Lobenbergs Wein Alarm

Deutschland 2018, gehypt wie selten ein Jahr zuvor, klar einnehmender und offener im Charme als der stylische, langlebige, aber zurückhaltende Superjahrgang 2016 und der fruchtstarke 2017. Was ist dann mit Bordeaux? Nur gehypt oder echt groß wie der geniale Sommer? So lautete meine neugierige Frage.

Die Bedingungen 2018

Bordeaux 2018 eilt seit vielen Monaten fast eine Qualitätshysterie voraus wie Deutschland … Journalisten sprechen von ganz großen Weinen und Jahrhundertjahrgang, der tendenziell zurückhaltende amerikanische Wine Spectator verteilte ganz früh fast euphorische Noten, aber stimmt das auch? Entspricht die Qualität wirklich diesem, von uns allen persönlich erlebten Supersommer 2018?

Fakt ist, dass das Jahr sehr nass und feucht begann. Nass bis in den Juni, nur unterbrochen von einer reibungslos verlaufenden tollen und perfekten Blüte. Nun ist diese Nässe im Grunde ein Segen um den nachfolgenden heißen und vor allem trockenen Sommer zu überstehen. Aber die lang anhaltende Feuchtigkeit hatte das Potenzial zum Desaster. Viele Domainen hatten große Verluste durch Mehltau. Ein Pilz, der viele Blätter und Ansätze vertrocknen und abfallen lässt, der insgesamt durch die Ertragsreduzierung aber die Qualität des Überlebenden tendenziell nicht verschlechtern muss, wenn man denn sehr sauber sortiert. Aber in jedem Fall gibt es eben wenig Menge. Und das Wetter wechselte im Juli zu einer langanhaltenden Trockenheit und hoher Wärme.

Wie den Jahrgang 2018 einordnen?

Kurz vor der Ernte Anfang Oktober gab es einen lang ersehnten moderaten Regen, die Aktivitäten in den Beeren starteten durch, die Ernte verlief in kurzer Zeit und ziemlich perfekt. Andere waren schon im September fertig, aber egal wie, die Ernte war easy.

Was zeigen nun die ersten Degustationen im Glas? Zum Glück gar nichts marmeladiges des fetten und trockenen Hitzejahrgangs 2003. In 2018 ist trotz des etwas sehr reifen Ansatzes und tiefer Säure und potenzieller Monsterhaftigkeit eben auch Schmelz, satte Frucht, seidiger Trinkfluss und Fülle, viel Samt und erstaunlich gute oder doch zumindest anständige Frische bei tendenziell tiefer Säure und hohen pH Werten. Die ersten Weine verfestigen eine Assoziation mit 2010, 2016, dazu noch 2008, ein Hauch 2003 und 1982. Weniger hohe Säurewerte als 2010 und weniger extraterrestrischen Schick des grandiosen 2016. Dennoch sind 2010 und 2016 und 1982 am ehesten mit 2018 zu vergleichen. Die 2018er Weine sind geschmeidiger als die extrem leckeren, runden 2009er und lecker-feinen, seidig süßen 2015er, und sie sind klar größer als 2008, 2003 und 2012. Das passt schon verdammt gut trotz ziemlich hoher Reife, tiefer Säure und unglaublicher Konzentration. Langjährige Verkoster sprechen von einer Analoge zu 1982, schon eine große Referenz. 2010 und 2016 bleiben trotz eines großen Jahrgangs 2018 aber auch eine Benchmark, diese zwei Jahrgänge waren unglaublich konsistent und stimmig, in Summe aller Weine gab es weniger Enttäuschungen. Wahrscheinlich macht auch die größere Säure den psychologischen Unterschied, in 2018 kommt die große und wirklich vorhandene Frische eher aus der Reife der Frucht. Die Feinheit der buttrig samtigen, sehr reichlichen Tannine, die saftig fruchtige Eleganz, der große Charme, der Trinkfluss und die sehr reife Frucht sind 2018 nämlich trotz leichter Monstrosität und großer Üppigkeit schon verdammt gut. Und 2018 hat ob der immensen Tanninmassen ein sehr hohes Alterungspotenzial.

Start am Montag, 25. März

Sonntag Abend bei Leognan angekommen. Erste Verkostungf des Jahrgangs 2018 dann am nächsten morgen. Nach den ersten 20 Mustern auf der Prowein Mitte März 2019 kam wie letztes Jahr der Besuch auf Chateau Léognan in Pessac Léognan. Ungeheuer aromatisch und samtig, recht üppig dazu. Alles passt, ziemlich perfekt und der Wein wird der benachbarten Domaine de Chevalier immer ähnlicher. Ein toller Wein mit 94–95 Punkten. Was kann man einwenden? Vielleicht zu nett und rund und zu stimmig? Aber ist das ein wirklicher Einwand?

Le Blanc by Château Leognan 2018 (Graves)

Lobenberg: Der 2018er hat dieselbe Rebsortenzusammensetzung wie der 2017er. Das heißt wir haben 50% Sauvignon Blanc, 40% Sémillon und 10% Muscadelle. Ein drittel des Weines wird im neuen Holz fermentiert und dann einschließlich gelegentlicher Bâtonnage auf der Hefe belassen. Die restlichen zwei Drittel werden im Stahltank vergoren und ausgebaut. Der Alkoholgehalt beträgt moderate 12,5% Vol., wie es auch 2017 der Fall war. Der Wein besticht wieder einmal durch grandiose Frische. Wir hatten das Vergnügen am Vorabend 2017 zum Essen zu trinken – ein grandioser Wein! Auch weil hier moderat mit dem Holz umgegangen wird. Das ist genau diese Art von weißem Bordeaux, die sich hervorragend als Essensbegleiter eignet, aber ob seines zurückhaltenden Holzeinsatzes genauso auch als feiner Terrassenwein geeignet ist. Trotzdem hat er die Klasse und die Größe und den Druck, den auch qualitativ hochwertigere und weitaus teurere weiße Bordeaux zeigen. Der Wein ist qualitativ irgendwo zwischen Clos Floridene und Château Fieuzal einzuordnen. Er braucht aber seine zwei Jahre, um das neue Holz gut zu verdauen und dann besticht er ob seiner Fruchtigkeit. Die Semillon und Muscadelle sind wichtig, um die überragende Balance zu halten. Der Sauvignon hat keinerlei Stachelbeere, das Ganze geht eher Richtung Melone, Quitte, Zitronengras mit wunderbarer Säurestruktur. Eine leichte Apfelnote darunter, Honigmelone, Williamsbirne und die schöne Säurestruktur einer Limette. Langanhaltend und intensiv. 94-95/100

Dann eine Stunde Fährt zum Biodynamiker Clos Louie, der Superstar aus Castillon. An der Grenze zu Saint Emilion. Nachbar eines der besten Biodynamie-Weingüter Saint Emilions, Tertre de la Mouleyre. Hochreife Lese Anfang Oktober. Nur gut 5000 Flaschen. Erstmalig mit 20% alter Cabernet Sauvignon zu den 30% weit über 100 Jahre alten Cabernet Franc. Dazu 30% 100 jährige Merlot und 20% Malbec. Die große Frische der Cabernet Sauvignon schafft eine enorm pikante Balance zur extrem tiefen Säure der anderen Rebsorten. Stilistisch etwas Neuland, aber perfekt für diesen „low acidity vintage“. Anders, aber groß wie 2016 und 2015, besser noch als der sensationelle, zum lunch genossene 2010 und 2008 aus der Magnum. Ein Wein in der Liga der allerbesten 1er Grand Cru Classé aus Saint Emilion zu einem Drittel oder Viertel des Preises. Mehr als Understatement und der erste 98-100 Punkte Wein des Jahrgangs.

Chateau Clos Louie 2018

Lobenberg: Ein Weingut am Rande der Appellation zu Saint Emilion, mit weniger als 15 Hektar Anbaufläche, dessen Kern eine nur 0,85 Hektar große Zelle ist, bestockt mit bis zu 150 Jahre alten, wurzelechten Reben, Prephyloxera. Direkter Nachbar ist Eric Jeanneteau von Tertre de la Mouleyre aus Saint Emilion. Merlot, Malbec, Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc. Über einer Eisenauflage auf reinem Kalkstein gelegen, biologische Bearbeitung, Gras- und Kräuter-Bewuchs. Die Lehmauflage über dem reinen Kalkstein ist etwa 30 cm dick. Der Ertrag ist auf Grund des hohen Alters der Reben extrem gering, ganz natürlich unter 25 Hektoliter pro Hektar. Alles wird in Handarbeit erledigt und auf einem Tisch händisch sortiert und entrappt. Ein Aufwand, welchen sich ein großes Weingut gar nicht leisten könnte. Die Lese entspricht allen biologisch arbeitenden Winzern, und dank des geringen Kupfereinsatzes und der frühen Reife erfolgt die Lese wie bei Clos Puy Arnaud in der Regel schon im September. Der alte Weinberg ist mit 6.500 Stöcken pro Hektar bepflanzt. Das Weingut ist inzwischen auch biozertifiziert. Der Weinberg steht in der Gemeinde Saint-Philippe-d’Huile. Die Bio-Zertifikation gilt seit 2012. Der Önologe ist Claude Gros. Besitzer sind Pascal und Sophie Lucien-Douteau. Die Rebsorten-Zusammensetzung ist aufgrund des gemischten Satzes der 150 Jahre alten Reben nicht haargenau festzulegen. Die Weine werden im Zement, aber auch im offenen 30-Hektoliter-Inox-Stahltank vergoren, danach zusammen im 500-Liter-Stockinger-Tonneau ausgebaut. Sie bleiben 1 1⁄2 Jahre ohne Bâtonnage in diesen Fässern. Unberührt bis zur Abfüllung. Der Holzeinsatz ist zu 50 % in neuen und 50 % in gebrauchten Tonneaus sowie zum Teil in 300-Liter-Fässern. Seit 2018 gibt es ein paar kleine neue Plots dazu, insgesamt gibt es somit knapp über 5000 Flaschen Clos Louie, es bleibt immer noch ein rares Elixier. Auch ist die Zusammensetzung der Assemblage in 2018 etwas verändert, es gibt in etwa 20% Cabernet Sauvignon, 30% Cabernet Franc, 30% Merlot und 20% Malbec. Der pH-Wert ist 3,45 bei 14,5% Vol. Alkohol, was einen normalen Wert bei Clos Louie darstellt. Normalerweise sollte man bei diesem Jahrgang tiefe Säurewerte erwarten, doch bei Clos Louie ist er auf Grund des Cabernet Sauvignons und des Malbecs relativ normal ausgefallen. Cabernet Franc und Merlot sind tiefer in der Säure als gewöhnlich. Die gesamte Ernte wurde bei voller Reife am 5. und 6. Oktober eingebracht. Bei Clos Louie kommen wir dann bei der Degustation der Wahrheit des Jahrgangs 2018 schon deutlich näher. Der Charakter des 2018ers liegt zwischen 2008 und 2016, das sind die beiden tragenden Elemente um 2018 richtig einzuschätzen. Das deckt sich so auch ungefähr mit meinen bisherigen Verkostungen. Wir haben die Eleganz von 2008 ohne diesen Schick von 2016, aber durchaus mit dem geschmeidigen Trinkfluss aus 2016. Wie bei allen bisherigen Weinen auch hier extrem Duft-betont, sehr aromatisch. Eine dichte Wolke feiner Frucht, Charme ist das Hauptelement des Jahrgangs 2018. Aus vier Rebsorten haben wir von Cassis über feine weiße Schokolade, Johannisbeere, reife Zwetschge, Schlehe, ein bisschen Granatapfel und ein wenig Blaubeere. Wir haben sämtliche Komponenten, auch Schwarzkirsche gesellt sich dazu. Ein burgundischer Trinkfluss – auch das ist ein Charakteristikum des Jahrgangs 2018, bei Clos Louie ganz ohne Extremitäten. Weder ganz so extrem schick und verspielt wie 2016, noch ganz so kraftvoll, tanninreich und säurehaltig wie 2010, sondern alles auf der extrem charmanten, geschmeidigen Seite laufend. Ein unglaublicher Fluss in der Nase. Im Mund dann eine neue Erfahrung für Clos Louie, die erstmalige Zugabe von 20% Cabernet Sauvignon. Diese Addition macht sich extrem positiv bemerkbar, gibt Aufregung und Spannung dazu. Die Intensität im Mund ist schon genau so hoch wie in den letzten großen Jahren hier, nur etwas anders. Wir sind etwas mehr auf der Schlehe und etwas mehr auf der roten Johannisbeere, und dazu diese große Würzigkeit aus Merlot, Malbec und Cabernet Franc. Das Ganze bei der sehr tiefen Säure der Cabernet Franc, das gibt schon einen enorm hohen Oszillographen. Von der spannungsgeladenen Cabernet Sauvignon bis hin zur tiefen Säure der Cabernet Franc und des Merlot. Dazu dann die Malbec-Würze. Der 2018er braucht, obwohl er so unglaublich geschmeidig, saftig und charmant ist, sicherlich einige Jahre, um sich perfekt zu finden. Und er kommt mit einem etwas anderen Charakter als die großen Jahre 2015 bis 2017 daher. In keinster Weise schlechter, nur etwas anders. Gewissermaßen etwas aufregender durch die Cabernet Sauvignon, denn da bekommt der tendenzielle St-Emilion Style einen Touch Château Figeac dazu. Das ist ein großer Wein aus der Gemeinde Castillon, was zu Lasten der extrem arbeitenden Winzer den Preis des Weines eben extrem beschränkt. Für uns und für die Konsumenten ist das aber die Gelegenheit einen tendenziellen 150-Euro Wein für deutlich weniger Geld zu kaufen. Großer, aufregender Stoff! 100/100

Die kleine Weltreise geht weiter, jetzt nach Blaye zur kommenden Biodynamikerin (2018 ist das letzte Jahr der Konversion, ab 2019 zertifiziert) Bel Air La Royere. Uralte Reben, 65% Merlot und 35% Malbec. PH 3,65 - tiefe Säure. Trotz Lese in der letzten Septemberwoche unglaublich reif. 15 Alkohol wie 2016 und doch perfekt balanciert. Ein schwarzer Riese, ungeheuer aromatisch und lecker. Der daneben verkostete 2016er war schicker, stylischer und frischer von mehr Säure, aber der 18er ist dennoch leicht vorne, manchmal darf’s eben auch ein wenig mehr sein. Ein Samtteppich schwarzer Frucht, keine Härte im butterweichen, reichlichen Tannin und vollmundig üppig, die größten Argentinier sind kaum besser. 95-96 und best-ever hier.

Das Finale in Fronsac auf Moulin Haut Laroque. Seit 1988 der Primus der Appellation. Dazu unglaublich alterungsfähig. Immer elegant wie ein Pomerol. Oder auch mal üppig und wuchtig wie 1989 und 2009. Immer groß und immer ein Highlight im Preis-Qualitäts-Verhältnis. 2016 war vor 2010 und 2015 ein Meilenstein hier. Was macht nun dieser Sommer mit seiner hohen Reife bei niedriger Säure mit diesem Jahrgang? Erster Eindruck in Nase und Mund: Ein kleines Monster, die Wiederauferstehung des 1989? Ewiges Leben, sooo viel butterweiches Tannin, satte Reife Frucht ohne Marmelade. Puh... dieser Wein wird in 10 Jahren die meisten der viel teureren Wettbewerber wegfegen. Ich bewerte ihn wahrscheinlich mit 95 ungerecht einen Punkt tiefer als 2016, der meine Benchmark für diese Domaine bleibt.

Moulin Haut Laroque 2018

Lobenberg: Moulin Haut Laroque liegt auf der Kuppe in Fronsac, in Saillans, dem Ort in dem alle Stars des Fronsac liegen. Weißer und teilweise auch blauer Lehm sowie Magnesium über purem Kalkstein. Hervorragendes Terroir. Der direkte Nachbar ist das Chateau Tour du Moulin eines sehr bekannten Önologen und Consultants. Kleiner, aber auch sehr gut. Hier oben entstehen mit die besten Fronsac. Es gibt hier so gut wie keine Probleme mit der Trockenheit. Die Wasserversorgung auf reinem Lehm auf Kalkstein funktioniert erstklassig. Die Assemblage ist 65% Merlot, 18% Cabernet Franc, 5% Malbec, 12% Cabernet Sauvignon. Der Alkoholgrad beträgt 14.5. Die Ernte fand früh statt ab dem 26. September, so dauerte bis zum Cabernet Sauvignon am 15. Oktober. Die Nase dieses 2018er Moulin Haut Laroque entspricht nicht nur typisch diesem Weingut, sondern auch diesem Jahrgang. Der pH-Wert ist 3,66, das heißt wir haben eine extrem tiefe Säure, dabei aber hohe Aromatik. Sehr reich, sehr reif und üppig auf der Schwarzkirsche und der Backpflaume laufend, dunkle Schokolade, etwas Erde, ein bisschen Cassis, alles süß, reich, dicht und voluminös. Fronsac liegt ja nahe bei Pomerol und so ist es nicht sehr verwunderlich, dass gerade auch bei dieser Rebsortenzusammensetzung eigentlich sofort der Gedanke an Pomerol aufkommt. Im Mund ein kleines Schoko-Monster mit verflüssigtem Schokoladentörtchen mit satter schwarzer Kirsche, dazu ein wenig Blaubeere, Maulbeere, Kirsche, Kirschlikör. Immens dicht, voluminös, lang und intensiv. Der Wein erinnert mich unwillkürlich an den 1989er Moulin Haut Laroque, aber auch 2009 könnte Pate gestanden haben, das ist schon eine ziemliche Wuchtbrumme. Das Gute daran ist, der Wein ist überhaupt nicht marmeladig oder über-fett, sondern nur reich und dicht. Die Frucht kommt fast wie ein Schwarzkirsche-Schlehe beladenes Barbera-Monster daher. Die Intensität ist wirklich gewaltig. Kirsche, Schlehe, süße Waldbeeren, viel schwarze Frucht, dichte, reiche, süße Schokolade schiebt mit süßer roter und schwarzer Frucht. Aber um es noch einmal deutlich zu sagen, das ist nicht marmeladig, nicht konfitürig, das ist trotz dieser Üppigkeit auch fein und ziemlich spannend. Dieser Wein wird dereinst ein Mega-Erfolg in vielen Weinproben sein, weil er in seiner Reichhaltigkeit und Üppigkeit vieles wegblasen wird, was dramatisch teurer ist. Das Tannin ist butterweich, nichts ist hart, nichts tut weh, nichts stört, aber von allem gibt es reichlich. Die sehr moderate Säure ist dennoch vorhanden und gibt eine gewisse Pikanz, gibt eine gewisse rote Frucht zu dieser reichen schwarzen Frucht, zu dieser Backpflaume. Der Wein hallt lange nach, das ist ein völlig anderer Charakter als der extrem elegante, ja große Wein aus 2016. Und dennoch ist auch 2018 groß, nur in einem ganz anderen Wettbewerb stehend. Seit Jahren nun ist Moulin Haut Laroque der Primus und seit Jahren ist es groß. Spätestens seit 2009 jagt hier ein Highlight das nächste. Und für mich ist 2018 noch größer als 2009. Muss sich nur dem 2010er und 2016er, speziell Letzterem ob der grandiosen Eleganz und Finesse beugen. Aber er ist nochmal eine kleine Spur über dem extrem schönen, pikanten 2017er. Der Wein hat wahrscheinlich ein höheres Alterungspotenzial als 2009 und auch als 2015. Mit seiner “alle Regler nach rechts” Ausrichtung kann er dann in einer Verkostung vielleicht doch an 2010 heran oder ist sogar überlegen. Wie ich schon sagte, der Mega-Wein 2016 bleibt ganz vorne, aber 2018 ist ein großes Jahr für Moulin Haut Laroque und schwer beeindruckend in seiner sehr lebendigen Üppigkeit. 95-96/100

Dienstag, 26. März

Start in Saint Emilion auf Chateau Valade. Der direkte Nachbar von Tour Saint Christophe, allerfeinstes reines Kalksteinterroir. Cedric Valade bewirtschaftet nur 5 Hektar mit bis zu 80 Jahre alten Reben. 95% Merlot und 5% Cabernet Franc, total entrappt, spontan vergoren, 70% neues Barrique. Geschmeidiger und charmanter noch als die Benchmark, der extrem frische und finessereiche 2016. Grandios sind auch seine Castillons. Chateau Brisson und Le Peyrat (die jüngeren Reben) stehen auf dem Plateau von Castillon, Hillside auf hartem Lehm über Tuff-Kalkstein, ideal kühler Grund für heiße Jahre. Unglaublich fein aus komplett entrapptem Lesegut, 45 Jahre alte Reben. Und wie schon bei Clos Louie erfahren: das heiße trockene 2018 ist das Jahr von Castillon! Perfekte Eleganz und charmante Fülle bei seidig samtigen Tanninen und hoher Frische und Eleganz.

