Das Sonnenlicht über Beaune ist durch dichte, regenschwangere Wolken gedimmt. Es braucht dennoch keinen Instagram-Filter, dass die mittelalterlichen Häuserfronten der Stadt – trotz der Film Noir Stimmung – ein wohliges Gefühl der Zufriedenheit aufkommen lassen. Denn so beginnt unsere Reise entlang der Côte d’Or und die vinophilen Highlights sind quasi vorprogrammiert. Der Jahrgang 2018 wurde hier, je nach Region und Erzeuger, zum Teil auch als etwas durchwachsen aufgefasst, zu reif, zu wenig aufregende Spannung, zu wenig Ecken und Kanten. An manch anderem Ort und bei anderen Weingütern gilt 2018 aber als außergewöhnlich, herausragend, da wird 2018 zu Recht groß gefeiert. Beides können wir letztlich bestätigen. 2018 ist als üppige Reminiszenz an 2003 manchmal eher vorsichtiger einzuschätzen, an anderer Stelle ist es aber definitiv ein spannendes Jahr. Wenn Frische quasi nicht nur aus der Säure sondern auch aus der Reife kommt, der Wein quasi etwas mediterran wird, dann brilliert 2018 im Burgund, und nicht nur hier, mit ungeheurer Größe.

Ohnehin werden die Jahrgänge fordernder, im Sinne von extremer in allen Ausprägungen, die Weine werden trügerischer. Das spielt Winzern, die aufmerksam und dynamisch am Puls der Zeit arbeiten, absolut in die Karten. Zwar steigt die allgemeine Weinqualität absolut in ungeahnte Höhen, doch die Qualitätsschere geht auch im Spitzenweinbau langsam wieder auseinander. Je extremer das Jahr, wie eben 2018, desto mehr trennt sich die immer besser werdende Spitze von der einfachen Basis. Das gilt für alle Länder und Regionen. Diejenigen Winzer, die Jahrgänge lesen können, und deren Fokus dementsprechend auf noch peniblerer Weinbergsarbeit liegt, sind ganz weit vorne. Diejenigen, die ein Ausrufezeichen ihrer adäquaten Arbeit als Antwort hinter jedes Fragezeichen, das ihnen der Witterungsverlauf in den Weg stellt, setzen können, sind mehr denn je auf dem Weg des Erfolgs. Und zwar weiterhin mit Qualitätsschüben, die als verblüffend bis atemberaubend bezeichnet werden können. Besser denn je.

Der Jahrgangsverlauf 2018 aufs Wesentliche reduziert: Nasses Frühjahr (letztlich die Rettung), irre heißer Sommer und Herbst. Hohe Traubengesundheit, mancherorts Trockenstress, Reifestopps und Zuckerschübe. Von außen fast trügerisch entspannt erscheinend, doch eigentlich im höchsten Maße fordernd.

Bordeaux war 2018 mit einem ähnlichen Witterungsverlauf in der qualitativen Spitze seiner Winzer erneut ganz groß, es bricht zunehmend aus dem magischen 5-Jahres-Zyklus der Topjahre aus. Die Rhône war 2018 in der Spitze ebenso grandios. So reich wie 2017 und trotzdem teilweise frisch und elegant wie 2016. Ein ähnliches Bild auch in Deutschland: super in der Spitze, offenherzig und charmant wie 2015, und doch beizeiten sogar ähnlich fein und stylisch wie 2016. Überall zufriedenstellend hohe Erträge, gerade im Burgund ein Segen.

Wie haben sich die Expressionisten der Parzellen-genauen Kleinstarbeit in einem solchen Jahr geschlagen? Obsiegt der Jahrgang über die Lage? In Jahren wie 2018 ist es nicht einfach, das gewünschte Reifestadium zu erkennen und punktgenau in den Keller zu bringen. Laubwand- Management und Wasserversorgung der Weinberge sind heute nicht mehr vorrangig aus Gründen der Traubengesundheit, sondern vor allem auch wegen der Sonneneinstrahlung und generellen Stress-Situation der Reben entscheidend. Die Tannine unter Kontrolle zu halten ist in immer UV- intensiveren, trockeneren Jahren für Weißweine fast ebenso kritisch geworden wie für die Roten. Bei konstant hoher Reife auch die Frische in der Frucht zu erhalten, ist die neue hohe Kunst. Gesunde Säuren und reife Phenole zu ernten ist der Schlüssel zu trinkfreudiger Balance. Und nur darauf kommt es an. Denn am Ende muss der Wein eben Freude und Genuss bieten.

Bruno Lorenzon

Dieses Vorwort hätte zu Beginn unserer Burgundreise wohl kaum ein Besuch eindrucksvoller untermauern können als der bei Bruno Lorenzon im beschaulichen Mercurey. Bruno Lorenzon ist DER große Meister hier im Ort. Mehr noch, er ist ein Magier und der Einzige, der Mercurey in beiden Farben, weiß und rot, hinausführt aus dem unteren Mittelfeld mitten in die Oberliga der Côte de Beaune.

Die Gemeinde Mercurey liegt im Herzen der Côte Chalonnaise im südlichen Burgund. Hier sind 95 % der Fläche mit Pinot Noir bestockt. Bruno Lorenzon ist der einzige Winzer Mercureys, der neben feinsten Pinot Noirs auch Weltklasse in Blanc erzeugt. Er ist ein echter Qualitäts-Nerd und ein Mann von fast unglaublicher Kompetenz und eindrücklichem Charisma. Lange Zeit war Bruno Rugbyspieler der internationalen Extraklasse, und mit eben jenem Rückgrat und dieser Selbstsicherheit tritt er auch auf. Er weiß, wofür er steht und welch grandiosen Schatz er sich hier aufgebaut hat. Vor dem Winzerleben war er auch Marketingmanager in einigen internationalen Weltunternehmen. London war sein Zuhause, obwohl doch die Domaine Lorenzon von seiner Familie gegründet wurde. Dennoch ging er zunächst die Welt erkunden, weil Weinbau in Mercurey zu dieser Zeit nicht genug Geld abgeworfen hätte, um die Domaine nach seinen Vorstellungen aufzustellen. Also erst mal richtig Geld verdienen und dann alles auf schwarz gesetzt. Oder auf weiß und rot. 1997 war seine finanzielle Basis fett genug, so entschied er sich mit der Domaine all-in zu gehen. Und wenn Bruno Lorenzon all-in geht, dann meint er das auch so. Eine höhere siebenstelligen Summe hat er in die Domaine seitdem investiert – größtenteils auf Pump. Aber er ist sich seiner Sache so ungeheuer sicher, dass ihn das überhaupt nicht tangiert. Und jeder, der ihn wie wir einige Stunden erlebt, würde alles auf ihn verwetten. Er weiß genau was er kann und wo er hin will. Bruno ist ein redegewandter Mann mit gleichsam intellektuellem und höchst fachlichem, eigentlich schon manischem Anspruch seine Weine betreffend. Vision und Mission zugleich.

Er verfügt über Parzellen in den besten Lagen der Appellation, beinahe ausschließlich Premiers Crus. Einige davon auf Grand Cru Niveau, wenn es denn eine ehrlichere Klassifikation der Côte Chalonnaise gäbe. 14.000 bis 20.000 Stöcke stehen hier auf dem Hektar, das Ganze wird mit fast chirurgisch präziser Weinbergsarbeit beackert. Und um das Gesamtkonzept zu komplettieren, sind seine Weine so messerscharf und präzise vinifiziert, dass man mit jedem Schluck den Anspruch und den Ehrgeiz von Bruno am Gaumen spürt. Er will das Allerbeste aus den Lagen der Côte Chalonnaise herausholen. Die Weißweine sind strahlend-frisch und auch 2018 so ultrapräzise, wie man es kaum für möglich hält hier unten. Sie zeigen dabei trotzdem viel Substanz und Tiefe. Die Pinot Noirs haben ein festes Rückgrat, viel Power und satte innere Dichte, was auch vom extensiven Rappeneinsatz kommt. Aber das Ganze ist so penibel austariert, dass die Weine überhaupt keine Härte oder vegetabile Noten aufweisen, sondern nur samtige Üppigkeit im Mund präsentieren. Wow! Bruno ist ein echter Künstler und Handwerksmeister zugleich, eben Vision und Mission in einer Person, der den fast manischen Perfektionismus gekonnt auf seine Weine überträgt. Ein Weinflüsterer! Ein eindrucksvoller Besuch, der uns noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Solche Betriebe sind die verborgenen Schätze, der noch immer unterschätzten Gemeinden des burgundischen Südens. Die Top-Weine gehören in die erste Reihe des Burgunds. Daran kann keiner mehr zweifeln, der sie probiert hat. Wir sind mit Bruno über die sehr, sehr begrenzten Mengen in Verhandlung. Aber es wird klappen, denn kompromisslose Leidenschaft verbindet. Vereint im Genuss.

2018 Montagny Blanc 1er Cru Mont Laurent

Die Lage ist vor einigen Jahren von Bruno Lorenzon (er hat deutschsprachige Ursprünge aus dem Trentino und Alto Adige) gekauft worden. Hier steht 100 % Chardonnay, in den 70er Jahren gepflanzt auf Kalkstein und Kreideböden. Ausbau in Barriques bei maximal 15 % Neuholz, oft auch weniger. Nach dem Ausbau im Barrique und vor der Flaschenfüllung gibt es für alle Weißweine bei Lorenzon nochmals bis zu 6 Monate Ruhezeit im Stahltank, um weitere Präzision zu gewinnen. Die Weißweine werden niemals gepumpt, sondern nur mit CO2-Druck bewegt, um Sauerstoffeinträge zu vermeiden. Die Lage hat eine kühle Ostexposition in Richtung Mont Blanc, diese Kühle macht den Wein so floral und schwebend. Generell gab es 2018 das Problem, dass viele Winzer zu hohe Erträge hatten. Bruno aber hat nur extreme Dichtpflanzung von 14.000 Stock je Hektar, teilweise sogar bis zu 20.000 Stöcken, so sind die Erträge extrem niedrig pro Stock. Der Wein ist extrem rein und klar, sehr stark von der Kreide und vom Kalk geprägt. Das Bestechende an diesem Montagny ist sicherlich zuerst mal seine Nase. Unglaublich floral, mit hellen, weißen Blüten, fast ein kleiner Touch Weißburgunder, so schwebend, so leicht, wie eine Frühlingsblütenwiese, so verblüffend verspielt. Im Mund folgt eine unglaubliche Kalksteinmineralik. Die grandiose Balance aus Verspieltheit bei gleichzeitiger Gradlinigkeit, ohne dass dabei der Wein je scharf oder rustikal wird. Große Länge, fantastische Aromatik. Ich habe noch nie einen Montagny in dieser Feinheit probiert. Ein Wein, der ob der kühlen Lage leicht grünliche Reflexe auf der Zunge hervorzaubert, die aber von der positiven, animierenden Art im frischen Stil, frisch und knackig, fast rasiermesserscharf obwohl alles komplett reif ist. Hocharomatisch, dabei aber überhaupt nicht süß oder üppig, spontan komplett durchgegoren auf quasi null Zucker. Das ist echt schicker Stoff und wohl das Beste was diese Appellation zu bieten hat. 94+/100

2018 Mercurey Blanc 1er Cru Les Crouchots

Der Wein hat dieses Jahr 15% neues Holz. Bei Bruno Lorenzon gibt es üblicherweise maximal 15% neues Holz, manchmal auch gar kein neues Holz. Nach dem Ausbau im Barrique und vor der Flaschenfüllung gibt es für alle Weißweine bei Lorenzon nochmals bis zu 6 Monate Ruhezeit im Stahltank, um weitere Präzision zu gewinnen. Die Weißweine werden niemals gepumpt, sondern nur mit CO2-Druck bewegt, um Sauerstoffeinträge zu vermeiden. Hier haben wir eine Südost-Exposition, und allein dadurch ist der Wein klar unterscheidbar von der reinen Ostexposition in Montagny. Wir haben Kreide, Salzigkeit und Gripp schon in der Nase. Das ist Chardonnay in einer brillanten, glasklaren Definition, sehr geradeaus. Schöne Mirabelle, eher helle Frucht, weniger gelbe oder süße Frucht, sondern eher auf der schlanken, kreidigen Seite laufend. Im Mund die totale Mineralität, die auf einer wunderbaren Salzspur endet. Auch hier totale Definition und Feinschliff. Etwas Mirabelle, Apfel, Birne, leicht unreife Ananas, grandioser Geradeauslauf. Der Wein ist kein leichter Apero, sondern in seiner Struktur ein Essensbegleiter, ohne dabei jedoch jemals zu erschlagen. Das ist alles andere als fett, im Gegenteil. Das ist ein Wein, dem man im Mund sogar das neue Holz komplett absprechen würde, so sauber und klar ist er definiert mit wunderschöner Quitte und gelber Birne auf steiniger Mineralität. Ich hätte nicht erwartet, dass Mercurey so eine geniale Mineralität in die Weine bringen kann. Aber es geht offensichtlich wenn man eben mit 15.000 Stöcken pro Hektar und so penibler Weinbergsbewirtschaftung arbeitet, also bei extrem geringen Erträgen von unter 300 Gramm pro Pflanze. Das macht diese Definition und die enorme Dichte ohne jedes Fett aus. Superber Stoff. 95+/100

2018 Mercurey Blanc 1er Cru Champ Martin

Champ Martin liegt am gleichen Hang wie der Clos des Baraults, gerade oberhalb der Gemeinde Mercurey, aber nicht in Südexposition, sondern mehr west-südwestlich ausgerichtet. Der Boden ist in beiden Lagen ähnlich, Kalkstein und Kreide. Letztere dominiert hier deutlich stärker. Der Boden ist dementsprechend ganz hell. Die Reben sind zwischen 25 und 40 Jahren alt. Dieser spezielle, karge Untergrund in Kombination mit den ultraniedrigen Stockerträgen aus extremer Dichtpflanzung von 14000 Stöcken/ha, die Bruno Lorenzon fährt, ergibt eine unglaubliche Definition. Konzentration ohne Fett. Nach dem Ausbau im Barrique und vor der Flaschenfüllung gibt es für alle Weißweine bei Lorenzon nochmals bis zu 6 Monate Ruhezeit im Stahltank, um weitere Präzision zu gewinnen. Die Weißweine werden niemals gepumpt, sondern nur mit CO2-Druck bewegt um Sauerstoffeinträge zu vermeiden. Während wir beim südlichen Clos des Baraults eine Wuchtbrumme in perfekter Drahtigkeit hatten, so haben wir beim kühleren Champ Martin eine Primaballerina. Auch diese ist total durchtrainiert, athletisch, drahtig und geschliffen mit unglaublichem Spiel und großer Länge. Der Kreideboden gibt in der Westexposition wieder mehr florale Noten, deutlich Richtung Quitte gehend, weißer Weinbergspfirsich, helle Birne, wunderbar verspielt. Auch dieser Wein sieht kein neues Holz. Das Besondere an Brunos Weinen ist, dass sie durch einen ziemlich reduktiven Ausbau nie viel Sauerstoff bekommen, aber dass sie dennoch keine starke Reduktivität zeigen, sondern immer auf der definierten Frucht bleiben. Bruno arbeitet wirklich extrem präzise und clever, hier wird nichts dem Zufall überlassen, alles ist x-fach durchdacht und perfektioniert. Es gibt hier keinen Schalenkontakt vor dem Pressen, Bruno tut alles damit die Weine so präzise werden. Es ist unglaublich beeindruckend bei diesem Ausnahmewinzer zu sein. Ich wusste nicht, dass Mercurey so gut sein kann, dass es hier einen Winzer gibt, der so extrem penibel arbeitet. Mercurey hat einen Chardonnay-Großmeister, der vieles von der Cote d’Or schlagen kann. Wirklich großes Kino hier im Süden des Burgunds. 97-98/100

2018 Mercurey Blanc 1er Cru Clos des Baraults

Dieser Clos liegt an einem nach oben steiler werdenden Hangabschnitt oberhalb der Gemeinde Mercurey in reiner Südexposition. Ein beeindruckender Weinberg mit einem wunderschönen Ausblick über das Tal, in dem das verschlafene Mercurey liegt. Über 70 Jahre alten Reben stehen hier in absoluter Dichtpflanzung von mindestens 14000 Stock/ha. Der Ausbau erfolgt nach der Spontanvergärung ohne Schalenkontakt ebenfalls im Barrique. Nach dem Ausbau und vor der Flaschenfüllung gibt es für alle Weißweine bei Lorenzon nochmals 6 Monate Ruhezeit im Stahltank, um weitere Präzision zu gewinnen. Die Weißweine werden niemals gepumpt, sondern nur mit CO2-Druck bewegt, um Sauerstoffeinträge zu vermeiden. Der Wein hat deutlich warme, reife Mirabelle, aber auch etwas grüne Aprikose und etwas unreifen, gelber Pfirsich. Sehr steinig unterlegt, auch eine feine Nussigkeit wie von gemahlenen Mandeln. Dieser Wein wird nur in gebrauchten Barriques ausgebaut, überwiegend zweite Belegung. Die reine Südexposition ergibt bei den extrem niedrigen Erträgen von unter 300 Gramm Trauben pro Stock, die Bruno ja durch die Dichtpflanzung fährt, natürlich den reichhaltigsten Wein. Speziell in einem warmen, reifen Jahr wie 2018. Das ist der einzige Wein von Bruno, der auch in die gelbe, üppigere Frucht geht, der fast auch ein wenig Opulenz zeigt und das Ganze mit ein wenig Rauchigkeit unterlegt, die an Puligny Montrachet erinnert. Wow, das ist schon eine Wucht. Aber dadurch, dass er überhaupt kein neues Holz bekommt, wird das nie ein fetter Wein, sondern ein voluminöser, aber noch immer definierter und purer Chardonnay mit einer warmen Ausprägung. Der Wein ist hyperkonzentriert, aber nicht in die Breite, sondern fettfrei konzentriert in die Länge und Mineralität. Er zeigt so viel Dichte und Rückgrat. Hier wird nichts breit oder zu üppig, sondern einfach nur profund und über immenser Länge schiebend. Wie ein Athlet, ein austrainierter Ringer im Mittelgewicht, das ist schon unglaublich, wie sich dieser Wein durchzieht von Stein nach Nuss nach Frucht. Im Nachhall wieder Mirabelle und Aprikose, so intensiv und dicht aber es ist so schwer zu beschreiben, dass der Wein dabei überhaupt kein Fett hat. Total durchgegoren, unter 1 Gramm Restzucker, einfach nur diese kreidig-kalkige Länge kombiniert mit der hohen Reife der Frucht. Ich wusste nicht, dass Chardonnay aus dieser Region so gut sein kann. Das gehört in die erste Reihe der Weißweine dieser Welt. 98+/100

2018 Mercurey Blanc 1er Cru Piece 15

Das ist Brunos bester Wein. Eine Selektion aus 15 speziellen Parzellen seiner besten Premier Crus Lagen. Das ist zu Recht sein ganzer Stolz. Er hat 2018, entgegen der sonstigen Gewohnheit, überhaupt keine neues Holz gesehen, weil der reife Wein schon für sich genommen so intensiv und mineralisch war, dass er das einfach nur möglichst pur erhalten wollte. Nach dem Ausbau im Barrique und vor der Flaschenfüllung gibt es für alle Weißweine bei Lorenzon nochmals bis zu 6 Monate Ruhezeit im Stahltank, um weitere Präzision zu gewinnen. Der Wein zeigt schon in der Nase einen unglaublichen Geradeauslauf, fast eine leichte Schärfe vom mineralischen Druck. Aber wie all seine Weine ist auch dieser hyperkonzentriert, bloß nicht in die Breite, sondern in die Länge und im Mineralausdruck. Vom Kopf bis zum Fuß durchlaufend, dabei unglaublich viel Rückgrat zeigend und voller Vibrationen, eine grandiose Spannung. Helle Quitte, für einen Chardonnay dieser Klasse ungewöhnlich schlank, wunderbare grüne Birne, etwas Walnuss, Rauch, Mandeln. Immer schlank bleibend aber hochintensiv. Es gibt hier im Jahr 2018 nur Zweitbelegung beim Holz. Bruno ist befreundet mit einem benachbarten Tonnelier, der ihm die Fässer exakt nach seinen Wünschen baut. Er sucht alle Bäume in den Wäldern nordöstlich von Chablis selber mit ihm aus. Er lagert das Holz anschließend auf seinem eigenen Grundstück für mindestens 3 Jahre in Wind und Wetter, bevor dann beim Tonnelier ein Fass daraus wird. Das Toasting ist immer minimal. Ich glaube, ich habe nur extrem selten einen solch perfektionistischen Winzer getroffen. Der Wein hat solch eine vibrierende und energetische Ausstrahlung. Er ist es wirklich wert genossen zu werden, aber er setzt eine gewisse Vorbildung beim Trinker voraus, weil es kein easy-drinking Chardonnay ist. Er hat überhaupt nichts Breites, sondern zieht seine gesamte Kraft aus dieser enormen Länge, der Mineralik, der vibrierenden Spannung und der hohen Intensität. Das ist ein ganz großer Wein. 99-100/100


2018 Mercurey Rouge Lieu-dit Le Chapitre

Ein Lieu-dit von einem Hektar Village-Lagen direkt in Mercurey, und auch hier steht die typisch hohe Dichtpflanzung von weit über 10000 Stöcken per Hektar. mit winzigen Erträgen pro Stock, unter 300 Gramm. 2018 gibt es bei allen von Brunos Pinot Noirs einen unglaublich hohen Anteil unentrappter Ganztrauben bis hin zu 100 % bei den zwei Top-Weinen. Aber auch die anderen Weine haben alle sehr hohe Rappenanteile, dieser Wein 70 %. Alles wird immer komplett spontan vergoren, niemals angesäuert oder aufgezuckert. Alles rein natürlich und in gewissermaßen extrem in diesem puristischen, ja fast fanatischen Reinheitsgebot, das sich Bruno selbst auferlegt. Gleichzeitig ist er aber unheimlich clever und weiß stets exakt was er tut. Die Pinots werden zwar durch umpumpen hin und wieder belüftet, während dem Ausbau zeigen sie dennoch als Fassprobe immer eine geniale, kleiner Reduktionsnote. Mancher nennt das Sponti-Touch, aber es hat trotz der hiesigen Spontanvergärung eigentlich nichts damit zu tun, es liegt eher an den Ganztrauben. In der Nase zeigt sich pure Schattenmorelle mit sehr konzentrierter, dunkler Himbeere, fast schon zur Brombeere gehend. Sehr intensiv, würzig, Kalksteinterroirausdruck. Ein toller Touch von der Ganztrauben-Intensität, ohne dass jedoch jemals spröde oder grüne Rappen zu spüren sind. Die Rappen geben wirklich diese Frische und einen Tick Fülle dazu. Diese Intensität der roten und auch fast schwarzen Frucht wird unterlegt mit mineralischem Druck, fast ein wenig an Schiefer erinnernd. Bruno versucht die Weine sehr reif, aber niemals überreif zu ernten, er hasst überreife, marmeladige Fruchtprofile. Im heißen Jahr 2018 hat er 14 % natürlichen Alkohol erreicht, dazu aber aus den Rappen und früher Lese eine geniale Frische und Fruchtfülle, den Alkohol spürt man nicht. Der Wein zeigt überhaupt kein Fett, komplett Brunos klarem und definiertem Stil gehorchend. Sehr mineralisch, sehr konzentriert, aber niemals in die Breite, sondern immer definiert, gespannt und geschliffen. Das ist ein hochintensiver Mercurey. Es gibt hier erstaunliche Ähnlichkeiten mit den Marsannays von Sylvain Pataille in der Herangehensweise und der Ausprägung der Weine. Das ist schon verblüffend gut. 93–94/100

2018 Mercurey Rouge 1er Cru Champ Martin

Diese Lage hat den puren Kalkstein in der reinsten Ausprägung. Uralte Reben mit Erträgen von unter 300 Gramm je Stock wegen der extremen Dichtpflanzung von 15.000 Stöcken je Hektar. Hochkonzentriert, dabei aber nicht die winzigste Spur von Fett. Der Wein sieht so gut wie kein neues Holz, aber über 80 % Ganztraubenanteil in der Fermentation sprechen eine eigene Sprache. Alle Pinot Noirs bekommen eine 3-bis-4-wöchige Kaltmazeration vor der spontanen Gärung. Nach der Pressung geht es nach dem Sedimentieren relativ clean in die Barriques aus überwiegend zweiter Belegung, manchmal, wie jetzt in 2018, gibt es überhaupt kein neues Holz. Die Nase ist so unglaublich würzig. Gott wie ist das schön. Die Jahre 2018, und vielleicht noch mehr 2019, was wir auch aus dem Fass probieren durften, passen so extrem gut zum kühlen Mercurey, zumal in diesem ultrapräzisen Stil von Bruno Lorenzon. Der Wein ist ein wenig reduktiv, rauchig, Pflaume, Schwarzkirsche, Schattenmorelle, auch ein bisschen Holunder und helle Lakritze kommt durch. So tief, so würzig schon in der Nase. Viel Frische zeigend von der Ganztraubengärung, und trotzdem hat das Ganze überhaupt nichts Grünes, sondern lediglich diese immense Frische und wunderbare Würze. Unglaublich wuchtiger Nachhall mit einer feinen Salzkomponente. Das ist fast großer Stoff. 95–96/100

2018 Mercurey Rouge 1er Cru Clos de Champ Martin

Das ist eine von Brunos Top-Lagen. Der eingemauerte, untere Teil des 1er Cru Champ Martin mit uralten Reben. Auch hier steht die typisch hohe Dichtpflanzung von 15.000 Stöcken pro Hektar. mit winzigen Erträgen pro Stock, unter 300 Gramm. Im reifen Jahr 2018 gibt es bei allen von Brunos Pinots einen unglaublich hohen Anteil unentrappter Ganztrauben, bis hin zu 100 % bei den Top-Weinen wie diesem. Aber auch die anderen Weine haben alle sehr hohe Rappenanteile von 60 bis 70 %. Alles wird immer komplett spontan vergoren, niemals angesäuert oder aufgezuckert. Alles rein natürlich und in gewissermaßen extrem in diesem puristischen, ja fast fanatischen Reinheitsgebot, das sich Bruno selbst auferlegt. Es gibt immer nur minimale Anteile von Neuholz, manchmal, wie 2018, auch gar keines. Nach einer 3-bis-4-wöchigen Kaltmazeration folgt die spontane Gärung mit hohem Anteil Stängeln. Dann wird sedimentiert und relativ clean ins Barrique geleitet und dort gereift. Der Wein ist extrem fein, trotz der 100 % Rappen in 2018. Total verspielt, feine Kirschnote, große Länge, viel Druck zeigend, sauber am festen Rückgrat von oben nach unten laufend, niemals in die Breite gehend. Das ist super-definiert, völlig ohne Fett, und trotzdem so tief und gar nicht wieder aufhörend. So groß, kraftvoll, reif, würzig und zugleich von athletischer Statur und Rasse. Das ist ein Mercurey Grand Cru. Cotes de Nuits im Süden, groß! 97–98/100

2018 Mercurey Rouge 1er Cru Piece 13

Der Wein stammt aus 13 Parzellen von 1er Cru Lagen. Hier gehen nur die ältesten Reben ein. Alles steht in totaler Dichtpflanzung von 20.000 Stöcken pro Hektar. Nur 250 bis 300 Gramm pro Stock Ertrag. 15 % neues Holz. 2018 hat auch dieser Wein 100 % Ganztrauben in der spontanen Gärung. Zuvor eine drei- bis vierwöchige Kaltmazeration. Nach dem Pressen wird sedimentiert und dann relativ klar in die Barriques überführt. Hier geschieht nochmal eine Nachgärung wie es bei Ganztraubengärung fast die Regel ist. Der Wein zeigt bereits in der Nase eine unglaubliche Definition. Das ist wohl auch das Stichwort, was sich durch unsere gesamte Verkostung bei diesem Winzer zog. Definition, Mineralität, Struktur, aber nie ausufernd, nie in die Breite gehend. Einfach nur unglaublich lang von oben nach unten herunter definiert. Mineralik in grandioser Ausprägung und Länge, und dazu die reife und doch klare, definierte Frucht, rote und schwarze Kirsche, dunkle Waldbeeren. Darunter diese immens reife Rappigkeit, die überhaupt nichts Sprödes oder Grünes hat, sondern nur Struktur und Frische abgibt. Wirklich ein wunderbarer Wein, der aber mindestens sechs bis acht Jahre weggesperrt gehört. Ein Traum aus Mercurey. 98–99/100

Domaine Guffens-Heynen / Verget

Nachhaltig geflasht vom Meister der unfassbaren Präzision aus Mercurey, geht es am selben Tag noch weiter gen Süden. Die hügeligen Felslandschaften des Mâconnais sind unser Ziel. Selbst an der Ausfahrt nach Mâcon donnert mir gefühlt noch immer die elektrisierende Säure von Lorenzons Pièce 15 über die Zunge. Jeder andere hätte es äußerst schwer gehabt nach diesem Termin bei Bruno Lorenzon. Aber es geht nicht zu irgendwem, sondern zum Papst des Mâconnais – Jean-Marie Guffens. Seit Jahrzehnten ist er für die größten Chardonnays des Südens berühmt.

Seine Erfolge, und noch mehr seine teils prekären Aussagen über einigen Kollegen von der Côte d’Or, haben ihm viel Ruhm und noch mehr Gegenwind eingebrockt. Aber raue Winde können einen Charakterkopf wie Guffens weder davon abhalten weiter zu lamentieren, noch davon weiter mit die größten Weine des Mâconnais zu erzeugen. Parkers Wine Advocate William Kelley setzt seine besten Pouilly Fuissé punktemäßig nicht selten mit den Weinen von Lalou Bize-Leroy gleich. Majestätsbeleidigung oder den superioren Terroir-Gedanken in Frage stellende Realität? Dabei wird Guffens höchstselbst im Burgund hinter vorgehaltener Hand als eine Art Majestät gehandelt. Jeder Winzer horcht ehrfürchtig auf als wir von ihm sprechen, doch kaum einer scheint ihn wirklich gut zu kennen. Auch wir bekommen die Persönlichkeit hinter den Legenden nicht zu Gesicht. In Sologny, wo der Hauptsitz seines nicht minder gepriesenen Negociant-Businesses Verget liegt, werden wir von seinem Chef-Kellermeister empfangen. Wir stehen vor einem unscheinbaren, grauen Flachbau in der Peripherie Mâcons. Das Gebäude versprüht den Charme einer kleinstädtischen Gemeindeverwaltung. Hier gibt es weder Pomp noch Chichi. Es ist ein funktionales Gutshaus, das aufs Wesentliche reduziert scheint: große Weine ausbauen. Unter dem Label der Domaine Guffens-Heynen wird der Ertrag von gerade einmal 6 Hektar Weinbergen im Umland von Mâcon vermarktet.

Sein Handelshaus, das nicht minder berühmte Maison Verget, konzentriert sich mittlerweile ebenso aufs Mâconnais und ein klein wenig Chablis. Von der Côte d’Or habe man sich schon länger verabschiedet, lässt man uns wissen. Die Zusammenarbeit mit den stoischen, stolzen Winzern dort sei seit der Preisexplosion nicht mehr in ihrem Sinne machbar, versichert uns Betriebsleiter Julien Desplans. Guffens steht für einen hochkonzentrierten Stil aus stets niedrigen Erträgen, die 30 Hektoliter nie überschreiten. In unzähligen Durchgängen werden einzelne Blocks oder gar einzelne Reihen separat gelesen, mal ergibt das Moste mit 15% vol. und mal welche mit 12% vol. Selbst die Pressfraktionen werden jedes Jahr penibel getrennt, entweder verschnitten oder einzeln ausgebaut und abgefüllt. Schon der alte Robert Parker himself nannte Jean Marie Guffens einen „crazy guy“, was dieser aber gar nicht nachvollziehen konnte. Denn für ihn ist seine Art Wein zu machen die einzig wahre. Es sind Weine im Stil eines Francois Mitjavile von Tertre Roteboeuf. Hochreif, wuchtig und raumgreifend. Stets auf Messers Schneide tanzend und doch mit artistischer Gelassenheit niemals in die Überreife abrutschend. Präzision und Opulenz in scheinbar müheloser Harmonie vereint. Die Weine sind ein Faszinosum. Genau wie ihr Macher verfügen sie über eine intrinsische, polarisierende Kraft, weil sie unikathaft und eigenwillig sind in ihrem Zusammenspiel aus Phenolik, hoher Konzentration und schwer zu begreifender Spannung. Eine Partnerschaft mit Lobenbergs Gute Weine steht in Aussicht. Die Weine werden nur En Primeur verkauft, im Frühjahr 2020 gibt es eine beiderseits finale Entscheidung.


Robert Denogent

Um das Triumvirat des burgundischen Südens zu komplettieren darf natürlich die Domaine Robert-Denogent nicht fehlen. Deren Weine verkosten wir allerdings nicht in der Domaine in Fuissé, sondern zusammen mit unseren Kollegen von Gerstl aus der Schweiz im Speiseraum unseres Hotels in Beaune. Es ist ein Bild für die Götter: unzählige, handbeschriftete Probeflaschen auf den Frühstückstischen des Hotels. Außen herum vier Schweizer, ebenso viele Franzosen und zwei Deutsche – wildes gestikulieren, philosophieren, probieren, diskutieren.

