Wegeler: Riesling Berg Schlossberg Großes Gewächs 2023

Wegeler: Riesling Berg Schlossberg Großes Gewächs 2023

VDP

Zum Winzer

Riesling 100%
weiß, trocken
12,5% Vol.
Trinkreife: 2028–2052
mineralisch
Lobenberg: 97+/100
Suckling: 98/100
Weinwisser: 96–98/100
Galloni: 96/100
Deutschland, Rheingau
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Riesling Berg Schlossberg Großes Gewächs 2023

97+
/100

Seit Richard Grosche mit an Board ist bei Wegeler hat sich der Stil des Hauses zum positiven verändert. Es geht ein klein wenig in die alte buhl’sche Stilistik unter Grosche-Kauffmann, also trockener, schlanker, präziser und längerer Hefekontakt ohne Schwefel. Der Schlossberg wird in Stückfässern vergoren und ausgebaut, kein neues Holz. Der Rüdesheimer Berg hat immer diese wahnsinnige Mineralausstrahlung, dieses kompromisslos Steinige. Und 2023 war so ziemlich das beste Jahr im Rüdesheimer Berg seit langer Zeit. Der Wein ist kühl und puristisch, selbst aus dieser warmen Lage ist das ein ganz filigraner Stoff. Agrumenzesten und Zitronengras, Pfefferminze, ganz hinten auch etwas Quittenbirne, was dann langsam immer mehr Volumen mit sich bringt. Obwohl der Schlossberg ruhig und gelassen daherkommt, hat er schon gewaltig Standgas und eine brachiale Mineralität, das spürt man. Wenn sich das mal vollständig geöffnet hat, geht die Post ab. Ein Touch von Kauffmanns Elsass und das aus DEM Rheingauer Weinberg schlechthin. Das ist schon ziemlich mutig, aber durch seine Einzigartigkeit auch faszinierend.

Jahrgangsbericht

Der Winter 2022 auf 2023 brachte endlich, wovon wir in den letzten Jahren oft zu wenig hatten: Niederschlag. Dank Regen satt, waren die Wasserreserven nach dem viel zu trockenen 2022 endlich wieder gut gefüllt, was den Reben einen vitalen Start ins Frühjahr eröffnete. Nahezu keine Frostschäden und paradiesisches Wetter begleiteten eine tolle Austriebs- und Blütezeit, die die Winzerherzen höherschlagen ließ. Es folgte, woran wir uns – mit Ausnahme von 2021 – bereits gewöhnt haben: ein heißer und (zu) trockener Sommer. An den kargsten Standorten gab es wie im Vorjahr etwas Trockenstress. Die älteren Reben kamen aber aufgrund der satten Winterniederschläge glimpflich und sehr gesund durch den provençalischen Frühsommer. Nichtsdestotrotz hätte 2023 eine mittlere Katastrophe werden können, wenn die Trockenheit bis zur Lese so durchgepowert hätte, doch ausgerechnet der sonnenverwöhnte August brachte die Kehrtwende auf den Hacken, denn es war der regenreichste August seit langem. Ab Anfang/Mitte September – gerade recht zur Lesezeit – machte das Wetter vielerorts erneut eine Kehrtwende und schwenkte zurück zu sonnig-warmen, trockenen Verhältnissen. Die bereits kühleren Nächte ermöglichten eine hocharomatische Ausreifung, die 2023 diese gewaltige Fruchtstärke und kühle Brillanz beschert hat. Tatsächlich sahen die Trauben mancherorts aus wie von einem anderen Stern: goldgelb, hochreif und voll praller Energie und Saft. Ob 2023 wirklich DAS Jahr der Jahre ist, steht natürlich noch in den Sternen, aber die Vorzeichen sind mehr als grandios… es ist aus mehreren Gründen der faszinierendste Jahrgang der letzten Jahre. Kein Jahr zuvor war in der Vegetationsperiode so »sonnig« UND so »nass« zugleich. Also doch kein reines (Wein-)Wunder, dass 2023 diese wundervolle geschmackliche Mischung zwischen den aromatisch-dichten 2018ern und 2019ern, sowie den rassig-kühlen 2012ern und 2013ern ist. Warme, satte Agrumenfrucht ohne Ende, von Grapefruit bis Quitte ist alles dabei – und darunterliegend immer wieder dieser mitreißende Speichelturbo. Die Weine haben mehr Dichte als in 2020, eine höhere Reife als in 2021 und mehr Geschmeidigkeit als in 2022 – deshalb gefällt mir der Jahrgang beim Riesling in der Breite bisher auch besser als seine Vorgänger. 2023 kann sowohl 2021er Riesling-Freaks als auch Fans des runderen 2018 abholen. Die Einzigartigkeit der 2023er Rieslinge liegt im Akkord aus beeindruckender Dichte, die selten schwer wirkt, glasklarem Terroircharakter und einem Trinkfluss für die Götter. Die höhere Wasserverfügbarkeit der Reben hat vielen Weinen einen schwer in Worte zu fassenden »Fluss« verliehen. Die Besten sind so reich und geschmeidig, dennoch nie fett oder überwältigend, immer freudvoll und saftig. Vor allem im direkten Vergleich mit dem phenolisch-festeren und etwas kargeren Vorjahr 2022, ist das ein Quantensprung in Richtung früher Trinkbarkeit und Gourmetfaktor. Ich kann mir gut vorstellen, dass 2023 sogar bei den großen Weinen für eine längere Zeit offen und zugänglich bleibt. Das gibt dem Jahr potenziell ein riesiges Trinkfenster, denn dank tiefer pH-Werte und großer Balance ist das allemal auch ein Jahrgang für den Keller. In der Spitze sind die 2023er buddhistische Rieslinge. Keines der letzten drei Jahre hatte ein so stimmiges Gesamtbild aus expressiver Frucht, samtig-dichter Textur und perfekt reifen Säuren. 2023 fließt einfach – Hedonismus pur!

98
/100

Suckling über: Riesling Berg Schlossberg Großes Gewächs

The exotic fruit and spice complexity dominates the super-concentrated, enormously structured, medium-bodied palate of this masterpiece. Intensely stony and salty finish that just doesn’t want to stop. Still very tightly wound, so try to be patient, because the potential of this is enormous. Drinkable now, but best from 2027.,,,

96–98
/100

Weinwisser über: Riesling Berg Schlossberg Großes Gewächs

Mitteldunkle Hefewürze, angetrocknetes Kernobst, Kräuter. Fest im Mund, viel Würze, mineralisch, fester, würziger Nachhall, in sich ruhend, puristisch, sehr gelungen

96
/100

Galloni über: Riesling Berg Schlossberg Großes Gewächs

The 2023 Riesling Rüdesheimer Berg Schlossberg Grosses Gewächs is from an iconic, stony slope of mica schist and quartzite. The subtle nose channels lemon oil and crushed chamomile. It takes a lot of swirling to wake this up. The palate has a concentrated, linear lightness and a serene aspect. This is slender and taut, yet with a harmonious mouthfeel that softens the uncompromising stone. (Bone-dry),,,

Mein Winzer

Wegeler

Die Weingüter Wegeler sind eng mit der Weingeschichte der Mosel und der des Rheingaus verbunden. Die Erfolgsgeschichte begann bereits 1882. Heute wird das Spitzengut von einer neuen Generation innovativer Winzer geführt.

Riesling Berg Schlossberg Großes Gewächs 2023