Valade

Lobenberg: Erst 2007 von Cédric Valade aus Castillon gegründet. Er  beabsichtigt demnächst mit diesem kleinen Plot in Konversion zu Bio zu gehen, momentan wird noch konventionell bewirtschaftet. Dieses perfekte Kalkstein Terroir von nur 5 Hektar direkt vis-a-vis von Tour Saint Christophe gelegen, ist nun seit Jahren wirklich top. Der pH-Wert beträgt 3,6. Wir haben also eine recht tiefe Säure, der Ertrag lag bei knapp 40 Hl/ha. Die Reben sind zwischen 80 und 25 Jahren alt, im Durchschnitt etwa 45 Jahre. In 2018 wurde ein Alkoholgrad von 14,5% erreicht. Die Zusammensetzung ist unverändert 95% Merlot, 5% Cabernet Franc. Aromatische, dichte Nase mit viel schwarzer Kirsche, feine Schokolade darunter, nicht zu wuchtig, stets fein. Maulbeere, ein kleiner Hauch Blaubeere, viel weiße Schokolade mit einem kleinen Hauch Nougat darunter, auch eine schöne Nussigkeit zeigend, Haselnuss, Walnuss. Insgesamt eine aromatische, geradezu feine, ätherische Nase. Die Feinheit ist hier auch so gewollt, die Trauben werden zu 100% entrappt und spontan im Inox-Tank vergoren, der Ausbau erfolgt dann im 70% neuen Barrique. Für diesen fast reinsortigen Merlot in diesem warmen Jahr ist der Wein erstaunlich frisch und balanciert, der Alkohol ist nicht zu spüren. Diese Region St-Émilions auf dem Plateau aus fast purem Kalkstein neben Tour Saint Christophe kann mit diesem heißen Jahr extrem gut umgehen. Das Ganze ist erstaunlich verspielt, wir haben nichts Monströses, nichts Fettes, einfach nur fein. Das Tannin ist seidig, geschliffen und tänzelnd. Ein sehr charmanter Wein mit mittlerem Volumen, ohne Fett. Einfach nur ein tänzelnder St-Émilion, der ohne weiteres mit dem grandiosen 2016er mithalten kann, den wir daneben rück-verkostet haben. Durchaus etwas anders im Stil, etwas weniger schick, dafür noch charmanter und noch balancierter. Valade ist auf einem wirklich fantastischen Weg. 94/100

Brisson

Lobenberg: Das Weingut ist im Besitz von Cedric Valade, der inzwischen auch ein kleines Weingut in Saint-Émilion hat. Es ist ein Weingut mit verschiedenen Terroirs. Hügeliges Land oben auf dem Plateau, roter Lehm auf Tuff-Kalkstein, also sehr porösem Kalkstein, alles um Chateau d'Aiguilhe herum und der andere Teil auf Kreide-Kalkstein mit braunem Lehm darüber in der Nähe von Clos Puy Arnaud. Das Durchschnittsalter der Reben liegt bei 40 Jahren, größtenteils zwischen 1980 und 1986 gepflanzt. Die Rebsortenzusammensetzung ist 80% Merlot, 20% Cabernet Sauvignon. Das Weingut ist momentan noch nicht in Konversion zu Bio, das wird in einigen Jahren erfolgen. Der übliche Mehltau des Jahres 2018 war hier dementsprechend nicht problematisch, da man rechtzeitig mit den Spritzungen beginnen konnte. Die Trauben wurden vollständig entrappt und der Wein wurde komplett in großen Tanks spontan vergoren. Dann erfolgt der Ausbau im Barrique mit einem Neuholzanteil von einem Drittel. Die Nase des Brisson ist erstaunlich frisch für 2018, wird dominiert von Schlehe, Himbeere, ein Hauch Erdbeere darunter, auch Hagebutte, duftig, fein, rotfruchtig. Der Cabernet Sauvignon ist durchaus eine Dominante in Nase und Mund, das ist ein schöner Kick dazu. Der Wein erinnert total an 2016. Er ist fein, elegant und verfügt über großes Spiel mit Finesse und burgundischem Fluss mit deutlich rotfruchtiger Dominanz auch im Mund. Johannisbeere, Schlehe, Sauerkirsche, dazu feine helle Schokolade und eine wirklich famose Säure, große Frische. Insgesamt ein sehr stimmiger, balancierter, harmonischer Wein. Kein Riese, keiner der absoluten Tops aus Castillon, aber für das, was er ist und für das, was er kostet ist das eine grandiose Empfehlung. Ich habe den Brisson noch nie so gut probiert und werde ihn als 2018er unbedingt einkaufen und anbieten. 93+/100

Peyrat

Le Peyrat gehört dem gleichen Besitzer wie Château Brisson in Castillon und Château Valade in Saint-Émilion. Cedric Valade erzeugt hier aus durchschnittlich 25 Jahre alten Reben im Hügelland Castillons seinen Basis-Castillon. Der Boden besteht aus einer 50 Zentimeter Schicht Lehm über Tuff-Kalkstein, alles um Château d’Aiguilhe herum gelegen, also bestes Terroir. Die Trauben werden komplett entrappt, das Ganze wird im Tank fermentiert und auch im Tank ausgebaut. Wahrscheinlich gibt es in Castillon und auch im gesamten Bordelais keinen Wein, der im Preisleistungsverhältnis so konkurrenzfähig ist. Der Le Peyrat besteht zu 80% aus Merlot und zu 20% aus Cabernet Franc mit entsprechender Eleganz und Frische. Die Nase ist duftig und wird vom Cabernet Franc dominiert. Ganz starke Erdbeer- und Himbeernote, feine provenzalische Würze, etwas Garrigue, ein bisschen an Südfrankreichs Region Languedoc-Roussillon erinnernd. Aber unglaublich fein und duftig, ätherisch. Auch der Mund ist rotfruchtig dominiert. Fast hätte ich in einer Blindprobe an einen voluminösen Chinon von der Loire gedacht mit dieser leichter säuerlich ausfallenden Erdbeer-Himbeerkombination. Auch Schlehe kommt hinzu und viel Kirsche, Sauerkirsche und feine Weichselkirsche, so gut wie keine schwarzen Früchte. Schönes Volumen zeigend, ohne je fett zu sein, es bleibt ein balancierter, feiner, seidiger, tänzelnder Wein. Ein wirkliches Preisleistungswunder, ein grandioser Spaßmacher. Das besondere an diesem Wein und ganz generell an allen Weinen Cedrics ist, dass er sehr kühle Lagen hat. Mit dem dicht gepressten Lehm über tuffigem Kalk sind heiße Jahre für ihn perfekt, denn die Weine bleiben immer frisch, balanciert und tänzelnd. 89-90+/100

Und dann kommt eine Begegnung mit der dritten Art... Alain Moueix, Biodynamiker der ersten Stunde mit Chateau Mazeyres in Pomerol und Fonroque in Saint Emilion. Beide komplett entrappt und in Stahl und Zement spontan vergoren. Ausbau mehr im 1500 und 2500 Holzfuder und Betonei, kaum noch Barrique. Biodynamie erhält Säure, ganz tiefe PH Werte von unter 3,5 und 3,4. Alkohol moderat mit 13,0 und 13,5. Wahnsinnig frische Weine im Loire-Stil, voller Finesse, vibrierend und aufregend. Weg von allem was Bordeaux war, hin zu Burgund und Loire. Traumweine und auf der Spur des Biodynamikers Clos Louie. Großes feines Kino! Chapeau Alain Moueix!

Fonroque 2018

Lobenberg: Chateau Fonroque ist ein biodynamisches Weingut im Besitz von Alain Moueix, einer der Vorreiter der Biodyn-Bewegung überhaupt, zusammen mit Thierry Valette von Clos Puy Arnaud in Castillon. 17,5 Hektar mit Kleinsterträgen, 80% Merlot, 20% Cabernet Franc. In der Regel nur 50% der Ernte im Erstwein, um dort die Perfektion zu haben. Die Ernte bei Fonroque findet, wie bei allen Biodynamikern, tendenziell früher statt. Hier in der letzten Septemberwoche beginnend. Die Trauben bei den Biodynamikern reifen in der Regel sehr viel schneller, da der Weinberg gesünder ist. Die kleineren Spritzanteile behindern die Natur weniger. So ist die physiologische Reife der Kerne eben viel eher erreicht. Die Zusammensetzung des Erstweines hat in 2018 Merlot zu 85% und Cabernet Franc zu 15%. Der Alkohol beträgt 14,5%, der pH-Wert liegt bei bemerkenswert niedrigen 3.4, wir haben hier also eine ausgesprochen hohe Säure. Die Biodynamik hilft hier schon extrem. Die Trauben werden komplett entrappt und spontan im Zement- und Stahltank vergoren. Der Ausbau erfolgt zunehmend in großen Tonneaus von 1500 und 2500 Litern. Der Zusammenhang zwischen Fonroque und dem niedrigen pH-Wert ist im Boden zu finden, wir haben Kalkstein, der sehr basisch ist und somit in der Regel für erhöhte Säurewerte in den Weinen sorgt. Die Biodynamik trägt aber ebenso ihren Teil dazu bei, denn Biodynamiker haben in der Regel deutlich höhere Säurewerte in ihren Trauben, als ihre konventionell arbeitenden Kollegen. Das Ergebnis ist ein für 2018 extrem verblüffender Wein. Wie auch schon das zweite Weingut von Moueix in Pomerol Château Mazeyres besticht Fonroque durch eine eher rotfruchtige Nase. Etwas würziger, etwas tiefer als der Pomerol, sehr viel Walderdbeere und Waldhimbeere, auch hier Schlehe, etwas Hagebutte, Sauerkirsche und süße Schwarzkirsche dazu. Dies ist dann der Gegensatz zum Pomerol aus gleichem Haus, hier geht die rote Grütze dann deutlich mehr zu dunklen Beeren, zur Brombeere, Maulbeere. Und doch bleibt es bei der ätherischen, verblüffend eleganten, spielerischen Art. Nun kommen Rosenblätter und deutlich Veilchen hinzu und eine unglaubliche Länge, auch eine unglaubliche Intensität mit säurebeladener schwarzer Kirsche, Brombeere, Maulbeere. Aber extrem fein, schwebend und die Frische ist so dominant, man mag es kaum glauben, aber wir sind in 2018 frischer und verspielter als in 2016. Mit einer ganz grandiosen Länge. In den komplizierten, heißen Jahren ist die Biodynamik einfach ein Schlüssel zum Erfolg. Der Wein ist so in sich ruhend, so balanciert und zeigt sich so total verspielt. Es ist ein Traum, es ist eine Freude, diese seidige Frische, dieses nie fett werdende. Das ist Mozart und Vivaldi pur, das ist ein Gebirgsbach über Kieselsteine hüpfend, alles vibriert, alles zittert in der Frühlingsluft. Das ist ganz untypisch für Bordeaux in dieser unendlichen Feinheit und Verspieltheit. Und das sollte der Käufer auch wissen, Mazeyres und Fonroque sind nicht klassisch Bordeaux. Das galt auch schon für Clos Louie. In diesem Jahr trennen sich die biodynamischen Weingüter von den anderen Winzern über ihre sagenhafte Eleganz und Verspieltheit. Aber der Käufer sollte sich hier auch vom Bild des klassischen Bordeaux trennen. Sicherlich tut auch der Ausbau im Holztonneau und Betoneiern das Übrige dazu, was wir ja auch bei Clos Louie schon hatten. Bordeaux ist im Wandel und die kleinen Biodynamiker betreiben diesen Wandel am extremsten. Verabschieden Sie sich von Ihrer klassischen Vorstellung Bordeaux, denn das Bordelais wächst näher heran an Burgund und Loire. Superstoff! 97-98/100

Château Mazeyres 2018

Das Weingut gehört Alain Moueix, dem auch Châteaux Fonroque gehört. Die Cepage ist hier 70% Merlot, 25% Cabernet Franc und 5% Petit Verdot. Inzwischen komplett umgestellt auf Biodynamik und auch zertifiziert. Das Durchschnittsalter der Reben beträgt 30 Jahre, die Reben stehen auf recht kühlem, sandigen Terroir, was neben großer Eleganz für einen Alkoholgehalt von nur 13.5% sorgt. Der pH-Wert liegt bei knapp unter 3.5, das heißt wir haben hier auch eine höhere Säure. Diese kühlen Weinberge erstrecken sich in Pomerol auf überwiegend sandigen Böden, nordwestlich von La Croix und Beauregard. Und während Mazeyres damit in kühleren oder nasseren Jahren häufig etwas problematisch oder rustikal ausfällt, so ist dieses Terroir für heiße, trockene Jahre wie 2018 nahezu idealtypisch. Die Nase ist unglaublich fein, voll auf der roten Frucht laufend, Erdbeere, Himbeere, ein Hauch Schlehe und auch Sauerkirsche. Eine Fruchtkaltschale, sehr ätherisch, hocharomatisch. Und auch der Mund ist total rotfruchtig dominiert, die Aromen wiederholen sich, Fruchtkaltschale, rote Grütze, ein Sammelsurium von Beeren, ein wenig Cassis und Blaubeere mischen sich mit der roten Johannisbeere, Erdbeere, Himbeere, Schlehe und Cranberry. Sehr schöner würziger Unterbau, tolle Länge in einem sehr eleganten Körperbau, extrem viel Charme ausstrahlend. Nicht burgundisch, sondern eher Loire-artig in der Feinheit. Das hätte ich nie ins Jahr 2018 und nie nach Pomerol verortet. Das ist so unendlich feiner Loirestoff. Das macht richtig Spaß, das ist geradezu ein Highflyer in Eleganz und Finesse. Der Wein wird im Zement spontan vergoren und dann quasi gar nicht mehr im Barrique ausgebaut, sondern in 1500 und 2500 Liter fassenden ovalen Tonneaus aus überwiegend neuem Holz. Der Rest wird in sehr großen Betoneiern ausgebaut, um saubere Definition hineinzubekommen. Die gesamte Ernte wird komplett entrappt. Und wie ich bereits sagte, ist der Wein hochelegant, extrem definiert, hat dahingehend weniger mit Bordeaux und viel mehr mit der Loire zu tun. Das ist die Reminiszenz an die besten Cabernet Francs, obwohl der Merlot-Anteil hier deutlich überwiegt. Ich bin sehr begeistert von diesem Traumwein, das ist kein fetter Riese, kein Monster, sondern einfach ein extrem geschliffener Finesse-Wein mit schöner Krautwürze und einer vibrierenden Frische in dieser feinziselierten, aromatischen, roten, eleganten, süßen, charmanten Frucht. Erstmalig seit der Umstellung auf die Biodynamik im Jahr 2012 ist der Wein da angekommen wo Alain Moueix ihn haben möchte. Das ist wirklich superber Stoff - kein Riese, aber ein Traum in Eleganz. 95-96/100

Nachmittags bin ich dann bei Catherine Papon Nouvel. Auch Biodynamikerin der ersten Stunde mit ihren winzigen Weingütern in Saint Emilion: Clos Saint Julien auf reinem Kalkstein in der Ortsmitte mit Merlot und Cab. Franc, Petit Gravet Aine als Cabernet Franc neben Canon La Gaffeliere, Gaillard in der Ebene. Dazu Peyrou auf den Hängen von Castillon, ein Wunderwerk der Preiswürdigkeit. 2018 ist Peyrou üppig und reif, vollmundig, saftig, lecker, aber kein elegantes Finesse-Meisterwerk wie 2016. Auch Gaillard war vom Mehltau betroffen, deshalb besteht der Wein entgegen allen Gewohnheiten zu 60% aus Cabernet Franc. Eine ungewöhnliche und mengenmäßig rare Delikatesse. Die Leichtigkeit des Seins, süß und lecker und saftig im Loire-Stil, ein kleiner Traumwein.

Petit Gravet Aine und Clos Saint Julien zeigen mit ihren hohen PH Werten und niedriger Säure eine Opposition zur extrem schicken Finesse aus 2016. Deutlich von Cabernet Franc dominiert kommen sie wie reife, rotfruchtige Blockbuster von der Loire rüber. Kleine Monster aber extrem hedonistische Zechweine der Extraklasse, Clos Louie ist in seiner eleganten süßen Wucht und Komplexität gar ein Anwärter für die allererste Reihe Saint-Emilions.

Clos Saint Julien

Lobenberg: Dieses nur 1,2 Hektar große biodynamische Weingut im Herzen von Saint-Emilion steht auf reinem Kalksteinfels und befindet sich am Eingangskreisel des Ortes, es gehört Cathérine Papon-Nouvel. Die Reben sind fast 85 Jahre alt, es werden weniger als 5.000 Flaschen produziert. Der Wein ist biologisch zertifiziert. 1,2 Hektar befinden sich zu 100% auf Kalkstein, reiner, leicht poröser Fels, und darunter liegen die Höhlen, die in die Stadt führen. Reiner Fels mit einer leichten Sand-, Lehm- und Kiesauflage. Dieses Terroir ist extrem, ein Terroir, das es in dieser Art nur noch auf Clos Fourtet und Clos Saint Martin gibt. Hier wird komplett entrappt und nach der spontanen Vergärung im Holz bis zu 22 Monate im zum Teil gebrauchten, aber überwiegend neuem Holz ausgebaut. Erstmalig ab 2016 wird hier die auf Ausone kreierte Methode der Beerensortierung im gezuckerten Wasserbad praktiziert. Das heißt, es wird vorher komplett entrappt. Oft sogar händisch, um komplett alles sauber zu haben. Dann fallen diese Beeren nach einer optischen, händischen Sortierung über ein Band in ein mit Zuckerwasser gefülltes Bad. Die Wasser-/Zuckerkonzentration entspricht dabei genau dem Saft reifer Beeren. Mit dem Ergebnis, dass nur die reifen Beeren, die man optisch von den etwas Unreiferen nicht unterscheiden kann, in diesem Wasserbad heruntersacken. Die mit etwas weniger Zuckerkonzentration ausgestatteten Beeren schwimmen in dem Wasserbad folgerichtig dann oben und werden abgeschöpft. Zum Teil wird der Ausschuss im Zweitwein verwendet, auf jeden Fall kommt es nicht mit in die Fermentation des Erstweines. Das Beste wird dann kurz mit Klarwasser gereinigt, und dann nach der Abtrocknung fermentiert. Das Ergebnis ist 100% reif und 100% clean. Nur perfektes Material kommt in die spontane Fermentation. Auf Grund leichter Mehltau-Ausfälle des Merlot haben wir hier eine Cabernet Franc-lastige Assemblage von 65% und 35% Merlot. Eine Cépage, die im Grunde die Qualität anhebt, normalerweise ist das ein 50/50 Blend. Uralte Reben auf reinem Kalkstein stehend, also ein eher basischer Boden, folglich haben wir eine etwas höhere Säure als beim Petit Gravet der gleichen Besitzerin. Aber trotzdem auch hier ein doch relativ hoher pH-Wert von 3,7. Enorm duftige, drückende, schiebende Nase mit ganz viel schwarzer Frucht, aber feiner schwarze Frucht. Schwarze Kirsche, Maulbeere, dann ein bisschen Mango, leicht gemüsige Süße von eingelegter Aubergine. Das Ganze schwimmt in einer rotfruchtigen, mit Nougat beladenen Soße. Das passt gut, das hat ungewöhnlich viel Charme und gleichzeitig eine hohe aromatische Dichte. Geeignet den Genießer zu verzücken ob dieser hohen Fruchtintensität. Im Mund geht es dann noch dichter, noch intensiver weiter mit reichen, fast gekochten Früchten, schwarze Kirsche, Backpflaume, Dörrobst mit hoher Intensität an süßlicher, roter Sauerkirsche, fast Barbera-artige Intensität im Süße-Säure-Spiel. Sehr pikant, ein hoher Oszillograph, alle Sinne berührend, ein grandioses Feuerwerk der Aromatik, allerdings nur mit moderater Säure und einer nie vordergründigen Frische. Wir bleiben hier eher im extrem hohen Charmefaktor und dichten Komplexität haften denn zu einem Meisterwerk der Eleganz zu kommen. Und dennoch schafft diese Pikanz mit dem Spiel zwischen der Fruchtsäure und der Fruchtsüße den Ausgleich. Der Wein ist extrem lecker, besetzt alle Sinne, mag sich gar nicht wieder lösen, der Wein hallt für Minuten nach. Er will überhaupt nicht mit dem ultra-feinen Finessewunder 2016 konkurrieren, sondern er reiht sich ein in die großen, leicht monströsen Weine, die es in diesem Jahrgang durchaus gibt. Zeigt brutal hohe Intensität, alle Regler auf rechts, das macht große Freude und der Wein muss kühl getrunken werden, um einen nicht zu überwältigen. Aber es ist schon ganz sicher ein kleines Monster der Intensität und einer der Topwerte der Appellation. 97-98+/100

Petit Gravet Aine

Lobenberg: Es ist das zweite Weingut von Cathérine Papon-Nouvel, die auch Clos St-Julien, Gaillard und Peyrou vinifiziert. Auch hier biodynamische Bewirtschaftung und auch biologisch zertifiziert. Das Weingut liegt fast direkt neben Canon la Gaffelière, so ist das Terroir mit Kies und Sand auf Lehm und etwas Kalkstein so ziemlich das Gleiche. Es gibt nur 2 Hektar von diesem Weingut. Die Reben sind über 70 Jahre alt, gehen auf die 75 zu. Es gibt weniger als 10.000 Flaschen. In der Regel nur 7.000 auf Grund des geringen Ertrages. Dichtpflanzung 10000 Stock/ha. 80% Cabernet Franc, 20% Merlot. Der Wein wird natürlich spontan vergoren und dann überwiegend in neuem Holz ausgebaut. Das Terroir gilt besser als Canon la Gaffelière, aber auch dort wurden in den letzten Jahren grandiose Weine gemacht. Das Terroir ist also allemal gut für Spitzenweine. Es besteht aus Kiesel, Sand und auch Lehm. Also guter Feuchtigkeitsspeicher. Der pH-Wert liegt 2018 bei 3.8, das heißt wir haben hier schon eine recht niedrige Säure. Wir haben hier unten überwiegend sandige Kiesböden, also längst nicht so basisch wie bei Château Fonroque oben mit einem pH von unter 3.5. Auf den etwas saureren Böden hier unten ist die Säure im Wein automatisch etwas tiefer, trotz der Biodynamik. Der Alkohol liegt bei 14%. Petit Gravet Aine ist seit vielen Jahren im Grunde genommen die Idealform dessen, was auch Canon La Gaffelière darstellt. Durch den hohen Cabernet Franc Anteil haben wir auch hier die Hinwendung zum Burgundischen, zum Loire-haften, zur Finesse. Die Nase zeigt das deutlich, wir haben Erdbeere, Himbeere, Sauerkirsche, Zwetschgen und ein wenig Schwarzkirsche dazu. Duftig, aromatisch, aber schon mit viel Charme und Süße aus dem Glas kommend. Deutlich gemäßigter, eben auch durch die geringe Säure, als der Wein des Überjahres 2016, der ja vor Spannung nur so strotzte. Der 2018er zeigt eine deutlich höhere Harmonie, Fülle und Reichhaltigkeit, immer noch die Loire-artige Verspieltheit, aber mit deutlich mehr Volumen, mit weniger Säure, mit einer schönen runden Fülle und einer extrem charmanten Opulenz. Am Ende zeigt sich doch ein feines Säureschwänzchen, mit feiner rotfruchtiger Säure im Abgang, langer Nachhall. Ein feiner Finesse-Zechwein auf ganz hohem Niveau. 94+/100

