Barolo 2016 ist das Thema meiner Reise. 2016 heißt überall kleine Mengen und große bis sensationelle Ergebnisse. Weine mit großer anfänglicher Offenheit, überragender Finesse, viel Frucht, aber dennoch gebaut für die Ewigkeit. Fast überall, in Bordeaux, Burgund, Deutschland und Italien, auch und gerade im Piemont, der komplexeste Jahrgang der bisherigen Geschichte.

Im Piemont, genauer in der Langhe, Barolo und Barbaresco, gibt es mindestens 20 % weniger Menge, manchmal ist es noch schlimmer. Frost, Hagel, Trockenheit, alles dabei um die Mengen zu reduzieren. Aber nicht die Qualität. 2016 ist der legitime Nachfolger von 2010, aber noch mehr Frucht, extreme Eleganz, seidige, polierte und feine Tanninmassen, satte, aber nicht vordergründige Frucht, eine lange Verschlussphase ist absehbar. Dereinst in 20 Jahren wie 1989 und 1971. Oder gar besser, ein qualitativer Riese.

Also trotz Flugstreik durchgekämpft nach Turin, Audi A1, ab nach La Morra, Hotel Corte Condina, das beste klassische, wenngleich kleine Hotel der Langhe.

Roagna

Zum Start der Reise zum Finessemeister, zu Luca Roagna, der Rockstar von Barolo und Barbaresco. Der Mann liest immer Wochen nach den anderen, volles Risiko für volle Reife. Als ich am 29. Oktober abreiste fing er gerade erst mit der Lese in Barbaresco an. Ich lehne mich mal aus dem Fenster: Für mich zur Zeit einer der beste Winzer in beiden Regionen, in der gleichen Liga der Finesse wie Giacosa Riserva Red-Label. Roagna hat gerade erst 2014 auf die Flasche gebracht, der gerade gefüllte Ultra Riserva Crichet Paje ist sogar erst 2011. Diese superfeinen Jahre 2014 und 2011 kommt diesem Finesse-Rockstar total entgegen. Ich weiß, alle wollten 2010 und 2013, tanninreich, groß. Aber 2014, und demnächst der weiche, vollmundig fruchtig feine Jahrgang 2015, kommen Lucas Stil mehr entgegen als die maskulinen Jahrgänge. 2014 Roagna ist der Marques de Heredia Tondonia Gran Reserva Stil Italiens. Wer verträumte Finesse mag (Ich !) liegt hier perfekt, viel feiner als der massivere Jahrgang 2013. Asili in Barbaresco und Pira in Barolo sind echte Highlights. Der gerade releaste 2011 Riserva Crichet Paje ist ein Meilenstein in Barbaresco noch vor den Red-Label Giacosa. Besseren Barbaresco habe ich trotz Giacosa und Gaja nie erlebt, teuer zwar, aber besser geht nicht, etwas extraterrestrisch.

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Luca Roagna
2014 Barolo Pira

Pira ist eine Einzellage in Castiglione Falletto. Das Weingut hat die Lage 1989 erworben und zugleich das Weingut hier neu errichtet, Umzug von Barbaresco. Rebalter 35 bis 50 Jahre. Ausbau klassisch in neutralem Holz. Das ist alles andere als ein einfacher Barolo. Er verbrachte rund 5 Jahre im Holz. Die Lage Pira hat eine Südost-Exposition und hat sehr klassische Böden von blauem, grauem, weißem Lehm und ein bisschen Sand. Aus den etwas jüngeren Reben unter 50 Jahren entsteht der Barolo Pira, die älteren gehen in den Pira VV. Die Wein sind spontan vergoren und zu 100% entrappt.  2014 ist für Liebhaber finessenreicher Weine ein tolles Jahr, ziemlich ähnlich wie 2008. Natürlich nicht so viel Power wie 2013 oder 2016 und nicht so charmant und süß wie der kommende 2015er. Aber extrem burgundisch fein. Schon die Nase des Pira zeigt sich fast nur rote Frucht, viel weiche Himbeere, ein bisschen Salz und helle Lakritze dazu, Kreide und Bleistiftabrieb, Cranberry, würzige Waldhimbeere, helle Johannisbeere, alles ist extrem fein, im Hintergrund kommen auch rote Kirsche und Marzipan. So etwas feines, delikates und Chambolle Musigny-haftes. 2014 ist bei Luca Roagna deutlich spannender und feiner als die monumentalen 2013er, auf die man lange wird warten müssen. Ein Wein zum Träumen. Luca nennt diesen Wein einfach nur korrekt, aber es ist viel mehr. Der Mund spült die ganzen Fruchteindrücke dann nochmal intensiv über den Gaumen. Auch hier wieder diese Himbeer-Cranberry-Kirsch-Kombination, so unendlich fein und trotzdem diese traumhafte, frische Säure. Ein Barolo in dieser burgundischen Form ist mit das Feinste was Italien zeigen kann. Ich bin völlig geflasht von dieser (nicht ganz billigen :D) Basisqualität bei Luca Roagna. 2014 zeigt er was er wirklich kann. 96+/100

2014 Barolo Pira Vecchie Viti

Dieser Wein entsteht aus den 50 bis 80 jährigen Reben der Lage Pira. Im Jahr 2014 kann man geteilter Meinung sein, denn natürlich hat der Vecchie Viti enorm viel mehr Druck, ist entschiedener, aber stellt im Grunde die gleiche Stilistik des Pira dar, nur dass hier eben alles sehr viel intensiver schiebt. Und zwar so massiv, dass es fast zu intensiv wird. Auch das Tannin ist ebenso geschliffen, genau so seidig, auf der gleichen roten Frucht von Himbeere, Kirsche, Sauerkirsche und Cranberry mit Kreide durchsetzt. Super feinkörnig und verspielt durch den weißen Lehm, tänzelnd und doch viel länger anhaltend mit viel mehr Schub und Druck im Mund. Und ich persönlich gestehe diesem Pira aus alten Reben zu, dass es einer der ganz großen Barolo aus dem Jahr 2014 ist. Dennoch würde ich persönlich die nächsten 15 Jahre lieber den normalen Pira trinken, einfach weil er so unglaublich verträumt ist. Gleichwohl ist dieser Pira VV für den Jahrgang 2014 ein kleines Monster, wenn auch ein seidig-verspieltes Monster. 97-98/100

2014 Barbaresco Asili Vecchie Viti

Asili ist eine historische Einzellage in Barbaresco. 1961 erwarb Giovanni Roagna die Lage. Ausbau im großen Holz über 5 Jahre. Ein extrem limitierter Wein, von dem es alljährlich nur gut tausend Flaschen gibt. Denn hier gehen nur die ältesten Reben ein. Zu 100% aus eigenem Lagenbesitz. Sehr spät gelesen im späten Oktober. Der Wein wird komplett entrappt. Asili hat eine Südwest-Exposition, der Untergrund ist weißer und grauer Lehm und etwas Sand, das macht die Eleganz aus. Und Asili ist eine Lage, die eben auch immer durch extreme Eleganz und Feinheit überzeugt. Das zeigt sich schon in der Nase. Ich habe vorher die anderen Barbaresco-Lagen probiert und Asili ist mit Abstand der Burgundischste. Asili ist noch deutlich feiner als berühmte Lagen wie der etwas kraftvollere, fruchtigere Rabaja, das hier in Asili ist reines Chambolle Musigny. Das ist so etwas wie die Lage Pira im Barolo. Unendlich fein. Kreide und etwas Bleistift in der Nase, dazu sehr feine, helle, rote Früchte. Himbeere und Johannisbeere, viel süße rote Kirsche, ganz fein. Dazu feine Kräuter der Provence, etwas Salbei, wirklich unendlich schick. Und im Mund finden wir genau das Gleiche, obwohl der Wein weniger Tannin-betont ist als Lucas andere Lagen, so rollt sich doch bei diesem Wein ob seiner Intensität deutlich mehr die Zunge auf. Die Augen werden schmal ob dieser hohen Dichte der pikanten Frucht. Vollständig entrappt, spontanvergoren, und dennoch hat man das Gefühl der Wein habe leichte Rappenanteile, aber gleichzeitig ist alles total reif. Es gibt nicht den Hauch von grün, aber es gibt diese intensive Frische und diese wahnsinnige Verspieltheit bei gleichzeitigem Druck aus der hohen Mineralität. Salz und Kreide wechseln sich ab, rote Johannisbeere mit einem einem Hauch von Himbeere dazu. Einfach unglaublich viel Schub, Sauerkirsche, überhaupt viel helle, rote Frucht. Und das Ganze in wahnsinniger Intensität und verblüffender Eleganz. Immer wieder stelle ich fest, auch bei Giacosa, Asili ist die Lage, die ich mit am meisten schätze im Barbaresco. Für mich ist die Lage deshalb so herausragend, weil sie eben Chambolle-artig auftritt, und das unendlich lang und intensiv transportiert in traumhafter Feinheit und Frische. Ein Wein zum Träumen, der viele Minuten nachhallt. 97-99/100

2011 Barbaresco Crichet Paje VV

Das ist der teuerste Barbaresco, den es überhaupt gibt. Aus 90 bis 100 Jahre alten Reben auf massivem Sandstein und Lehm, hier gibt es keinen Sand. Dieser Wein ist ein Ereignis! In der zweiten Oktoberhälfte des Jahres 2011 sehr spät und vollreif gelesen, dann zu 100% entrappt und spontan vergoren. Wenn man diesen Wein nicht mindestens einmal probiert hat, dann weiß man nicht wozu großer Barbaresco fähig sein kann. Klar, es gibt die Riserva von Giacosa, aber die ist nicht ganz so definiert. Und dann Gajas Sori-Lagen, fast etwas grob dagegen. Das hier ist das Äquivalent zu einem La Tâche aus dem Burgund. Der Wein hat so einen immensen Zug, und trotzdem sind die Tannine so seidig wie man sie sich seidiger kaum vorstellen kann, ein unfassbarer Schliff. Das Ganze auf Mineralität von Salz, Kreide, Kalk und weißem Lehm laufend. Extrem feine Würze und Frische, Druck und Intensität bis zum Abwinken. Der gesamte Mundraum wird eingenommen. Ein Wein, den man beim Verkosten nicht ausspucken kann. Wow, was für ein Ereignis! Die Augen sind immer noch zusammengezogen selbst lange nach dem Schlucken (ausspucken ist unmöglich) während ich das hier spreche. Diesen Wein bitte 10 Jahre oder am besten noch viel länger irgendwo wegsperren. Ich glaube nicht, dass es im Piemont noch viele andere Weine auf diesem Level gibt. Das ist auf dem Niveau eines Monfortino von Conterno, Granbussia von Aldo oder anderen Top-Barolo dieser Klasse. Hier muss Barbaresco sich hinter nichts auf der Welt verstecken. Das gehört vielleicht zu den besten 10 Weinen der Welt überhaupt. Ich bin fast benommen von diesem Eindruck der kaum fassbaren Feinheit bei gleichzeitiger enormer Intensität. 100+/100

Cavallotto

Am ersten Tag geht es weiter bei Cavallotto, unübertroffen klassisch. Handarbeit, nur 30 Hektoliter je Hektar, nur Spontanvergärung, bio im Weinberg, nur große Holzfässer aus slawonischer Eiche. Eine Lage, Bricco Boschis, noch vor der Ortschaft, der ganze 12 Hektar Südwest-Hang auf weißem Lehm mit Sandeinsprengseln, 30 Tausend Flaschen eines großen Barolo, that’s it! Wie immer zeigt der Wein von der langen Spontanvergärung und dem Holzausbau eine leichte Volatilität, der Stil des Hauses. Ein sehr spezieller Kick! Dazu in 2016 viel schwarze Frucht, Holunder, Cassis, sogar Blaubeere und Brombeeren, Kirsche nur hintergründig. Graphit, extrem reichliche aber feinste Tannine, 2010 Revival. Alfio Cavallotto sagt es ist die Wiedergeburt von 1971. Ein Wein für die Ewigkeit, groß aber sicher 20 Jahre warten trotz seiner Finesse und Seidigkeit. Der gleiche Irrtum wie 2010 kann einem hier passieren, man denkt ob des Schliffs an frühe Zugänglichkeit. Bitte nicht, lange weglegen. Zu schade, die wahre Größe dieses Babys zu früh entdecken zu wollen.

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Alfio Cavallotta
Bricco Boschis 2016

Der direkt um das Weingut gelegene "Bricco Boschis" ist das Flaggschiff vom in Castiglione Falletto gelegenen, historischen Weingut Cavallotto. Hier wird ganz traditionell im Ausbau nur mit großen Holz-Fässern gearbeitet und bis zur späten Füllung lange ausgebaut. Ein archetypischer Barolo-Stil, wie ihn auch die Mascarellos, Vietti, Giacosa oder Brovia pflegen. Nach der alkoholischen Vergärung weitere 4 Wochen auf den Schalen verbleibend, der Tresterhut wird dazu mittels einer Holzscheibe ganz nach unten gedrückt, das gibt weichere Tannine. Ich verkoste diesen Wein als Fassprobe, er ist noch nicht abgefüllt. Alfio Cavallotto hat mir den Wein aus 3 Fässern cuvetiert. Hier wird ausschließlich in großen Fässern bis zu 10.000 Litern aus slawonischer Eiche ausgebaut. Alles komplett zu 100% entrappt und im Stahl spontanvergoren. Dadurch und durch den reinen Ausbau im großen Holz haben die Weine von Cavallotto immer einen Hauch mehr flüchtige Säure als wenn Reinzuchthefen verwendet werden würden. Der Wein stammt vollständig aus der direkt am Haus liegenden, südwestlich ausgerichteten Lage Bricco Boschis. Von diesem Lagen-Barolo werden rund 30.000 Flaschen gefüllt, dennoch ist er heiß begehrt und immer ausverkauft. Ich habe versucht 2015 nachzukaufen, keine Chance. 2016 gab es noch deutlich weniger Ertrag, es ist ein sehr klassisches Jahr. Alfio findet 2016 noch vor 2013 und 2010, 2006 und 2004, das größte Jahr seit 2006 und 2004, 2016 erinnert ihn an 1971 und 1989. Allesamt große, klassische Jahrgänge. 2016 ist anders als 2010, 2012 und 2015, die zugänglicher und charmanter waren. Dafür wird 2016 ein Wein für die Ewigkeit werden. Die Nase ist deutlich versammelter als die des daneben probierten 2015ers. Sehr viel schwarze Frucht, fast an Holunder mit Lakritze erinnernd, ein bisschen vegetabil an Lorbeer heranreichend. Aber eben nicht weich, sondern sehr versammelt. Bleistiftabrieb in einem fast an Schiefer erinnernden Terroirabdruck. Bricco Boschis steht fast ausschließlich auf weißem Lehm, teilweise mit Mineraleinsprengseln, also weißgelber und weißgrauer Lehm. Die klassische und beste Barolo Terroirausprägung hier. Die Lage befindet sich ziemlich in der Mitte des gesamten Barologebietes. Ab und zu ist der Lehm durchzogen von sandigen Anteilen, was auch für ein bisschen Feinheit sorgt, sonst wäre der Wein wahrscheinlich zu maskulin. Der Mundeintritt ist so typisch Barolo wie er es eben sein kann, fast brachial im Fruchtausdruck. Viel dunkle Frucht, unsüße Brombeere und Blaubeere, wieder begleitet von viel Graphit. Schieferartige Mineralanmutung, was beim weißen Lehm, der ja zerriebener Kalkstein ist, ja eigentlich kaum sein kann. Massives Tannin, aber es ist nicht grob, sondern extrem feinkörnig. Immens üppig, aber grandios poliert. Der Bricco Boschis hat wirklich satte Gerbstoffe, die ob ihrer Finesse allerdings nicht weh tun. Dieser 2016er ist vom Fass schon wunderschön zu trinken und trotzdem spürt man, dass man 10 oder vielleicht besser 20 Jahre darauf warten sollte. Es ist dann auch schon erstaunlich, dass dieser enorm verschlossene, hochgradig strukturierte Wein auch in seiner Frucht und in seiner Mineralität irgendwie etwas Zugängliches enthält. Es macht wirklich und ganz erstaunlich viel Freude diesen viel zu jungen Wein im Mund zu haben. Auf jeden Fall ein großes Ereignis und ein großer Wein. 97-99/100

Vietti

Am Nachmittag des ersten Tages zurück an die absolute Spitze der erdgebundenen Barolista. Vietti. Castglione Falletto. Die Gemeinde mit den maskulinsten Barolo überhaupt, die gleiche Liga wie Serralunga. Fast nur weißer, blauer und roter Lehm. Viel Metall eben. DAS nenne ich mal Terroir! Dazu mit 2016 das wohl komplexeste Jahr meiner Verkostungsgeschichte. Da ist einfach alles da! Und da wundert es auch nicht, dass der Rocche aus Castiglione und der Lazzarito aus Serralunga klar die 100 Punkte abräumen, und dass sich die aus Novello und La Morra stammenden Ravera und Brunate geschlagen geben müssen.

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Urs Vetter von Vietti
2018 Timorasso

Eigentlich ist nur dank eines Mannes, Walter Massa, diese fast spektakulär ausdrucksstarke Rebsorte wieder auferstanden, inzwischen anerkannt als wahrscheinlich die spannendste weiße, autochthone Rebsorte aus dem Piemont. Wenn man vom zugewanderten Chardonnay absieht und dem Arneis zwar zugesteht, dass er schöne, aber nie ganz große Weine hervorbringt. Und auch die Cortese des Gavi steht sicher nicht im Verdacht zu den großen Weißweinen der Welt zu gehören. Timorasso hat allerdings wohl das Zeug dazu. Lange Zeit wurde er nicht beachtet, außer eben von Walter Massa, der ihn wieder aus der Taufe gehoben hat. Inzwischen macht auch Luca Roagna ein vielbeachtetes Exemplar, Coppo benutz leider zu viel Holz, die Cascina Montagnolo ist der qualitativ legitime Verfolger von Massa. Nun versucht sich auch Vietti daran, und zwar eben mit beratender Hilfe des befreundeten Walter Massa, der die Weinberge mit ausgesucht hat. Timorasso hat eine so wunderbare Würze in der Nase, ja fast einen kleinen Stinker in dieser Intensität. Eine Krautwürze mit leichter Gemüsigkeit, Fenchel mit Anis, das ist schon sehr eigenwillig. Das wird nach einigen Jahren Flaschenlager noch deutlicher, klar besser, aber im dann oxidativen Style sicher nicht everybodys darling. Im Mund eine ebenso hohe Intensität, da kommt etwas unreife weiße Birne dazu, Fenchel und Anis bleiben als Hauptkomponenten, Quitte, Lakritz, ein bisschen unsüßer Gewürztraminer im Hintergrund, also durchaus sehr aromatisch. Durchaus eine kleine Reminiszenz an das Elsass, auf welches man hier tippen könnte. Eine wunderbare Frische begleitet den Wein, die Ganztraubenpressung bringt Würze und Spannung dazu. Salz, Anis, Wacholder, Lakritz, Quitte, und im Untergrund diese feine an Gewürztraminer erinnernde Würznote ohne Süße. Das ist ein äußerst spannender Wein. Mit diesem Timorasso hat Vietti nach Jahren des Übens und mit der Hilfe von Walter Massa 2018 erstmalig einen Wein abgefüllt, der zu den wirklich herausragenden Exemplaren des Timorasso zählt. Aber als einer der Top Erzeuger des Piemont will man natürlich auch nicht mit einem Timorasso reüssieren, der nicht direkt eine gewisse Größe hat. Wirklich spannend und eine tolle Bereicherung! Ich hoffe ich bekomme etwas davon ab. Es gibt ja nur sehr geringe Mengen, da alles noch in der Experimentierphase ist. 93+/100

2017 Nebbiolo Perbacco

Der Langhe Nebbiolo Perbacco ist ein deklassifizierter Barolo – nur bestes Traubenmaterial aus den Barolo-Weinbergen von Vietti wurde hier vinifiziert. 2017, dieses heiße und trockene Jahr mit teilweisem Wassermangel, hat extrem reiche, kraftvolle, fast etwas fette Weine hervorgebracht, das passt erstaunlich gut, macht viel Eindruck. Perbacco ist ein Nebbiolo mit Neuholz-Einsatz, schöne feine Barriquenote, er ist immer einer der Top-Nebbiolos unterhalb der Barolo-Schiene überhaupt und zusammen mit Giacosa, Aldo Conterno und Sandrone die Topliga der Nebbiolos. Duftig, reich, viel rote Frucht, der Lehm-Untergrund ist spürbar, auch Salz und Kreide schon im Duft, und dann kommt sehr viel Gripp. Vordergründig auch hier rotfruchtig mit großer Länge, Salz und viel Biss, viel Spice. Dahinter auch Schwarzkirsche und Lakritz, Veilchen. Die Tannine sind deutlich zarter als bei jedem Barolo, der Wein ist unglaublich fein, der Fluss im Mund ist wirklich schön mit toller Saftigkeit und angenehm üppiger Frucht. Wir haben hier alle Eigenschaften eines klasse Barolo und trotzdem haben wir die Seidigkeit und die Feinheit, die positive Einfachheit, die so große Freude macht, keinerlei Überforderung im reinen Genuss. Das ist jung schon wirklich zugänglich, auch wenn er mit seiner grenzwertig säurehaltigen Frische den Verkoster herausfordert. Aber sonst würde die Balance auch nicht stimmen, es soll ja gerade spannender sein und an Barolo erinnern, sonst tränke man ja einfach Barbera. Das ist eben hier Nebbiolo pur und weit mehr als ein Einstiegswein. Genau auf der Kante zwischen Langhe Nebbiolo und einem Barolo liegend. Mit viel mehr Charme. Ein berauschend schöner Wein. 93-94/100

2016 Barolo Lazzarito

Biologisch-organische Weinbergsarbeit. Ultrakleine Erträge von unter 20 hl/ha durch mehrmalige grüne Lese. Beides zusammen ergibt immer eine sehr frühe Reife mir knackiger Säure bei zugleich hoher Fruchtsüße. Lazzarito ist die zweite maskuline Lage von Vietti, anders als Rocche eben aus Serralunga, in der Nähe von Barolo Sperss von Gaja gelegen, in der Nähe der Topweine von Luigi Pira. Auch Elio Altare hat mit der Lage Ceretta in dieser Gemeinde mittlerweile Fuß gefasst. Serralunga mausert sich unter den maskulinen Weinen langsam als Primus. Die Eisenhaltigkeit im weißen Lehm dieser Lagen scheint noch höher zu sein als in Castiglione, die Frucht ist immer roter als die Schwärze Castigliones, und vielleicht ist der Wein aus Serralunga auch immer eine Spur feiner. Schlehe mit Salz und Sauerkirsche, Blumen, helle Lakritze, alles ganz fein und trotzdem total dicht, wie eine Wolke ins Gesicht wehend. Die Feinheit dieses Lazzarito erinnert mich mehr an die Feinheit des Barbaresco Masseria als an die des Rocche. Rote Frucht bis ins Unendliche laufend, immer weiter, immer weiter, extrem definiert und geradeaus. Es ist schon irgendwie klar warum der Monfortino von Giacomo Conterno aus Serralunga kommt. Diesen Lazzarito kann man durchaus in eine ähnliche Liga einsortieren wie vielleicht den finessereichen Francia von Giacomo Conterno mit einer ähnlichen Ausprägung des Terroirs und der Böden. Unendlich fein und gleichzeitig unendlich intensiv in der Rotfruchtigkeit, Schlehe, Sauerkirsche, Johannisbeere. Es ist eindeutig der feinere Wein verglichen mit seinem Bruder Rocche, nicht der bessere sondern nur der feinere. Auch dieser Wein wird lange brauchen Packen Sie den Wein dereinst in eine Probe mit den anderen großen Weinen aus Serralunga, dieser Wein steht in meinen Augen dem Monfortino nicht nach. Großer Stoff aus einem ganz großen Jahr. Bitte auch diesen Wein 10, 15 oder besser gar 20 Jahre wegpacken. Das ist so etwas, dass vielleicht herankommen kann, wenn man heute 1971 Monfortino von Giacomo Conterno probiert, oder wenn man heute große 89er probiert. Geben Sie dem Wein Zeit, denn er braucht sie, aber er wird es in 20 bis 30 Jahren reich belohnen mit einem wirklich großen Ereignis. 100/100

