Rudolf Fürst: Spätburgunder Hundsrück Großes Gewächs 2023
- Spätburgunder 100%
- rot, trocken
- 13,0% Vol.
- Trinkreife: 2031–2055
- Verpackt in: 6er OHK
- seidig & aromatisch
- strukturiert
- Lobenberg: 98–100/100
- Parker: 97/100
- Suckling: 98/100
- Falstaff: 97+/100
- Deutschland, Franken
- Allergene: Sulfite,
Abfüller / Importeur: Weingut Rudolf Fürst, Hohenlindenweg 46, 63927 Bürgerstadt, DEUTSCHLAND
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Heiner Lobenberg über:
Spätburgunder Hundsrück Großes Gewächs 2023
/100
Die ältesten Reben des Weingutes, bis zu 50 Jahre alt. Die Reben des Hundsrück bestanden früher meist aus jeweils rund 50 Prozent deutschen und französischen Klonen, die allerfeinste burgundische Selektionen sind. Mittlerweile ist die französische Genetik stark überwiegend, weil Fürst peu a peu die deutschen Reben auf französische Selektionen umveredelt. Deutsche Stöcke machen wohl nur noch rund 10 Prozent aus. Der Weinberg ist insgesamt die Erste Lage Bürgstadter Berg, in der dann der Centgrafenberg und der Hundsrück als separate Große Lagen liegen. Der Hundsrück ist der kargste und eisenhaltigste Teil am Bürgstadter Berg – genau an einer Felskante. Der starke Eisenanteil schlägt natürlich voll durch. Der Bürgstadter Berg zieht sich ins Erftal hinein, was ein kühleres Seitental des Maintals ist. Das kleine Flüsschen zieht sich vor Centgrafenberg und Hundsrück entlang. Hier ist es kühler als am Hang in Klingenberg. Dieser Wein kommt komplett aus den Kernparzellen der Hanglagen, großteils terrassiert mit alten Trockensteinmauern. Fürst arbeitet bei den Spätburgundern mit einer »Vormazeration«, das ist aber keine Kaltmazeration im eigentlichen Sinne. Die unentrappten, völlig intakten Trauben werden in die Bütt gelegt und mit Kühlplatten auf eine niedrigere Temperatur gebracht, dass sie nicht so schnell in die Gärung schießen. Dann wird die Kühlung entfernt und Stück für Stück beginnt die Gärung. Es wird die ersten acht bis zehn Tage überhaupt nicht gestampft, d.h. wir haben eine Vergärung in der teilweise ganze, intakte Beeren heile verbleiben bis zur Pressung. Zwischendurch wird dann allerdings auch mit einem Stößel untergestoßen. Wir haben also eine Kombination aus teilweiser Maceration Carbonique innerhalb der Beeren und gleichzeitig einen oxidativeren Ansatz. Das gibt eine größere Vielschichtigkeit und eine größere Fruchtstärke. Das Hundsrück GG wurde am 11. September geerntet. Der Hundsrück wurde, wie der Schlossberg auch, zu 100 Prozent mit Ganztrauben vergoren. Ausbau in burgundischen Barriques mit rund 60 Prozent Neuholzanteil. Unfiltrierte Abfüllung nach Ostern 2025. Nach dem Blockbuster 2022 kommt 2023 mit einer etwas filigraneren und minimal schlankeren Ausrichtung an. Er hat die größere Kühle, aber zugleich auch einen ungeahnten Charme in 2023, der an den Centgrafenberg anknüft, aber doch stringenter und etwas reduktiver bleibt. Ich bin sehr verblüfft über 2023, diese Perfektion hätte ich aus dem schwierigeren Jahrgang nicht erwartet. Der Hundsrück gibt sich im Duft eher steinig, zeigt dunkelbeerige Nuancen, grünes Zigarrendeckblatt und Graphitgestein. Die expressive Frucht von 2023 ist schon da, aber noch sehr engmaschig und verwoben, sie springt noch nicht aus dem Glas, sondern steht noch sehnig und straff im Startblock ready to take off. Der Hundsrück ist das eleganteste und kühlste GG bei Fürst, nach und nach legt er seine würzige, dunkelrote Beerenfrucht frei. Es ist schon etwas rotfruchtiger in der Art als 2022, aber so ungeheuer dunkel und dramatisch in der Mineralität. Der 2023er hat eine faszinierende Mischung aus straffer, kühler Säurefrische, dichter Beerigkeit und steinigen, herbsaftigen Tanninen – das Ganze ist so fest verwoben, dass ich nur staunen kann, wie viel Kraft aus diesem feinen Jahr herausgekommen ist. Das ist ein sehr feiner, glockenklarer Saft. Und hat doch schon deutlich mehr Power als etwa der 2021er Jahrgang und ist zugleich irgendwo verspielter in der Frucht als 2022. Wenn es nach Sebastian Fürst geht, könnte der 2023er Hundsrück am ehesten in einer Reihe mit 2013 und 2016 stehen. Kühl, elegant, rassig, perfekt reif, aber eben noch ziemlich knackig.