Gaillard

Lobenberg: Dieses Weingut gehört auch Cathérine Papon-Nouvel, der auch Clos St Julien und Petit Gravet Ainé gehört. Auch dieses Weingut ist bio. Die Bestockung ist 70% Merlot, 30% Cabernet Franc. 40-50 Jahre alte Reben auf Sand-, Lehm-, Kalksteinuntergrund an den Südhängen und der Ebene St Emilions. Die Weine werden nach kompletter Entrappung spontan im Stahl vergoren und im gebrauchten Barrique ausgebaut. Wenn wir diesen Gaillard direkt nach Peyrou verkosten, fällt auf, dass natürlich Saint Emilion die teurere Appellation ist, und hier auch vielleicht die Nase einen Hauch feiner und gradliniger gezeichnet ist. Gaillard wurde 2018 nur in kleinster Menge erzeugt, der Merlot war stark vom Mehltau betroffen und wurde stark dezimiert, es bleibt ein ganz anderer Blend von 60% Cabernet Franc und 40% Merlot, in wie gesagt äußerst kleiner Menge. Die Nase zeigt eben diese Cabernet Franc, die deutlich mit Walderdbeere und Himbeere rüberkommt. Viel rote Frucht, auch ein wenig Erdbeere. Und auch im Mund so Loire-artig fein, das ist kein klassischer St-Émilion, das ist warm und reich und vollmundig, aber doch im Stil der Loire. Die Cabernet Franc dominiert total, das Wasser läuft im Mund zusammen, der Wein ist saftig und lang. Er hat einerseits die Würze der Cabernet Franc und andererseits die Süße des Jahrgangs. Reich und verspielt, hocharomatisch und lecker. Das ist völlig anders als Gaillard 2016, aber durchaus interessant, nur eben im Charakter durch die Cabernet Franc ganz anders. Ein verspieltes, saftiges, leckeres Wunderwerk, unglaublich süffig. 92+/100

Peyrou

Lobenberg: Das Weingut gehört Cathérine Papon-Nouvel, ist biodynamisch zertifiziert und liegt in Castillon, aber direkt an der Grenze zu St-Emilion. Dieses Weingut liegt direkt vis-a-vis Lafon la Tuilerie. Ein Kalksteinweingut, nur dass Peyrou an den Hängen einen deutlich lehmigeren Untergrund hat. Der Wein wird spontan im Stahl vergoren und danach ausgebaut im überwiegend gebrauchten Barrique für 12-15 Monate. Der Untergrund ist wirklich extrem gut geeignet, und wäre das ein St-Emilion, wäre der Wein sicherlich doppelt so teuer. Die Merlot-Reben sind uralt und nun etwa 75 Jahre. Cathérine Papon-Nouvel gehört zu den Biodynamikern der ersten Stunde mit ihren Weingütern Gaillard, Petit Gravet Aine und Clos Saint Julien und eben Peyrou. Ein Teil liegt auf den Hängen Castillons, ein Teil in der Ebene, alles komplett biodynamisch bewirtschaftet. Alle vier Weingüter von ihr sind auch biologisch zertifiziert. Peyrou besteht zu 100% aus Merlot und hatte mit den Weinbergen der Ebene einen großen Ausfall, es sind nur die Trauben der Hanglagen in den Wein gegangen. Das Ganze wurde mit einer Zuckerwasser-Sortiermaschine (wie bei Château Ausone) nachträglich selektiert, sodass 100 prozentig gewährleistet war, dass nur ganz gesundes Traubengut in der Spontangärung landen kann. Das heißt, es wird komplett entrappt. Oft sogar händisch, um komplett alles sauber zu haben. Dann fallen die Beeren nach einer optischen, händischen Sortierung über ein Band in ein mit Zuckerwasser gefülltes Bad. Die Wasser-Zucker-Konzentration entspricht dabei genau dem Saft reifer Beeren. Mit dem Ergebnis, dass nur die reifen Beeren, die man optisch von den etwas Unreiferen nicht unterscheiden kann, in diesem Wasserbad heruntersacken. Die mit etwas weniger Zuckerkonzentration ausgestatteten Beeren schwimmen in dem Wasserbad folgerichtig dann oben und werden abgeschöpft. Die Weine von Peyrou gehen erst im März in Barriques aus Zweitbelegung für 12 Monate. Speziell in Jahren mit Mehltau sind die Entrappung und eine anschließende Nachsortierung durch das Wasserbad erforderlich. Die Nase ist komplett Merlot-betont, reich und duftig, fast wuchtig. Mit schwarzer Kirsche, viel Süße ausstrahlend, auch reife Pflaume, fast ein bisschen Dörrobstcharakter. Im Mund dann große Reife zeigend, auch hier Trockenpflaume, sehr reif, sehr dunkle, hochreife Schwarzkirsche, recht üppig und voluminös rüberkommend. Der 2018er besticht durch seine Vollmundigkeit, durch seine Süße, durch seine hohe Reife, kann aber an die extreme Eleganz und die Verspieltheit des 2016ers nicht heran. Er wird früh zugänglich sein und sicherlich 10 Jahre Leben vor sich haben, aber es ist nicht so ein Wunderwerk wie 2016. Etwas einfacher, aber extrem charmant, zugänglich, voll da, mit viel Süße und reifer, reicher Frucht. 89-90/100

Chateau Coutet in Saint Emilion, das aus der Zeit gefallene Antikweingut in Nachbarschaft zu Beausejour Duffau, Belair und Angelus, bildet den krönenden Abschluss des Tages. Das einzige Weingut des Bordelaise, dass seit Gründung Bio ist. Mehltau war auch bei diesem Biodynamiker das Thema, also auch hier eine Majorität der resistenten Cabernet Franc und keinen Primeur-Wein des Coutet, der am Hang und der Ebene darunter geerntet wird. Fast alles dem Mehltau geopfert, die grandiosen überlebenden 8000 Flaschen sind zwar genial, aber kommen erst in 2 Jahren raus. Aber oben auf dem Plateau, neben Beausejour Duffau, werden auf reinem Kalkstein, die 3000 Flaschen der Cuvée Demoiselle gewonnen. 2018 mit 60% Cabernet Franc und 40% aus der nur hier existierenden rotsaftigen Ursprungsform der Merlot. Mit 70 Freunden im einem Rutsch per Hand Beere für Beere vom Stock gelesen (unglaublich aber wahr). Ein Wein vom anderen Stern, auch in der ganz und gar ungewöhnlichen Aromatik. Man kann ihm 80 oder 100 Punkte geben, es gibt keine Referenz, ein Unikat.

Mittwoch, 27. März

Dann am Mittwochmorgen unser biodynamischer Freund Olivier Decelle. Chateau Jean Faure und Haut Maurac. 2018 wurde wegen der von Mehltau befallenen Stiele total entrappt, und dazu kam ein noch höherer Anteil Cabernet Franc. Keinerlei Schwefelung mehr vor der Malo, erst Ende März wird geschwefelt. Olivier sagt „Vergärung mit Schwefel ist wie schwimmen mit Haien“. Auch wird der finale Blend schon weit vor der Schwefelung durchgeführt, Ende Januar ist alles final vermählt. Das ist eine Empfehlung von Jacques Boisseneau, dem Superstar der Önologen aus dem Medoc. Das Ergebnis ist der mit Clos Louie zweite 100 Punkte Wein, unendlich zart und zugleich Loire-haft intensiv in der salzigen roten Frucht. Floral und immens komplex, seidig und voller vibrierender Finesse. Wenn man denn Eleganz und multiple Zartheit mit saftigem Trinkfluss als Ziel hat.

Lobenberg: Das 18 Hektar große Château Jean Faure mit nur 40.000 Flaschen Gesamtproduktion grenzt exakt an die Weinberge von Château Cheval Blanc und La Dominique. Die Weinberge bestehen überwiegend aus Lehm-, Kiesböden und etwas Sand. Eine sehr gute Wasserversorgung ist dadurch gewährleistet. Die Weinberge der drei Chateaux gehen auf breiter Front ineinander über. Das Terroir und die Bestockung sind fast identisch. Das Weingut wurde über die letzten Jahre immer mehr auf dichte Bepflanzung umgestellt. Die vorhandenen Reben sind uralt, teilweise über 80 Jahre. Olivier Decelle hat das völlig runtergekommene Weingut 2004 kaufen können wegen bestehender Erbstreitigkeiten. Das Weingut gehörte früher Madame Loubat, der vor dem Verkauf an Moueix auch das Château Petrus gehörte. Château Jean Faure hat in den letzten Jahren noch mal die Önologie und Weinbergsberatung umgestellt, von Stéphane Derenoncourt als Berater auf Hubert de Bouard, genialer Besitzer und Weinmacher von Château Angelus und inzwischen zusammen mit Derenoncourt der angesagteste Berater auf dem rechten Ufer. Jetzt auf Daniel Duclos, ein besserer Biodynamiker. Die Umstellung Richtung Biodynamik wird mit dem Jahrgang 2017 abgeschlossen sein. Traktoren wurden überwiegend abgeschafft, die Weinberge werden mit Pferden bearbeitet. Diese komplette Natürlichkeit, diese burgundische und Loire-Art und die Hinwendung zur Frische auch schon während der Wachstumsphase sind das, was sich im Keller fortsetzt. Die Fermentation der Weine von Jean Faure findet dann dementsprechend auch im rohen Zement oder im Holz statt. Ohne Temperaturkontrolle, aber auch ohne Kaltmazeration davor. Hier sind wir komplett zurück zur Ursprünglichkeit. Der Ausbau der Weine wurde auch umgestellt. Auch hier sind wir im „state of the art“ des Burgunds oder auch der deutschen Pinoterzeuger. Ein Teil wird im neuen Barrique ausgebaut, aber die Hälfte in Stockinger-Fudern von 1.500 L und auch in gebrauchtem Holz. Insgesamt wird der Einfluss des neuen Holzes speziell in aromatischer Form fast komplett heruntergefahren. Seit dem Jahrgang 2018 wurde komplett auf den sanften Rebschnitt nach Simonit und Sirch umgestellt, der den Saftfluss und somit die Versorgung innerhalb der Reben verbessert und Infektionen und Krankheiten an der Pflanze reduziert. Der Weinbau-Berater Daniel Duclos ist hierfür Spezialist und sein Vater gilt in St-Émilion als der Hauptvertreter dieses neuen sanften Rebschnitts. Der zweite zusätzliche Schritt auf Château Jean Faure ist, dass hier jahrgangsbedingt mal komplett entrappt wird, wie in 2018 geschehen, mal teilweise mit Rappen vergoren wird. Zudem wird ganz grundsätzlich kein Schwefel mehr eingesetzt bis in der Weinbereitung zum nächsten Frühjahr hin alle Prozesse gelaufen sind. Das hat Olivier Decelle von Madame Lapasse in der Schweiz gelernt, die ihm gesagt hatte, Vergärung mit Schwefel sei wie Schwimmen mit Haien. Deshalb gibt es hier Schwefel nun erst Mitte März, nachdem auch die Malo gelaufen ist. Das setzt aber voraus, dass extrem sauber und extrem präzise gearbeitet wird. Es gibt hier ein Team von Önologen, die Leiterin ist Marie-Laure Latorre, dazu hat sie einen Assistenten, der zuvor beim ebenfalls biodynamischen Château Beauregard gearbeitet hat. Die Zertifizierung zur Biodynamik steht auf Jean Faure kurz bevor, die Umstellung ist bereits passiert. Wie schon gesagt im Jahr 2018 wurde hier alles komplett entrappt. Die Cépage ist 60% Cabernet Franc, 35% Merlot und 5% Malbec. Der pH-Wert liegt bei 3.6, also bei mittleren Säurewerten und der Alkohol liegt bei geringen 13%. Eine weitere Neuerung ist die Übernahme einer Empfehlung von Jacques Boissenot, dem legendären önologischen Berater des Médoc, den Blend der Weine schon im sehr frühen Stadium vorzunehmen. Schon im Januar, noch lange vor der ersten Schwefelung, werden alle Fässer durchprobiert und die finale Assemblage erzeugt und dann wieder zurück in die Fässer gefüllt. Schwefel gibt es dann erst in der zweiten Märzhälfte. Diese enorm frühe Entscheidung vor jeglicher Schwefelzugabe wird den Weinen gerechter, denn nur ohne Schwefel ist eine genauere und spezifischere sensorische Analyse der verschiedenen Fässer möglich. Nachdem wir nun eine so große Erklärung über die Veränderungen auf Château Jean Faure erfahren haben, ist die Erwartungshaltung natürlich sehr hoch. Die Nase ist für Jean Faure jetzt schon etwas ungewöhnlich, das liegt aber einfach daran, dass nur noch extremst cleanes Material verwendet wurde. Das wie gesagt lange nicht geschwefelt wurde und in 2018 komplett entrappt wurde, da die Rappen auf Grund des Mehltaus nicht in der Qualität waren sie mit zu vergären. Extrem clean, sehr sauber und ohne jeglichen Rappeneinfluss. Die Cabernet Franc ist sicherlich die Dominante in der Nase, wir haben wunderschöne, reife Waldhimbeere in der Nase, auch ein Hauch Erdbeere, feine Zwetschge, ein extrem feiner, reiner, roter Beerensaft. Die Ernte begann im Jahr 2018 schon am 19. September für den Merlot, um eine große Frische zu erhalten, zog sich dann aber zur kompletten Ausreifung der Cabernet Franc bis zum 19. Oktober. Der Mund zeigt eine unglaubliche Frische und dazu eine spannende Konzentration, man kann 2018 überhaupt nicht mit dem sehr, sehr speziellen 2017 vergleichen, eher mit 2016. Doch durch das komplette Entrappen ist 2018 nochmal anders, ist feiner, nicht besser als 2016, der für mich ein Über-Wein bleibt, aber unglaublich fein und voller Finesse, voller Spiel. Schon in der Nase deutlich an den Nachbarn Cheval Blanc erinnernd mit dem Jean Faure sowohl die Cépage als auch das Terroir teilt. Durch das Weglassen der Rappen kommen wir Cheval Blanc gerade in 2018 deutlich nah, auch mit dieser getragenen Feinheit. Der Hauptunterschied zu Cheval Blanc besteht sicherlich in der noch größeren Frische bei Jean Faure. Das hat man in 2018 hier schon extrem gut getroffen, diese langgezogene Säurespur, die die Erdbeere, Himbeere und frische Zwetschge stützt. Dazu kommt ein wenig Sauerkirsche und feine rote Kirsche, es gibt kaum schwarze Elemente, keine Schokolade, kaum Cassis oder Brombeere, alles bleibt in der roten Frucht und ist dennoch unendlich fein. Das Tannin ist total poliert, aber sehr präsent, geht mit der Säure in einen unglaublich langen Nachhall. Das ist Loire-haft und burgundisch, das hat eine unglaublich zarte, komplexe Aromatik, die aber hochintensiv ist. Das spiel ist wirklich verblüffend, das Spiel grandios, aber es bleibt eben ein verträumter, zarter Wein auf den man sich einlassen muss. Das ist weit entfernt von jedem Blockbuster, das ist die unendliche Leichtigkeit des Seins. Und wenn man zwischen Jean Faure 2016 und 2018 im Grunde unterscheiden möchte, geht es einfach um die Vermeidung jeglichen Schwefels bis in den März hinein und um die komplette Entrappung in 2018. Auch der Weg zur Biodynamik ist weiter fortgeschritten, alles wird immer gesünder, reiner und puristischer. Das ist schon ein Weg zur Perfektionierung der Zielsetzung von Olivier Decelle, ein Weg den hier manche Biodynamiker von Clos Louie bis hin zu Fonroque beschreiten. Sie bilden die Speerspitze der neuen Bordeaux-Bewegung, die sich wieder einreihen können in die besten Weine der Welt und genau das kann man in den gerade angesprochenen Weinen auch perfekt schmecken. Bordeaux hat die Zeichen der Zeit erkannt und wird so anders und Jean Faure steht sicherlich als einer der Top-Produzenten in dieser Reihe. Für mich ein grandioser Wein in seiner extrem komplexen Zartheit, seiner Eleganz und in seiner multiplen Verspieltheit. Lassen Sie sich auf diesen Traum ein - es lohnt sich. Eine anschließende Rückverkostung des 2016ers ergab einen grandiosen Unterschied, 2016 war bisher die Benchmark, hat unglaublich Kraft und Struktur, gerade auch aus den Rappen und aus seinem höheren Merlot-Anteil. 2018 ist so unglaublich zart auf der Cabernet Franc. Und damit so deutlich den Vorbildern der besten Burgunder und Loire-Weine folgend, beide sind ganz große Weine, aber 2018 ist der neue Traumwein, die neue Benchmark der Finesse. 100/100

Lobenberg: Haut Maurac ist ein weiteres Weingut von Olivier Decelle von Château Jean Faure. Es liegt ganz im Norden des Haut Médoc in direkter Nachbarschaft zu Chateau Clos Manou. Wir hatten hier in 2018 extrem gesundes Lesegut, es gab keine Probleme mit Mehltau, aber dennoch eine kleine Ernte. Die Cépage ist 60% Merlot, 40% Cabernet Sauvignon. Der Alkohol liegt bei moderaten 13.5%, der pH-Wert liegt bei 3.7, also mit einer für das Haut Médoc relativ milden Säure. Es ganz kleiner Teil von nachträglich selektierten, sehr reifen Rappen wurde der Spontangärung hinzugefügt. Der Ausbau erfolgt im neuen und gebrauchten Barrique, sowie ein wenig im größeren Tonneau. Seit vielen Jahren ist Haut Maurac nun einer der wichtigsten Verfolger des absoluten Primus im Haut Médoc, Clos Manou von Stephane Dieff, der ein solcher Extremist ist, dass er wohl im Médoc für immer eine Ausnahmeerscheinung bleiben wird, das kann man mit normalen Maßstäben nicht kopieren und erreichen. Aber Haut Maurac ist inzwischen schon vor Charmail, sicher vor Sociando-Mallet und auch vor dem super-teuren, klassifizierten La Lagune und somit der wahre Verfolger von Clos Manou. Die Nase ist trotz des kleinen Rappenanteils extrem sauber und puristisch, auch hier wird der gleiche Ansatz verfolgt wie bei Jean Faure. Anders als bei Jean Faure wird hier bei Haut Maurac schon in die Fermentation hinein recht früh Schwefel gegeben, weil das Traubenmaterial nicht so puristisch rein ist wie bei Jean Faure. Die Menge ist auch insgesamt deutlich größer und es wird ein Teil mit der Hand und ein Teil mit der Maschine gelesen, wie es hier so üblich ist, wenn man nicht gerade Château Clos Manou heißt. Auch der finale Blend wird hier nicht frühzeitig bis März vollzogen. Die Nase ist trotzdem verblüffend schön und für einen hohen Merlot-Anteil erstaunlich in der Rotfruchtigkeit. Rote Johannisbeere und frische Zwetschge sind die Dominanten, vor etwas Kirsche und Himbeere, dann kommt Schwarzkirsche, später auch etwas Brombeere hinzu, auch Sanddorn. Der Mund ist extrem aromatisch und obwohl durch den hohen pH-Wert die Anzeige geringer Säure offensichtlich ist, ist der Mund frisch. Die Länge und Intensität der Säure der roten Johannisbeere und der Kirsche wird unterlegt von weißer Schokolade und etwas Marzipan, ein Hauch von Griespudding unterlegt das Ganze auf eine sehr schöne, angenehme Art, gibt einen Kick dazu. Guter Nachhall, wunderbare Länge, das ist mehr als ein sehr schöner Haut-Médoc. Da bin ich mal gespannt was die anderen Tops Charmail, Clos Manou und Château Carmenère hier zeigen werden. Dies hier ist ein ganz sicherer Wert, ein perfekter Haut Médoc. 95+/100

Jean Faure

Jean Philippe Janoueix und Chateau La Croix ist das nächste Ziel. 2018, kein Mehltau durch Prävention, 97% Merlot und 3% Malbec, floral und ultrafein, das Leichtgewicht von sandig kiesigen Böden. Multikomplex, Spontanvergärung, Ausbau zum Teil in Tonneaus von Stockinger. Wenn es einen Namen für Feinheit und komplexe, florale Finesse in Pomerol gibt, dann La Croix. Kein anderer Pomerol kann da mit, aber man muss Feinheit und Zartheit im Wein schätzen. Eine unglaubliche Delikatesse. Und mit dem Le Sacre aus Saint Georges Saint Emilion erzeugt Jean Philippe noch ein Preis-Qualitäts-Wunderwerk. Das ist und bleibt einer der besten Winzer des rechten Ufers.