2016 Barolo Ravera

Biologisch-organische Weinbergsarbeit. Ultrakleine Erträge von unter 20 hl/ha auch in Standardjahren durch mehrmalige grüne Lese. Beides zusammen ergibt immer eine sehr frühe Reife mir knackiger Säure bei zugleich hoher Fruchtsüße. Bei Vietti, wie schon bei Voerzio, kann man daher je nach Jahrgang früher oder später lesen, die volle Reife erreicht man immer. Fermentiert wird nur mit der natürlichen Hefe, also Spontanvergärung. Ravera ist der einzige, nicht in jedem Jahrgang immer vollständig entrappte Barolo, 2016 aber vollständig entrappt. Bei den wenigsten Barolo ist die Zugabe von Ganztrauben überhaupt möglich, weil die Nebbiolo zu grünen Stilen und Stängeln neigt, man muss schon extrem gute Lagen haben und die richtigen Böden und den warmen Jahrgang mit ganz später Lese dazu, dass die Reife so perfekt gelingt. Der Ravera bekommt keinerlei Kontakt mit kleinen Fässern, Ausbau zu 100% in einem großen, alten 4000-Liter-Fass. Luca Currado, der Weinmacher, passt diese andere Art dem so ganz anderen Terroir von Novello an. Ravera stammt aus einer Einzellage nahe Novello. Bis 2009 einen Teil der Castiglione-Komposition, erst dann wieder, nach langer, langer Pause als Einzellage abgefüllt. Mit dem Start zum ersten Jahrgang 2010 und 100 Punkten bei Galloni war natürlich der Weg des Erfolgs vorgezeichnet. Die Nase unterscheidet sich durchaus von den anderen Barolo Viettis. Ravera aus Novello erinnert eher an La Morra und liegt zwischen La Morra und Monforte. Das geht viel eher in diese feminine, finessenreiche Richtung als in die maskuline Serralunga oder Castiglione Art. Ravera ist ein bisschen ein Unikat, weil er trotz der Hochlage so unglaublich schön reif wird, sodass man sich hier manchmal erlauben kann ein paar Ganztrauben mit Rappen zu verwenden. Auch wird der Wein länger im großen Fass belassen und deshalb bekommt dieser Ravera immer einen Touch Giacosa mit, einen Hauch Red-Label, was sicherlich nicht schaden kann. Insofern ist er ein bisschen ein Unikat in dieser ansonsten so klaren Linie von Vietti. Eine leichte Krautwürze schwebt über der roten und schwarzen Frucht. Der Mund zeigt neben der extrem weichen Frucht auch eine Würze wie kein anderer Barolo bei Vietti. Das gibt der Intensität noch einen zusätzlichen Kick. In 2016, in diesem tanninreichen, eleganten und sehr klassischen Jahrgang, der mit 2010 mit 1989, mit 1971 und vielleicht sogar noch vor 2013 zu den ganz großen Jahren in Barolo zählt, muss Ravera sich den extrem definierten Weinen aus Rocche die Castiglione und Lazzarito aus Serralunga geschlagen geben. Sie sind dieses Jahr einfach zu perfekt im Schliff und der Komplexität. Ravera ist ein großer Barolo wie Brunate, aber 2016 eben nicht ganz so perfekt wie die 100 Punkte Weine Rocche und Lazzarito. 97-98+/100

2016 Barolo Castiglione

In den Castiglione fließen alle Crus ein, die zu klein sind um separat vinifiziert zu werden. Vietti ist sicher das Gut mit den meisten Parzellen und Einzellagen und man könnte die heute bestehenden 5 Einzellagenweine problemlos auf 10 oder mehr ausweiten. Aber irgendwann würde es unübersichtlich werden, deshalb gehen alle anderen, von Ausmaß kleineren Crus in den Castiglione. Auch der heute berühmte Ravera war bis vor ein paar Jahren noch Bestandteil des Castiglione. Deshalb muss man diesen Castiglione ganz besonders hervorheben. Es ist ein Wein auf potenziellem Top-Punkte Qualitätsniveau, der aber fast zu einem Schnäppchenpreis auf den Markt kommt. Der Wein hat ein bisschen neues Holz gesehen, das tut ihm extrem gut. Dazu kommt diese stylische Nebbiolo aus 2016 mit ganz kleinen Erträgen von winzigen Beeren. Ein Jahrgang der Eleganz, die auch 2010 hervorgebracht hat, aber gleichzeitig auch einen Tannin-Reichtum wie 2013, mancherorts wie 1989 oder 1971. Und satte Frucht. Auf jeden Fall ein ganz großes Jahr und eines, das trotz seiner Geschmeidigkeit sicher unendlich altern kann und teilweise auch muss. Ich erinnere mich noch genau an das vorletzte Jahr, ich war so begeistert von etwa 2014, da war Castiglione einer der Primus-Weine unter den normalen Barolo. 2015 war dann berauschend in seiner Opulenz und Fülle. 2016 ist er einfach nur ultra stylisch. Wir haben die Wärme und Fülle der Frucht, die Seidigkeit, die Eleganz, viel Sauerkirsche, Schlehe, Himbeere darunter, Boysenbeere, aber auch rote Johannisbeere und Lakritze nebst Holunder darunter. Sehr lang, sehr intensiv in seiner Frische. Dabei große Tannin-Mengen, die zum Glück total poliert sind. Die Tannine sind nochmal deutlich feiner und eleganter als in den großen Jahren 2015 und 2014. Der Wein verliert sich im Unendlichen, bekommt einen burgundischen Touch, ja man kann hier schon den Vergleich mit 2010 anstellen, nur mehr Frucht in 2016. Aber natürlich ist er in diesem Fasswein-Stadium auch sehr charmant. Ich bin sicher, dass er sich verschließen wird, und es insgesamt ein Jahrgang, den man ,erst 7 bis 10 Jahre nach den 2015ern anfassen sollte. Der Nachhall ist phänomenal, die Feinheit der immensen Tannine tritt hier nochmal so deutlich hervor, die so feinkörnig und reif sind, aber doch hochintensiv. Rotfruchtig, salzig, lakritzig, kirschig, krautwürzig und unendlich fein. Ein perfekter Castiglione. 96-97/100

2016 Barolo Brunate

Der einzige Cru von Vietti, der aus La Morra stammt. Neben dem Brunate ist es nur noch der Ravera aus Novello, der in eine ähnliche Feinheit geht. Die anderen Crus gehen viel mehr zur Power. Brunate ist eine Kultlage, die neben Cannubi als beste der feineren Ausprägungen Barolos gilt, wenn man nicht zur Maskulinität von Castiglione oder Serralunga möchte. Für mich persönlich ist Cerequio und La Serra auch mindestens gleichwertig. Brunate ist auch immer einer der fruchtintensivsten Wein der Crus aus La Morra. Reichlich rote Frucht schon in der Nase, das kommt mit immenser Schlehe, Sauerkirsche und feiner Himbeere dahinter, rote Johannisbeere. Intensiv duftig und sehr reich, aber nicht ordinär, sondern ganz fein, nur eben mit einer großen Wolke. Der Mund straft diese reiche Nase etwas Lügen, denn der Mund ist ausgesprochen versammelt, geradlinig, sehr definiert, komplett auf der roten Frucht laufend. Kirsche, Schlehe, Johannisbeere, alles versammelt, schlank und gleichzeitig hochintensiv in der Aromatik. Alle Sinne werden berührt, die Augen ziehen sich zusammen so intensiv ist der Wein, und dennoch bleibt er so schlank und elegant. Nichts beim Tannin kratzt oder pikst, nichts ist grün, alles ist reif, samtig und fein, aber voller Frische und Säure. Ganz feines Salz dazu, perfekte Definition. Ein Teil dieses Ausdrucks fand sich auch schon im Castiglione, ich war vorgewarnt, dass 2016 ein Jahr der Feinheit ist, und noch mehr als Cavalotto geht es bei Vietti in Richtung 2010. Dennoch glaube ich, dass 2016 lange Zeit braucht um sich zu öffnen, und dass 2016 sich alsbald verschließen wird. Der Wein wird seine 10 Jahre brauchen sich zu öffnen. Als Fassmuster ist er allerdings berauschend schön, ich bin hin und weg. Ein ganz großer Wein weil er eben so harmonisch, balanciert und stimmig ist, weil einfach alles zusammenpasst. 97-98/100

2016 Barbaresco Masseria

Bei der Orgie der ganzen Barolo geht immer unter, dass diese Einzellage von Vietti in Barbaresco immer mit zum Besten gehört, was Barbaresco überhaupt aufzuweisen hat. Dieser Wein kann sich durchaus messen mit dem großen Barbaresco Rabaja von Bruno Rocca, liegt häufig in der profunden Dichte sogar darüber, und stößt vor in die Reichweit der großartigen Barbaresco von Giacosa und Roagna. Nachdem ich heute morgen Barbaresco von Roagna probiert habe und direkt davor Barolo Castiglione, dachte ich mir, dass es schwer wird für diesen Wein. Aber er ist so viel länger und intensiver noch als der Castiglione, dabei aber als Barbaresco mit feinerem Terroir etwas weniger voluminös. Ich will nicht sagen, dass er den Barolo Castiglione schlägt, er bringt einfach ein ganz anderes Momentum mit hinein, eine ganz andere Spannung. Doch, er schlägt ihn! In diesem jungen Stadium noch etwas vom Holz geprägt mit rauchiger, roter Frucht. Der Untergrund ist heller, kreidiger, salziger. Der Eintritt in den Mund ist viel eleganter, die Säure hält länger an, das macht den Wein verspielter. In dieser Intensität und dieser Länge ist das viel burgundischer als Barolo, das ist feiner und im Tanningerüst nochmal polierter, noch verspielter. Es ist hier nicht ganz so Chambolle-artig wie bei Roagna, dafür hat Vietti zu viel Kraft, es ist eher Vosne-Romanée, aber das in großer Länge. Ich bin schon ziemlich verblüfft wie grandios sich Vietti in den letzten Jahren gerade in Barbaresco gemacht hat. Das ist schon super Stoff, wenn man denn Nebbiolo in dieser Feinheit bei gleichzeitiger Tannin-Intensität, dem Salzgehalt und dem Terroirabdruck möchte. Und trotzdem diese unendliche burgundische Feinheit hat, genau das kann Vietti. Und eben das steht im bisschen im Gegensatz zu etwa Bruno Rocca oder Sottimano, die sehr stark auf der Frucht sind. Hier sind wir auch nicht in der der unendliche Feinheit erreichenden Giacosa-Linie. Vietti hat hier durchaus einen eigenen Stil, vielleicht doch am ehesten noch mit Roagna zu vergleichen. Ich probierte heute morgen den Roagnas Asili VV, und der Masseria geht schon in die gleiche Richtung. Das gefällt mir extrem gut, das ist superber Stoff. Nur wegen des unantastbaren Crichet Paje von Roagna nicht glatt 100, also 99-100/100

Die drei großen Gemeinden

Castiglione, Serralunga und Monforte haben die ältesten Böden und Gesteinsformationen der Langhe überhaupt, da liegen schon mal Millionen von Jahren zwischen diesem Terroir der drei allerbesten Barolo-Gemeinden und den feineren aber auch leichteren Formationen aus Barolo, Novello und La Morra. Das unterstreicht und erklärt auch die qualitative Vormachtstellung der Winzer aus diesen drei Gemeinden. Mit so extrem komplexen Jahrgängen wie 2016 wird das noch deutlicher. Da kann mal ein extremistischer Roberto Voerzio aus La Morra in die Phalanx der 100 Punkte Weine einbrechen, aber ansonsten bleiben die drei Top-Gemeinden 2016 qualitativ unter sich.

Vietti, Brovia, Giuseppe Mascarello, Cavallotto und Roagna aus Castiglione, Giacomo Conterno, Giacosa, Pira, Gaja aus Serralunga, und dazu Aldo Conterno, Elio Grasso und Conterno Fantino aus Monforte. Das ist die absolute Spitze im Bereich Barolo. Aus eben diesen drei Top-Gemeinden mit dem besten und ältesten Terroir. Wie zuvor gesagt schafft ein Roberto Voerzio mit einem Ertrag von nur 20 Hektoliter pro Hektar, 250 Gramm je Stock und 10.000 Stöcken pro Hektar, den 100 Punkte Sprung dazwischen, aber dieses Weingut ist nicht mit normalen Maßstäben zu messen. Alle anderen Toperzeuger aus La Morra und Barolo, von Altare zu Bartolo Mascarello, von Sandrone zu Corino und Trediberri, sind verdammt gut, und sie haben in ihrer Finesse und Stilistik auch jeweils Alleinstellungsmerkmale, aber sie sind eben nicht ganz in der Liga der Weingüter der großen drei Gemeinden mit den alten Terroirs. Lage, Lage, Lage, das bestätigt sich doch irgendwie immer.

Voerzio

Der dienstägliche Besuch beim Meister der winzigen Erträge je Stock (250 Gramm) zeigt, dass man mit dieser brutalen Handarbeit und biologischen Bodenbearbeitung auch in La Morra 100 Punkte schaffen kann. Cerequio und La Serra mit 100 knapp vor Fossati und Brunate. Alle vom gleichen Hang. Roberto kann aber kein Vorbild sein, denn unter 100 Euro je Flasche Händlereinkauf kann dieser wahnsinnige, Lohnkostenintensive Aufwand nicht geleistet werden. Jede Flasche ist ihren Preis wert, viel mehr Aufwand und Input als jeder teure Kalifornier, Burgunder oder Bordeaux, aber in dem Preisbereich wird die Barolo-Kundschaft leider doch trotz weltbester Qualität knapp. Nebbiolo kann so gut sein wie die allerbesten Grand Cru aus Burgund, aber Image zahlt leider auch mit.

Zu allen Weinen

Heiner mit Cesare Voerzio
2016 Barolo La Morra

Der Barolo La Morra ist ganz neu bei Voerzio, ein preisliches Zugeständnis an den Markt. Er stammt zu zwei Dritteln aus den Grand Cru Lagen La Serra, Fossati und Case Nere. Der Rest kommt aus der Spitzenparzelle Boiolo in La Morras bester Lage zwischen Rocche dell’ Annunziata und Brunate gelegen. Da gibt es nur 2.500 Stöcke pro Hektar bei einem Kilo Trauben Ertrag pro Stock. Extrem reduziert also, aber mehr als die 300 Gramm pro Stock in den Top-Lagen. Hier ansonsten mit gleichem akribischem An- und Ausbau wie alle Barolo Top-Crus bei Voerzio. Der Wein soll sortimentstechnisch und preislich die Lücke schließen zwischen dem Langhe Nebbiolo und den Barolo Einzellagen, und Kunden einen Ausblick auf das Potenzial der Spitzenweine geben, bei gleichem kompromisslosen Qualitätsstreben für diesen Wein. Trotz extremen Arbeitsaufwands und minimalsten Erträgen versucht Roberto hier einen Wein zu erzeugen, der vielleicht für Endverbraucher unter 100 Euro liegen kann. Das ist - auch wegen der Zugabe von Grand Cru Material - ein wirklich ernsthafter Versuch, einen etwas bezahlbareren Wein auf annäherndem seinem Grand Cru Niveau zu erzeugen. Im Winter 2015/2016 hat er die 5 Hektar Boiolo dazu gepachtet, sehr strukturierter weißer Lehmboden, alles auch bisher in biologischer Bewirtschaftung natürlich. Das Jahr 2016 hatte in La Morra moderate Regenfälle mit einem warmen, aber nicht zu heißen Sommer. Im Herbst kühlten die Temperaturen nachts stark ab, sodass viel Frische und eine langsame Tannin-Ausreifung garantiert waren. Roberto vergleicht den Jahrgang mit 1990 im Sinne der Lagerfähigkeit und Intensität. 2016 ist das Jahr mit extrem seidigem, butterweichen Tannin. Dieser La Morra zeigt eher rote Frucht, aber wie sehr der Wein in die rote Frucht geht ist schon erstaunlich, denn das Jahr ist eigentlich vielerorts sehr schwarzfruchtig. Himbeere, darunter Waldhimbeere, ganz leicht Schlehe und süße Kirsche, auch Sauerkirsche, ganz feine Salzspuren und eine helle florale Note, sehr verspielt. Offensichtlich dominieren La Serra und Fossati den Blend. 2016 hatte ohnehin recht niedrige Erträge, aber bei Voerzio wird das natürlich durch die penible biodynamische Arbeit und die mehrfache grüne Lese nochmal zusätzlich stark verringert. Wir liegen auch bei diesem La Morra deutlich unter 20 hl/ha. Diese Pflanzen reifen einfach 3 bis 4 Wochen eher als die normaler Barolo Weinberge. Dennoch durchlaufen sie nach der Ernte eine regulär lange Mazeration und einer Fermentation inklusive malolaktischer Gärung im Tank, und erst dann geht es ins Holz. Der Mund dieses La Morra ist ungewöhnlich fein, für 2016 geradezu verblüffend wie finessenreich die Gerbstoffe sind. Alles ist schwebend und fein mit einer großen Länge und Salzigkeit. Die Integration von Frucht, Säure und Holz ist ziemlich perfekt. Ich glaube wenn Roberto mir gesagt hätte, dass das ein neuer Grand Crus ist, hätte ich das ohne Weiteres durchgehen lassen. Der Wein hat wirklich Klasse, Länge, Frucht und Spannung. Ein vibrierender Barolo im Voerzio Stil, den viele für überkonzentriert halten, aber in Wirklichkeit ist nur die Frische, die Säure, die Finesse konzentrierter. Der Wein hat 14% vol. Alkohol und zeigt überhaupt kein Fett, das ist alles im feinsten Rahmen. Tolles Erstlingswerk! 96-97/100

2016 Barolo Cerequio

Cerequio liegt direkt neben, bzw. leicht versetzt unterhalb von Brunate, kurz hinter dem Ortsausgang von La Morra Richtung Barolo. Etwas wärmer hier. Wie alle Lagen von Voerzio hat auch dieser Weinberg nur gut einen Hektar Größe. Die Exposition ist Südost. Der Weinberg liegt durchschnittlich auf ungefähr 300 Meter Höhe, extrem hoch, aber hier ist es schon deutlich wärmer als in La Serra, was in kühlen Jahren ein klares Plus ist, in warmen Jahren ein Nachteil. Jede Pflanze, also jeder Weinstock, bringt bei Roberto Voerzio nur knapp 300 Gramm Beeren aus maximal 5 winzigen Trauben. Nur die Stocknahen 5 Trauben werden belassen und einige Zeit vor der Lese wird die untere Hälfte (mit der höheren Säure) der Traube vorsichtig weggeschnitten. Wahrscheinlich ist Voerzio der extremste Winzer der Welt. Bei so extremer und qualitativ auch gewünschter Ertragsreduktion ist es dauerhaft jedoch wichtig die Stockdichte auf 10 Tausend je Hektar zu erhöhen. Das erfolgt laufend, aber das wird auch noch Aufgabe der Folgegeneration bleiben. Natürlich erfolgt hier die Arbeit biologisch-organisch (auf Robertos Wunsch nicht zertifiziert, das Ansehen der italienischen Zertifikate ist wegen diverser Undurchsichtigkeiten arg ramponiert), vom Weinberg bis zum Keller, nur Spontanvergärung, Nebbiolo-Ausbau nur in gebrauchtem, burgundischem, sehr dichtporigen Holz, minimal getoastet, also nur Zweit- und Drittbelegung, damit traditionelle Ausprägung der Weine, Holz ist nicht spürbar. Bei so geringen Erträgen und biodynamischer Weinbergsarbeit ist die Traubenreife deutlich schneller als bei Standardbetrieben, i.d.R. gibt es hier 3 Wochen Vorsprung, man erntet vor allen Kollegen oder erreicht in anders verlaufenden Jahren die höhere Reife und Komplexität. Auch liegt bei Voerzio trotz der hohen inneren Reife die Säure immer höher, Voerzios Weine sind immer reif und extrem frisch zugleich. Cerequio hat zwar ein ähnliches Terroir wie Brunate, trotzdem ist Cerequio wegen seiner höheren Wärme im Mikroklima meistens etwas kraftvoller und dichter. Cerequio ist immer sehr besonders. Es ist eine Lage, die polarisiert. Mal finde ich es überragend, mal finde ich es auf ganz hohem Niveau einen der schwächeren Crus. Klar ist, dass 2016 Cerequio extrem ausdrucksstark und dicht in roter Frucht ist. Der Mund ist explosiv, 2016 knallt richtig rein. So eine hohe Intensität an Säure hätte ich jetzt nicht erwartet, da ziehen sich die Augen zusammen so intensiv ist das. Lang, floral, salzig, aber Hauptsächlich intensiv, Säure, Tannin alles in Massen vorhanden, aber alles unglaublich fein. Total reif, nichts ist grün. Spannungsgeladen und hochgradig intensiv. 2016 braucht wirklich Zeit. Das ist jetzt schon absehbar. Aber der erste Grand Cru ist hier gleich ganz großer Stoff, der zusammen mit La Serra als einzige Weine La Morras und Barolos in der allerbesten Liga spielt. 100/100

2016 Barolo Brunate

Brunate liegt direkt neben, bzw. leicht versetzt unterhalb von La Serra, oberhalb von Cerequio, kurz hinter dem Ortsausgang von La Morra Richtung Barolo. Wie alle Lagen von Voerzio hat auch dieser Weinberg nur gut einen Hektar. Die Exposition ist Ost/ Südost. Der Weinberg liegt durchschnittlich auf ungefähr 380 Meter Höhe. Brunate gilt Kennern zusammen mit Cannubi historisch als einer der zwei besten Cru von allen Barolo-Lagen der Langhe. Jede Pflanze, also jeder Weinstock, bringt bei Roberto Voerzio deutlich unter 300 Gramm Beeren aus maximal 5 winzigen Trauben. Nur die stocknahen 5 Trauben werden belassen und einige Zeit vor der Lese wird die untere Hälfte (mit der höheren Säure) der Traube vorsichtig weggeschnitten. Wahrscheinlich der extremste Winzer der Welt. Bei so extremer und qualitativ auch gewünschter Ertragsreduktion ist es dauerhaft jedoch wichtig, die Stockdichte auf Zehntausend je Hektar zu erhöhen. Das erfolgt laufend, aber das wird auch noch Aufgabe der Folgegeneration bleiben. Natürlich erfolgt hier die Arbeit biologisch-organisch (auf Robertos Wunsch nicht zertifiziert, das Ansehen der italienischen Zertifikate ist wegen diverser Undurchsichtigkeiten arg ramponiert), vom Weinberg bis zum Keller. Nur Spontanvergärung, Nebbiolo-Ausbau nur in gebrauchtem, burgundischem, sehr dichtporigen Holz, minimal getoastet, also nur Zweit- und Drittbelegung, damit traditionelle Ausprägung der Weine, Holz ist nicht spürbar. Bei so geringen Erträgen und biodynamischer Weinbergsarbeit ist die Traubenreife deutlich schneller als bei Standardbetrieben, i.d.R. gibt es hier 3 Wochen Vorsprung, man erntet vor allen Kollegen oder erreicht in anders verlaufenden Jahren die höhere Reife und Komplexität. Auch liegt bei Voerzio trotz der hohen inneren Reife die Säure immer höher, Voerzios Weine sind immer reif und extrem frisch zugleich. Brunate ist leider immer die kleinste Menge. Nicht nur bei Voerzio, sondern auch bei allen anderen, die das Glück haben ein Stück Brunate zu besitzen oder gepachtet zu haben. Brunate zeichnet sich dadurch aus, dass es eben den wahren Kompromiss, die wahre Harmonie darstellt von dem kühlen Weinberg La Serra und dem warmen Cerequio. Eine absolute Kultlage, die von vielen für die größte Lage des Ortes gehalten wird. Auch wenn ich persönlich glaube, dass Voerzio mit La Serra, der noch feineren, höchsten Lage, häufig noch einen drauf setzt. Klar ist, dass Brunate unglaubliche Reichhaltigkeit ausstrahlt, wärmer, süßer, reicher noch als der zuvor probierte Cerequio. Dicht und voluminös zwar, aber überhaupt nicht fett. Schon in der Nase diese extreme Feinheit des Tannins ausstrahlend. Sicher ist jedenfalls, dass Brunate in Sachen Harmonie knapp an Cerequio vorbei zieht. Er hat zwar auch diese ungeheure Frische und Säure, aber er hat auch die Süße aus der Waldhimbeere und der Kirsche, nur wenig Sauerkirsche hier. Länge, florale Noten, Holz, Frucht und Säure sind auf einem ganz hohen Level. Der Wein macht richtiggehend Freude. Für 2016 sicherlich DER Spaßmacher in der Kollektion von Voerzio. Dennoch setze ich ihn nicht ganz nach oben. Genau wie bei Vietti ist Brunate 2016 zwar die Nummer Eins in Harmonie, aber nicht in der Ausdrucksstärke. 97-99/100

2016 Barolo La Serra

La Serra ist die kühlste höchste Lage in La Morra, und damit die höchste Lage von Voerzio und in der Langhe überhaupt, in mehr als 420 Metern Höhe direkt am Ortsausgang Richtung Barolo. Südost- Exposition. Inzwischen schon auf 8000 Stöcke je Hektar aufgestockt. Entsprechend der Höhe und der Sonnenexposition ist der La Serra der feinste, verspielteste, der zarteste Wein von Voerzio. Er wird ob seiner Zartheit oft unterschätzt, ist jedoch in warmen, runden Jahren ob seiner verspielten Feinheit und hohen Säure oft der beste Wein Voerzios, zumindest aus meiner Sicht, und auch aus der Sicht des Winzers. Jede Pflanze, also jeder Weinstock, bringt bei Roberto Voerzio nur unter 300 Gramm Beeren aus maximal 5 winzigen Trauben. Nur die stocknahen 5 Trauben werden belassen, und einige Zeit vor der Lese wird die untere Hälfte (der unreifere, grünere Teil) der Traube vorsichtig weggeschnitten. Wahrscheinlich ist Voerzio der extremste Winzer der Welt. Bei so extremer und qualitativ auch gewünschter Ertragsreduktion von ca. 300 Gramm je Rebe ist es dauerhaft jedoch wichtig, die Stockdichte auf Zehntausend je Hektar zu erhöhen. Sonst ist das kommerziell sinnlos. Die Aufstockung erfolgt laufend, aber das wird auch noch Aufgabe der Folgegeneration bleiben. Natürlich erfolgt hier die Arbeit biologisch- organisch (nicht zertifiziert, das Ansehen der italienischen Zertifikate ist wegen diverser Undurchsichtigkeiten arg ramponiert), vom Weinberg bis zum Keller. Nur Spontanvergärung, Nebbiolo-Ausbau nur in gebrauchtem, burgundischem, sehr dichtporigem Holz, minimal getoastet, nur Zweit- und Drittbelegung, damit traditionelle Ausprägung der Weine, Holz ist nicht spürbar. Bei so extrem geringen Erträgen und biodynamischer Weinbergsarbeit ist die Traubenreife deutlich schneller als bei Standardbetrieben, i.d.R. gibt es hier 3 Wochen Vorsprung, man erntet weit vor allen Kollegen und erreicht in anders verlaufenden Jahren die höhere Reife und Komplexität. Häufig ist La Serra, die noch oberhalb von Brunate und Cerequio liegt, für mich der größte Wein bei Voerzio. Auch wenn bei internationalen Verkostern oft die Wärme und Reichhaltigkeit der anderen Lagen mehr ins Gewicht fällt. Wenn es um Finesse geht ist La Serra nicht zu schlagen. Schon die Nase strahlt weniger Wärme und Süße aus als bei Brunate und Cerequio, zeigt eine unglaubliche Feinheit. Hier kommt ein wenig Erdbeere zur Himbeere, hier wird es sehr burgundisch, sehr erhaben, Chambolle Musigny-artig, hell und kreidig, Kalkstein- artig, sehr sanft, traumhaft und finessenreich. Auch der Mund zeigt sich so schlank wie die Nase, dabei aber unglaublich lang. Es fehlen, wenn man es negativ ausdrücken will, etwas diese wärmenden Hände im Rücken, dieses Wuchtige, Voluminöse und die Süße aus der Frucht von Cerequio und Brunate. Dafür ist das hier extrem geradeauslaufend, total tänzelnd, eine Primaballerina. Ein Wein zum Abheben und Träumen. Das Tannin ist noch zarter und geschmeidiger, die ganze Anmutung einfach noch eine Dimension feiner. Mir wie so oft der liebste Barolo und für mich einer der besten Weine des Jahrgangs. 100/100