Sprachengewirr par excellence. Ein leerer Joghurtbecher in Gastronomie-Größe aus der Hotelküche muss als Spucknapf herhalten. Einkaufs-Verkostung mal anders. Die Weine allerdings grandios wie immer. Es gibt kaum Besseres im Süden, und das sehr beständig seit langer Zeit. Robert-Denogent bleibt, trotz Verantwortungsverschiebung im Vater-Sohn-Sohn-Gespann in Richtung der Söhne, eine unerschütterliche Größe im Mâconnais. Die biologisch angebauten Weine gehören zu den wenigen von dort, die zurecht die Weinkarten der französischen Haute Cuisine zieren. Die 2018er Kollektion zeigt sich reintönig und klar, mit heller Mineralik und fein geschliffener Steinobst-Power. Überraschend präzise und elegant bei wunderschönem Fruchtausdruck. Enorm charmant und zugänglich, aber trotzdem mit ausreichend Spannung und feinem phenolischem Rückgrat. Der grandiose Einstiegswein der Domaine, Mâcon-Villages Les Sardines, ist ab dem Jahrgang 2018 nun komplett aus eigenen Trauben und eine perfekte Eintrittskarte in die Upper Class von Mâcon. Die Einzellagen Pouilly-Fuissé von unterschiedlichsten Böden sind charakterstarke, tief- gelbfruchtige Charmebolzen mit einem Hang zur Größe. Die 2018er sind am Sweet Spot zwischen Zugänglichkeit und sehr langem Leben – eben typisch Robert-Denogent.

Zu allen Weinen


Domaine d’Eugénie

Nach dem Exkurs zu den großen Terroirkünstlern des Südens, geht es nun im Herzen der Côte d’Or weiter. Wo startet man eine Tasting-Reise entlang der Côte d’Or, die aus einer Abfolge von Highlights besteht? Wieso nicht direkt am Ziel der Herzen – in Vosne Romanée, dem vergemeindeten Nimbus des Burgunds. Hier kann man nur noch mit dem nötigen Kleingeld beim Lagen-Erwerb mitmischen. Und wenn es um die Übernahme einer ganzen Domaine geht, dann verfügt man entweder über die entsprechende Verwandtschaft hier oder ist im oberen Bereich bei Forbes gelistet. Letzteres trifft auf Francois Pinault zu, der 2006 die legendäre Domaine René Engel erwarb, und damit an einen in Wert kaum noch zu beziffernden Besitz an Top-Lagen kam. Seiner Mutter zu Ehren taufte er das Kleinod in Domaine d’Eugénie um.

Frederic Engerer, Boss von Pinaults Chateau Latour in Pauillac, zeichnet auch hier verantwortlich. Uns empfängt der Gutsverwalter und Chef-Kellermeister Michel Maillard in typischer Burgunder-Manier. Das heißt leicht verspätet und mit einer Mischung aus ehrgeiziger Anspannung und bemühter Lockerheit. 2018 war ein besonderes Jahr, vor allem besonders heiß und reif. Das erklärt die Anspannung von Michel, der, während wir die Treppe in den tiefen, kalten Keller hinabsteigen, mehrfach betont, dass es gerade in einem solchen Jahr seine höchste Maxime sei, dass keine Hitze aus dem Glas kocht. Aufgereiht auf einem Barrique steht ein kleines, aber elitäres Ensemble von Probeflaschen vor uns: Vosne Romanée Village, Clos d’Eugenie, Aux Brûlées, Clos de Vougeot, Echézeaux, Grands-Echézeaux. Terroir-mäßig sind wir hier ganz weit oben, viel mehr geht nicht. Doch große Namen wecken große Erwartungen, was die leichte Anspannung von Michel erklärt. Schon nach den ersten zwei, drei Probeschlücken steht aber fest, dass er sein anfangs erklärtes Ziel, die Hitze sofern möglich zu negieren, gut getroffen hat. Die Weine sind betont fest, eher dunkel in der Aromatik und von einer stringenten, aber durchaus stylischen, modernen Art. Selbst innerhalb des Kronjuwelen-gleichen Lagenportfolios von d’Eugenie gibt es noch einzelne Parzellen, die besondere Erwähnung verdienen.

Mit stolzem Lächeln erklärt Michel Maillard, dass ihre Parzelle im Echézeaux in einem Combe d’Orveaux genannten Gewann liegt, welches sich in Nordexposition wölbt, und heute zu den besseren in diesem umstrittenen Grand Cru zählt. Kühles, Frische förderndes Terroir ist ein willkommener Gegenpol zu einem vollreifen Jahr wie 2018. Da stellt sich die Balance dann fast von selbst ein. Mein persönlicher Favorit ist aber der, die klimatischen Ketten des Jahrgangs sprengende 1er Cru Aux Brûlées, die direkt oberhalb des Richebourg liegt. Eine schwebende Kirschfrucht-Orgie sondergleichen. Vosne Romanée reicht in diesem Wein Chambolle Musigny die seidig umgarnte Hand, dabei ist die Tiefe hier einmalig und nur Vosne Romanée. Ein Wein wie ein rotfruchtiger Laser, der seinen Terroirabdruck in die Zunge fräst, wie ein 2010er und dabei die Leichtigkeit des Seins eines 2014ers mit dem Rückgrat eines 2005ers präsentierend. Das Teil kann man getrost für die Hochzeit der Kinder weglegen, oder die der Enkel, vielleicht sogar die der Urenkel.

Zu allen Weinen

2017 Vosne-Romanée Village

Dieser Village stammt seit 2009 aus Parzellen der beiden Lagen „les Communes“ und „les Vigneux“, sie befinden sich im unteren Teil des Ortes. Die 30 bis 50 jährigen Reben stehen hier auf Tonkalk und Alluvialböden. Der 2017er Vosne-Romanée Village enthält zudem einen erheblichen Teil deklassifizierter Beeren aus Premier Cru und Grand Cru Lagen, auch aus dem Clos d’Eugenie, der Hauslage der Domaine. Dieser Pinot ist also nur zu einem Bruchteil ein reiner Village. Die Trauben für den Village werden komplett entrappt, das ist der einzige Wein der Domaine bei dem dies vorgenommen wird. Die Lagenweine werden zu etwa 60 % als Ganztrauben mit Rappen vergoren. Der Village wird nach einer vier bis fünf tägigen Kaltmazeration im großen Holz zu 100 % spontan vergoren, die Reifung erfolgt in gebrauchten Barriques. Der 17er präsentiert sich in der Nase erstaunlich. Ich hatte nach der Verkostung der extrem eleganten, seidigen und fruchtbetonten 17er bei Faiveley auch hier etwas leichtere Weine erwartet. Aber dieser 17er zeigt ein unglaubliches Rückgrat und verfügt in Nase und Mund über die typischen Vosne-Romanée-Eigenschaften. Hier haben wir also auch ein bisschen Jod, dunkle Kirsche, rote und sogar schwarze Johannisbeere und Sanddorn. Der Village ist mundfüllend mit ganz viel Gripp und ein wenig pfeffriger Pimentschärfe. Kalkstein, tolle Salzspur aber vor allen Dingen immer wieder diese erstaunliche Konzentration im Mund mit dieser dichten, reichen, maskulinen Frucht, die sogar eine leichte Bitternis ausstrahlt. Sehr lang anhaltendes Finale. Das ist für einen Vosne-Romanée Village ganz großes Kino in dieser verblüffenden Konzentration, die ich in dieser Form in 17 nach meinen bisherigen Erfahrungen so nicht erwartet habe. Das abgestufte Traubenmaterial aus den Crus bekommt diesem Wein enorm gut. Wenn das halbwegs bezahlbar ist dann spreche ich hier eine super Empfehlung aus. Ich bin ziemlich begeistert von diesem ersten Wein hier auf der Domaine. 93–94+/100

2017 Vosne-Romanée Clos d’Eugenie

Den Wein aus dem Clos d’Eugenie gibt es erst seit 2009. Der Clos von nur einem halben Hektar liegt direkt vor der Domaine. Er grenzt unterhalb an die berühmte Monopol-Lage La Tâche von DRC an, also allerbester Grund und Boden. Die Bewirtschaftung erfolgt hier nach biodynamischen Richtlinien. Für diesen Wein beträgt der Neuholzanteil 30 %, zu 50 % werden Ganztrauben vergoren. Eugenie hatte wie viele andere Erzeuger auch in 2016 wohl das größte Jahr der Geschichte, es gab nur leider so gut wie keine Menge. Doch das Schöne ist, dass 2017 dem in nicht Vielem nachsteht. Wir haben hier eine unglaublich tiefgründige Konzentration. Die Nase ist satt und reich, gekennzeichnet von roter und schwarzer Johannisbeere in sehr konzentrierter Form, dahinter Schwarzkirsche und etwas Brombeere. Für einen Burgunder unglaublich wuchtig. Auch leicht verbrannte Noten und eine feine Rappenwürze zeigen sich. Doch mit guter phenolischer Reife, nichts zu grünes oder vegetabiles, eher als Würze im Hintergrund. Der Mund zeigt erstaunlich viel Spannung. Vom Charakter ähnelt dieser Wein dem Vosne-Romanée Village, doch die 50 % Ganztrauben machen einen richtig großen Unterschied und auch das hohe Alter der Reben sorgt nochmal für eine Spur mehr Konzentration. Vordergründig haben wir hier seidige Tannine, ein enorm geschliffener Wein und hintergründig kommt dann eine schiebende Wucht von den Rappen, den alten Reben und dem Neuholzanteil. Der Fokus auf die angeflämmte Aromatik und die Schwarzfruchtigkeit ist eindeutig. Und wie in 2016 finden wir hier auch im 17er diesen sehr starken Einschlag zur Johannisbeere und Brombeere. Zudem hat der Wein Länge und eine irre Spannung. 94–95+/100

2017 Vosne-Romanée 1er Cru Aux Brulées

Der Premier Cru Aux Brulées zählt zweifelsohne zu den größten Terroirs des Burgund. Bekannt wurde die Lage vor allem durch den legendären Kultwinzer Henri Jayer. Hier wachsen einige der gesuchtesten Weine der Côte d’Or, denn sie erreichen oft Grand Cru Niveau. Die Lage befindet sich leicht oberhalb des famosen Richebourg Grand Cru und profitiert von ihrer warmen Exposition. Der Anteil von d’Eugenie ist eine rund ein Hektar große, zusammenhängende Parzelle, das Rebalter beträgt hier 60 Jahre. Der Aux Brulées von d’Eugenie wird nach einer vier- bis fünftägigen Kaltmazeration mit 60 % Ganztrauben vergoren, das ist das Minimum für Kellermeister Michel Maillard. Der Ausbau erfolgt zu zwei Dritteln in neuen Barriques. Diesen Wein probiere ich direkt im Anschluss an den Vosne-Romanée Clos d’Eugenie. Ich hätte dementsprechend in der Nase noch mehr Wucht und Power erwartet, denn der Clos d’Eugenie hatte davon reichlich – aber hier werden wir ganz im Gegenteil nur feiner. Wir bleiben bei der Jahrgangs- und Eugenie-spezifischen roten und schwarzen Johannisbeere mit etwas Brombeere dahinter. Diese irre schwarzfruchtige Konzentration, diese wahnsinnige Spannung, doch der 1er Cru ist dabei eben auch unglaublich fein. Eine leichte Jodwürze liegt über den Johannisbeeren und den Brombeere, dann kommt langsam etwas schwarze Kirsche mit ein wenig Sauerkirsche dahinter. Auch sehr viel Graphit, fast Feuerstein-artig. Im Mund kommt dann die Explosion mit einer wirklich immensen Konzentration an roter und schwarzer Frucht. Hohe Säure, enorme Spannung, der Mund zieht sich zusammen, die Augen werden schmal. Das ganze zieht sich unendlich lang mit einer Säure- und Salzspur den Gaumen hinunter. Gott hat dieser Wein eine Spannung! Und das in dem von mir zuvor als leicht apostrophierten Jahr 2017. Ja, 17 ist kein Jahrhundertereignis wie 2016, dieses Wahnsinnsjahr im Burgund, welches nur leider durch Fröste so immens klein ausgefallen ist und sogar besser war als 2010 und überhaupt mit das beste Jahr das ich probiert habe. Aber 2017 zeigt sich für mich noch schöner als 2015 und ist durchaus auf dem Niveau von 2011, vielleicht sogar im Vorsprung, weil Spannung und Konzentration etwas höher sind. Während ich hier texte hört der Wein überhaupt nicht mehr auf. Diese rote und schwarze Frucht, diese leicht verbrannte Feuerstein-artige Mineralität, das Salz. Und immer wieder diese Frucht. Frucht ist ein gutes Stichwort, denn 2017 hat enorm viel davon und ist trotzdem nicht leicht. Einige Juroren haben mir im Voraus von einer Ähnlichkeit der 17er mit 2007 berichtet. Das betrifft aber für meinen Geschmack hier nur diese Leichtigkeit des Seins, diese Feinheit, diese Seidigkeit des Tannins – aber die Spannung und die Konzentration sind viel tiefer, fast immens. Der Wein braucht sicher keine 15 Jahre, um sich perfekt zu präsentieren wie die 2016er. Denn das wird bei 2017 durchaus schon in sieben bis acht Jahren der Fall sein. Dennoch großer Stoff. 96–97/100

2017 Echezeaux Grand Cru

Die Parzelle von Eugenie im Echezeaux ist einen halben Hektar groß und sitzt unterhalb des Musigny Grand Cru. Wir haben hier bis zu 80 jährige Reben in Cordon-Erziehung. Der Boden im Echezeaux ist natürlich stark von Kalk geprägt aber auch von fruchtbaren Tonmineralen durchzogen. Auch der Echezeaux bekommt dieselbe Behandlung wie alle Grands Crus bei Eugenie, das heißt vier bis fünf Tage Kaltmazeration, dann zu 60 % unentrappt im offenen Holzgärständer spontanvergoren und zu 100 % im neuen Barrique ausgebaut. Und man glaubt es eigentlich nicht, wir werden noch feiner in der Nase als im Vosne-Romanée 1er Cru, aber schwarzfruchtiger. Man merkt direkt das veränderte Terroir. Der Wein zeigt weniger Jod und deutlich mehr konzentrierte, schwarze Kirsche mit ein bisschen Brombeere und Maulbeere. Sanft, sehr harmonisch und eingebunden. Im Mund kommt dann ein gewaltiger Schub Schwarzkirsche, dahinter Holzkohle, viel Salz und extrem viel Gestein, hartes Gestein, Granit, Feuerstein. Eine unendliche Länge. Der Wein ist ultra-fein im Vergleich zu den Vosne-Romanées zuvor obwohl die Lage am gleichen Ort liegt. Unendlich lang ziehen sich Brombeere, Maulbeere und Schwarzkirsche über den Gaumen, alles mit salziger Mineralität unterlegt. Dabei schwebend und voller Eleganz. Das Tannin ist reichlich vorhanden, aber überhaupt nicht hart, gar nicht spröde. Eine leichte Schärfe ausstrahlend aber total poliert im Tannin, überhaupt nichts bäuerliches. Der Wein braucht sicher seine 10 Jahre bis er sich perfekt zeigt. Das ist ein wunderbarer Echezeaux, der zurecht ein Grand Cru ist, der zurecht eine Etage über den Vosne-Romanée Premier Crus rangiert. Auch hier bin ich verblüfft von der großen Spannung, die dieser Jahrgang 2017 präsentiert und das obwohl er so fruchtstark und seidig ist. Das ist schon sehr fein! 97/100

2017 Grands Echezeaux Grand Cru

Die Parzelle von Eugenie im Grands Echezeaux ist nicht angrenzend an den Echezeaux, der nach Norden zeigend am oberen rechten Rand des Clos de Vougeot liegt. Die Parzelle befindet sich am linken Rand leicht oberhalb des Clos de Vougeot in einer südlicheren Exposition. Auch hier werden nach einer vier- bis fünftägigen Kaltmazeration zu 60 % Ganztrauben in 100 % neuem Holz spontanvergoren. Die Nase des Grands Echezeaux ist wieder mehr typisches Vosne-Romanée, wir finden hier viel Jod. Eine irre Spannung aus roter und schwarzer Johannisbeere aber deutlich feiner als beim 1er Cru Aux Brulées. Dieser Wein hat die bisher intensivste Frucht aller Pinots, die ich hier bei d’Eugenie probiert habe. Ein unglaublicher Ansturm mit roter, reifer Zwetschge, schwarze Kirsche, roter und schwarzer Johannisbeere, auch Maulbeere und Brombeere. Dazu feine Bitterstoffe, Holzkohle, immens lange im Mund, total fein, da ist nichts hartes oder sprödes. Und während der Echezeaux mehr zur schwarzen Kirsche tendierte und noch einen Tick feiner war, hat der Grands Echezeaux einfach deutlich mehr Bumms und braucht auch länger. Das wird ein Wein für lange Lagerung sein. Das Jahr 2017 verblüfft total bei Eugenie. Ich habe vorab 2018 ein wenig probiert und das mag vielleicht noch dramatischer werden. 2017 kommt zwar nicht ganz an 16 heran, aber ist auf jeden Fall nicht weit von den ganz großen Jahren bei d’Eugenie entfernt. Während ich hier texte hallt der Wein immer wieder nach. Die Zunge rollt sich ob dieser beeindruckenden Länge, die immer wieder von schwarzer, konzentrierter Frucht getragen wird. Fast adstringierend in dieser Schärfe und den Tanninmassen, was wie gesagt nicht bäuerlich wirkt sondern unendlich fein ist, aber massiv. 98/100

2017 Clos de Vougeot Grand Cru

Die Parzelle von 1,3 Hektar im Clos de Vougeot von d’Eugenie liegt auf dem oberen Teil des Hügels, links vom Château. Der Boden im oberen Teil der Parzelle ist Tonkalk und der untere Teil ist geprägt von Tonschluff. Ersteres bringt mehr Tannin und Länge und der schluffige Part sorgt für eine rundere Frucht. Auch der Clos-Vougeot bekommt dieselbe Behandlung wie alle Grands Crus bei Eugenie, das heißt vier bis fünf Tage Kaltmazeration, dann zu 60 % unentrappt im offenen Holzgärständer spontanvergoren und zu 100 % im neuen Barrique ausgebaut. Der Clos de Vougeot hat in der Regel im Vergleich zum Echezeaux und Grands Echezeaux die feinere Nase und so ist es auch hier der Fall. Wir sind hier deutlich mehr bei schwarzer Kirsche, seidiger und auch geruchlich schon feiner. Auch der Mund zeigt sich unglaublich fein, mit so viel Charme und einer fast explosiven Frucht. Schwarzkirsche in ungeahnter Heftigkeit und Dimension, ganz viel Feuerstein, Maulbeere, Brombeere dahinter. Dann kommt langsam auch die schwarze Johannisbeere. Der Wein baut sich auf im Mund, zeigt unendliche Länge und bleibt doch feiner, erhabener als die Weine aus den beiden Echezeaux’. Clos de Vougeot fällt je nach Erzeuger doch sehr unterschiedlich aus. Die Lage kann zum größten gehören was das Burgund vorzuweisen hat, kann aber ebenso enttäuschend ausfallen. Bei Eugenie ist der Clos-Vougeot sicherlich ein Highlight. Ich will den Wein nicht unbedingt über den Grands Echezeaux setzen aber im Grunde ist dieser Pinot manchmal der beste Wein der Domaine. 98–100/100

Jean Grivot

Nur ein paar Straßen weiter liegt in prominenter Nachbarschaft die Domaine Jean Grivot. Hoftor an Hoftor mit der Domaine de la Romanée Conti. Und die Besitzer sind ziemlich beste Freunde. Ein gewisser Zauber durchzieht diese staubigen Innenhöfe hinter den uralten Steinmauern. An keinem anderen Ort liegt die Magie des Burgunds so sehr in der Luft. Und durch kaum ein anderes Dorf mit 350 Einwohnern trampeln so viele Reisegruppen mit Kameras um den Hals und fotografieren immer wieder die selben fünf Weinberge. Auch das ist heute hier Realität.

Dass Winzer wie Etienne Grivot hinter hohen Mauern sitzen und Empfangsdamen unterhalten, die die Besuchstermine regeln wie auf einem exklusiveren Bürgeramt, ist also auch ein stückweit verständlicher Selbstschutz. Bei der delikaten Ware, die hier unter den alten Gemäuern ruht, ist es aber ebenso verständlich, dass die ganze Welt danach dürstet. Die Arbeit der Familie Grivot ist ein Musterbeispiel dafür, wie man dem Klimawandel begegnen kann. Etienne Grivot erzählt uns, dass er seit über 20 Jahren kontinuierlich auf die Philosophie der Balance bei später Lese hinarbeitet. Schon im Jahr 2003 war er einer der letzten im Ort, die noch geerntet haben. Frische aus der reifen, nie überreifen Konzentration. Er hat sein Weinbergskonzept sukzessive auf (zu) schnell reifende Jahrgänge eingependelt. Also den Ansatz der vorherigen Jahrzehnte Stück für Stück umgekehrt. Reife kontrolliert verzögern anstatt fördern ist nun die Devise. Über die letzten 20 Jahre hat er permanent an seinen Anbaumethoden gefeilt und die Ergebnisse studiert. Nicht ohne Stolz stellt er fest, dass er in einem Jahr wie 2018 nun die Früchte dieser mühseligen Arbeit ernten kann.

Grivots Lesebeginn war am 11. September 2018. Damit war er bereits eine Woche später dran als die meisten anderen in der Gemeinde. Dann kam eine Regenmeldung, viele andere verfielen in Panik die Lese schnell zu beenden, um nicht im leichten Regen ernten zu müssen. Bei Grivot führte die Meldung zu einem Lächeln, man setzte die Ernte einfach aus und nahm den Regen freudig mit. Was für ein Segen! Selbst danach waren die Alkoholgrade noch nicht zu hoch, sodass danach entspannt weiter gelesen werden konnte. Eine perfekte Reife, brillante Säuren und makellos feine Tanninstrukturen sind das Ergebnis dieser Arbeit im Jahrgang 2018. Dazu dann der immer zu 100 % entrappte Stil des Hauses (ganz im Gegensatz zu seinem besten Freund gegenüber) – das ist Vosne Romanée in Hochform. Wenn man diesen Stil schätzt, kann man sich Schöneres nicht vorstellen. Vom Bourgogne Rouge, der mit Trapets und Patailles ohnehin zu den besten der Region zählt, bis zum atemberaubenden Richebourg. Allesamt sind sie von einer Brillanz und Reintönigkeit gezeichnet, die schwer zu beschreiben ist. Der reinste Hedonismus. Heiner Lobenbergs begeisterte Verkostungsnotizen singen passende Loblieder davon.

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2018 Bourgogne Rouge

2018 gab es sehr ergiebigen Regen über den Winter, etwas Frost im Januar und eine recht normale Blüte. Darauf folgte ein sehr warmer, trockener Sommerverlauf mit sehr wenig Regen. Anfang September Mondwechsel, dann gab es ein paar Tage 20mm Regen, ein perfekter Regenguss zur richtigen Zeit, um alles wieder in Gang zu bringen. Die meisten Winzer haben in diesem Jahr Ende August, Anfang September sehr früh mit der Lese begonnen. Grivot aber hat bewusst noch etwas gewartet, um noch ein bisschen Regen mitzunehmen und wirklich volle phenolische Reife zu erlangen. Sie hatten in den letzten Wochen die Nord- und Ostseiten komplett entblättert, um Botrytis zu vermeiden, also hatten sie trotz des leichten Herbstregens eine perfekte Reife, ohne jede Fäulnis. Er startete als viele andere schon in den letzten Zügen waren. Die Ernte startete am 11. September und war am 20. September zu Ende. Grivot erntet mangels starker Höhenunterschiede bei relativ gleichzeitiger Reife und gleicher Weinbergsarbeit alles innerhalb von 8 Tagen. Der pH-Wert ist etwa 3.5, der Alkoholgrad schwankt um die 13% vol. In diesem Jahrgang. Die Weinbergsarbeit bei Grivot ist so intensiv darauf ausgerichtet die Frische zu halten, dass dies auch in einem warmen Jahrgang recht gut gelingt mittlerweile. Grivot sagt, dass sie seit den immer wärmer werdenden Jahren zu Beginn der 2000er bereits angefangen haben darauf hinzuarbeiten und sie jetzt den Lohn dafür ernten können. Reiche, dichte, würzige, schwarzfruchtige Nase, Holunder, etwas Teer, Lakritze, Eukalyptus, ziemlich würzig und ziemlich dunkel in der schwarzen Kirsche. Der Wein ist im ersten Ansatz zunächst sehr klassische Vosne Romanée, sehr geschmackvoll, sehr klassisch, sehr reich, dicht, mit wunderschöner Frische. Im Mund eine ziemlich satte, rote Frucht. In einer Blindverkostung würde dieser Wein sicher meist für einen Vosne Romanée Village gehalten. Einer der besten Bourgogne Rouge überhaupt, vielleicht sogar noch vor den genialen Jean Louis Trapet und Sylvain Pataille. Das ist ein üppiger, leckerer, reicher Vosne Romanée. Sanddorn unter roter Kirsche, Schwarzkirsche, Kalk, Kreide, Lakritze, ein kleiner Hauch Cassis. Alles schön verwoben und mit einer guten Länge. 93+/100

2018 Vosne Romanée Village

Bereits im Vosne-Romanée-Villages erkennt man den typischen Grivot-Stil. Alles immer entrappt und dazu noch optisch-digital nachsortiert. 100 % gesunde, reife Beeren. 2018 gab es sehr ergiebigen Regen über den Winter, etwas Frost im Januar und eine recht normale Blüte. Darauf folgte ein sehr warmer, trockener Sommerverlauf mit sehr wenig Regen. Anfang September Mondwechsel, dann gab es ein paar Tage 20 Millimeter Regen, ein perfekter Regenguss zur richtigen Zeit, um alles wieder in Gang zu bringen. Die meisten Winzer haben in diesem Jahr Ende August, Anfang September sehr früh mit der Lese begonnen. Grivot aber hat bewusst noch etwas gewartet, um noch ein bisschen Regen mitzunehmen und wirklich volle phenolische Reife zu erlangen. Sie hatten in den letzten Wochen die Nord- und Ostseiten komplett entblättert, um Botrytis zu vermeiden, also hatten sie trotz des leichten Herbstregens eine perfekte Reife, ohne jede Fäulnis. Er startete als viele andere schon in den letzten Zügen waren. Die Ernte startete am 11. September und war am 20. September zu Ende. Grivot erntet mangels starker Höhenunterschiede bei relativ gleichzeitiger Reife und gleicher Weinbergsarbeit alles innerhalb von achte Tagen. Der pH-Wert ist etwa 3,5, der Alkoholgrad schwankt um die 13 % vol. In diesem Jahrgang. Die Weinbergsarbeit bei Grivot ist so intensiv darauf ausgerichtet die Frische zu halten, dass dies auch in einem warmen Jahrgang recht gut gelingt mittlerweile. Grivot sagt, dass sie seit den immer wärmer werdenden Jahren zu Beginn der 2000er bereits angefangen haben darauf hinzuarbeiten und sie jetzt den Lohn dafür ernten können. Ein Teil des Vosne Romanée Village kommt auch aus den etwas jüngeren Reben. Wir haben also nur den Turbolader des Bourgogne Rouge. Würziger, Kirsche und Schwarzkirsche, Graphit, viel Druck, die Lakritze ist dunkler, Rauch, etwas mehr Eukalyptus, auch etwas Minze kommt dazu. Der Wein bekommt mehr Spiel und gleichzeitig mehr Tiefe, Reife und Würze, er wird auch opulenter. Deutlich höhere Mineralität, dadurch nochmal eine Zuwachs an Frische, aber ausschließlich aus der Mineralanmutung. Kreide, Kalkstein und Salz, sehr lang gezogen. Obwohl die Weine hier komplett entrappt werden, erinnert er in seiner Würze etwas an Ganztraubenvergärung, de Facto ist das aber nicht so. Was mir an Grivot 2018 besonders gut gefällt ist, dass die Weine absolut auf der roten Frucht und der Frische bleiben. Hohe Mineralität, Länge, das Ganze mit toller Säure unterlegt, wieder diese Eukalyptus-Minze-Lakritze-Kombination unter satter, roter Frucht. Etwas Schattenmorelle, auch reife, würzige Waldhimbeere, tolle Länge zeigend, immer wieder zum Salz und zum Kalkstein zurückkehrend. Sehr geschmackvoller, intensiver, süßer, leckerer Wein mit tollem Nachhall. Ein archetypischer Vosne Romanée, genauso soll es sein. Noch feiner, noch stimmiger in sich als d’Eugenie, das dafür allerdings noch etwas würziger ausfällt. Vosne Romanée hat bei aller Mineralität und Intensität durchaus auch das Zeug dazu everybody’s Darling zu sein. 94–95/100 

2018 Echezeaux Grand Cru

2018 gab es sehr ergiebigen Regen über den Winter, etwas Frost im Januar und eine recht normale Blüte. Darauf folgte ein sehr warmer, trockener Sommerverlauf mit sehr wenig Regen. Anfang September Mondwechsel, dann gab es ein paar Tage 20mm Regen, ein perfekter Regenguss zur richtigen Zeit, um alles wieder in Gang zu bringen. Die meisten Winzer haben in diesem Jahr Ende August, Anfang September sehr früh mit der Lese begonnen. Grivot aber hat bewusst noch etwas gewartet, um noch ein bisschen Regen mitzunehmen und wirklich volle phenolische Reife zu erlangen. Sie hatten in den letzten Wochen die Nord- und Ostseiten komplett entblättert, um Botrytis zu vermeiden, also hatten sie trotz des leichten Herbstregens eine perfekte Reife, ohne jede Fäulnis. Er startete als viele andere schon in den letzten Zügen waren. Die Ernte startete am 11. September und war am 20. September zu Ende. Grivot erntet mangels starker Höhenunterschiede bei relativ gleichzeitiger Reife und gleicher Weinbergsarbeit alles innerhalb von 8 Tagen. Der pH-Wert ist etwa 3.5, der Alkoholgrad schwankt um die 13% vol. In diesem Jahrgang. Die Weinbergsarbeit bei Grivot ist so intensiv darauf ausgerichtet die Frische zu halten, dass dies auch in einem warmen Jahrgang recht gut gelingt mittlerweile. Grivot sagt, dass sie seit den immer wärmer werdenden Jahren zu Beginn der 2000er bereits angefangen haben darauf hinzuarbeiten und sie jetzt den Lohn dafür ernten können. In 2018 ist das eine ganz typische Echezeaux-Nase, schwarz, reich, dicht, Teer, lakritzig, dunkle Schokolade, Schokotörtchen, daraus auftauchend Schattenmorelle. Wow, das ist eine Wucht, eine richtige Wolke. Echezeaux ist immer etwas monolithisch, im besten Fall einfach eine Wuchtbrumme erster Güte. Nie so fein wie Grands-Echezeaux. Er ist in seiner Eindimensionalität aber durchaus beeindruckend. Im Mund Holzkohle und Graphit, die Tannine sind seidig und dennoch sehr präsent. Der Wein hat richtig Zug und Druck an den Seiten. Kraft, wohin die Zunge reicht, alles schiebt geradeaus, dabei trotzdem mit einer durchaus geschmackvollen Opulenz. Nichts zu Maskulines, nichts zu Hartes, einfach nur voll, reich und dicht mit leichter Bitternote im Nachhall. 97/100

2018 Nuits Saint Georges 1er Cru Aux Boudots

2018 gab es sehr ergiebigen Regen über den Winter, etwas Frost im Januar und eine recht normale Blüte. Darauf folgte ein sehr warmer, trockener Sommerverlauf mit sehr wenig Regen. Anfang September Mondwechsel, dann gab es ein paar Tage 20mm Regen, ein perfekter Regenguss zur richtigen Zeit, um alles wieder in Gang zu bringen. Die meisten Winzer haben in diesem Jahr Ende August, Anfang September sehr früh mit der Lese begonnen. Grivot aber hat bewusst noch etwas gewartet, um noch ein bisschen Regen mitzunehmen und wirklich volle phenolische Reife zu erlangen. Sie hatten in den letzten Wochen die Nord- und Ostseiten komplett entblättert, um Botrytis zu vermeiden, also hatten sie trotz des leichten Herbstregens eine perfekte Reife, ohne jede Fäulnis. Er startete als viele andere schon in den letzten Zügen waren. Die Ernte startete am 11. September und war am 20. September zu Ende. Grivot erntet mangels starker Höhenunterschiede bei relativ gleichzeitiger Reife und gleicher Weinbergsarbeit alles innerhalb von 8 Tagen. Der pH-Wert ist etwa 3.5, der Alkoholgrad schwankt um die 13% vol. In diesem Jahrgang. Die Weinbergsarbeit bei Grivot ist so intensiv darauf ausgerichtet die Frische zu halten, dass dies auch in einem warmen Jahrgang recht gut gelingt mittlerweile. Grivot sagt, dass sie seit den immer wärmer werdenden Jahren zu Beginn der 2000er bereits angefangen haben darauf hinzuarbeiten und sie jetzt den Lohn dafür ernten können. Direkt nach dem reichen, opulent-erotischen Pruliers genossen, ist Boudots etwas stylischer, etwas klassischer. Die Nase ist etwas schwarzfruchtiger, rauchiger, Eukalyptus, Minze, helle Lakritze, der Mund komplett schwarzfruchtig, schwarze Kirsche, etwas Cassis. Aber es gibt überhaupt nichts Hartes. Etienne Grivot erklärt es am Ende so: Der Winemaker entscheidet wo er hin will, und er selber liebt keine harten, spröden Pinot Noir. Er mag die opulenten, erotischen, zugänglichen Weine. Und so ist selbst dieser Boudots, der maskulinere der beiden Nuits Saint Georges 1ers Crus, ein Wein mit einem Lecker-Gen. Trotz der etwas höheren Mineralität und der höheren Krautwürzigkeit zeigt er auch eine feine Cassis-Süße und eine dem Jahrgang entsprechende Opulenz. Trotzdem bleibt er fein. Es wird nicht einfach nur rotfruchtig und dick, sondern es bleibt extrem fein und verspielt. Dennoch finde ich den Pruliers den delikateren Wein dieses Jahr. Auch, wenn der Boudots vielleicht der größere Wein ist. 97-98/100

