Riesling Wehlener Sonnenuhr Kabinett 2021

J. J. Prüm: Riesling Wehlener Sonnenuhr Kabinett 2021

Zum Winzer

96
100
2
Riesling 100%
5
weiß, süss
8,0% Vol.
Trinkreife: 2023–2046
Verpackt in: 6er
9
mineralisch
leicht süss
exotisch & aromatisch
3
Lobenberg: 96/100
6
Deutschland, Mosel Saar Ruwer
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Riesling Wehlener Sonnenuhr Kabinett 2021

96
/100

Lobenberg: Ein kühleres Jahr wie 2021 lässt die wärmere Sonnenuhr natürlich besonders glänzen in ihrer vollen Südexposition. Dann zeigt sie ihre ganze Erhabenheit und Präsenz. Wie immer ist die Sonnenuhr dichter, cremiger und reifer schon im Duft als das filigrane Wunderwerk Himmelreich. Natürlich ebenso elegant und unendlich fein. Der typische Prüm-Stinker kommt hier auch etwas deutlicher hervor. Viel saftige, kräutrige, herbsüße, helle Frucht: weißer Pfirsich, Limettenblätter, weißer Tee, Wildkirsche. So schick, kühl, tänzerisch, aber dann kommt hinten raus eine so beeindruckende Länge wie man sie einem so feingliedrigen Wein nie zutrauen wollte. Das ist die Magie der Prüm-Kabinette und 2021 ist das noch mehr als im Vorjahr der Fall. Einfach ein perfektes Jahr für diese ultrazarten Moselkabinette, schlank im Alkohol, feingliedrig, unendlich verspielt und fein. Keine überschwängliche Exotik, es bleibt sublim und voller spannungsreicher Finessen aus Kräutern, herbsaftigen Zitruszesten und kühl-feuchter Schiefergesteinsanmutung mit schön saftiger heller Steinobstfrucht und minziger Frische, dazu die wahnsinnige aromatische Länge, die auf der Zunge stehenbleibt. Ein Traumkabinett aus diesem spannenden Jahrgang 2021. 96/100

Jahrgangsbericht

Mit den letzten Jahrgängen im Hinterkopf antizipierten die Winzer wie gewohnt einen eher trocken-warmen Witterungsverlauf. Doch 2021 machte recht schnell klar: nicht mit mir! Austrieb und Blüte waren bereits von ungewöhnlich nordisch-rauem Wetter begleitet und im Vergleich zu den Vorjahren »relativ spät« – im langjährigen Mittel also quasi normal. Die meisten deutschen Weinberge blieben von Frost verschont. Die recht harsche Witterung sorgte jedoch nahezu überall für Ertragseinbußen durch die windige, verregnete und dadurch unregelmäßige Blütephase. Der darauffolgende Sommer brachte zunächst keineswegs die Wende. Dramatisch konzentrierte Sommerniederschläge setzten der vorherigen Trilogie der heiß-trockenen Jahre ein jähes Ende und machten den Pflanzenschutz 2021 zu einer Sisyphusarbeit. Die Topwinzer haben 2021 Marathondistanzen in den Weinbergen abgeleistet, um der Situation Herr zu werden. Durch den zusätzlich hohen Personaleinsatz ist es in der Produktion für viele eines der teuersten Jahre aller Zeiten. Ein Glück, dass der Riesling als adaptierte Nord-Rebe stoisch in Wind und Wetter steht wie ein Islandpferd. Denn im Grunde wurde im Herbst immer klarer: Wenn man im Sommer richtig Gas gegeben hat, konnte das noch ein unglaublich starker Jahrgang werden – und so kam es dann auch. Nach diesem echten Cool-Climate-Sommer, der bis Ende August anhielt, retteten der September und ein Goldener Oktober den Weinjahrgang dann fast im Alleingang. Ein stabiles Hoch über Mittel- und Osteuropa sorgt für dieses seit Jahrhunderten bekannte Phänomen. Die Sonnenscheindauer ist gegen Oktober mit noch immer über 10 Stunden sehr hoch, dafür ist die Tag-Nacht-Amplitude schon viel ausgeprägter als noch im August. Da die Nächte länger werden, kann die Luft in Bodennähe stärker auskühlen. Das sorgt für eine langsame Ausreifung bei langer Hangzeit am Stock und trotzdem stabil bleibenden Säuren. Gerade der Riesling liebt das besonders, aber auch die Burgundersorten brillieren mit kühler Frische. Denn 2021 ist ein so spannendes, krachendes und zugleich kristallines Weißwein-Jahr, wie wir es lange nicht mehr hatten. Wer keine Angst vor berauschender Frische hat und sich gerne von hoher Spannung aus der Kurve tragen lässt, der wird mit 2021 seine größte Freude haben. Alle anderen sollten sich besser an die gar nicht so unähnlich gebauten, aber etwas freundlicheren 2020er halten.

Mein Winzer

J. J. Prüm

Das Weingut J. J. Prüm entstand 1911 nach der Erbteilung des Stammgutes auf die sieben Kinder des letzten Inhabers, Mathias Prüm. Heute werden die legendären Weine von Dr. Manfred Prüm und seiner Familie erzeugt.