2016 Barolo Rocche Annunziata

Rocche Annunziata ist die tiefgelegenste Lage von Voerzio. Liegt da, wo Altare seine Weinberge hat, die quasi andere Hangseite des Arborina. Das nächste kleine Tal in Amphitheaterform. Deutlich wärmer, und trotzdem in dieser Ecke einer der elegantesten Weinberg überhaupt. Aber nicht mehr ganz typisch für La Morra mit dieser ansonsten so extremen Feinheit. Hier bekommen wir mehr Wärme, mehr Reichhaltigkeit. Dementsprechend weißt der Wein auch mehr schwarze Frucht auf, Schwarzkirsche und sogar etwas Blaubeere, voluminös und sanft daherkommend. Einfach mit diesem sehr hohen Charmefaktor. Auch im Mund eine reiche, weiche schwarze und rote Kirsche, fast nur auf der Kirsche laufend, mit hoher Intensität, aber in großer Harmonie dabei. Weicher und üppiger ausfallend als die Weine aus den Hochlagen von La Morra. Zwar immer noch deutlich schlanker, feiner und finessenreicher als die auf der anderen Straßenseite mit anderer Exposition liegenden Weine von Altare, dafür lässt er insgesamt ein klein wenig Druck vermissen. Sehr stimmiger, harmonischer Wein, ohne 2016 jedoch zur allerersten Reihe bei Voerzio zu gehören. 98+/100

2016 Barolo Fossati

Fossati ist eine Lage, die noch oberhalb von Cerequio aber unterhalb von La Serra, also ungefähr auf der Höhe von Brunate liegt. Also eine Cool Climate Lage, die mit den kühlsten und finessenreichsten Weinen von Voerzio wetteifert. Der gleiche Ansatz hier wie überall mit 10.000 Stöcken auf dem Hektar bei 300 Gramm Traubenertrag pro Stock. Fossati spielt in der allerersten Reihe, und doch ist die Nase etwas wärmer, reicher und üppiger als La Serra, nur vielleicht nicht ganz so süß wie Brunate. Schon etwas stylischer, hier kommt auch Schwarzkirsche dazu und viel Florales, sehr verspielt. Woran es liegt weiß ich nicht, aber der Wein hat auf jeden Fall etwas weniger Druck und Spannung als Cerequio und La Serra, die am gleichen Hang liegen. Cerequio unten mit extremer Power und La Serra oben mit der unendlichen Feinheit. Ich denke wir sind hier auf einem ähnlichen Level wie Brunate mit einer etwas anderen, etwas schwarzfruchtigeren Ausrichtung. Die beiden Primusweine La Serra und Cerequio werden meines Erachtens hier nicht berührt. 98-99/100

Altare, Corino und Trediberri

Altare, Corino und Trediberri aus La Morra sind mit dem Jahrgang 2016 auf dem Höhepunkt ihrer Schaffenskraft. Trediberris 2016er ist mit Pira und Corino in den Olymp des besten Preis-Leistungs-Verhältnis aufgestiegen, phänomenal. Ohne jeden Zweifel, best ever! Multikomplexe Weine, unendlich fein in der Frucht. Hätte ich nicht dieses Jahr in den Big3 Gemeinden und bei Roberto Voerzio angefangen, Altare wäre mit dem Unoperuno und dem Cannubi sogar ein glatter 100 Punkte Kandidat gewesen. Selbst der Arborina war noch nie so gut. So ist jetzt aber das Bessere der Feind des Guten. Dennoch waren diese drei Weingüter besser als je zuvor. Die 100 Punkte Skala beschränkt mich leider darin, das auch in Zahlen zum Ausdruck zu bringen. Einige Weine aus den Big3 Gemeinden hätten 2016 relativ zu 2015, 2013 und 2010 einfach höhere Werte erhalten müssen.

Altare-Weine   Corino-Weine   Trediberri-Weine

2016 Barolo

Hier gibt es eine große Neuerung. Altare hat die Village Lage La Morra verloren (die Crus sind sein Eigentum), denn die Pacht ist ausgelaufen und ein Konkurrent hat unglaubliche Beträge dafür gezahlt. Deshalb besteht dieser einfache Barolo nur noch aus Altares Lagen in Serralunga, Castiglione Falletto und der Gemeinde Barolo. Das ist zumindest ein stilistischer Wechsel, was aber durch den eher weichen, vom Barrique-Ausbau beförderten Stil von Altare kein Nachteil sein muss, ganz im Gegenteil. 2016 zeigt sich hier genau wie fast überall mit viel schwarzer Frucht, mit sehr floraler Note, mit Holunder und Lakritze, mit Biss und fester Struktur aber eben gleichzeitig auch extrem geschliffen. Seidigkeit und Körper und Struktur zugleich, und in Struktur war der Wein bisher noch nie so gut wie jetzt. Auch im Mund ein immenser Biss, man merkt gleich ganz deutlich Castiglione und Serralunga, der Wein wird spürbar fest und strukturiert. Er hat die totale Geschliffenheit der Tannine aus 2016, aber er hat auch ganz viel Druck untendrunter. Die üppigeren, schwereren Lehmböden der Gemeinden Serralunga und Castiglione bringen so viel mehr Wucht und Kraft in den Wein. Dieser 2016er wird Zeit brauchen, denn er kommt mit so viel Power und Druck bei gleichzeitig geschliffensten, feinkörnigen Tanninmassen. Man erkennt sogleich, dass das ein großer Wein ist, aber eben auch dass man ihn nicht zu früh anrühren sollte, obwohl er keinerlei Härte oder Grobheit aufweist. Das ist eine große, schwarze, süße Wucht mit immenser Struktur. Ich mag diese neue Ausrichtung des generischen Barolo von Altare sehr, weil der manchmal etwas zu weiche Barrique-Stil etwas konterkariert wird. Das Holz ist kaum zu spüren, der Wein bekommt einfach nur einen passenden Rahmen. Ein Langstreckenläufer mit viel Terroirausdruck, feinstem Gerbstoff und viel Struktur. Toller Wein! 95-96/100

2016 Barolo Arborina

Der Arborina von Altare liegt neben dem Arborina von Corino, hat aber noch deutlichere Südexposition, ist also noch wärmer, noch reicher. 2016 ist ein Jahr mit wahnsinniger Eleganz, aber Tannin in Massen. Dabei ist alles seidig, zeigt sich floral, unglaublich dicht. Etwas Cassis-Unterlage, süße Lakritze, aber die florale Note obsiegt, dahinter etwas schwarze und rote Kirsche und immer wieder diese Floralität. Das neue Holz der Barriques ist in diesen Jahren wie 2016, 2013 oder 2010 nicht zu spüren, denn da wird es durch die präsente Säure, Frucht und die Tannine komplett geschluckt. Der Mundeintritt verblüfft, weil auch hier die Floralität die Hauptkomponente ist, Veilchen und Holunder, dahinter etwas Cassis, aber nie schwer und üppig, sondern leicht bleibend, auch schwarze Kirsche schiebt mit, dazu die charakteristische Holunderbeere in Lakritze. Alles in ziemlich massiver Ausprägung in der Frucht, daneben diese ultrafeinen Tanninmassen, da ist kein einziges grobes Korn dabei, einfach nur fein. Vielleicht liegt es auch daran, dass hier ein neue Crusher zum Einsatz kommen, man ist in der Technik noch präziser geworden. Auch die Tonnellerie wurde gewechselt, das Holz ist nun noch feiner und der Einfluss ist dementsprechend weniger dominant als vorher. Das ist großer Stoff und man spürt, dass dieser Stoff 15 bis 20 Jahre weggesperrt werden muss. Direkt nach Corino probiert wirkt dieser Altare noch hintergründiger und noch mehr Zeit brauchend. Lange habe ich keinen Arborina von Altare mehr in dieser Klasse probiert. Ein großer Wein. 97-100/100

2016 Barolo Cannubi

Cannubi ist sicherlich die berühmteste und vielleicht auch die interessanteste Lage des gesamten Piemonts der weicheren Gemeinden Barolo, La Morra und Novello. Cannubi ist das Herz der Gemeinde Barolo. Fast 100% weißer Lehm und doch nicht so maskulin wie die Weine aus Serralunga und Castiglione, sondern weicher, burgundischer, mehr zu den Weinen aus Monforte tendierend. Eigentlich ist Cannubi die burgundische, eher rotfruchtige Idealform. Elio Altare konnte seine Pacht des viertel Hektar in Cannubi noch bis 2024 verlängern. Alte Reben in bester Lage. Es gibt nur noch 2 Parzellen, die hier die Privatleuten gehören, der Rest ist in Weingutsbesitz,  das Spiel der Verpachtungen nähert sich dem Ende. Die Pacht ist so unverschämt hoch, dass der Weinpreis noch nicht einmal ganz die Kosten deckt, aber der Prestigegewinn und der Ansporn Cannubi zu bewirtschaften wiegt für Altare schwerer als der finanzielle Aspekt. Die Lage ist auch von Sandrone, Scavino und anderen Topwinzern bekannt und gehört sicher zum besten was die feinere Seite des Barolo-Tals zu bieten hat. Dazu zählen La Morra, Novello und Barolo selbst, dem entgegen stehen die maskulineren Castiglione und Serralunga, Monforte ist das Bindeglied. Cannubi gilt unter Insidern in diesem Bereich der Langhe als der absolute König, weil die rote Frucht, die Finesse und die Harmonie hier einfach unschlagbar sind. Und so ist Cannubi auch 2016 in diesem Jahr trotz leichter Hinwendung zur schwarzen Frucht immer noch überwiegend rotfruchtig. Intensiv, dicht, sehr viel Himbeere, süße rote Kirsche, unterlegt mit Holunder, schöne florale Elemente, sehr fein, wunderbar verwoben, nichts ist grob. Eine leichte Holzspur darunter, Altare baut ja immer noch im neuen Barrique aus, aber das stört 2016 überhaupt nicht. Der Mundeintritt ist durch den Einzellagen Charakter vielleicht etwas weniger komplex als beim zuvor probierten Unoperuno, der ja aus verschiedenen Gemeinden kommt. Cannubi ist eindimensionaler, aber in dieser Ausprägung einfach wunderschön, sehr auf roter Frucht laufend, mit verblüffend feinem Tannin. Da ist gar nichts dran was irgendwo rustikal rüberkommt. Das Ding hat keine Ecken und Kanten bei immenser Länge und Schönheit, ja fast Grandiosität und Brillanz. Das ist, was ich einfach einen ultraschicken Wein nennen würde. Und dennoch muss 2016 warten bis er zur Hochform aufläuft. Gerade bei Cannubi täuscht dieser Schick, der Charme und die Eleganz, aber der minutenlange Nachhall verrät, dass man dem Wein Zeit geben sollte. Cannubi wie er sein sollte. Und 2016 steht Altare, finde ich, ausgesprochen gut. 2015 entsprach mehr seinem weichen Stil und seinem Ansatz zu Frucht und Charme. 2016 hat aber die bessere Balance, weil es den Ausgleich zwischen dem weichen Barrique-Stil und den ultrafeinen aber in Massen vorhandenen Tanninen herstellt. 98-100/100

2016 Barolo Unoperuno

Der Unterschied zu anderen Barolo Altares ist, dass dieser Wein per Hand entrappt wird, und somit keinerlei Reste der grünen Stiele enthält. Bei viel Musik, Wein und guter Laune wird hier von Silvia, Elio, dem Kellermeister Tess, vielen Freunden und dem Team jede Beere mit der Hand abgezupft. Viel sauberer als jede Entrappungs-Maschine, eben uno per uno. Eine Methode, die fast unbezahlbar ist, und die im Zuge moderner Technik, wie im Weingut Giacomo Conterno, vielleicht schon fast so gut maschinell erledigt werden kann? Aber zusätzlich wird natürlich noch einmal jede einzelne Beere in die Hand genommen, alles Unperfekte geht in den Ausschuss. Und das kann dann keine Entrappungs-Maschine leisten, vielleicht aber die bei höchstpreisigen Bordeaux zum Einsatz kommende, ultra- teure optische Laser-Sortiermaschine oder die neue Zuckerwassermessung auf Chateau Ausone? Erstmalig enthält dieser Wein nicht nur Trauben aus La Morra, sondern um mehr Power reinzubekommen, auch aus Castiglione und Serralunga. Das bringt mehr Druck in diesen ansonsten durch die Bereitung schon superweichen Wein. 2016 zeigt der Unoperuno deutlich mehr rote Frucht als alle anderen Weine bei Altare, fast sogar noch mehr als Cannubi, der ja auch Bestandteil dieses Weines ist. Gott, was für eine traumhafte Nase. Unglaublich geschliffen, fein, die Blumigkeit geht nicht so sehr zu Veilchen, mehr helle Blüten. Das Ganze mit roter Kirsche, Johannisbeere, Sauerkirsche, mit Graphit und Kreide unterlegt, sehr gut verwoben. Ganz feiner Holzeinsatz darunter. Das ist eine wunderbare Komposition. Im Mund könnte man den Unoperuno für einen Wein aus der Lage Bussia Monforte halten, Colonnello mit dieser Dominanz der roten Frucht in dieser unendlichen Feinheit. Hier fehlt aber auch jegliches Grobe oder Grüne, das ist nur fein, nur perfekt verwoben, elegant. Und hat trotzdem hinten raus einen Tanninbiss und eine salzige Lehm- Mineralität die verblüfft. Im Nachhall feine Cranberry und Holunder, helle Lakritze, ein bisschen Hagebutte, Graphit und Bleistift. Das ist so etwas wie ein Super-Barolo der anderen Art. 2016 kommt diese Struktur durch die Zugabe von Castiglione und Serralunga noch intensiver, katapultiert damit den Unoperuno von einem anfänglich witzigen Projekt zu einem ernsthaft großen Wein. Noch 2 Minuten nach der Verkostung hallt der Wein im Mund nach. Er gehört zu den großen Weinen des Jahres und bleibt trotzdem ein absolutes Unikat. 99-100/100

Zusammen mit Silvia Altare und Stefania und Guido Corino
2016 Barolo La Morra

Dieser Barolo stellt zusammen mit den Barolo von Luigi Pira und dem Neuling Trediberri den im diesem Preisbereich qualitativ besten und zugleich günstigsten Basis-Barolo meines Programms dar. Alle 3 sind anders, dabei ist Corino unter den Dreien immer der Supercharmeur. Ich kenne aber trotz ständiger Suche überhaupt keinen anderen Barolo (nur noch den Basis-Barbaresco der Produttori), der qualitativ mit den 3 genannten in dem Preisbereich mithalten kann. Vergärung spontan im Stahl, der Ausbau geschieht nur im gebrauchten Barrique. Dritt- und Viertbelegung. Keinerlei neues Holz. Ich weiß noch genau wie es zur 20125er Verkostung war, denn es war im selben Raum mit Giuliano und seiner Frau Stefania, am gleichen Tisch und in der gleichen Runde. 2015 war ich total geflasht von diesem einfachen Village La Morra, denn 2015 und La Morra haben eben wie Faust aufs Auge zusammengepasst. Zumal La Morra ohnehin die Gemeinde ist, die zusammen mit Barolo und Novello die feinsten, zartesten und rotfruchtigsten Barolo hervorbringt. 2016 schlägt hier der Jahrgang massiver durch, wir haben deutlich mehr dunkle Frucht, etwas Holunder und Lakritz, eine sich durch 2016 ziehende Dominanz. Dazu in 2016 mehr Schwarzkirsche und Cassis, fest, langlebiger, tanninreicher als 15, dennoch nicht zu massiv, die feine Eleganz bleibt die Dominante. Schon in der Nase wirkt alles geschliffen, fein und weich, trotz dieser dunkleren Ausprägung, es ist aber eben nur nicht so rotfruchtig und weich wie letztes Jahr. Ebenso saftig und charmant wie 2015 und dennoch strukturierter. Im Mund wird der Unterschied noch deutlicher. 2016 zeigt echt viel Biss, das knallt richtig im Mund. Hier wieder Holunder mit Lakritz und Cassis, ein massiver Terroirabdruck, Lehmboden und sehr viel Graphit, leicht maskulin unterlegt. Das Besondere an 2016, das 2010 unglaublich ähnelt, ist trotz des satten Tannins und dunkleren Frucht diese Feinheit und Reife des Tannins, nichts ist unreif oder harsch, gar nicht rustikal, sondern unendlich fein. Nur eben sehr viel strukturierter unter der Frucht und von festerem Gerbstoff begleitet als es 2015 der Fall war. Wenn man 2014 und 2015 langsam ausgetrunken hat im Keller sollte man erst anfangen 2016 rauszuholen, sicherlich noch später als 2010. Also wenn 2005, 2007, 2008, 2011, 2012, 2014 und 2015 Geschichte sind geht man langsam an 2013 heran, dann kommt 2010 und danach 2016. Ein großes Jahr, was mich von der Feinheit der Tannine an 2010 erinnert aber mehr Frucht zeigt, ein Finessenjahr mit verblüffend schwarzer Ausprägung in der Frucht und ultrareifem Tannin. Von der verzückenden Seidigkeit sollte man sich aber nicht täuschen lassen. Die Weine können und müssen lange weggesperrt werden. Selbst dieser einfache La Morra ist sicherlich erst für eine Öffnung in 8-10 Jahren perfekt. Ich bewerte ihn nicht höher als 2015, weil dieser die nächsten 20 Jahre so immens lecker sein wird, aber für Puristen und Klassik-Anhänger ist 2016 sicherlich das größere Jahr. Top Wein! 94-95+/100

2016 Barolo Giachini

Giachini ist eine Lage, die direkt neben der Toplage Rocche liegt. Also warme Südexposition. Eine Traumlage, die die Corinos schon ewig bewirtschaften, aber leider nie kaufen konnten. Uralte Reben, ein Traumbestand im Besitz der Kirche. Aber Langfristpacht geht ja eben auch. In weichen warmen Jahren ist Giachini das Flagship von Corino, obwohl er ja auch Arborina hat. Aber sein weicherer, charmanterer und schwarzfruchtig samtiger Arborina kann für mich in normalen, warmen Jahren qualitativ nicht an seinen strukturierteren, rotfruchtigen Giachini heran. In dieser Lage Giachini tummelt sich sonst nur Grasso, Revello und eben Corino. Deshalb wird diese Lage mangels Verbreitung nie so berühmt wie die gleichwertige Nachbarlage Rocche und wie sie es qualitativ eigentlich verdient hätte. Es ist immer wieder lustig, dass ich bei Corino Giachini als zweiten Wein bekomme, noch vor den anderen beiden Toplagen wie Arborina. Für mich ist Giachini, zumindest in sehr weichen Jahren, fast immer der stärkste Wein bei Corino, dazu kommt noch 2016 mit der stärkeren Ausprägung der schwarzen Frucht. Wieder Holunder, Lakritze und ganz viel Cassis, florale Elemente, Veilchen, aber auch andere Blüten, sehr duftig, verspielt und trotzdem mit großer Feinheit, etwas Salz, nichts Rustikales. Ja, das ist La Morra, und noch mehr die wärmere, tiefer gelegene Gemeinde Annunziata unterhalb von La Morra, die Feinheit, das ist schon extrem schmeichelhaft charmant und Giachini ist sicher einer der hervorragendsten Vertreter. Der Mundeintritt betont die Blumigkeit, dieses total Verspielte, vordergründig floral, aber dazu satte Tanninmassen, die so samtig und geschliffen sind, so feinkörnig, so schwebend. Trotz des Bisses und der hohen Mineralität und der darunter liegenden Kraft. Giachini macht aus dem etwas einfacher strukturierten La Morra diesen floralen Finessenreichtum, der es zu etwas Besonderem macht. Ich schätze diese Stilistik sehr, weil es so verträumte, burgundische Weine sind. Aber auch hier nicht täuschen lassen, der 2016er Giachini braucht sicherlich 10 Jahre Ruhe im Keller oder noch mehr. 2015 und 2014 werden ausgetrunken sein, wenn der 2016er zu großer Form aufläuft. Großer Stoff in totaler Feinheit. 97+/100

2016 Barolo Bricco Manescotto

Diesen Weinberg von 5 ha mit 25 bis 45 Jahre alten Reben kauften die Corinos erst vor wenigen Jahren, anfangs wurde er noch in den La Morra verschnitten, jetzt wird er separat vinifiziert. Der Weinberg lliegt ein bisschen mehr Richtung Serralunga, und so ist auch der Weinstil etwas maskuliner als bei Corino üblich. Dunkle Frucht, 2016 typisch, dazu sehr viel florale Elemente. Im Mund kommt viel Biss, salzige Mineralik, verblüffende Frische mit hoher Säure, und trotzdem ist er mit der Reife der 2016er Tannine gesegnet, eben die totale Geschliffenheit. Und so wie Elio Altare mit seinem Ceretta in Serralunga neue Wege beschreitet, so macht dies Corino mit diesem Bricco Manescotto. Ein Wein, der dem Klimawandel durchaus Rechnung trägt, indem er etwas mehr Gripp, etwas mehr Struktur, etwas mehr maskuline Elemente in diesen weichen Stil La Morras bringt. Ich persönlich ziehe Giachini in dieser total verträumten Feinheit immer noch vor, aber diese Lage hat großes Potenzial. Ich attestiere diesem Bricco Manescotto, dass er wirklich Größe hat, sowie Struktur und Persönlichkeit. Der Wein steht auf Kalkstein und Sandböden, das bringt satte salzige Mineralität, aber eben vom Sand auch Feinheit und Definition. 2016 ist der erste Jahrgang bei dem ich mit diesem Wein einsteige, 2015 hatte ich noch abgewartet. Aber jetzt wird er einfach diese Bandbreite der Corinos nochmal um einen mehr über Struktur definierten Wein erweitert. 96-97/100

2016 Barolo Arborina

2016, dieses große Jahr mit schwarzer Frucht, dazu die Lage Arborina. Das ist eigentlich die Hauptlage von Elio Altare, dem besten Freund und Berater Corinos. Arborina neigt in warmen Jahren dazu zu weich zu sein, zu charmant zu werden. Ein klassischeres Jahr wie 2016 kommt hier natürlich zu Hilfe. Arborina gefällt mir in den strukturierteren Jahren deutlich besser, wenn die Frucht nicht komplett in Weichheit zerfließt. Und so präsentiert sich die Nase dieses 2016er Arborina nicht nur blumig und schwarzkirschig, sondern hält auch Holunder, etwas salzig scharfe Lakritze, deutlich Cassis, Veilchen und etwas Jasmin darunter, recht dicht wirkend. Auch im Mund ziemlich viel Druck aufbauend, wow, da ziehen sich die Augen etwas zusammen und die Zunge rollt sich. Ja, 2016 passt gut in La Morra und in Arborina. 2015 war der Jahrgang, der der Weichheit La Morras entsprach, 2016 bilden den komplexeren Gegenpart, einfach bessere Balance. Deshalb werde ich den Arborina in diesem Jahr auf jeden Fall wieder kaufen, denn er hat unglaubliche Dichte in dieser Schwarzkirsche, Brombeere, Blaubeere, Veilchen, Lakritze, Cassis und Holunder Ausprägung, dazu kommt etwas salzige Graphitmineralik bei toller Frische und total poliertem Tannin. Diese Süße, diese Schwärze im Mund, diese Pikanz, ja, das ist eine Balance der höheren Art. Gerade Arborina profitiert in einem so strukturierten Jahr wie 2016 unglaublich. Ein großer Wein in dieser pikanten, schwarzfruchtigen, strukturierten Intensität. Und erstmals finde ich Arborina noch besser als Giachini. Letzterer entspricht zwar mehr der Stilistik von Corino, aber 2016 zeigt Arborina einfach wirklich Größe. 98+/100

Trediberri mit Nicola und Steffania Oberto
2019 Dolcetto Dogliani Bricco Mollea 60 Anni