Lobenberg: Ein Weingut der Familie Janoueix. Jean-Philippe Janoueix persönlich ist verantwortlich für den Weinberg und Keller. Ein winziges Weingut mitten in Catusseau neben Beauregard, seit Ewigkeiten ein Geheimtipp, schwer zu finden. Das klassische „old-fashioned“ Weingut in der Vinifikation. Sandböden mit ein bisschen Lehm. Immer super zart und vorsichtig vinifiziert. Auf La Croix wird anders gearbeitet als auf den anderen Weingütern von Jean-Philippe Janoueix. Das Terroir ist wie gesagt sandiger, kalkhaltiger, lehmiger. Aber nicht zu schwerer Lehm. Der Wein wird klassisch im Zement vergoren mit seiner natürlichen Hefe. Nach der Vergärung verbleibt der Wein noch drei Wochen auf den Schalen. Der Ausbau geschieht nur zum Teil im neuen Holz, seit 2015 zunehmend in Stockinger-Holzfässern von 1500 L und 2500 L, um weiter vom Holzeinfluss wegzugehen. Pump over, nur ganz vorsichtig. Und mit 2017 trat der neue Kellermeister in die Janoueix-Gruppe ein. Ein bewiesen extrem talentierter, italienischer Önologe, der zuvor 7 große Jahrgänge auf Château Clinet zu Ruhm und Ehre brachte und als Meister der Eleganz und Finesse gilt. Die finale Cépage ist unverändert in 2018, im Grund genommen besteht der Wein aus Merlot, allerdings sind 3-4% Malbec dabei, die wichtig sind, um Würze, Farbe und vor allem florale Elemente einzubringen. Der pH-Wert in 2018 lag bei etwas über 3.6, also mittlere Säure, der Alkoholwert beträgt moderate 13.5%. La Croix liegt ja wie bekannt im Herzen Pomerols, aber auf der Westseite neben dem Nachbarn Beauregard. Wir haben überwiegend sandige, kiesige Böden, die deutlich feinere Weine als die von schwerem Lehm berühmterer Pomerol-Weingüter ergeben. Eine ganz feine, getragene Nase, dunkle Früchte, ein Potpourri aus Brombeere und süßer schwarzer Kirsche, sehr mild, sehr fein, sehr ätherisch. Im Mund besticht der auch hier deutlich schwarzfruchtige Wein durch große Harmonie, durch eine Balance, eine Leichtigkeit im sagenhaften Trinkfluss, die noch höher einzuschätzen ist als die Komplexität. Wunderbarer Nachhall aus säurebeladener schwarzer Kirsche, etwas Brombeere und Maulbeere, auch ein bisschen Barbera-hafte Sauerkirsche kommt hinzu, durchaus lebendig. Aber das Ganze voller Finesse, aber vor allen Dingen - und das ist die hervorstechende Eigenschaft von La Croix – große Harmonie und Feinheit und verspielte Leichtigkeit jenseits aller Komplexität, so fein und sooo elegant. Viele Pomerol-Liebhaber stehen mehr auf Blockbuster und Kracher, das ist La Croix niemals auf Grund des Terroirs und der überaus zurückhaltenden Kellerarbeit. Es bleibt immer die Leichtigkeit des Seins, die Feinheit, die Trinkfreude und Saftigkeit. Und genau das zeigt dieser milde 2018er mit seinem schönen, vollen, runden Körper, nichts Fettes, einfach nur fein, harmonisch und voll komplexen Spiels, dabei überwiegend auf der schwarzen Frucht laufend. Eine grandiose Trinkfreude, nie wird ein Schluck in der Flasche überbleiben, aber man muss La Croix nicht anbeten, man muss ihm nicht Achtung entgegenbringen, sondern man muss sich einfach diesem hedonistischen Genuss und der Trinkfreude hingeben. Diese Freude, die dieser Wein ausstrahlt, ist schon unbeschreiblich. Einfach nur lecker, saftig und extrem gut. 96-97/100

Lobenberg: Ein Weingut der Janoueix-Gruppe, die auch La Croix verantwortet. Dieses Weingut wird allerdings nicht von den Eltern, sondern von Jean-Philippe Janoueix selbst bewirtschaftet. Der Kalkstein und Lehmanteil höher ist höher als bei La Croix, die Weine sind intensiver, haben mehr Power, sind mit einem etwas höheren Neuholzanteil auch etwas mehr auf den amerikanischen Geschmack gemünzt. Über 90% Merlot. Dem Terroir entsprechend eben deutlich intensiver als der ultrafeine La Croix auf Sandböden. Unglaubliche Power, aber auch unglaublich delikat. Wir haben viel Druck aus Brombeere und Cassis, dazu viel Holz, das ist der moderne Pomerol Stil, für den es durchaus viele Fans gibt. Ich ziehe diese unendliche Finesse und Feinheit La Croix selbst vor, aber dennoch ist 2018 hier ausgesprochen gut gelungen. Ein sehr guter Power-Pomerol, auch mit schöner Feinheit am Ende. 94/100

Lobenberg: Dieser Wein stammt aus der Feder von Jean-Philippe Janoueix, der auch Chateau La Croix in Pomerol betreut. Es sind 6.700 Pflanzen pro Hektar, die Weinberge sind 35 Jahre alt, Lehm, Kreide und Kalk bilden den Untergrund. 86% Merlot, 14% Cabernet Franc. Fermentation im Stahl, der Alkoholgehalt liegt bei knapp 14%. 50.000 Flaschen werden produziert. Der Ausbau geschieht im gebrauchten und neuen Barrique. 2017 gab es hier keinen Wein, 2015 und 2016 war das ein berauschender Wein aus der Appellation St. Georges St-Émilion. Bildhübsch gelegen mit wunderbaren Weinen im St.-Émilion Stil aber für einen viel geringeren Preis. Der 2018er ist warm, reich und duftig in der Nase, üppige schwarze Kirsche, weiche Maulbeere, reife Dörrpflaume, stimmig, charmant und rund. Im Mund etwas Holzkohle, Schwarzkirsche und Brombeere, auch ein Hauch Cassis. Guter St.-Émilion Stil mit etwas Holz im Hintergrund. Langsam gesellen sich etwas Sauerkirsche und rote Kirsche dazu. Diese Stilistik passt gut zum Jahrgang, ein wirklicher Charmeur und der perfekte Einstieg in St.-Émilion. 92/100

La Confession

Lobenberg: La Confession ist ein Weingut von Jean-Philippe Janoueix, dem auch La Croix und La Croix Saint Georges gehören. 8,5 Hektar ganz nah an der Stadt gelegen auf Kalkstein-Terroir mit viel Lehm, knapp zwei Drittel sind mit Merlot bestockt, der Rest sind Cab. Franc und Cab. Sauvignon, alles ein klein wenig in Richtung amerikanischem Geschmack vinifiziert, also mit viel neuem Holz. Sehr intensiv, sehr wuchtig, schwarzfruchtig, ein Blockbuster, ein kleiner Brecher. In 2018 sehr passend, da die Tannine weich sind, alles ist samtig, also schon ein sehr guter Saint Émilion Grand Cru, aber nicht so sehr mein Stil. 93+/100

Am späten Nachmittag geht’s weiter zu Chateau Tour Perey. 3 Hektar Kalksteinplatte im Meer von Sand und Lehm auf Saint Emilions Tiefebene. Jean Luc Marteau, der zugleich der Weinmacher von Haut Condissas im Haut Medoc ist, schaffte es seinen Wein mit rechtzeitiger biodynamischer Bodenbehandlung frei von Mehltau zu halten. Nur 13,5 Alkohol und noch finessereicher als 2016. Fast unglaublich, der direkte Vergleich zeigt es. Nach Jean Faure das zweite Weingut, dass eine sagenhafte Qualität aus 2016 zumindest wiederholen kann.

Chateau Tour Perey Grand Cru

Lobenberg: Das Weingut ist inzwischen auf dem Kalksteinplateau von 3 auf 6 Hektar alte Reben angewachsen. Château Tour Perey von Jean-Luc Marteau liegt neben Château Monbousquet, es steht allerdings nicht auf Lehm und Sand sondern auf reinem Kalksteinfelsen, ein früher von den Römern als römisches Bad genutzter Platz. Eine kleine Insel in dieser vom Lehm dominierten Region. Die Reben sind inzwischen über 80 Jahre alt. Jean-Luc ist von Hauptberuf der Weinmacher bei Rollan de By im Medoc, ein Weingut, dass von seinem Vater als Regisseur geleitet wird. Er hat das kleine Weingut Tour Perey mit dem einzigartig grandiosen Terroir zwar schon früh entdeckt, aber erst um 2010 gekauft (das war finanziell vorher nicht möglich), und er ist weiterhin in der Konversionsphase zu Bio. Die Weinbergsbearbeitung ist seit 2010 komplett organisch. Die Rebzeilen sind begrünt, die Trauben werden komplett entrappt, eingemaischt und spontan vergoren. Die Maische wird nach der spontanen und schwefelfreien Gärung weiter bei über 30 Grad belassen, der Saft steht also einige Wochen warm auf den Schalen. Die Vergärung und Nachmazeration dauert also bis Ende Januar, d.h. Jean-Luc lässt den Saft ungefähr 3-4 Monate auf den Schalen stehen, um damit einfach die harschen Tannine wieder heraus zu saugen. Die Zielsetzung ist im Grunde, einen super feinen Pomerol in Saint-Émilion zu erzeugen. Das liegt an Jean-Lucs Ausbildung, denn er ist in Pomerol geboren, ein hoch reifer, super Finesse-Pomerol a la L’Eglise Clinet ist im Grunde sein großes Vorbild. Der Ausbau findet zu 60% im neuen Holz statt. Die Weine bleiben dabei zwei ganze Jahre ohne Bâtonnage auf der Hefe im Barrique, und danach ein weiteres halbes Jahr im Tank. D.h. sie kommen deutlich später auf die Flasche als üblich. Die Cépage in 2018 ist 67% Merlot, 22% Cabernet Franc, 11% Cab. Sauvignon. Der pH-Wert ist 3.7, der Alkohol liegt bei 14.5%. Die Nase des 2018ers ist extrem fein, ganz viele florale Veilchennoten, auch süße Rosenblätter, total verspielt, ein bisschen Vergissmeinnicht, sogar ein bisschen Jasmin. Das Ganze ist unterlegt mit süßer, roter Kirsche, zarter Waldhimbeere, etwas Mango, erst ganz langsam kommt ein wenig süße schwarze Kirsche und helle Lakritze mit Veilchen, das Ganze ist aber deutlich von feiner, delikater, roter Frucht unterlegt. Dieses Kalksteinplateau, auf dem Tour Perey liegt, und diese starke Cabernet-Ausrichtung bringt eben diese ungewöhnliche Finesse. Der Nachbar Monbousquet ist deutlich eindimensionaler, weil er eben auf Lehm liegt, weil der Cabernet-Anteil viel geringer ist. So einen feinen Wein hätte ich 2018 hier gar nicht erwartet. So unglaublich verspielt in der Nase, Mozart im Geruch. Auch im Mund sich fortsetzend, auch hier ganz starker Himbeertouch, wieder diese deutliche Veilchennote, leichter Vanillehauch. Das Holz ist da, aber nicht stark spürbar. Große Länge, aber auch große Feinheit, ein sehr komplexer, finessenreicher Saint Émilion von der feineren Art. Natürlich sind wir nicht in der extremen Verspieltheit eines Château Jean Faure oder eines Clos Louie, Jean Luc geht schon zur Power, wir sind schon sehr viel klassischer bei kraftvollem Saint Émilion. Aber innerhalb des Saint Émilion sind wir so weit weg von dichter, schwarzer Frucht und von fetter Üppigkeit. Das ist eine wirklich tänzelnde Schönheit mit drahtiger Kraft und unglaublicher, salziger Länge mit klarem Terroireinschlag vom Kalksteinplateau, daher diese salzige Mineralität, die für Minuten verweilt. Der Wein ist süffig und saftig, lang und intensiv und strengt doch nie an. Die Tannine sind äußerst seidig, ich hätte in 2018 überhaupt nicht erwartet, dass wir die Feinheit von 2016 womöglich halten oder noch steigern können. Ich will auch gar nicht sagen, dass der 2018er besser ist als der bisherige Spitzenreiter 2016, er ist nur - und das ist das erstaunliche in diesem heißen Jahr - noch etwas feiner. Das Lesegut war total clean, komplett entrappt, keinerlei Mehltauprobleme. Das ist ein vibrierendes, zitterndes Ereignis. Ich bin ziemlich geflasht und bewerte ihn genauso hoch wie den 2016er, was ich nun wirklich nicht erwartet hätte. Ganz sicher ist aber, dass der Wein Zeit braucht. Die Weine von Tour Perey sind in den ersten 5 Jahren nicht extrem genussfähig, so bauen erst mit der Zeit ihre Massivität etwas ab, zugunsten dieser reichen Komplexität. Auf jeden Fall grandioser Stoff und in der vorderen Reihe St Emilions zu finden. 97-98/100   

L'Audace du Château Tour Perey

Lobenberg: Bei Tour Perey bekommen wir noch eine kleine Überraschung geboten. Ein sortenreiner Sauvignon Blanc von über 60 Jahre alten Reben, der zu 100% in neuen Barriques ausgebaut wird. Die Trauben wachsen in St Émilion, allerdings ist es hier natürlich nicht erlaubt einen Weißwein als St Émilion auszugeben, deshalb bekommt er die generische Appellation Bordeaux übergestülpt - soweit die Fakten. Der 2017er ist nochmal eine Spur aromatischer als der 16er. Die erste Assoziation ist gelber Muskateller in extrem duftiger Ausprägung, aber es ist 100% Sauvignon Blanc. Vom Barriqueausbau ist eigentlich nichts zu spüren, so massiv ist die Grundstruktur. Säure frisst bekanntermaßen Holz und so bleibt davon kaum noch etwas über. Das ist traumhaft gelungen, wir haben gelbe Melone, Netzmelone, wieder Muskateller-Aromatik, extrem blumig dazu, ganz viel Jasmin, Pakistani-Night, leichte Exotik zeigend. Der Mund straft dann den Muskateller-Eindruck Lügen, oder zumindest heftet er ihm Flügel an. Hier haben wir dann auch ein bisschen Holz, aber sehr dezent. Wovon wir aber viel haben ist Druck, erstmal gar nichts typisches vom Sauvignon Blanc, sondern wieder Muskat-Eigenschaften mit hoher Aromatik, extrem leckere, gelbe, süße Melone mit Mango dazu, weiße und gelbe Birne, Zitronengras, Assam Tee. Lang und intensiv, aber vor allen Dingen enorm lecker. Der Wein wächst auf Sand und Kies, schon ein erstaunliches Ergebnis und ein echtes Unikat. 2017 ist aromatischer als 2016, nicht besser als der wunderbare Geradeauslauf des 2016ers, aber noch ausufernder in der hohen Aromatik, der Blumigkeit und der Geschmacksfülle. Dafür ist 2016 straighter. Beide sind Unikate, beide sind fantastische weiße Bordeaux der anderen Art. 95-96/100   

Finale des Tages. Das Team der Weingüter des Mister Kwok aus Hong Kong. Das mit Regisseur JC Meyrou und dem genialen Weinmacher Jerome Aguirre vielleicht beste Team des rechten Ufers. Chateau Bellefont Belcier, Chateau Tour Saint Christophe, Enclos Tourmaline und andere... Auf dem biodynamischen Weg. Schwefelfrei bis kurz vor der Füllung. 2018 total entrappt. Die ganz, ganz große Feinheit mit unglaublicher Frische. Nach Jean Faure unerwartet weitere Kandidaten, den Benchmark-Jahrgang 2016 übertreffen zu können. Die zarteste Versuchung, großes Kino der kleinen Biowinzer außerhalb des Mainstreams. Die erste Woche in Bordeaux setzt ungeheuer hohe Maßstäbe. Durch die fast unvorstellbar hohen Arbeitseinsätze penibelster Workaholics. Das Niveau werden die größeren Chateaux sicher nicht halten können, die Wahrheit des Mainstreams kommt erst Samstag und Sonntag bei den großen Händlertastings... ich bin gespannt.

Donnerstag, 28. März

Donnerstag 28.3. morgens auf Chateau L‘Etampe. 2,8 Hektar auf Lehm und Kalkstein, Kies und Sand am Eingang der Hochebene von Cheval Blanc. 35 Jahre alte Reben. Biodynamisch. Schwefelfrei bis kurz vor der Abfüllung. Entrappt. Spontan vergoren. Ausbau im Barrique und Tonneau und in der Amphore. Nur 6000 Flaschen. Floral bis zum abwinken. Unendlich zart und verspielt. Schon 2016 habe ich den Wein ins Programm genommen, dieses Boutique-Weingut wird von Familie Berrouet beraten (Chateau Petrus). Superlative und doch völlig unbekannt. Mehr als ein Kleinod und ein Star des Jahrgangs.

Cour d'Argent

Lobenberg: Das ist ein Wein, der im südlichen Bereich, direkt an der Grenze zu Castillon liegt. Er stellt in diesem Preisbereich eine wirkliche Einzigartigkeit dar. Ich arbeite mit diesem Weingut schon seit dem Jahrgang 2005 zusammen. Denis Barraud ist der Winzer. Spontanvergoren, biologische Weinbergsarbeit ohne Zertifizierung, kleine Erträge, Ausbau in überwiegend gebrauchten Barriques, Fermentation im Zement. Wir haben hier einen 95%igen Merlot mit 5% Cabernet Franc. Es gab keinerlei Schäden durch Mehltau im Jahr 2018, da rechtzeitig gespritzt wurde. Alles clean, komplett entrappt. Cour d’Argent ist immer eine sichere Bank, nicht umsonst bekommt der Wein jedes Jahr 90 Parker, oft über 90 Suckling und andere ähnliche Wertungen. Das ist grandios für diesen Preis. Die Nase ist sehr duftig mit dominanter Schwarzkirsche, ganz feine helle Lakritze, Milchschokolade und ein bisschen weiße Schokolade. Florale Noten, Veilchen, sehr fein. Und im Mund geht die Post ab, wir haben noch mehr Intensität als 2016, was ich mir in diesem Preisbereich gar nicht vorstellen konnte. Tiefe Säure, aber hohe Aromatik, mit extrem viel schwarzer Kirsche, feiner, heller Lakritze und wieder dieser hellen Schokolade dazu, ein bisschen Schlehe darunter, ein bisschen Sauerkirsche. Aber schwarze, milde Frucht dominiert mit unglaublichem Charme, mit schöner Länge, feinem salzigem Unterbau durch das Kalksteinterroir. Das ist ein echter Spaßmacher mit Klasse. Bordeaux in diesem Preisbereich mit dieser Klasse ist weltweit fast konkurrenzlos. Das ist großes Kino für ganz kleines Geld. 91+/100

Dann der Großmeister der reifen Frucht. Francois Mitjavile und seine Tochter Nina haben noch nie so übergeniale Weine auf Roc de Cambes erzeugt wie 2018. 97-100 für Roc und 96 für Domaine de Cambes. Nur diese Familie beherrscht das Spiel an der Kante zur Überreife so perfekt, es wundert nicht, dass Tertre Roteboeuf ein glasklarer 100 Punkte Wein ist. Mehr reife Perfektion auf den Punkt mit innewohnender Fruchtfrische als die 3 Weine der Familie Mitjavile habe ich überhaupt noch nicht probiert. Ich bin dankbar für diese Degustation.

