Die Marsanne ist hier im Hermitage die klare Dominante, so wie eigentlich bei allen Nordrhône-Weißweinen von Tardieu. Es ist fast immer knapp 80 Marsanne und 20 Prozent Roussanne, auch in den anderen Appellationen. Das ist einfach die Quadratur des Kreises aus Komplexität, Spannung und Cremigkeit. Der Hermitage 2025 ist wahnsinnig intensiv, man hält die Nase ins Glas und denkt: das könnte ein Burgunder Grand Cru sein. Rauchig, kalkig, hochmineralisch, zart reduktiv und berstend vor Spannung. Aber die viele reiche, weiße Frucht mit weißem Pfirsich und weißer Birne einer typischen Marsanne wird ergänzt durch feinen Mandarinenabrieb und ein bisschen Zitronengras. Der Wein steht für fünf Minuten und braucht sicherlich fünf Jahre, um die hohe Intensität wegzuatmen. Nach 10, 15 Jahre ist das aber ein ganz großer weißer Hermitage, der mit dem Reverdy von Ferraton und dem De L'Orée von Chapoutier nicht nur mithalten kann, sondern ganz vorne mit dabei ist. Das ist Weißwein in der allerhöchsten Rille. Aber er braucht seine Zeit. Noch Minuten danach sind meine Zunge und mein Gaumen belegt. *** Der weiße Hermitage von Tardieu besteht aus 80 Prozent Marsanne und 20 Prozent Roussanne. Er stammt aus drei verschiedenen Lagen im Hermitage: Pierelles, Beaume und Murets. Die Reben sind über 50 Jahre alt. Der Wein hat 13,5 Volumenprozent Alkohol. Nach der langsamen Ganztraubenpressung wird der Most spontan im Barrique vergoren. Malo und zwölfmonatiger Ausbau geschehen in Barriques, teils neues Holz, teils Zweitbelegungen. Danach wird der Wein weitere 12 Monate in große Doppelstückfässer von Stockinger gelegt. Keine Schönung und Filtration vor der Füllung in die Burgunderflaschen. Ab dem Jahrgang 2020 mit der teuersten Korkvariante von DIAM ausgestattet, die neben Naturkork 100 Prozent natürliche Materialien wie Rizinusöl und Bienenwachs enthält.