In Dogliani gibt es nicht zwangsläufig besseres Terroir als in der Langhe. Aber die Dolcetto wächst in Dogliani auf den besten Böden mit Südexposition. Deswegen gibt es eine solche Dolcetto Qualität eben nur aus Dogliani. Das muss man wissen. Das Terroir ist nicht besser, aber in der Langhe steht in vergleichbar guten Lagen immer Nebbiolo. Die Reben dieses Weinbergs wurden in den 1950er Jahren gepflanzt und gehen jetzt langsam auf die 70 zu. Ein beachtliches Alter! Die Nase kommt mit unglaublich viel aromatischer Wucht, eine Art süße Sauerkirsche, leichter Himbeertouch darunter, ein bisschen Blaubeere, unglaubliche Frische ausstrahlend. Aber vor allen Dingen hohe Intensität an roter Frucht, fast wuchtig. Wow, und dann dieser Mundeintritt! Der Wein wurde um den 20. September 2019 herum geerntet. Die Mazerationszeit betrug anschließend etwa 3 Wochen. Ich probiere den Wein Ende Oktober, die Malo ist gerade fertig. Er wird nach einigen Monaten im Betontank schon etwa im April oder Mai 2020 auf den Markt kommt. Der ganze Mundraum wird eingenommen von dieser fast explosiven Frucht, so hohe Aromatik und so warm, so reichhaltig. Das gibt es eben nur aus Südexposition. Und trotzdem ist der Wein nicht fett. Er hat nur 13% vol., ist aber komplett durchgegoren. Der Wein wird dominiert von dieser enormen Intensität aus Sauerkirsche, süßer Kirsche, Cranberry, Schwarzkirsche, etwas Blaubeere. Hochintensive Frucht gepaart mit fantastischer Säure und wunderbarer Üppigkeit. Nein, das ist kein großer Wein, das schafft Dolcetto nicht. Aber das ist ein fast unheimlicher Spaßmacher, und innerhalb der Dolcetto-Klasse liegt dieser vollständig im Beton ausgebaute Wein sicherlich in der ersten Reihe. Eine Ode an die Trinkfreude. 92-93/100

2016 Barolo

100% Bio-Nebbiolo aus relativ jungen Reben. 2006 gepflanzt auf Kreide- und Kalksteinböden in der Lage Berri. Extremstes Finesseterroir, eigentlich Pinot Noir Lagen. Hochlage zwischen 350 und 420 Meter. 7.000 bis 8.000 Pflanzen pro Hektar gepflanzt. Verschiedene Klone und dabei sehr starker Anteil an Selection Massale aus dem eigenen, alten Weinberg Rocche dell'Annunziata. Der Ertrag beträgt nur 40 Hektoliter pro Hektar. 100% entrappt, aber dann nicht angequetscht. Die Beeren werden nach dem Entrappen nicht gecrushed, sie verbleiben ganz. System Vergärung innerhalb der Beeren, sehr fruchtintensiv, Mazeration carbonique. Nur ein bisschen durch die Peristaltikpumpe, die hier anstelle einer normalen Pumpe für alles benutzt wird, ein bisschen angequetscht. Das heißt, wir haben schon einen kleinen Teil Saft. Vor der Vergärung läuft eine Nacht kalte Mazeration bei 15-16 Grad. Dann läuft die natürliche, spontane Fermentation an. Ein Teil wird mit ein paar Litern der schon laufenden Barbera-Fermentation angeimpft. Diese Fermentation läuft zwei bis drei Wochen und findet komplett im Beton statt. Die große Lehrmeisterin und gute Freundin des Weingutes ist Maria Theresa Mascarello vom Weingut Bartolo Mascarello. Danach gibt es eine Woche Mazeration auf den Schalen. Dann wird soft abgepresst und der Wein geht komplett in großes Holz von 2.500 und 5.000 Liter Größe. Die Malo findet unverzüglich in diesen Holzfässern statt. Insgesamt verbleibt der Wein 22 bis 24 Monate im Holz. Danach geht es in Stahl und in Beton. Dieser Barolo ist biologisch zertifiziert. Der Weinberg Berri hat für Jahrzehnte brach gelegen. Bio pur und nie gedüngt oder behandelt. Nicola konnte zusammen mit seinem Vater und einem weiteren Investor (das sind die tre des Weinbergs Berri aus dem Namen TrediBerri) diesen Weinberg Mitte der 2000er, kaufen und sie haben es komplett neu bestockt. Das Terroir ist nicht übermäßig alt, aber diese Helligkeit der Kreideböden macht die große Eleganz und die Fruchtigkeit und die salzige Mineralität aus. Wie ich schon sagte, eigentlich ideales Pinot Noir Terroir.
Die Nase dieses Barolos wiederspiegelt beides. Auf der einen Seite dieses unglaublich warme, reiche Jahr. Wir kommen mit satter roter Kirsche, mit so viel Süße und ein bisschen Schlehe. Ein paar Orangenzesten. Assam Tee, aber auch Kreide. Unglaublich charmant. Die Nase erinnert mich sehr stark an Brunate und La Serra, die Hochlagen von La Morra. Auch dieser Wein eindeutig La Morra in dieser totalen Eleganz. So aromatisch. Der PH-Wert liegt bei 3,52 und die Säure liegt bei 6 Gramm. Der Zucker ist bei unter einem Gramm. Der Weinberg ist Südwestexposition, was eigentlich für einen warmen Weinberg steht, aber diese Frische im Mund ist wirklich verblüffend. Hochlagen eben! Die Farbe ist komplett in ganz klaren, durchscheinendem Rot gehalten. Eine Chambolle-Musigny Farbe. Das liegt an dem tiefen PH-Wert und der relativ hohen Säure. Der Mund ganz feine Sauerkirsche aber ultrafein. Auch hier irgendwo zwischen Chambolle-Musigny und Vosne Romanee liegend. Vielleicht sogar so fein, dass ein bisschen mehr Touch von Volnay dazukommt. So verträumt, so unglaublich lang. Die Salzspur zieht sich für mehrere Minuten. Ganz feine Sauerkirsche. Dazu diese schicke Süße mit dieser großen Frische. Das ist ein wirklich burgundischer, extrem schicker Barolo. Er hat nicht die innere Dichte wie die Weine von Roberto Voerzio, dafür sind die Weinberge einfach noch zu jung. Aber in Sachen Feinheit und Finesse gehört das auf jeden Fall zu den trinkbarsten, schönsten Weinen. Ich bin sehr begeistert von diesem Wein. 95-96/100

2016 Barolo Rocche

Der Bio-Barolo aus dem alten Familienweinberg. Früher an Ratti verpachtet. PH-Wert 3,6, Säure 5,5 Gramm. Der Großteil der Reben in Rocche wurden 1961 gepflanzt. Das heißt 60 Jahre alte Reben. Ein kleiner Teil wurde etwas später, 1989 gepflanzt. Ein Amphitheater mit Südost bis Südwest Lage d.h. der Weinberg läuft komplett durch eine Südexposition hindurch. 1,5 Hektar. Direkt neben Roberto Voerzio. Diese Weinberge waren früher verpachtet an Ratti und sind seit Jahren wieder zurück im Weingut Trediberri, das ja erst 2010 gegründet wurde. Auch dieser Wein ist zu 100% entrappt. Eine Nacht Kaltmazeration ohne Anquetschen. Vergoren im Beton-Tank. Dann zweiwöchige Nachmazeration auf den Schalen. Überführung über eine Peristaltikpumpe in 2.500 Liter Holzfässer, für 24 Monate auf der Hefe belassen. Komplett Bio. Schon die Nase zeigt die deutlich wärmere Exposition. Der Weinberg liegt zwischen 250 und 280 Metern. Wir sind also viel tiefer als in der Lage Berri, und wir sind in einer südlicheren Exposition und haben alte Reben. Die Nase ist reicher, weicher, opulenter. Das Schöne ist, dass alles nur im großen gebrauchten Holz war, zuvor im Beton spontan fermentiert. D.h. wir werden hier nicht fett, sondern sind in einer unglaublichen Feinheit. Die Erträge liegen bei 40 Hektolitern pro Hektar. Wir haben nur 4.000 Pflanzen pro Hektar. Und trotzdem sind wir zumindest in der Vorahnung in dieser Feinheit, die Roberto Voerzio, der direkte Nachbar, auch erreicht. Vielleicht nicht ganz so mit dieser irren Spannung und inneren Konzentration ausgestattet. Aber durchaus auch irgendwie vergleichbar. Auch dieser Wein ist biologisch zertifiziert. So unglaublich feine, rote Kirsche. Weniger Schlehe, weniger Salz in der Nase als Berri. Aber noch verträumter, noch wärmer, noch süßer. Ohne jegliches Fett. Auch das ein Burgunder. Und wenn wir bei Berri noch mehr in Volnay waren, so sind wir hier in dieser unglaublichen Weichheit bei Musigny. Der PH-Wert ist etwas höher, die Säure etwas tiefer als im Berri, sodass wir im Mund deutlich mehr Zwetschge und frische rote Kirsche haben. Weniger Schlehe, weniger Salz, aber eine wunderschöne Spannung und eine tänzelnde Finesse. Dazu kommt ein bisschen Orangenzesten, provenzalische Kräuter und dann diese unglaubliche Länge eines großen Burgunders mit dieser wunderschönen Säure aus der frischen Zwetschge und der roten Kirsche. Der Wein ist brillant klar. Ein helles Rot. Musigny ist der gute Vergleich, auch wenn es natürlich ein bisschen hoch gegriffen ist. Aber dieser Wein wird in ein paar Jahren ein grandioser Burgunder sein. Geben sie ihm 5-7 Jahren und sie werden total begeistert sein. Ich bin sicher mit dem Weingut Trediberri einen Diamanten ausgemacht zu haben. Es gibt nur 3 300 Flaschen von diesem Rocche. Und insgesamt ca. 20.000 Flaschen vom normalen Barolo. Und Wachstum ist hier nicht vorgesehen. Jedes Investment geht hier weiter in die Qualität. Diese beiden jungen Leute sind nicht nur extrem sympathisch, sondern auch mit einem unglaublich hohen Qualitätsanspruch ausgestattet. Beide haben in London im Finanz- und Consultingsektor gearbeitet. Merrill Lynch und McKinsey. Beide kommen aus der Region La Morra und Alba, und beide sind mit ihren jungen dreißig Jahren total froh zurück zu sein bei ihren Wurzeln. Rauszukommen aus dem Fashion Life. Jeden Tag im Weinberg, grandiose Weine probieren, mit dem besten Barolista der Region befreundet zu sein. Und das zu leben, was sie die unendliche Natur nennen. Und das drückt sich in diesem wirklich grandiosen, schicken Finessewein aus. Der Wein bleibt ewig am Gaumen. So ungemein zart und fein. 97-98+/100

Bartolo Mascarello und Sandrone

Noch relativ schlimmer erwischte es in meiner Bewertung dann am Mittwoch Bartolo Mascarello und Sandrone. Waren die drei Barolo 2016 dieser Ausnahmewinzer je besser? Bessere 2016er als 2015 und 13 und 2010, das scheint mir sicher. Aber glatt 100 geht 2016 nicht wegen der Big3. Auch wenn Sandrones Le Vigne, der ja viel Serralunga und Castiglione enthält, bis an 100 bekommt. Der Fluch der guten Tat, der Fluch der noch Besseren. Macht aber nichts, diese zwei Erzeuger haben zu Recht ihre Fans, und 97 bis 100 Punkte ist schon auch heftig viel. Sie sind aber auch so gut.

Bartolo Mascarello-Weine   Sandrone-Weine

Schatzkammer bei Bartolo Mascarello
2016 Barolo

Maria Theresa steht ihrem Vater Bartolo in der Weinqualität überhaupt nicht nach! Fermentiert in Zement wie eh und je, 30 bis 50 Tage Schalenkontakt im Zementtank, danach ausgebaut im großen alten Holz. Vergärung nur spontan mit der Naturhefe. Dieser Barolo setzt sich zusammen aus den 4 Einzellagen Cannubi, Rocche Annunziata, Rué und San Lorenzo. Bei Mascarello werden alle Lagen zusammen vergoren, die Auswahl findet nur im Weinberg statt, seit Jahrzehnten gibt es die gleiche Lesemannschaft, sie wählt schon im Weinberg perfekt aus. Die Weine werden komplett entrappt und dann mit der natürlichen Hefe vergoren. Das Resultat sind nur 15.000 Flaschen Gesamtproduktion des Barolo in einem Standardjahr. Die Fermentation läuft in den ersten 12-15 Tagen im Zement, danach verbleiben die Weine in guten Jahren zwischen 40 und 50 Tagen auf der Maische, ohne dass noch einmal Pigeage oder Remontage durchgeführt wird, tägliches Probieren bestimmt das Ende des aromatischen Zugewinns aus der Maischestandzeit. Danach erfolgt der Abzug und der Ausbau im großen gebrauchten Holz, so dass keinerlei aromatischer Holzeinfluss durch neues Holz kommt, sondern lediglich die gewollte Entwicklung per Oxydation stattfindet. Da der Abzug vom BETON ins Holz nach der alkoholischen Gärung i.d.R. schon bei nur noch 10 Grad Außentemperatur erfolgt, muss die Malo bis zum Frühjahr warten, geheizt wird hier nicht. 2016 ist ein sehr klassisches Jahr. Erntebeginn Mitte Oktober, keine extremen Hitzespitzen im Sommer. Im Grunde einfach ein sehr gut und harmonisch verlaufendes Jahr und auch die Menge ist im Normalbereich. Und trotzdem ist 2016 zu einem geradezu überragenden Jahrgang geworden mit einer so typischen Holunder-Lakritz-Struktur in der Nase. Bei Mascarello kommt dazu viel dichte, rote Frucht, Kirsche, ein kleiner Hauch Hagebutte dahinter, ein bisschen Schlehe. Wie immer eher verspielt und etwas filigraner, nie massiv. Langsam kommt auch ein bisschen Himbeere, Kreide, Lakritze und Veilchen, alles schwebend und fein. Im Mund ein ziemlich strammes Säure- und Tanningerüst. Das Tannin ist ziemlich geschliffen aber es ist massig vorhanden. Die Augen ziehen sich zusammen, wow, was für ein Ereignis. Der Wein ist unendlich lang, bleibt einfach stehen im Mund. Unglaubliche Tanninstruktur, aber ist sie auch reif genug? Oder wird es ein sogenanntes großes Jahr, das nie weich und samtig werden wird wie es etwa 2004 zu sein scheint? Ich bin nicht ganz sicher. 2016 hat sicherlich das Potenzial als eines der größten Jahre überhaupt in die Geschichte einzugehen, wenn nicht sogar das größte Jahr bis heute. Bei Mascarello ist die Tanninstruktur aber schon ziemlich intensiv, ziemlich massiv, und zusammen mit der Säure und dem Terroirabdruck ist das schon ein ziemlicher Hammer. Oben drauf dann diese Verspieltheit, dieses Florale vor allem in der Nase. Der Jahrgang hat Aussichten zu den Allergrößten jemals gezählt zu werden, aber wie schon gesagt, mit einem gewissen Restrisiko ob der gewaltigen Tanninmassen und der bangen Frage, wie sie sich in gerade diesem Wein zukünftig entwickeln werden. Potenzialwertung. 97-100/100

Luca Sandrone
2014 Barolo Vite Talin

Die Story hinter diesem Talin, der 2013 das erste Mal auf die Flasche kommt, ist sehr erstaunlich, das Ergebnis ist mehr als einleuchtend: Die Reben sind 40 Jahre alt. Es gibt nur 0,7 Hektar mit einem winzigen Ertrag. Diese Weine sind in einem einzigen Weinberg nahe dem Dorf Barolo gepflanzt. Eine kuriose Geschichte. Luciano hat 1987 in einem Nebbiolo-Weinberg, den er gepachtet hatte, eine einzelne Rebe ausgemacht, die sich in der Art des Wachstums deutlich von den anderen Reben unterschied. Es stellte sich heraus, dass durch einen Virus eine genetische Veränderung eingetreten war. Einen Gen-Defekt in der Art, wie wir es auch aus der Champagne (in Avize z.B. Thienots Vigne aux Gamins) kennen. Extrem winzige Erträge und sehr lockerbeerige Trauben. Unproduktiv und deshalb von den Behörden verdammt. Luciano und sein Bruder und Weinbergmanager Luca haben die Reben ausgehend von der Mutterpflanze selber vermehrt und zunächst experimentell an verschiedenen Orten angepflanzt. Letztendlich wurde ein Teil der Weinlage Le Coste bei Barolo mit den heute produzierenden Reben bestockt. Das Ergebnis, eben durch diese Lockerbeerigkeit und diesen winzigen Ertrag, ist allerdings eine enorme natürliche Konzentration bei totaler Gesundheit. Kleinste gesunde Beeren, dicke Schalen. Es gibt nur etwas über 2.000 Flaschen. Der Name des Weines stammt aus dem piemonteser Dialekt. Talin bedeutet „geboren“ und ist der Name desjenigen Besitzers, der damals den Weinberg an Luciano verpachtet hatte. Der Wein ist zwei Jahre im 500 Liter Tonneau und ein weiteres Jahr im großen Holzfass und danach drei weitere Jahre auf der Flasche im Weingut bevor er in den Verkauf kommt. 2014 ist bekanntlich ein Jahr, dass ganz feine Weine hervorgebracht hat, Barolos zum Träumen, mit feinsten Tanninen und ohne grüne Elemente oder brachiale Kraft. So ist im Grunde 2014 eine Weiterentwicklung von 2012 in der Stilistik oder eine etwas zartere Version eines stylischen 2016ers. Der Vite Talin ist wahnsinnig duftig und wahnsinnig schwarz. Aber nicht drückend und fett, sondern schwarz und feminin. Fast etwas exotisch. Die Nase enthält Feige, süße Jasmin, Flieder, viel Veilchen, dazu Lakritze. Das Ganze wie eine kraftvolle, dunkle Wolke, ohne jeden Gerbstoff, einfach nur in einer unglaublich wollüstigen Duftwolke hochkommend. Mit dieser ganzen floralen Süße, Pakistani Night, wow, was für eine schwarzblaue Wucht. Der Mund hat dann unerwartet viel Gripp und viel salzige Pikanz, sehr viel sogar, und so viel Lakritze, holländische, schwarze, salzige Lakritze, die unendliche lange im Mund umhergeht und alles belegt. Süßholz, Feige, die Süße, die Exotik und das Ganze mit viel druckvoller, mineralischer Länge von Feuerstein über Schiefer. Wieder in diese extreme lakritzige Würze reingehend, salzig und süß für zwei Minuten haften bleibend. Der Wein ist ohne Frage ein Ereignis. Das ist verblüffend. 2014 gibt es nicht viele Highlights auf diesem Level, aber dieser Vite Talin gehört ganz sicher dazu. Das ist ein Unikat. Großer Stoff. 98-99/100

2016 Barolo Aleste (Cannubi Boschis)

Wie jedes Jahr, und das verblüfft mich selbst immer wieder, bin ich ein großer Freund von Aleste und im Allgemeinen von Cannubi Boschis, ob seiner hohen Aromatik und seiner erotischen Ausstrahlung. Kaum ein anderer Wein ist wie Cannubi. Da kommt die pure Erotik, die Wollust eines super schicken Weines aus dem Glas. Ganz viel schwarze und rote Kirsche. Hier ist die Lakritze sehr viel heller, die Tannine sind noch feiner. Und trotzdem hat die Aromatik viel Druck und Wucht, hohe Intensität. Das ist einfach ein riesiger Schwall von erotischem Nebbiolo. Der Mund ist nicht schlank, aber er ist deutlich versammelter als die Nase. Und er ist total rotfruchtig, Himbeere, Erdbeere, rote Johannisbeere, hohe Säure, viel Frische. Das Ganze mit salzigem, kreidigem und hellem Lakritz-Ton unterlegt. Für Minuten haftend, lang, fein, verspielt, große Harmonie ausstrahlend. Wie beim Le Vigne haben wir hier ebenso diese immense Feinkörnigkeit der Tannine. Ein schicker Wein, großer Wein. Auch wenn im Jahr 2016 die Weine aus den Gemeinden Serralunga, Castiglione und Monforte wahrscheinlich vor der Gemeinde Barolo liegen. 96-97+/100

2016 Barolo Le Vigne

Der Barolo Le Vigne ist eine Cuvée aus vier verschiedenen Lagen aus den Gemeinden Barolo, Novello und zweimal Serralunga, dabei auch die Toplage Villero. Die Bearbeitung beider Barolo geschieht bei Sandrone auf die gleiche Art und Weise. Vollständige Entrappung, acht Tage kalte Mazeration, dann weitere drei Wochen Fermentation im Stahl und danach noch einige Zeit Verweildauer auf der Schale. Verwendung nur des Vorlaufweins, kein harter Presswein. Ausbau zu 80% in gebrauchtem 500 L Tonneau, 20% neues Holz, 24 Monate, kein Abzug, keine Batonnage. 2016 hat eine magische Nase, wie fast alle Weine dieses Jahr dominieren auch hier Holunder und Lakritze, hochintensiv, sehr viel satte Schwarzkirsche, Cassis, auch provenzalische Gewürze, viel Kreide, Kalkstein, Lehm, all diese salzigen Terroirelemente. Dazu diese fast unerwartete Fülle und Intensität, diese fast irre Aromatik. Der Wein springt geradezu aus dem Glas mit dieser schwarzblauen Frucht und Fülle mit ganz viel Gestein darunter, an Feuerstein und Schiefer erinnernd, wieder feines Salz. Total poliertes Tannin, so geschliffen. Das Gegenteil von grob, und trotzdem ist der Wein gar nicht überreif, sondern auf den Punkt geerntet und vinifiziert. Le Vigne hat sich im Laufe der Zeit wirklich gemausert. Zumal er ja aus wirklich großen Lagen besteht, unter anderem Villero und Co., vier hervorragende Crus in einem Blend. Und seit vielen Jahren von vielen Juroren höher geschätzt und bewertet als der Cannubi Boschis, der jetzt Aleste heißt. Das liegt meines Erachtens daran, dass Le Vigne durch Serralunga einfach mehr Power und Druck hat. Das ist ein archetypischer Barolo, aber einer, der in der Weichheit und der Aromatik eher Gemeinde Barolo ähnelt. Auch wenn er von Serralunga die Power drunter hat, die schwarze Kirsche, die dunkle Frucht, aber die Feinheit, die Finesse könnten auch aus La Morra stammen. Das Ganze hallt für Minuten nach, aber nicht durch Tannin, sondern durch Aromatik und Duftigkeit. Sehr viel Veilchen, wieder salzige Lakritze, wunderbare Harmonie ausstrahlend. In diesem jungen Stadium schon sehr zugänglich. Aber das liegt natürlich daran, dass die Tannine in diesem Wein so reif und geschliffen sind, hier gibt es nichts Hartes, die Gerbstoffe sind extrem feinkörnig. Das ist ein sehr, sehr schicker Barolo. 97-98/100

Giacomo Conterno

Wegen Terminnöten musste ich dann einen Exkurs beim Superstar Giacomo Conterno dazwischen schieben. Ich lernte dabei auch seinen so sympathischen Sohn Gabriele (25) kennen, die Nachfolge ist gesichert. Das Weingut liegt in Monforte aber alle Weine kommen aus Serralunga. Der Monfortino 2013 hat fast überall die 100, zu Recht, ganz groß, bitte 20 Jahre nicht anrühren. Barolo Cascina Francia 2015 rührt in seiner finessereichen und verträumten Feinheit fast zu Tränen. Barbera 2017 ist riesig, best ever. Auch der 2015er und 2016er Gattinara aus dem nördlichen Piemont sind in ihrer Frucht und Finesse eine neue Dimension in Gattinara. Endlich ein bezahlbarer Nebbiolo von Giacomo Conterno, qualitativ für mich ein Muss!

Zu allen Weinen

Gabriele Conterno (von Giacomo Conterno)
2015 Gattinara (Nervi - G. Conterno)

Nebbiolo vom Vulkan-Terroir, diese sehr steinige Mineralkomponente macht aus dem von Haus aus schon blumig und wildbeerig daherkommenden Wein eine spannende Delikatesse. Cool climate mit schwarzem Stein und getrockneten Blüten und getrockneten Kirsch-Schalen, wild und zugleich klar und transparent. Ab dem Jahrgang 2015 kommt dann aber auch Robertos Handschrift im Weinberg zum Tragen. Der warme reiche Jahrgang und die starke Ertragsreduktion bei kompletter Entrappung geben eine tolle Fülle und Reichhaltigkeit in die Spartanik der Hochlage. In Folge der spürbaren Klimaveränderung liegt hier in der Hochlage die erfolgversprechendste Vision der Nebbiolo, grandiose Lagen und uralte Reben kombiniert mit den einzigartigen Fähigkeiten des Weingutteams von Giacomo Conterno, hier hat die Zukunft schon begonnen. Das ist spannender, vibrierender Stoff, eine Art Barolo für Hochlagen-Freaks. 94-95+/100

Aldo Conterno

Am Folgetag der Cousin, Aldo Conterno in Monforte. Alle Weine aus der Lage Bussia. Mit das älteste Terroir der Langhe. Kalkstein, weißer und roter Lehm. Die Granbussia kommt nur in besten Jahren und zählt ohne jede Frage zur obersten Elite, nicht selten der beste Wein der Langhe. Eine lange ausgebaute Superselektion der drei besten Lagen des Bussia-Weinbergs, hauptsächlich Romirasco, etwas Cicala und Colonnello. Drei Lagen des gleichen Hangs mit durchaus unterschiedlichen Charakteren. 2016 multikomplex, unendlich fein, fruchtstark, satte ultrafeine Tannine, wahnsinnige Frühform, aber gebaut für die Ewigkeit, bitte 15 Jahre nicht anrühren. Colonnello ist mein glatter 100 Punkte Favorit, feminin, unendlich lang und seidig. Der fast brutal mineralische Cicala ist Giacomos Favorit (verwirrend den kaufmännisch leitenden der drei Besitzerbrüder Franco und Stefano zu nennen wie das Weingut des Cousins, früher war das alles mal nur ein einziges Weingut). Beim Romirasco, der beide Eigenschaften von Colonnello und Cicala vereint, einigen wir uns dann leicht auf 100. Bitte 20 Jahre warten.