2018 Vosne Romanée 1er Cru Aux Brulees

2018 gab es sehr ergiebigen Regen über den Winter, etwas Frost im Januar und eine recht normale Blüte. Darauf folgte ein sehr warmer, trockener Sommerverlauf mit sehr wenig Regen. Anfang September Mondwechsel, dann gab es ein paar Tage 20mm Regen, ein perfekter Regenguss zur richtigen Zeit, um alles wieder in Gang zu bringen. Die meisten Winzer haben in diesem Jahr Ende August, Anfang September sehr früh mit der Lese begonnen. Grivot aber hat bewusst noch etwas gewartet, um noch ein bisschen Regen mitzunehmen und wirklich volle phenolische Reife zu erlangen. Sie hatten in den letzten Wochen die Nord- und Ostseiten komplett entblättert, um Botrytis zu vermeiden, also hatten sie trotz des leichten Herbstregens eine perfekte Reife, ohne jede Fäulnis. Er startete als viele andere schon in den letzten Zügen waren. Die Ernte startete am 11. September und war am 20. September zu Ende. Grivot erntet mangels starker Höhenunterschiede bei relativ gleichzeitiger Reife und gleicher Weinbergsarbeit alles innerhalb von 8 Tagen. Der pH-Wert ist etwa 3.5, der Alkoholgrad schwankt um die 13% vol. In diesem Jahrgang. Die Weinbergsarbeit bei Grivot ist so intensiv darauf ausgerichtet die Frische zu halten, dass dies auch in einem warmen Jahrgang recht gut gelingt mittlerweile. Grivot sagt, dass sie seit den immer wärmer werdenden Jahren zu Beginn der 2000er bereits angefangen haben darauf hinzuarbeiten und sie jetzt den Lohn dafür ernten können. Viel schwarze Kirsche in der Nase, der übliche Holunder, Lakritze, Eukalyptus, auch hier wieder minzige Frische, fein-herbe Gewürznoten darunter, etwas Rauch und Holzkohle, Graphit. Dunkel, würzig und dicht. Sehr fester Mund, 2018 hätte ich in diesem Fall nicht so fest erwartet. Das hat richtig viel Gripp und Struktur, die Augen ziehen sich zusammen, fast dramatische Mineralik. Unglaublich lang, viel Würze, so langsam kommen Holunder, Lakritze und Minze wieder hoch, aber auch ganz viel Graphit. Und auch viel Kraft, aber nichts raues, die Tannine sind ultrafein und geschliffen, aber reichlich vorhanden. Der Wein hat Druck, Länge und ein klein wenig maskulin-schwarzen Touch an den Seiten. Der Wein schiebt unglaublich, das ist eine kleinere, feinere, etwas weniger kraftvolle Ausgabe des Richebourg. Für einen 1er Cru ein ziemlicher Kraftbolzen, beeindruckend. 97-98+/100

2018 Nuits Saint Georges 1er Cru Les Pruliers

2018 gab es sehr ergiebigen Regen über den Winter, etwas Frost im Januar und eine recht normale Blüte. Darauf folgte ein sehr warmer, trockener Sommerverlauf mit sehr wenig Regen. Anfang September Mondwechsel, dann gab es ein paar Tage 20mm Regen, ein perfekter Regenguss zur richtigen Zeit, um alles wieder in Gang zu bringen. Die meisten Winzer haben in diesem Jahr Ende August, Anfang September sehr früh mit der Lese begonnen. Grivot aber hat bewusst noch etwas gewartet, um noch ein bisschen Regen mitzunehmen und wirklich volle phenolische Reife zu erlangen. Sie hatten in den letzten Wochen die Nord- und Ostseiten komplett entblättert, um Botrytis zu vermeiden, also hatten sie trotz des leichten Herbstregens eine perfekte Reife, ohne jede Fäulnis. Er startete als viele andere schon in den letzten Zügen waren. Die Ernte startete am 11. September und war am 20. September zu Ende. Grivot erntet mangels starker Höhenunterschiede bei relativ gleichzeitiger Reife und gleicher Weinbergsarbeit alles innerhalb von 8 Tagen. Der pH-Wert ist etwa 3.5, der Alkoholgrad schwankt um die 13% vol. In diesem Jahrgang. Die Weinbergsarbeit bei Grivot ist so intensiv darauf ausgerichtet die Frische zu halten, dass dies auch in einem warmen Jahrgang recht gut gelingt mittlerweile. Grivot sagt, dass sie seit den immer wärmer werdenden Jahren zu Beginn der 2000er bereits angefangen haben darauf hinzuarbeiten und sie jetzt den Lohn dafür ernten können. Nuits Saint Georges und 2018 ist eine echte Erfolgsgeschichte. Während NSG in manchen Jahren etwas rau und rustikal daherkommen kann, so ist es in reifen Jahren wirklich archetypisches Burgund. Holunder, Lakritze, Eukalyptus, aber nicht so gourmand, nicht so rotfruchtig-süß wie ein Vosne Romanée aus dem Glas steigend. Eher definiert und lang auf schwarzer Kirsche, feine Krautwürze. Und dann kommt der Mund, und der ist eine kleine Orgie in Wohlgeschmack. Extrem rotfruchtig, so wollüstig in dieser roten, dichten, süßen Kirsche, auch Amarenakirsche, Schwarzkirsche, konzentrierte Waldhimbeere, sehr druckvoll. Rote, süße Johannisbeere, Cranberry, ganz viel wuchtig-voluminöse, opulente, fast erotische, süße Frucht. Ein unglaubliches Leckerli mit einer tollen Balance und einer leichten Kreide- und Salzspur darunter. Ein so leckerer Wein aus Nuits Saint Georges, das erlebt man selten, ich bin hin und weg. 98+/100

2018 Clos de Vougeot Grand Cru

2018 gab es sehr ergiebigen Regen über den Winter, etwas Frost im Januar und eine recht normale Blüte. Darauf folgte ein sehr warmer, trockener Sommerverlauf mit sehr wenig Regen. Anfang September Mondwechsel, dann gab es ein paar Tage 20mm Regen, ein perfekter Regenguss zur richtigen Zeit, um alles wieder in Gang zu bringen. Die meisten Winzer haben in diesem Jahr Ende August, Anfang September sehr früh mit der Lese begonnen. Grivot aber hat bewusst noch etwas gewartet, um noch ein bisschen Regen mitzunehmen und wirklich volle phenolische Reife zu erlangen. Sie hatten in den letzten Wochen die Nord- und Ostseiten komplett entblättert, um Botrytis zu vermeiden, also hatten sie trotz des leichten Herbstregens eine perfekte Reife, ohne jede Fäulnis. Er startete als viele andere schon in den letzten Zügen waren. Die Ernte startete am 11. September und war am 20. September zu Ende. Grivot erntet mangels starker Höhenunterschiede bei relativ gleichzeitiger Reife und gleicher Weinbergsarbeit alles innerhalb von 8 Tagen. Der pH-Wert ist etwa 3.5, der Alkoholgrad schwankt um die 13% vol. In diesem Jahrgang. Die Weinbergsarbeit bei Grivot ist so intensiv darauf ausgerichtet die Frische zu halten, dass dies auch in einem warmen Jahrgang recht gut gelingt mittlerweile. Grivot sagt, dass sie seit den immer wärmer werdenden Jahren zu Beginn der 2000er bereits angefangen haben darauf hinzuarbeiten und sie jetzt den Lohn dafür ernten können. Clos de Vougeot ist die an Vosne Romanée angrenzende, riesige Grand Cru Lage. Ein Teil dessen gilt als mit das Feinste, was das Burgund zu bieten hat, aber es gibt auch viele Enttäuschungen in dieser großen Lagen. Bei Grivot ist der Clos de Vougeot zumindest immer unglaublich wuchtig, voluminös, so reich in der Nase. Mit so viel süßer, schwarzer Kirsche, Amarena, viel Minze, ganz helle Lakritze, nichts Grobes, sondern einfach nur eine süße, dichte, dunkle Wolke voller Geschmack und Pikanz. Im Mund etwas monolithischer als der zuvor probierte 1er Cru Les Suchots, von daher finde ich ihn ein kleines bisschen einfacher in seinem Schub. Aber der Schub ist schon gewaltig. Auch hier wieder ganz viel auf der Kirsche laufend, dazu Eukalyptus und Holunder. Dennoch jedes Jahr sicher einer der besten Clos de Vougeot. 97-100/100

2018 Vosne Romanée 1er Cru Les Suchots

2018 gab es sehr ergiebigen Regen über den Winter, etwas Frost im Januar und eine recht normale Blüte. Darauf folgte ein sehr warmer, trockener Sommerverlauf mit sehr wenig Regen. Anfang September Mondwechsel, dann gab es ein paar Tage 20mm Regen, ein perfekter Regenguss zur richtigen Zeit, um alles wieder in Gang zu bringen. Die meisten Winzer haben in diesem Jahr Ende August, Anfang September sehr früh mit der Lese begonnen. Grivot aber hat bewusst noch etwas gewartet, um noch ein bisschen Regen mitzunehmen und wirklich volle phenolische Reife zu erlangen. Sie hatten in den letzten Wochen die Nord- und Ostseiten komplett entblättert, um Botrytis zu vermeiden, also hatten sie trotz des leichten Herbstregens eine perfekte Reife, ohne jede Fäulnis. Er startete als viele andere schon in den letzten Zügen waren. Die Ernte startete am 11. September und war am 20. September zu Ende. Grivot erntet mangels starker Höhenunterschiede bei relativ gleichzeitiger Reife und gleicher Weinbergsarbeit alles innerhalb von 8 Tagen. Der pH-Wert ist etwa 3.5, der Alkoholgrad schwankt um die 13% vol. In diesem Jahrgang. Die Weinbergsarbeit bei Grivot ist so intensiv darauf ausgerichtet die Frische zu halten, dass dies auch in einem warmen Jahrgang recht gut gelingt mittlerweile. Grivot sagt, dass sie seit den immer wärmer werdenden Jahren zu Beginn der 2000er bereits angefangen haben darauf hinzuarbeiten und sie jetzt den Lohn dafür ernten können. Les Suchots ist ein legendärer 1er Cru, in guten Jahren sicher den besten Grand Crus gleichgestellt, daher auch preislich immer ähnlich angesiedelt. Man ist sich der perfekten Exposition und den Nachbarn Richebourg und Romanée-St-Vivant bestens bewusst. Dieser Suchots ist einerseits einer der kraftvollsten Weine hier, andererseits auch einer der feinsten. Anders als beim Aux Brulées sind wir hier viel deutlicher in der roten Frucht, mit einem ebenso sehr strukturierten, festen Geradeauslauf. Gott, ist der Wein intensiv im Mund, und trotzdem ist er nicht rund und fett, sondern extrem strukturiert geradeauslaufend. Extrem elegant, alles auf roter Frucht und feiner, heller Lakritze, Minze, Blumigkeit, Veilchen, auch im Mund. Das ist ein schicker Wein, der strukturell ein bisschen an Romanée St Vivant erinnert. Sicher der feinste Wein unter den 1ers Crus bei Grivot und das macht ihn wohl zu diesem Anwärter auf Grand Cru Status. Weil er so verspielt bleibt, so seidig im Tannin, trotz aller Intensität ist er spielerisch leicht. Und dennoch ist hier Reichlich von allem vorhanden. 98-100/100

2018 Richebourg Grand Cru

2018 gab es sehr ergiebigen Regen über den Winter, etwas Frost im Januar und eine recht normale Blüte. Darauf folgte ein sehr warmer, trockener Sommerverlauf mit sehr wenig Regen. Anfang September Mondwechsel, dann gab es ein paar Tage 20mm Regen, ein perfekter Regenguss zur richtigen Zeit, um alles wieder in Gang zu bringen. Die meisten Winzer haben in diesem Jahr Ende August, Anfang September sehr früh mit der Lese begonnen. Grivot aber hat bewusst noch etwas gewartet, um noch ein bisschen Regen mitzunehmen und wirklich volle phenolische Reife zu erlangen. Sie hatten in den letzten Wochen die Nord- und Ostseiten komplett entblättert, um Botrytis zu vermeiden, also hatten sie trotz des leichten Herbstregens eine perfekte Reife, ohne jede Fäulnis. Er startete als viele andere schon in den letzten Zügen waren. Die Ernte startete am 11. September und war am 20. September zu Ende. Grivot erntet mangels starker Höhenunterschiede bei relativ gleichzeitiger Reife und gleicher Weinbergsarbeit alles innerhalb von 8 Tagen. Der pH-Wert ist etwa 3.5, der Alkoholgrad schwankt um die 13% vol. In diesem Jahrgang. Die Weinbergsarbeit bei Grivot ist so intensiv darauf ausgerichtet die Frische zu halten, dass dies auch in einem warmen Jahrgang recht gut gelingt mittlerweile. Grivot sagt, dass sie seit den immer wärmer werdenden Jahren zu Beginn der 2000er bereits angefangen haben darauf hinzuarbeiten und sie jetzt den Lohn dafür ernten können. Manche halten La Tâche für den größten Burgunder, manche Chambertin Clos de Beze, manche Conti und manche glauben, dass in den meisten Fällen Richebourg der größte Grand Cru ist. Zu Letzteren zähle ich mich auch. Allerdings bin ich manchmal hin und hergerissen, Le Musigny ist auf dem gleichen Level, nur zwei gegenläufige Bereiche. Chambolle mit dieser unendlichen Feinheit und Vosne Romanée mit dieser unglaublichen Würze und dieser tiefen Substanz. Sanddorn und reiche, rote Kirsche, Johannisbrotbaum, Eukalyptus, Minze, wieder diese Lakritze, aber nicht bitter. Die Schokolade changiert zwischen Milchschokolade und Zartbitter, Kaffee, Karamell, alles ist dicht, üppig und würzig. Aber nichts ist hart, alles ist so weich und so reif, aber niemals überreif. Das ist so sensationell verwoben. Ein immens dichter Mund, der die Nase aufgreift, aber der eine rasiermesserscharfe Mineralität hat. Viel Salzigkeit, immer geradeaus, wow, das geht ab und hört nicht wieder auf. Und das Ganze ist eingebettet in diese üppige Fülle, in dieses Schwelgen in schwarzer, weicher Kirschfrucht, neben etwas Cassis. Das ist nicht der ultimative Grand Cru aller Zeiten, aber es ist 2018 einfach einer der Top-Weine. 2018 in dieser reichen Fülle, dieser Reife in schwarzer Frucht. Und so ist 2018 durchaus ein Unikat. Er wird ewig halten und dereinst eine der Wuchtbrummen sein, wenn man ihn irgendwann mal wieder findet auf einer Restaurantkarte oder im Keller. Das wird in 20 Jahren ein zum Stein erweichend anhimmelbarer Grand Cru werden in seiner Opulenz, in seiner kleinen Unendlichkeit. Nicht besser als die ganz großen Jahre, die es schon gab. Nur einzigartig in seiner Art. 100/100

Faiveley

Es geht entlang bröckelnder Weinbergsmauern, über eine raue Buckelpiste namens Route des Grands Crus, in Richtung des namensgebenden „Hauptstädtchens“ der Côte de Nuits. Eine traumhafte Aussicht über die herbstlich gefärbten Hänge der Côte d’Or erstrahlt hinter jeder Ecke in neuem Glanz. Das lässt leicht darüber hinwegsehen, dass einem jedes zweite Schlagloch auf diesem prestigeträchtigsten aller Feldwege fast den Kaffeebecher aus der Hand katapultiert. Die illustre Gemeinde Nuits Saint Georges ist der Hauptsitz einer der renommiertesten und mächtigsten Dynastien der Bourgogne – Familie Faiveley.

Niemand hat mehr privaten Lagenbesitz im Burgund. Stolze 170 Hektar allerfeinster Climats von Gevrey Chambertin bis Mercurey umfasst die Domaine. Vertriebsleiter Carl Cercellier erklärt, dass die Familie das Negociant-Business, welches einige noch mit dem Namen Faiveley verbinden, sukzessive zurückgefahren hat. De facto macht es nur noch unter 20 Prozent der gesamten Produktion aus. Der Rest stammt schon heute vom Eigenbesitz, ist also Domaine-Wein. Von den großen Handelshäusern des Burgunds bilden Faiveley und Louis Jadot mit Abstand die absolute qualitative Spitze, aber nur Faiveley besitzt so viele Weinberge. Der größte Weinbergsbesitz des gesamten Burgunds, und Faiveley ist auf dem besten Wege national wie international als Spitzen-Domaine, und nicht mehr als Negociant wahrgenommen zu werden.

Bei einem Besuch im imposanten Headquarter jagt eine grandiose Impression die nächste. Alleine das direkt an die Weinberge angrenzende Gutshaus ist schon eine Klasse für sich. Es wartet mit einem großzügigen, symmetrischen Innenhof mit Säulenrundgang auf, inklusive spektakulärem Blick auf die teilweise terrassierten Weinberge hinter der Stadt. Die neu errichtete Fermentationshalle ist nicht nur für Weinliebhaber eine Augenweide. Das ist Architektur vom Feinsten. Die Stahlkonstruktion im Stile Gustave Eiffels, einem engen Freund der Familie, erinnert bewusst an eine Bahnhofshalle. Ein Bahnschienen-Monopol begründete einst den Reichtum und die Macht der Familie Faiveley. Aber spätestens wenn man den gefühlt kilometer-langen Fasskeller betritt, der die Unterwelt von Nuits Saint Georges durchzieht wie ein Fuchsbau, ist man im Burgunder- Himmel angekommen. Die Himmelsleiter ist eigentlich eine Kellertreppe – Weinliebhaber wussten das schon immer. Schätzungsweise über 3.000 Fässer zu 228 Litern Inhalt aus der gesamten Bourgogne liegen hier – Vertriebsleiter Carl Cercellier ist sich selbst nicht ganz sicher. Eine unvergleichliche Enzyklopädie der Terroirs. Genussreicher könnte man sich kaum verlaufen als in diesem Labyrinth aus Pièces. Wenn wir einen eigenen Weinheber dabei gehabt hätten, wären wir vielleicht heute noch dort.

Mit der Verkostungsgeschwindigkeit eines routinierten Wein- Trüffelschweins steuert Heiner Lobenberg mit Carl Cercellier durch den riesigen Fasskeller, dass dieser mit dem Gläser füllen kaum hinterherkommt. Zwischendurch innehalten, zweifach und dreifach probieren, kommentieren, abwägen – bei so einer Auswahl kommen wirklich nur die allerfeinsten Tropfen des Jahrgangs ins Programm. Die 2018 sehr fruchtstarken Weißweine zeigen nicht die enorme Spannung der 2017er, sondern glänzen durch opulenten Charme. Reminiszenz an 2015 oder 2011. Die Chardonnays werden wohl eine noch längere Entwicklungszeit brauchen, als die sehr zugänglichen, ultra-charmanten Pinot Noirs. Es scheint, als habe 2018 im besten Fall Pinots hervorgebracht, die sowohl umgarnend offenherzig sind, als auch ein langes, langes Leben vor sich haben werden. Üppigen, samtig-dichten Tanninen und hoher Traubengesundheit sei Dank.

2018 glänzen die üblichen Verdächtigen vielleicht noch mehr als sonst, wobei weiße Burgunder nur selektiv Eingang ins Primeur-Portfolio finden werden. Der kühlere Corton- Charlemagne sticht sogar den Batard-Montrachet aus, der etwas unter seinem Kampfgewicht leidet dieses Jahr. Daneben glänzen rot dann vor allem Gevrey Lauvaux-St-Jacques, Nuits Les Saint Georges, Chambolle Les Amoureuses, Chambertin Clos de Bèze. Keine Überraschung, aber in diesem Jahr sind sie einfach ein mundfüllender Hochgenuss und schon aus dem Fass zum Reinspringen lecker. Auch Heiner muss gestehen: selten aus dem Fass schöner probiert als dieses Jahr. Und es sind eben die ganz besonderen Lagen, die auch ein bisschen Kante zeigen. In einem Jahr, das bei manchen Weinen und Erzeugern einen Hang zur charmanten Belanglosigkeit hat, zeigt sich das umso mehr. Ein atemberaubender Corton Clos de Corton-Faiveley erhebt Anspruch darauf, einer der größten Cortons des Jahrgangs und in Faiveleys Geschichte zu werden. Aber auch mit dem Beaune 1er Cru Clos de l’Ecu bekommt man 2018 sehr, sehr viel Burgund in Hochform zu einem absolut fairen Tarif. Der einzige Trost beim Verlassen der endlosen Hallen des Bacchus ist, dass es auf zur Domaine de l’Arlot geht. Da kann man sich kaum beschweren.

Zu allen Weinen

2018 Corton Charlemagne

Faiveleys Parzelle von stolzen 0,86 ist ein vollständiges und zusammenhängendes Stück in Eigenbesitz. Die ältesten Reben hier wurden 1933 gepflanzt, die jüngsten 2010. Ostexposition auf grauem Kalkmergel. Mit einer pneumatischen Kelter gepresst, dann direkt in die Barriques zur Vergärung und Malo. Circa 50 % Neuholzanteil. Corton Charlemagne ist meine Lieblingslage für weißen Burgunder. Die Nase ist unglaublich spannend, wie immer zeigt sich die an Weißburgunder erinnernde florale, weiße Frucht. Weißer Pfirsch, weiße, cremige Birne, darüber helle Blüten, ganz fein, schmelzend, verspielt. Sogar ein bisschen parfümiert, ein Hauch von Jasmin, tänzelnd und aromatisch, extrem viel Charme. Im Mund für den Jahrgang 2018 erstaunlicherweise viel Zug, hohe Spannung, hohe Mineralität. Auch hier dominiert wieder der weiße Weinbergspfirsich. Aber auch andere weiße Früchte, sogar etwas Limette darunter, helle Gesteinsanmutung, weiße Schokolade, Kreide, Kalkstein, feines Salz. Das Ganze bleibt immer tänzelnd, wird nie spröde in der Gerbstoffstruktur. Und auch mit guter Energie und Vitalität am Gaumen, spannend. Nein, das ist nicht 2017 mit dieser extremen intrinsischen Spannung, aber die Harmonie von 2018 ist gerade hier beim Corton Charlemagne wirklich grandios. Zehn bis zwölf Jahre warten und dann aus großen Gläsern genießen. Ein extrem verträumter Wein mit großer Klasse. Ich bin begeistert von diesem Wein. Unter den vielen heute hier probierten Weißweinen ist der Corton Charlemagne eines der wirklich herausragenden Muster. Einer der wenigen weißen Grands Crus, den man im oft zu üppigen Jahr 2018 kaufen muss, weil er so wunderbar verträumt, seidig und aromatisch ist. Ein Traumjahr für den Corton Charlemagne. 98–100/100


2018 Beaune 1er Cru Clos de l'Ecu

Diese Parzelle von 2,3 Hektar wurde im Jahr 2003 von Francois Faiveley (6. Generation) erworben. Die Reben sind zwischen 30 und 50 Jahre alt. Reine Südexposition, der Boden ist sehr steinig und kiesig. Je nach Jahrgang wird ein kleiner Teil mit Rappen vergoren, 2018 waren es bei diesem Wein 40 % wegen der Wärme des Jahrgangs. Traditionell im Holzcuve vergoren für 19 Tage, mit gelegentlichem Unterstoßen. Ausbau für etwas über ein Jahr in nicht zu stark getoasteten, französischen Barriques, ein Drittel neu. 2018 ist dicht und reich, 2017 hatte mehr Nerv, mehr Spannung, mehr schlanke Eleganz. 2018 hat mehr üppige Aromatik, mehr Reichhaltigkeit, viel schwarze Frucht in der Nase, Cassis, Lakritze, viel Süße ausstrahlend, fast süße Schattenmorelle und schwarze Kirsche. Wuchtig, Holunder und eine hohe florale Intensität, viel Veilchen, fast süß in dieser Floralität. Im Mund diese Aromatik wieder aufgreifend, reif und dicht, sogar fast ein wenig rund, große Üppigkeit. Auch hier wieder diese Veilchen-Lakritz-Kombination, feine Süße, obwohl der Wein natürlich total durchgegoren ist. Üppige rote Frucht, etwas Holzkohle dazu, wieder süße, schwarze Lakritze. Nicht fett, aber doch eine beeindruckende Üppigkeit zeigend. Stilistisch der kleine Bruder des Corton Grand Cru. Ein Charmeur mit Wucht und Dichte, aber mit ganz feinem Tannin. Das macht viel Freude. 95–96+/100

2018 Chambolle Musigny 1er Cru Les Charmes

Der Wein riecht und schmeckt wie es der Name verspricht, nämlich höchst charmant. Das ist eine der schicksten und spannendsten Lagen in Chambolle Musigny. Les Amoureuses ist sicherlich der absolute Leader, aber Les Charmes ist Everybody’s Darling. Ein gewisser Anteil Ganztrauben wird hier mitvergoren, 2018 waren es hier circa 40 %, wegen der Wärme des Jahrgangs. Traditionell im offenen Holzcuve vergoren. Anschließender Ausbau für 12 bis 18 Monate im Barrique mit einem Neuholzanteil von circa 50 %. Fein verwoben, fast nur rote Frucht, spielerisch leicht, floral darüber, ein kleiner Hauch helle Lakritze, aber total verspielt, total Chambolle. Schon der Mundeintritt ist überwältigend mit frischer roter Zwetschge, einem kleinen Touch rote Johannisbeere dahinter, ein bisschen Cranberry, auch etwas Holzwürze. Alles ist bestens verwoben und präsentiert sich ausgesprochen harmonisch. Schöne Länge auf Kalkstein, Kreide und Salzigkeit laufend, getragen von Feinheit und immer total verspielt bleibend, eigentlich schwebend, dann wieder floral. Das ist archetypisches Chambolle Musigny, und das mit der Reife des Jahres 2018. Das passt ganz hervorragend zusammen. Ich weiß nicht ob dieser Wein 40 Jahre übersteht, aber ich kann garantieren, dass er die nächsten 25 bis 30 Jahre ein Ausbund an Charme und Delikatesse ist. Hier passt einfach alles, das ist ein Burgunder zum Träumen. Auch, wenn er nicht ganz die Grand Cru Größe des Amoureuses oder des Nuits Saint Georges 1er Cru Les Saint Georges vorweisen kann, ist es dennoch ein überragender 1er Cru. 96–97+/100

2018 Gevrey Chambertin 1er Cru Lavaux St Jacques

Die Domaine besitzt nicht ganz einen Hektar in diesem hervorragenden 1er Cru. Das Land wurde 2013 erworben. Die jüngsten Reben sind fast 30 Jahre alt und die ältesten wurden 1945 gepflanzt. Die Exposition ist Ost-Südost auf Muschelkalk und Tonmergel. Lavaux St. Jacques ist zusammen mit dem Clos St. Jacques und vor dem Cazetieres das Trio Infernale von Gevrey Chambertin. Je nach Jahrgang wird hier auch ein Teil mit Rappen vergoren, 2018 waren es hier circa 40 %, wegen der Wärme des Jahrgangs. Traditionell im offenen Holzcuve vergoren. Anschließender Ausbau für 12 bis 18 Monate mit einem Neuholzanteil von circa 50 %, der Rest ist Zweitbelegung. Ich habe dieses Jahr hier einige Gevrey probiert, und der Lavaux St. Jacques ragt deutlich heraus, so wie es auch beim Nuits Saint Georges 1er Cru Les Saint Georges war. Das ist 2018 ein dermaßen überragender Gevrey Chambertin, dass es verblüfft. Diese bezauberne 2018er Nase, so reich und dicht, mit Veilchen, Lakritze, schwarzer und roter Frucht, viel Kalkstein darunter. Dazu reiche, rote Frucht, üppig, aber nicht fett, aber mit toller Extraktsüße. Im Mund die große Klarheit. Hier zeigt sich, wie bei den ebenfalls von mir ausgewählten 1ers Crus aus Nuits Saint Georges, Beaune und aus Chambolle, eine herausragende Stellung, ich fische wirklich nur die besten heraus dieses Jahr. Jene, die mit Abstand an der Spitze stehen. Das ist hier beim Lavaux St. Jacques eben auch der Fall. Er präsentiert sich fast auf Augenhöhe mit dem Nuits Les Saint Georges, also annähernd auf Grand Cru Niveau. Mit dieser Reichhaltigkeit und dieser Süße, totale Harmonie, üppig und trotzdem so sehr geradeaus. Sauber definiert, frische Zwetschge, rote und schwarze Kirsche. Das Ganze ist aber fast so weich wie ein Chambolle Musigny, nur mit mehr Üppigkeit, einfach großrahmiger, mit mehr Körbchengröße. Ein sehr erotischer Wein mit wunderbarer Länge. Ich bin sehr begeistert, ein Top-Wert. 97–99/100

2018 Nuits Saint Georges 1er Cru Les Saint Georges

Les Saint Georges ist insgesamt nur etwas über drei Hektar groß, Faiveley besitzt ein winziges Stück Land dort. Der Weinberg wird häufig als bester 1er Cru in Nuits Saint Georges gehandelt, in manchen Jahren erreicht Les Saint Georges auch Grand Cru Niveau. Wir haben hier fast reinen Kalkstein und Faiveleys Parzelle ist eine reine Südausrichtung. Seit 2018 ist dieser Les Saint Georges kein reiner Domaine Faiveley Wein mehr, weil ein Teil der Trauben aus reiner Südexposition mit einem benachbarten Winzer, der eine Nordexposition hat, getauscht wird. Eine Win-Win-Situation, denn so bekommt der Wein etwas mehr frische Struktur. Ein gewisser Anteil Ganztrauben wird hier mitvergoren, 2018 waren es circa 40 %, wegen der Wärme des Jahrgangs. Traditionell im offenen Holzcuve vergoren. Anschließender Ausbau für 12 bis 18 Monate mit einem Neuholzanteil von circa 50 %. Nuits Saint Georges ist das maskuline Burgund, das was ich gerne mit Pauillac in Bordeaux vergleiche. Aber Les Saint Georges ist auch immer sehr fein dabei. Schon in der Nase Kalkstein und Kreide, schwarze und rote Frucht vermengen sich, aber keine Üppigkeit, sehr versammelt zwar, aber doch sehr klassisch bleibend. Sehr geradeauslaufend, leichte florale Noten dahinter, aber nichts Süßliches, immer fein und schwebend. Nicht so viel Charme wie Vosne Romanee, Gevrey oder gar Chambolle, eher wie ein Château Lynch Bages aus Pauillac. Der Mund spiegelt die Nase perfekt wider. Alles ist unendlich fein, die Tannine sind so fein und geschliffen im Jahr 2018 mit dieser tollen Reife. Dieser Nuits Saint Georges wird nie breit, er bleibt versammelt und extrem geradeauslaufend auf einer Kalkstein- und Kreidespur. Die Frucht ist hier in dieser Verspieltheit und Weichheit nun doch beinahe wie ein Chambolle und auch diese Blumigkeit passt dazu. Aber gleichzeitig hat er diese feste Struktur darunter, diese Salzigkeit, diesen leicht maskulinen Touch. Das macht Les Saint Georges eben zur wohl interessantesten Lage der Gemeinde. Das hat schon einen leichten Hang zur Größe, dieser Nuits Saint Georges ist 2018 auf Grand Crus Niveau. Ich bin ziemlich hin und weg. Toller 2018er und einer der besten 1er Cru bei Faiveley und überhaupt einer der besten Weine aus diesem Jahrgang. 98–99/100

2018 Corton Grand Cru Clos de Corton Faiveley

Seit dem Jahre 1874 eine Monopol-Lage der Familie Faiveley. Zusammen mit dem Romanée Conti sind es die einzigen Grands Crus des Burgunds, die den Namen ihres Besitzers in der Lagenbezeichnung tragen dürfen. Der große Negociant Albert Bichot, der benachbarte Parzellen besitzt, hatte die Familie Faiveley darauf verklagt, dass sie Faiveley in den Weinbergsnamen mitaufnehmen sollen, weil Clos de Corton alleine irreführend wäre. (Sie befürchteten die Konsumenten hielten den Clos de Corton für DEN einzigen Corton, wie es mit dem Clos de Vougeot ist). Er bekam Recht und die Familie Faiveley freut sich insgeheim über diese „erzwungene“ Maßnahme, ist sie doch genau genommen ein willkommenes Marketing. Die ältesten Reben hier sind aus dem Jahre 1932, die jüngsten von 2002. Eine reine Ostexposition auf stark eisenhaltigem Kalkmergel. Ein gewisser Anteil Ganztrauben wird hier mitvergoren, 2018 waren es hier wegen der Wärme des Jahrgangs circa 50 %. Offen im Holzcuve für 19 Tage vergoren. Danach Malo und Ausbau in 50 % neuen Barriques, wo der Wein für 18 Monate gelagert wird. Feinporiges Holz, nicht stark getoastet. Es wird hier in fünf Durchgängen gelesen. Dieser Clos de Corton Faiveley ist die schlüssige Fortsetzung der Monopole-Lage Beaune 1er Cru Clos de L’Ecu. In dieser unglaublichen Wärme und Reichhaltigkeit. Schwarzfruchtig, Cassis, Veilchen, Lakritze, ganz dunkle Schokolade, ganz reife Pflaume, massenhaft süße Maulbeere, auch Johannisbrotbaum. Gott, was für eine würzige, intensive, reiche und duftige Nase. Die fast 50% unentrappten Trauben tun dem Jahrgang 2018 unglaublich gut, geben viel Struktur. Der Wein hat eine tolle Spannung im Mund, eine Krautwürzigkeit und eine geniale Frische. Viel Druck, ja auch hier kommt viel dunkle Frucht, kommen Cassis, Maulbeere und Lakritze, aber eben auch ganz viel Frische, Länge und Mineralität. Fantastische, salzige Säurespur. Und trotzdem ist es eine üppige Wuchtbrumme. Verblüffend ist die geniale Balance, die sich wie auch beim Clos de l’Ecu auf einem höheren Level befindet. Der Wein braucht sicherlich fünf bis acht Jahre Zeit. Das ist eine unglaubliche Delikatesse, jeder wird geflasht sein von dieser wollüstigen Schönheit und Üppigkeit. Der Wein ist nicht ganz so verspielt und fein gezeichnet wie der Chambertin Clos de Beze. Aber für mich ist dieser Grand Cru aus der Cote de Beaune der zweitbeste Faiveley-Rotwein des Jahrgangs. Das ist ein ganz großer, überzeugender Corton Grand Cru. 98–100/100

2018 Chambolle Musigny Les Amoureuses 1er Cru

DER Chambolle 1er Cru schlecht hin, immer auf Grand Cru Level, oft der beste Wein aus der Gemeinde Chambolle überhaupt, direwkt an Musigny Grand Cru angrenzend, viellicht gar das bessere Terroir, unvorstellbare Finesse. 98–100/100

2018 Chambertin Clos de Beze Grand Cru

Drei Parzellen im Clos de Beze befinden sich seit den 1930er Jahren in Familienbesitz der Faiveleys, insgesamt ergibt das 1,3 Hektar. Die jüngsten Reben sind bald 40 Jahre alt und die ältesten sind Pflanzjahr 1949. Ost-Südost-Ausrichtung auf Kalksteinfels mit Tonmergel, sehr steinig. Ein gewisser Anteil Ganztrauben wird hier mitvergoren, 2018 waren es hier circa 50 % wegen der Wärme des Jahrgangs. Traditionell im offenen Holzcuve vergoren. Anschließender Ausbau für 16 bis 18 Monate mit einem Neuholzanteil von knapp zwei Dritteln, ein Drittel Zweitbelegung. Nachdem ich alle Grands Crus von der Cote de Nuits durchprobiert habe, bin ich am Ende überzeugt, dass ich in 2018 Charme, Latricieres und Echezeaux dieses Jahr auslasse, obwohl sie schon sehr gut waren. Aber im Grunde waren sie mir etwas zu lieb, zu rund, zu sehr reifes 2018, da fehlte etwas Spannung. Chambertin Clos de Beze ist da anders, weil er grandios verspielt und fein balanciert ist und nicht nur diese außergewöhnliche Reife hat, diese üppige Dichte und die Veilchen-Verspieltheit darüber. Dazu helle Lakritze, helle Milchschokolade, Zwetschge, süße Kirsche, ganz viel Schwarzkirsche. Das Ganze ist so magisch verwoben, fast Chambolle-artig in der Feinheit, solch eine bezaubernde Duftwolke. Schon die Nase reicht, das ist zum Träumen. Doch dann kommt der Mund dazu, wow. Das ist DER Grand Cru von Faiveley dieses Jahr, glatt 100. Er zeigt neben der Wärme, dem Charme und der Reichhaltigkeit von 2018 auch diese unglaubliche mineralische Länge. Wunderschöner Kalksteinausdruck, salzige Länge, aber nichts ist spröde, nichts grün, einfach ganz reif und trotzdem so voller vibrierender Spannung. Und dennoch ist 2018 für den Konsumenten auch easy going. Das ist einfach das Schwelgen in üppigem, wollüstigem Pinot Noir der feinsten Ausprägung. Gott, macht dieser Wein Freude. Was für eine erotische Schönheit. 100/100

Domaine de L'Arlot

Der südliche Nachbar von Nuits Saint Georges ist das kleine Örtchen Premeaux-Prissey. Trotz seiner wunderschönen, teilweise terrassierten Weinberge, die zu den besten der Cote de Nuits gezählt werden können, ist der Ort kaum bekannt. Das liegt ganz einfach daran, dass die hier wachsenden Weine nur als Nuits Saint Georges vermarktet werden, obwohl sie diese Güte in Village und 1er Cru ganz locker übertreffen können. Ohnehin haben die zwei Hauptstädte der Côte d’Or, Beaune und Nuits Saint Georges, unglücklicher Weise nur deshalb keine Grands Crus, weil es traditionell die Negociant-Hochburgen waren. Negociants waren schon damals die einflussreichsten Personalien der Region. Und diesen war nicht besonders daran gelegen, dass die Weinberge ihrer Haupt-Traubenlieferanten als besonders hoch eingestuft werden. Denn das hätte die Trauben für sie im Einkauf ungleich teurer gemacht. Es ist also nicht verwunderlich, dass etwa Beaune Grèves, Nuits Les Saint Georges oder auch l’Arlots Clos de Forets Saint Georges regelmäßig Grand Cru Niveau ins Glas bringen.