Lobenberg: Das Weingut von Francois Mitjavile an der Südkante Saint-Emilions liegt in Amphitheater-Form auf purem Kalkstein. Der Wein des Großmeisters der Fruchtexpression, Reife und Feinheit. Immer einer der besten Saint-Emilion-Produzenten der letzten Jahrzehnte. Wenn einer mit Terroir und Klima umgehen kann, dann Francois. Nie gegen das Jahr vinifiziert, sein Wein schmeckt immer zu 100% wie der Jahrgang. 80% Merlot, 20% Cabernet Franc ist das Verhältnis hier auf der Tertre Roteboeuf. Francois Mitjavile ist ein absoluter Verfechter der reifen Frucht. Aber niemals der Überreife. Sein Terroir auf reinem Kalkstein ist so perfekt, dass er, obwohl er erst Mitte Oktober erntet, also viel später als andere Winzer, nie überreife Frucht im Keller hat. Hohe Reife trifft auf hohe Aromatik und fantastische Frische. Ebenso ist er der Großmeister der Laubarbeit, um die Photosynthese immer auf Volldampf zu halten. Hier auf Tertre Roteboeuf entsteht im Grunde das, was der Charakter von Bordeaux ist. Im Grunde der Stil zur Zeit der französischen Kaiser. Üppig, reichlich, großzügig. Im Gegensatz dazu die neuen, jungen, wilden Winzer aus der Biodynamie, die versuchen, sehr früh zu ernten und die im Grunde gar nicht den typischen Bordeaux-Stil produzieren, sondern in Richtung Burgund und Loire tendieren. Auch das ist großartig, aber nach Francois’ Meinung nicht unbedingt dem entsprechend was Bordeaux eigentlich ausmacht. Das Besondere an Tertre Roteboeuf ist auch die Art des Barriqueausbaus, welche identisch ist auf Roc de Cambes sowie Domaine de Cambes. Jedes Jahr zu 100% neues Holz. Es kommt von Radoux. Die Fässer werden sehr heiß und sehr lange getoastet, obwohl man bei Francois niemals Holz schmeckt. Der Sinn der Sache ist, das Holz von innen bis zu 3 Millimeter tief zu durchdringen, um die grünen Elemente der Eiche zu eliminieren. Das geht nur, wenn man heißer und länger toastet. Das ungewöhnlichste daran ist, dass das Holz kaum spürbar ist. Das liegt an der intensiven Frucht sowie der hohen Frische bei hoher Reife, die Francois hier bewahrt. Dass alle Weine hier zuvor spontan vergoren wurden, ist natürlich klar. Die Vergärung geschieht im Zementtank. Francois Mitjavile entrappt zu 100%. Der meister der hochreifen Frucht, der Meister an der Kante von extremer Frische aus Reife bevor Volatilität auch nur ansatzweise in Gefahr kommt. Niemand in Bordeaux beherrscht dieses Spiel an der Kante so sehr wie Francois Mitjavile. Auch in 2018, wie üblich circa 80% Merlot, 20% Cab. Franc. Dieser Jahrgang, an genau diesen Südhängen von Saint Émilion auf reinem Kalkstein im Amphitheater, spielt Francois in die Hände. Das ist genau sein Wetter, das ist sein Terroir, das sind genau die Bedingungen, bei denen er zu großer Form aufläuft. Was nicht bedeutet, dass er bei schlechterem Wetter nicht gut ist. Aber in trockenen Sonnenjahren wie 2018, in denen durchaus die Gefahr einer Überreife besteht, wo Hitze und Trockenheit die Frucht und Säure eindampfen, da kommt seine Stärke zum Tragen. Weil dann die Frucht hochreif wird, weil dann die Frische nicht aus der grünen Säure kommt, sondern aus der Frucht selbst. Wir haben Backpflaume, schöne süße, aber nicht aggressive Lakritze, schwarze Kirsche, unglaublich schiebend, voluminös und trotzdem fein. So reich, so immens und trotzdem nicht fett. Der Mund ist eine Explosion, oder, wie ich es schon einmal sagte in diesem Jahrgang, vielleicht auch eine Implosion. So eine unglaublich reife Frucht, und dennoch diese grandiose Frische, ist es denn jetzt schwarze oder ist es rote Frucht? Ich kann es gar nicht entscheiden, es ist immens, es ist dicht, und trotzdem nie fett, total fein, tänzelnd, es ist Mozart. Trotzdem hat es eine Reichhaltigkeit, eine Üppigkeit, wie ich sie kaum jemals zuvor erlebt habe. Und alles ist weit von Überreife, weit von Volatilität entfernt, alles bleibt in der perfekten Reife. Das ist grandioser Stoff, in unendlicher Länge und der Wein ist schon voll da, ist schon fast trinkreif, man mag reinspringen so schön ist er. So reich, so lecker, so alles einnehmend. In diesem Wein mag man untergehen. Das ist der erste glasklare, vielleicht auch der einzige eindeutige 100 Punkte Wein des Jahrgangs, DER Wein des Jahrgangs, das weiß ich sofort. Das ist Tertre Roteboeuf in Perfektion, wie ich es mir nicht besser vorstellen kann. 100+/100

Lobenberg: Francois Mitjavile, charismatisches Enfant terrible der Bordelaiser Weinszene und der anerkannte Großmeister der Merlot-Rebe, betreibt neben seinem Top-Weingut Tertre Roteboeuf in Saint Émilion schon lange das Chateau Roc de Cambes an der Cotes de Bourg. Der Wein ist anerkannt der mit Abstand beste der Region, ziemlich sicher gibt es kein einziges Cru Bourgeois, das in dieser Qualitäts-Oberliga spielt. Läge Roc de Cambes in Saint Émilion (wohin der Wein von der Charakteristik ohne weiteres passt), würde er wohl mehrfach so viel kosten, und dieser hohe Preis wäre sogar angemessen. Die Cépage ist 80% Merlot, 20% Cabernet Sauvignon. 2018 ist das Jahr von Francois Mitjavile, das kann man einfach so sagen. Es gibt kaum einen anderen wirklichen Meister, der die hohen Reifegrade der Frucht an der Kante zur Volatilität so sehr beherrscht wie Francois. Seine Reife geht bis an die Kante, kippt jedoch nie darüber und mündet in grandioser Frische innerhalb totaler Reife. Das scheint zunächst ein Widerspruch zu sein, ist es aber nicht. Nur wenige beherrschen dieses Spiel dermaßen wie er, und dennoch sind die Weine extrem langlebig. Was viele andere als Säure und Frische interpretieren gilt bei ihm als „grün“ - und das will er natürlich nicht. Die meisten anderen Winzer, die diesen Punkt der Reife zu treffen versuchen, gehen oft darüber hinaus und werden dann volatil und bekommen einen Essigstich, bei Francois geschieht das niemals. Eine Hochreife, die trotzdem nie über den Punkt ist. Und so sehr im positiven Sinne an der Kante gebaut wie 2018 hat es Roc de Cambes noch nicht gegeben. Unglaublich würzig, tief und profund, mit immens viel Druck und so viel Süße. Und dennoch mit einer rotfruchtigen Konzentration, die nie ins Marmeladige kippt, die nie fett wird, sondern die einfach nur unglaublich schiebt. Die Nase ist vielleicht sogar noch würziger und intensiver als die von Domaine de Cambes, dafür ist der Mund mit dem Cab. Sauvignon anstelle des Cab. Franc etwas spannungsgeladener. Die rote Frucht ist eine andere, wo wir vorher so tiefwürzig in der Amarenakirsche waren, kriegen wir jetzt auch die normale rote Kirsche und die Sauerkirsche hinzu. Die Lakritze wird heller, der Druck ist der gleiche, tief, intensiv, aber hochreif. Und trotzdem kippt er nicht ab, wird nie volatil, wird nie überreif, sondern es bleibt eine fruchtig-intensive, süße Frische, ohne jeden Restzucker. Der Wein ist komplett durchgegoren. Das ist großes Kino mit unglaublich viel Schub. Bei manchen Weinen müssen wir uns von der normalen Klassifikation Bordeaux verabschieden und auch von der daraus resultierenden Preisgestaltung. Roc de Cambes 2018 gehört ganz sicher zu den großen Weinen des Jahrgangs. Im Grunde genommen war Domaine de Cambes mit 97 Punkten sogar noch unterbewertet. Aber Roc de Cambes ist ein Riese und der Beste, den ich hier je probiert habe. 98-100/100

Lobenberg: Roc de Cambes ist das zweite Weingut von Francois Mitjavile von Chateau Tertre Roteboeuf in Saint-Emilion, aber hier an der Cotes de Bourg. Das ist der absolute Primus in dieser Region. 80% Merlot, 20% Cabernet Sauvignon im Roc de Cambes. 30% Cabernet Franc statt des CS im unteren Hangteil des Domaine des Cambes genannten Weins, dazu 70% Merlot. Die Reben sind inzwischen alt genug, um reife, weiche Frucht zu ergeben. Francois ist mit seinen Weinen der Cotes de Bourg im Grunde mit nichts vergleichbar. Er setzt Maßstäbe und würde selbst in Saint-Emilion in der ersten Reihe der 30 besten Chateaux stehen. Das ist ein ganz ungewöhnliches Weingut, auch wegen seines Cabernet-Franc-Anteils im Domaine des Cambes. Natürlich kann Cotes de Bourg nicht diese Preise erreichen, die in Saint-Emilion bezahlt werden, aber man darf es eben nicht mit normalen Maßstäben messen. Wenn wir nur nach Qualität gehen, gehört Roc de Cambes zu den besten Weinen Bordeaux. Auf Roc de Cambes gibt es aus dem unteren Hangteil einen zweiten Wein, den Domaine de Cambes. Das sind die unteren Reihen, welche näher am Fluss gelegen sind und die außerhalb der Appellation Cotes de Bourg sind. Dementsprechend dürfen sie nicht als Roc de Cambes betitelt werden und gehen daher in den Domaine de Cambes. Der Domaine de Cambes ist ungewollt so eine Art Zweitwein des Roc de Cambes, in Wirklichkeit jedoch die gleiche Top-Qualität mit anderer Rebsortenzusammensetzung. Domaine de Cambes war in den letzten Jahren schon astronomisch gut, man kann es gar nicht anders sagen, und je mehr das Klima sich wandelt, je wärmer und trockener die Jahre werden, desto besser wird die Domaine Roc de Cambes. Das sind inzwischen richtig überragende Weine. Wir haben eine unglaublich schöne, hedonistische, reife, rote Frucht, sehr reife Backpflaume, Cassis und rote Johannisbeere, aber süß, Amarenakirsche, helle Lakritze, viel Walnuss, üppig süß, rotfruchtig und unglaublich intensiv. Die Zusammensetzung aus Merlot und Cab. Franc ist in einem so reifen Jahr unglaublich gut, die Cab. Franc macht den Wein richtig spannend. Schon die Nase ist eine Offenbarung. Aber was für eine Sensation dann erst im Mund mit extrem reifer Frucht. Die Frucht ist trotz dieser enorm hohen Reife unglaublich frisch, genau an der Kante zur Überreife, aber dennoch weit entfernt von jeder Volatilität, absolut frisch bleibend in dieser hohen Intensität, fast überwältigend in der rotfruchtigen, süßen Aromatik. Gestützt von Amarenakirsche, Backpflaume, Lakritze, grandioser Stoff, schiebend und trotz der extremen Reife total frisch und spannend bleibend. Sehr lang, druckvoll und pikant. Ich habe Domaine de Cambes noch nie so gut probiert, das ist wirklich ein ganz großer Wein. Die 30% Cabernet Franc sind stilistisch tiefes, würziges, Loire-Material. Auch die Amarone von Dal Forno und Quintarelli könnten zum Vergleich taugen. Man mag es glauben oder nicht, in meinen Keller gehört dieser Wein, das ist grandioser Stoff für die nächsten 25 Jahre. 97+/100   

Chateau Le Voute, 1,4 ha alte Merlot auf reinem Kalkstein am Rande der Appellation Saint Emilions zu Castillon. Unendlich elegante Merlot im Pomerol-Stil. Groß!

La Voute

Lobenberg: Ein Kleinst-Weingut in Saint-Etienne de Lisse, das ganz am Rande der Appellation Saint-Emilion liegt, kurz vor Castillon. In der Nachbarschaft Tertre de la Mouleyre und Château Valandraud, danach geht es runter nach Castillon und Clos Louie. Der Grand Vin stammt von 1,4 Hektar mit 100% uralter Merlot. Für diesen Grand Vin werden nur neue Barriques verwendet. Der Ertrag liegt bei geringen 35 Hl/ha, der Alkoholgrad beträgt 14.5% bei 3.72 pH-Wert. Dieses Weingut liegt auf einem absoluten Hochplateau, sehr frisch, sehr windig. Die Nase ist total reif, komplett Merlot, nichts anderes, fein und schwarz, sehr reif und trotzdem verspielt. Wir haben feine Mango, Veilchen, Rosenblätter unter Schwarzkirsche, trotz der Üppigkeit fast burgundisch. Aber ein bisschen zu dicht, zu schwarz und zu drückend, um ein Burgunder zu sein. In der Feinheit aber durchaus passend, mit feiner helle Lakritze darunter, tolle Finesse. Ein filigraner Merlot, dicht und reich, aber sehr verspielt, mozartartig und vibrierend. Der Mund ist sowas von lecker, das glaubt man ja gar nicht. Komplett schwarz, aber wir haben überhaupt nichts Hartes! Die Tannine sind noch nicht einmal nur samtig, sie sind sogar seidig dazu, das Ganze ist total verspielt und dennoch so ungeheuer dicht. Wie kann so viel schwarze Kirsche so unglaublich dicht sein und gleichzeitig so fein, so spielend, so tänzelnd? Wow – das ist einer der Gewinner dieses warmen, trockenen Jahrgangs. Und die Gewinner sind ganz sicher auch Weingüter auf Kalksteinfelsen, das ist so weich, so verspielt, so ungeheuer schön. Sanddorn kommt hoch, Backpflaume, aber nichts ist überkonzentriert, alles bleibt spielerisch in der Dichte und in der Fülle, der Reichhaltigkeit und vor allem in der immensen Aromatik. Der Wein ist so ausgesprochen lecker und berührt gleichzeitig alle Sinne. Er mag gar nicht wieder aufhören, der ganze Gaumen wird belegt, aber eben auf keinen Fall mit einem Blockbuster, sondern mit einem intensiven, dichten, fülligen, hocharomatischen Wein, der vor Feinheit und Finesse nur so strotzt. Eine wahnsinnige Schönheit und Delikatesse. 98/100  

Dann Familie Trocard zum Abend. Trocard Monrepos ist ein Allzeit-Schnäppchen, der 2016 war reinste Finesse mit 20 Jahren Lebensdauer, ein Highlight der Weingeschichte in diesem Preisbereich. 2018 ist dagegen samtiger, dichter, reifer, üppiger. Gastronomisch vielleicht eindrucksvoller aber nicht besser. Einen ähnlichen Paradigmenwechsel gibt es beim Clos de La Vieille Eglise, dem Zwillingsnachbarn von Eglise Clinet, aber hier mit 30% Cabernet Franc. Und diese hochreife CF mit dem besten Lehm-Terroir Pomerols gibt eine schwarzsamtig reiche, weiche Wuchtbrumme einer anderen Art hervor. Tannine bis zum umfallen, ungeheuer viel Veilchen, Lakritze und süße Schwarzkirsche. Aber butterweich ohne jedes grüne Element, hochreif wie ein Tertre Roteboeuf, aber gar nicht volatil. Perfekt wenn man es extrem reichhaltig und vollmundig liebt, Benoit nennt es den besten Wein seiner zwanzigjährigen Weinmachergeschichte. Bitte 10 Jahre wegsperren, vorher von allem zu viel. Der Clos Dubreuil vom gleichen Weinmacher war dagegen erstaunlich zivilisiert, zwar auch eine schwarze Wucht, aber der Wein wird schon früher delikat werden.

Lobenberg: Ganze 1,5 Hektar umfassen die Weinberge, die zum Leidwesen Denis Durantous von Eglise Clinet eben inmitten der Rebflächen von Eglise Clinet liegen. Die Familie von Jean-Louis Trocard, in Person des Sohns Benoit, bewirtschaftet die Flächen organisch und händisch in reinster Form. Seit der finalen Eigentumskonzentration auf nur noch einen Familienzweig der Trocards im Jahr 2005 werden hier auf Pomerols bestem Terroir seit einigen Jahren sensationelle Ergebnisse erzielt. Neben den berühmten Namen Petrus, Lafleur und Le Pin wahrscheinlich die kostbarsten Weinberge auf dem Plateau Pomerols. Die Reben, zu 70% Merlot und zu 30% Cabernet-Franc, haben ein Durchschnittsalter von 50 - 60 Jahren und ergeben jedes Jahr nur 6.000 Flaschen. Wir haben hier einen recht lehmigen Boden, und was dieses Jahr besonders auffällt bei den Weinen aus diesem Bereich neben dem Friedhof und nahe der Kirche Pomerols, ist dass die Weine in 2018 ungewöhnlich massiv ausfallen. Wir haben bisher nur Pomerols von sandigen und kiesigen Böden probiert und die sind ungewöhnlich filigran und voller Finesse und Leichtigkeit. Hier auf Lehm sind wir jetzt, genau wie schon beim Nachbarn Eglise Clinet, in fleischiger Üppigkeit, sehr viel Wucht steigt aus dem Glas, drückend, Lakritze, Schwarzkirsche, Backpflaume, süße Veilchen, Rosenblätter, fast Jasmin-artig, sehr aromatisch. Aber dennoch keinerlei Härte, überhaupt nicht spröde, sondern hohe Reife aufweisend. Reife, florale, schwarze Frucht, ein extrem aromatischer Mund, auch hier diese unglaubliche Dichte. Aber eine Dichte in der Blumigkeit, Veilchen und Rosenblätter sind ganz eindeutig vorn, fast extrem, dazu die Lakritze, Salz, satte süße Schwarzkirsche, Amarenakirsche, Backpflaume. Alles dick, wuchtig, aber weich, samtig im Tannin, aber das Tannin ist massig vorhanden, unglaublich, wie ein schwerer, dicker, schwarzer Samtteppich zieht es sich durch den Mund. So wuchtig und so massiv habe ich diesen Wein noch nie probiert. Und was ich schon bei Clinet sagte gilt auch hier. Es sind im Grunde wie zwei Zwillingsbrüder, man muss dem Wein 10 Jahre Zeit geben. Die fast Baugleichheit von Clos de la Vieille Eglise und Eglise Clinet ist gerade in einem Jahr wie 2018 extrem auffällig. Das Terroir und das Wetter dominieren diese beiden sehr penibel arbeitenden Weingüter. Was beide hervorragend gemacht haben, sie können mit der Reife dieses Jahrgangs hervorragend umgehen, keinerlei Überreife, nichts Volatiles, keine zu starke Extraktion, sondern einfach nur das in die Flasche gebracht, was dieses Jahr auf diesen Böden so hervorragend hervorgebracht hat. Nämlich hochreife, enorm dichte, wuchtige Weine mit butterweichen Tanninen, die aber in unglaublicher Fülle vorhanden sind. Ein Blockbuster der weichen, cremig-charmanten Art, mit einer Intensität und Aromenfülle wie selten erlebt. Laut Benoit der beste je erzeugte Wein hier, hochreif und frisch und fein zugleich. Nur wie gesagt bitte 10 Jahre Zeit geben. Großer, reicher, dichter, üppiger, schwarzer Stoff. 100/100

Lobenberg: Der kleine Weinberg liegt in Lussac-Saint Emilion, hat allerdings nur die Appellation Bordeaux Superieur wegen der Nichteinhaltung der Appellations-Bestimmungen in Sachen Rebsortenzusammensetzung und wegen der Lokalisation gerade außerhalb der Appellation. Der Weinberg besteht aus nur 5 Hektar in reiner Südwest- und Südexposition. Roter Lehm mit Kalkstein. 100% Merlot. 1982 angepflanzt. Der Wein wird vergoren im Stahltank und komplett für 12-15 Monate im Barrique ausgebaut. Davon ist ein Drittel neues Holz. Das heißt, wir reden hier schon von einem richtig kleinen großen Wein. Der Wein kann problemlos 20 Jahre oder mehr altern. Es ist ein Weinberg der Handelsfamilie Trocard, die aber auch Clos Dubreuil und Clos de la Vieille Eglise ihr Eigen nennen. Angepflanzt direkt hinter ihrem Hauptsitz in Lussac. Eine sehr kühle, frische, schwarze Frucht, intensive Aromatik, reich und trotzdem fein, nicht fett, nicht süß. Lakritze im Mittelbau mit viel schwarzer Kirsche, Brombeere, Cassis, ein bisschen Weihrauch, ein bisschen Wachholder, 2018 auf jeden Fall etwas würziger und etwas tiefer als der sehr elegante, feine, spielerische Finessewein 2016. Einfach etwas wuchtiger, mit etwas mehr Dampf, ohne aber fett zu sein. Sehr reifer Schwarzkirschenmund, auch hier wieder Lakritze, Wucht aber auch Feinheit, spielerische Leichtigkeit und Frische, aromatisch lecker mit mittlerer Länge und feiner Salzigkeit aus dem Terroir in Lussac Saint Émilion. Eine schöne kalksteinige Salzigkeit kommt hier hoch. Reichhaltiger, feiner Merlot, mit guter Länge – Everybody’s Darling mit Anspruch. Der Wein gefällt sehr gut. 92/+100 

Lobenberg: Das ist das zweite, absolut angesagte Weingut der Familie Trocard in Saint-Emilion. Der Wein steht auf dem Kalksteinplateau oberhalb von Fombrauge, direkt oben auf der Kuppe, am Rande St Émilions gelegen, kurz vor Castillon. Benoit Trocard wohnt dort persönlich. Es gibt täglichen Kontakt zu den Reben. Nur 7 Hektar. Kalkstein mit Lehm darüber, dies ergibt immer wuchtige Weine. Alte Reben, er kaufte das Ganze Hektar für Hektar alte Reben. 85% Merlot und 15% Cabernet Franc. Der Ansatz ist allerdings ein total anderer wie bei Clos de la Vieille Eglise in Pomerol. Hier verwendet Benoit doch einen großen Anteil neuen Holzes (70%). Die Weine haben aber auch dementsprechend viel Power und Säure hier oben. Im Jahr 2018 aber auf Grund der hohen Temperaturen auch hier oben noch weicher, reifer, wie ein schwarzer Samtteppich, ein bisschen Pomerol-artig, sehr üppig, Lakritze und Veilchen. Keine Bitterstoffe, sondern nur viel Schub, aber eben auch wie immer hier ein sehr moderner Blockbuster Stil. Das Gute an 2018 ist, dass das Tannin butterweich ist, zwar reichlich vorhanden, aber viel geschliffener und polierter, tänzelnder. Und trotzdem kommt unglaublich viel reiche, schwarze Süße mit Veilchen-beladener Lakritz-Frucht. Dann ein harmonisches, balanciertes Finale. Der Nachhall ist lang, aber eher fein, wieder mit Veilchen. Der Wein macht viel Freude, gefällt mir sehr gut. Man muss ihm etwas Zeit geben, aber das wird einmal eine ganz große Delikatesse werden. 97-100/100 

Lobenberg: Das sind 2 Hektar 80-100 Jahre alte Reben in Lalande Pomerol. 100% Merlot im Besitz der Familie Trocard. Wahrscheinlich der älteste, noch erhaltene Weinberg in Lalande-de-Pomerol mit einer Gesamtproduktion von klar unter 2000 Flaschen. Eine absolute Rarität. Das Ganze wird natürlich von Hand gelesen, der Weinberg organisch bearbeitet. Es wird auch per Hand entrappt. Die Trauben wandern danach komplett ins neue Barrique und werden auch hierin vergoren. Das Ganze bleibt für 5 Wochen im Barrique. Danach wird abgezogen und der Wein danach zur Malo wieder in das gleiche Fass eingefüllt. Daraufhin folgt eine Lagerung im Fass für 18 Monate ohne Bâtonnage. Es ist ein besonders feines, dichtes Holz. Die Fermentation wird spontan durchgeführt. Wie schon in 2016 auch in 2018 eine wuchtige Nase mit hoher Intensität. Lakritze, aber nicht süß, viel schwarze Kirsche, Brombeere, Maulbeere, unglaublich schiebend, reich. Darauf folgt ein sehr druckvoller Mund, auch hier wieder extrem reichhaltig. Schokoladentörtchen mit schwarzer Kirsche, Brombeere, Maulbeere, viel Lakritze dazu, viel Salz, wuchtig, aber nicht fett, sondern nur wuchtig, opulent und füllig. Nicht zu stark extrahiert, wir finden hier nichts hartes, das Tannin ist in Massen vorhanden, umhüllt alles, ist butterweich, wie in eine dicke schwarze Wolldecke gehüllt, samtig. Unglaublich reich und genussvoll, dennoch lecker und nicht überfordernd. Als ob man in einen dicken, dichten, schwarzen Pudding springt. Das macht echt Freude, ist beeindruckend und schön, keineswegs zu fett, sondern ein richtiger Spaßmacher in all dieser Üppigkeit. 96/100

Tage der Superlative gehen zu Ende. Morgen folgen mit Tertre de la Mouleyre, Vieux Chateau Certan und Le Pin und drei weitere Highlights.