Zu allen Weinen

Giacomo Conterno (von Aldo Conterno)
2016 Barolo Bussia Vigna Cicala

In der Lage Cicala gibt es wesentlich mehr blauen Lehm, Kalkstein und Eisen als in der Lage Colonnello oder als im Bussia. Der Wein kommt zwar wie der Colonnello vom gleichen Bussia-Weinberg, aber hier geht es ganz klar in die Richtung zum Maskulinen und Kraftvollen. Auch hier liegt der Ertrag bei nur gut 10 Hektoliter pro Hektar, die gleiche extrem frühe Reife, also vollständiger Erhalt der Säure bei früher Lese bzw. höchste Komplexität bei längerer Vegetationsperiode, letztlich also immer eine sehr hohe Reife. Die Gesamtproduktion aus 3 Hektar beträgt nur winzige 5.000 Flaschen. Auch hier gibt es 4 grüne Lesen neben der schon extremen Ertragsreduktion durch die Biodynamik. Der Wein bleibt mit der Gärung ca. 5 Wochen auf der Maische um alle Aromen und Tannine aus den Schalen und reifen braunen Kernen zu waschen, nach der Malo wird er dann ca. 30 Monate im großen Holz ausgebaut. Cicala ist neben dem Romirasco immer die druckvollste, kraftvollste Lage, das kommt durch den hohen Eisenanteil im weißen Lehm. Aber durchaus eine ähnliche Finesse und Verspieltheit wie bei Colonnello klingt hier dennoch auch an. Die Mineralität ist hier noch ausgeprägter. Der Wein ist fordernder als der total verspielte Colonnello. Und wenn ich diese Nase und diesen Mund jetzt in Einklang bringe und zum Beispiel mit dem anderen Niedrigertrags-Extremisten Roberto Voerzio vergleiche, dann sind die Weine von Conterno trotz der unglaublichen Finesse von der Power eher bei Cerequio als bei La Serra. Aber sie sind noch profunder und dichter. Dieser Cicala hat deutlich mehr intensivere, rundere, süßere Frucht als der Colonnello. Er ist nicht ganz so fein, bringt viel Hagebutte zur Kirsche, auch ein wenig Süße, Pflaumenkompott. Viel Druck von unten, mehr Schieferanmutung, insgesamt etwas wuchtiger. Auch im Mund knallt Cicala einfach rein. Der Wein haut einem mehr in die Fresse als der Colonnello, der mehr streichelt. Wow, was geht es hier zur Sache, der Wein schiebt, zeigt so immens viel Mineralität, auch ein bisschen Eisen ist dabei, ein bisschen Biss wie aus Serralunga. Das ist mit Sicherheit die ausgeprägteste und intensivste Mineralität, die ich in einem Cicala in den letzten 10 Jahren probiert habe, das ist schon atemberaubend. Es ist mir fast schon etwas zu intensiv und aggressiv in der Mineralausprägung, obwohl das ja genau ist, was die Winzer erreichen wollen. Dennoch ist es einfach hochintensiv in dieser Art. Dazu Salz und fast eine gewisse Schärfe aus dem Tannin. In so einem frühen Stadium spürt man bereits, dass dieser Wein nicht 5 oder 10, sondern 20 oder mehr Jahre brauchen wird. Da ist so viel Druck und Power drin hinter der wahnsinnigen Finesse und der floralen Komponente, die hier genau wie im Colonnello das Nasenbild dominiert. So verspielt, so leicht, so blumig, und doch so ein immenser Druck dahinter. Mir persönlich ist der Colonnello lieber, weil er die etwas größere Harmonie ausstrahlt. Aber vielleicht bin ich in 20 Jahren auch eher beim Cicala. Dass das ein ganz großer Wein ist steht jedenfalls völlig außer Frage. 2016 bei Aldo Conterno sind Weine wie bei Vietti und Voerzio, die es allemal wert sind für viel Geld eingekellert zu werden und dann für 20 Jahre vergessen zu werden. Denn das gehört zu den größten Barolo die es je gab. 100/100

2016 Barolo Bussia Vigna Colonnello

Der Untergrund dieses Teils der Lage Bussia ist ein stark von Magnesium und Mangan durchzogener Lehm. Das ergibt deutlich feinere und unglaublich florale Eindrücke, genau deswegen erfolgt die separate Vinifikation. Auch hier liegt der Ertrag bei nur gut 10 Hektoliter pro Hektar, die gleiche extrem frühe Reife, also vollständiger Erhalt der Säure bei früher Lese bzw. höchste Komplexität bei längerer Vegetationsperiode, immer eine sehr hohe Reife. Die Gesamtproduktion beträgt auch beim Colonnello nur 5.000 Flaschen aus 3 Hektar, Cicala ist gleich groß. Auch im Colonnello gibt es 4 grüne Lesen neben der schon extremen Ertragsreduktion durch die Biodynamik. Der Wein bleibt mit der Gärung ca. 5 Wochen auf der Maische zur Extraktion der reifen Tannine und Aromen aus den braunen Kernen und Schalen. Nach der Malo wird er ca. 30 Monate im großen Holz ausgebaut. Colonnello ist immer der feinste, verspielteste Wein bei Aldo Conterno. Beim ersten 2016 Barolo bei Aldo Conterno den ich probiere muss ich gleich eine Einleitung hinterherschicken: Der normale Bussia aus der Großlage Bussia in der Colonnello, der Romirasco, der Cicala Teilstücke sind, hat die Malo sehr spät gemacht. Bei Aldo Conterno ist man da sehr pedantisch was die Zeit nach der Malo anbetrifft. Der Wein muss mindestens eine gewisse Dauer danach auf der Flasche gewesen sein. Somit kommt der Bussia nicht wie üblich 2020, sondern erst 2021 auf den Markt. Das betrifft aber nicht Colonnello, Cicala und Romirasco bei denen die Malo normal verlief. Was ist das besondere an 2016? Aus den bisherigen Verkostungen hat sich herausgestellt, dass es kaum ein Jahr gibt, dass so energetisch ist. Wir haben die Energie und Finesse wie 2010, total verspielt, aber extrem tanninreich mit brillantem Schliff. Nichts Hartes, nichts Sprödes, einfach nur Massen von tänzelnden Tanninen. Aber anders als 2010 haben wir 2016 auch noch einen Ticken mehr Frucht. Die Erinnerung von einigen Winzern an 1989 oder 1971 kann ich durchaus nachvollziehen. Doch wenn man ehrlich ist, ist 2016 natürlich noch um einiges stylischer und geschliffener als 1989. Jahrgang 1971 habe ich selbst erst in späteren Jahren probiert, das kann ich persönlich nicht so gut vergleichen. Aber ich kann absolut nachvollziehen wieso diese Vergleiche gezogen werden. Das Ergebnis in der Nase von diesem Colonnello ist neben der für 2016 spezifischen Holunderbeere und heller Lakritze auch sehr viel rote Frucht. Sehr viel Waldhimbeere, nicht ganz so süß, sehr straight, ein bisschen Hagebutte, Schlehe. Ganz wunderbare Kalkstein- und Kreide-Unterlegung, Bleistiftabrieb, auch ein Touch Feuerstein. Dann kommt der Mund und der flasht mich komplett. Alle Leser, die meine Texte schon länger verfolgen, wissen, dass ich ein großer Liebhaber der Lage Colonnello bin. Denn es ist einerseits der femininste Wein der drei großen Lagen von Conterno und zugleich der verspielteste. Ich liebe dieses Tänzelnde, diese Primaballerina, die sich da durch den Mund bewegt. Diese feinen Spitzen von Salz, Kreide und Kalkstein mit dem Unterbau von Feuerstein. Das Ganze in dieser roten Johannisbeere, Schlehe, Sauerkirsche, aber nie zu intensiv oder brutal. Immer total fein. Eine Feinheit wie es sie in der vielleicht überragenden Gemeinde Serralunga so nicht gibt, sondern wie es sie in dieser Art fast nur in Monforte gibt. In La Morra werden die Weine bei ähnlicher Feinheit meist etwas weicher. Allerdings mit einer Ausnahme: Roberto Voerzio mit seinen Hochlagen Cerequio und La Serra. Das ist auch genau diese Art von Barolo wie hier der Colonnello. Aber bitte täuschen Sie sich nicht, 2016 kommt zwar so unglaublich charmant und so voller Energie daher, aber trotzdem wird der Wein sehr lange brauchen. Wenn sie 2014 schon komplett vergessen haben und 2015 sich dem Ende entgegen neigt, können Sie vielleicht langsam daran denken mal 2016 hervor zu holen. 15 oder 20 Jahre im Keller werden dem Wein gerecht werden. Das ist ein Wunder an Finesse, Charme, Frucht und Verspieltheit. Für mich ein ganz großer Wein. 100/100

2016 Barolo Bussia Vigna Romirasco

Der Romirasco ist mit 410 Metern über dem Meer noch oberhalb des Cicala die höchste Lage der Gesamtlage Bussia, schräg im Osten, leicht erhöht nur noch der weiße Bussiador. Der Romirasco besteht zu 80% aus den ältesten Reben der Conternos, die in manchen Jahren zumindest teilweise der Granbussia vorbehalten sind. Je 10% der ältesten Reben aus Cicala und Colonnello kommen zur Granbussia noch dazu. Nur 4.000 Flaschen werden pro Jahrgang aus 3,8 Hektar erzeugt, der geringste Ertrag, den Wein gibt es immer nur in großen Jahren. Der Romirasco entstand erstmals im sensationellen Barolo-Jahrgang 2004, als Hagelschäden die separate Abfüllung der dramatisch geringen Mengen Granbussia, des Colonnello und der Cicala sinnlos erscheinen lies. Das Ergebnis war so überragend, dass der Romirasco nun der beste jährliche Wein der Conternos ist. Die Mischung des Bodens: Sand, Lehm, Eisen, sehr viel Magnesium, Mangan, eine gute Mischung von Colonnello und Cicala, aber immer die höchste Würze. Immer kühle Stilistik auf Grund der exponierten Lage. Auch hier liegt der Ertrag bei nur gut 10 Hektoliter pro Hektar, die gleiche extrem frühe Reife, also vollständiger Erhalt der Säure bei früher Lese, bzw. höchste Komplexität bei längerer Vegetationsperiode, immer eine sehr hohe Reife. Auch hier gibt es 4 grüne Lesen neben der schon extremen Ertragsreduktion durch die Biodynamik. Der Wein bleibt mit der Gärung ca. 8 Wochen auf der Maische, die hohe Mineralität des Terroirs wird noch einmal unterstützt durch das Auswaschen der Aromatik aus den Kernen durch den Alkohol. Nach der Malo ca. wird der Wein 32 Monate im großen, teilweise neueren Holz ausgebaut. Der Romirasco ist immer mit Abstand der würzigste Wein des Hauses, deshalb denkt man manchmal an ganz neues Holz, das jedoch nie zum Einsatz kommt. Der 2016er Romirasco hat die selbe Energie in der Nase wie Cicala und Colonnello, macht dafür aber deutlich mehr Druck als letzterer und hat weniger diese fast aggressive Mineralität, die der Cicala zeigte. Die Nase des Romirasco kommt mit der vollen Breitseite. Wir haben Holunder, helle Lakritze und viel rote Frucht, etwas auch die Hagebutte wie im Cicala, aber dann auch die feine Waldhimbeere, Zwetschge. Hier kommt auch ein bisschen rote und schwarze Kirsche. Ein tolles Fruchtbündel, hochintensiv. Wow, im Mund geht es richtig zur Sache. Ja, Romirasco schafft es immer irgendwie die beiden anderen Lagen zu kombinieren. Wir haben hier die fast überbordende Mineralität aus dem Cicala, Salz und Schärfe im extrem feinen Tannin und eine Länge, die gar nicht wieder aufhört. Und trotzdem haben wir diesen Charme und die Balance, dazu dieses Wunder der weichen, runden, sanften, roten Frucht, die auch den Colonnello ausmacht. Wir haben einen femininen Wein, der mit wahnsinniger Power geradeausläuft. Romirasco ist eigentlich ebenbürtig mit Colonnello, und die Genießer, die etwas mehr mineralischen Ausdruck haben wollen, und die noch etwas mehr geflasht werden wollen von dieser extremen Ausprägung der Mineralik und von Tanninmassen, müssen dann diesen Romirasco kaufen. Ich nehme für meinen Keller den Colonnello, weil ich einfach die nächsten 20 Jahre schon mal langsam rangehen möchte an den Wein. Ich bin jetzt über 60 und möchten den Wein irgendwann mit 80 schon mit Wonne genießen können. Da glaube ich eher an den Colonnello. Dass der Romirasco trotzdem ein Riese ist steht völlig außer Frage. Diese drei Lagen stehen 2016 mit den Top-Lagen von Vietti und Voerzio up to now zum Besten was ich in diesem Jahr probiert habe, und damit auch mit zum Besten, was ich in meiner Laufbahn je probiert habe. 2016 ist nicht nur in Bordeaux und Burgund (sofern der Frost es zuließ) mit das Allerbeste, was es gab. Das ganze galt auch für Riesling und für Spanien. 2016 ist einfach ein Hammer-Jahrgang und zeigt sogar deutlich mehr Frucht als 2010 bei mindestens gleich hoher Finesse und Verspieltheit. Großer Stoff. 100/100

2017 Chardonnay Bussiador

Der Ertrag des Bussiador liegt bei ungefähr gut 10 Hektoliter pro Hektar. 7-fache grüne Lese, nur die stammnahen Trauben werden belassen. Sehr späte Lese, i.d.R. erst Ende September bis Anfang Oktober. Die Vergärung geschieht komplett im Holz, auch der spätere Ausbau und die malolaktische Gärung geschieht in kleinen Holzfass. Zwischen beiden Vergärungen wird einmal abgezogen, nach der Malo verbleiben die Weine 15 Monate unberührt und ohne Batonnage in diesem Holz. Es wird nur nach der alkoholischen Fermentation die Hefe einmal ein wenig aufgerührt, danach 15 Monate ruhiges Verweilen, also komplett burgundisch "state of the art". Der Anteil neuen Holzes richtet sich nach dem Jahrgang. Entscheidend sind die Mineralität und die Säure. Das Terroir besteht aus dem typischen weißen Lehm der Langhe und etwas Sand, viel Kalziumeinsprengsel, auch reiner Kalkstein und Eisenanteile, tief wurzelnde Reben. Der Wein wächst in der höchsten Lage in Bussia, 2,8 ha direkt oberhalb des Romirasco in Südostausrichtung. Nur 4 Tsd. Flaschen. Die Kühle der speziellen Lage ist die Grundvoraussetzung für Eleganz und gute Säure. Im Zusammenhang mit der extremen Ertragsbeschränkung und den tief wurzelnden Reben und dem mineralischen Terroir wird klar, warum wir hier den vielleicht Burgund-ähnlichsten Konkurrenten aus Italien haben. Nur der Bussiador von Aldo Conterno hat einen mineralischen Ausdruck wie ein Wein aus dem Burgund. Aus 2017 probiere ich den Chardonnay, während ich zugleich die 2016er Barolo probiere. Chardonnay ist immer ein Jahr früher dran. 2017 war im Piemont das, was 2018 in Deutschland war, nämlich das Jahr der Zeitenwende. Das Jahr, in dem alle Winzer spätestens anfangen mussten drastisch umzudenken. Manche haben es geschafft, andere nicht. Ein anderes Laubmanagement war gefragt. Giacomo von Aldo Conterno sagt, manche Jahrgänge sind eher Jahre für den Kellermeister, doch 2017 war dagegen ein totales Außenbetriebsleiter Jahr. Es ging darum zu viel Fett und zu hohe Reife zu vermeiden und die Trauben vor zu viel Sonne zu schützen sowie den Erntezeitpunkt gut zu treffen. All dieser Kampf ging in diesen Wein ein. Ein Wein aus der Langhe, der ganz klassische Elemente eines holzausgebauten Chardonnays zeigt, Löffelbiskuit und Vanille, Karamelle und Honig mit Kampfer, aber auch typische Chardonnay Eigenschaften mit leicht grüner Aprikose, feinem Pfirsich, sehr versammelt. Auch ein bisschen süße Feige darunter, nicht zu fett, ein bisschen reife, gelbe Melone darunter. Eine schöne Komposition in der Nase. Im Mund ist er erstaunlich aromatisch, sehr dicht. Ich habe vom Powerjahr 2017 erwartet, dass der Wein sehr fett ist, doch das ist er gar nicht. Aromatisch, sehr dicht und überaus kraftvoll zwar, aber auch mit Frische und Spiel aus fast dramatischer Mineralik. Giacomo ist immer so frech und serviert mir seinen Chardonnay bei circa 17 Grad, um keine Frische durch Kühle zu suggerieren, nichts wird verdeckt. 2017 hat wirklich diese Verspieltheit und die aromatische Frische, die gar nicht so sehr aus der Säure kommt, sondern aus dem insgesamt erfrischend wirkenden und mineralischen Spiel des Weines. Während der 2016er extrem klassisch ist, gradliniger, schlanker. So kommt 2017 mit dieser totalen Aromatik daher, die ihn ebenso spannend macht. 2017 ist gar nicht mal so rundlich wie der 2015er war, sondern wirkt irgendwie auf seine Art schlanker und frischer, und dabei wirkt er so viel aromatischer. Pfirsich, Feige, Melone, und das Ganze mit einer eher an Apfel und Birne erinnernden Säure unterlegt, wenig zitrisch. Ich bin total verblüfft, das ist auf seine Art ein großer Chardonnay. Wenn auch ganz anders als die rassigeren 2014er und 2016er waren. Was das Weingut Aldo Conterno hier geschafft hat ist schon ziemlich einzigartig. Nur über die Mineralität und die perfekte Weinbergsarbeit in diesem Wein solch eine Balance herzustellen ohne auf hohe Säuren zu bauen ist schon sehr erstaunlich. Dieser Wein wird nie langweilig werden in seiner speziellen, sehr gelungenen Art. Und wenn er mir bei 17 Grad schon so angenehm erscheint dann wird er im Restaurant bei 14 Grad noch besser rüber kommen. 98+/100

Conterno Fantino

Nun in direkter Folge die zwei Superstars vom Ginestra-Weinberg. Erst Conterno Fantino. Fabio, der Sohn des Hauses und allein verantwortliche Weinmacher, baut immer zwischen 30 und 70% der Barolo im neuen und zweijährigen Barrique aus, der Rest im 2500 Liter Fass. Die zwei besten Weinberge sind Ginestra und Mosconi. Der Sori Ginestra 2016 muss sich 2016 dem zu 70% im großen Holzfass ausgebauten Mosconi knapp beugen, beide bis 100 best ever hier. Ich bin hin und weg, 2015 war schon so gut hier, aber 16 ist nochmal komplexer. Und die hohe Säure und das satte Tannin fressen das neue Holz einfach weg.

Zu allen Weinen

Fabio Conterno
2016 Barolo Castelletto Vigna Pressenda

Die Großlage dieses Weins ist Castelletto und die Einzellage von Conterno Fantino ist Vigna Pressenda. Biodynamische Weinbergsarbeit wie alle Weine hier. 2016 ist ein Jahrgang, der mich immer mehr fasziniert hat je mehr ich ihn probiert habe. Fast europaweit ein Spitzenjahr und auch im Piemont sicherlich die Wiederholung des Jahrgangs 2010 in dieser wahnsinnig ausgefeilten Eleganz und Finesse der Tannine. Auch in diesem Wein ist das präsent. Gleichzeitig diese hohe Frische, die hohe Säure und diese massiven, aber seidigen Tanninmassen, die das Holz einfach auffressen. Sodass auch bei Conterno Fantino der relativ hohe Anteil an neuen Barriques dieses Jahr kaum ins Gewicht fällt. In der Regel wird ein Drittel im großen 2500 Liter Holzfass ausgebaut und zwei Drittel im neuen Barrique. Der Vigna Pressenda ist sicher der leichteste der Crus von Conterno Fantino. Dafür ist er allerdings auch der zugänglichste und der am einfachsten zu erschließende. Er hat diese wunderschöne Säure, diese feine Frische, die Mineralität, erstaunlich viel rote Frucht in der klassisch-charmanten Monforte Art. Monforte ist vielleicht der beste Kompromiss zwischen den weicheren Weinen aus La Morra und den maskulineren Weinen aus Serralunga und Castiglione. Es liegt ja auch räumlich dazwischen. Aber auch die Weinberge und die Terroirs sind entsprechend. Ein sehr schicker Wein mit toller Länge und sehr viel Ausdruck und Mineralik. 2016 ist DAS Jahr. Aber auch wenn die Weine sich jung schon so berauschend schön probieren wird der Jahrgang sehr viel Zeit brauchen. Den gleichen Fehler haben viele Konsumenten schon mit 2010 gemacht, sie sind einfach viel zu früh heran gegangen. 2010 und 2016 sind Wiederholungen der großen Jahre 1971 und 1989. Bitte, wenn Sie es denn irgendwie aushalten können: Warten Sie 15 Jahre auf diesen Pressenda und gerne auch mal 20 Jahre auf die großen Crus Mosconi und Sori Ginestra. Sie werden reich belohnt werden. 97-98/100

2016 Barolo Ginestra Vigna Sori Ginestra

Die älteste Lage des Weingutes Conterno Fantino, auch die teuerste und extremste Lage. Weißer Lehm und Kalkstein in reiner Südexposition. Noch etwas wärmer als Mosconi am Nachbarhang. Sehr alte Reben stehen hier. Das Weingut wird seit vielen Jahren biodynamisch betrieben, hier ist in jeder Form Natur pur im Glas. Sori Ginestra hat, anders als der Mosconi, also der qualitative und räumliche Nachbar, einen weitaus höheren Anteil an Neuholz und Barrique neben dem großem Holz, sicher doppelt so hoch zu Gunsten des Barriques. In einem Jahr wie 2016 stört das allerdings gar nicht. So ein Jahrgang mit dieser immensen Säure und Intensität frisst das Holz einfach auf, es ist so gut wie nicht spürbar und macht nur einen minimalen Teil der Aromatik aus. Aber es sorgt natürlich für feine Tanninreife und etwas gewollte Oxidation, um den Barolo zugänglicher zu machen. Die Nase des Sori Ginestra ist entsprechend noch etwas voluminöser und reicher als die des Mosconi. Nicht besser, nur reifer und voluminöser und auch etwas süßer. Wir haben zu Kirsche und Holunder hier auch etwas süße, reife Zwetschge, etwas Erdbeere und Himbeere, auch Amarenakirsche. Lakritze sowieso, das zieht sich durch den Jahrgang. Viel Wucht und Druck. Im Mund dann aber die famose Frische des Jahres 2016 mit dieser rasiermesserscharfen, salzigen Kalkstein-Lehm-Mineralik. Unendlich lang, toll verwoben. Schöner Rahmen aus reicher, süßer, roter Frucht darunter, alles gepaart mit dieser Salzigkeit aus dem Terroirabdruck. Lang und getragen, ein großer Wein. Auch wenn ich persönlich den noch etwas verspielteren, noch etwas komplexeren Mosconi ob seiner Kühle vorziehe, sind das zwei große Weine. Und ich bin sehr gespannt wenn ich heute Nachmittag bei Elio Grasso die ebenfalls aus Ginestra stammenden Weine probiere, ob sie den Barolo von Conterno Fantino das Wasser reichen können. 99-100/100

2016 Barolo Ginestra Vigna del Gris

Bei Conterno Fantino teilt sich eine der besten Lagen von Monforte und Barolo überhaupt, nämlich die aus weißem Lehm und reinem Kalkstein bestehende Großlage Ginestra, die auch durch Elio Grasso und andere berühmt ist, in Vigna del Gris, den etwas kühleren Teil, und Vigna Sori Ginestra in reiner Südexposition. Vigna del Gris ist durch seine kühlere Exposition häufig der etwas finessenreichere, zartere Wein. Ginestra mit Südexposition zeigt sehr viel mehr Volumen und Reichhaltigkeit. Aber die große Lage Ginestra ist generell schon atemberaubend in der Ausdrucksstärke. Ich bin nie sicher ob ich die Bussia oder die Ginestra Seite in Monforte als besser erachte. Ginestra ist auf jeden Fall etwas tiefer und wuchtiger im Tannin, kraftvoller, etwas profunder und wuchtiger. Bussia ist etwas feiner und finessenreicher. Dieser Vigna del Gris aus dem warmen Jahr 2016, mit seinen kühlen Nächten im Herbst und während der Lese, ist multikomplex. Ja, um ehrlich zu sein, habe ich seit 2010 - trotz der großen Jahre 2015 und 2013 - nichts Vergleichbares mehr im Glas gehabt. Weil wir hier alles haben: Die Power, den Druck, die hohe Intensität und trotzdem viel Frische. In der Nase viel Holunder und Lakritze, typisch für das Jahr, schwarze und rote Frucht, salzig dazu, viel Druck zeigend schon in der Nase. Trotzdem salzig-feine, total polierte Tannine dazu. Und dann haben wir in 2016 eben auch diese unglaubliche Frische, diese enorme Säure, aber auch das ist alles fein. Zeigt viel Terroir, bleibt dabei immer tänzelnd. Die frühen Muster trinken sich so, als ob man 2016 früh genießen könnte, sie machen dabei schon richtig Freude so kurz nach der Füllung. Aber täuschen sie sich nicht. Die Weine werden zu machen und dereinst viel länger brauchen als die Vorgängerjahre. Wenn sie 2014 vergessen haben und 2015 in den allerletzten Zügen des Genusses liegt wird 2016 erst richtig aufmachen. Genau wie es mit 2010 ist. 2016 ist vielleicht noch etwas massiver. Und der Vergleich der alteingesessenen Winzer mit 1971 und 1989 ist durchaus nicht von der Hand zu weisen. Ein wirklich großes Jahr, aber eines das noch so viel besser ist als die früheren großen Jahre wie 2004 und 2006 deren Tannine niemals weich werden, die immer etwas spröde und rustikal bleiben werden. Auch wenn sie damals als Jahrhundertjahrgänge gefeiert wurden. Nein, 2010 und 2016 sind nochmal in einer anderen Liga, weil hier die total polierten Tannine und die Finesse eine völlig andere Dimension erreicht haben. Und so probiere ich diesen Vigna del Gris wahrscheinlich das erste Mal in meinem Leben in einer Klasse, in der ich zugeben muss, dass er ganz vorne mitspielt. Normalerweise liegt er so weit hinter dem Sori Ginestra, doch 2016 bin ich völlig geflasht von diesem kühleren Vigna del Gris und von seiner Frische. Rasiermesserscharf, lang, geradeaus, salzbeladen, rotfruchtig. Schlehe, rote Johannisbeere, Cranberry, ein bisschen Himbeere. Aber die Säure steht ganz klar im Vordergrund, die Frische, dieses total polierte Tannin. Das hallt für Minuten nach. Mir ist klar, dass ich für die beiden Superstars des Hauses Sori Ginestra und Mosconi noch Luft lassen muss. Aber hier muss ich trotz aller Vorsicht schon mal an die 100 herangehen. 97-100/100

