptik mit trink-animierender Salzigkeit auf der Zunge. Brazan ist ultra elegant und definitiv »Friaul at its Best«! Der geschmackliche Unterschied der beiden Lagen liegt hauptsächlich am Terroir jeder Lage, denn ausgebaut werden beide gleich. Während Galea die trockenere und wärmere Lage darstellt, gibt es im Brazan in der Regel größere Unterschiede zwischen den Tages- und Nachttemperaturen, das führt zur intensiveren Mineralik des Weins. Leider gibt es insgesamt nur circa 4.000 Flaschen davon. Winzer Mario Zanusso trinkt den Wein am liebsten übrigens im Alter von 10 Jahren. Dieser Stoff ist echt unglaublich stark! Krass, dass es so etwas in dieser Preiskategorie überhaupt noch gibt: ein Wein mit Seele, Charakter und Lecker-Gen.