Dass sie diesen Titel nicht auf dem Etikett tragen dürfen, hat eben leider rein historisch-politische Gründe. Das kleine Dorf Primeaux-Prissey beheimatet neben der geheimnisvollen, biodynamischen Domaine Prieuré Roch (Familie Leroy/DRC) mit L’Arlot eine der bezauberndsten biodynamischen Domaines des Burgunds überhaupt. Das Gutshaus der Domaine de l’Arlot liegt inmitten ihrer hervorragenden Monopole-Lage Clos de l’Arlot. Durch die von Weinbergsmauern und Wälder zu allen Seiten geschützte Lage herrschen hier Idylle und Natur pur. Diese einzigartige Lage erlaubt eine unnachahmliche, vor abdriftenden Spritzungen geschützte biodynamische Wirtschaftsweise. Sträucher und Obstbäume stehen zwischen den Reben, die sich über terrassierte Ebenen mit flachen und steilen Hangabschnitten verteilen. Hier herrscht ein intaktes Ökosystem und man spürt die Besonderheit und die einnehmende Ruhe dieses Ortes bereits bei einem kurzen Spaziergang durch die Anlagen.

Die Lese begann hier dieses Jahr am 1. September, und zwar mit Pinot Noir, und nicht wie sonst üblich mit dem Chardonnay im Clos de l’Arlot. Die Lagen der Domaine in Vosne Romanée, also der 1er Cru Les Suchots und Romanée Saint Vivant Grand Cru, hatten im Spätsommer kaum Regen abbekommen und die Alkoholgrade drohten zu explodieren. Deshalb entschied sich Chef de cave Géraldine Godot für eine frühere Lese. Ohnehin hat sie den Stil der Domaine seit den 2010er Jahren deutlich verfeinert. Die Tage, in denen bei l’Arlot unnahbare Monumente für die Ewigkeit geschaffen wurden, sind vorbei. Die Weine zählen heute zu den zartesten Versuchungen der Bourgogne, mit ultra-feinem Rückgrat und geradezu femininem Parfüm. Auf Grund der peniblen Arbeitsweise haben sie dabei allerdings nichts von ihrer Lagerfähigkeit eingebüßt. Der Chardonnay aus dem Clos de l’Arlot ist einer der besten, in manchen Jahren vielleicht DER beste Weißwein der Côte de Nuits. Die 2018er der Domaine können am besten mit „force tranquille“, also ruhender Kraft, beschrieben werden. In jedem Jahr vereinen sie die typische Kraft und Tiefe von Nuits Saint Georges mit einer für die Gemeinde ungewöhnlichen Feinheit. Und ein opulentes Jahr wie 2018 und dieser feine Stil des Hauses vermählen sich zu einer grandiosen Balance der höheren Art. Die Weine sind ebenso bezaubernd und speziell wie es dieser mythische Ort verspricht.

Zu allen Weinen

2018 Nuits Saint Georges Blanc La Gerbotte

Die Domaine hat 15 Hektar, davon alleine 7,5 Hektar Clos de Forets Monopole und Clos de l’Arlot Monopole. Sie haben nur Top-Lagen im Sortiment. Hier gehen vor allem die jüngeren Reben des Clos de l’Arlot ein, das heißt in diesem Fall ein Alter von etwa 20 Jahren. Alles ist mit 10.000 Stöcken pro Hektar bepflanzt, der Durchschnittsertrag lag auch 2018 bei etwa 28 Hektoliter pro Hektar. Dementsprechend reduziert ist der Ertrag pro Stock. Alle Weißweine bleiben 12 Monate im Barrique, danach weitere drei bis vier Monate im Edelstahl vor der Abfüllung. Circa 20 % Neuholzanteil. Der Wein besteht zu 96 % aus Chardonnay und 4 % aus Pinot Gris. Ich weiß nicht, ob es der Pinot Gris Anteil ausmacht, aber Arlot Weißweine sind schon sehr besonders. Es gibt nur wenige gute Chardonnay aus der Cote de Nuits und Arlots zählen sicher zu den allerbesten. Eine sehr weißfruchtige Nase, cremig, weiße Birne, ein bisschen Litschi, Kreide, ganz fein, extrem charmant, viel weiße Blüten. Im Mund kommt ein bisschen gelbe Frucht dazu, Mirabelle und ein kleiner Hauch Aprikose und Aprikosenkerne, leicht nussig. Schöner Biss dazu, Salzigkeit, etwas Mandel und salzige Länge bis ins Finish. Für 2018 erstaunlich frische Attitüde, ein richtiger Touch zitrische Säure darunter. Gute Länge, erstaunlich für die noch etwas jüngeren Reben des Clos de l’Arlot, aber das ist eben eine herausragende Lage. Großes Kino in weiß für die Cote de Nuits. Ein wunderschöner Wein. 93–94/100

2018 Nuits Saint Georges Blanc 1er Cru Clos de l'Arlot

Die Domaine hat 15 Hektar, davon alleine 7,5 Hektar Clos de Forets Monopole und Clos de l’Arlot Monopole. Sie haben nur Top-Lagen im Sortiment. Hier gehen nur die bis zu 70 Jahre alten Reben im Clos de l’Arlot ein, Südwest-Exposition. Biodynamische Handarbeit mit dem Pferdepflug. Die jüngeren Reben von 20 Jahren werden in den La Gerbotte gegeben. Alles ist mit 10.000 Stöcken pro Hektar bepflanzt, der Durchschnittsertrag lag auch 2018 bei etwa 28 Hektoliter pro Hektar. Dementsprechend reduziert ist der Ertrag pro Stock. Alle Weißweine bleiben 12 Monate im Barrique, danach weitere drei bis vier Monate im Edelstahl vor der Abfüllung. Circa 20 % Neuholzanteil. 100 % spontan vergoren, keine Filtration, keine Schönung. Der Wein besteht zu 96 % aus Chardonnay und 4 % aus Pinot Gris. Ich weiß nicht, ob es der Pinot Gris Anteil ausmacht, aber Arlot Weißweine sind schon sehr besonders. Es gibt nur wenige gute Chardonnay aus der Cote de Nuits und Arlots zählen sicher zu den allerbesten. Der Clos de l’Arlot ergibt schon einen reicheren Wein aus der Hangmitte, als La Gerbotte vom oberen Teil mit den jüngeren Reben. Natürlich kommt auch das Rebalter zum Tragen, der Wein ist in der Nase schon erhabener, weniger aggressiv. Viel weiße Frucht, sehr viel Nuss, Walnuss, sehr reich, die Blumen changieren vom weißen ins gelbliche, die Aprikose wird deutlicher, wird reifer, doch der Charakter ist natürlich der gleiche. Das Ganze bekommt einfach einen Turbolader rein, mehr Fülle und Reichhaltigkeit. Toller Gripp im Mund, auch hier wieder die aufgelösten Aprikosenkerne, das ist schon phänomenal und der Pinot Gris spielt hier durchaus eine kleine Rolle, gibt einen apfeligen Kick, Boskoopnoten unter der feinen Quitte. Das Ganze wird etwas gelbfruchtiger, lange anhaftend, lange anhaltend. Dieses warme Jahr 2018 hat bei den Erzeugern, die es wirklich gut können, ganz hervorragende Weißweine erbracht, was ich zuvor so nicht erwartet habe. Aber die besten Weißen sind phänomenal, wenngleich nicht ganz so nervig und vibrierend wie 2017. Dafür etwas substanzreicher, fundamentaler und schiebender. Toller 1er Cru. 95–96+/100


2018 Cote de Nuits Villages Clos du Chapeau

Zu den Côtes-de-Nuits-Villages zählen Fixin, Bronchon, Prémeaux, Comblanchien und Corgoloin. Alle diese Ortschaften liegen etwas abseits des Kerngebietes des „goldenen Hangs“, aber verfügen über ausgesprochen interessante Terroirs für manchmal leicht rustikale, erdige Weine zu etwas geringeren Preisen, die ganz hervorragende Speisebegleiter abgeben. Der Clos du Chapeau ist eine Parzelle von 1,6 Hektar auf typischem Lehm-Kalkboden in der Gemarkung Comblanchien, unweit von Nuits-Saint-Georges. 2018 entschied sich Winzerin Geraldine Godot auf Grund des Hagels im Juli alle Weine komplett zu entrappen, das ist eher ungewöhnlich für Arlot. Außer den Vosne Romanée 1er Cru und Romanée Saint Vivant Grand Cru mit 40 % Ganztrauben. Alle Weine werden im Stahltank spontanvergoren und im Barrique ausgebaut. 2018 dieses warme, reichhaltige Jahr, das so eine schöne Frucht zeigt. Dieser Wein aus Comblanchien zeigt erstaunlich viel Erdbeere und Himbeere für einen Cote de Nuits Wein, süße Früchte, auch etwas Hagebutte darunter. Erinnert ein bisschen an Granitboden. Fein und sehr schwebend. Verspielter Mund, schlank, schöne Frucht, Erdbeere, Himbeere, Cranberry, Johannisbeere, komplett auf rot laufend, langsam kommt ein bisschen süße Herzkirsche mit rein. Kein großer Wein, aber einer der ganz viel Freude macht. Delikat, so lecker, mittlere Länge. Trotzdem kein ganz einfacher Wein, dafür ist er zu verspielt. Ein bisschen an Chambolle Musigny erinnernd, ein Wein für die Freude. Da der Preis stimmt, ist das ein Muss-Kauf für Genießer. Der Wein wurde früh auf die Flasche gezogen, schon Ende 2019, also nach einem Jahr. Das wird für die nächsten 10, vielleicht 15 Jahre eine große Freude sein, schätze sich glücklich wer ihn bekommt. 92–93/100

2018 Nuits Saint Georges 1er Mont des Oiseaux

Die Erträge werden durch strikten Rebschnitt immer auf knappe 30 Hektoliter je Hektar reduziert. Biodynamische Weinbergsarbeit, alles händisch, gepflügt wird mit dem Pferd. Die Spontangärung findet im Edelstahl statt. Auf Grund des Hagels im Juli entschied sich Geraldine Godot 2018 alle Nuits Saint Georges komplett zu entrappen, entgegen dem eigentlich Stil der Domaine. Der Neuholzanteil beim Ausbau im Barrique liegt hier bei 30 %. Die unendliche Feinheit bei gleichzeitiger markanter Struktur und toller Fruchtfülle ist es, was die Appellation Nuits St Georges besonders auszeichnet. Und Arlot steht für genau diesen Typ Wein, Winzerin Geraldine Godot verfolgt einen ganz feinen, fast zarten Stil, der an J-F Mugniers Weine erinnert. Der Mont des Oiseaux ist eine Parzelle im oberen Teil des Clos de l’Arlot auf sehr komplexer Bodenstruktur. Dünne Lehmschicht, dann Kalkstein und Kalkmergel. Die Reben wurden 1988 gepflanzt. Da die Domaine diesen oberen Abschnitt des Clos de l’Arlot als nicht ganz gleichwertig mit der Hangmitte betrachtet, wird er als separater 1er Cru gefüllt. Das warme Jahr 2018 zeigt sich weich und rotfruchtig, anders als die superkonzentrierten 2016er und die spannungsgeladenen 2017er. In diesem 1er Cru kommt noch ein bisschen Holunder, etwas dunklere Aromatik darunter, Schwarzkirsche, ein bisschen Cassis. Alles aber nur in kleinen Nuancen, wir bleiben schon tendenziell rotfruchtig. Es wird duftiger, würziger, als beim Cote de Nuits Village. Der Mund spiegelt sogar noch stärker die Rotfruchtigkeit wider, Kirsche und Schattenmorelle, Cranberry, rote Johannisbeere, Kalkstein und Salz, alles gut verwoben in mittlerer Länge. Ein recht erwachsener Wein, aber total auf der femininen, verspielten Seite bleibend. 94+/100

2018 Nuits Saint Georges 1er Cru Clos de l’Arlot

Die Erträge werden durch strikten Rebschnitt immer auf knappe 30 Hektoliter pro Hektar reduziert. Biodynamische Weinbergsarbeit, alles händisch, gepflügt wird mit dem Pferd. Die Spontangärung findet im Edelstahl statt. Auf Grund des Hagels im Juli entschied sich Geraldine Godot 2018 alle Nuits Saint Georges komplett zu entrappen, entgegen dem eigentlich Stil der Domaine. Der Neuholzanteil beim Ausbau im Barrique liegt hier bei 40-50 %. Die unendliche Feinheit bei gleichzeitiger markanter Struktur und toller Fruchtfülle ist es, was die Appellation Nuits St Georges besonders auszeichnet. Und Arlot steht für genau diesen Typ Wein, Winzerin Geraldine Godot verfolgt einen ganz feinen, fast zarten Stil, der an J-F Mugniers Weine erinnert. Der Clos de l’Arlot liegt direkt um die Domaine herum, er hat steile und etwas flachere Hangabschnitte, sowie Terrassen. Hier hat sich ein intaktes Ökosystem gebildet mit Sträuchern und Bäumen zwischen den Rebzeilen, es gibt keine konventionell arbeitenden Nachbarn, alles ist isoliert hier, ein kleines Biotop. Die Reben hier sind 1950 gepflanzt, knapp 70 Jahre alt, 10.000er Stockdichte. Durch das Entrappen ein stilistisch durchaus außergewöhnlicher Jahrgang für die Domaine. Gepaart mit der Jahrgangscharakteristik sind wir hier viel weicher, runder, anschmiegsamer, als das normalerweise mit den hohen Rappenanteilen der Fall ist. Der Sprung zwischen dem 1er Cru Mont des Oiseaux aus dem oberen Teil des Clos de l’Arlot ist schon enorm. Wir kriegen so viel schiebende Wucht dazu, bleiben aber immer total fein. Irgendwo eine Feinheit in der Nase, die gar nicht so sehr an Nuits Saint Georges, sondern eher an Vosne oder Chambolle erinnert. Mit der kompletten Entrappung sind die Weine unglaublich weich, die Nase ist eine schiebende Orgie in roter Frucht. Majorität ganz klar Kirsche, Schattenmorelle, auch ein Hauch Zwetschge, reife und konzentrierte Himbeere. Das ist unglaublich schick. Der Mund ist super fokussiert, auch hier voll auf der Kirsche laufend. Ein bisschen Cranberry und rote Johannisbeere kommen dahinter durch. Der kalksteinreiche Mergelboden sorgt für substanzreiche und zugleich feine Weine. Der Wein schiebt und drückt. Und wenn man die drei letzten Jahre Revue passieren lässt, der superkonzentrierte 2016er, das spannende 2017 und der weiche, runde, eher feminine, fast lustvoll-erotische 2018er, dann ist das schon sehr spannend. So viele sehr unterschiedliche Weine aus der gleichen Lage. 2018 wird auf jeden Fall nach meiner Erfahrung der am frühesten zugängliche Weine der letzten drei Jahre werden und mit seiner einnehmenden, umarmenden, süßen, roten Frucht hat er das Zeug für everybody’s Darling. Dafür ist er vielleicht etwas teuer, das weiß ich, aber er ist eben einfach unglaublich lecker und hallt dennoch zwei Minuten nach in Kalkstein und Salz. Aber es ist nichts Anstrengendes daran, es ist einfach nur schön. 96–97/100

2018 Nuits Saint Georges 1er Cru Clos des Forets Saint Georges

Die Erträge werden durch strikten Rebschnitt immer auf knappe 30 Hektoliter pro Hektar reduziert. Biodynamische Weinbergsarbeit, alles händisch, gepflügt wird mit dem Pferd. Die Spontangärung findet im Edelstahl statt. Auf Grund des Hagels im Juli entschied sich Geraldine Godot 2018 alle Nuits Saint Georges komplett zu entrappen, entgegen dem eigentlich Stil der Domaine. Der Neuholzanteil beim Ausbau im Barrique liegt hier bei 40–50 %. Die unendliche Feinheit bei gleichzeitiger markanter Struktur und toller Fruchtfülle ist es, was die Appellation Nuits St Georges besonders auszeichnet. Und Arlot steht für genau diesen Typ Wein, Winzerin Geraldine Godot verfolgt einen ganz feinen, fast zarten Stil, der an J-F Mugniers Weine erinnert. Der Clos des Forets Saint Georges macht mit 7,5 Hektar die Hälfte des Besitzes der Domaine aus. Das ist also quasi das Herzstück neben dem Clos de l’Arlot. Der Weinberg besteht aus komplexen Bodenstrukturen, Kalkstein und Lehm in fünf unterscheidbaren Parzellen zusammengesetzt. Das Durchschnittsalter der Reben ist 45 Jahre. Hier hat sich ein intaktes Ökosystem gebildet mit Sträuchern und Bäumen zwischen den Rebzeilen, es gibt keine konventionell arbeitenden Nachbarn, alles ist isoliert hier. Ein kleines Biotop, das macht die Biodynamie so wirksam. Dieser Wein erinnert strukturell und von der gesamten Anmutung schon viel mehr an einen archetypischen Nuits Saint Georges als der sehr feminine Clos de l’Arlot. Das liegt einfach an den Terroirs. Und obwohl dies der deutlich maskulinste Wein des Hauses ist, ist 2018 natürlich gleichzeitig charmant durch die hohe Reife und die fehlenden Rappen. Dadurch wird er zugänglicher. Nein, Clos de Forets ist nicht mehr so feminin und erotisch wie der Clos de l’Arlot, aber er ist ebenso weich, dicht und reich, schiebend. Während Clos de l’Arlot noch ein Chambolle Musigny war in seiner Ausprägung, so haben wir hier eine weiche Version eines Nuits Saint Georges. Mit viel dunkler Frucht vielleicht sogar etwas an Morey Saint Denis erinnernd. Unter der Kirsche eben auch schwarze Kirsche, Cassis und Brombeere, auch ein bisschen Holunder. Das gibt einen schönen Kick. Fein und süß mit seidigem Tannin schon in der Nase. Der Mund zeigt das maskuline dieser Lage, wow, das hat echt Biss, die Augen ziehen sich zusammen. Der Wein hat Länge, Mineralität, schwarze und rote Frucht, Kalkstein und viel Salz, auch das Üppige aus den Lehmböden, recht wuchtig. Das ist schon außergewöhnlich, normalerweise hat dieser Weinen einen extrem hohen Rappenanteil, wie gesagt 2018 überhaupt nicht. Das gibt ihm mehr Rundheit, was aber der Ausdrucksstärke keinen Abbruch tut, nur den Charakter etwas ändern. Ein feiner, langer, fruchtstarker Clos des Forets. 96–97+/100

2018 Vosne Romanée 1er Cru Les Suchots

Les Suchots ist DIE Premier Cru Lage in Vosne Romanée. Sie grenzt an Romanée St Vivant, Echezeaux und Richebourg an und ist somit ein direkter Nachbar einiger der allergrößten Lagen der Côte d’Or. Diese exquisite Lage im Filetgürtel der besten Terroirs von Vosne Romanée erklärt auch den hohen Preis dieses exzeptionellen 1er Cru, der in den besten Jahren nicht selten an Grand Cru Niveau heranreichen kann. Hier haben wir lehmig durchzogenen Boden und massiven Kalkstein, hier haben wir die perfekte, leicht Hangneigung, hier haben wir alles was der Pinot Noir liebt und braucht. Die Erträge werden durch strikten Rebschnitt immer auf knappe 30 Hektoliter pro Hektar reduziert. Biodynamische Weinbergsarbeit, alles händisch, gepflügt wird mit dem Pferd. Die Spontangärung findet im Edelstahl statt. Der Neuholzanteil beim Ausbau im Barrique liegt hier bei 50 %, 15 Monate Ausbauzeit. Winzerin Geraldine Godot verfolgt einen ganz feinen, fast zarten Stil, der an J-F Mugniers Weine erinnert. 2018 haben nur die Weine aus Vosne Romanée circa 40 % Rappenanteile bekommen, Nuits Saint Georges wurde unüblicherweise komplett entrappt wegen Hagel im Juli. Die Inhaber der Domaine de l’Arlot, die Versicherungsgruppe AXA, war Anfang der 1990er Jahre so nett, noch Lagen in Vosne Romanée zu erwerben und so wurden Suchots und Romanée Saint Vivant zum Arlot-Portfolio hinzugefügt. Es gibt etwa 4.000 Flaschen von 0,85 Hektar Les Suchots bei Arlot. Auf der einen Seite sind wir hier bei untypischem Arlot, weil wir in Vosne Romanée sind, andererseits sind wir hier wieder in der Ganztraubenvergärung, was wiederum sehr typisch für diesen Biodynamiker ist. Der wein kriegt eine unbestreitbare Komponente zu der Weichheit und der Reife des Jahrgangs 2018 dazu. Da gesellt sich nun diese Frische und diese unglaublich schöne Würzigkeit der reifen Rappen hinzu. Eine lange, rote Fruchtspur mit würziger Rappigkeit zieht sich durch den Mund. Der Wein hat eine grandiose Länge und überbeansprucht dennoch nicht. Die Frische aus den Rappen ist nicht überfordernd. Das ist ein traumhafter Kompromiss. Und ein so weicher, reifer Jahrgang wie 2018 passt zu dieser Charakteristik so perfekt. Ich mag dieses schwelgen in unendlich nachhallender roter Frucht mit Rappenwürze und Mineralität unterlegt. Trotzdem bleibt es ein Charmebolzen. Sehr schicker Wein. 96–98/100

2018 Romanée Saint Vivant Grand Cru

Die Erträge werden durch strikten Rebschnitt immer auf knappe 30 Hektoliter pro Hektar reduziert. Biodynamische Weinbergsarbeit, alles händisch, gepflügt wird mit dem Pferd. Die Spontangärung findet im Edelstahl statt. Der Neuholzanteil beim Ausbau im Barrique liegt hier bei 50 %, 15 Monate Ausbauzeit. Winzerin Geraldine Godot verfolgt einen ganz feinen, fast zarten Stil, der an J-F Mugniers Weine erinnert. 2018 haben nur die Weine aus Vosne Romanée circa 40 % Rappenanteile bekommen, Nuits Saint Georges wurde unüblicherweise komplett entrappt wegen Hagel im Juli. Die Inhaber der Domaine de l’Arlot, die Versicherungsgruppe AXA, war Anfang der 1990er Jahre so nett, noch Lagen in Vosne Romanée zu erwerben und so wurden Suchots und Romanée Saint Vivant zum Arlot-Portfolio hinzugefügt. Die Domaine verfügt allerdings nur über 14 Reihen im Saint Vivant, es gibt gerade einmal 1.000 Flaschen insgesamt. Romanée Saint Vivant ist unbestritten eine der besten Lagen des Burgunds, und liegt direkt an die Domaine de la Romanée Conti angrenzend. Eine mythische Lage. Der Wein ist deutlich feiner als der 1er Cru Les Suchots zuvor. Obwohl er den selben Rappenanteil hat ist er viel klarer, viel mehr auf der reintönigen Frucht. Schwarze Kirsche, rote Kirsche, fein und getragen, sehr schick. Trotzdem weich und rund, der Reife von 2018 Tribut zollend in dieser wunderschönen, einnehmenden Art. Nach dem sehr klassischen 2017er und dem Hyperkonzentrat 2016 ist 2018 eine richtige Wohltat, weil der Wein so unglaublich lecker ist, trotz seiner Größe. Der Wein ist feiner, präziser, definierter als der Suchots und gleichzeitig ist der tiefer. Das ist eben was einen Grand Cru ausmacht. Obwohl Suchots ja auch komplett von Grands Crus umgeben ist und deshalb als bester 1er Cru gilt, ist da dennoch ein Sprung zum Romanée Saint Vivant. Das ist so ein reifer, definierter, klarer, schicker Wein. Auch hier Kirsche als Dominante, etwas Rauch, ein kleiner Hauch Holunder dahinter, ein wenig Cassis, aber rote und schwarze Kirsche sind die Dominanten. Und diese unglaubliche Präzision. Die Rappen bilden ausschließlich Begleitmusik, ohne jemals so durchzudrücken wie beim Suchots. Auch das neue Holz ist komplett absorbiert. So kann Burgund schmecken, einfach lecker. Wenn so was nicht so unglaublich teuer wäre, hätte dies das Zeug in 10 Jahren everybody’s Darling zu sein, jeder wird es mögen. Das ist einfach nur fein und schön. 98–100/100

Cachat-Ocquidant

Von Premeaux-Prissey aus geht es dann noch ein Stückchen weiter südlich in Richtung Beaune. Das kleine Örtchen Ladoix, am Hangauslauf des Corton Berges gelegen, markiert den Übergang zur Côte de Beaune. Hinter den Türen eines zunächst sehr unscheinbaren Wohnhauses verbirgt sich mit Cachat-Ocquidant eine Domaine, wie sie bodenständig-burgundischer kaum sein könnte. Nachdem uns seine Hunde lautstark angemeldet haben, empfängt uns der Hausherr persönlich. Ein herzlicher Mann um die 60, dessen schroffe Hände ohne Umschweife verraten, dass hier der Patron noch selbst im Weinberg steht.

Wenngleich auch hier die nächste Generation schon in den Startlöchern steht. Der Kellermeister von Cachat-Ocquidant war früher für die Weißweine im berühmten Hause Coche-Dury zuständig. So klein, familiär und unscheinbar wie die Domaine nach außen wirken mag – in diesem winzigen, düsteren Keller schlummern brillante Burgunder für die Freude. Die Chardonnays aus Ladoix und Pernand Vergelesses sind von strahlender Reintönigkeit, mit reifer, erfrischender Frucht, heller Blütenduftigkeit und feinsalziger Mineralik unterlegt. Auch die Weinbergböden von Ladoix weisen bereits den rötlichen Schimmer von hohen Eisenanteilen auf, für den das Umfeld des Corton berühmt ist. Die Pinot Noirs der Domaine müssen aber nicht für lange Jahre in den Keller um charmant zu werden, wie es in dieser Region sehr häufig der Fall ist. Die Domaine steht für eine zugängliche, feinfruchtige und delikate Handschrift im vollständig entrappten Stil. Und zwar bis hoch zum Corton Grand Cru. Letzterer entstammt einer Monopole-Lage der Domaine, dem Clos des Vergennes. Dieser zugängliche, und dennoch äußerst lagerfähige Grand Cru, ist ein rotfruchtiges Wunderwerk und sicher einer der größten Preishammer der Côte d’Or. Hier gibt es Wahnsinnsqualitäten aus handwerklicher Kleinstarbeit zu unglaublich fairen Preisen. Das wird leider immer seltener im Burgund. Aber es gibt sie noch, wenn man nur gründlich sucht. Die grandiosen Familien-Manufakturen in den kleineren Gemeinden, die solch herausragende Weine keltern und dennoch unter dem Radar fliegen.

Zu allen Weinen


Louis Jadot

Ein Dejavu besonderer Art. Durch die Vermittlung eines Freundes, des berühmten Trierer Gastronomen (Schloss Monaise) und intimen Jadot-Kenners und Liebhabers Hubi Scheid, bekamen wir den Hinweis auf einige besondere Weine von Louis Jadot. Nur Domainenweine von eigenen Weinbergen und im deutschen Markt noch nicht vertreten. Früher, zu Zeiten Heinrich Bitters beim Importeur Ludwig von Kapff, war Jadot ein fester Bestandteil bei Lobenbergs. Dann wechselte Jadot zu einem Generalimporteur. Dank des super sympathischen und welt- bzw. marktoffenen Verkaufsdirektors Siegfried Pic, ein Elsässer, wird das jetzt der Start einer zweiten, ganz direkten Liebe.

Jadot ist mit seinen eigenen Weinbergen dank des genialen Kellermeisters Jacques Ladiere fast auf dem Niveau des anderen großen Hauses und Superstars Faiveley. Aber es gibt bei Jadot nicht soviel eigene Weinberge, da muss man gut selektieren, die Negoc-Ware ist zwar gut, aber wir wollen mehr. Viel besseren Stoff eben wie die genial probierten Weine aus Volnay, Beaune, Chambolle, Santenay, Puligny, Meursault und Ladoix. Verblüffend dicht, aromatisch und faszinierend in der fruchtstarken Substanz sind die extrem Lagentypischen Roten, der erste wirklich tolle Santenay meines Lebens, und der kleine weiße Ladoix ist der Hammer. Der Anspruch bei Jadot geht jedoch noch weiter: In jedem Ort will man zu den drei besten Erzeugern gehören. Wo sich die Gelegenheit bietet, werden Top-Lagen gekauft. In Beaune hat man eine ultramoderne Kellerei gebaut, in der Jacques Ladiere, einer der anerkannt besten Weinmacher des Burgunds, unter optimalen Bedingungen arbeiten kann. Der qualitative Erfolg beruht auf der rigiden Selektion des Traubenmaterials und dem schonenden Ausbau. Im Hause Jadot kommt noch die traditionelle Maischegärung zum Einsatz: Die Trauben werden vollständig entrappt, um dann in offenen Cuves 25 Tage lang die Gärung zu durchlaufen. Der lange Kontakt mit der Maische gibt den Weinen ein kräftiges Gerüst und viel Substanz.