2016 Barolo Mosconi Vigna Ped

Mosconi ist ein parallel verlaufender Höhenzug zu Ginestra auf der selben Höhe, Monforte, weißer Lehm und Kalkstein, Südexposition. In der Art und Weise ist Mosconi also fast baugleich zum Sori Ginestra. Das Besondere am Vigna Ped von Conterno Fantino ist, dass hier mehr im großen 2500 Liter Fass als im Barrique ausgebaut wird. Das liegt vor allem an der geringen Menge, die es hier von unter einem Hektar Fläche gibt. Da bleibt nicht viel Menge übrig wenn das 2500 Liter Fass voll ist. Das kommt dem Wein aber meines Erachtens sehr zugute, Mosconi ist nicht selten der wahre Superstar des Hauses noch vor dem Sori Ginestra, und er ist einer der großen Weine aus Monforte mit den drei Top-Weinbergen Ginestra, Mosconi und Bussia. Wegen des geringen Barrique-Anteils ist die Nase des Mosconi die fruchtigste der Barolo hier. Eine verschwenderische, üppige Duftwolke strömt da aus dem Glas. Viel schwarze und rote Frucht, extrem viel Schlehe und Kirsche, rote und schwarze Johannisbeere, Holunder, Lakritze. 2016 ist so verspielt und verschwenderisch. Das Ganze ist salzig unterlegt mit viel Gesteinsabdruck vom weißen Lehm, Kalksteinausdruck, unglaublich lang. Eigentlich reicht schon das Riechen bei diesem Wein. Aber es ist eben nicht die feine Verspieltheit eines Luca Roagna, sondern die sehr feine Wucht eines sehr kraftvollen, üppigen und reichhaltigen Barolos, der dennoch niemals die Eleganz verliert. Mit ultrafeinen Tanninen unterlegt, alles kommt fein aber eben auch immens und druckvoll. Nach dem Mundeintritt geschieht fast etwas Explosives, alles wird belegt. Das ist so intensiv, die Frische, die Säure, rasiermesserscharfe und unglaublich feinporige Tannine, intensiv salzig dazu. Für zwei Minuten werden die Augen schmal, die Zunge rollt sich. Alles wird behaftet von dieser hohen Intensität, dieser frischen Frucht und diesem Kalkstein-Terroirabdruck. Es hört gar nicht wieder auf, er bleibt für Minuten am Gaumen haften. Die reine Südexposition bringt die Fülle und den Schmelz, und die Kühle der Herbstnächte des Jahres 2016 macht diese Feinheit der Tannine und diese ungeheure Finesse. Das ist ganz ohne Zweifel großer Stoff und der b Este Barolo, den es hier je gab. 100/100

Elio Grasso

Dann weiter zu Elio Grasso. 2 Weine vom Ginestra. Uralte Terroirformationen, verwandt in der Art mit Serralunga, nur ein Tal trennt diese Gemeinden. Elio Grasso baut bis auf den Rüncot alles im großen Holz aus. Ich bin sicher, das ist die Spitze des Ginestra-Weinbergs. Zu sagen, dass diese zwei Barolo für Ihre Qualität einfach Schnäppchen sind, klingt bei über 70 Euro leicht abgehoben. Das weiß ich. Dennoch stimmt das. 2016 ist qualitativ komplex in einer neuen Dimension! Nicht wirklich viel besser als 15, 13 und 2010, jede Stellschraube nur einen Hauch weiter nach rechts gedreht. 100 zu Recht. Noch besser als 2015? Ja, denkbar und wahrscheinlich. Soooo komplex und komplett. Das wahre Schnäppchen hier aber war der 2014er, alle 3 Crus zusammen in einen mengenmäßig dramatisch reduzierten Barolo für 20 Euro weniger. Ein Musskauf für Genießer der nächsten 15 Jahre, wer erst in 20 Jahren anfangen will kauft dann eben 2016.

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Roberto Grasso
2016 Barolo Ginestra Casa Mate

Casa Mate ist das wirkliche Herz der Urlage Ginestra. Nicht die ehemalige Top-Subzone Garbarini, sondern wirklich Ginestra. Hier gibt es Kalkstein und weißen Lehm. Das ist massiv und kraftvoll, wirklich das Filetstück. Aus dieser Region kommt auch der Sori Ginestra von Conterno Fantino. Das ist die wahre Powerlage in Ginestra, reine Südexposition. Dementsprechend haben wir in diesem Wein deutlich mehr Süße neben der jahrgangsspezifischen, dunklen Holunder-Frucht. Neben Lakritze haben wir auch viel rote Frucht, Erdbeere, Himbeere, würzige Zwetschge. Aber im Kern dominiert auch hier die Kirsche, feine süße Kirsche, Schlehe. Burgundisch, aber in einer extremen Reichhaltigkeit. Das ist Vosne Romanée in fetter Ausprägung. Der Mundeintritt ist komplett rot mit Schlehe, roter Johannisbeere, aber süß und reif, das ist verblüffend, Himbeere und reife Kirsche dazu, hintenraus etwas Sauerkirsche. Aber alles auf roter Frucht laufend, lang, druckvoll. Dazu ganz viel Salz, Kreide, Kalkstein. Die Länge ist für Minuten anhaltend. Aber nichts ist aggressiv. Der Wein hat zwar eine gewisse salzige Terroir-Schärfe, aber auf keinen Fall auch nur ansatzweise grüne oder unreife Tannine. Einfach alles ultrafein, getragen und so sehr präsent, Minuten anhaltend. Wenn ich 2016 mit 2015 vergleiche, dann ist 2016 einfach noch eine Spur eleganter und geradliniger, so wie es 2010 auch war. Eine Spur klassischer. Das heißt jedoch nicht, dass nicht die ersten 15 Jahre die 2015er weniger Vergnügen schenken würden, ganz im Gegenteil. 2016 ist der Langläufer, der ganz große Weine für die lange Zukunft. Was für eine unglaubliche Eleganz bei gleichzeitiger Dichte im Tannin. Ein großer Wein. 100/100

2016 Barolo Ginestra Gavarina Chiniera

Dieser Wein liegt in der heutigen Großlage Ginestra, aber die alte Bezeichnung von Grasso war eben Gavarina Chiniera. Das ist also eine Subzone innerhalb Ginestras, die ursprüngliche Kernlage. Wir haben hier Kalkstein und weißen Lehm, aber auch mehr Sand. Das ergibt also meist den feineren Wein. Hier gibt es durchaus ein bisschen Ähnlichkeit mit den Böden der gegenüberliegenden Gemeinde von Serralunga. 2016 ist das Jahr der erstaunlichen Holundernase, dazu Lakritze, das zieht sich durch fast alle Weine, die ich bisher probiert habe. Viel schwarze Frucht, Holunder und Cassis. Dazu deutliche Brombeere, Rauch, Feuerstein, dunkler Terroirabdruck, würzig, wuchtig und schiebend. Ein sattes, warmes Jahr, und dennoch kein so fettes wie das kommende Jahr 2017 nach ersten Fassproben vermuten lässt. 2016 hat diese wahnsinnige Eleganz von 2010. Und so ist auch der Mundeintritt unglaublich fein. Verglichen mit 2015, den ich dazu probieren kann und von dem ich letztes Jahr so berauscht war, erscheint 2016 deutlich klassischer. Irgendwie schlanker, wobei schlank eigentlich der falsche Ausdruck ist. Etwas weniger süß und mehr geradeaus, athletischer und drahtiger gebaut bei unendlich feinem, total verspieltem Tannin. Keinerlei Härte, nichts Grünes, alles tänzelnd mit wunderbarer Länge. 2016 täuscht enorm, weil die Weine so schön und fast trinkreif erscheinen, aber auch dieser Wein wird wie 2010 sehr lange brauchen. Behalten Sie die Weine im Keller, holen Sie in 6, 8 oder 10 Jahren erst mal 2015 raus, vorher kann man 2014 trinken. Und 2016 denken wir mal so langsam in 10, 12 oder 15 Jahren daran. Auf jeden Fall hat Grasso 2016 extrem elegante Weine gemacht. Noch eleganter als die zuvor probierten Conterno Fantino. Das liegt aber auch ein bisschen daran, dass Grasso nur im großen Holz ausbaut. Ein verblüffend schöner Wein mit Struktur und Länge aber vor allem mit unendlicher Finesse. 98-100/100

Brovia

Dann zurück nach Barolo. Brovia, Weingut in Barolo. An der Grenze zu Castiglione. Alle Weinberge liegen in Castiglione und Serralunga. Alex Sanchez, ein Supersympath, ist Mitbesitzer und Weinmacher. Spanier bzw Katalane aus Barcelona. Bis zum 30. Lebensjahr McKinsey in Spanien. Dann hat er Elena Brovia im Urlaub in Brasilien kennengelernt. Aus der Brieffreundschaft wurde eine Ehe, aus dem Wirtschaftsberater wurde ein Winzer. Und was für einer. Alex genießt zu Recht allerhöchsten Respekt bei allen Kollegen. Was für Weine. So immens komplexe 2016er. Rocche aus Castglione und Brea CaMia aus Serralunga sind glatt 100. Die eigentliche Kult-Lage Villero muss sich dahinter einsortieren. Villero liegt tiefer und in Südexposition, in einem perfekten Jahr wie 2016 setzen sich die extremeren und höher gelegenen Lagen eben durch, irgendwie vielschichtiger, komplexer. Aber die 16er brauchen 15 Jahre Ruhe im Keller. Brovia ist wohl das meistunterschätzte Weingut der Spitzengruppe, für mich unter den allerbesten in der ersten Reihe. Die Klasse von Vietti zum halben Preis. Und für Genießer und wirkliche Schnäppchenjäger gibt es noch den nur aus diesen drei Crus gewonnenen 2014er. All in! Der leichtere und elegantere Jahrgang ist jetzt und die nächsten 15-20 Jahre ein Hochgenuss.

Zu allen Weinen

Alex Sanchez von Brovia
2016 Barolo Villero

Der Villero wächst auf 340m in Süd-West-Ausrichtung in Castiglione Falletto. Der Villero kommt vom gleichen Hang wie Rocche, etwas tiefer gelegen, das Beste aus Castiglione Falletto. Kalksteinböden, Sand, weißer Lehm, hohe Eleganz und maskuline Power zugleich. Die Reben wurden Anfang der 60er Jahre angepflanzt und wachsen auf ca. 1,5 ha Ton- und Kalkboden. Geerntet wird von Hand im Oktober. Nach 15-20 Tagen Fermentation im rohen Beton bei gleichbleibender Temperatur (Presswein wird niemals mitverwendet) reift der Wein zwei Jahre in Französischer Eiche in mittelgroßen Fässern von 30 hl. Danach wird der Wein ohne Filtration auf die Flasche gezogen. Bei der Veredelung wird penibel auf eine konstante Temperatur und die richtige Luftfeuchtigkeit geachtet; geschützt vor Sonneneinstrahlung und Kunstlicht. Das Ergebnis ist ein kraftvoller und körperreicher Wein vom historisch bedeutendsten Cru in Castiglione Falletto, Villero war die erste jemals etikettierte und genannte Einzellage in der gesamten Langhe (Vietti). Es ist eine deutlich wärmere Lage als Rocche, DIE Lage aus der Vietti heute noch seine Riserva macht, weil sie so unglaublich reiche Weine hervorbringt. Die Nase ist etwas weniger klassisch als die des Rocche. Sie ist voluminöser, reicher, süßer, die Lakritze ist dunkler und dominanter, die dunkle Kirsche intensiver, Sanddorn, relativ viel Cassis und Holunder. Eine ziemlich intensive Wolke aus Frucht und Terroir. Der Mund ist deutlich harmonischer als der Mund von Rocche, weil er einfach dieses Plus an Wärme und an süßer Frucht dazu bringt. Nicht weniger pikant, aber etwas weniger hintergründig komplex und multidimensional, dafür charmanter, kraftvoll, reich und intensiver in der roten, süßen Frucht. Immer wieder von Lakritze, Salz, Kreide und weißem Lehm unterlegt. Das ist ein Powerteil mit ganz viel geschmeidigem Charme drum herum. 98-99/100

2016 Barolo Brea Ca Mia

Der Ca’Mia (die Lage heißt Brea, Unterlage Ca Mia) wächst auf 350m in Süd-Ost-Ausrichtung. In Serralunga und in direkter Nachbarschaft der Lage Cerretta, Lehm auf Kalkstein. Serralunga, die Heimat berühmter Weine wie der Barolo Sperss von Gaja, Vietti Lazzarito und Conternos Monfortino. Auch Pira hat hier seine Weinberge. Serralunga steht für große Kraft und zugleich pikante Finesse, die Topgemeinde aller Barolo. Und Serralunga steht für immense Komplexität, die Kraft-Frucht-Kombination ist überwältigend. Die Reben wurden Mitte der 50er Jahre angepflanzt, ca. 1 Hektar. Geerntet wird von Hand im Oktober. Nach 15-20 Tagen Fermentation im rohen Beton bei gleichbleibender Temperatur (der Presswein wird verkauft und nie mitverwendet) reift der Wein zwei Jahre in Französischer Eiche in mittelgroßen Fässern von 30 hl. Danach wird der Wein ohne Filtration auf die Flasche gezogen. Bei der Veredelung wird penibel auf eine konstante Temperatur und die richtige Luftfeuchtigkeit geachtet; geschützt vor Sonneneinstrahlung und Kunstlicht. Das Ergebnis ist ein sehr komplexer und lang gereifter Wein aus einem großen Weinberg von Serralunga d’Alba. Das ist eine Monopol-Lage von Brovia in Serralunga, aber nur die ganz alten Reben gehen in diesen Cru. Der überwiegende Rest geht in den generischen Barolo des Hauses. Anders als bei Villero mit einem Terroir aus weißem Lehm, oder bei Rocche, wo es eine Mischung aus Lehm und Sand gibt, ist hier bei Ca Mia eine absolute Majorität von Kalkstein. Das in Kombination mit Serralunga ergibt dann im Bereich der maskulinen Weine sicherlich das Eleganteste, was mit sich vorstellen kann. Das Terroir ist perfekt. Serralunga ist für mich heute ganz vorne und noch vor Monforte und Castiglione die interessanteste Gemeinde im Barolo Gebiet überhaupt. Und das noch in der Kombination mit Kalkstein ist kaum zu toppen. Dazu 60 Jahre alte Reben, die Terroir aus tiefwurzelnden Reben im Austausch mit den dortigen Flechten so gut transportieren können. Die Exposition ist Süd-Südost, das heißt wir haben die Morgen- und Mittagssonne ohne zu viel Abendhitze, also eben keine maximal heiße Lage hier durch den Vorteil der leichten Ostexposition. Die Nase ist Serralunga wie es besser nicht sein kann. Serralunga ist mehr und mehr der „place to be“ im Piemont. Die Nase zeigt 2016, also Holunder und Lakritze mit Kirsche, wie könnte es auch anders sein, aber dann auch satte, intensive Terroirtypizität, hoher Salzgehalt, Eleganz, Tannin-Reichtum schon in der Nase, schwarze Kirsche und Sauerkirsche, dazu viel Cassis. Aber nicht Cassis wie man es sich im Bordeaux vorstellt, sondern eher wie es im Burgund ist, also changierend zur roten Sauerkirsche. Überhaupt erinnert die Nase sehr an einen konzentrierten Vosne Romanée. Fast schon ein bisschen Richebourg, allerdings nicht ganz so süß. Sehr getragen und lang, nur schnüffeln reicht. Hier haben wir nach dem Rocche den zweiten großen Wein des Hauses. Für mich erstmals so klar vor Villero. So hochkomplex, der Wein endet im Unendlichen. Mit dieser salzigen Spur dann deutlich mehr zur roten Frucht laufend, Himbeere, Erdbeere, Kirsche und Sauerkirsche. Dann kommt Sanddorn und diese kreidige, kalksteinige Salzigkeit mit der großen Länge. Und trotzdem zeigt der Wein Harmonie. Die Tannine sind total poliert, geschliffen, tänzelnd. Das ist ein Wein, der mich sehr an den Lazzarito von Vietti erinnert. Das ist großer Stoff, das ist Serralunga der besten Art. 100/100

2016 Barolo Rocche di Castiglione Falletto

Die Einzellage Rocche liegt auf 350m in Süd-Ost-Ausrichtung, ganz oben in Castiglione Falletto. Die Reben wurden Mitte der 60er Jahre angepflanzt und wachsen überwiegend auf ca. 1,5 ha hellem Kalkstein und noch mehr Sandboden. Voraussetzung für große Eleganz. Geerntet wird von Hand im Oktober. Nach 15-20 Tagen Fermentation im rohen Beton bei gleichbleibender Temperatur reift der Wein zwei Jahre in Französischer Eiche in mittelgroßen Fässern von 30 hl. Danach wird der Wein ohne Filtration auf die Flasche gezogen. Bei der Veredelung wird penibel auf eine konstante Temperatur und die richtige Luftfeuchtigkeit geachtet; alles immer geschützt vor Sonneneinstrahlung und Kunstlicht. Das Ergebnis ist ein extrem eleganter Wein von einem der großartigsten Weinberge in Castiglione Falletto. 2016 ist schon jetzt ein fast magisches Jahr. Warum? 2016 hat eine extrem reiche Tanninstruktur, fast wie 2010, aber die Tannine sind noch feiner und geschliffener, fast schmelzend in dieser Zartheit. Zusätzlich hat 2016 ein bisschen mehr Frucht als es 2010 hatte. Wir haben also eine bessere Balance zwischen den großen, super feinen Tanninmassen und der Frucht. Das macht die Weine etwas zugänglicher und charmanter, aber im Grunde ist es ein 2010 Plus mit mehr Frucht und noch feineren Tanninen. Das reicht allemal aus um schon jetzt einen Hype im Markt zu entfachen. 2016 wird sicherlich ein Jahrgang werden, der noch stärker als 2010 in einen Nachfragesog geraten wird. Also wohl dem, der ausreichend Allokation bekommt, schauen wir mal. Es wundert mich, dass ich diesen Falletto als erstes serviert bekomme. Denn normalerweise kann Falletto auch eine durchaus massive Lage sein. Dieser hier ist aber so unglaublich fein und elegant, er zeigt die typische 2016er Holunder- und Lakritz-Kirsch Nase. Recht viel schwarze Kirsche sogar dazu, wuchtig, fast an Feuerstein und Schiefer erinnernder Terroirabdruck vom weißen Lehm in Rocche. Extrem viel Substanz und trotzdem Feinheit und Weichheit in dieser großen, dunklen Duftwolke. Der Mund ist dann noch dramatischer und eindrucksvoller. Da kommt eine große Säuremasse, so dramatisch und pikant. Und eine riesige Tanninmasse kommt hinterher, aber die ist so samtig-weich. Wow, alles wird eingenommen, die Zunge rollt sich, die Augen werden schmal, da tut nichts weh obwohl es so intensiv und pikant ist. Gleichzeitig so unglaublich charmant und angenehm fruchtstark. Hier kommt auch viel rote Frucht dazu, Schlehe und Sanddorn, Sauerkirsche, rote Kirsche, schwarze Kirsche, ein bisschen Cassis, Holunder und ganz helle Lakritze. Viel Salz dazu, enorm langanhaltend und fein mit diesem immensen Gerbstoff. Da mag man noch so viel reden von der Zugänglichkeit von 2016, denn das ist auch durchaus der Fall, und wahrscheinlich wird dieser Wein sogar nie so zu machen, dass er nicht eindrucksvoll wäre, aber ich empfehle dringend diesen Wein lange, lange wegzulegen. Das ist ein spektakulärer Wein und schon der erste Wein bei Brovia ist gleich so ein Kracher. Auf jeden Fall gehört es zum besten des Jahrgangs. Toller Stoff! 100/100

Giuseppe Mascarello

Ein weiteres Weingut mit der Toplage, dem Monopol Monprivato, oben neben Cavallotto in Castiglione, ist Giuseppe Mascarello. Das Gut bzw. der Keller liegt in Monchiero, unten am Fluss. Sehr traditionell. Nur große Fässer, Spontanvergärung und lange Nachmazeration. Blitzsauberer Barolo mit köstlicher Eleganz und Finesse im Giacosa-Stil. Das ist soooo lecker. Immer ein Jahr danach, zeitversetzt zu allen anderen. Wie Giacosa mit der Riserva, noch früher aber als Roagna. Alle drei sind Winzer der verträumten Finesse. Der Stil dieser 3 ist soooooo gut!

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Im Keller bei Giuseppe Mascarello
2015 Barolo Monprivato

Der Wein wächst in Castiglione Falletto in einer 6,3 Hektar großen Monopollage. Seit 1990 in Alleinbesitz. Die Lage ist seit Jahrhunderten bekannt, wurde aber erstmals 1970 als Einzellage erwähnt und gelabelt. Zu 100% Kalkstein und etwas Kreide, das Hammerterroir für Komplexität, Eleganz und Feinheit. In Edelstahl fermentierter Wein, langer Schalenkontakt, Ausbau in großen Holzfässern. Traditionell eben. Bei Mascarello wird Barolo immer ein Jahr später probiert und auf den Markt gebracht. Langsame Weine voller Emotionalität, der Berater und Önologe ist der gleiche wie bei Giacomo Conterno. Obwohl das Weingut in Monchiero beheimatet ist liegt der Weinberg in Castiglione Falletto, direkt unter dem Bricco Boschis von Cavalotto. Allerdings etwas geschützter, etwas wärmer als jener. Wenn man mit dem Auto von Alba nach Castiglione Falletto hoch kommt gleich noch vor dem Ortsanfang rechts wieder runter in Richtung Brovia. Dieser Weinberg und dieser Ort, Castiglione Falletto, steht für kraftvolle, maskuline Weine. Aber Monprivato ist ein sehr warmer Weinberg, gleichzeitig kommt die Schönheit des Jahrgangs 2015 hinzu. Ein warmes Jahr mit dennoch ausreichend Regen, ein harmonisches, extrem balanciertes und saftiges Jahr. Viel perfekter kann Barolo eigentlich nicht sein, denn dann wird Barolo - selbst aus Castiglione Falletto - zu einem ganz wunderbaren Burgunder. Die Nase ist fast Chambolle Musigny-artig, und obwohl 2014 eigentlich das Jahr der feinen Weine war, bringt 2015 mit diesem Plus an Wärme noch eine intensivere Frucht und eine höhere Balance. Wunderschöne Himbeere, Johannisbeere, Schlehe, Kirsche, floral, alles fein und schwebend, Chambolle Musigny ist schon genau der richtige Vergleich. Das Ganze mit wunderbarer Frische, leichte Salzspur daneben, grandiose Frische, alles ist fein verwoben. Und was für ein Mund! Das verblüffendste ist nicht die Wiederholung der Frucht aus der Nase, das habe ich erwartet, das Erstaunlichste ist diese grandiose Balance neben der tollen Frische. Der Wein könnte nicht besser verwoben sein. Er wird natürlich jetzt ein paar Jahre zu machen. 2015 zeigt sich momentan perfekt, wird aber sicher für ein paar Jahre verschwinden. Aber so wie der gerade gefüllte 2015er sich jetzt präsentiert ist es genau die Art von Barolo, die ich liebe. Zart, nicht zu fett, nicht zu schwarzfruchtig, sondern feine, verspielte, rote Frucht. Eine Stilistik, wie man sie häufiger aus Monforte antrifft. Im Grund ist hier alles wie es sein soll, ich muss diesen Wein nicht mehr schönreden, sondern ich kann ihn einfach genießen. Ich bin mehr als zufrieden, ein seliges Lächeln schleicht sich in mein Gesicht und ich spucke diese Probe nicht aus. Einfach nur wunderbar. 97-100/100

2015 Barolo Santo Stefano Perno

Es gibt zwei große Barolo bei Guiseppe Mascarello, den aus Perno kommenden Stefano und den aus Castiglione Falletto stammenden Monprivato. Die Lage Santo Stefano in Monforte d’Alba heißt offiziell "Perno", Parzelle Santo Stefano. Sie besteht überwiegend aus rotem Lehm mit Sand, dieser Lehm macht die große Kraft aus. Dazu auch etwas aus dem berühmten weißen, mit Metallen und Mineralien durchzogenen Lehm. Darunter Kalkstein, beste Voraussetzungen für Weltklasse. Tanninreich und ausdrucksstark mit präsenter Säure, dafür steht dieses Terroir. Deutlich maskuliner als der Monprivato. Im Zement fermentierter Wein, Ausbau in großen Holzfässern. Traditionell eben. Bei Mascarello wird Barolo immer ein Jahr später probiert und auf den Markt gebracht. Langsame Weine voller Emotionalität, der Berater und Önologe ist der gleiche wie bei Giacomo Conterno. Perno präsentiert sich 2015 mit einer wunderschönen Weichheit und Balance wie man sie nur in Jahren wie 2005, 2011, 2015 und ähnlichen Jahren findet. Jahrgänge, die häufig nicht zu den ganz großen Jahren gezählt werden, was ein großer Irrtum ist, denn in den ersten 20 Jahren sind diese Weine in der Regel die weitaus schöneren Weine. 2015 war warm und manchmal sogar heiß, aber die Wasserversorgung war ausreichend, es gab keinen Stress, grandiose Balance, weiche Frucht und nicht diese extraterrestrischen Tannine wie 2016 oder 2017. Warme rote Frucht, ganz feine Kirsche, unterlegt von etwas Kreide und Salz, helle Gewürze darunter. Auch im Mund diese übergroße Harmonie, rote Frucht vermählt mit Salz, heller Lakritze, Milchschokolade und Kreide. Kraft aus dem roten Lehm dazu und die ausgesprochene Eleganz vom Sandboden, dazu eine große Länge und wunderbare Frische. Gepaart mit dieser zarten Rotfruchtigkeit findet das schon jung zu einem wirklich verblüffenden Spiel. Für mich muss Barolo so sein, so macht es wirklich Freude. 96-97/100

Luigi Pira

Gianpaolo Pira vom Weingut Luigi Pira ist mein letzter Besuch vor meinem nachfolgenden Barbaresco-Tag. Mit die allerbesten Terroirs der ganzen Langhe. Mitten in Serralunga. Es gibt einfach trotz des charmanteren Corino und gleichhoch bewertetem Trediberri eben nichts wirklich Besseres im Preis-Qualitäts-Verhältnis als seinen Barolo Serralunga. Und das war so mit den so unglaublich leckeren 2015ern. Und jetzt wieder mit den multikomplexen, langlebigen 2016ern. Um 30 Euro. Das ist und bleibt DIE Benchmark des traditionellen Barolo. Klar, es geht insgesamt schon noch besser, aber dann sind wir 20-30 Euro höher. Aber davor können wir erst mal bei Mitte 40 Euro auch weiter bei Pira bleiben. Sein Serralunga mit Finesse-Turbolader heißt Margheria. Auch der ist in dem Preisbereich wieder ziemlich Konkurrenzlos. Zehn weitere Euro drauf folgt der Powerwein Marenca. Weiter konkurrenzlos. Um Pira wirklich zu schlagen muss man 70 Euro und mehr ausgeben. Brovia, Grasso, über diese Hürde kommt Pira nicht, aber wir reden dann ja auch vom fast doppelten Preis.

