De L’Orée stammt aus der Einzellage Les Murets am östlichen Rand des Hermitage und hat eine Südexposition. Die Morgensonne bestrahlt zuerst diesen Weinberg. Die Umbenennung von les Murets in de l’Orée wurde wegen der Morgensonne vorgenommen. Chapoutier besitzt vier Hektar in dieser Lage, aber nur anderthalb davon gehen in die Sélection Parcellaire. 100 Prozent Marsanne. Eisenrotgefärbter Lehm, dazu Kieselsteine à la Châteauneuf-du-Pape und Mergel, also verwitterter Kalk und Lehm. Hier wird komplett mit dem Pferdepflug bearbeitet, um die Verdichtung des Bodens zu vermeiden. Alle Marsanne werden bei Chapoutier zu 100 Prozent in Demi-muids ausgebaut, also in 600-Liter Holzfässern. 10 Prozent neues Holz, 90 Prozent Zweit- und Drittbelegungen. Die Trauben werden direkt abgepresst vor der spontanen Gärung, die teilweise bis zu vier Monate andauert. Während des Ausbaus findet keine Bâtonnage statt. Gefüllt werden die weißen Ermitage bei Chapoutier inzwischen nach elf Monaten, nicht wie früher nach dreizehn. De l’Orée geht immer stark in Richtung Gewürznelke und Popcorn. Sehr typisch für diesen Wein und deshalb ist er immer erkennbar in der Nase. Maxime Chapoutier vergleicht den Jahrgang 2024 am ehesten mit 2010 in diesem kühlen, sehr fokussiert geradeauslaufenden und in der Jugend etwas unnahbaren Charakter. Die Weine brauchen Zeit, sind aber unglaublich fein und elegant. 2024 ist ein so schickes Jahr, wie eine Turbovariante des kühlen 2021. Wir sind ähnlich fein und saftig in der Aromatik, aber haben durch kleine Erträge mehr Druck und eine gewisse positive Austerität. Es ist in Weiß wie Rot ein tolles Jahr, vor allem im Norden, im Süden sind die Weißen deutlich stärker. De L’Orée ist die äußerste Ostflanke des Hermitage, mit die kühlste Ecke. Die Nase ist straff und lebhaft, zieht Orangenblüten, Sternfrucht und etwas Anis nach sich, dann kommt ein satter Schub Agrumen, der mit seiner zitrischen Spannung fast an Riesling denken lässt. Sehr fokussierte, vertikale Ausrichtung, Energie statt Üppigkeit. Das ist ein ganz großer Hermitage Blanc für mich, weil er so unique und so voller Spannung ist. Dabei im Mund nie die Köstlichkeit der duftigen Mirabellen-Orangen-Kombination verliert. Hier sind wir in der Liga der allerbesten weißen Hermitage. Jeder, der aus einem großen Jahr den De l’Orée nach 10 bis 15 Jahren trinkt, weiß wovon ich rede. Das gehört zu den ganz großen Weißweinen der Welt.