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2018 Ladoix Lieu-dit Clou d’Orge

Auch dieser Wein stammt zu 100 % von eigenen Lagen. Ich kaufe ausschließlich Domaine-Weine aus Eigenbesitz bei Jadot. 40 bis 45 Jahre alte Reben stehen hier in Südausrichtung auf fast reinem Kalkstein. Ganztraubenpressung ohne Standzeit, dann Sedimentation über Nacht und Überführung in Barriques bei 30 % Neuholzanteil, was ein fixer Standardwert für alle Weine bei Jadot ist. 16 Monate Ausbau ohne Batonnage. Vor der Füllung kommt der Wein für einige Wochen in den Stahltank zur Harmonisierung. Je nach Jahrgang wird die malolaktische Gärung unterbrochen, um mehr Frische zu erhalten, so auch gerade 2018. Keine Chaptalisation und es gibt prinzipiell keine Ansäuerung bei Jadot. Typische Chardonnay Nase der Côte de Beaune. 2018 mit dieser wunderschön weichen, reichen Frucht. Etwas weißer Pfirsich, ein bisschen Walnuss, feine Holznote darunter, typisch Jadot mit dem Ausbau mit festem Neuholzanteil so klassisch für das weiße und rote Burgund stehen wie kaum ein anderes Weingut. Etwas grüne Aprikose und Aprikosenkerne in der Nase, Nektarine, aber auch feiner Orangenabrieb und ein bisschen Minze im Hintergrund. Eine schicke Nase. Der Mund hat richtig Gripp. Wir haben diesen Wein aufgenommen, weil wir ihn aus einer riesigen Auswahl von Jadot Weinen für den mit Abstand besten Einstiegswein gehalten haben. Und zwar nicht nur bei Jadot, sondern für das gesamte Burgundsortiment unter 30 Euro. Denn das ist einerseits ganz klassisch burgundisch und hat andererseits auch diese Knackigkeit und diese spritzige Mineralik mit ganz feinem Salz und Kalksteinanmutung. Gute Länge. Das ist archetypisch Burgund und 2018 gleichzeitig reif und frisch mit schöner weißer Frucht. Gleichzeitig Gripp und Bumms, was am Ende die Balance herstellt. Fantastische Kraft-Mineralität-Frische-Kombination aus einem warmen Jahr. An diesem Wein konnte ich einfach nicht vorbeigehen. 93–94/100

2018 Puligny Montrachet 1er Cru Les Combettes

Ich kaufe ausschließlich Domaine-Weine aus Eigenbesitz bei Jadot. Die Parzelle Jadots ist genau 0,14 Hektar groß, aus altem Familienbesitz, kein Zukauf. Alte Reben in klassischer Dichtpflanzung. Hier geht es mit Glück vielleicht um 24 Flaschen. 16 Monate Ausbau ohne Batonnage in Barriques mit einem Neuholzanteil von 30 %, ein fixer Wert bei Jadot für alle Weine. Vor der Füllung kommt der Wein für einige Wochen in den Stahltank zur Harmonisierung. Auch in diesem Wein wie bei Meursault Perrieres wurde die Malo teilweise abgestoppt, um die Apfelsäure und mehr Frische zu erhalten. Diese Lage Combettes, die man auch von der Domaine Leflaive kennt, drückt sich aber ohnehin eher durch Power als durch schlanke Frische aus. Der Wein ist nicht angesäuert, aber er zeigt dennoch viel Frische, vor allem aus der Mineralität, salziger Kalkstein. Dazu helle Quitte und Birne, fast ein wenig leichter und filigraner wirkend als der zuvor probierte Meursault Perrieres. Eine kleine Orgie in weißer Frucht und weißer Blüte. Das macht richtig Freude und strahlt dabei doch eine wahnsinnige Eleganz aus. Und dann dieser grandiose Mund. Bereits deutlich harmonischer als der Meursault Perrieres, etwas weniger brachial in der Kraft, aber ebenso eindeutig auf Druck gebaut. Sehr viel Orangenzeste unter der Kreide- und Kalksteinmineralität, feine Salzigkeit, auch Sanddorn, ein bisschen rotfruchtiger Touch. Ordentlich Druck machend, immer geradeaus, trotzdem werden die Augen schmal durch Frische und Intensität der gestoppten Malo und der mineralischen Power. Gleichzeitig hat Puligny diese ganz andere Charakteristik als Meursault, wir haben diese Sanddorn-Unterlegung, auch ein bisschen weiße und rote Johannisbeere, auch etwas an Walderdbeere erinnernd. Das macht richtig Freude, das ist echt Puligny Montrachet wie es kraftvoller kaum sein kann. Toller Wein! 97–98/100

2018 Meursault 1er Cru Perrieres

Ich kaufe ausschließlich Domaine-Weine aus Eigenbesitz bei Jadot. Die Domaine besitzt stolze 0,1 Hektar in diesem besten 1er Cru Meursaults, der irgendwann sicherlich zum Grand Cru heraufgestuft werden wird, denn dieses Niveau hat er meist. Alte Reben auf reinem Kalkstein. Das übliche Prozedere bei Jadot sieht Ganztraubenpressung vor, keine Standzeit, dann eine Nacht Sedimentation dann direkt ins Barrique mit immer 30 % Neuholzanteil. 16 Monate Ausbau ohne Batonnage. Vor der Füllung kommt der Wein für einige Wochen in den Stahltank zur Harmonisierung. 2018 wurde die Malo teilweise geblockt, um die intensivere Säure zu erhalten. Angesäuert wird hier nie, nur eben in manchen Jahren mit optionaler Malo gearbeitet. Die besten 2018er haben durch die unglaublich schiere Kraft der Mineralität eine Balance hergestellt, das haben wir auch schon bei Pierre Morey gesehen. Die Opulenz des Jahrgangs wird hier durch eine Grapefruit-artige Frische in der Nase ergänzt, daneben viel Salzigkeit, Kalkstein, Kreide. Auch reife Quitte, ein bisschen weißer Pfirsich und viel weiße Blüten. Das Ganze kommt weich und üppig daher aber wie gesagt mit mineralisch anmutender Frische, ein Hauch Orangenabrieb darunter. Es folgt ein fast rasiermesserscharfer Mund. Die Augen ziehen sich zusammen und die Zunge rollt sich. Natürlich, wir haben hier die etwas frischere Apfelsäure erhalten durch den Malo-Stop, aber vor allen Dingen auch diese extreme Mineralik von Perrieres mit Salz, Kreide und Kalkstein. Unglaublich lang gezogen, spielt mit diesem Orangenabrieb, Grapefruit, ein bisschen Walnuss, zerquetschte Aprikose samt Kerne, ein bisschen weißer Pfirsich, weiße Birne. Das ist ein Power-Perrieres wie wir ihn bei Pierre Morey auch schon hatten. Unglaublich druckvoll, ein Wahnsinnsjahr! Weil es nicht durch die Frische besticht wie 2017, sondern durch diese Balance aus Power und Mineralik. Großes Kino. 97–99+/100


2018 Volnay 1er Cru Mitans

Auch hier beträgt der Eigenbesitz für Jadot nur 0,31 Hektar. Ich kaufe ausschließlich Domaine-Weine aus Eigenbesitz bei Jadot. Auf reinem Kalkstein recht hoch in Volnay gelegen. Eine Lage die auch vom Superstar Angerville bearbeitet wird, aber dort wird sie nicht separat vinifiziert. Die Besitztümer sind einfach zu klein. Uralte Reben stehen hier bei Jadot in Dichtpflanzung. Wie immer wird komplett entrappt. Vergoren im offenen Gärständer und dann ins Barrique überführt. Ein Drittel neues Holz, 18 Monate Ausbauzeit. In diesem Wein haben wir beides: Die unglaubliche Dichte und Reife aus 2018 und diese fast wollüstige rotfruchtige Orgie mit dieser immensen Süße. Da kommt ein immenser Schub aus reifer Kirsche und etwas Pflaume, Sanddorn dahinter. Wunderbare Würze in dieser ganz tiefen, warmen, reichen Frucht. Süße aus der Maulbeere, wow, und trotzdem bleibt es fein und bleibt Volnay. Und gerade im Mund schlägt die Gemeinde dann noch mehr durch. Auch hier diese Hyperkonzentration und die unglaubliche Feinheit der Tannine, diese charmante Balance in der Fülle. Wir waren direkt davor bei Angerville und es steht außer Frage, dass die zwei, drei Top-Lagen bei Angerville nahezu unantastbar sind in Volnay. Aber dieser Mitans besticht durch seine kraftvolle Art, die mit satter Frucht unterlegt ist und trotzdem so fein und balanciert daherkommt. Ein Hyperkonzentrat, tänzelnd und fruchtig und Volnay in typischer Art. Aber der Wein braucht 10 Jahre, vielleicht sogar 15. Ein Top-Wein! 96–97/100

2018 Chambolle Musigny Lieu-dit Drazey

In diesem Weinberg hat Jadot 0,4 Hektar Anteile. Ich kaufe ausschließlich Domaine-Weine aus Eigenbesitz bei Jadot. Das übliche Spiel hier: Alles vollständig entrappt, im offenen Holzgärständer vergoren und im Barrique mit 30 % Neuholzanteil über 18 Monate ausgebaut. Ich probiere diesen Wein direkt neben dem Volnay Mitans, also zwei Mal Inbegriff der Feinheit aus Burgund. Gerade in so reichen, warmen Jahren können Volnay und Chambolle ebenso ihre Stärken zeigen. Die Nase dieses Chambolle Drazey ist deutlich feiner als die des zuvor probierten Volnay Mitans. Total verspielt auf der Himbeere laufend, wie ein zarter Cabernet Franc, leichte Würze darunter, ein Hauch Holunder, minimale Spuren von schwarzer Kirsche, aber Himbeere und Maulbeere bleiben dominant. Alles total verspielt, tänzelnd, fein und zart. Der Mund ist für einen Chambolle ausgesprochen kraftvoll und dennoch bleibt es unendlich fein, viel feiner noch als der Volnay. Das ist so tänzelnd aber die lange Mineralität druckt hinten raus, dann schieben sich auch wieder Himbeere und Kirsche mit rein. Einerseits ist das typisch Jadot mit dieser Vollmundigkeit, mit dieser Barrique-betonten Würze und dem Druck. Auf der anderen Seite haben wir dieses typisch Chambolle-artige mit der Zartheit und der Verspieltheit. Ein Traumwein aus einem sehr reifen, druckvolleren Jahr mit mehr Fleisch und Power, doch das passt sehr gut. 96–97/100

2018 Beaune 1er Cru Aux Cras

Die Lage Aux Cras liegt mitten im Filetstreifen der Weinberge von Beaune. Hier stehen uralte Reben, die vor langer, langer Zeit bereits von Jadot übernommen wurden. Manche über 80, manche über 100 Jahre alt. Ich kaufe ausschließlich Domaine-Weine aus Eigenbesitz bei Jadot. Das übliche Spiel bei Jadot: Alles vollständig entrappt, im offenen Holzgärständer vergoren und im Barrique mit 30 % Neuholzanteil über 15 bis 18 Monate ausgebaut. Diese 1,14 Hektar Aux Cras tragen mit den ältesten Rebbestand des Hauses Jadot. Das ist ein Hyperkonzentrat. Da war ich sehr gespannt wie das gelungen ist und nach über 30 probierten Jadot Weinen war dieser hier tatsächlich das Highlight. Totale Reife in der Nase. Extrem viel schwarze Kirsche, auch Lakritze, fast ein wenig an Wacholder erinnernd in der Würze. Maulbeere, Johannisbrotbaum, Cassis, Sanddorn und ein bisschen Holunder. Das ist eine multikomplexe Nase, dunkel, würzig und reich. Der Mund ist so das man denkt das kann nicht sein aus einer 1er Cru Lage in der Côte de Beaune. Mit so unglaublich viel Druck, dass sich alles zusammenzieht aber es ist nicht fett und das ist das Erstaunliche. Ein rotschwarzes Potpourri mit ganz viel Sanddorn, irrer Würze, Kalkstein und Salz. Unglaubliche Länge, Cranberry, reife Himbeere, ein bisschen Schattenmorelle, ganz feine Säure. Ein Konzentrat von einer immens hohen Dichte, ohne dass er marmeladig wird. Dazu ist es ein druckvoller Kraftwein, ohne dass er jemals hart oder rustikal wird. Fast erotisch lecker, dicht, fruchtbepackt, mit hoher Mineralität aus den so alten Reben. Ein toller Wein. Kann man die Cote de Beaune in 2018 so hoch bewerten? Ich bin begeistert von diesem Wein. Er muss in unser Sortiment und zwar am besten in hoher Stückzahl. Ich kann nur jedem empfehlen da einzusteigen. everybody’s Darling aber nur für Leute, die mit dieser immensen Power klarkommen. 97–98/100

Sylvain Pataille

Von Beaune aus geht es nun über die Stoßdämpfer-freundlichere Autobahn zur nördlichsten Gemeinde der Cote d’Or. Das Örtchen Marsannay schmiegt sich hier an die urbanen Ausläufer der Kulinarik-Hochburg Dijon. Genau genommen verwächst Marsannay durch die anhaltende Ausdehnung der Stadt zunehmend mit den südlichen Vororten der kleinen Großstadt. Ein Name ist untrennbar mit der Gemeinde verbunden: Sylvain Pataille. Er ist der Großmeister, der mit seinem freigeistigen Wirken dem kleinen Örtchen einen festen Platz im Herzen vieler Weinenthusiasten erobert hat. Er schafft dabei etwas, dass nur wenigen Winzern gelingt: er begeistert sowohl Jünger der Naturweinszene, als auch klassische Burgunderfans. Denn seine charakterstarken Weine sind best of both worlds.

Einst als junger Wilder angetreten, ist Pataille heute eine feste Größe im Burgund. Seinem hoch-individuellen Stil ist er dabei stets treu geblieben, mehr noch, er setzt weiterhin Maßstäbe, was naturbelassene Weine der allerersten Reihe angeht. Aber nicht nur Marsannay steht auf seiner Flagge. Er ist ebenso einer der Mitbegründer und Vorreiter einer dynamischen Szene, die die alt-burgundische Rebsorte Aligoté in neuem Glanz erstrahlen lässt. Aligoté ist jetzt cool – zu Recht! Denn wer einmal seinen Aligoté aus der hervorragenden Lage Clos du Roy im perfekten Trinkfester im Glas hatte, der wird die viel zu lange stiefmütterlich behandelte Rebsorte in einem völlig anderen Licht sehen. In Sachen Größe und Eigenständigkeit kommt da höchstens noch Laurent Ponsots 1er Cru Monts Luisants mit, der seit 2005 ebenfalls wieder ein reinsortiger Aligoté ist. Pataille und unter anderem auch unsere Winzerin Agnes Paquet, haben mit der Vereinigung „Les Aligoteurs“ eine qualitative Speerspitze für die Sorte ins Leben gerufen. 2019 war deren erste groß angelegte Verkostung in Paris. 2020 werden sicher weitere folgen – Fans der Rebsorte sollten dran bleiben. Wer noch keiner ist: Mit Patailles Weinen ist der Weg dorthin sehr kurz. Der Jahrgang 2018 ist keiner nach Sylvain Patailles persönlichem Geschmack gewesen. Er ist kein Fan von „millesimes solaires“, also Hitzejahren. Spannung geht für ihn über alles, und die ist in solch einem Jahr natürlich umso schwerer zu erhalten. In seinen Augen ist das Jahr eine etwas üppigere Mischung aus 2009 und 2012, also unserer Meinung nach dennoch sehr vielversprechend.

Sylvain liest die Weine in seinem Keller wie andere Bücher. Sein Chardonnay Charmes aux Pretres ist im ersten Jahr des Ausbaus immer der oxydativste aller Weine, um dann im zweiten Jahr in eine extrem kreidige Reduktion zu drehen. Total abgefahren was hier in den alten Fässern schlummert. Für Pataille ist es eine charakteristische Eigenart der Lage. Ich kann nur sagen, dass wir überwältigt wurden von der Spannung und dem mineralischen Druck dieses Weines. Eine große Show! Sicher einer der grandiosesten, wenn auch etwas extremen Weißweine, die wir aus diesem Jahr probiert haben. Pataille-Style vom Feinsten, ein Megawein. Die Lagen-Pinot Noirs sind zum Zeitpunkt unseres Besuchs noch sehr reduktiv, weil sie noch gar nicht abgestochen wurden. Sie liegen überwiegend ungeschwefelt und unberührt im Fass. Auch bei den Roten glänzt Charme aux Pretres. Die Lage ist bei der INAO (zuständig für die AOCs Frankreichs) zur Hochstufung als Marsannay Village angemeldet. Aktuell liegt sie auf Bourgogne regional Einstufung. Das ist ein großer Witz bei dieser Qualität im Glas. Aber eigentlich auch egal am Ende, Insider wissen ja was Sache ist. Sylvain Patailles 2018er Pinot Noirs sind reichhaltig, fruchtstark und zugleich fest strukturiert. Die feinporigen, samtigen Tannine legen sich wie feinstes Puder über den Gaumen. Pataille ist auch in diesem Jahr ein eigener Kosmos. Vielleicht etwas unkonventionell im ersten Angang, aber unwiderstehlich, wenn man erst mal angefixt ist.

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2018 Bourgogne Aligoté

Der Aligoté ist Patailles absolutes Steckenpferd, fünf verschiedene erzeugt er mittlerweile. Alle Weine bei Sylvain entstehen in biodynamischer Weinbergsarbeit, Handlese mit kleinsten Erträgen, alles macht der Großmeister höchstpersönlich. Alles wird spontanvergoren. Das Ausgangsmaterial wird angequetscht und dann als Ganztraube auf der kleinen Korbpresse über mehrere Stunden gekeltert. Der Most geht dann ungeklärt, ungeschwefelt und unbearbeitet direkt ins Holz in die Spontangärung. Der Basis Aligoté wird je zur Hälfte in Edelstahl und im Barrique vergoren. Der Ausbau erfolgt dann im gebrauchten Barrique. Sylvain Pataille mag keinen Schalenkontakt bei Weißweinen, weil er nicht mag wie es die Aromatik verändert. Die Nase dieses Aligotés ist gerade für einen 2018er sehr überraschend, weil sie so frisch ist, leicht grüne Elemente enthält. Grünliche Reneklode, ein bisschen Avocado dahinter, echt spannende Nase, ein ganz kleiner Touch Holz, hohe Intensität und unglaubliche Frische. Obwohl der Wein die Malo durchlaufen hat, hat er fast zitrische Säure. Erstaunliche Länge und viel Terroirabdruck, Kalkstein, Salz und Kreide. Und immer wieder diese schön angenehme, leicht grünliche Frische. Aligoté in einer famosen Ausprägung mit ganz viel Eigenständigkeit und Charakter. Am Ende rollt wieder ein bisschen Quitte hoch, wieder die leicht grünliche Aprikose mitsamt Aprikosenkernen. Das macht wirklich viel Freude und ist ein eindrucksvoller Stil für Aligoté. Sylvain Pataille ist eben der Großmeister schlechthin für diese Sorte. 93-94/100

2018 Aligoté Champs Forey

Die Reben sind uralt, die Reben wurden 1932 und 1961 gepflanzt. Lehm- und tiefe Kiesböden. Auf 200 Metern N.N. im Talboden gepflanzt. Alle Weine bei Sylvain entstehen in biodynamischer Weinbergsarbeit, Handlese mit kleinsten Erträgen, alles macht der Großmeister höchstpersönlich. Alles wird spontanvergoren. Das Ausgangsmaterial wird angequetscht und dann als Ganztraube auf der kleinen Korbpresse über mehrere Stunden gekeltert. Der Most geht dann ungeklärt, ungeschwefelt und unbearbeitet zunächst zur Angärung in Edelstahl und dann zur weiteren Vergärung, für Malo und Ausbau in Demi-Muid Fässer von 350 Litern, zweite und dritte Belegung. Ausschließlich Spontangärung. 15 Monate Ausbau, normalerweise ohne Batonnage, das ist ein bisschen abhängig wie sich der Wein bezüglich Reduktion und Oxidation verhält. Wenn der Wein zu sehr Richtung Oxidation geht rührt er die Hefen etwas auf, um deren reduktive Wirkung zu verstärken. Vor der Abfüllung wird der Wein nochmal für vier bis fünf Wochen im Edelstahl homogenisiert. Dieser Wein besticht in der Nase nicht durch Holzeinfluss, denn gebrauchte 350 Liter Fässer geben kaum noch Holzaromatik ab. Bestechend ist diese Tiefe aus den uralten Reben, so profund, man ahnt kaum, dass Aligoté eine solche Ausdruckskraft hervorbringen kann. Quitte, Kimchi, anfermentiertes Gemüse, etwas Sauerkraut, eine Aromatik von der Spontangärung und der Reduktion, dazu grünliche Ananas, das ist wirklich spannend. Der Wein erweckt auch ein wenig den Eindruck als hätte er einen gewissen Schalenkontakt bekommen, das hat er aber nicht. Hier gibt es immer nur Direktpressung. Eine unglaubliche mineralische Tiefe, der Duft reicht schon, so immens, so reich, so dicht. Und das ist ein Aligoté! Blind hätte ich ihn wahrscheinlich für einen großen Chenin Blanc von der Loire gehalten. Dass es kein Chardonnay ist, ist eindeutig. Aber Aligoté?! Der Wein ist durchaus würdig der Nachfolger des großen Aligoté Clos du Roy von Pataille zu sein, der für mich zu den größten Aligotés überhaupt zählt. Sehr persönlich, sehr ausdrucksstark. Der Wein steht für Minuten und zeigt eine wahnsinnige Frische für 2018. Patailles Weine zeigen 2018 fast die selbe Frische wie die 2017er, das ist eine wirkliche Besonderheit hier. Der Mann kann es wirklich. Der Champs Forey rollt immer wieder hoch, diese Fruchtintensität, Kimchi, grüne Ananas, zerstoßene Aprikosenkerne, ein bisschen Quitte und leichte zitrische Noten dazu. Aber das ist auf keinen Fall Everybody’s Darling, sondern ein Wein für Kenner oder Freaks. Nur der Basis Aligoté von Pataille ist ein Wein für Jedermann, aber in gehobenen Qualitäten. Dieser Champs Forey ist wirklich super spannend, aber man sollte schon etwas rumgekommen sein in der Welt der freakigen, leicht schrägen Weißweine. 94-95/100

Domaine Trapet

Es bleibt nicht viel Zeit darüber nachzudenken wie Sylvain Pataille es wohl geschafft hat, dem üppigen Jahrgang so viel Spannung und Vibration zu entlocken. Denn der nächste Termin liegt nur einen Steinwurf entfernt im benachbarten Gevrey Chambertin. Die berühmte Gemeinde ist nur durch das noch kleinere Fixin von Marsannay getrennt. Hier residiert mit Jean Louis Trapet nicht nur einer der berühmtesten Botschafter des Ortes, sondern auch einer der ursympathischsten Winzer der Region. Man sieht Jean Louis Trapet selten ohne sein mildes Lächeln im Gesicht. Dazu zählen Patailles und Trapets Bourgogne Rouge regelmäßig zu den allerbesten im Burgund, weil sie unglaublich saftig und aromatisch sind. Die reinste Trinkfreude.

Genau wie bei Pataille ist auch hier die Biodynamie eine maßgebliche Konstante in den Weinbergen. Bereits seit über 20 Jahren arbeitet die Domaine biologisch und seit 10 Jahren auch biodynamisch zertifiziert. Die Familie Trapet ist seit Jahrhunderten mit dem Weinbau in Gevrey verwurzelt. Der sanftmütige Patron kann stundenlang über die Historie dieses Ortes referieren. Zum Beispiel darüber, wie sein Urgroßvater während der Reblauskrise in einer Nacht-und-Nebel-Aktion als erster Pfropfreben mit amerikanischen Wurzeln in Gevrey gesetzt hat. Zu einer Zeit als das in Frankreich noch illegal war. Doch viele folgten seinem Beispiel, als es erst mal funktionierte. Jean Louis Trapet ist die Ruhe selbst. Er bewirtschaftet entschleunigte Weinberge, dessen Ökosysteme er zu verstehen sucht. In der Domaine folgt eine minimalistische, langsame Vinifikation mit überwiegend moderatem Holzeinsatz. In diesem Ruhepol von Weingut entstehen echte Slow-Wines. Umso überraschender ist es, dass Trapets Weine alle mit einer begeisternden Vitalität gesegnet sind. Es sind rotfruchtige Energiebündel, die dank kreidigem Gripp und elektrisierenden Säuren über die Zunge donnern wie ein Kugelblitz. Die 2018er Kollektion ist eine Wucht, aber abermals eine in saftiger Delikatesse und feinnerviger Eleganz. Selbst in diesem Jahrgang keine Spur von blanker Üppigkeit. Familie Trapet schafft es auf wundersame Weise, auch in höllisch warmen Jahren eine brillante Balance zu erhalten. Selbst in Jahren wie 2009 oder 2015 füllt Trapet seine Gevrey Chambertin Villages beizeiten mit 12.5% vol. ab, und schafft es dennoch den Weinen Tiefe und das nötige Format mitzugeben. Das ist schon einmalig. Viele Winzer berichten davon, dass die Biodynamie dabei hilft, eine physiologische Traubenreife schon bei niedrigeren Öchslegraden zu erreichen. Trapets Weine sind ein eindrückliches Beispiel dafür.

Als einer der wenigen Winzer auf unserer Reise schätzt Jean Louis Trapet den Jahrgang 2018 sogar höher als den extrem vielversprechenden 2019er. Seine Begründung sind die Ertragseinbußen durch Hitze und Trockenheit in 2019, das eben das zweite Trockenjahr in Folge war. Dafür bescheinigt er den 2018ern eine Steigerung der 2005er zu sein. Vor allem auf Grund noch besserer Weinbergsarbeit und fortschrittlicherem Phenol- Management. Besonders bemerkenswert ist immer Trapets Latricières Chambertin. Der reicht zwar nicht an die Größe seines Le Chambertin heran, ist aber einfach ein höchst faszinierender Wein. Latricières war die erste Grand Cru Lage im Portfolio der Domaine. Der Urgroßvater erwarb die unterhalb des 1er Cru Lavaut-St-Jacques liegende Parzelle im Jahr 1904. Latricieres ist wie ein Amphitheater exponiert. Dazu ist der Boden von hellen Kalk- und Kreidebruchstücken übersät, was eine gewisse Wärme verleiht. Zugleich liegt die Lage aber in einer Combe, also Kuhle, wie sie für die Terroirs des Burgunds von ganz entscheidender Bedeutung sind. Durch die Mulde des St- Jacques und des Latricieres zieht fast permanent ein kühler Abwind aus dem Wald. Die Gegenpole zwischen frischem Wind und der Wärme der Lage machen die Charakteristik von Latricières aus. Ein Wein von beinahe unbegreifbarer, intrinsischer Energie, die mit Laser-artiger Präzision die wollüstige, samtig-weiche Phenolstruktur durchbricht. Ein Wein, der Gegensätze vereint. Wenn man von hoher Vertikalität sprechen mag, ist das ein Wolkenkratzer. Trapet ist einfach total unique. Wir sind hocherfreut, Ihnen seine sehr limitierten Weine nun anbieten zu können.

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2017 A Minima Naturwein

Bereits seit langer Zeit experimentiert Jean Louis Trapet auch ein klein wenig mit Natural Wine. Ein Praktikant hatte ihn ursprünglich auf die Idee gebracht. Das war schon Ende der 1990er Jahre, als nur eine winzige Gruppe von Vorreitern im Beaujolais und dem Jura ohne den Zusatz von Schwefel arbeitete. Noch heute baut Trapet mit dem A Minima einen Blend aus 50 % Gamay und 50 % Pinot Noir – also quasi Bourgogne Passetoutgrain – ohne zugesetzten Schwefel aus. Der Wein stammt aus drei winzigen Parzellen von zusammen etwas mehr als einem halben Hektar, entsprechend gering ist die erzeugte Menge. Dennoch bekommt er die selbe akribische Aufmerksamkeit wie alle Weine bei Trapet. Biodynamische Weinbergsarbeit, Handlese, spontane Vergärung, keine Schönung, keine Filtration und in den meisten Jahren absolut kein Schwefelzusatz. In der Nase fruchtbetont und saftig, Himbeere, Walderdbeere, Johannisbeere, charmant und offenherzig, geradezu berauschend in der Frucht. Am Gaumen die von Trapet gewohnte, rassige Säurespur, die dem Wein auch am Gaumen die entsprechende Lebhaftigkeit spendiert. Ein Leichtgewicht mit zartesten Tanninen und doch hoher Aromatik und wunderbar einnehmender, so saftiger Beerenfrucht. Ein immens leckerer Saft ist das. Eigentlich sollte dieser Wein, ob des hier angesteuerten Trinkflusses, nur in Magnumflaschen gefüllt werden. Easy-drinking vom Allerfeinsten, und den weggelassenen Schwefel merkt man hier überhaupt nicht. Das ist einfach ein ganz feiner Wein für die Freude. 91+/100

2017 Bourgogne Rouge

Seit 1996 ist Trapet Bio-Vorreiter, seit 2009 auch komplett biodynamisch zertifiziert. Natürlich wird auch der Bourgogne wie alles bei Trapet zu 100 % mit der Hand gelesen und selektiert. Sein Bourgogne Rouge ist immer eine Wucht, aber eine in Delikatesse und Eleganz, niemals in Üppigkeit. Wunderschöne Sauerkirschfrucht, etwas Johannisbeere und ein kleiner Hauch feinste Cassis, aber völlig ohne Überreife. Die dunklere Fruchtanmutung kommt eher aus dem Terroir, denn hier wird tendenziell meist eher etwas früher gelesen. Bereits eine charmante Süße ausstrahlend, aber auch kreidige und erdige Noten zeichnen diesen biodynamisch erzeugten Bourgogne aus. Am Gaumen wunderbar saftig mit dieser genialen, frischen Säurespur, die so typisch für Gevrey und auch besonders typisch für Trapet ist. Johannisbeere, Sauerkirsche, ein bisschen Boysenberry tanzen übers kreidige Parkett. Die Struktur ist ausgesprochen zart und die Tannine schon jetzt so ultrafein, dass man sie kaum am Gaumen spürt. Was für ein immens leckerer, beschwingter Baby-Gevrey Chambertin. Da zieht sich sogar eine berauschende Ladung feinster Salzigkeit in dieser kirschigen und johannisbeerigen Feinfruchtigkeit durch. Das ist schon ein kleiner in Flaschen gefüllter Hochgenuss, wenn man denn Eleganz und Frische höher schätzt als blanke Wucht. Dieser fein-nervige Charakter mit viel Auftrieb und zarter Rotfruchtigkeit mit dunkelwürzigem Terroirabdruck zeichnet Jean Louis Trapets Weine eben alle aus. Vom Bourgogne Rouge bis zum Chambertin ein unverkennbarer Stil und ein unweigerlicher Genuss für Freunde der Mozart-artigen Interpretation von Gevrey Chambertin. Zusammen mit Sylvain Patailles Bourgogne Rouge immer einer der qualitativen Preis-Leistungs-Hammer der Cote de Nuits. Leider nur stark limitiert zugeteilt, denn die ganze Welt dürstet nach diesem feinen Saft aus Gevrey. 93+/100

2017 Gevrey Chambertin Village Ostrea

Die Cuvée Ostrea stammt von sehr alten Reben in muschelkalksteinreichen Weinbergen in Brochon. Natürlich auch hier komplett biodynamisch bewirtschaftet, denn seit 1996 ist Trapet Bio-Vorreiter und seit 2009 auch biodynamisch zertifiziert. Die Gemeinde Brochon liegt zwischen Gevrey Chambertin und Fixin im Norden aber darf seine Weine als Gevrey labeln, weil die Lagen die entsprechende Qualität aufweisen. Im offenen Holzcuve vergoren mit etwa einem Drittel Rappenanteil, dann für Malo und Ausbau ins überwiegend gebrauchte Barrique überführt. Wir haben eine sehr versammelte Nase mit guter Konzentration und trotzdem sehr hoher Spannung schon in der Nase. Schöne Sauerkirsche, wilde Himbeere, feiner Rauch, sogar etwas Walderdbeere ist dabei. Grandiose Spannung und die von Trapet gewohnte Energie springt aus dem Glas. Am Gaumen extrem fein mit wunderbar klarer Frucht, saure Kirsche und Johannisbeere in saftigster Ausführung. Diese Gevrey-typische Rotfruchtigkeit wie sie kaum einer so strahlend schön ausdrückt wie Trapet. Diese Spannung auf der Zunge aus der grandiosen Säure ist schon famos, allerdings nie aggressiv werdend, alles ist reif und fein. Hinten raus schieben dann schöne feinsandige Tannine, die die wunderbare Frucht einhüllen. Wirkt extrem zart, überhaupt nicht stark extrahiert. Dieser extrem feinkörnige, kreidige Gerbstoffmantel passt hervorragend zu dieser strahlend roten Frucht. Wow, was ist das ein delikater, saftiger Mund. So wunderschön geschliffen und bereits verblüffend harmonisch. Eigentlich zum direkt wegschlürfen in dieser animierenden Saftigkeit!  Im Nachgeschmack packt ein bisschen Kreidestaub zu, nebst Graphit und ein bisschen extraktsüßer Bitterschokolade, geniale Kombination. Total polierter, eleganter, grandios spannungsgeladener Gevrey Chambertin aus dem traumhaft feinen Jahr 2017, dem für Jahr für zartschmelzende Pinots mit Rasse und Spannung. Eigentlich könnte man den Wein noch so viel höher bewerten, weil er so unglaublich delikat ist. 94-95/100