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Gianpaolo Pira
2016 Barolo Marenca

Ebenfalls reine Serralunga-Lage. Kraftvoller Boden mit viel Eisen. Der Marenca wird nach der Vergärung im Stahl für ein halbes Jahr im 500-Liter-Tonneau ausgebaut. Danach geht er weitere anderthalb Jahre in große Holzfässer, ein halbes Jahr Stahl vor der Abfüllung. Die Marenca-Lage ist ein Teil der Margheria-Lage, aber der steilste Teil. Steinig. Die Trauben und Beeren sind kleiner, die Erträge der alten Reben sind geringer, und so haben wir am Ende nicht nur die größere Dichte über den kleinen Anteil neuen Holzes, sondern auch deutlich mehr Kraft und Wucht aus den Reben. Der Marenca ist also die eigentliche Fortsetzung des Barolo Serralunga mit dieser Kraft. Im Gegensatz zum schwebenden, Chambolle-artige Burgunderteilchen Margheria. Und Marenca ist die Fortsetzung in der Power von Serralunga. Schon in der Nase dieser rote Druck, Lakritze neben Sanddorn, rote Kirsche, sehr profund, sehr von unten schiebend, Salz, Terroirabdruck, schon relativ wuchtig, ohne jemals fett zu sein. Es bleibt immer ein schiebendes kleines Wunder und es bleibt vor allen Dingen typisch Serralunga, wo die Weine genau die richtige Balance haben. Genau zwischen der Feinheit von La Morra liegend, mit Übergang in das profunde von Monforte, um dann den ersten maskulinen Touch von Serralunga mitzubekommen. Serralunga hat vor Millionen von Jahren aus dem aufbrechen der Erde die ältesten Böden überhaupt erhalten, viel älter als Barolo und La Morra zum Beispiel. Monforte, Castiglione und Serralunga, das sind eigentlich die wahren historischen Urgesteinsböden, die die Grundlage der Großartigkeit der Region Barolo bilden. Man mag gar nicht wieder aufhören an diesem Marenca zu riechen. Sanddorn, Kirsche, Johannisbeere, Schlehe, dieser Druck und dieses Salz dahinter, es kommt immer wieder durch und trotzdem bleibt alles fein, schwebend und hochkomplex. 2016 trifft es hier besonders gut. Dabei ist es nicht unbedingt größer als 2013, ist nicht fruchtstärker als 2015, 2016 ist einfach nur so hochkomplex, weil es von allem ein bisschen hat. Unendlich druckvoll und doch gleichzeitig so viel feiner als der Village aus Serralunga. So viel rote Frucht, noch mehr Salz, noch mehr helle Lakritze, ganz lang, immer weiter gehend. Hohe Aromatik, aber eben alles gefüllt mit Frucht, Sanddorn, Lakritze, verschwenderisch. Fast ein ganz großer Wein, er erinnert mich an den Le Vigne von Sandrone und steht dem im Grunde auch nicht viel nach. Ein leicht maskuliner Touch, der Margheria war ganz klar der zärtlichere, femininere, verspieltere Wein. Im Gegensatz zum Chambolle aus Margheria sind wir hier voll in Vosne Romanée mit der ganzen Power darunter. Eine wahre Freude. Und das erste Mal seit Jahren bewerte ich den Marenca dann doch höher als den Margheria. 98-99/100

2016 Barolo Margheria

Vergärung spontan im Holzbottich. Diese Einzellage wird wie der klassische Barolo komplett im großen Holzfass von 2,5 hl slawonischer Eiche ausgebaut. Erzeugt aus den ältesten Reben. Der Weinberg ist vom Untergrund wie der des Village-Barolo, Kalkstein und der berühmte weiße Lehm, viel Eisen, der oberste Teil in 340 Metern Höhe ist Margheria. Es ist der älteste Weinberg der Domäne mit weit über 60 Jahre alten Reben, reine Südexposition. Demzufolge haben wir hier auch stilistisch die Turboversion des normalen Barolo von Pira, alles ähnlich und doch zugleich alles eine Spur intensiver und zugleich feiner, ätherischer, schwebend fein. Im Margheria werden wir nochmals deutlich filigraner und burgundischer gegenüber dem normalen Serralunga. Margheria ist - für mich jedenfalls - im Vergleich mit dem Marenca immer der etwas spannendere Wein. Hier gibt es mehr großes Holz, er ist dem Barolo Serralunga eigentlich ähnlicher, wie eine Turboversion davon. Und vor allem feiner, das zeigt 2016 ganz besonders. Die Nase ist so unendlich fein, so poliert, das Ganze ist einfach so unglaublich geschliffen und verspielt. Die Lakritze ist deutlich heller, das Terroir ist mehr Richtung Kreide laufend, hellere Böden, hellere Lakritze, hellere florale Noten, so tänzelnd. Unendlich fein ist auch der Mund, auch hier die helle Lakritze mit Milchschokolade und Kreide, heller Kalkstein, Salz, aber nichts tut weh, nichts ist intensiv, nichts ist brutal. Das ist einfach eine höher schwebende, weichere, zartere Version des Barolo Serralunga. So als hätte man allen Vorlaufsaft aus dem Serralunga in diesen Margheria gepackt. Die zarteste Versuchung seit es Barolo bei Pira gibt. Ich mag das. Diese Chambolle Musigny-artige, schwebende Leichtigkeit. Manch einer wird den Marenca oder den Rionda lieber mögen, weil sie mehr Druck haben. Dieser Margheria hat das nicht, aber dafür eine fast Barbaresco-artige, schwebende Feinheit. Ich persönlich finde das ganz wunderbar. 97/100

2016 Barolo Serralunga

Bei Luigi Pira wird immer komplett entrappt. Keine Kaltmazeration, normale Vergärung für zweieinhalb Wochen, danach vier bis sechs Wochen natürlich abgesetzt im großen Stahltank, danach geht der Wein für drei Jahre in 2.500 l große gebrauchte Holzfässer, also wenig Holzkontakt, nie neues Holz. Dann noch ein langes Flaschenlager für mindestens 1 weiteres Jahr. Die klassische und traditionelle Barolo-Rezeptur, so extrem sonst wohl nur noch bei Bartolo und bei Giacomo Mascarello ausgeführt. Die mittlere Lage des Ortes Serralunga ist Luigi Piras Heimat und Aushängeschild. Die Böden sind stark eisengeprägt und bringen kraftvolle Weine hervor. Anders als alle anderen Erzeuger füllt Gianpaolo Pira seine Weine erst ein gutes halbes Jahr später als üblich. Das heißt, die Füllung geschieht hier erst im Januar des dritten Folgejahres auf die Ernte. Das bedeutet, dass die Weine deutlich mehr als drei Jahre im Fass geblieben sind, und das gibt einen Extrakick in Harmonie, Trinkigkeit und Balance. Direkt unterhalb des Weingutes wachsen seine Reben, das sind die allerbesten Lagen von Serralunga. Das ist schon eine verrückte Situation, auf der einen Seite liegen die Weinberge von Gaja, auf der anderen Seite am Ortsausgang die Weinberge von Giacomo Conterno, und der Mitte, im Filet-Stück, liegen die Weinberge von Luigi Pira. Und diese Weine kosten einfach nur einen Bruchteil der berühmten Nachbarn. Wie immer ist das mein Preis-Leistungswunder. Nun also 2016 - das Jahr der Jahre. Nein, das kann man so auch nicht sagen. Generell kann man nicht sagen, dass 2016 das erste Jahrhundertjahr im Piemont ist. Das stimmt einfach nicht. Aber es hat nicht nur diese Holunder-Lakritz-Nase, diesen unglaublichen Terroirausdruck und diese extrem weichen, geschliffenen Tannine, noch dazu mehr Frucht als 2010. Es hat feinere Tannine als 2013, es hat die größere Geradlinigkeit verglichen mit den wollüstigen 2015ern. 2016 vereint all diese Eigenschaften in sich, ohne dass jeder einzelne Punkt mehr vorhanden wäre. Aber es hat eben alles. Das heißt final, dass die Komplexität hier einfach am höchsten ist, weil wir hier von so vielen hervorragenden Jahrgängen positive Bestandteile vereint sehen. All das ist 2016, also multikomplex. Ohne, dass er deswegen noch mehr in den Himmel gelobt werden muss, probieren Sie es einfach selbst. Die Nase ist wirklich wunderbar fein, aber nicht feiner als der traumhaft aromatische 2014er, der das ebenso in einer unglaublichen Aromenfülle zeigte. Die Nase ist nicht süßer als beim wunderbaren 2015er, der so atemberaubend wollüstig daherkam. Aber es kommt hier noch dieser unglaubliche Terroirausdruck dazu, dieses salzige, dieses holundrige und lakritzige, dieses wunderbar Verwobene, diese Komplexität eben. Im Mund satte, superfeine Tanninmassen, aber reichlich. Das ist Serralunga, von diesem uralten Terroir, von diesen Kreide-Lehm-Kalksteinböden. Wahnsinnig lang, und dabei total poliert. Kreidige Salzigkeit bis zum Abwinken, es hört gar nicht wieder auf. Und das für so einen kleinen Village. Nein, das ist kein Wein zum Niederknien. Es passt nur einfach alles. Und er wird lange, lange halten. Man möge doch bitte 2014 und 2015 viele Jahre vorher ausgetrunken haben, bevor man an 2016 überhaupt herangeht. Ich glaube auch, der in einem Jahr kommende 2017er, mit seiner Konzentration und seinem von der Hitze geprägten Voluminösität, kann fast noch eher getrunken werden. Obwohl auch 2017 unglaublich viel Tannin hat. 2016 ist mit dieser polierten Finesse, dieser geschmeidig-eleganten Tanninmasse und mit dieser traumhaften Frucht einfach ein archetypischer Barolo. So soll er sein, aber so perfekt trifft man ihn selten. Noch einmal, man muss ihn nicht in den Himmel loben, denn es gab auch schon andere große Weine hier, aber bei 2016 passt einfach alles zusammen. 95/100

2016 Barolo Vigna Rionda

Ein sehr steiler Weinberg. Einer der berühmtesten und besten Weinberge Serralungas seit Bruno Giacosa diese Lage so berühmt gemacht hatte. Die Toplage in Serralunga neben dem Sperss von Gaia und der Cascina Francia von Giacomo Conterno. Kalkstein und der berühmte weiße Lehm, viel Eisen. Winzige Erträge aus alten Reben in extremer Steillage. Vergärung im Holzständer, Ausbau im Barrique. Ein Viertel neues Holz. In der Regel ist der Rionda eine Turboversion des feineren Margheria. Eben nicht die maskuline Ausrichtung wie der Marenca, sondern eher zur Feinheit gehend. Durch ein bisschen neues Holz sind wir hier etwas näher an einer modernen Stilistik. Während wir beim Serralunga und dem Margheria diese extreme Feinheit der klassischen Barolista haben mit dem großen Holz, sind wir beim Marenca und noch mehr beim Rionda im modernen Teil angekommen. Ob man die feinste Lage Rionda unbedingt im neuen Barrique ausbauen muss, ist eben eine Stilfrage und eine Vorliebe des Winzers. Hier beim Rionda macht Pira eben immer etwas besonderes, es sind allerdings nur 20% Neuholzanteil, der Rest im zwei- und dreijährigen Barrique und auch etwas im großen Holz. Früher war der Neuholzanteil hier deutlich höher, inzwischen ist es auf einem Level angekommen, der meines Erachtens für Barolo viel besser geeignet ist. In der Nase haben wir, wie es für Rionda üblich ist, deutlich mehr Wucht, mehr Kraft und Volumen als in den anderen Serralunga Weinen von Pira. Ganz viel satte, rote Frucht, dunkle Lakritze, Holunder, insgesamt aber mehr rote als schwarze Frucht. Überhaupt tendiert Serralunga sehr stark zur Rotfruchtigkeit, ähnlich wie Monforte. Das macht diesen Teil der Hügelkette so spannend im Gegensatz zu Castiglione, das immer deutlich schwarzer ist. Dieser Rionda ähnelt schon ein bisschen dem Lazzarito von Vietti. Meines Erachtens mit Rocche der beste Wein von Vietti dieses Jahr. Überhaupt ist diese Serralunga Range so etwas Außergewöhnliches. Wenn ich mich nur für eine einzige Gemeinde entscheiden müsste und nur eine einzige Gemeinde überhaupt importieren dürfte, würde ich wahrscheinlich Serralunga nehmen. Von Gaja, über Giacosa, Vietti, Pira, Altare, hier tummelt sich alles was Rang und Namen hat, und dementsprechend kommen oft die allerbesten Weine her. Rionda muss sich in meiner Betrachtung etwas kabbeln mit Margheria und Marenca, dabei ist es doch ganz anders. Es hat vor allen Dingen eine ganz eigene Stilistik in dieser Wucht, diesem Druck und diesem unglaublichen Volumen der roten Frucht, gestützt von dem kleinen Neuholzanteil. Der Mund ist dann deutlich harmonischer als die Nase befürchten lies. Der Mund zeigt die rote Frucht mit dem ganz feinen Tannin, vielleicht deshalb auch so harmonisch, weil 2016 so total balanciert ist. Die Gerbstoffe sind so ausgesprochen fein und poliert. Da gibt es überhaupt nichts Hartes oder Grobes, nur kleinkörnigste Tannine, lang, salzig und trotzdem einfach nur schön und zum Träumen anregend. 98-100/100

Sottimano

Der letzte Tag, Freitag, gehört Neive und Barbaresco. Drei ganz unterschiedliche Winzer und Konzepte.

Herzlicher Empfang bei Sottimano

Sottimano. Biodynamiker. Extremist in Bio und Nachhaltigkeit. Kein Dogmatiker sondern Weltverbesserer aus reiner Erkenntnis. Besseres Leben im gesunden Weinberg = bessere Weine. Einfach komplexer und frischer. Total gesundes Lesegut wird spontan über 4 Wochen vergoren und dann weitere 4-5 Wochen mit runtergedrücktem Schalenhut (per Holzscheibe) weiter auf den Schalen gelassen. Alle traditionellen Großmeister von Giacosa über Vietti zu den Mascarellos verfahren so in dieser ultralangen Mazeration. Das 2016er Ergebnis bei Sottimano ist extrem frisch und natürlich, sehr mineralisch mit ausgeprägter Frucht. Ein maskuliner Wein Pajore vom Lehm und purem Kalkstein und der feine Finessewein Fausoni vom Sandboden, gegensätzlicher geht es kaum, aus ganz verschiedenen Zonen im Barbaresco Gebiet. Eine wirkliche Entdeckung, im fruchtigen Stil und in der Qualität durchaus an Bruno Rocca erinnernd, nur etwas weniger im Keller “gemacht”, einfach mehr Natur hier.

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2016 Barbaresco Fausoni

Die Lage Fausoni gehört zum Gebiet der Comune di Neive, welche den östlichen Punkt des magischen Dreiecks Barbaresco – Neive – Treiso im Herzen der Region bildet. Fausoni liegt direkt an die Stadt Neive angrenzend in süd-westlicher Exposition. Die Reben in der Parzelle sind 45 Jahre alt. Seit den 1970er Jahren werden die Böden bei Sottimano ausschließlich biologisch und ohne Chemikalien bewirtschaftet. Auch im Keller wird nur mit natürlichen Hefen und ohne Schönungsmittel gearbeitet. Normalerweise dauert die Maischegärung hier 25 bis 28 Tage, der Jahrgang 2016 hat Andrea Sottimano allerdings auf Grund seiner außergewöhnlichen Traubenqualität dazu veranlasst die Gärung erstmalig 40 Tage auf der Maische laufen zu lassen. Dann kommt der Fausoni wie gewohnt in 10% neue und 90% bis zu 4 Jahre alte Barriques der burgundischen Edel-Tonnellerie Francois Frères. Nach 24-monatigem Ausbau, davon 12 Monate auf der Hefe, wird der Barbaresco ungeschönt und unfiltriert abgefüllt. Große Intensität bereits in der Nase mit Wildkirsche, Johannisbeere, Hagebutte, untermalt von Teer, Graphit und Blei. Auch deutlich mineralische Einschläge mit Muschelschale und Kreideabrieb sind zu finden. Eine geradezu ätherische Tiefe mit Balsamico, Schwarztee, Nelkenwürze und die Schärfe von Piment. Insgesamt ein dunkler, steinig-würziger Charakter mit wollüstiger schwarzroter Frucht. Am Gaumen dann zupackend und mineralisch-griffig. Kalkiger Biss, Feuerstein mit leichter Salzspitze auf der Zunge, getrocknetes Basilikum, Salbei, etwas Tabak und immer wieder Stein und Graphit, einfach enorm langanhaltend. Mächtige, aber feinkörnige, reife Tannine runden den vollen Körper ab, Orangenzeste, Minze und Veilchen hallen lange im Mundraum nach. Wir haben hier auch einen festen Stein-Abdruck in der ätherischen Würze, und dennoch gerade in der Nase auch eine immense Fruchtpower und eine eindrucksvolle, aber geschliffene Tanninstruktur. Sowohl der Fausoni als auch der Pajoré aus selbem Haus sind in ihrem Charakter sehr ausdrucksstark und auf ihre Weise absolut grandios. Beide mit einem langen Atem und viel Entwicklungspotenzial ausgestattet - Super Stoff. 94-95/100  

2016 Barbaresco Pajore

Die Lage Pajoré befindet sich im Gebiet der Comune di Treiso, der südlichen Punkt des magischen Dreiecks Barbaresco – Neive – Treiso im Herzen der Region. Die Weine aus Treiso sind auf Grund der Böden und der Lage tendenziell etwas feiner, aromatisch und floral. Pajoré liegt nördlich der Stadt und beherbergt in süd-westlicher Ausrichtung Reben im Alter von 70 Jahren, also nur alte Rebstöcke in Dichtpflanzung, der Ertrag liegt bei etwa 35 hl/ha. Seit den 1970er Jahren, also seit Sottimano die Weinberge besitzt, werden die Böden biologisch und ohne jegliche Chemikalien bewirtschaftet. Auch im Keller wird nur mit natürlichen Hefen und ohne Schönungsmittel gearbeitet. Normalerweise dauert die Maischegärung hier 25 bis 28 Tage, der Jahrgang 2016 hat Andrea Sottimano allerdings auf Grund seiner außergewöhnlichen Traubenqualität dazu veranlasst die Gärung erstmalig 40 Tage auf der Maische laufen zu lassen. Danach kommt der Pajoré wie gewohnt in 15% neue und 85% bis zu 4 Jahre alte Barriques der burgundischen Edel-Tonnellerie Francois Frères. Nach 24-monatigem Ausbau wird der Barbaresco ungeschönt und unfiltriert abgefüllt. Der Pajoré hat eine intensive Nase von Schwarzkirsche, umspielt von zarter Himbeere, Orangenzeste, etwas Minze. Floral und leicht verspielt mit dunklen Blüten, Veilchen. Auch die für Frères-Fässer typische, leicht buttrige Vanille-Note schwingt im Hintergrund mit. Ein sehr stimmiges, elegantes Gesamtbild. Am Gaumen schwebend fein, sehr geradlinig und strukturiert mit einem enorm fest gewebten, aber seidig weich ausgebauten Tanninrückgrat, das den dunklen Fruchtkern voll im Griff hat. Wirklich eine große Feinheit in der balsamischen Sauerkirschfrucht, alles gepaart mit würzig-floraler Eleganz, und dennoch wartet der Pajoré auch mit der geballten Struktur eines Treiso-Barbaresco auf. Ein enorm feiner, duftiger, aber gleichzeitig ebenso dichter und komplexer Nebbiolo. Wir haben hier wirklich großes Potenzial in diesem jetzt schon sehr charmanten Wein. 95+/100

Im Keller bei Sottimano

Produttori del Barbaresco

Dann fahre ich mitten in den Ort Barbaresco, direkt in den Kern, zur Kirche. Die 1958 vom Priester der Kirche aus sozialen Erwägungen (der teuerste Wein der Region, der Barbaresco, war wegen des aus Kostengründen notwendig hohen Preises schwer verkäuflich, die Winzer brauchten Hilfe) gegründete Genossenschaft “Produttori del Barbaresco” bildet das Herz von Barbaresco. Nur diese Genossenschaft und La Chablisienne in Burgund erzeugen beständig Weltklasse. Der ebenfalls 1958 geborene und ewig schon amtierende Direktor Aldo Vacca zeigt mir den modernen “state of the art” Betrieb und erklärt mir die Regularien, die Grundlage der unglaublich hohen Qualität sind. 54 Genossen, je 1 Stimme. Demokratische Urwahl zum 9 köpfigen Vorstand. Nur 1 Boss, eben Aldo Vacca. Ausschüttung des Gewinns an alle, Vergütung der zur Ernte gelieferten Nebbiolotrauben nur nach Qualität, Zucker, PH Wert, Gesundheit.

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Guter Überblick

Ertragsbeschränkung im Weinberg, dramatische Preisabschläge bei Anlieferung nicht perfekten Leseguts. So geht Qualität eben auch bei vielen Inhabern! Der Preis je Kilo Top-Qualität ist bei Barbaresco-Lagen gleich, egal ob Village oder Cru. Es geht hier ausschließlich um Qualität. 300 Tsd. Flaschen allerbesten Barbaresco entstehen hier jährlich, das ist 2015 und mehr noch im komplexeren 2016er die unfassbar gleiche Preis-Leistungs-Liga wie Pira und Trediberri in Barolo. Die immer mit großem Zeitversatz veröffentlichten Riserva-Crus kommen erst 18 Monate später auf den Markt, 2015 eben erst im März 2020. Das gehört zum Allerbesten aus Barbaresco, in der Liga von Bruno Rocca und Sottimano, aber auch diese Weine sind wahre Schnäppchen. Dafür werden sie streng zugeteilt, der Shop der Cooperative verkauft keine Flasche, Zuteilung nur über eine historische Mailingliste. Ich brauchte alle Netzwerk-Beziehungen um mich hier in eine Zuteilung zu katapultieren.

