2025 war die früheste Lese aller Zeiten bei Chapoutier, am 14. August ging es in Saint-Peray los. Der Spätsommer war von einer großen Hitzewelle geprägt, der die Reife vorangetrieben hat und die Trauben stark aufkonzentriert hat. Es gibt rund 20 Prozent weniger Ertrag als erwartet, weil die Trauben so wenig Saft ergeben haben. Maxime Chapoutier sagte, er habe noch nie so hohe Extraktwerte in seinen Weinen gehabt wie 2025. De L’Orée stammt aus der Einzellage Les Murets am östlichen Rand des Hermitage und hat eine Südexposition. Die Morgensonne bestrahlt zuerst diesen Weinberg. Die Umbenennung von les Murets in de l’Orée wurde wegen der Morgensonne vorgenommen. Chapoutier besitzt vier Hektar in dieser Lage, aber nur anderthalb davon gehen in die Sélection Parcellaire. 100 Prozent Marsanne. Eisenrotgefärbter Lehm, dazu Kieselsteine à la Châteauneuf-du-Pape und Mergel, also verwitterter Kalk und Lehm. Hier wird komplett mit dem Pferdepflug bearbeitet, um die Verdichtung des Bodens zu vermeiden. Alle Marsanne werden bei Chapoutier zu 100 Prozent in Demi-muids ausgebaut, also in 600-Liter Holzfässern. 10 Prozent neues Holz, 90 Prozent Zweit- und Drittbelegungen. Die Trauben werden direkt abgepresst vor der spontanen Gärung, die teilweise bis zu vier Monate andauert. Während des Ausbaus findet keine Bâtonnage statt. Gefüllt werden die weißen Ermitage bei Chapoutier inzwischen nach elf Monaten, nicht wie früher nach dreizehn. De l’Orée geht immer stark in Richtung Gewürznelke und Popcorn. Sehr typisch für diesen Wein und deshalb ist er immer erkennbar in der Nase. Ich bin verblüfft wie elegant und zugänglich sich 2025 zeigt, trotz dieser fast ungeheuerlichen Kraft. Eine feingliedrige Nase, Power ohne Schwere. Zitronengras, zerstoßenes Gestein, Feuerstein, Bitterorange, Blutorange, Zitrusfrüchte, wirkt fast straff in seiner Fruchtauslegung, obwohl er diese immense Konzentration aufweist. Wir sind fein und saftig in der Aromatik, aber haben durch kleine Erträge mehr Druck und eine gewisse positive Austerität. Vertikaler Schub im Mund, saftige gelbe Frucht von Quitte, Zitronengras, dicht, cremig. Nicht so sehr auf der Säurespur laufend wie das kühlere 2024. Wir sind wieder zurück bei provencalischer, öliger Textur mit wahnsinniger Power. Schon als Fassprobe ist der Wein überraschend zugänglich, aber er wird Jahrzehnte halten. Es erinnert mich etwas an die 2015er oder 2017er, ist aber noch etwas dichter, üppiger texturiert. Hier sind wir in der Liga der allerbesten weißen Hermitage. Jeder, der aus einem großen Jahr den De l’Orée nach 10 bis 15 Jahren trinkt, weiß wovon ich rede. Das gehört zu den ganz großen Weißweinen der Welt.