2017 Gevrey Chambertin 1er Cru Capita

Den Capita gibt es nicht immer, er wird nur in sehr guten Jahren erzeugt. Es ist ein Blend aus den 1ers Crus En Ergot, Combottes, Petite Chapelle und Clos Prieur und vereint dementsprechend die Eigenschaften dieser Lagen zu einer enormen Komplexität. Alles wird zu 100 % biodynamisch bewirtschaftet. Seit 1996 ist Trapet Bio-Vorreiter, seit 2009 auch komplett biodynamisch zertifiziert. Der Ausbau ist hier für alle Village, 1ers Crus und Grands Crus gleich. Offen vergoren und dann ins Barrique überführt, Malo im Barrique. Für die 1ers Crus gibt es ein Drittel bis zwei Drittel Neuholz, je nach Jahrgang und Beschaffenheit des Traubenmaterials. Alle Grands und Premiers Crus haben 2017 ungefähr 30 % Rappenanteil bekommen. Eine schöne saftig-rotfruchtige Nase, direkt so viel Sauerkirsche aber auch dunkel, graphitig unterlegt, nicht so strahlend-hell wie die Cuvée Ostrea aus dem selben Hause. Zeigt mehr dunkle Mineralik, ein bisschen Teer und auch etwas Schwarztee. Am Gaumen zeigt sich der Capita ziemlich fest und druckvoll, dann packt unheimlich feinkörniges, reifes Tannin zu, begleitet von einer hellen Kreidespur, die den Gaumen durchzieht. Diese sehr helle, ganz zarte Kreidespur steht im Gegensatz zur eher dunklen, Graphit-artigen Anmutung und ergibt ein komplexes, mineralisches Spiel. Im enorm saftigen Nachhall kommt auch viel Salz mit, das sich noch zunehmend intensiviert in der kristallklaren, roten Frucht. Schöne Johannisbeere, ein bisschen Cranberry kommt dazu, salzig unterlegte Sauerkirsche. Auch hier haben wir wieder diese feine, säuregetragene und spannungsgeladene Kraft hinten raus, die aber niemals hart wird, sondern immer fein und geschliffen bleibt, total elegant und schwebend. Trapet ist eben der Meister dieses genialen Gevrey-Stils zwischen Power und Eleganz. Das Ganze transportiert so viel Energie und Vitalität am Gaumen in dieser wunderbaren Rotfruchtigkeit mit Gevrey-Würze, dass der Wein auf der Zunge viel leichter erscheint als er eigentlich ist. Wir haben hier schon ordentlich viel Konzentration drin aber durch diese immens feine Säure und die sanfte Vinifikation für diesen tänzelnden Charakter haben wir eben auch diese hohe Eleganz und so unglaublich viel Spannung. Ein großartiger 1er Cru und wie immer auch ein toller Terroirwein aus Gevrey, eben einfach ein ganz klassischer Trapet vom Feinsten. Aus diesem so spannenden Jahr 2017 macht das unglaublich viel Freude. 96/100

2017 Gevrey Chambertin 1er Cru Clos Prieur

Der 1er Cru Clos Prieur liegt etwas unterhalb des Mazis-Chambertin Grand Cru. Südost-Ausrichtung auf lehmigem Kalksteinboden. Die Reben hier sind im Schnitt über 50 Jahre alt. Alles wird biodynamisch bewirtschaftet. Seit 1996 ist Trapet Bio-Vorreiter, seit 2009 auch komplett biodynamisch zertifiziert. Alle Grands und Premiers Crus haben 2017 ungefähr 30 % Rappenanteil bekommen. Je nach Jahrgang und Traubenqualität bekommen die 1er Crus ein bis zwei Drittel Neuholzanteil. Es gibt keine 1000 Flaschen von diesem sehr gesuchten 1er Cru Clos Prieur. Aus dem Glas steigt eine feine Mischung aus roter und schwarzer Beerenfrucht, Boysenberry, Himbeere, Cassis, Holunder, durchaus dicht und konzentriert, aber wie die meisten von Trapets Weinen immer auf der feinen, tänzelnden Seite bleibend. Das Ganze kommt auf einer mineralischen Unterlage, die an frische Erde und zerriebene Kreide erinnert. Im Mund ein Energiebündel, das sich sowohl über saftige Frucht als auch über eine beeindruckende Struktur ausdrückt. Die präzise herangereiften Tannine legen sich wie ein kreidig-samtiger Schleier über den Gaumen, während die strahlende Frucht von lebhafter, geradezu vibrierender Säure getragen über den Gaumen schwebt. Druckvoll, komplex, durchaus Kraft andeutend, aber nie ins Üppige abgleitend. Bleibt total fokussiert und präzise, trotz hoher Komplexität immer geradeaus laufend. Der Wein zeigt einen genialen Kontrast zwischen der hohen Dichte aus den kleinen, konzentrierten Trauben dieser Lage und dem vibrierenden Spiel aus der hohen Kalksteinmineralität und der beeindruckenden Säurepower mit der Trapet umzugehen weiß wie kaum ein zweiter. Archetypisches Gevrey Chambertin vom Feinsten in einem unnachahmlichen, köstlichen Stil. 96+/100

2017 Latricieres Chambertin Grand Cru

Latricieres Chambertin liegt in einer leichten Senke, die fast permanent von kühlenden Winden durchzogen wird. Das sorgt für einen Gegenpol zu dem sehr hellen, steinigen Boden, der sich schnell erwärmt und diese Wärme auch abstrahlt. Latricieres vereint dieses grandiose Spiel aus warmen, reifen und kühleren, spannungsgeladenen Elementen in sich. Eine magische Lage, die gerne mal unterschätzt wird, obwohl sie so spannende Weine hervorbringen kann. Das ist wohl Schicksal, wenn man der südliche Ausläufer des berühmten Le Chambertin Grand Cru ist. Seit 1996 ist Trapet Bio-Vorreiter, seit 2009 auch komplett biodynamisch zertifiziert. Im offenen Holzcuve vergoren und dann zur Malo ins Barrique überführt. Alle Grands und Premiers Crus haben 2017 ungefähr 30 % Rappenanteil bekommen. Wir haben hier im Latricieres eine viel dunklere Frucht, auch deutlich mehr Beerenfrucht als bei den 1ers Crus, alles weist auf höhere Reife und höhere Intensität hin. Ein bisschen Pflaume und Schlehe kommen zur Sauerkirsche. Denn wir haben auch hier beim Latricieres trotz der etwas reiferen Einflüsse immer noch diese enorm spannungsgeladene, saftige, rote Frucht für die Gevrey und besonders Trapet so sehr steht. Aber hier kommen noch mehr blaue Beeren hinzu, etwas mehr Druck, mehr Dichte, die höhere Konzentration klingt deutlich an. Eine zarte Brise asiatische, süße Gewürze, auch etwas Darjeeling. Dadurch kommt eine feine Süße dazu aber auch der Graphit-mineralische wie ihn auch der 1er Cru Capita so deutlich zeigt kommt hier wieder durch. Am Gaumen ist der Wein extrem fein, unglaublich geschliffen. Der Mundeintritt ist wirklich eine Explosion in roter Frucht, das ist dermaßen energiegeladen und saftig, unglaublich. Das ist so immens verspielt wirkend, verblüffend für einen Grand Cru, hier ist nichts überkonzentriert und nichts drückend. Natürlich spürt man die Kraft, die in diesem Wein steckt am Gaumen aber das kommt hier alles auf so einem eleganten, getragenen und feingliedrigen Gerüst daher, dass es die reinste Freude ist. Hier kommt nichts über schiere Kraft oder Üppigkeit, alles bleibt fein und beschwingt. Geradlinig, so fokussiert und gleichzeitig so verspielt und energetisch. Alles wird von dieser feinen Spannung getragen. Eine ganz zarte aber nachhaltig wirkende Säurespur trägt die saftige Rotfruchtigkeit dahin, Johannisbeere, Griottekirsche, süße Kirsche und alles ist auf feinste Salzigkeit gebettet, die lange nachklingt. Hohe Intensität und trotzdem ultrafeinporige Tannine. Dieser Latricieres ist so zart und fein gestrickt, dass man ihn eigentlich direkt trinken kann so delikat ist er. Aber er ist in diesem Jungstadium einfach extrem intensiv in dieser energiegeladenen Frucht, dieser krassen, fast elektrisierenden von Säure getragenen Struktur und dieser hochintensiven Sauerkirschfrucht. Man spürt, dass der Wein noch Zeit braucht ob der durchaus vorhandenen Konzentration. Dennoch ist er bereits so delikat und fein in seinem immens zarten Tannin-Mantel. Total poliert und schwerelos dahingleitend und trotzdem für ein langes Leben gebaut. Das Tannin dominiert zu keiner Zeit, nicht mal in diesem jungen Stadium. Ein großer Wein der Feinheit aus dem Jahr 2017, das sich zumeist und besonders hier eher über Spannung und Energie als durch schiere Power ausdrückt. Wobei Trapets Grands Crus mit dem Alter nochmal ganz dramatisch an gefühlter Dichte und Kraft zulegen können, was man nicht unterschätzen sollte ob ihrer jugendlichen Delikatesse. 97–99/100

2017 Chambertin Grand Cru

Seit 1996 ist Trapet Bio-Vorreiter, seit 2009 auch komplett biodynamisch zertifiziert. Sein Chambertin Grand Cru wird im offenen Holzcuve vergoren und dann zur Malo und zum Ausbau in überwiegend neue Barriques überführt. Alle Grands und Premiers Crus haben 2017 ungefähr 30 % Rappenanteil bekommen. Im Gegensatz zum von kühlen Winden durchzogenen, eher vertikalen Latricieres Chambertin, ist Le Chambertin immer mehr auf der reiferen, konzentrierteren Seite. Chambertin ist einfach eine wunderbar warme Lage, die zu den allerbesten des Burgunds gehört und fast immer volle Reife garantiert. Genau das spürt man hier auch direkt in der Nase. Diese einnehmende Üppigkeit, diese Reichhaltigkeit wie sie auch ein Richebourg hat. Mehr dunkle Frucht, Brombeere, Pflaume, süße Gewürznoten, etwas Zartbitterschokolade, Blaubeere. Diese für Gevrey so typische Rotbeerigkeit ist hier ob des Formats der Frucht etwas reduziert, die Kirsche ist etwas dunkler, auch etwas süßer, die Sauerkirsche bleibt im Untergrund. Der Wein hat eine mundauskleidende Konzentration und intensive, vereinnahmende, voluminöse Dichte am Gaumen mit seidigem Tannin, dass großrahmig und engmaschig daherkommt. Schlehe, Waldbeeren, süße, saftige Kirsche, etwas Kakao und Bleistiftabrieb, Holunder, immer neue Schichten entfaltend. Voluminöse aber seidige Tannine strahlen im beerig-würzigen Nachhall, der von einer wunderbar animierenden Säure- und Salzspur begleitet wird. Helle Kreide nebst dunkler Graphitmineralik bilden den Unterbau für dieses alles vereinnahmende Wunderwerk aus den kühlen Kellern von Jean Louis Trapet. Ein Chambertin wie aus einem Guss mit seiner samtigen, fokussiert geradeauslaufenden und dennoch hochcharmanten Frucht. Diese substanzielle, fast wuchtige Tiefe ist durchaus beeindruckend für den eher zarten Jahrgang 2017. Knapp vor dem super spannenden Latricieres-Chambertin 2017 ist er der beeindruckendste Wein bei Trapet dieses Jahr. Denn er bringt genug Textur, Fruchtkonzentration und Power mit, um ein großer, langlebiger Chambertin zu werden, obwohl er bereits so delikat ist. Wobei Trapets Grands Crus mit Reife nochmal ganz dramatisch an gefühlter Dichte und Kraft zulegen können, was man nicht unterschätzen sollte ob ihrer jugendlichen Delikatesse. 98–100/100

Domaine Thierry Mortet

Dank dem strikten französischen Erbteilungsrecht, das für einiges Kopfzerbrechen im Weinbau sorgt, verfügt Thierry Mortet über die selben herausragenden Weinberge wie sein zur Legende gewordener, verstorbener Bruder Denis Mortet. Letztere Domaine wird mittlerweile von dessen Sohn weitergeführt. Der dynamische Bruder Thierry steht noch selbst und sehr gesund voll im Berufsleben. Er hat Parzellen in den selben 1ers Crus wie Trapet in Gevrey. Thierrys Weine sind eher klassisch, ausgewogen, etwas kerniger und weniger auf Säuren gebaut als der Superstyler Trapet. Bei einigen von Thierrys 2018ern merkt man die Problematik des ultracharmanten Jahrgangs. Einige Weine drohen etwas von der üppigen, dichtgewobenen, schwarzen Frucht in ihrer Lagencharakteristik und Unterscheidbarkeit beeinträchtigt zu werden, sie sind dann zu nett.

Positiv ausgedrückt eben sehr gefällig, das ist kein geschmacklicher Nachteil, aber es fehlen einige Ecken und Kanten. Der Klassiker wird vielleicht hier und da, zumindest außerhalb der Gemeinde Gevrey, zu lieb. Hier muss Heiner sorgfältig sortieren. Gerade auch im Anbetracht von Thierry Mortets grandios tänzelnden und spannungsgeladenen 2017er, die wir so sehr schätzen. Aber die besten Weine von Thierry sind 2018 ganz superb, archetypische Gevreys in einer dunkleren, charmanteren und etwas reiferen Ausprägung als Trapet. Nicht ganz so delikat und feingliedrig, dafür mundfüllend, samtig weich und immens lecker. 2018 Thierry Mortet ist voll von wollüstigem, dunkelfruchtigem Charme. Wer die Spannung liebt, dem wird 2017 immer besser gefallen. Wer mehr den samtigen Druck sucht, den vollen aromatisch fruchtigen Druck, der wird mit 2018 bestens bedient.

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Domaine de Bellene

Verglichen mit dem bzgl. 2018 schon höchst zufriedenen Jean Louis Trapet legt Nicolas Potel noch eine Schippe drauf bei seinem Lobgesang auf den Jahrgang 2018. Wir treffen den umtriebigen Winzer wie meistens recht spät. Die letzten Sonnenstrahlen fielen gerade durch das Fenster seines Wohnzimmers. Wir sind mitten in Downtown Beaune. Potel ist ein gefragter Mann, neben seiner eigenen Domaine de Bellene betreibt er mit dem Maison Roche de Bellene auch noch ein renommiertes Negociant-Business und ist auch Consultant. Sein Vater Gerard Potel ist eine Legende der alten Garde im Burgund. Er war lange Jahre für die Weine der Domaine de la Pousse d’Or in Volnay verantwortlich. Nicolas verfolgt bei De Bellene heute allerdings sein eigenes Ding. Hier hat er völlig freie Hand und kann seinen eigenen Stil entwickeln, ohne an die DNA eines altehrwürdigen Hauses anknüpfen zu müssen. Am charakteristischsten sind sicher seine Abfüllungen aus Beaune und dessen Nachbargemeinden.

Die 2018er Kollektion zeigt den strukturierten, betont fest gebauten Stil von Potel in einer Reintönigkeit und einer geschliffenen Eleganz, wie vielleicht noch niemals zuvor. Durch einen extensiven Rappeneinsatz und eine klassische Vinifikation nach alter burgundischer Schule zeichnen sich die Weine von Bellene immer durch ein vielschichtiges Mundgefühl aus. Der üppigen Frucht stehen stets üppige Tannine entgegen. Lagerfähigkeit und Struktur stehen hier noch über allem, es ist kein allzu moderner Stil, den Potel pflegt. Deshalb spielt ein Jahr wie 2018 mit seiner grandiosen Phenolstruktur ihm natürlich wie maßgeschneidert in die Hände. Die Tannine sind in diesem Jahr zwar in Massen vorhanden, aber eben fein wie Samt. Es ist also kein Wunder, dass Potel den Jahrgang 2018 für den besten hält, den er in seiner Karriere als Winzer je vinifiziert hat. In seinen Augen steht 2018 über allen Topjahren der 2000er und sogar über seinem bisherigen Primus 1990. Potel schätzt das Lagerpotenzial von 2018 seiner Erfahrung nach als beinahe unendlich ein. Umso überraschender ist es, wie ansprechend und delikat die Weine schon jetzt zum Zeitpunkt unserer Probe sind. So gesehen können wir seine Begeisterung für den Jahrgang durchaus nachvollziehen. Heiner Lobenberg konnte vor kurzem hier noch eine schöne Serie von gereiften Jahrgängen wie 2011, 2012 und 2013 aus absoluten Top-Lagen erwerben. Eine hervorragende Kostprobe für das Alterungspotenzial der biologisch angebauten Weine von de Bellene - zu sehr fairen Preisen.

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Domaine des Monts Luisants

Unweit von Nicolas Potels Wohnung treffen wir Monsieur Dufouleur in seinem kleinen Büro, dass wie ein kleines Reisebüro mitten in der Stadt anmutet. Die Weine der Domaine des Monts Luisants sind sein Herzensprojekt. Er vinifiziert die Weine wie seine Urgroßväter, das heißt mit rudimentären Mitteln und nahezu ohne den Einsatz von Technik. Alles mit den Füßen eingemaischt, immer 100 % Ganztrauben. Fast nur der ohne Druck von der Presse ablaufende Saft wird verwendet, um eine zu massive Phenolik zu vermeiden. Im Jahr 2017 hat er eine neue Parzelle gekauft. 0,3 Hektar in einem Lieu-dit namens Le Rognet et Corton, Appellation Corton Grand Cru.

Seine Parzelle grenzt direkt an die der Domaine de la Romanée Conti im Corton an. Der Wein wird unter dem Label Dupré vermarktet, der 2017er ist das Erstlingswerk. Er darf nicht sein bisheriges Label verwenden, weil er die Parzelle durch eine Firma mit anderer Rechtsform gekauft hat. Es folgt eine irre Geschichte über die Irrungen der französischen Bürokratie, viel Stress mit dem Zoll inklusive. Im Endeffekt durfte er den Wein nicht mal in seinem Weingutskeller vinifizieren. Bis zwei Tage vor dem Erntezeitpunkt war er noch auf der Suche nach einer Alternative, dann fand er in höchster Not und letzter Sekunde einen Keller in Beaune, in dem er den Wein vergären und ausbauen konnte. Eine irre Geschichte zu einem sehr spannenden Wein, der dem ausgefallenen Stil des Jean-Marc Dufouleur in jeder Hinsicht treu bleibt.

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Tollot-Beaut

In nördlicher Richtung aus der Innenstadt von Beaune hinaus, sind wir nach zehn Minuten in Chorey les Beaune. Das ist neben Savigny, Pernand Vergelesses, Ladoix und Aloxe Corton, eine der kleinen Gemeinden im Umland des Corton Berges. Eine der spannendsten, und unterbewertetsten Regionen der Côte d’Or. Leicht hügelig, oft kühler hier und mit diversen Bodenarten. Schatzsucher und Schnäppchenjäger werden hier am ehesten fündig. Nirgendwo sonst gibt es so viel kleine Familien-Domaines, die handwerkliche Qualität zu bodenständigeren Preisen anbieten. Eine solche ist auch Tollot-Beaut.

Die unglaublich liebenswürdige Nathalie Tollot und ihre Familie stehen für sehr klassische Burgunder aus biodynamischem Anbau. Seit 2014 setzt die Domaine eine moderne Entrappungsmaschine ein, die die Beeren absolut unversehrt lässt. Somit kann eine intrazelluläre Angärung innerhalb der Beeren á la Macération Carbonique auch bei vollständiger Entrappung erfolgen. Die Weine haben dadurch nochmals an Präzision, Feinschliff und vor allen Dingen Charme gewonnen. An ihrer würzigen, dichten Struktur und der großartigen Alterungsfähigkeit hat das allerdings nichts geändert. Dafür sind die Pinot Noirs noch zugänglicher, klarer und ausdrucksstärker geworden, die sehr spannenden, oft eisenhaltigen Böden am Corton sorgen dazu für den ganz speziellen Charakter. Nathalie Tollot erzählt uns von der Legende, dass Karl der Große den Corton Charlemagne von traditionell rot auf wie heute üblich weiß umpflanzen lies. Seine Frau störte sich angeblich an den Rotweinflecken in seinem weißgrauen Bart. Tatsächlich war der Charlemagne früher Rotwein Terroir und wurde erst in den jüngeren Jahrzehnten mit Chardonnay und Pinot Blanc bestockt. Viele Weinberge wurden umgepfropft, sodass der weiße Charlemagne stetig erweitert wurde und heute auch viele ost- und west-exponierte Parzellen umfasst.

Der traditionelle Kernbereich der Lage ist der südwestliche Hangkopf. Hierher kommt der Corton Charlemagne etwa von Bonneau du Martray, und ab 2019 auch der von Domaine Romanée Conti, die von ersteren gepachtet haben. Die Ostexpositionen sind aber in einem Jahr wie 2018 gar vielleicht bevorteilt? Jedenfalls ist Tollot Beauts Corton Charlemagne, genau wie schon bei Faiveley, einer der besten Weißweine des Jahrgangs 2018, auch wegen seiner charakteristisch eher kühleren Frucht und hohen Spannkraft. Bei den roten begeistert vor allem der griffige 1er Cru Beaune Grèves, der in diesem Jahr seine würzige Kraft mit samtigem Charme vereint. Großartig!

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Chandon de Briailles

Im benachbarten Savigny les Beaune besuchen wir mit der Domaine Chandon de Briailles ein weiteres familiengeführtes Kleinod. Zunächst beeindruckt das traumhafte Gutshaus, das fast an ein kleines Château im Médoc erinnert, aber natürlich im mittelalterlich-burgundischen Stil erbaut ist. In Frankreich ist diese grandiose Domaine schon lange gefeiert, aber in Deutschland fliegt sie noch immer etwas unter dem Radar und ist was für eingeweihte Insider.

Seit 2001 wird die Domaine von Francois de Nicolay und seiner Schwester Claude gemeinsam geführt. Bereits seit 1998 wird hier ausschließlich biologisch-organisch im Weinberg gearbeitet. Francois war zuvor Weinhändler in Paris. Somit hat er die Qualitätssteigerungen einiger seiner Produzenten, die in den 1990ern zur Biodynamie konvertierten, aufmerksam beobachtet. Es stand für ihn fest, dass er diesen Weg auch in seiner eigenen Domaine umsetzen wollte. Ab dem Jahrgang 2005 wurde dann komplett biodynamisch gearbeitet, 2011 folgte die vollständige Zertifizierung. Die Bodenbearbeitung findet wieder mit Pflug und Hacke statt, Pflanzenschutz wird nur reaktiv und nicht präventiv angewendet. Aber auch der Einsatz von Kupfer wurde über Jahre auf ein Minimum reduziert. Chandon verfügt über absolute Spitzenlagen in der Region um den Corton. Zum Portfolio zählen neben vielen der besten 1ers Crus aus Savigny und Pernand-Vergelesses auch Filetstücke in Corton-Bressandes und Corton Clos du Roi.

Um diese Lagenschätze möglichst unverfälscht zum Ausdruck bringen zu können, ging man auch im Keller den Weg des radikalen Nicht-eingreifens. Francois de Nicolay bezeichnet seinen Ansatz als „neo-klassischen“ Burgunder-Stil. Es ist modernes Know-How nötig, um eben möglichst nicht in die Weinwerdung eingreifen zu müssen, und dabei trotzdem extrem langlebige, stabile Burgunder entstehen zu lassen. Die Chardonnays bleiben unberührt in überwiegend alten Fässern auf ihrer Hefe liegen, bis zur ungeschönten und unfiltrierten Abfüllung nach 12 bis 16 Monaten. Die Rotweinbereitung verläuft ebenso minimalistisch. Traditionelle, offene Vergärung im Holzcuve, für die Premiers und Grands Crus mit höheren Rappenanteilen. Dabei stetige Kontrolle von Temperatur, Dichte, flüchtiger Säure, usw.. Bis die Weine dann, noch warm und ohne Pumpen in alte Barriques zum Ausbau für 16 bis 18 Monate in den Keller abgeleitet werden. Auch hier wird den Weinen weder etwas hinzugefügt, noch weggenommen. Keine Ansäuerung, keine Aufzuckerung, keine Hefen, keine Schönungsmittel, keine Filtration, kaum Schwefel, Abfüllung per Schwerkraft. Einfach nur der pure, vergorene Saft. „Naturwein“ im klassischsten Sinne. Das ist Chandons Verständnis von maximalem Terroirausdruck und minimaler Intervention.

Wie schmeckt so ein old-school Natur-Burgunder? Chandons Weine bezaubern mit strahlender Frucht und großer Transparenz. Sie sind zart und geschliffen, meist schwebend fein. Und doch weisen sie eine enorme innere Dichte, eine beinahe unerklärliche Kraft und Konzentration aus niedrigen Erträgen auf. Der weitgehende Verzicht auf Schwefel während des Ausbaus, gibt den Weinen einen sehr klaren, ausdrucksstarken Charakter mit wunderschöner Frucht. Doch sie sind trotz ihrer filigranen, schmeichelhaften und tänzerischen Art eben keine easy-drinking Weine. Sondern intensive, druckvolle Burgunder mit fester Gerbstoffstruktur und zupackender Mineralik, gebaut für ein sehr langes Leben. Die Weine aus dem kühlen 1er Cru Ile des Vergelesses, der gegenüber dem Corton Charlemagne liegt, sind ein echter Geheimtipp, denn es ist die allerbeste Lage der Gemeinde. Auch Parkers Wine Advocate William Kelley attestiert den Weinen von Chandon de Briailles zu den ganz wenigen Weinen am Corton zu gehören, die es regelmäßig schaffen, das volle Potenzial der Lagen hier auszunutzen. Neben den verführerischen Natur-Burgundern, überrascht die Domaine auch noch mit extrem ausgefallenen Weinen. Wie etwa einem weißen Corton Grand Cru, der kurioserweise nicht im Charlemagne, sondern im Bressandes wächst. Oder einem Weißburgunder Orange Wine, der ganz ohne zugesetzten Schwefel auskommt. Bei Chandon de Briailles trifft burgundische Ultraklassik auf tiefe Naturverbundenheit und dynamische Moderne. Was für ein grandioses, spannendes Weingut.

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2017 Pinot Blanc „La vie est belle“ Orange Wine

Ein maischevergorener Natural Wine aus dem Burgund, so etwas findet man nicht allzu häufig. Ein Kuriosum nicht wegen der Machart, sondern der Herkunft aus bester Lage im Umfeld des Corton Berges. Chandon-Gutsherr und Weinmacher Francois de Nicolay erzählte, dass dieser Weißburgunder schon von seinem Opa gepflanzt wurde, weil seine Großmutter den floralen Easy-drinking-Charakter von Pinot Blanc so sehr schätzte. Aber genau dieser Easy-drinking-Faktor störte Francois de Nicolay ein bisschen. Er wollte etwas Spannenderes aus dem Wein herausholen. Denn im normalen Bereich ist Chardonnay für ihn die einzig wahre Option. Daher baut er diesen Pinot Blanc als Natural Wine aus und hat zu seinem und unserem Vergnügen einen super spannenden Wein daraus kreiert. Aus dem Glas strömen die typischen, leicht urwüchsigen Natural-Aromen von fermentiertem Apfel und gelbwürziger Birne, auch etwas erdig, leicht oxidativ-nussig, schön geröstete Haselnuss. Aber Schalenaromen dominieren hier nicht, alles ist sehr fein verwoben. Etwas Anis und Fenchel, Grüntee, zarte pflanzliche Aromatik. Im Mund dann ein wunderbares Traubenaroma mitsamt Schalen, auch wieder angeschnittene Birne. Eingerahmt wird das Ganze von zarten Gerbstoffen im Nachhall. Das gibt eine gute Struktur und phenolische Würze. Aber auch hier dominiert nicht das Tannin. Das ist ein feiner Orange Wine, weil er eben nicht durch Schale oder Tannin überwältigt wird, sondern aromatisch und gut trinkbar bleibt. Einen spannenden Touch erhält er natürlich dennoch durch die Maischegärung. So mag ich das. Sogar eine schön druckvolle Säurespur zieht sich durch. Etwas Grapefruit und Quitte samt feiner Bitternis aus deren Schalen schwingt mit. Wirklich ein hochspannender Wein aus einer dafür gänzlich ungewohnten Region. Genial! 93–94/100

2017 Pernand-Vergelesses Blanc 1er Cru Ile de Vergelesses

Ile de Vergelesses ist die berühmteste und beste Premier Cru Lage der Gemeinde Pernand Vergelesses. Auf einer Erhöhung unterhalb des Waldrandes gelegen schaut die nach Osten exponierte, kalksteinreiche Lage genau auf den gerade gegenüberliegenden Corton Charlemagne. Hier wachsen finessenreiche, feminine und dennoch alterungswürdige Pinot Noirs und Chardonnays. Für alle Weißweine gilt bei Chandon der gleiche Ausbau mit minimalistischer Philosophie: Ganztrauben-Direktpressung dann wird der Saft direkt per Schwerkraft in den Keller geleitet zur spontanen Gärung mitsamt Malo im überwiegend alten Barriques. Dort verbleibt der Wein ohne Batonnage und ohne Abstiche oder sonstige Eingriffe für 12 bis 14 Monate unangetastet im selben Fass bis zur Abfüllung auf der Hefe liegen. Aus dem Glas strömt eine wunderbare weiße Birnenfrucht, etwas Pfirsich, alles hell und fein, auch leicht in grüne Frucht Elemente wechselnd, etwas milde Limette von der eher frühen Lese. Feine Noten von Hefeteig gesellen sich dazu. Eine komplexe, wunderschön zarte Chardonnay Nase, fast ein bisschen Corton-Charlemagne Reminiszenz, der ja nur einen Steinwurf entfernt liegt. Am Gaumen geht es fein weiter aber gleichzeitig auch druckvoll mit viel weißem und auch etwas gelbem Pfirsich, Zitrusschale, schöne Salzigkeit und Kreide als Unterlage. Versammelt, reif und dicht aber nie fett werdend, sondern immer von seiner vibrierenden Spannung getragen. Schöne Länge in der würzigen Weißfruchtigkeit, die sehr typisch ist für die kleinen Gemeinden zwischen dem Corton und Beaune. Das ist ein veritabler Beweis der minimal-invasiven Philosophie von Chandon, purer Terroirausdruck und nur minimalste Beeinflussung. 94-95/100

2014 Corton Blanc Grand Cru

Dieser weiße Corton Grand Cru ist eine absolute Seltenheit. Fast alle weißen Corton kommen normalerweise aus den Corton-Charlemagne Parzellen, dieser hier aber nicht. Er wächst im hervorragenden, aber eigentlich Pinot Noir geprägten Corton-Bressandes, der eine Ostausrichtung aufweist. Die Parzelle sitzt weiter unten am Hang, unterhalb des östlichen Teils von Corton-Charlemagne, dort wo der Boden schon tiefgründiger wird und mehr Lehm enthält. Wir haben hier also immer satte Power und hohe Reife in diesem Corton Blanc. Das ist ein außergewöhnlicher Chardonnay und sicher einer der seltensten weißen Grands Crus des Burgunds. Für alle Weißweine gilt bei Chandon der gleiche Ausbau mit minimalistischer Philosophie: Ganztrauben-Direktpressung dann wird der Saft direkt per Schwerkraft in den Keller geleitet zur spontanen Gärung mitsamt Malo im überwiegend alten Barriques. Dort verbleibt der Wein ohne Batonnage und ohne Abstiche oder sonstige Eingriffe für 12 bis 14 Monate unangetastet im selben Fass bis zur Abfüllung auf der Hefe liegen. Ganz zart anklingende erste Reifenoten wehen aus dem Glas. Gebackener Apfel und ein Hauch von englischer Bitterorangenkonfitüre, etwas grüne Aprikose und dann dichte, helle Birne darunter. Der Duft von Buttergebäck verrät die bereits anklingende feine Süße. Der Auftakt am Gaumen ist zunächst samtig und weich in würziger gelber und etwas weißer Frucht mit frischen Zitruseinsprengseln, Mandarine nebst Orangenschale, dazu Birne und roter Weinbergspfirsich. Das Ganze ist würzig und leicht salzig unterlegt. Hinten raus zieht dann eine fast elektrisierende Säurespur nach und schiebt reife Limetten und satte Kalksteinmineralik mit viel Energie und Lebhaftigkeit über die Zunge. Dieser Corton blanc ist wirklich eine Wucht. Ein positiv mächtiger Chardonnay, der alle Sinne berührt. 2014 war einfach ein grandioses, super spannendes Jahr für Weißwein im Burgund und es ist zusammen mit 2010 und 2017 sicher das beste der letzten 10 Jahre. 97/100

2017 Corton Blanc

Dieser weiße Corton Grand Cru ist eine absolute Seltenheit. Fast alle weißen Corton kommen normalerweise aus den Corton-Charlemagne Parzellen, dieser hier aber nicht. Er wächst im hervorragenden, aber eigentlich Pinot Noir geprägten Corton-Bressandes, der eine Ostausrichtung aufweist. Die Parzelle sitzt weiter unten am Hang, unterhalb des östlichen Teils von Corton-Charlemagne, dort wo der Boden schon tiefgründiger wird und mehr Lehm enthält. Wir haben hier also immer satte Power und hohe Reife in diesem Corton Blanc. Das ist ein außergewöhnlicher Chardonnay und sicher einer der seltensten weißen Grands Crus des Burgunds. Für alle Weißweine gilt bei Chandon der gleiche Ausbau mit minimalistischer Philosophie: Ganztrauben-Direktpressung dann wird der Saft direkt per Schwerkraft in den Keller geleitet zur spontanen Gärung mitsamt Malo im überwiegend alten Barriques. Dort verbleibt der Wein ohne Batonnage und ohne Abstiche oder sonstige Eingriffe für 12 bis 14 Monate unangetastet im selben Fass bis zur Abfüllung auf der Hefe liegen. Eine dichte, versammelte Nase klingt hier an. Bauernbrotkruste, Birne und feiner gelber Apfel, frische Zitruseinschübe. Aber aktuell dominieren eigentlich vor allem hefige, steinige und kreidige Nuancen über die Frucht. Muschelschale und Meeresbrise liegen wie ein kalkig-salziger Schleier über allem. Am Gaumen viel Druck und Power zeigend, wow, da ist richtig was los im Mund. Birne und heller Pfirsich, auch Aprikose, dann etwas rötlich werdend in der Frucht mit Orangenschale und Mandarine im Nachhall. Feine Gerbstoff geben Struktur und verbinden sich mit der kreidigen Mineralität zu einem festen Gerüst. Da kommt auch etwas lehmig-tonige Mineral-Anmutung im griffigen, langen und einnehmenden Nachhall. Der Wein steht wie ein Fels in der Brandung. Das lässt auch auf sein gutes Alterungspotenzial schließen. Einer der seltensten und zugleich spannendsten weißen Grands Crus des Burgunds. 97/100