Freitag, 29. März

Tertre de la Mouleyre

Eric Jeanneteau von Tertre de la Mouleyre vor seiner gesamten Jahresernte

Lobenberg: 1,8 Hektar großes, auf Kalkstein an der Grenze zu Castillon gelegenes Weingut. Lediglich 5.000 Flaschen werden jährlich erzeugt, 2018 nur 3000. Die  Reben dieses Mini-Weinguts, das seit 1995 komplett auf Biodynamie umgestellt ist, sind um die 50 Jahre alt. Chateau Tertre de la Mouleyre liegt in Steinwurfentfernung zu Chateau Valandraud. In die andere Richtung liegt Peby Faugeres. Nach unten folgt Castillons Superstar Clos Louie. Der Name des Besitzers ist Eric Jeanneteau. Das Weingut wird in dritter Generation von Eric betrieben und er lebt von diesen winzigen 1,8 Hektar. Der Großvater hat es mit insgesamt 5 Hektar Saint-Emilion und 2 Hektar Castillon einst gegründet. Das Terroir besteht aus einer Lehmauflage auf reinem Kalkstein. Jeder Weinstock der Dichtpflanzung geht im Verlauf der Bearbeitung runter auf maximal acht kleine Trauben und auf einen Gesamtertrag von weit unter einem halben Kilo pro Stock. Der Ausbau des Weines erfolgt zu 50% in neuem Holz, zur anderen Hälfte in ein- und zweijährigen Barriques. Fermentation in kleinen Inox-Gärbehältern, um möglichst Parzelle für Parzelle separat vergären zu können. Maximal 25 Hektoliter Gärbehälter. Die Fermentation geschieht zu 100% als Spontanvergärung, diese geschieht relativ kurz und warm. Alles ohne Schwefel. Danach die Malo im Barrique. Dort verbleibt der Tertre de la Mouleyre schwefelfrei dann bis zur Abfüllung mit mehrfacher Batonnage. Wie bei allen Biodynamikern wurde hier auch 2018 früher geerntet, weil die Trauben schneller reif sind. Wir haben nur 13% Alkohol bei einer Zusammensetzung von 95% Merlot und 5% Cabernet Franc. Und wie alle hier auf dem Hochplateau St Émilions kurz vor der Grenze Castillons, auf dem auch sein Freund Clos Louie liegt, ist der Wein sehr reif. Und in der Reife dieser Frucht auch schöne Frische bewahrend. Üppig, opulent, aber so wie sein Vorbild und Lehrmeister Francois Mitjavile (Eric war lange mit dessen Tochter Nina verheiratet), so ist auch Eric ein Großmeister der extrem reifen Frucht, die jedoch nie ins Volatile rüber kippt. Frische aus der reifen Frucht und dennoch kein hoher Alkohol, das ist schon das große Kino hier. Die Verkostung des 2018ers ist gerade deshalb ein so besonderes Erlebnis, weil wir gestern bei anderen Freunden auf Clos de la Vieille Eglise reife Jahrgänge von Tertre de la Mouleyre 2008, 2009 und 2010 probiert haben, die sich einfach sagenhaft präsentierten. Und jetzt die Nase des 2018ers in dieser hohen Reife, und trotzdem in dieser wunderbaren Frische. Merlot in Schwarzkirsche, Lakritze, unglaublich aromatisch und duftig, rote Frucht darunter, viel rote Kirsche, Sauerkirsche, aber alles sehr ätherisch, fein, schwebend, nichts Massives, nichts Fettes. Und trotzdem so reif und vor allen Dingen hocharomatisch, Veilchen und Blütenduft, tänzelnd, unendlich fein dazu auch der Mund. Die Augen ziehen sich zusammen, aber nicht ob der Massivität oder der Härte von Tannin, sondern auf Grund der enormen Aromatik. Und das Ganze bei einer fast unvorstellbaren Feinheit, das ist so tänzelnd und dennoch so intensiv, alles wird belegt, alle Sinne werden berührt. Das zieht sich so lang in dieser Salz-beladenen, aber extrem feinen schwarzen Kirsche, roten Kirsche, Lakritze, wieder viel Veilchen, Rosenblätter. Trotz der hohen Reife haben wir ein extrem seidiges Tannin, samtig, gar nicht so fett und üppig wie erwartet, sondern einfach nur extrem fein und elegant. In dieser extremen Eleganz eher einem Pomerol gleichend als einem St Émilion. Großes Kino der Finesse. Wenngleich etwas anders im Charakter, aber komplett auf Augenhöhe mit dem grandiosen 2016er. Aber Warnung an den Konsumenten: man muss Feinheit und hohe Aromatik lieben, man darf keinen Tannin-Kraft-Blockbuster erwarten. Wir sind hier bei einem Richebourg innerhalb von St Émilion, also Fülle und zugleich die große Feinheit, das Abgehobene eben. Und auf eben diese Feinheit und Finesse, dieses Tänzelnde muss man sich einlassen wollen. 100/100 

Die unbestrittene Meisterschaft des Biodynamikers Eric Jeanneteau von Tertre de la Mouleyre und sein 2018er 100 Punkte Wein war im Vorfeld zumindest denkbar in einem perfekt reifen Jahr.

Auch, dass VCC den vielleicht besten und langlebigsten Wein seiner Geschichte erzeugt hat (so sagen es Regisseur und Weinmacher Alexandre und Guillaume Thienpont) ist mit dieser genialen Cabernet Franc und der Meisterschaft in reifer Frucht auch gut vorstellbar... 

Vieux Chateau Certan

Alexandre und Guillaume Thienpont von Vieux Chateau Certan

Doch die Sensation kommt danach. (Noch) keine 100, sondern "nur" 98-99 Punkte: Chateau Guillot Clauzel, gut 2 Hektar direkt neben Le Pin. Alte Reben und dabei 25% Cabernet Franc und 75% Merlot. Bestes Terroir mit Lehm, Kies, Quarzsand und Feuerstein. Eine extrem eigenwillige Mineralik und viel floral unterlegte rote Frucht. Seit Januar 2018 als Regisseur Guillaume Thienpont, der auch VCC und Le Pin macht. JETZT erst und mit diesem perfekten Jahr, dem großartigen Terroir und alten Rebbestand UND dem genialen Regisseur Thienpont ist die schon lange absehbare Weltklasse gekommen.

Lobenberg: Die direkten Nachbarn sind Petrus, La Conseillante, L'Evangile, Certan de May und Petit Village. Der Wein war und ist klar der feinste der Appellation. Das liegt an der Besonderheit der Böden dieses Plateaus, Kies über eisenhaltigem Lehm, hier wächst neben der Merlot auch ein großer Anteil Cabernet Franc und sogar Cabernet Sauvignon. Die dadurch erlangte Duftigkeit, Eleganz und Finesse erinnern an feinste Weine des Medoc, dennoch sind die Weine durch einen doch ganz erheblichen Merlotanteil natürlich wesentlich voller. Wie überall vom Winter bis in den Frühling zur Mitte des Jahres 2018 gab es hier milde Temperaturen mit Regenfällen und viel Feuchtigkeit. Dann ab Mitte Juli folgte ein sensationeller Sommer mit einer extremen Trockenperiode, aber die Wasserreserven waren gut aufgefüllt, sodass die Reben mit dem Trockenstress sehr gut umgehen konnten. Speziell die alten und wichtigsten Reben sind perfekt durch diesen warmen Sommer gekommen. Die Charakteristik des Jahres 2018 hat sich, gegenüber der vorherigen Jahre, durch diese hohe Wärme und durch die lange Trockenheit verändert, wie fast überall. Eine für Vieux Château Certan unglaubliche Intensität und Tiefe tritt neben die gewohnte Eleganz, dazu extrem reife und volle Aromen, sehr viel Veilchen, eher ungewöhnlich für dieses Château. Die Frische wird aus der hohen Reifen der Frucht gewonnen, das Ganze mit massiven aber samtigen Tanninen, das wird ein Jahr für die Ewigkeit in dieser Charakteristik. Dem Jahresverlauf wurde durch die Laubarbeit in der zweiten Juli-Hälfte entgegnet, um die Reife hinauszuzögern, dann folgte noch eine grüne Lese Anfang August. Die Ernte fand vom 19. September an statt und endete am Ende der ersten Oktoberwoche. Im Durchschnitt wurden 40 Hl/ha geerntet, also ziemlich normal. Es gab hier durch rechtzeitige Behandlung keine Mehltau-Verluste. Die Cépage ist 70% Merlot und 30% Cabernet Franc bei einem pH-Wert von 3.78, einer totalen Säure von 3.35 g/L und der Alkohol wird mit 14% ausgewiesen. So wie die Zusammenfassung des Jahrganges aussah, so stellt sich auch die Nase dar. Ungewöhnlich reif, dicht und voll, fast brutal in der Aromatik, aber dabei butterweich und fein bleibend. Trotz des hohen Cab. Franc Anteils haben wir eine klare Dominanz des Merlot, Schwarze Kirsche, Amarenakirsche, Veilchen bis zum Abwinken, diese hohe florale aber gleichzeitig süße Intensität, ein bisschen Moschus dazu, Jasmin, immer wieder hochreife Schwarzkirsche, Amarenakirsche, dazu Backpflaume, die Aromatik ist wirklich brutal. Man weiß schon von der Nase, dass man diesem Wein viel Zeit geben muss, weil die Intensität am Anfang einfach zu hoch sein wird. Bereits an der Nase erkennt man das wahnsinnige Alterungspotenzial. Die hohe Reife zeigt sich auch im Mund, auch hier die immense Masse an Schwarzkirsche, aber gleichzeitig auch unglaublich fein, mit heller Lakritze und wieder dieser Floralität, eine Blumigkeit wie wir sie schon bei so manchen Top-Weingütern hatten, und es sind nicht nur Veilchen, es sind auch getrocknete Blüten jeder Art, ganz fein schwebend. Das Tannin ist im Mund eher seidig, total verspielt, der Wein ist lang, salzig und noch einmal in einer ganz erstaunlichen Art und Weise floral. Ganz langsam schieben sich von hinten dann die Maulbeere, die Schwarzkirsche, die Dörrfrüchte heran, sie können aber die mineralisch-salzig unterlegte Floralität in keinem Fall überdecken. Ein unglaublich üppiger, reicher Wein und gleichzeitig ein ungemein feiner Wein. Diese Blumigkeit habe ich hier in dieser Ausprägung so noch nie erlebt. Nach einer langen Diskussion mit dem Winemaker hier, über das Jahr 2018 und diese ausgeprägten floralen Elemente, ergab dass der Mund dieses Weines 2018 stark vom Cab. Franc dominiert wird, der auf diesen sehr speziellen kiesig-sandigen Lehmböden von VCC dann so eine unglaubliche Feinheit ergibt. Wie Alexandre sagte: Im Grund füllt der Cab. Franc die Lücken des sehr schweren, üppigen Merlot aus und das hat in 2018 zu einer ungemeinen Dominanz geführt und dazu, dass eben die Feinheit über den reichlich vorhandenen samtigen Tannin-Schub und über die hohe Reife des Merlot siegt. Also die große Finesse in totaler Opulenz und Reife. Das ist die Besonderheit des Jahrgangs 2018 und es ist wieder einmal großes Kino hier auf Vieux Château Certan. Ich weiß gar nicht seit wie vielen Jahren dieses Weingut inzwischen der Primus inter pares ist. Wenn man Finesse liebt, wenn man Eleganz liebt, also wenn man multikomplexe, tänzelnde Eleganz liebt, ist VCC der Maßstab am rechten Ufer. 100+/100

Lobenberg: 2 Hektar in direkter Nachbarschaft zu Le Pin, Enclos Tourmaline und Trotanoy gelegen. Im Besitz der Erben Clauzel. Blauer Lehm mit leichter Hangneigung. Insider werden dies als das beste Terroir des Pomerol überhaupt werten. Hauptberater ist nun Guillaume Thienpont, Sohn und Weinmacher auf dem ebenfalls benachbarten VCC. Auch die Cousins Jan und Florian Thienpont mischen hier direktorisch mit. Erstmals mit dem Jahrgang 2018 zeichnet Guillaume Thienpont technisch und im Weinberg allein verantwortlich für das Weingut. Guillaume macht heute schon die Weine von Le Pin und Vieux Chateau Certan. Wir haben hier ein wahnsinniges Potenzial in diesem winzigen Weingut auf Lehm, Sand und Kies mit ein klein wenig Kalkstein. Dass hier weiterhin revolutionäres abgehen wird und Guillot Clauzel innerhalb der nächsten zehn Jahre zu den Top Ten des Pomerol gehören wird, ist absolut absehbar, weil einfach die Grundvoraussetzungen da sind. Alte Reben, die Merlot-Reben sind hier über 60 Jahre alt und machen 80% der Reben aus. Daneben gibt es noch 20% etwas über 20 Jahre alte Cabernet Franc. Die Rebberge sind komplett im Besitz der Familie Clauzel. Guillaume sagt, dass gerade diese Charakteristik hier, die gegen Feuerstein und Quartz läuft, die so anders ist als bei Le Pin und VCC, macht für ihn den Reiz aus. Er sieht ein grandioses Potenzial in Guillot Clauzel und wenn dieser Mann der VCC und Le Pin verantwortet sagt, es gäbe hier ein Wahnsinnspotenzial, dann kann man getrost davon ausgehen, dass wir hier schon in der Oberliga unterwegs sind. Ähnlich wie bei Le Pin und VCC gab es hier 2018 kaum Mehltau-Verluste, da man rechtzeitig und sofort reagiert hatte nach den Regenfällen. Der Alkoholgrad beträgt 14%, pH 3.65 bei einem Merlotanteil von 75% und 25% Cabernet Franc. Also eine Rebsortenzusammensetzung mit dieser starken Dominanz des Cab. Franc, wie sie diese Familie so sehr liebt. Wie schon gesagt es gibt hier nur 2.4 Hektar, das Weingut gibt es seit 1991, es wurde von Paul und Jacqueline Clauzel aufgebaut, um einen großen Wein in Pomerol zu machen. Danach hat Etienne Clauzel das Management und die Weinbereitung des Guts übernommen. Seit Januar 2018 hat Guillaume Thienpont die Position als Regisseur und Weinmacher komplett übernommen, ist also auch der Operational Manager. Der Verlauf des Jahrgangs ist bekannt, auf ein feuchtes Frühjahr mit schweren Regenfällen, aber einer dennoch problemlos verlaufenden Blüte, folgte ein beispielloser, grandioser, trockener Sommer mit allerdings zum Glück großen Wasserreserven aus dem Frühjahr. Wenn man also die Mehltau-Zeit sauber überstanden hat, weil rechtzeitig gespritzt wurde, ist es ein großes Jahr. Es gibt hier sehr viele alte Reben, die trockenresistent sind, durch ihr tiefes Wurzelwerk. Der Cabernet Franc hat besonders von der großen Trockenheit profitiert und hervorragende, geniale Ergebnisse gebracht und für eine große Komplexität im Blend gesorgt. Die Vergärung erfolgt spontan in kleinen Stahltanks, der Ausbau komplett im Barrique mit überwiegend neuem Holz. Anders als bei VCC und Le Pin haben wir hier in der Nase neben der hohen Floralität der Cabernet Franc auch deutlich mehr Wucht, extrem viel rote Frucht schiebt in die Nase. Sehr reif, sehr rot, immense Kirschmassen, aber auch Himbeere, Hagebutte, Schlehe, darunter Veilchen und Rosenblätter. Aber alles nicht so leicht ätherisch angehaucht wie auf VCC , sondern mit viel mehr Wucht, dennoch enorm fein bleibend. Ungeheuer spannende, rotfruchtige, dichte Nase. Der Mund ist ein süßer, extrem reicher, Kirsch-, Erdbeer-, Himbeer-Mund, wieder mit dieser feinen Veilchen-Unterlegung, auch viele andere getrocknete Blüten. Aber anders als bei den beiden anderen Weingütern der Familie Thienpont sind wir hier sehr profund, sehr intensiv, aber auch fein, nicht fett, voll auf blütenumrankter, feiner, roter Kirsche laufend. Die Blütenduftigkeit und die florale Aromatik setzt sich im Mund immer mehr fort, der Cab. Franc gewinnt immer mehr Oberhand gegenüber dem massiveren Merlot. Das Ganze wird immer feiner, je länger man probiert und je mehr Luft nach der Verkostung in den Mund kommt. Total verspielt, tänzerisch, so gut war dieses Weingut noch nie. Der Fortschritt mit einem der genialsten Winemaker und Regisseure Pomerols macht sich sehr bemerkbar. Das Potenzial war immer riesig, jetzt wird es gehoben und das bei diesem Rebalter. Wir brauchen nicht mehr warten, dass hier etwas geschieht, was wir immer vorhergesagt haben, das wird jetzt nicht mehr groß, das IST jetzt groß. Eben unendlich fein und durch die stärkere Rotfruchtigkeit und die höhere Intensität der roten Frucht auch ganz anders als VCC. Wenn überhaupt dann näher an Le Pin, was auch logisch ist, denn Le Pin ist der direkte Nachbar. Großes Kino in Pomerol, 2018 ist schon wirklich ein geniales Jahr hier. 97-99/100   

Lobenberg: Winziges Weingut mit 2,8 Hektar von Jacques Thienpont in Pomerol, beste Lage neben Trotanoy und Enclos Tourmaline. Château Le Pin ist Kies und Sand in dicker Schicht. Der Lehm liegt sehr viel tiefer. Das heißt, nur die alten Reben erreichen die Lehmschicht mit der guten Wasserführung. 100% Merlot bei 14.5% Alkohol, die aber nicht spürbar sind. Le Pin ist trotz reinsortigem Merlot meist extrem fein und rotfruchtig. Die Nase ist unterlegt von Mango, Schwarzkirsche, ein bisschen Holunder und Minze, durchaus fein. Vor allen Dingen sehr schick. Anders als bei Vieux Chateau Certan das ebenfalls der Fam. Thienpont gehört haben wir hier viel mehr Kies und Sand, der Lehm beginnt erst sehr viel tiefer, kein Kalkstein. Der Mund ist ein Potpourri aus Kirsche, schöne Weichselkirsche, süße Kirsche, ganz wenig Sauerkirsche, ein wenig Schwarzkirsche, ganz feine helle Lakritze, Milchschokolade, Holunder und Minze, auch ein wenig Eukalyptus, alles toll verwoben, spielerisch leicht. Ein Wein für die Freude in dieser tänzerischen Eleganz. Aber eben auch ein Wein für Milliardäre, jährlich mittlerweile der teuerste Wein in Bordeaux überhaupt. 100/100

Guillot Clauzel

Guillaume Thienpont (Guillot Clauzel und Le Pin)

Chateau Robin

Jan und Florian Thienpont

Es verbleibt an dem Tag eine Wiederentdeckung. Die Wiederauferstehung des legendären Chateau Robin aus Castillon. Stephane Asseo, der 2005 in die USA auswanderte und das inzwischen extrem hoch bewertete Chateau L‘Aventure in Paso Robles gründete, hob mit Robin Anfang der 90er Jahre erst Castillon in die Wein-Weltkarte. Nach seiner Auswanderung versank es im Desaster. 12 Hektar Amphitheater mit alten Reben (75 Merlot 25 Cab Franc) in bester Kalksteinlage neben Clos Puy Arnaud. Erst Anfang 2018 in den Besitz der berühmten Familie Thienpont gekommen. 2018 nur 10 HL/ha. Das ist jetzt schon toller Stoff und wird in Zukunft einer der absoluten Superstars des Castillon werden.