Im Keller der Cantina
2016 Barbaresco

Die Kooperative besteht aus 54 Mitgliedern, die völlig unterschiedlich in der Größe sind. Alle Nebbiolos werden zu 100% in die Kooperative geliefert und nur top-gesundes Lesegut aus stark verringerten Erträgen wird angenommen. Unter 7000 Kilo pro ha ist der Maximalertrag. Bezahlt wird nach Qualität der Trauben, nicht nach Lage oder Namen, das heißt eben auch, alle Winzer sind gehalten nur erstklassige Trauben abzuliefern. PH-Werte, Säuren, Tanningehalte und Traubengesundheit, alles wird penibel geprüft vor der Bezahlung. Ich habe einen glücklichen Tag erwischt, denn ich probiere den 2016er in einer Reihe nach Bruno Giacosa und Sottimano. Und die Produttori müssen sich wahrlich nicht verstecken. Das sind schon herausragende Qualitäten, die die vielen kleinen Winzer hier abliefern, und 2016 ist einfach DAS Jahr im Piemont. Die Nase ist ultrafein, zart, nicht ganz so süß und üppig wie der sehr schöne 2015er. 2016 fühlt sich klassischer und geradliniger an. Schon in der Nase leichte, helle Lakritze, Holunder, dunkle Früchte, fast an Feuerstein und Schiefer erinnernder Bodenabdruck. Wunderbar energiegeladener Mund mit toller Spannung und großer Frische. Die Augen ziehen sich zusammen. Nein, wir sind hier nicht bei Sottimano oder Giacosa, wir sind nicht in der allerersten Reihe wie bei Roagna. Aber wir sind hier bei einer Barbaresco Stilistik wie Barbaresco kaum besser repräsentiert werden könnte. Mit einer Feinheit und trotzdem schöner Fülle aus dem Ausbau im großen Holz. So eine zarte Tanninstruktur, etwas Milchschokolade, Flieder und Veilchen, wieder helle Lakritze. Das Ganze mit schwarzer und roter Kirsche hinterlegt, schöne Säure hinten raus, feine salzige Kalk-Lehm-Typizität. Der Wein macht große Freude. So dürfte Barbaresco immer sein. Tolles Level das hier erreicht wird für sehr bezahlbares Geld. 95/100

2015 Barbaresco Riserva Ovello

Bei den Produttori wird nicht jedes Jahr eine Riserva erzeugt, nur in überragenden Ausnahmejahren. 2018 wird der gesamte Wein trotz der Güte des Jahrgangs in den Village überführt. Von den Genossen der Einzellage natürlich immer als solche eingeliefert, aber nur bei perfekter Qualität der Trauben hinsichtlich Tannin, pH-Wert, Schalendicke und Gesundheitszustand wird eine Riserva auch tatsächlich forciert. Bevor der Ausbau im Holz beginnt, wird schon die Entscheidung getroffen ob das Material eine Riserva werden kann oder nicht. Alles andere wird deklassiert in den normalen Barbaresco Village. Es gibt von der Riserva jeweils immer nur 10.000 bis 15.000 Flaschen. Bei diesem wahnsinnig hohen Qualitätsanspruch und der enormen Auslese ist das ein wirklich sehr hoher Level. Die Lage Ovello ist hoch gelegen, das ist eine kühle Exposition. Der Weinberg liegt um Montefico herum, was Südexposition ist. Ovello ist dementsprechend Südost-Ost und Südwest-West Ausrichtung, eher cool climate. Die absolute Topreife der Weinberge erreicht Montefico. Die Kühle der Lage Ovello ist in der Nase schon spürbar. Ja, eigentlich kann ich bei der ersten Riserva hier nicht sagen, dass ich komplett geflasht bin, eher überrascht ob der Kühle und Finesse. Das ist so unglaublich fein. 2015 kommt natürlich diese Süße, diese jahrgangsspezifische fruchtige Wollust. Ganz helle Lakritze ausstrahlend, Himbeere, Erdbeere, ein bisschen Hagebutte, die typische leichte, elegante Frucht aus Barbaresco. 2015 und 2016 waren eben auch Jahrgänge mit unglaublich feinen Tanninen, da gibt es nichts Hartes, nichts Grünes. Aber die Frische und die Kühle aus der Südwest- und Südost-Exposition sind durchaus spürbar. Im Mund wird die Kühle noch deutlicher, da zeigt sich eine ganz wunderbare Frische und eine fast Rasiermesser-artige Schärfe im feinen, salzigen Tannin. Sehr lang, die Augen ziehen sich zusammen, der Wein wird lang und länger, hört gar nicht mehr auf. Bleibt in dieser Frische und Finesse verhaftet, helle Lakritze, Milchschokolade und ganz viel feine, rote Frucht. Johannisbeere, ein bisschen Himbeere, und nur ein ganz leichter Hauch von Sauerkirsche. Das Ganze ist so fein verwoben, sehr harmonisch. Im Grund ist das so eine Art Barolo La Serra von Voerzio bloß auf Barbaresco übersetzt. Ganz lang, voll auf Finesse und Verspieltheit. Toller Wein. Wenn das hier so weitergeht kann ich nur sagen, dass ich wirklich froh bin vor einigen Jahren, auf Empfehlung von Vietti, mit den Produttori angefangen zu haben. Das gehört wirklich mit zum Feinsten was das Piemont zu bieten hat. 95-97/100

2015 Barbaresco Riserva Rabaja

Bei den Produttori wird nicht jedes Jahr eine Riserva erzeugt, nur in überragenden Ausnahmejahren. 2018 wird der gesamte Wein trotz der Güte des Jahrgangs in den Village überführt. Von den Genossen der Einzellage natürlich immer als solche eingeliefert, aber nur bei perfekter Qualität der Trauben hinsichtlich Tannin, pH-Wert, Schalendicke und Gesundheitszustand wird eine Riserva auch tatsächlich forciert. Bevor der Ausbau im Holz beginnt, wird schon die Entscheidung getroffen ob das Material eine Riserva werden kann oder nicht. Alles andere wird deklassiert in den normalen Barbaresco Village. Es gibt von der Riserva jeweils immer nur 10.000 bis 15.000 Flaschen. Bei diesem wahnsinnig hohen Qualitätsanspruch und der enormen Auslese ist das ein wirklich sehr hoher Level. Rabaja ist eine Südwest-Exposition mit Siliziumböden und Sand, also grundsätzlich gut für sehr feine Weine. Auch durchaus mit schöner Wärme ausgestattet. Direkt nach dem kühleren Ovello verkostet wird auch direkt klar was das bedeutet. Wir haben viel mehr Fruchtsüße in dieser reichen, rotfruchtigen Nase. Himbeere, Erdbeere, Hagebutte, Schlehe, Sauerkirsche aber noch viel mehr süße und auch etwas schwarze Kirsche darunter. Mit einer guten Fülle daherkommend und vor allen Dingen mit dieser Süße intensiv schiebend. Ganz helle Lakritze, die für Nebbiolo so typisch ist, und gleichzeitig eine Flieder- und Veilchenduftigkeit. Sehr verspielt, süß und reich, aber nie fett. Im Mund dann ein extremer Zug. Da geht es geradeaus mit viel Spannung. Hat eine wahnsinnige Frische, wieder mit viel roter Frucht, aber alles vibriert ob dieser grandiosen Frische. Deutlich mehr Kalk und Kreide im Mund als die vorherige Lage Ovello. Weniger ätherisch schwebend aber auch nicht wuchtig, sondern nur mit viel Druck immer geradeaus schiebend. Man könnte denken das sei ein fetter Wein, aber das ist überhaupt nicht der Fall. Es bleibt eine tänzelnde Primadonna, nur eben mit wärmenden Händen im Rücken. 97-98/100

Bruno Giacosa

Finale der Reise wie der Anfang: Der nach Roagna zweite Großmeister der Finesse. Bruno Giacosa in Neive. Mir geht es nur um die eigenen Weinberge in Barbaresco (Asili und Rabaja) und Barolo (Falletto und davon auch die Einzellagen Rocche in Serralunga). Je nach Jahrgang und Qualität mal als weißes Etikett der Lage, mal Jahre später als rotes Etikett Riserva angeboten. Der Unterschied besteht nur im längeren Flaschenlager. Und in der während der Ernte festgestellten Qualität und Alterungspotenzial. Und natürlich im Kult, der mit kleinerer Riserva-Menge, zwei bis drei Jahre späteren Erscheinen und mit doppeltem Preis ziemlich massiv gefördert wird. Giacosa und Roagna, die Zange, die mit extraterrestrischer Finesse und atemberaubender Qualität meine Reise einrahmt. Schöner konnte ich nicht anfangen und enden.

Zu allen Weinen

Giacosa
2014 Barbaresco Asili Riserva

Manch ein Leser mag erstaunt sein, dass Giacosa auch 2014 eine Riserva erzeugt hat. Aber 2014 war speziell in Barbaresco durchaus ein großes Jahr mit guten Wetterbedingungen im September während der Lese. Und Giacosa steht eben genau wie Roagna auf diese feinen Jahrgänge wie es 2014 wie kaum ein Jahr davor widerspiegelt. Das sind wirklich delikate, grandiose Weine für verträumte Genießer. Der Asili kommt in Jahren wie 2015 und 2017 als weißes Label und 2014 und 2016 als Barbaresco Riserva mit rotem Label. Der Asili kommt komplett von eigenen Weinbergen. Es sind 2,6 Hektar in Süd-Südost-Exposition auf 250 Metern Höhe. Hier gibt es lehmigen Kalkboden, viel weißer Lehm und auch ein kleines bisschen Sand. Circa 30 Jahre alte Reben, nur 4500 Stöcke pro Hektar. Die Riserva wird 32 Monate in französischen 10000 Liter Fässern ausgebaut. Es gibt nur 8000 Flaschen von diesem Wein. Er hat einen pH-Wert von 3.6 und 14% vol. Alkohol. Intensives Granatrot mit leicht orangenen Reflexen. Die Nase ist zum Reinspringen schön, weil sie diese unglaubliche Pikanz der Red Labels zeigt. Satte rote Kirsche mit Sauerkirsche, Schlehe, roter Johannisbeere, alles unendlich fein. Dazu ein bisschen Orangenschale, Orangenblüten, leichte Fliederduftigkeit. Schönes Parfüm. Ganz viel Substanz von unten kommend aus dieser Pikanz von Salz, Kreide, Lehmboden, gepaart mit dieser intensiven roten Frucht, etwas Zwetschge mogelt sich dazwischen. Aber diese Pikanz zwischen der Süße der Frucht und der Frische ist wirklich phänomenal. Erdbeere und Himbeere gewinnen langsam an Dominanz. Wow, was für ein Wein zum Schnüffeln. Wie schön, dass ich vor zwei Tagen bei Roagna war und auch dort Riserva-Qualitäten aus Barbaresco probieren konnte. Ich weiß wohin die Reise geht bei diesem roten Label und bei den Vecchie Viti bei Roagna. Diese Barbaresco sind in der Feinheit und der Verspieltheit letztlich jedem Barolo überlegen, weil Barbaresco einfach noch schwebendere und im Tannin verspieltere Weine hervorbringt. Das ist sowas wie ein Tondonia Gran Reserva in rot. Unendlich lang, unendlich fein. Nur zum Träumen. Im Grunde als Essensbegleiter schon fast zu schade. Einfach nur solo im Spätherbst am Kamin und riechen alleine würde schon reichen. Dieser Hochgenuss, diese Feinheit in roter Frucht und diesen Waldfrüchten, Himbeere, Erdbeere, Johannisbeere, alles fein verwoben. Ich bin völlig geflasht ob dieser intensiven Pikanz und gleichzeitig dieser Feinheit der kreidigen Kalksteinigkeit und dieses feinen Salzes. Nie tut etwas weh und trotzdem ist alles immer intensiv da. Und es schwebt irgendwo ins unendliche Nirvana. So ein Red Label kann locker mit dem Allerbesten aus dem Burgund mithalten. Die besten Nebbiolo sind einfach in der gleichen Liga. Großer Stoff. 100/100

2014 Barolo Falletto Riserva Vigna Le Rocche

Diese Riserva ist im An- und Ausbau wie immer genau gleich wie das weiße Label. Nur hat das rote Label zusätzlich 30 Monate Flaschenlager. In der ganzen Machart sind das weiße und das rote Label aus Rocche gleich, nur die Zeit die der Wein bekommt macht den Unterschied. Das heißt lange Maischegärung und Malo im Stahltank und dann circa dreijähriger Ausbau im großen Holzfass wie immer bei Giacosa. Es kommt immer wieder vor, dass Giacosa diese Red Labels, die ja auch deutlich teurer sind, in Jahren macht von denen man es überhaupt nicht erwartet hätte. 2014 ist auch so ein Fall. Aber da ist er ja mit Roagna und auch einigen anderen, die Feinheit und Finesse schätzen nicht alleine, für die war es ein überragendes Jahr. Und so wertet Giacosa zu meinem Erstaunen und dem vieler anderer, tatsächlich höher als 2015. Vielleicht ist ihm 2015 einfach zu lieb, zu warm, zu charmant. Dieser 2014 kommt als Riserva entsprechend geradliniger rüber als der zuvor probierte 2015er Le Rocche mit weißem Etikett. Er hat nicht ganz so charmante, überbordende Frucht. Aber die gleiche Fruchtart, kann ja auch nicht anders sein. Auch hier sind wir bei Himbeere, Erdbeere, Johannisbeere, aber noch mehr feine Kirsche darunter. Der Wein ist etwas schwebender, etwas weniger wuchtig in der Süße. Der Wein ist noch feiner, hat noch mehr Schliff, ist noch verspielter. Er ist nicht so erotisch, weniger rund und süß. Er ist länger, feiner, eleganter, verspielter. Das Tannin ist nochmal etwas zarter. Ich finde ihn anders, aber nicht zwingend viel besser, deshalb bewerte ich ihn nicht höher als 2015. Aber viel höher kann man ja auch nicht kommen, wenn man Barolo in dieser Klasse liebt, wenn man dieses Chambolle-artige liebt, wie es Giacosa wie kaum ein anderer verkörpert und auf die Flasche bringt. Das ist Hochgenuss in raffinierter Feinheit. 98-100/100

2015 Barolo Falletto Vigna Le Rocche

Dieser 2015er kommt wie immer von den 3 Hektar, die Bestandteil der Großlage Falletto in Serralunga sind. Also aus Giacosas allerbester Barolo-Lage. Jahr für Jahr entscheidet das Team um den Chef-Weinmacher Scaglioni und den jungen Nachfolger Tartaglino ob das weiße Label oder das rote Label daraus werden kann. Nur in ganz großen Jahren wird das rote Etikett zugesprochen. Das kann auch durchaus schon einmal im für Außenstehende unerwarteten Jahr wie 2011 oder 2014 passieren. In jedem Fall wird 2016 eine Riserva werden, 2015 ist es ein normales weißes Etikett. Der 2015er hat einen pH-Wert von 3.6 bei einer Säure von 5.4 Gramm und 14,75% vol. Alkohol. Für 32 Monate im großen französischen Holzfass ausgebaut und danach weitere 10 Monate in der Flasche gereift. Die Ernte war Ende September 2015, daraufhin folgten 24 Tage Maischegärung im Stahltank mit Malo. 2015 ist in der Pikanz gar nicht so weit weg von 2016, aber in der Süße, der Geschmeidigkeit und dem Charme einfach deutlich höher. Das hatte ich letztes Jahr schon bei der Verkostung des Barbaresco Asili. Dieses Einnehmende, dieser Charme, der einen einfach umhaut. Und Giacosa schafft über seine Weinbergsarbeit und seinen Ausbau eine Feinheit wie sie sonst vielleicht nur Roagna oder Weine aus Monforte nach 10 Jahren erreichen. Himbeere, Erdbeere, rote Johannisbeere, ganz wenig Schlehe dahinter, feines Salz, Kreide, Kalk. Auch eine schicke Blumigkeit, ein ganz kleiner Hauch Flieder und Veilchen, aber nichts ist heftig, alles ist zart. Das Ganze läuft auf eine pikante, rote Wolke hinaus. So intensiv, grandios. So unvorstellbar fein dabei. Wer die großen Labels von Giacosa noch nie probiert hat kann das vielleicht gar nicht nachvollziehen, aber hier bei Giacosa ist Burgund in feinster Ausprägung zu Hause. Hier diskutieren wird zwischen Chambolle Musigny und manchmal Vosne Romanée, immer auf der femininen Seite bleibend. Der Wein ist so unglaublich pikant, diese Süße der ganz feinen, roten Frucht und daneben diese wunderbare Frische aus der Säure. Dazu die salzige Mineralität, die bis ins Unendliche führt. Aber noch einmal: Es bleibt immer fein, bleibt immer verträumt. Der Genießer ist immer geflasht von dieser unendlichen Finesse. 2015 ist weniger spannungsgeladen und energiereich als 2016. Dafür ist 2015 in seiner einnehmenden, wollüstigen und erotischen Art fast nicht zu toppen. Ein ganz großes Genussjahr. 99-100/100

2016 Barolo Falletto

Dieser Falletto hat nichts mit Castiglione Falletto gemein, sondern ist nach den Hängen des Weingutes in Serralunga benannt. Das Weingut von Giacosa liegt hier, alles Eigenbesitz. Diesen Wein gibt es als Falletto (di Serralunga) oder auch manchmal als Rocche di Falletto. Aber das sind eben Serralunga Weine. In den letzten Jahren und für die nächsten Jahre ist dies wohl der absolute Brennpunkt von Barolo. Die besten Erzeuger von Giacomo Conterno, Altare, Vietti bis hin zu Gaja sind alle in Serralunga unterwegs, weil das Terroir so einzigartig ist. Und weil Serralunga diesen Spagat schafft aus der maskulinen Seite von Castiglione Falletto und der Weichheit, der Eleganz aus Monforte. Der Falletto besteht komplett aus eigenen Reben. Der Gesamtweinberg von Giacosa im Falletto umfasst 13 Hektar, davon ist ein Teil im Rocche. Gut 40 Hektoliter/Hektar Ertrag. Die Reben sind noch unter 30 Jahre alt. Der Wein ist 2016 erst am 8. Oktober gelesen worden. 20 Tage im Stahltank spontan vergoren, inklusive Malo. Danach 30 Monate im großen Holz ausgebaut. Der Wein hat 15% vol. Alkohol bei einem pH-Wert von 3.55. Hier haben wir also diese Kombination. Das magische Serralunga, die vielleicht noch vor Monforte führende Gemeinde in Barolo, weil sie diesen Spagat von Feinheit und Kraft so gut schafft. Dazu dieses magische Jahr 2016 mit seiner unendlichen Raffinesse a la 2010, mit der spannungsgeladenen, energetischen Charakteristik und der so puren Frucht. Das Ganze mündet in eine Nase, die natürlich, wie 2016 meist, von Holunder geprägt ist. Die aber auch deutlich Zwetschge aufweist, Himbeere, Erdbeere dazu bringt, rote Johannisbeere, ein bisschen Schlehe. Aber das Ganze wie es eben nur Giacosa und vielleicht Roagna können in einer unendlichen Feinheit. Hier ist nichts Grobes. Hier kommt die Wolke nicht als Schlag ins Gesicht, sondern als unendlich langgezogenes, feines Düftchen. Man will gar nicht wieder aufhören zu schnuppern. Und Giacosa schafft es, wie Roagna es auch schafft, seine Barolo auf eine Art und Weise fein zu bekommen wie kaum ein anderer Erzeuger. Selbst die extrem feinen Barolo von Aldo Conterno aus Monforte kommen nicht ganz an diese unendliche Verspieltheit heran. Das ist etwas zum Schnüffeln. Und muss sich nur dem zuvor gerochenen 2014er Barbaresco Riserva beugen, der einfach noch verspielter ist. Aber ich bin schon ziemlich hin und weg. Der Mund will mich fast etwas lügen strafen, denn er ist 2016 einfach Spannung und Energie pur. Druck, aber nie brachial, nie fett. Sondern in dieser totalen Feinheit einfach unglaublich viel Schub zeigend. Terroirabdruck, Salz, Kalkstein, verschwindet überhaupt nicht wieder. Der Wein bleibt für Minuten stehen und nimmt alles ein mit seiner Energie und trotzdem ist es natürlich Giacosa, trotzdem ist es fein und verspielt. Der Wein gehört nur einfach 10, 12, 15 Jahre weggesperrt, damit die superfeinen aber sehr präsenten Tannine sich noch weiter harmonisieren können. Das Ganze mit dem großen Holz ist aber schon jetzt eine wollüstige, kraftvolle, vollmündige Orgie in unendlicher Feinheit. Giacosa und 2016 passt überragend zusammen. Aber im Grunde ist das Eulen nach Athen tragen, denn 2014 und 2015 waren bei Giacosa auch großartig. Ich glaube einfach, dass das einer der großartigsten Weinmacher der Geschichte ist. Ich bin froh mit diesen Weinen zu arbeiten, das ist so unendlich schön. 98-100/100

2016 Barbaresco Rabaja

Vom Rabaja gibt es bei Giacosa nur 0,6 Hektar, aber alles Eigenbesitz. Die Lage sitzt mit Südwest-Exposition etwas 250 Meter über N.N. Das ist sicher die berühmteste Lage neben Asili in Barbaresco. Überwiegend Lehm mit Kalkstein, in der Regel etwas massiver werdend als der feinere Asili. Die Reben sind im Durchschnitt 20 Jahre alt und stehen mit 4000 Stöcken pro Hektar. Der Ertrag lag bei etwa 40 Hektolitern/Hektar. Am 24. September wurde gelesen. 20 Tage Maischegärung im Stahltank mit anschließender malolaktischer Gärung. Dann für 20 Monate im großen Holzfass ausgebaut wie b ei Giacosa üblich und dann nochmal weitere 17 Monate Flaschenreife im Weingut bevor der Wein ausgeliefert wird. Es gibt nur etwas über 3000 Flaschen. Die Säure liegt bei 5.4 Gramm mit einem pH-Wert von 3.48 bei 14% vol. Alkohol, also recht frisch in der Säure. Der Ausbau vom Rabaja geschieht im großen Holzfass, aber es sind nur 2000 Liter Fässer, weil es ja nur so wenig Menge gibt. Die Nase ist so typisch 2016. Ich verkoste jetzt seit einer Woche 2016 und dieser Jahrgang hat eine so eigene, klassische Stilistik. Immer ist Holunder mit im Spiel und immer sehr viel Blumigkeit, Flieder und auch Veilchen. Hochintensiv und verspielt, gleichzeitig viel Druck aus schwarzer Frucht. Ein bisschen Schwarzkirsche, süße Brombeere, aber alles leicht, etwas Blaubeere darunter, nichts Marmeladiges, nichts Schweres, auch ein Hauch Himbeere darunter. Sehr schwebend. Aber diese dunkle Duftwolke ist die Dominante in 2016. Dazu leichtes Salz, Kreide und schon in der Nase ist diese totale Seidigkeit der Gerbstoffe zu spüren. Was für ein überzeugender Mundeintritt, nachdem ich gerade 2017 Asili probiert habe. 2016 ist einfach ein riesiges Jahr, vielleicht das größte das ich persönlich im Piemont je probiert habe. Es hat diese unglaubliche Seidigkeit der Tannine, alles ist so reif, überhaupt keine Härte und trotzdem solch enorme Frische, hohe Säure. Das Ganze tänzelt, hat wahnsinnig viel Energie. Ein hochenergetischer Jahrgang, der unendlich lange im Mund verbleibt. Das Jahr hat viel feinere Tannine noch als die großen Jahre 2013, 2006 oder 2004. 2016 ist der etwas fruchtstärkere Nachfolger von 2010, aber weil er noch mehr Frucht zeigt ist er wohl auch diesem überlegen. 2016 ist einfach DAS Jahr, sowohl in Barolo als auch in Barbaresco ein sehr überzeugender Auftritt. Nur aus taktischen Gründen, um nicht zu viel Red Label auf den Markt zu bringen wird dieser Rabaja als normales Etikett auf den Markt gebracht, aber qualitativ ist das extraterrestrisch und mit das Beste was es in Barbaresco zu finden gibt. 98-100/100

2017 Barbaresco Asili

Der Asili kommt komplett von eigenen Weinbergen. Es sind 2,6 Hektar in Süd-Südost-Exposition auf 250 Metern Höhe. Hier gibt es lehmigen Kalkboden, viel weißer Lehm und auch ein kleines bisschen Sand. Circa 30 Jahre alte Reben, nur 4500 Stöcke pro Hektar. Es gab eine frühe Ernte am 19. September, circa 40 Hektoliter/Hektar wurden geerntet. 15 Tage Maischegärung im Stahltank. Die malolaktische Vergärung erfolgt ebenfalls dort. Anschließend für 18 Monate im großen Holz ausgebaut (10.000 Liter Fässer beim Asili) wie es hier klassischerweise üblich ist bei Giacosa. 5,4 Gramm Säure mit einem pH-Wert von 3.5 bei 14% vol. Alkohol.  Dieser Wein wird erst 2020 auf den Markt kommen also noch vor dem super klassischen 2016er, der als Riserva mit rotem Label erscheinen wird und somit erst 2021/22 auf den Markt kommt. Asili ist eine Kult-Lage und ist neben Rabaja die wahrscheinlich bekannteste Lage in Barbaresco. Der Stil von Giacosa ist fast einzigartig. Einzig Luca Roagna geht in eine ähnliche Richtung der absoluten Finesse und dieses Schliffs. Schon die Nase dieses Asili 2017 zeigt diese unglaubliche Feinheit. Himbeere, ganz feine Erdbeere darunter, hellrote Früchte, Zwetschge, fein verwoben. Salz und Kalkstein als Unterlage, alles schwebt. Im Mund merkt man dann ein wenig die Hitze des Jahres. 2017 war ein Jahr, das unglaublich voluminöse, kräftige Weine hervorbrachte. Es war sehr trocken und heiß, so haben die Weine deutlich mehr Dampf. Verglichen mit dem 2015er kommt der 2017er auf eine ähnliche Süße aber auf noch mehr Wucht und Kraft. Auch das Tannin ist etwas massiver. Der 2015er war vielleicht noch etwas tänzelnder, aber auch der 2017er schafft dennoch die Balance, weil er so eine wunderschöne feine Frucht hat. Und das Tannin ist geschliffen und poliert, nichts ist hart oder unreif. Das ist ein Wein für die Freude, bei dem sich schon im so jungen Stadium abzeichnet, dass es mal eine ganz wunderbare, feine Delikatesse wird. Wie es der 2015er heute schon ist. Auch wenn ich glaube, dass der 2017er in der Feinheit und Verspieltheit nicht ganz an 2015 herankommen wird, dafür hat er einfach ein bisschen zu viel Druck. Aber das mögen manche Liebhaber ja durchaus auch gerne. Von daher ist auch dieser Asili wieder ein Erfolg bei Giacosa. 97+/100

Fazit

Barolo und Barbaresco. Die besten Weine sind nicht mehr billig. Aber Sie können sicher sein, dass die Nebbiolo in der Oberliga mit den wenigen weltbesten Burgundern, Bordeaux, Kaliforniern und Spaniern auf der gleichen Stufe steht, unverwechselbar, unendlich vielschichtig und fein.

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Piemont mit Aussicht