2017 Pernand Vergelesses Rouge 1er Cru Ile des Vergelesses

Ile de Vergelesses ist die berühmteste und beste Premier Cru Lage der Gemeinde Pernand Vergelesses. Auf einer Erhöhung unterhalb des Waldrandes gelegen schaut die nach Osten exponierte, kalksteinreiche Lage genau auf den gerade gegenüberliegenden Corton Charlemagne. Hier wachsen finessenreiche, feminine und dennoch alterungswürdige Pinot Noirs und Chardonnays. Eine zarte, fein schwebende Nase weht aus dem Glas. Saftige Griotte Kirsche und Himbeere, alles eher rotfruchtig und getragen, sehr fein. Eine zarte Duftwolke ist das. Feinste Kalksteinanmutung und etwas salzige Muschelschale darunter. Aber immer höchst transparent und zart bleibend, nichts Massives oder Üppiges liegt in diesem schwebenden Traum von einem Pinot Noir. Der Mundeintritt ist rassig und energetisch, typisch 2017 mit salzbeladener, agiler Säurespur, die eine wunderbare Lebhaftigkeit und Energie in diesen Wein gibt. Sauerkirsche und Johannisbeere, traumhaft feine, getragene rote Frucht, über den Gaumen schwebend mit seinem ultra feinen Tannin und einem langen, feinsalzigen Nachhall. Ein fast schon ganz großer Wein. Aber einer für Liebhaber der Feinheiten und der schwerelosen Eleganz. Ein rotfruchtig-tänzelnder Pinot Noir wie ich ihn liebe und die Verkörperung dessen, weshalb 2017 so ein wunderschönes Jahr ist. 95+/100

2017 Corton Bressandes Grand Cru

Der Corton Bressandes liegt unterhalb des östlich ausgerichteten Teils des Corton Charlemagne und noch unterhalb des Corton Renardes. Wir sind hier also ziemlich in der Hangmitte in überwiegender Ostexposition. Der Boden ist von Lehm durchzogener Kalkstein. Chandon hat das große Glück über ganze vier verschiedene Parzellen in unterschiedlichen Bereichen des Bressandes zu besitzen. Domaine-Besitzer François de Nicolay ist daher überzeugt, dass sein Bressandes eine der komplettesten Interpretationen dieser Lage darstellen kann, weil er alle Unterschiedlichen Aspekte zum Ausdruck bringen kann. Eine sehr feine und dennoch konzentrierte Nase, die mit Corton-typischer dunkler Würze unterlegt ist. Etwas Graphit, Goudron und schwarzer Tee lauern unter der schwebend-feinen roten Frucht. Süße und säuerliche rote Früchte geben den Takt vor, darunter blitzen auch rote Wildbeeren hervor. Sauerkirsche und Johannisbeere, daneben Waldhimbeere und sogar etwas wilde Erdbeere, auch ein wenig Walnuss daneben. Alles wirkt fein und getragen, eigentlich permanent schwebend und gleichzeitig viel Kraft und Dichte ausstrahlend, ohne ein Gramm Fett zu viel auf den Rippen. Eine Ballerina, die einen sehr harmonischen, spannungsgeladenen und einfach extrem eleganten, anmutigen Gesamteindruck erzeugt. Wow, ist das eine wunderschön verspielte, zarte und doch typisch würzige Corton-Nase! Der Mundeintritt ist dann ein verblüffend rassiges Feuerwerk in roter Frucht. Da kommt viel Johannisbeere und Sauerkirsche, druckvoll und Energie versprühend. Dieser Bressandes zeigt so viel Spannung und vibrierendes Spiel, dass es die reinste Trinkfreude ist. Unglaublich fein und verspielt für die Appellation und dennoch ist er terroirgetreu mit dieser dunklen Spur aus Graphitmineralik, Teer und Tee im Ausklang. Doch die so reifen, geschliffenen Tannine und die tänzelnde Rotfruchtigkeit des Chandon-Stils machen den Wein zu so einer saftigen Schönheit und einem komplexen Wunderwerk wie es wirklich nur die besten Cortons darstellen können. Eine bezaubernde Wein, weil er sicher eine der allerfeinsten Interpretationen dieser Lage überhaupt ist. Eine perfekte Vermählung aus dem druckvollen Power-Rückgrat der Corton Terroirs und dem unglaublich gourmanden Stil des Hauses. Die leichte Rustikalität, für die der Corton auch stehen kann, wird von dieser Feinheit und Verspieltheit beinahe komplett negiert. Was für ein überaus delikater und energetischer Pinot Noir. Obwohl er mit seinem vibrierenden, etwas wilden und zugleich Ballerina-artigen Ausdruck nicht ganz die Tiefe des Corton Clos du Roi heran kommt, sollte das nicht darüber hinwegtäuschen, dass er mit dem Rückgrat eines Grand Cru vom Corton ein paar Jahre im Keller brauchen wird. Mit dieser Dichte wird er ein sehr langes Leben vor sich haben. Wenn Sie es denn lange genug schaffen die Finger von dieser rotfruchtigen Delikatesse zu lassen, was zugegebenermaßen nicht so einfach ist. 97-98+/100

2017 Corton Clos Du Roi Grand Cru

Das ist der Wein, der Domaine mit der geringsten Produktion und entsprechend leider ein extrem limitierter Wein. Nur ein ganz kleines Stück hat Chandon in diesem häufig als beste Lage am Corton gehandelten Weinberg. Auch dieser Clos du Roi ist wie der Bressandes zunächst vor allem ein wunderbarer Ausdruck dieser so feinen, Ballett-tänzerischen Interpretation eines Corton, wie sie Chandon de Briailles als Haus-Stil pflegt. Dieses verführerische, fast verschwenderische Parfüm von tiefer, satter Rotfruchtigkeit! Nur hier kommen auch noch ein paar dunklere, erdigere Einflüsse dazu. Viel Sauerkirsche und süße Kirsche, Schlehe, auch schwarze Kirsche. Kreidestaub und Muschelschale lassen einen Kalksteinabdruck durchscheinen. Erdige, würzige Untertöne, Unterholz und feinstes Kakaopuder, vielschichtig, komplex und bereits fast magisch schön verwoben und harmonisiert. Lang und getragen, Dichte ohne Schwere, wie es angenehmer am Gaumen sich kaum ausdrücken könnte. Zupackender, fester aber ultra-feinporiger Tanninteppich im Nachhall. Wow, da kommt sie durch, die Power und das massive Rückgrat eines Corton. Aber das verbindet sich so scheinbar mühelos mit dieser strahlend-transparenten, saftigen Frucht aus purer roter und schwarzer Kirsche mit Schlehe und Johannisbeereinflüssen, fast sogar etwas Sanddorn. Ein Fruchtausdruck und eine Anmutung wie ich sie liebe. Kraftvoll und immens strukturiert, aber gleichzeitig geschliffen fein, niemals üppig oder belastend, nie ermüdend. Die Cortons von Chandon zählen mit zum größten was die Côte de Beaune im roten Bereich zu bieten hat. Bitte für viele Jahre, besser 10 bis 15 Jahre im Keller wegsperren, um dann in den Himmel des allerfeinsten, ultrakomplexen Burgunderhimmels aufzusteigen. Ein ganz großer Wein, aber einer mit ebenso viel Feinheit wie Struktur. Nur leider so extrem rar, dass es ein Jammer ist angesichts dieser Schönheit. 97-100/100

Domaine Marc Morey

Dass es die Weißweine in einem warmen Jahrgang wie 2018 generell etwas schwerer haben als die Pinot Noirs ist nicht ungewöhnlich im Burgund. Es gibt nur wenige Jahre, in denen beide gleichzeitig herausragend gut sind. 2017 ist da vielleicht nah heran gekommen, 2013 und 2010 auch. Umso gespannter waren wir, als wir uns ins Herz der Côte de Beaune begaben. Dichte Nebelschwaden wabern zwischen den strahlend-hellen Steinhäusern von Chassagne Montrachet, die wie Wegweiser an jeder Ecke plötzlich auftauchen. Es ist 7.30 Uhr morgens und die erste Probe bei der Domaine Marc Morey steht an. Dabei ist das letzte Glas Wein im Restaurant in Beaune gar nicht mal so lange her.

Eine Feststellung, die nicht zum morgendlichen Alkoholkonsum anstiften soll: so ein elektrisierender Chassagne Montrachet, der mit dem satten Punch eines 2018ers den gesamten Mundraum traktiert, macht ebenso wach wie ein doppelter Espresso. Das wissen wir jetzt aus eigener Erfahrung. Es gibt zwei extrem spannende Lagen in Chassagne, die in einem heißen Jahr besonders strahlen. La Grande Montagne und En Virondot. Es sind die höchstgelegenen Weinberge der Gemeinde, am Waldrand, auf einem sehr kargen, steinigen Boden gelegen. En Virondot ist mit 99% Besitz ein Quasi-Monopole der Domaine Marc Morey. Ein alter, stoischer Nachbar will seine paar Reben hier nicht abgeben. En Virondot verkörpert alles, was Heiner und ich an modernem Chassagne lieben. Eine strahlende, helle Frucht, elektrisierende Spannung, kreidige Mineralität und auch 2018 eine strukturgebende, salzig pointierte Säurespur wie ein Laserstrahl. Ein berührender, geradezu packender Wein, der in diesem Jahrgang die perfekte Balance umso mehr darstellen kann. Reiht sich in die Riege der wenigen wirklich genialen Chardonnays des Jahres ein.

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Agnes Paquet

Die nächste Station ist Agnes Paquets altes Bauernhaus aus dem 17. Jahrhundert in Meloisey, in dem man übrigens auch per AirBNB übernachten kann. Ein grandioser Geheimtipp für alle, die das urtümliche, ländliche Burgund unweit der etwas überlaufenen Grands Villages erleben möchten. Die hiesige Appellation Auxey Duresses erstreckt sich oberhalb von Pommard und Meursault. Hier wachsen rassige, kühle und bezahlbare Hochlagen-Weine, denen der Klimawandel in die Karten spielt. Die teilweise ost- oder west-exponierten Weinberge werden immer interessanter und die Weine immer besser.

Agnes Paquet erzählt uns mit einnehmendem Lächeln auf den Lippen von ihren Zukunftsplänen. Einen Weinberg in Volnay würde sie sich wünschen, denn die Gemeinde käme ihrem filigranen Stil schon von Haus aus sehr entgegen. Aber die Verfügbarkeit, die Preise ... die altbekannten Probleme. Hoffentlich klappt es irgendwann! Im benachbarten, druckvolleren Pommard erzeugt sie schon einen Wein, der deutlich mehr Kraft und Dichte aufweist als ihre zarten Hausweine aus Auxey Duresses. Außerdem überlegt sie für ihre Basislinie Screwcaps einzuführen. Sie ist ein großer Fan dieser Idee, aber sie weiß auch um die geringe Akzeptanz dieses Verschlusses im traditionalistischen Frankreich. Für die großen Weine erwägt sie nun DIAM, den die Granden Leflaive, Comte Lafon und Co. schon lange verwenden. Obwohl Agnes nie Probleme mit vorzeitiger Oxidation hatte.

Den kühleren Hochlagen und ganz generell etwas weniger opulent-reifen Weinbergen in und um Auxey Duresses tut ein Jahr wie 2018 keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil, es kommt der manchmal fehlende Turbolader hinzu. Agnes Paquet sucht stets die Frische im Wein, tendiert zur frühen Lese. Diese Stilistik hat sie auch 2018 durchgezogen, und damit wunderbar satte, aber dennoch ausreichend spannungsgeladene und saftige Weine erzeugt. Wo es nötig war kamen ein paar Rappen zu den Roten, um genug Struktur zu wahren. Ansonsten blieb sie ihrem feinen Stil treu, der hervorragend zu diesen etwas rustikaleren Terroirs passt. Ganz sanfte Extraktion und nur sehr geringe Neuholzanteile sind Konstanten der Domaine. Weine, die so klar, animierend und erfrischend sind, dass sie trotz dem kleinen Plus an 2018er-Reife mundwässernd und leichtfüßig über den Gaumen schießen wie geölt. Ohne Schnickschnack und Allüren, aber mit genug Tiefgang, um auch Burgundfreaks zu begeistern. Agnes Paquet ist nicht nur wegen ihrer bestechend sympathischen Art, sondern auch wegen der entwaffnenden Klarheit ihrer Weine die beste Botschafterin für diese kleine Gemeinde.

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2018 Auxey Duresses Blanc

Die Reben stammen aus einer nur 2,8 Hektar großen Parzelle, in der die Bodenarbeit komplett biologisch und ohne Einsatz von chemischen Herbiziden oder Pestiziden passiert. Eine selektive Handlese von jüngeren und älteren Reben auf reinem Kalkstein. Ein Teil der Reben ist 90 Jahre alt, ein anderer Teil ist jünger. Nur die Cuvée Patience 11 wird vollständig aus den alten Reben gemacht. Der Weinberg wurde von Agnes Großvater bepflanzt. Es gibt nur kleine Erträge hier. Der Wein wird pneumatisch gepresst, dann im überwiegend Holzfass (20 % neu) vergoren und über 12 Monate ausgebaut. Minimale Batonnage. Der Chardonnay wird unfiltriert abgefüllt, nachdem er drei Monate vor der Abfüllung im Edelstahltank ruht. Das ist ein bereits fast ganz großer Weißwein von Agnes Paquet. Extrem feine Nase aus diesem so reifen Jahr 2018, da kam es besonders darauf an rechtzeitig zu ernten. Der Wein ist deutlich auf der weißen Frucht, weißen Pfirsich, weiße Birne, auch ein bisschen Litschi, geschmeidige Kreidenase mit weißer Schokolade und weißen Blüten. Erstaunlich guter Gripp im Mund, Salz, Kreide, Kalkstein, wieder diese weiße Cremigkeit, fast sahnig. Das Ganze aber mit diesem Salz und dieser Mineralität wunderbar unterlegt, lang gezogen, und trotzdem mit so viel Charme. Das Holz wird von der Säure und dem mineralischen Gripp durchaus gut weggefressen. Das heißt es ist hier überhaupt keine Dominante, sondern nur das Begleitwerk, für diesen sehr entwickelten, extrem offenen, charmanten Chardonnay, der nie fett ist und immer fein bleibt. Ein Leckerli mit Klasse, schicker Wein. 93–94/100

2018 Auxey Duresses Patience No. 11

Eine Spezialcuvée aus Auxey-Duresses von uralten Reben. Die Bodenarbeit wird ohne chemische Herbizide betrieben. Alles wird in selektiver Handlese geerntet. Hier gehen nur die ältesten, 90-jährigen Reben mit ein. Nach der Ganztraubenpressung erfolgen Gärung, biologischer Säureabbau und Ausbau schon seit dem Jahrgang 2016 im 350 Liter Halbstückfass und nicht mehr im traditionellen Burgunder-Barrique. Ansonsten ist das Prozedere gleich wie bei allen Weinen, aber durch die alten Reben und die reduktivere Ausbauart im größeren Holz, zeigt der Wein deutlich mehr Spannung und Mineralität. Er wirkt ein bisschen erwachsener, etwas strammer, die Nase ist sauber definiert. Gelbe Frucht, Walnussbegleitung, Aprikose mitsamt Kernen. Der Wein hat richtig Zug im Mund, man merkt diese extreme Spannung, das lässt die Augen zusammenziehen. Wow, hat der Wein viel Spannung, und trotzdem hat er diesen hohen Charmefaktor, die Anmut und die hohe, blumige Aromatik eines 2018ers. Aber eben auch die hohe Mineralität der alten Reben. 2018 ist ein Weißwein-Jahr, das unglaublich Freude macht, weil es eben so viel Charme hat, so viel Rundheit, Sahnigkeit. Und trotzdem haben die besten Erzeuger, die zur richtigen Zeit früh gelesen haben viel Zug im Wein, wie dieser hier von Paquet. Der steht für Minuten im Mund und hinterlässt Eindruck, ist aber nie anstrengend. Auch das ist 2018, die Weine fordern nicht so wie etwa 2017, sondern sie schmiegen sich an und hinterlassen trotzdem Eindruck durch diese sehr mineralische Definition. 94-95/100

Pierre Morey

Von Auxey Duresses gerade herunterkommend stoßen wir fast automatisch auf die Gemeinde Meursault. Hier besuchen wir mit Pierre Morey eine lebende Legende der Bourgogne. Umso erfreuter bin ich, dass er uns persönlich empfängt und sogar mit uns verkostet. Pierre Morey stand als langjähriger Winemaker der Domaine Leflaive und auch Comte Lafon eher für die Weine der Nachbargemeinde Puligny Montrachet.

Seine persönliche Heimat und Sitz der Domaine ist aber Meursault. Dennoch habe ich bei seinen Weinen immer das Gefühl, dass ein Hauch von dieser mineralisch unterfütterten Rundheit mitschwingt, die man heute eigentlich eher mit Puligny verbindet. Pierre Morey liest eben eher reifer, etwas gelbfruchtiger, vielschichtig und tief. Das ist die alte Schule, für die auch Leflaive und Comte Lafon stehen. Den modernen, grün-weißfruchtigen, fast karikaturesk reduktiven Stil, den einige der New Kids des Burgunds pflegen, sucht man hier vergebens. Pierre Morey gibt zu, dass er sehr überrascht war von der Saftmenge, die 2018 von der Presse gelaufen ist. Er hatte auf Grund der trockenen Verhältnisse mit dramatischen Ertragseinbußen gerechnet, die am Ende aber ausblieben. Insgesamt hält er den Jahrgang für sehr ausgewogen in Meursault. Das regenreiche Frühjahr hat die Reben über die Sommertrockenheit gerettet. Es wurde in allen Lagen die volle Reife erreicht, die Säurewerte sind moderat aber ausreichend hoch. Die Alkoholgrade sind 2018 in Meursault tatsächlich etwas niedriger als 2019. Nicht nur deshalb schätzt Pierre Morey die 18er aktuell sogar etwas höher ein.

Schon der erste Schluck hier ist ein Statement, das uns seiner Ansicht nahtlos folgen lässt. Für mich der beste Bourgogne Blanc, den wir auf unserer Reise probieren. Das ist ein original Baby-Meursault, sehr beeindruckend. Sein Meursault Perrières, eigentlich ein verkappter Grand Cru, setzt auch in diesem Jahr wieder Maßstäbe. Er verbindet die Dichte und die Schubkraft eines Meursault mit der Spannung eines Riesling GG. Dazu dieser unnachahmliche, tiefgreifend salzige Mineraleindruck, der den Abgang locker für über eine Minute durchzieht. Höchstfaszinierend, aber lange, lange, lange Zeit brauchend. Wow! Dieser Perrières wird nicht mal vom unglaublich feinen Bâtard-Montrachet getoppt. Der ist nicht besser, nur sehr anders. Er fühlt sich zwar eindringlich und hochintensiv an, aber lässt irgendwie jeden Anflug von Fett vermissen. Ein schwereloser Sumo-Ringer. Dazu eine Säure wie ein Blitzeinschlag, die gekonnt vom feinen Eichentannin des neuen Holzes abgepuffert wird. Diese perfekt komponierte Symphonie aus oxidativen und reduktiven Elementen, wie sie so typisch für Leflaive ist, findet man als unverkennbare Handschrift auch in Pierre Moreys Weinen. Der Altmeister liefert 2018 sicher eine der besten Weißwein Kollektionen des Burgunds ab. Aus einem eher durchwachsenen Chardonnay-Jahr. Erfahrung ist das Samenkorn aus dem Weisheit erwächst.

Zu allen Weinen

2018 Meursault 1er Cru Charmes Hospices de Beaune

Pierre hat diesen Charme im Fass bei der traditionellen Versteigerung der Hospices de Beaune gekauft und dann im eigenen Weingut wie seine anderen Weine ausgebaut. Dieser Charme ist 2018 im Reigen generell sehr reifer Weine nochmal sehr besonders. Hochkonzentriert, wuchtig und dicht, insgesamt durchaus fett. Reife Quitte, Aprikosenkerne, heller Pfirsich, ganz feine Salz- und Kreidespur darüber und ein Bündel von weißen Blüten. Im Mund dann ein echter Kracher. Ein Superkonzentrat mit unglaublich mineralischer Durchschlagskraft und ungeheurer Länge, alles zieht sich zusammen vor Intensität. Obwohl es nicht 2017 in dieser überragenden Frische ist, hat dieser 2018er ein unikathaftes Standing in dieser druckvollen, mineralischen Strahlkraft und Länge. Wow, was für eine Kraft und vibrierende Ausdrucksstärke und am Ende dennoch eher von Kraft und Druck geprägt. Frische ist zwar ausreichend vorhanden aber steht hier dieses Jahr nicht im Vordergrund. Ein eindrucksvoller Meursault! 97–98/100

2018 Meursault 1er Cru Perrieres

An der Grenze zu Puligny Montrachet gelegen ist Perrieres die beste Lage in Meursault. Wenn es jemals einen Grand Cru hier geben wird dann ist es Perrieres. Eine Südost-Exposition und bei Pierre Morey bekanntermaßen biodynamisch bewirtschaftet mit winzigen Erträgen. Insgesamt ist 2017 sicher das spannendere Weißweinjahr im Burgund aber manche Weine von Pierre Morey sind dieses Jahr so berauschend, dass sie ihre ganz eigene Stilistik gefunden haben. Die Balance kommt hier eher über die Mineralik als über die Säure. Das war schon beim Meursault Charmes, den er von den Hospices de Beaune ersteigert hat und beim angrenzenden Tesson und das ist beim Perrieres noch mehr der Fall. Die Nase ist reich, ganz klar 2018, üppig und dicht. Heller Pfirsich und Aprikose, Walnuss und Quitte dahinter. Kalkstein und Kreide in purer Ausprägung. Schon in der Nase immensen Druck zeigend. Wow und was geht da im Mund ab! Da knallt es an allen Ecken und Kanten. Salz und Kalkstein, weißer Weinbergpfirsich, Würze, fast ein wenig Sanddorn unter der Frucht. Ungeheurer Schub, das ist ein Meursault fast im Stil eines üppigen Puligny Montrachets. Solch ein Druck und eine Wucht in diesem Wein und dennoch drückt er sich über seine Mineralik aus und nicht über sein Fett, man mag es kaum glauben. Das ist ein Ereignis, der Wein braucht sicher 10 Jahre. Und es ist definitiv ein großer Meursault, auch wenn er im Charakter nicht die Verspieltheit eines 2017ers hat. Dafür hat er diese immense mineralisch unterlegte Power. 97-99/100


2018 Monthelie Village

Das ist eine spezielle, gut exponierte Parzelle und es war am Ende nur eine Frage der Menge die Weine zusammenzulegen. Der 2018er Monthelie berauscht mit seiner Nase auf unglaubliche Art und Weise. Nein, das ist kein ganz großer Wein. Ich will ihn nicht hochschreiben, aber die Nase ist so dicht und intensiv, dass sie fast einem Beaujolais Cru ähnelt. Das ist fast Fleurie in der Struktur, so schiebend und duftig, rotfruchtig und pikant. Sanddorn-Unterlegung und helle, rote Kirsche, ein wenig Schwarzkirsche und Zwetschge. Ein Fruchtkompott in der Nase, unfassbar lecker. Auch im Mund geht die Frucht-Post ab. Was ist das für ein schicker Wein! Eine Ode an die Freude und total verspielt. So fruchtstark und intensiv, das macht einfach nur noch Spaß. Das ist ein burgundischer Zechwein der Oberklasse und in seiner Struktur einfach nur berauschend. Dazu diese feine kalksteinige Mineralität darunter, die einfach so lange anhält. Ein opulentes, extrem schickes Fruchtbündel. 93/100

2018 Monthelie 1er Cru

Pierre Morey erzeugt diesen 1er Cru und einen Village in der Gemeinde Monthelie und beide sind sich vom Charakter sehr ähnlich, doch der 1er Cru weist eine höhere Spannung auf in der explosiven, roten Frucht. Auch hat er etwas mehr Substanz, Druck und Schubkraft. Aber das Berauschende, das Beaujolais-artige, das schiebende in der Frucht bleibt gleich. Das ist eben auch der Jahrgang. Im Mund unterscheiden sich Village und 1er Cru allerdings noch deutlicher als in der Nase. Hier ist der 1er Cru deutlich erwachsener, mineralischer. Wir haben mehr Kreideanmutung, mehr Salzigkeit. Diese Hochlage gewinnt 2018 auf jeden Fall. Denn viele 2018er haben den Hang zu großer Gefälligkeit, aber nicht so Monthelie. Diese hochspannende Gemeindelage, die ähnlich wie Auxey-Duresses, Saint Aubin und so weiter total gewinnen durch so einen Jahrgang wie 2018. Überhaupt die kühleren Lagen sind bevorzugt. Der Wein hört gar nicht mehr auf hinten raus, dennoch wird er niemals anstrengend. Er ist ebenso eine Ode an die Freude, nur eben noch druckvoller mineralisch unterlegt. Aber alles bleibt total verspielt und fruchtbetont, das ist hier die Dominante. Viel rote Frucht, ein wenig Sanddorn dazu, Johannisbeere, Cranberry unter der süßen, roten Kirsche. Die Ähnlichkeit zum Village ist schon verblüffend, zumal die Lagen sich überschneiden und hier im 1er Cru vor allem auch die älteren Reben stehen. Aber am Ende macht die größere Spannung und die druckvollere Mineralik dieses totale Leckerli eben zum erwachseneren, strafferen Wein. Die gleiche Ausrichtung, aber er braucht wohl einige Jahre mehr Wartezeit. 94+/100

2018 Volnay 1er Cru Les Pitures

Eine ganz neue Lage für Pierre, die er dieses Jahr zugekauft hat. Natürlich wie immer biodynamisch bewirtschaftet. Die Lage liegt rechts neben dem Clos des Ducs von Angerville, also bestes Terroir. Eine reine Kalksteinlage mit Südost-Ausrichtung. Diese Parzelle drückt das Besondere von Volnay sehr deutlich aus, diese große Feinheit. Pierre macht zwei Volnays, den Santenots und diesen Pitures. Diese neue Lage war eine tolle Gelegenheit und ich kann ihn dazu nur beglückwünschen, denn von der Feinheit der Struktur sind wie hier bei Angerville. Unglaublich schicke Nase. Dieser 2018er kommt trotz allem sehr kühl rüber, fruchtbetont, viel rote Kirsche, ein bisschen Würze darunter, dann auch Schwarzkirsche. Aber alles läuft auf der Kirschfrucht, alles ist Volnay wie aus dem Bilderbuch. Dazu diese starke Mineralik aus der Kalksteinlage, auch zarter Veilchenduft. Toll verwoben, ein kleiner Traum als Duftwolke. Der Mund ist fast noch schicker! Er hat die Power und den Druck, die Reife von 2018 aber auch die Feinheit, das Verspielte von Volnay. Das Rotfruchtige, Leichte, Spielerische und Tänzerische bis ins Kirschfruchtfinale in einer ziemlich satten, druckvollen Sanddorn-Salz-Kalkstein-Mischung. Sanddorn kommt jetzt immer stärker, dazu Cranberry als Unterlage, konzentrierte Waldhimbeere, Schwarzkirsche, etwas Schattenmorelle. Der Wein wird immer kraftvoller und druckvoller je länger man ihn probiert. Und trotzdem bleibt es diese verspielte Volnay-Ausrichtung. Das ist eine richtige Bereicherung meines Volnay Sortiments. Ich bin schwer begeistert. 95-97/100

Domaine d’Angerville

Von Meursault aus geht es hinauf zum krönenden Abschluss, der dieser Bezeichnung wahrlich gerecht wird. Nicht nur Agnes Paquets Sehnsuchtsort, sondern auch meiner. Wie könnte man eine solche Reise gebührender beenden als mit dem schönsten Ausblick der Côte de Beaune. Vom Clos des Ducs aus gesehen, über die verwinkelten Weinberge von Pommard, bis über die Ausläufer des bezaubernden Beaune. Wenn hier die Sonne untergeht kommt Gänsehaut auf. Insider ahnen es, wir sind im luftigen Volnay. Sitz der legendären Domaine d’Angerville.

Sozusagen direkt in deren Vorgarten befindet sich mit ebenjenem Clos des Ducs einer der besten Weinberge der Côte d’Or. Das nenne ich mal praktisch. In diesem Biotop wird seit langem ungestört und penibelst biodynamisch gearbeitet. Einer von vielen Gründen für die unerreichte Größe dieses veritablen Herausforderers der Côte de Nuits. Doch die gesamte hier präsentierte Kollektion war von phänomenaler Qualität. Voraussichtlich werden die 2018er von d’Angerville für volle 18 Monate im Fass bleiben, das ist etwas länger als üblich. Die Weine waren nach Meinung des Teams anfangs zu offen gestrickt, gewannen dann über den Winter aber dermaßen an Präzision und Fokus, dass ein zweiter Winter im Fass angedacht ist. Die Abfüllung folgt dann in diesem Frühjahr. Die Weine zeigen eine dichte, voluminöse Frucht über samtigen Tanninmassen und zupackender Kreide-mineralischer Griffigkeit. Das ist ein Gesamtpaket der Extraklasse in 2018. Die Domaine d’Angerville hat es richtig gut getroffen, denn die Weine sind fein und elegant wie eh und je und dazu mit diesem Turbolader des Jahrgangs auf ein extraterrestrisches Level der Delikatesse erhoben. Oft muss man sich bei Weinen dieser Kategorie entscheiden, ob man einen Jahrgang eher sammeln oder eher jünger trinken soll. Angervilles traumhafte 2018er bieten eben Gelegenheit zu beidem.