Chateau Robin

Lobenberg: Dieses ursprüngliche Vorreiter-Weingut Castillons wurde 1994 von Stéphane Asséo gegründet. Stephane hat Castillon auf die Weltkarte des Weins gebracht mit eben diesem, legendären Robin. 2005 ist Stéphane dann in die USA ausgewandert, dieses 12 Hektar Weingut, dass einst den Ruf von Castillon begründete, geriet in Vergessenheit. Erst nach Robin kamen die ganzen starken Nachahmer wie d’Aiguilhe, Clos Puy Arnaud, Domaine de L’A. Das Château Robin verfügt über 75% Merlot und 25% Cab. Franc, in Zukunft soll noch ein wenig Malbec hinzukommen. In 2018 gab es hier hochreifes Lesegut bei einem Ertrag von gerade einmal 10 Hl/ha in diesem warmen Jahr, weil die Familie Thienpont es erst zu Beginn des Jahres übernommen hat. Die Historie, der uralte Rebenbestand, alles spricht für ein Top-Weingut in Zukunft, aber der Start ist mit diesem Mini-Ertrag doch zumindest wirtschaftlich etwas holprig. Zum Glück ist die Qualität so überragend, dass diese 10 Hl/ha nicht nur überraschend und absolut gut sind, sondern für Castillon mit in den oberen Bereich der Topbetriebe gehören. Das Chateau ist ein Amphitheater auf dem Plateau von Castillon (Nachbar ist der Biodyn Clos Puy Arnaud) auf reinem Kalkstein mit leichter Sand-, Kies-, und Lehm-Auflage. Die Nase ist wuchtig, tief, würzig, mit extrem reifem Cabernet Franc, mit saftigem, dichtem Merlot. Der blumige, würzige Cabernet Franc ist allerdings mit seiner blumigen Veilchen-Wucht die Dominante. Wir haben eingekochte schwarze Brombeere, Schwarzkirsche, ganz viel Veilchen und Lakritze, wirklich extrem üppig aus dem Glas steigend. Sehr intensiver Mund, auch hier Wucht und hohe Reife, die Tannine sind samtig und seidig, wie ein dichter Samtteppich den Mund auskleidend. Wir haben nichts Hartes, ganz im Gegenteil, alles ist hochreif, aber nichts ist volatil. Ein leicht maskuliner Hauch, Schoko, ein bisschen Holzkohle, der Ausbau geschieht im 100% neuen Barrique (es gab bei Übernahme keinerlei Barriques mehr, alles musste neu gekauft werden), die Fermentation erfolgte spontan im Zement. Der Alkohol liegt bei 14.5 und der pH-Wert bei 3.6. Die Röstaromatik des leichten Bitterstoffs im Mund kommt auch durch das neue Holz. Wie gesagt 100% neues Barrique Die Toastung ist schon noch relativ intensiv, das wird sich aber geben. Das ist für diesen Preisbereich, in dem er liegen wird, ein grandioser Wert. Lang, intensiv, auch im Nachhall salzig, viel Lakritze, viel Veilchen. Mit dieser historischen Lage und diesen alten Weinbergen ist es ein großes Glück, dass die Familie Thienpont dieses Gut übernommen hat. Sie hatten ein gutes Händchen und einen Top-Anwalt bei der Zwangsversteigerung, preislich konnten sie überhaupt nicht mithalten mit den bekannten großen Namen, die alle an der Übernahme interessiert waren. Hier ist auch und gerade unter dieser Familie Thienpont (bekannt von den allerbesten Weingütern des rechten Ufers) ganz Großes zu erwarten. Und mit dieser Geschichte und diesem Rebbestand sind sie schon 2018 in der vordersten Reihe in Castillon. Chapeau Jan und Florian! 93-94/100

Lobenberg: Thierry Valette ist ein Biodynamiker. Er arbeitet aber Jahr für Jahr mit deutlich weniger als des erlaubten Kupfereinsatzes. Seine Trauben reifen aufgrund der Biodynamie und besonders wegen der extremen Verringerung von Kupfer grundsätzlich sehr viel früher. Entsprechend findet die Ernte ebenfalls früher statt. Seine Weine werden spontan im Zement vergoren. Der Ausbau erfolgt zu 20% in toskanischen Tonamphoren und zu 80% im Barrique. Ein Teil davon aber auch in 500-Liter-Tonneaus, um den Neuholzeinfluss weiter zu begrenzen. Thierry liebt dennoch den oxidativen Ausbau, deshalb gibt es auch diese Tonamphoren. Wobei er nach ersten Experimenten den Anteil an Amphorenwein wieder deutlich verringert hat. Er sieht sich noch in einer Experimentierphase, weil er glaubt, dass Merlot und Cabernet Franc in der Amphore zu oxidativ werden. Deshalb beschränkt er das auf den Zweitwein und auf die Cabernet Sauvignon. Dafür hat er einen höheren Anteil im sogenannten Halbstück ausgebaut. Rebsortenanteile im Weinberg sind 70% Merlot und 30% Cabernet Franc. Der Cabernet-Franc-Anteil wird von Jahr zu Jahr größer, Thierry hat immer mehr Weinberge mittels Selection Massale umgestellt. Er hat alte Merlot- und Cabernet-Franc-Reben über diesen Weg neu gepflanzt. Die Zielrichtung ist eindeutig hin zu einem eher Loire geprägten Cabernet-Franc-Stil. Clos Puy Arnaud liegt auf einem Plateau, das aus reinem Kalkstein mit etwas Lehmauflage besteht. Hier gibt es kaum Wasserstress. Im Jahr 2018 gibt es Clos Puy Arnaud nur in winzigen Mengen, da der Merlot so stark vom Mehltau befallen war, Cabernet Franc ist dafür clean. Mir kommt das sehr entgegen, weil Cab. Franc DIE Rebsorte Castillons und auch der Zukunft des rechten Ufers ist, mit diesen uralten Beständen an Cab. Franc. Die Cuvée des 2018ers besteht aus 60% Cab. Franc, 10% Cab. Sauvignon, 30% Merlot. Der Alkohol liegt bei moderaten 13.5, pH ist bei für dieses Jahr extrem tiefen 3.48, dementsprechend gibt es hier eine höhere Säure. Das liegt an dem puren Kalkstein-Terroir. Clos Puy Arnaud liegt in Belvès-de-Castillon, also bestes Terroir, direkter Nachbar von Château Robin, welches ich nun in 2018 erstmalig wieder aufgenommen habe. Die Nase spiegelt die diesjährige Rebsortenzusammensetzung wider, Clos Puy Arnaud ist immer ein feiner, Mozart-hafter, tänzelnder Wein, aber in 2018 trifft es den Nagel einfach auf den Kopf. Weil wir diese hohe Reife haben und das Ganze mit der blumigen, würzigen Cabernet Franc, das ist tiefste Loire mit einer enorm würzigen Spannung. Ganz helle Lakritze, aber ein unglaublicher Blumenstrauß dazu, und es ist eben nicht wie beim Merlot nur Veilchen, sondern auch Pakistani Night, Jasmin, Rosenblätter und viele, viele Blüten. Enorm fein, das Ganze auf eingekochter Waldhimbeere laufend, ein Hauch Erdbeere darunter, fein, tänzelnd und dennoch profund von unten schiebend, ein ausgesprochen leckerer und süßer Mund. Wieder dieser Himbeer-Erdbeer-Saft, feine rote Kirsche dabei, aber süße Kirsche, schöne Länge, feines Salz, tänzelnd, verspielt, charmant, hedonistisch, total seidiges Tannin. Das ist kein achtungsgebietender Riese, sondern ein extrem feiner Wein. Und nochmal, niemand käme hier auf Bordeaux, das ist in dieser Feinheit einfach Loire. Ein Wein für hedonistischen Trinkgenuss, unglaublich saftig, ein Zechwein der obersten Liga. 94-95/100

Samstag, 30. März

Der erste Händlertag auf Schloss d’Aiguilhe

300 Weine aus allen Appellationen. Raus aus unserer geschützten Nische der superkleinen Boutique-Weingüter. Heute kommt die Wahrheit, ob die Großbetriebe mit diesem extremen Jahrgang umgehen könnten. Die penibel und non-stop arbeitenden Winzlinge unserer ersten Woche konnten die großen Weine von 2016 in üppigerer und hochreifer Form wiederholen. Wie schafften die Großen die Hürden der Hitze und Trockenheit und zuvor den Ansturm von Mehltau?

Bernard d’Halluin (r) von Chateau Charmail

120 Weine dann. Es gab einige Highlight unter den kleinen Weinen. Teyssier aus Montagne Saint Emilion war wie Pontac Monplaisir aus Pessac nicht nur wunderschön reif sondern bei reiferem und vollerem Charakter mindestens gleichwertig zu 2016. Chapeau! Erstaunlich gut war der endlich wieder reife Fonreaud aus Listrac, sogar noch 1 Punkt über den wunderbaren 2009 und 2010. In trockenen heißen Jahren geht hier die Post ab. Charmail in Haut Medoc war ein weiteres 93-94 Punkte Highlight aus dem Haut Medoc, klar vor Sociando Mallet.

Lobenberg: Das Weingut ist im Besitz der Familie Darquey und Durand Teyssier. Fast 50 Hektar groß, zu 95% Merlot, 5% Cabernet Franc. Oben in Nachbarschaft zu Troplong Mondot, wo es in die Appellation Montagne Saint Emilion übergeht. Insider nennen Teyssier auch den Petrus von Montagne Saint Emilion. Auch wenn das etwas übertrieben ist, kann dieser Wein schon unglaublich etwas darstellen und ist sicherlich einer DER Preis-Leistungshämmer in Saint Emilion. Auf Teyssier war ich besonders gespannt, denn 2017 gab es hier wegen Frost keinen Wein, 2016 war ein grandioser Erfolg für einen so kleinen, bezahlbaren Wein. Normalerweise gerät der Wein in einem Jahr nach einem Frost besonders gut, weil die Reben sich danach besonders anstrengen. Teyssier hat in diesem Jahr einen unglaublich niedrigen pH-Wert von 3.4, das heißt wir haben eine grandiose Frische. Der Wein wird von Stephane Derenoncourt verantwortet, 2015 und 2016 waren auch schon aus seiner Hand und er selbst sagt 2018 ist der beste je entstandene Wein hier, dem kann ich nur zustimmen. Der Alkoholwert von 14.5% ist überhaupt nicht spürbar, das ist so eine tänzelnde Schönheit. Der 2018er kommt mit sehr warmer, reicher, dichter Frucht und einer sehr floralen Note daher, Veilchen als erstes, aber auch sonstige Blüten, Rosenblätter, ein bisschen Jasmin, sehr fein, sehr floral. Darunter ganz milde Schwarzkirsche, helle Lakritze, Milchschokolade, ein bisschen weiße Schokolade, das ist sehr ätherisch, sehr fein. Der Mund ist fast noch überzeugender, weil er so sehr aromatisch ist und gleichzeitig mineralisch, sehr salzig. Ein Wein als würde er auf Feuerstein stehen, aber Kalkstein hat ja durchaus ähnliche Eigenschaften. Lang, intensiv, aromatisch, auch hier wieder die Feine schwarze Kirsche, auch ein bisschen rote Kirsche, aber deutlicher Lakritzeinschlag, Salz, feine holländische Lakritze, wieder die Milchschokolade, aber eine hohe Intensität in der Mineralität neben dieser feinen, tänzelnden Frucht. Hocharomatisch aber nichts ist wuchtig, nichts ist fett, es bleibt alles auf der aromatisch-feinen Seite. Der Wein ist so berauschend schön für einen so kleinen Wein, ich muss einen Moment innehalten und ihn später nochmal nachverkosten, einfach um sicher zu sein. Aber der Wein ist so schön, der Wein bleibt so schön. Das ist ziemliche Perfektion in diesem sehr bezahlbaren Bereich. 94+/100

Lobenberg: Dieses winzige Château noch im Stadtgebiet Bordeaux liegend ist nun seit vielen Jahren, spätestens seit 2008, im Kreise der Top-Weine Pessac Léognans angekommen. Der Preishammer am linken Ufer schlechthin. Das Weingut segelt im Fahrwasser von La Mission Haut-Brion, Pape-Clement, Carmes Haut-Brion, Seguin, Haut Bailly, Château Léognan, Domaine de Chevalier und Smith. Auf der Höhe eines Fieuzal, nur raffinierter und weniger wuchtig, mehr Seguin-Stil. Das Jahr 2018 mit seiner hohen Reife kommt diesem Château hier absolut zu Gute. Die Nase verblüfft und schlägt den wirklich famosen, eleganten und schicken 2017er um Längen. Wir sind hier auf dem Niveau des großartigen 2015ers und 2016ers, allerdings mit einer anderen Charakteristik. Die Trockenheit und die Hitze sorgen für so viel eingekochte Kirsche in der Nase, reichlich, dicht, süße rote Kirsche, süße schwarze Kirsche und Zwetschge, aber nichts Überreifes, einfach nur wuchtig, voluminös und hoch intensiv. Rosenblätter darunter, kaum Veilchen, kaum Lakritze, sondern nur ein Hauch. Wir bleiben in der kirschigen Wucht, langsam kommt ein bisschen Cassis und süße Maulbeere hinzu. Gott, was für eine Fruchtorgie in der Nase. Die Balance stellt sich dann im Mund ein und das ist auch gut so, ansonsten wäre es ein reiner, dicker Fruchtsaft. Im Mund kommt deutlich Salz, deutlich das Kalkstein-Terroir, Lehm, Sand, also auch Feinheit. Aber dieser salzige Terroirabdruck unter diesem Kirschsaft, der immer noch massiv spürbar ist, schafft eben den Ausgleich. So wird aus diesem üppigen Kirschsaft sogar ein feiner Wein mit feiner, heller holländischer Lakritze, auch hier die Blumigkeit, aber wir gehen weg von reinen Rosenblättern, hin auf etwas Jasmin, auch Kräuter der Provence. Der Wein braucht ein paar Jahre Zeit, 2018 hätte ich viel fertiger erwartet, aber man sieht hier, dass es ein großer Wein ist. Ich könnte mir vorstellen, dass er sogar irgendwann an 2015 und 2016 vorbeizieht, weil er neben der Üppigkeit und diesem massiven, aber total samtig und seidigen Tannin eben auch diese mineralische Struktur hat, die diesen Ausgleich schafft. Das ist und wird ein Top-Wert. 95/100

Lobenberg: Die Cépage ist 50% Cabernet Sauvignon, 45% Merlot, 5% Petit Verdot. Diese etwas südlich von Margaux gelegene Appellation war 2018 wieder begünstigt, da es hier wie in Moulis Hitze und Trockenheit braucht, da Listrac eben in schwächeren Jahren häufig katastrophal schlechte Weine macht - zu viel Lehm mit Kies-Sand. Aber in großen, meist warmen Jahren wie 09, 10 und 15 wirklich strahlen kann. Fonreaud ist in warmen Jahren sogar ein richtiger Hammer, 2018 ist ja nun wieder genauso ein Jahr und da laufen wir hier zu Hochform auf. Die kühle des Terroirs schafft dann sogar einen perfekten Ausgleich zu der trockenen Hitze. Ganz cleane Nase, satte schwarze Kirsche, wunderschöne Veilchen-Süße darunter, nur ein Hauch Lakritze, aber alles süß, weich, reif, unglaublich charmant in dieser unerwarteten Opulenz. Auch im Mund diese fast überreiche Frucht, aber es ist nicht volatil, es ist nicht überreif, aber so schön ist sie, die massive Schwarzkirsche mit der Brombeere und dem Cassis. Alles ist reichlich vorhanden, ist hocharomatisch und schiebt, macht richtig Freude. Ein Wein zum Kauen mit sattem, samtigem Tannin. Fonreaud 2018 hat richtig Klasse und im Wissen um seinen tiefen Preis ist das eine Hammer-Empfehlung. Ich bin völlig baff, ich glaube Fonreaud 2018 muss ich unbedingt anbieten, weil es so viel Freude macht und für so wenig Geld so unglaublich viel Wein gibt. Der Wein braucht 3-5 Jahre, um diese enorme Fleischigkeit zu verdauen, um eine gewisse Eleganz neben der Wucht zu zeigen. Aber es ist sehr eindrucksvoll, was hier aus dem Glas kommt. 94-95+/100

Lobenberg: Chateau Charmail liegt ganz im Norden, der direkte Nachbar von Sociando Mallet, den er seit vielen Jahren überflügelt hat. Phelan Segur zur anderen Seite. Eine überwiegend auf Merlot basierende Cuvée, die in warmen Jahren mit zu dem Besten gehört, was das Haut Medoc zu bieten hat. Er ist in der direkten Verfolgerschaft mit Haut Maurac, du Retout, alle jagen sie der Spitze um Château Carmenère und Clos Manou nach. Auf jeden Fall ist das schon die Oberliga des Haut Médoc. Die Nase ist sehr schwarzbeerig, intensiv und reif, dabei ganz weich, die Lakritze ist sehr gemäßigt, die Veilchen sind nicht so sehr drückend, leichte Rosenblätter. Eine schöne Süße ausstrahlend, aber eben auch eine gute Feinheit in den Tanninen signalisierend. Ein wirklich schicker, toller, aromatischer Mund, die Augen ziehen sich zusammen ob der Intensität und gleichzeitig dieses viele Salz und diese Länge. Kirsche, Cassis und Brombeere bleiben sehr fein, nichts wird zu fett, zu üppig, der Wein ist ganz reif, aber nicht überreif. Der Alkoholgehalt, der sicherlich hoch sein wird in diesem Jahr ist nicht zu spüren, die Balance ist da. Das ist ein Charmail, der ein würdiger Nachfolger der großen Weine aus 2010 und 2016 ist. Der vielleicht ob seiner Reife und seiner Intensität noch besser werden mag, der noch mehr Wucht aufbauen wird. Für Charmail ein großer Wein, eine Ode an die Freude und an den hedonistischen Genuss in dieser Opulenz. 95+/100 

Lobenberg: Dieses Top-Weingut mit 10.000 Stöcken pro Hektar und der totalen Merlot-Ausrichtung war mal ein richtiger Geheimtipp. Dann haben sie aber neu gepflanzt und dadurch zu viele junge Reben im Ertrag gehabt. Mal sehen ob sie in 2016 zurück sind in der Spur. Früher war Sociando mal der absolute Primus des Haut Medoc, sogar noch vor La Lagune und vor allen Dingen vor den neuen Tops Carmenère, Charmail und Haut Maurac, Clos Manou. Aber 2016 war Sociando Mallet zumindest schon mal wieder sehr anständig. Ein Weingut, welches wahnsinniges Potenzial hat, als direkter Nachbar von Charmail, absolute Dichtpflanzung mit über 10.000 Stöcken mit sehr kleinen Stockerträgen. Der 2018er zeigt sich reif, mit schwarzer Frucht, intensiv, etwas stark extrahiert, etwas viel Holz, aber in sich stimmig, nichts Grünes, wie in manchen Jahren davor. Der Wein passt und hat trotzdem keine Größe, ich finde er gehört nicht in die erste Reihe des Haut Médoc, obgleich ich ihm attestiere, dass er sehr ordentlich ist. 92-93/100 

auf Chateau d’Aiguilhe

Die Appellation Pessac mag sich als Primus herausstellen. Drei ganz große Weine mit Carmes Haut Brion, Domaine de Chevalier und Pape Clement. Danach der erstaunlich gute rote Fieuzal und der oben schon erwähnte Pontac Monplaisir. Ich erwarte heute Abend bei der Verkostung noch Großes von Seguin, wenn die Appellation schon so gut ist, wird Seguin sicher vorne mitschwimmen.
Nur wenige Muster aus Saint Julien hab es hier, Beychevelle war der Superstar vor dem unerwartet üppigen, fast fetten, aber schwer beeindruckenden Leoville Barton.

Carmes Haut Brion

Lobenberg: Die Weinberge liegen direkt neben Haut Brion, besseres Terroir in der Appellation gibt es nicht. Zwischenzeitlich war das Weingut im Besitz der Familie Chantecaille und wurde von Didier Furt geleitet. 2010 wurde es an eine Investorengruppe um Patrice Pichet verkauft, dieses große Terroir weckt nun mal Begehrlichkeiten. Guillaume Pouthier wurde zum Direktor ernannt und Stéphane Derenoncourt ist seit mehreren Jahren beratend tätig. Das einzig Negative, was sich über diese traditionell bereiteten, klassischen, tiefen und komplexen Weine sagen lässt, ist, dass es leider immer viel zu kleine Mengen von ihnen gibt. Seit Jahren und ganz speziell in 2018 wird hier ein Teil der Trauben unentrappt mitvergoren. Aber in einer anderen Form als üblich, im burgundischen Stil, das heißt die Trauben werden zunächst komplett entrappt und dann werden die ganz gesunden, sehr reifen, braun-rötlichen Stile wieder hinzugegeben. Natürlich spontan vergoren, biologische Weinbergsarbeit, schwefelfrei bis nach der Malo. Les Carmes Haut-Brion ist nun seit einigen Jahren einer der Top-Werte in Pessac-Léognan, allerdings rar und immer teurer werdend. Die Nase verblüfft mich insoweit, als ich kurz zuvor Pontac Monplaisir verkostet habe, ganz in der Nähe gelegen, gleiches Önologen Team, gleiches Verfahren. Intensiver Kirschsaft in der Nase, hocharomatisch, fruchtig, Veilchen, aber viel mehr Rosenblätter dabei, tolle Süße anzeigend, üppige rote Kirsche, aber auch Schlehe, feiner Rauch. Ganz cleaner Kirschmund, mit einer wahnsinnigen Mineralität, Salzigkeit, Gesteinsmehl, aufgelöste Kirschkerne, die Dominanz der Kirsche, die Dominanz des burgundischen Stils ist schon verblüffend. Das ist der Stephane Derenoncourt Stil der letzten Jahre. Unendlich lang im Mund verbleibend, immer wieder hochrollend mit Salz und Kirsche, extrem fein und gleichzeitig profund, wuchtig und schiebend. Les Carmes ist im Grunde die etwas feinere Variante eines Haut Brion, stilistisch aber sehr ähnlich. Das ist ein großer Wein. 98-100/100