Jahrgangsbericht
Der Winter 2022 auf 2023 brachte endlich, wovon wir in den letzten Jahren oft zu wenig hatten: Niederschlag. Dank Regen satt, waren die Wasserreserven nach dem viel zu trockenen 2022 endlich wieder gut gefüllt, was den Reben einen vitalen Start ins Frühjahr eröffnete. Nahezu keine Frostschäden und paradiesisches Wetter begleiteten eine tolle Austriebs- und Blütezeit, die die Winzerherzen höherschlagen ließ. Es folgte, woran wir uns – mit Ausnahme von 2021 – bereits gewöhnt haben: ein heißer und (zu) trockener Sommer. An den kargsten Standorten gab es wie im Vorjahr etwas Trockenstress. Die älteren Reben kamen aber aufgrund der satten Winterniederschläge glimpflich und sehr gesund durch den provençalischen Frühsommer. Nichtsdestotrotz hätte 2023 eine mittlere Katastrophe werden können, wenn die Trockenheit bis zur Lese so durchgepowert hätte, doch ausgerechnet der sonnenverwöhnte August brachte die Kehrtwende auf den Hacken, denn es war der regenreichste August seit langem. Ab Anfang/Mitte September – gerade recht zur Lesezeit – machte das Wetter vielerorts erneut eine Kehrtwende und schwenkte zurück zu sonnig-warmen, trockenen Verhältnissen. Die bereits kühleren Nächte ermöglichten eine hocharomatische Ausreifung, die 2023 diese gewaltige Fruchtstärke und kühle Brillanz beschert hat. Tatsächlich sahen die Trauben mancherorts aus wie von einem anderen Stern: goldgelb, hochreif und voll praller Energie und Saft. Ob 2023 wirklich DAS Jahr der Jahre ist, steht natürlich noch in den Sternen, aber die Vorzeichen sind mehr als grandios… es ist aus mehreren Gründen der faszinierendste Jahrgang der letzten Jahre. Kein Jahr zuvor war in der Vegetationsperiode so »sonnig« UND so »nass« zugleich. Also doch kein reines (Wein-)Wunder, dass 2023 diese wundervolle geschmackliche Mischung zwischen den aromatisch-dichten 2018ern und 2019ern, sowie den rassig-kühlen 2012ern und 2013ern ist. Warme, satte Agrumenfrucht ohne Ende, von Grapefruit bis Quitte ist alles dabei – und darunterliegend immer wieder dieser mitreißende Speichelturbo. Die Weine haben mehr Dichte als in 2020, eine höhere Reife als in 2021 und mehr Geschmeidigkeit als in 2022 – deshalb gefällt mir der Jahrgang beim Riesling in der Breite bisher auch besser als seine Vorgänger. 2023 kann sowohl 2021er Riesling-Freaks als auch Fans des runderen 2018 abholen. Die Einzigartigkeit der 2023er Rieslinge liegt im Akkord aus beeindruckender Dichte, die selten schwer wirkt, glasklarem Terroircharakter und einem Trinkfluss für die Götter. Die höhere Wasserverfügbarkeit der Reben hat vielen Weinen einen schwer in Worte zu fassenden »Fluss« verliehen. Die Besten sind so reich und geschmeidig, dennoch nie fett oder überwältigend, immer freudvoll und saftig. Vor allem im direkten Vergleich mit dem phenolisch-festeren und etwas kargeren Vorjahr 2022, ist das ein Quantensprung in Richtung früher Trinkbarkeit und Gourmetfaktor. Ich kann mir gut vorstellen, dass 2023 sogar bei den großen Weinen für eine längere Zeit offen und zugänglich bleibt. Das gibt dem Jahr potenziell ein riesiges Trinkfenster, denn dank tiefer pH-Werte und großer Balance ist das allemal auch ein Jahrgang für den Keller. In der Spitze sind die 2023er buddhistische Rieslinge. Keines der letzten drei Jahre hatte ein so stimmiges Gesamtbild aus expressiver Frucht, samtig-dichter Textur und perfekt reifen Säuren. 2023 fließt einfach – Hedonismus pur!
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Parker über: Spätburgunder Hundsrück Großes Gewächs
The 2023 Spätburgunder Hundsrück GG is even fresher than the Centgrafenberg and seems to be purer, more fragrant and aromatic on the detailed and energetic nose that reveals dark fruit aromas along with earthy and toasty nuances. Silky, round and generous on the palate and provided with very fine tannins, this is a full-bodied, intense and sweet, wonderfully juicy, seamlessly textured yet tightly structured Pinot with savoriness and salinity on the extraordinary long, dense, tight and complex, very promising finish. 13% stated alcohol. Natural cork. Tasted in December 2025.,,
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Suckling über: Spätburgunder Hundsrück Großes Gewächs
Dark, dense and compact, this is a very serious pinot noir, although it remains medium-bodied with fantastic freshness. Concentrated fine tannins give this a very firm core, and it certainly needs some more time in the bottle to give its best. It already shows enormous earthy depth on the mid-palate and through the very cool, powerful but tightly wound finish. Drinkable now, but best from 2027.,,
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Falstaff über: Spätburgunder Hundsrück Großes Gewächs
Kleine rote Beeren, Preiselbeere, Walderdbeere, ein Hauch von Kokos. Der Gaumen ist ein einziges Amalgam: ein dichter, reifer, feinkörniger und frischer Gerbstoff ist mit Saftigkeit, Nerv und taktiler Mineralität komplett verschmolzen. Eine natürliche Balance von höchster Güte,,
Rudolf Fürst
Franken ist Frankreich nicht nur phonetisch ganz nahe. Wer behauptet, dass exzellenter Pinot Noir, also Spätburgunder nur aus dem in Frankreich gelegenen Burgund stammt, hat mindestens die letzte Dekade verschlafen.