Zu allen Weinen

2018 Volnay 1er Cru

Nach einem regenreichen Winter gab es eine relativ ausgeglichene, perfekte Blüte im Frühjahr. Erstmals seit langem gab es bei 10.000 Stöcken pro Hektar dieses Jahr vernünftige Erträge von etwa 40 Hektolitern pro Hektar. Es gab Ende August genau passend ein bisschen Regen nach einer sehr langen Trockenphase im Sommer, während der die Reben in einen Reifestopp verfielen. Danach hat sich die Reife wieder in Gang gesetzt und dementsprechend konnte am 3./4. September mit der Lese begonnen werden. Es konnte totale Reife eingefahren werden, aber es ist nichts überreif. Zu Beginn des Ausbaus präsentierten sich viele Fässer fast schon etwas zu charmant und offen, fruchtbetont, doch je länger der Ausbau dauerte, umso mehr gewannen die Weine an Fokus. Der Ausbau geschieht bei geringem Neuholzanteil von 25–30 %. Es zeigte sich schon früh, dass 2018 mehr Zeit brauchen wird und somit mindestens 18 Monate im Holz verbleiben sollte. Dieser einfach nur Volnay 1er Cru genannte Wein kommt von zwei Lagen. Davon liegt die Hauptlage Pitures neben dem Clos des Ducs, also durchaus extrem spannendes Terroir, Südost-Exposition, viel Kalkstein. Aber es lohnt sich nicht die Lagen einzeln zu vinifizieren, es gibt einfach zu wenig Menge. Der Wein steckt zum Zeitpunkt unserer Verkostung noch relativ offen in der Fruchtphase. Die Weine werden recht spät erst ausgeliefert werden, um ihnen mehr Zeit zu geben. Aber wird sind jetzt hier im November, der Wein wird mindestens noch bis zum nächsten Frühjahr im Fass bleiben. Für einen Volnay recht dichte und reiche Frucht. Satte rote und schwarze Frucht im Mund, die Tannine total weich, poliert und verspielt. Aber wir haben einen fleischigen, fruchtstarken, voluminösen Wein im Mund, der zugleich die extreme Feinheit und Verspieltheit von Volnay zeigt. 2018 ist ein ganz besonderes Jahr in Volnay. In diesem tendenziell eher kühleren Klima mit südost-exponierten Weinbergen. Das wird dem Jahr 2018 sehr gerecht und macht aus den manchmal sehr zarten Gewächsen durchaus auch mal kraftvolle, fruchtstarke und fleischige Weine. Das gefällt mir sehr gut. 93–94/100

2018 Volnay 1er Cru Clos des Angles

Nach einem regenreichen Winter gab es eine relativ ausgeglichene, perfekte Blüte im Frühjahr. Erstmals seit langem gab es bei 10.000 Stöcken pro Hektar dieses Jahr vernünftige Erträge von etwa 40 Hektolitern pro Hektar. Es gab Ende August genau passend ein bisschen Regen nach einer sehr langen Trockenphase im Sommer, während der die Reben in einen Reifestopp verfielen. Danach hat sich die Reife wieder in Gang gesetzt und dementsprechend konnte am 3./4. September mit der Lese begonnen werden. Es konnte totale Reife eingefahren werden, aber es ist nichts überreif. Zu Beginn des Ausbaus präsentierten sich viele Fässer fast schon etwas zu charmant und offen, fruchtbetont, doch je länger der Ausbau dauerte, umso mehr gewannen die Weine an Fokus. Der Ausbau geschieht bei geringem Neuholzanteil von 25–30 %. Es zeigte sich schon früh, dass 2018 mehr Zeit brauchen wird und somit mindestens 18 Monate im Holz verbleiben sollte. Das Terroir dieser Lage ist zwar ebenso südost-exponiert, aber sie liegt etwas tiefer und hat vor allen Dingen deutlich mehr Lehm im Boden als der darüber liegende Fremiets. Der Wein kommt schon in der Nase mit Abstand am schwarzfruchtigsten rüber von allen Weinen der Domaine. Satte Schwarzkirsche und Cassis, Lakritze, süße Maulbeere, recht opulent, aber total weich und einnehmend. Volnay durch und durch in dieser unglaublichen Feinheit. Noch nicht mal mit einer Nachbargemeinde wie Pommard zu verwechseln, Volnay ist einfach so viel feiner. Im Mund zeigt er noch mehr Feinheit, wird schlanker im Verhältnis zur recht üppigen Nase, voll auf der schwarzen Kirsche. Die Lakritze wird heller, es kommt noch ein bisschen Minze, Eukalyptus hinzu, Veilchennoten, mittlere Länge. Das ist kein ganz großer Volnay, sicherlich nicht viel besser als der normale 1er Cru, aber ein bisschen wuchtiger, charmanter. Macht viel Freude. 93–94/100

2018 Volnay 1er Cru Fremiets

Nach einem regenreichen Winter gab es eine relativ ausgeglichene, perfekte Blüte im Frühjahr. Erstmals seit langem gab es bei 10.000 Stöcken pro Hektar dieses Jahr vernünftige Erträge von etwa 40 Hektolitern pro Hektar. Es gab Ende August genau passend ein bisschen Regen nach einer sehr langen Trockenphase im Sommer, während der die Reben in einen Reifestopp verfielen. Danach hat sich die Reife wieder in Gang gesetzt und dementsprechend konnte am 3./4. September mit der Lese begonnen werden. Es konnte totale Reife eingefahren werden, aber es ist nichts überreif. Zu Beginn des Ausbaus präsentierten sich viele Fässer fast schon etwas zu charmant und offen, fruchtbetont, doch je länger der Ausbau dauerte, umso mehr gewannen die Weine an Fokus. Der Ausbau geschieht bei geringem Neuholzanteil von 25–30 %. Es zeigte sich schon früh, dass 2018 mehr Zeit brauchen wird und somit mindestens 18 Monate im Holz verbleiben sollte. Die Lage liegt ungefähr auf 280 Metern Höhe und hat im Gegensatz zum darunterliegenden Clos des Angles einen deutlich höheren Kalksteinanteil. Zwar auch noch etwas Lehm, aber insgesamt wird es hier deutlich kalksteiniger. Sehr feine, helle Nase in diesem Wein, wunderschöne rote Kirsche. Fast ein bisschen wie aus einem kühlen Jahrgang, erst ganz langsam kommt ein wenig die Süße von 2018 dazu. Aber grundsätzlich ist diese Lage eher verspielt, eher fein, starke Waldhimbeernote. Unglaublich verspielt und nie diese Power zeigend wie die höheren oder tieferen Lagen. Fremiets liegt auch stilistisch einfach dazwischen in dieser Feinheit. Das ist archetypisch Volnay. Der Mund ist fast genial in dieser konzentrierten, würzigen Himbeere, die ein bisschen an Cabernet Franc erinnert. Wow, da ziehen sich die Augen schon zusammen, gar nicht mal ob dieser hohen Säure, sondern ob dieser fruchtigen Intensität. Von Salz und Kalkstein unterlegt, konzentrierte Himbeere, die ein bisschen von roter Johannisbeere unterlegt ist. Ein bisschen Walderdbeere kommt durch, und dann schiebt viel Kirsche, aber keine Sauerkirsche, sondern helle, rote Kirsche. Das Ganze bleibt immer Volnay in toller Feinheit. Kein Riese, einfach nur ein verträumtes, kleines Wunderwerk aus einem reifen Jahr. Ein wirklich schicker Wein und archetypisch Volnay. 95–96/100

2018 Volnay 1er Cru Champans

Nach einem regenreichen Winter gab es eine relativ ausgeglichene, perfekte Blüte im Frühjahr. Erstmals seit langem gab es bei 10.000 Stöcken pro Hektar dieses Jahr vernünftige Erträge von etwa 40 Hektolitern pro Hektar. Es gab Ende August genau passend ein bisschen Regen nach einer sehr langen Trockenphase im Sommer, während der die Reben in einen Reifestopp verfielen. Danach hat sich die Reife wieder in Gang gesetzt und dementsprechend konnte am 3./4. September mit der Lese begonnen werden. Es konnte totale Reife eingefahren werden, aber es ist nichts überreif. Zu Beginn des Ausbaus präsentierten sich viele Fässer fast schon etwas zu charmant und offen, fruchtbetont, doch je länger der Ausbau dauerte, umso mehr gewannen die Weine an Fokus. Der Ausbau geschieht bei geringem Neuholzanteil von 25–30 %. Es zeigte sich schon früh, dass 2018 mehr Zeit brauchen wird und somit mindestens 18 Monate im Holz verbleiben sollte. Im Champans haben wir überwiegend Kalksteinböden, auch durchzogen von anderen Gesteinsformationen, etwas Lehm. Die Weine sind in der Regel klar zur Kraft unterwegs und strukturierter als der extrem feine Caillerets. Champans ist 2018 wieder so ein Mittelding zwischen dem strukturierteren Taillepieds und dem verspielteren Caillerets. Und gleichzeitig mit deutlich mehr Wucht, mehr Schwarzkirsche, süß, reif, wuchtig, Lakritze, viel Veilchen, sogar ein bisschen Maulbeere und Cassis. Ganz fein bleibend, aber etwas eindimensionaler im Mund, weil er so sehr von der schwarzen Frucht geprägt wird. Schwarzkirsche und Cassis schieben so unglaublich hier, Maulbeere, Lakritze darunter, alles verwoben, langsam kommt fast scharfe Minze dazu, etwas Salz und viel Eukalyptus. Dann kommt wieder ein Schub satte Lakritze und ein wenig Holunder. Ein etwas wilder Volnay und sicher einer derer, die am längsten Zeit brauchen im Hause d’Angerville, weil es so eine Wuchtbrumme und ein Powerteil ist. 96/100

2018 Volnay 1er Cru Taillepieds

Nach einem regenreichen Winter gab es eine relativ ausgeglichene, perfekte Blüte im Frühjahr. Erstmals seit langem gab es bei 10.000 Stöcken pro Hektar dieses Jahr vernünftige Erträge von etwa 40 Hektolitern pro Hektar. Es gab Ende August genau passend ein bisschen Regen nach einer sehr langen Trockenphase im Sommer, während der die Reben in einen Reifestopp verfielen. Danach hat sich die Reife wieder in Gang gesetzt und dementsprechend konnte am 3./4. September mit der Lese begonnen werden. Es konnte totale Reife eingefahren werden, aber es ist nichts überreif. Zu Beginn des Ausbaus präsentierten sich viele Fässer fast schon etwas zu charmant und offen, fruchtbetont, doch je länger der Ausbau dauerte, umso mehr gewannen die Weine an Fokus. Der Ausbau geschieht bei geringem Neuholzanteil von 25–30 %. Es zeigte sich schon früh, dass 2018 mehr Zeit brauchen wird und somit mindestens 18 Monate im Holz verbleiben sollte. Nach dem verspielten Meisterwerk Caillerets, geht der Taillepieds wieder mehr in die Fokussierung, in die Konzentration, mehr geradeaus laufend. Hier deutlich mehr Cranberry, Zwetschge, rote und schwarze Kirsche, nicht so sehr eine Herzkirsch-Himbeer-Orgie, sondern mehr im klassischen Burgund verortet. In der Nase auch mehr auf Kreide, Kalkstein und Milchschokolade laufend. Sehr Volnay, sehr verspielt und trotzdem mit fokussierter Mineralität in der Nase. Im Mund dann wirklich ein archetypischer Volnay mit dieser unendlichen Feinheit der Tannine, nichts tut weh, alles ist geschliffen und poliert und tanzt. Dennoch läuft er sehr geradeaus. Der Wein hat Kraft, aber nicht aus der Tanninstruktur, sondern aus der Mineralität, die hier aber ebenso sehr weich ist. Die 2018er haben kaum etwas scharfes, dem Jahrgang entsprechend eher ins Runde, Feine und Süße gehend. Ohne jedoch diese pikante Himbeer-Verspieltheit des Caillerets zu erreichen. Dafür mit mehr Geradeauslauf und immenser Länge. Ein großer Volnay allemal. 97-98/100

2018 Volnay 1er Cru Clos des Ducs

Nach einem regenreichen Winter gab es eine relativ ausgeglichene, perfekte Blüte im Frühjahr. Erstmals seit langem gab es bei 10.000 Stöcken pro Hektar dieses Jahr vernünftige Erträge von etwa 40 Hektolitern pro Hektar. Es gab Ende August genau passend ein bisschen Regen nach einer sehr langen Trockenphase im Sommer, während der die Reben in einen Reifestopp verfielen. Danach hat sich die Reife wieder in Gang gesetzt und dementsprechend konnte am 3./4. September mit der Lese begonnen werden. Es konnte totale Reife eingefahren werden, aber es ist nichts überreif. Zu Beginn des Ausbaus präsentierten sich viele Fässer fast schon etwas zu charmant und offen, fruchtbetont, doch je länger der Ausbau dauerte, umso mehr gewannen die Weine an Fokus. Der Ausbau geschieht bei geringem Neuholzanteil von 10-25%. Es zeigte sich schon früh, dass 2018 mehr Zeit brauchen wird und somit mindestens 18 Monate im Holz verbleiben sollte. Nachweislich seit dem 16. Jahrhundert befindet sich dieser Clos im Besitz dieser ehemaligen Domaine der Herzöge des Burgunds. Die Maßeinheit für Weinbergsfläche wurde damals im Burgund in „ouvrée“ angegeben. Man sagte, dass ein Winzer etwa 52 ouvrée an einem Tag alleine bearbeiten kann. Das entspricht einer Fläche von etwas mehr als 2 Hektar und ist exakt die Größe des Clos des Ducs, der damals dieser traditionellen Maßeinheit entsprechend angelegt wurde. Der Boden ist stark kalkhaltig, steinig, karg, eher tiefgründig und sehr tonig von weißem Mergel. Die perfekte Ost-südost-Ausrichtung garantiert eine ideale Sonnenscheindauer, und der sehr steile Hang bis auf 400 Metern Höhe ergibt eine sehr gute Drainage. Seit Jahrhunderten in jeder Hinsicht eine absolute Spitzenlage und der unbestrittene König von Volnay. Das ist DER Weltklasse-Wein aus diesem Örtchen und sicherlich zusammen mit den Corton Grands Crus das beste, was das südliche Burgund an Pinot Noirs vorzuweisen hat. Aber eben von der Stilistik total anders als jeder Corton. In zahlreichen Blindproben habe ich schon 20 bis 30 Jahre alte Clos des Ducs neben anderen Grands Crus getrunken, bis hin zu Chambertin und denen aus Vosne Romanée, und nicht selten ist Clos des Ducs daneben auch als Sieger hervor gegangen. Doch keiner sonst kommt auf diese Leichtigkeit von Volnay, der Wein kann unglaublich viel Druck entwickeln und bleibt dennoch immer elegant. Die Nase des 2018ers ist fast so elegant, fruchtig und verspielt wie die des Caillerets, ganz viel Herzkirsche im Fokus. Darunter ein bisschen Waldhimbeere und feine, helle Lakritze. Auch Veilchen, fast ein bisschen Flieder, süßliche Blumigkeit, aber sehr schick, intensiv. Im Mund dann ein Unterschied zum Caillerets und auch zum Taillepieds, weil wir hier unglaubliche Mineralmengen haben. Die Tannine sind zwar poliert, aber durchaus präsent und sind besetzt von Kalksteinmineralität und Salz. Wow, die Zunge rollt sich, das ist echt intensiv, das macht echt Druck. Dieser Clos des Ducs 2018 gehört lange weggesperrt, bis er diese mineralische Kraft mit der Frucht vermählt hat. In diesem Jahrgang ist das Holz kaum zu spüren, es gibt ja auch nur sehr wenig Neuholz. Aber diese brutale Mineralität aus dem Clos des Ducs mit dieser intensiven Fruchtreife passt schon hervorragend zusammen, das wird dereinst ein ganz großer Wein werden. Und wie ich eingangs schon sagte, stellen Sie diesen Wein in 20 bis 30 Jahren in eine große Grand Cru Probe und ich garantiere Ihnen der Clos des Ducs wird dort zu den besten gehören. Ich will ihn nicht höher werten als den berauschenden Caillerets, aber diese beiden sind auf jeden Fall die Primus-Weine hier in diesem Jahr. 98-100/100

2018 Volnay 1er Cru Caillerets

Marquis d’Angerville Nach einem regenreichen Winter gab es eine relativ ausgeglichene, perfekte Blüte im Frühjahr. Erstmals seit langem gab es bei 10.000 Stöcken pro Hektar dieses Jahr vernünftige Erträge von etwa 40 Hektolitern pro Hektar. Es gab Ende August genau passend ein bisschen Regen nach einer sehr langen Trockenphase im Sommer, während der die Reben in einen Reifestopp verfielen. Danach hat sich die Reife wieder in Gang gesetzt und dementsprechend konnte am 3./4. September mit der Lese begonnen werden. Es konnte totale Reife eingefahren werden, aber es ist nichts überreif. Zu Beginn des Ausbaus präsentierten sich viele Fässer fast schon etwas zu charmant und offen, fruchtbetont, doch je länger der Ausbau dauerte, umso mehr gewannen die Weine an Fokus. Der Ausbau geschieht bei geringem Neuholzanteil von 25–30 %. Es zeigte sich schon früh, dass 2018 mehr Zeit brauchen wird und somit mindestens 18 Monate im Holz verbleiben sollte. Die Domaine besitzt im Caillerets ein Stück von nicht einmal einem halben Hektar. Der Boden ist karg, rötlich gefärbt von Lehm und Eisenoxid, und eher flachgründig über dem Kalkstein. Das gesamte Climat Caillerets verfügt über eine geradezu vorbildliche Ost-südost-Exposition auf bis zu 400 Metern Höhe. Caillerets ist immer die knappste, die mystischste Lage, und auch die mengenmäßig umkämpfteste Lage aller Premiers Crus bei d’Angerville. Auch wenn Clos des Ducs der größte Wein ist, ist Caillerets der Wein, den etwas Sagenumwobenes umweht. Von weißen Steinen, den Caillerets, kommt die totale Eleganz bei gleichzeitigem Druck, also die Faust im Samthandschuh. Ein archetypischer Volnay und während Clos des Ducs noch mehr zur Kraft geht, ist Caillerets die große Verspieltheit. Duftige Waldhimbeere ist die Dominante, dahinter ein wenig ganz helle, aber wirklich zarteste Lakritze, Veilchen, aber alles bleibt zart. Minze kommt relativ deutlich durch, zieht sich, macht ein Teil des Spiels aus, Cranberry, ein ganz kleiner Hauch von Erdbeere, konzentrierte Herzkirsche. Alles mit einer wahnsinnigen Spannung. 2018 macht aus dem Caillerets, der manchmal so filigran, zart und frisch ist, ein warmes, kleines, duftiges Wunderwerk. Volnay war in diesem Jahr durchaus bevorzugt, da sie im Sommer im Gegensatz zu anderen Gemeinden ein paar kleine Regenstürme bekommen haben. Es gab also hier nicht so sehr diese Reifeverzögerung und das spätere Einkochen der Frucht. Und trotzdem haben wir die Reichhaltigkeit aus 2018. Die Frucht ist so wunderbar pikant, diese Himbeersäure-Frische mit der Herzkirsche. Alles vermischt sich in großer Pikanterie und geht in einer salzigen Lakritze auf. Der Wein hört gar nicht wieder auf, ein pikantes kleines Wunderwerk in zarter, roter Frucht mit wunderschöner Süße untendrunter. Ich liebe diesen Wein, einfach grandios. 98–100/100

Domaine du Pelican (Jura)

Als wäre das nicht schon begeisternd genug gewesen, schließt sich noch nahtlos eine atemberaubende Kollektion von d’Angervilles Jura-Ableger Domaine du Pelican an. Die Domaine meint es auch hier richtig ernst. Viele neue Weine und Lagen sind hinzugekommen. Durch den Kauf der legendären Jura-Domaine Puffeney erlangte die Domaine herausragende Einzellagen, die jetzt auch teilweise separat gefüllt werden. Die Domaine ist auf 15 Hektar angewachsen, zusammengesetzt aus der Übernahme von drei Top-Domaines.

Im Jahr 2018 gibt es zum ersten Mal einen Pinot Noir aus dem Jura. Man kann sich vorstellen, welch großartiger Wein das ist. Bezüglich dieser Rebsorte macht der Domaine keiner was vor. Ein rassiger Hochlagen-Pinot, der komplett auf 380 Metern wächst. Zum vergleich: Der höchste Punkt des Clos des Ducs in Volnay liegt auf 350 Metern. Obwohl Pinot, Trousseau und Poulsard ab 2018 auch alle separate Abfüllungen bekommen, wird es den genialen Blend Trois Cepages auch weiterhin geben. Der Zugewinn an Fläche macht es möglich. Insgesamt produziert die Domaine nun zehn Weine. Darunter so abgefahrene Exemplare wie ein reduktiver Einzellagen-Savagnin mit fast Riesling-artiger Mineralität oder auch ein maischevergorener Savagnin. Super spannende Weine mit einem Hang zur Größe. Auch die neue Betriebshalle ist jetzt fertig gestellt. Der erfahrene Kellermeister der Domaine blüht hier im Jura richtig auf und hat Spaß an den urwüchsigen, sehr speziellen Gewächsen, denen der reduktivere d’Angerville Style ausgezeichnet steht. Die Dependance im Jura wird zunehmend forciert, alle Zeichen stehen hier auf Vollgas bei Pelican. Eine grandiose Entwicklung für uns Genießer dieser raren, begeisternden Weine.

Zu allen Weinen

2018 Arbois Chardonnay

Alte Reben auf überwiegend reinem Kalkstein, Handlese, dann Ganztraubenpressung. Nach 24-stündiger Sedimentationszeit geht es direkt zur Vergärung in 350-Liter-Fässer. Davon meist nur 5% neues Holz. Ausbau über 10 Monate in Holzfässern unterschiedlicher Größen, aber keinerlei Barriques. Das ist ein sehr klassischer Chardonnay. Der Chardonnay kommt vor der Füllung nochmals kurz in Inox-Tanks, um dann als eine Cuvée gefüllt zu werden. Das hier ist, wie alle Weine aktuell bei der Domaine du Pelican, reduktiv ausgebaut. Keine Oxidation, wie traditionell im Jura oft anzutreffen. Jura und Chardonnay ist eine Erfolgsgeschichte auf 350 bis 400 Höhenmeter, bei dieser ständigen Klimaveränderung. Gerade in warmen Jahren wie 2018 ist diese Höhenlage ein Segen. Wir haben hier so viel Klarheit und Präzision, der Stil von Angerville ist eben ganz anders, als das was viele Jurawinzer so machen. Weder ein extrem reduktiver Stil wie etwa Tissot, noch oxidativ wie im Jura häufig anzutreffen, sondern floral und verspielt. Dadurch, dass wir kein neues Holz haben, bleiben wir hier viel originärer bei Chardonnay als Sortenausdruck, Quitte, Birne, etwas heller Apfel dazu, weißer Pfirsich, alles schick verwoben. Der Mund ist purer Chardonnay mit reinem Kalkstein und so viel Blütenduft. Das sind die drei Komponenten, die diesen Wein ausmachen. Er ist so fein ist und so reintönig Chardonnay und zugleich so kühl von den Hochlagen. Die Hauptkomponente der Frucht ist sicher helle Melone und heller Apfel, dazu so viel florale Noten und gar keine so bedeutend hohe Säure. Weiße Blüten, Flieder, wirklich verspielt, schick, macht Freude und strengt nie an. 93-94/100

2018 Chardonnay Grand Curoulet


Alte Reben auf überwiegend reinem Kalkstein, Handlese, dann Ganztraubenpressung. Nach 24-stündiger Sedimentationszeit geht es direkt zur Vergärung in 350-Liter-Fässer. Davon meist nur 5 % neues Holz. Ausbau über 10 Monate in Holzfässern unterschiedlicher Größen, aber keinerlei Barriques. Das ist ein sehr klassischer Chardonnay. Der Chardonnay kommt vor der Füllung nochmals kurz in Inox-Tanks, um dann als eine Cuvée gefüllt zu werden. Das hier ist, wie alle Weine aktuell bei der Domaine du Pelican, reduktiv ausgebaut. Keine Oxidation, wie traditionell im Jura oft anzutreffen. Jura und Chardonnay ist eine Erfolgsgeschichte auf 350 bis 400 Höhenmeter, bei dieser ständigen Klimaveränderung. Gerade in warmen Jahren wie 2018 ist diese Höhenlage ein Segen. Wir haben hier so viel Klarheit und Präzision, der Stil von Angerville ist eben ganz anders, als das was viele Jurawinzer so machen. Weder ein extrem reduktiver Stil wie etwa Tissot, noch oxidativ wie im Jura häufig anzutreffen, sondern floral und verspielt. Dieser Chardonnay kommt aus einer Einzellage. Viel Blütenduftigkeit, Apfel, Birne, Quitte, ganz feine, reintönige Chardonnayfrucht ohne Holzeinfluss. Etwas ausgeprägter in der Mineralität, aber auf keinen Fall in den modernen Reduktionsstil laufend, sondern eindeutig burgundisch bleibend. Wie ein fruchtbetonter, feiner, leichterer Meursault. Ein vollmundiger, floral-verspielter und zugleich so feiner Chardonnay. Macht viel Freude. 94–95/100

2018 Arbois Chardonnay En Barbie

Alte Reben auf überwiegend reinem Kalkstein, Handlese, dann Ganztraubenpressung. Nach 24-stündiger Sedimentationszeit geht es direkt zur Vergärung in 350-Liter-Fässer. Davon meist nur 5% neues Holz. Ausbau über 10 Monate in Holzfässern unterschiedlicher Größen, aber keinerlei Barriques. Das ist ein sehr klassischer Chardonnay. Der Chardonnay kommt vor der Füllung nochmals kurz in Inox-Tanks, um dann als eine Cuvée gefüllt zu werden. Das hier ist, wie alle Weine aktuell bei der Domaine du Pelican, reduktiv ausgebaut. Keine Oxidation, wie traditionell im Jura oft anzutreffen. Jura und Chardonnay ist eine Erfolgsgeschichte auf 350 bis 400 Höhenmeter, bei dieser ständigen Klimaveränderung. Gerade in warmen Jahren wie 2018 ist diese Höhenlage ein Segen. Wir haben hier so viel Klarheit und Präzision, der Stil von Angerville ist eben ganz anders, als das was viele Jurawinzer so machen. Weder ein extrem reduktiver Stil wie etwa Tissot, noch oxidativ wie im Jura häufig anzutreffen, sondern floral und verspielt. Dieser Chardonnay kommt aus der höchstgelegenen Chardonnay Einzellage von Pelican, Südexposition. Also einerseits Kühle durch die Höhe, andererseits aber viel Sonneneinstrahlung durch die reine Südausrichtung. Und die Exposition bekommt diesem Chardonnay extrem gut. Obwohl die Weine alle auf unter 1 Gramm Zucker durchgegoren sind, denkt man in der Nase und im Mund, dass es hier ein bisschen Restsüße geben könnte, weil die Weine so unglaublich floral und fruchtbetont sind. Feine, helle Blüten in der Nase dominieren, darunter etwas Quitte, Apfel, Birne, aber alles sehr moderat und fein. Im Grunde genau so fein wie die Pinot Noirs von Angerville gemacht sind. Einfach schwebend, duftig, eine Delikatesse. Im Mund sehr fokussiert, tolle Konzentration und sicherlich die höchste Mineralität von allen Chardonnays bei Pelican bisher. Einfach lang, lang, lang, in Salzstein und Kreide, feine Blumigkeit, hinten raus dann wieder etwas Birne, etwas Quitte. Das finde ich schon einen sehr ernstzunehmenden Chardonnay in einer völlig eigenen Stilistik. Ein Topwein. 95-97/100

2018 Arbois Savagnin Maceration Pelliculaire

Macération Pelliculaire heißt mit Schalenkontakt vergoren, in diesem Fall acht bis zehn Tage, also noch moderat. Zuvor komplett entrappt. Das erstaunliche bei diesem komplett trocken gegorenen Wein ist, dass er kaum Schalenaromen hat, sondern voll in der Traubenaromatik, fast ein bisschen wie ein Gewürztraminer. Hochintensive Nase, wahnsinnig aromatisch und im Mund einfach sehr lecker. An diese tolle Art der Weine von Werlitsch anknüpfend, der es auch schafft ohne phenolische Bitternis auszukommen. Das Geheimnis liegt in der kompletten Entrappung und dem sehr, sehr sanften vinifizieren. Hier wird nicht extrahiert und nichts bewegt, nur ganz selten mal übergepumpt. Hier geht sowohl der Ablaufsaft von der Presse als auch die Pressfraktion mit ein, was erstaunlich ist, da der Wein so fein und lecker ist. Reich, rund, harmonisch, wie gesagt Gewürztraminer-artig, mit wunderbarer Länge und etwas Kalkstein unterlegt. Wenn ein Orange Wine, dann bitte in dieser Art. Obwohl er komplett trocken ist bei unter ein Gramm Restzucker, fast ein kleines Dessert. Aber auch als Apero ganz wunderbar. Wirklich witzig, anders kann ich es nicht nennen. 97–98/100


2018 Arbois Trois Cepages

Das ist eine Cuvée aus 60 % Pinot Noir, 35 % Trousseau und 5 % Poulsard. Zum Teil schon zusammen vergoren, zum Teil getrennt. Die Vergärung geschieht immer in offenen Behältern, teilweise Stahl, teilweise Holz, neuerdings auch Beton. Dann wird das Ganze vor der Überführung ins Holz vermählt. Holz ist zur Hälfte drei- bis vierjährige Barriques der Domaine d’Angerville und die andere Hälfte sind zwei, drei und fünf Hektoliter fassende, alte Holzfässer. Alle Trauben werden entrappt vor der Vergärung. Das Rebalter ist zwischen 15 und 50 Jahren alt. Diese Komposition ist fast noch überzeugender als der wunderschöne Pinot Noir. Aber diese 35% Trousseau, der ja eigentlich etwas rustikaler ist, machen in diesem Blend eine berauschende Attitüde. Wir kriegen in der roten Frucht deutlich mehr Substanz von unten. Rote Johannisbeere, Hagebutte, Zwetschge, unglaublich reich und drückend von unten, trotzdem obendrauf so fein. Reiner Kalkstein auf dem der Wein wächst. Total verspielt und dennoch so eigenwillig, irgendwie Loire-artig, Cabernet Franc Stil. Was für eine Orgie in der Nase. Der Mund hat viel Gripp, hier ist man wieder deutlicher beim Pinot Noir, aber diese Trousseau, die den Blend trotz der Minderheit ganz klar dominiert, bringt einen würzigen Schub von unten. Der Wein wird länger brauchen als der Pinot und trotzdem immer würziger bleiben. Der Schub von unten aus der roten Frucht, wieder an Cabernet Franc von der Loire erinnernd, macht diesen Wein total interessant. Vor allem mit dieser Krautwürzigkeit, die darin liegt. Fast auch ein bisschen an Syrah aus Saint Joseph erinnernd, das gibt eine zusätzliche Attitüde. Echt schicker Wein und vor allen Dingen ein einzigartiger Wein mit Alleinstellungsmerkmal. 94–95/100

2018 Arbois Trousseau Berenger

Dieser Trousseau wird komplett aus einer Einzellage geerntet, die sich zuvir im Besitz des legendären Jurawinzers Jacques Puffeney befand. Guillaume Angerville hat die Domaine übernommen als Puffeney ohne Nachfolger in den Ruhestand ging. Allerbestes Terroir und top-gepflegter, alter Rebbestand also. Wie alle Rotweine bei Pelican zu 100 % entrappt und im offenen Holzcuve vergoren. Eine sehr sauber definierte Nase und mit mehr Fokus und Definition aus der Einzellage hier als beim Trois Cepages, was ich zunächst nicht dachte. Der Wein ist klar und eindeutig, zeigt diese intensive Spannung des 380 Meter hoch gelegenen Weinbergs. Rote Frucht, Cabernet Franc-artig, kräuterwürzig und trotzdem so fein, kann ja auch nicht anders sein bei Angerville. Diese provenzalische Kräutermischung, dazu feine helle Lakritze, ganz viel Kalksteinanmutung, viel Mineralität, aber nicht scharf. Top definiert. Trousseau ist eine sehr spezielle Geschichte, wie gesagt etwas an Cabernet Franc erinnernd. Hinten raus rollt immer wieder feine, rote Frucht hoch, Johannisbeere, Himbeere und so viel Würze. Ein wunderbarer, traditioneller Jurawein mit der Klarheit von Angervilles präziser Vinifikation. 95/100

2018 Arbois Poulsard

Dieser Poulsard wird komplett aus den ehemaligen Weinbergen des legendären Jurawinzers Jacques Puffeney gemacht, die Guillaume Angerville übernommen hat als Puffeney ohne Nachfolger in den Ruhestand ging. Allerbestes Terroir und top-gepflegter, alter Rebbestand also, obwohl das erst der vierte Jahrgang dieses Weines aus Angervilles Feder ist. Poulsard ist immer deutlich feiner als Trousseau, erinnert schon wieder mehr an einen Pinot Noir, in der Fruchtintensität vielleicht fast sogar etwas an das Beaujolais erinnernd. Feine, intensive Kirschnase, rotfruchtig, feine Lakritze dahinter, weniger verspielte Duftigkeit als Pinot Noir. Eher mehr konzentrierter Zug in die Nase, Johannisbeere, Cranberry. Schlanker und gleichzeitig intensiver Mund, aber nicht dünn, sondern eher in Form von verspielt, leicht, fein. Dennoch etwas rustikaler und etwas intensiver als Pinot Noir ist. Trotzdem fehlt mir hier der Vergleichsmaßstab, am ehesten ähnelt das vielleicht Nerello Mascalese vom Ätna auf Sizilien, da könnte man das vielleicht am ehesten verorten. Verspielte Feinheit, hohe Intensität, lange durchziehender, rotfruchtiger Druck, Kalksteinmineralik und die Kühle aus den 380 Meter hochgelegenen Weinbergen. Ein spannender Wein, ein Unikat. Das gefällt mir sehr gut. 95–96/100

2018 Arbois Pinot Noir

Aktuell heißt der Pinot Noir nur Arbois, als wäre es ein Ortswein. Eigentlich stammt er jedoch aus einer Einzellage auf 380 Metern Höhe. Ab dem Jahrgang 2019 wird der Wein diese Bezeichnung auch tragen, nämlich Clos Saint Laurent. Die Reben sind zwischen 15 und 50 Jahren alt, eng gepflanzt, kleine Erträge. Der Boden ist nahezu reiner Kalkstein. Dieser Wein passt so genial zu Angerville, weil er in einer Blindverkostung vielleicht sogar fast als feiner Volnay durchgeht. 2018 mit dieser Wärme und dann diese unglaubliche Feinheit dazu, fast reine Kirsche, am ehesten dem Caillerets ähnelnd. Aber das ist auch klar, bei reinem Kalkstein und Hochlage. So fein verwoben, unglaublich verspielt, ganz feine Veilchen, Lakritze unter der Herzkirsche, ein klein wenig Himbeere. Nur riechen reicht eigentlich schon. Aber unendlich feiner, schlanker, verspielter, Kreide-Kalk-Mund, fast ein bisschen dünn werdend, weil er so verspielt und leicht ist. Der Wein ist zärtlich tänzelnd, die Tannine sind zwar vorhanden, aber sie sind kaum noch auszumachen, so unendlich fein zerrieben sind sie. Gerbstoffe als kleine, seidige Unterlage der total verspielten, roten Frucht. Ich hätte nicht gedacht, dass wir hier einen Pinot Noir finden können der noch feiner als Volnay sein kann. Einfach ultraschick. Noch nicht groß, das wird mit der Zeit kommend, aber verträumt und begeisternd. 95–97/100

Fazit

Um den Gedankengang des euphorischen Nicolas Potel abschließend noch einmal aufzugreifen: Natürlich verklären wir teilweise – in romantisierender Rückschau – die Highlights vergangener Jahrzehnte. Jahrgänge wie 1945, 1959, 1978, 1990 waren in ihren Zeitaltern im wahrsten Sinne des Wortes herausragend. Doch zwischenzeitlich haben wir die damals als herausragend geltenden klimatischen Bedingungen heute nicht ein bis zwei mal pro Dekade, sondern als Standard. Dies, gepaart mit der so viel fortschrittlicheren Weinbergsarbeit und dem sehr viel ausgefeilteren Ernte- und Phenol-Management der Top-Betriebe, ist einfach unschlagbar. Diese Weine werden potenziell alles bisher dagewesene des vergangenen Jahrhunderts in den Schatten stellen können. Es ist sicher nicht alles besser als früher, und der Klimawandel gibt uns sehr wahrscheinlich nur ein kleines Zeitfester zum Jubeln, bevor es sich mancherorts wieder ins Gegenteil verkehren wird.

Winzer haben heute nicht unbedingt mehr oder weniger Herausforderungen als früher, nur eben andere. Eine hochqualitative Serie wie 2015, 2016, 2017, 2018, 2019 zeugt von noch nie da gewesener Konstanz und Größe in der Geschichte des Weinbaus. Und das weltweit. Da erscheint die Serie 1988, 1989, 1990 fast kümmerlich daneben. Die besten dieser Weine, die wir heute aus den kürzlich vergangenen Jahren erwerben können, sind weitläufig so viel besser, als nahezu alles, was wir bisher zu Legenden erklärt hatten. Wir produzieren gerade moderne Legenden am laufenden Band. Die Weinverrückten unter unseren Enkeln werden uns um diese Zeit beneiden. Aber auch sie werden mit Hochgenuss noch in einigen Jahrzehnten von diesen Kreszenzen zehren können. Es gibt traurigere Wahrheiten.

 

Zu allen Weinen des Burgunds