Lobenberg: Auf diesen Wein bin ich besonders gespannt, da ich neuerdings mit der Auskopplung aus diesem Chateau, dem Chateau Léognan arbeite. Einem wichtigen Teil der Domaine de Chevalier und alles ist bio – auf beiden Weingütern. Seit Jahren sind diese Weingüter auf dem Weg zur absoluten Spitze. Mit ähnlicher Sorgfalt wie der Weiße wird der Rote produziert. Mehrere Erntegänge garantieren, dass wirklich nur die optimal gereiften Trauben geerntet werden. Die Zukunft hat auf der Domaine de Chevalier jetzt ernsthaft begonnen, seit der bekannte Berater und Winemaker Saint-Émilions, Stephane Derenoncourt, als Consultant gewonnen werden konnte. Die Stilistik geht seitdem ganz klar in Richtung Feinheit, burgundischer Stil. Möglichst schwefelfrei in der spontanen Vergärung, komplett entrappt und spätere selektive Zugabe von reifen, ganz sauberen Rappen. Das ist eine im Burgund häufig geübte Methode, um sowohl Full-Bunch hinzubekommen, aber auf keinen Fall irgendwelche grünen oder vegetalen Aromen hineinzubekommen. Eigentlich das Optimum, um niemals grüne Einflüsse zu bekommen, aber dennoch die Frische aus den Rappen zu extrahieren. Die Nase ist noch deutlich feiner als die des zuvor verkosteten Les Carmes Haut Brion, geschliffener, burgundischer, viel feiner, dafür nicht ganz so opulent und so wuchtig und kraftvoll. Die Nase ist ein Traum, weil es einfach so kirschig, so fein, so burgundisch ist. Im Mund ein Ansturm an Salz und Mineralik, aber es bleibt unendlich fein, nur ganz feine, ganz helle Lakritze kommt hinzu, helle Milchschokolade und Kräuter der Provence. Das Ganze wird getragen, schwebend, tänzelnd. Das Jahr 2018 vermag ob seiner hohen Reife den grandiosen 2016er vielleicht sogar in den Schatten zu stellen, das ist ein extrem feiner, schöner Wein. Das ist das Burgund in Pessac-Léognan, ich bin total begeistert. Das macht große Freude, weil es so unanstrengend und so fein und burgundisch ist. Mancher Verkoster wird ihn nicht so hoch bewerten, weil er zu fein ist, weil er zu sehr einem Wein aus Vosne-Romanée ähnelt. Mir macht das große Freude. 97-99+/100

Lobenberg: Die im Süden von Pessac-Léognan liegende Domaine de Chevalier ist nicht nur für ihren exzellenten Rotwein, sondern gerade auch für den großen Weißen bekannt. Die 70% Sauvignon- und 30% Sémillon-Reben für den Weißwein werden im Ertrag streng reduziert und nur die absolut gesunden Trauben gelangen in den Wein, der 18 Monate auf der Hefe in Barriques liegt. Sehr reich und üppig in der Nase, voluminös, viel Wucht zeigend, fast massiver Mund mit viel Kraft, viel Holz. Die Frucht ist etwas breit, das Ganze ist sehr floral, scheinbar auch viel Alkohol, viel Druck, nachdem ich nun fast alle Weißen durchprobiert habe, glaube ich, dass 2018 einfach kein besonders gutes Weißweinjahr ist. Das ist zwar ein eindrucksvoller Wein, aber er hat nicht ansatzweise die Größe der letzten beiden Jahre. 94-95/100

Lobenberg: Mittlerweile ist Pape Clement im Besitz der Erben des französischen Dichters Paul Montagne. Die Weine, die heute unter Regie von Bernard Pujol und des Besitzers Bernard Magrez mit unterstützender Beratung von Michel Rolland aus den über 50 Jahre alten Reben entstehen, sind sehr beeindruckend, dicht, kraftvoll, stoffig und lang. Sowohl der Rotwein als auch der extrem rare Weißwein gehören inzwischen in die absolute Oberliga des Médoc, qualitativ, aber jetzt leider auch preislich. Jetziger Besitzer von Pape Clement ist Bernard Magrez, der inzwischen viele Weingüter (auch das 4ème Cru La Tour Carnet) zu seinem Imperium zählt. Die Jahre 2015 und 2016 hatte Pape Clement den Durchbruch von den früher so extrahierten Weinen der Jahrgänge 09, 10, 11 und 12 hin zu großer Feinheit. Ein richtiger Paradigmenwechsel hat hier stattgefunden. Auf diesen Wein war ich besonders gespannt, direkt davor kamen Les Carmes Haut-Brion und Domaine de Chevalier. Kann ein manchmal zu extrahierter Pape Clement diese Feinheit halten, habe ich mich gefragt. Die Nase ist dahingehend auch nicht ganz so kirschig ausgerichtet, wie die der davor genannten burgundisch-feinen Weine, wir sind hier etwas extrahierter. Auch etwas schwarze Frucht kommt hinzu, Brombeere, Cassis, aber insgesamt ist das schon fein mit einer leichten Veilchen-Note, etwas Lakritze, versammelt, etwas verschlossen. Das merkt man auch im Mund, hier wurde deutlich stärker extrahiert, aber es ist nicht über den Punkt. Die Tannine sind massivst, aber sie bleiben seidig und geschmeidig. Der Wein ist vielleicht nicht ganz so samtig und süß wie seine direkten Kontrahenten, dafür ist er eben sehr extrahiert. Die Tannine sind etwas vordergründiger, der Wein zeigt unglaublich viel Kraft, aber gleichzeitig auch große Feinheit. Die Kraft hindert ihn aber daran in der Finesse zu den burgundischen Feinheiten Carmes Haut-Brion und Domaine de Chevalier aufzuschließen. Ein superber Wein allemal, ein bisschen stark extrahiert und ein bisschen streng und maskulin, wenngleich das sicher gewollt ist vom Besitzer. Nicht mein Stil aber dennoch sicher allererste Reihe. 97-99+/100

Lobenberg: Fieuzal steht leider seit vielen Jahren im Schatten der immer besser werdenden Nachbarn. Eigentlich, genau wie der Weißwein des Hauses, ein sicherer Wert mit hohem Charmefaktor, aber nie die allererste Reihe. Die Lese der Trauben von den durchschnittlich 30 bis 50 Jahre alten Rebenstöcken erfolgt ausschließlich per Hand. Der Ausbau aller Weine von Chateau de Fieuzal erfolgt zu 50 % im neuen Barrique. Seit 2007 leitet Stephen Carrier das Château. Die Appellation Pessac-Léognan hat es im Jahr 2018 vielleicht als eine der herausragenden Appellationen geschafft eine große Homogenität zu zeigen. Auch Fieuzal Rouge ist extrem gelungen, allerdings nicht ganz auf dem Level eines Domaine de Chevalier oder Carmes Haut Brion. Doch die schöne Reife ist auch hier vorhanden. Ein sehr harmonischer Wein, fein auf der Frucht bleibend, schön unterlegt mit einer Mineralität, feines Salz. Er hat bloß einfach nicht ganz die Klasse und die absolute Feinheit der Tops, aber es ist ein wirklich ausgesprochen schöner Wert und für Fieuzal ein toller Erfolg. 94+/100

Lobenberg: Mitte der 80er trat das Gut mit seinen bemerkenswerten Weißweinen, die heute inzwischen immer zu den qualitativen Top 10 Bordeaux gehören, in Erscheinung und die Roten begannen langsam die Komplexität und Dichte zu erreichen, die sie heute auszeichnet. Die Lese der Trauben von den durchschnittlich 30 bis 50 Jahre alten Rebenstöcken erfolgt ausschließlich per Hand. Der Weißwein von Chateau Fieuzal ist eigentlich immer der angesagtere Wein als der Rotwein, und es ist ein sicherer Wert in der mittleren Oberklasse der Weißweine von Pessac Léognan. Seit 2007 leitet Stephen Carrier die Geschicke des Weingutes. Reife Nase mit sehr reifer Netz- und Honigmelone, üppige Birne und recht deutliches Holz, insgesamt etwas zu breit rüberkommend. Auch im Mund fehlt ihm der Kick, wahrscheinlich ist der Sémillon die Dominante in diesem Jahr, aber insgesamt fehlt mir das Spiel. Vielleicht ist auch 2018 kein ideales Weißweinjahr im Bordeaux, wirkt zu müde, zu breit. 93/100

Beychevelle

Lobenberg: Mit 90 Hektar Rebfläche, von denen allerdings nur 77 zum Saint-Julien zählen, gehört Château Beychevelle zu den großen Châteaus im Bordeaux. Sorgfalt und Qualität leiden aber nicht unter dieser Größe: Die Lese von Hand, das sorgfältige Sortieren und anschließende Entrappen und das Aussondern des Pressweins sind Standard auf Château Beychevelle. Das ist ein ganz besonderes Weingut aus dem Lafitte-Imperium. Beychevelle kann in guten Jahren ein archetypischer Saint Julien sein, mit einer gewissen Sonderstellung in Sachen Sexappeal. In 2018 sind wir hier hochreif und dennoch enorm fein bleibend, in der Nase verblüffend fein zwischen all den reifen Blockbustern die es im Médoc dieses Jahr gibt. Der Wein zeigt eine unglaubliche Leichtigkeit. Die Nase zeigt etwas Schwarzkirsche mit roter Kirsche darunter, er hat die klassischen Eigenschaften. Vielleicht auch ein bisschen Lakritze, Veilchen und Rosenblätter. Und trotzdem bleibt er spielerisch leicht im Mund mit seidigen Tanninen und hoher Mineralik, sehr salzig, sehr lang. Das Tannin ist in Massen vorhanden, aber es bleibt spielerisch, es bleibt leicht, der Wein tänzelt. Er wird dennoch einige Jahre im Keller brauchen, um diese hohe Reife zu verdauen, ist aber dann sicher einer der absolut besten Saint Juliens, weil er eben so verspielt bleibt, weil er so seidig in seinen Tanninmassen bleibt. Ein tänzelnder, mozart-artiger Wein mit viel Reife, opulenter Frucht darunter, das passt sehr gut. Ein Wein für die Freude. 97-99+/100

Lobenberg: Der Merlotanteil ist mit 20% erstaunlich niedrig, der Wein ist eindeutig Cabernet-dominiert. Die Vinifikation erfolgt 2 bis 3 Wochen in temperaturgeregelten Holzfässern, der Ausbau in bis zu 50% neuen Barriques. Wie in schwierigen Jahren sind die ehemals zusammengehörenden Leoville Weingüter wie Einäugige unter den Blinden und häufig auch zusammen mit Ducru die Oberklasse der Appellation. Auch weil hier extrem vorsichtig gearbeitet und wenig extrahiert wird. Der Wein muss in dieser 2018er Verkostung über eine hohe Hürde, denn ich habe davor Beychevelle probiert und das war eine Offenbarung. Leoville Barton kommt logischerweise und wie meist mit einer etwas eindimensionalen, dafür reicheren Frucht daher, unglaublich viel Schwarzkirsche, nur ein Hauch Cassis darunter. Satte, superweiche Tanninmassen, da schiebt ganz viel aus dem Glas. Auch im Mund geht es echt reif zur Sache, so aromatisch, aber so intensiv, dass sich die Augen zusammenziehen. Feine Mineralität zeigend, feine Frische aus der ganz reifen Frucht, grandiose Länge, der Wein verbleibt für Minuten, nimmt alles ein, drückt, schiebt durch den Mund, mit Tanninmassen, zwar samtig und seidig, aber eben sehr viel. Ich weiß es nicht, ich kann es am Muster nicht sehen, doch ich würde auf hohen Alkohol tippen, der allerdings gut zu diesem Gesamtgefüge passt. Das ist ein Leoville Barton, der ganz weit weg ist von der Eleganz des 16ers, der mit einer im positiven Sinn so eigenwilligen, wuchtigen Fruchtfülle daherkommt. Ein Blockbuster, der aber total weich und samtig bleibt, der Freude macht, aber doch von allem verdammt viel hat. Ein Riese auf den man warten muss, er wird jedoch immer ein kleines opulentes Monster bleiben. 98-99+/100 

Die Appellation Margaux zeigte mit Rauzan Segla einen der besten Weine dieser Show. Potenzielle 100 Punkte und knapp vor Malescot Saint Exupery, klarer dann vor Giscours. Sehr erstaunlich und fast ganz groß die Neuentdeckung Confidence de Margaux, ein 2 Hektar Weingut des Dominique Befve, Regisseur von Lascombes mit Weinbergen neben Palmer und Rauzan.

In Saint Estèphe war Chateau Meyney sogar vor dem großartigen Phélan Segur ein Mega-Highlight. Schwarz, rund, üppig, fruchtstark, unglaublich beeindruckend und für ein langes Leben geeignet. Ich glaube, dass Phelan und Meyney den besten Wein ihrer Geschichte erzeugt haben.

Phelan Segur

Lobenberg: Rauzan Segla und Giscours, die beiden Verfolger von Margaux und Palmer der letzten zwei Jahre. Dieser 2eme Cru bringt 120.000 Flaschen des Grand Vin und dieselbe Menge Zweitwein von etwas über 50 Hektar Rebfläche hervor. Die Bestockung ist um die 40 Jahre alt und hat etwas mehr als 50% Cab. Sauvignon, knapp 40% Merlot und ein bisschen Cab. Franc und Petit Verdot dazu. Die Barriques werden jedes Jahr zu mehr als der Hälfte erneuert. Seit Jahrzehnten schraubt das Weingut nun konstant an der Qualitätsschraube, super cleanes Lesegut, neue Edelstahltanks zur Vergärung und strikteres Arbeiten haben Rauzan schon länger wieder in die Reihe der absoluten Top-Weingüter aufsteigen lassen. Rauzan Segla scheint mir jetzt sogar ein Highlight in der Verkostung zu sein, denn er ist nicht ganz so reif wie Giscours, Malescot und andere. Die Nase ist feiner, wir sind mehr bei der Schwarzkirsche, als bei der fetten Brombeere, und dem Cassis. Wir haben feine Rosenblätter, etwas weniger Veilchen, insgesamt kommt die Nase sehr fein, zwar schwarzfruchtig, aber schwebend rüber. Auch der Mund zeigt diese feine, hohe Aromatik, ja das ist ein richtiges Highlight in dieser Margaux Verkostung. Der Wein ist üppig und reif, wuchtig, mit viel Tannin, aber zugleich samtig und seidig. Aber gleichzeitig ist dieser Rauzan Segla fein, schwebend, voller Harmonie. Mit einer Leichtigkeit, die in diesem Meer reifer Margaux Weine herausragt. Auch rote Frucht zeigend, spielerisch, mehr Seidigkeit als Samt im Tannin, bei wunderbarer Länge. Das ist für mich der Top-Wert in dieser Margaux Verkostung, ich finde das ist ein großer Wein 97-100/100 

Lobenberg: Château Malescot St. Exupery ist seit den 50er Jahren im Besitz der Familie Zuger. Die 23,5 Hektar Rebfläche sind mit 50% Cabernet Sauvignon, 35% Merlot, 10% Cabernet Franc und 5% Petit Verdot bestockt. Seit 2003 ist das von Michel Rolland betreute Edel-Weingut in der Vinifikation "state of the art". Direkt nach Giscours und vor Rauzan Ségla probiert. Noch deutlich süßer als Giscours, aber nicht so extrem auf Power getrimmt, eher weich, mit sehr viel schwarzer Kirsche, süßer Brombeere. Lakritze und Veilchen nicht so wuchtig und übermäßig rüberkommend, sondern das Ganze ist fein unterlegt. Auch schöne schwarze Schokolade, die aber süß ist. Weich, duftig, fruchtig, rund mit satten, samtigen Tanninmassen bereits in der Nase. Der Mund ist deutlich intensiver, sehr hohe Mineralität, sehr viel Salz, aber auch viel Holz. Jetzt sind wir schon eher bei Giscours, aber vielleicht einen Hauch feiner, dennoch wuchtig, kraftvoll, mit viel Power. Margaux ist eine echte Power-Appellation im Jahr 2018. Mit diesem üppigen Fett, mit diesem hohen Alkohol, aber die Weine sind durchgängig sehr reif, das macht sie auch angenehm und das ist das Schöne. Wenn man wuchtig-üppige Weine aus 2018 sucht, ist die Appellation Margaux sicherlich die allererste Adresse. Ich erkenne an, dass das ein ganz großer Wein ist, aber mir persönlich ist die Appellation in diesem Jahr einfach ein bisschen zu viel. 97-99+/100

Lobenberg: Ein 90 Hektar großes Weingut in Margaux. Typische Garonne Kiesböden. Tiefe, gute Drainage. Dichter Kies mit etwas Lehm. 50% Ausbau im neuen Holz, 50% im gebrauchten, reine Spontanvergärung. Es ist der gleiche Besitzer wie bei Chateau Du Tertre in Margaux. Der Regisseur ist Alexander van Beek. Hier wird enorm viel im Weinberg investiert und Giscours ist seit 2008, vielleicht sogar seit 2005, einer der engsten Verfolger der Spitze. Das Weingut gehört immer zu den Top 5 und liegt mit Rauzan-Segla und Malescot St. Exupery fast immer gleichauf. Mit dem Jahrgang 2015 und 2016 dann vollständig aufgeschlossen zur Oberliga und zu den direkten Verfolgern von Margaux, Palmer und Rauzan Segla gehörend. 2018 zeigt sich reich, dicht, mit Rosenblättern und Veilchen, viel schwarze Frucht, viel Schwarzkirsche, süße Maulbeere, fein, rund, dann kommt Cassis. Das passt gut, das schiebt, die Tannine sind reichlich, aber samtig. Der Mund ist mindestens so massiv wie die Nase, hohe Intensität, hier allerdings mehr Süße, mehr Lakritze, mehr Cassis, satte Veilchen Aromatik, so süß, so intensiv, sehr viel Schub. Hochextrahiert, eine ziemliche Wuchtbrumme, ein ziemlicher Kracher. Die Appellation Margaux ist 2018 schon eine ziemliche Wucht, aber kommt überhaupt nicht an die große Feinheit der Weine von Pessac Léognan heran, mir ist das im Grunde ein wenig zu reif, zu schwarz, zu dicht, zu würzig, von allem zu viel. Das Ganze ist hochreif, mit hohem Alkohol, der allerdings durch den hohen pH-Wert relativ moderat gezügelt wird. Aber Giscours ist einfach ein ziemlicher Kracher, ich erkenne an, dass das ein großer Wein ist, aber stilistisch gefällt mir diese riesige Wucht nicht so sehr, dieses fast Fette in der Üppigkeit. Dennoch Riesenstoff. 95-96+/100 

Lascombes

Lobenberg: Normalerweise finde ich Lascombes scheußlich, denn der Wein ist immer total extrahiert und deshalb bitter. In 2018 ist Lascombes zwar auch wieder stark extrahiert, aber nun überhaupt nicht bitter, die Frucht ist so unglaublich reif, üppig, zeigt neben Brombeere eben auch viel süße Maulbeere, viel süße Lakritze, auch etwas konfitürig, Feige. Im Mund leichte Exotik, sehr süße schwarze Kirsche, dichter, schwarzer, nicht zu süßer Saft mit Schokotörtchen. Lecker, aber wuchtig. Ich kann mir vorstellen, dass dieser Wein, wenn man ihm 10 Jahre Zeit gibt eine ausgesprochene Delikatesse wird. Lascombes ist 2018 ein bisschen auf den Spuren von Meyney aus St Estèphe und erstmalig seit unzähligen Jahren eine Empfehlung. Allerdings fehlt es ein wenig an Finesse, um in die vordere Reihe zu kommen. Der Wein ist nicht fein genug, aber in seiner schwarzen Wucht ohne Härte durchaus eine Empfehlung. 95-96/100

Lobenberg: Das Château zählt zu den ältesten im Médoc und wurde 1662 gegründet. Heute leitet Anne Le Naour das Weingut als technische Leiterin und wird beraten vom Önologen Hubert de Bouärd. Ähnlich wie bei Petrus sind die Untergrundböden von blauen Lehm durchzogen, der seine Farbe durch den Eisenanteil erhält und gleichzeitig berühmt ist für die exzellente Drainage. Der Erstwein liegt zwischen 18 und 24 Monaten im Holz. Doch nur zarte 40% werden jedes Jahr erneuert. Somit fährt Meyney voll auf der Eleganzschiene. Die 51 Hektar Rebanlagen von Château Meyney sind zu 65% mit Cabernet Sauvignon bepflanzt. Dann folgen 25% Merlot und ein wenig Petit Verdot, was eher atypisch für Saint-Estèphe ist. Hier war 2015 und 2016 schon grandios, daher bin ich besonders gespannt auf diesen Wein, da er so ein wunderbarer Wein im Preis-Leistungs-Verhältnis ist. Und 2018 unterstreicht das zumindest in der Nase erneut. So üppig und reich, viel schwarze, aber auch rote Kirsche dabei, kaum Cassis, leichte Rosenblätter, leichte Lakritze, nichts Fettes, nichts Übermäßiges, sondern schwebend. Im Grund ein bisschen Pomerol-artige Feinheit in einer in der Nase suggerierten Merlot-Dominanz. Der Mund trägt einen hinfort mit seiner wahnsinnigen Aromatik. Gott, ist Meyney eine Wuchtbrumme im Mund, aber er ist trotzdem nicht fett, er ist nur wahnsinnig intensiv. Üppigste schwarze Kirsche, Maulbeere, Brombeere und Cassis, Lakritze, Veilchen, auch ein bisschen Jasmin, Rosenblätter. Und trotzdem, das mag man kaum glauben bei dieser Aufzählung, ist der Wein nicht übermäßig fett, nicht überbordend süß. Die Tannine sind eher seidig denn samtig, das Ganze bleibt spielerisch trotzdem dieser Üppigkeit. Das macht schon während der Fassprobe große Freude, ein grandioser, schicker Wein. Die Frische kommt aus der Reife der Frucht, nicht aus der hohen Säure, alles tanzt in finessereichem Spiel umeinander. Der Wein braucht ein paar Jahre, um diese Üppigkeit ein wenig zu mildern und zu verdauen, aber dann ist es ein grandioser Meyney für die Ewigkeit, ein super Wein und best-ever, wohl DAS Preis-Leistungs-Highlight der Appellation. 97-98/100

Lobenberg: Der Ire Frank Phélan vereinte Anfang des 19. Jahrhunderts die beiden bis dahin unabhängigen Güter „Clos de Garramey“ und „Château Ségur“ zu einem Anwesen, dem malerisch gelegenen Château Phélan Ségur. Das Anwesen umfasst 65 ha. Die Reben sind im Durchschnitt 45-50 Jahre alt. Phelan Segur hat in den letzten 10 Jahren unheimlich viel in die Weinberge investiert. Michel Rolland ist hier Consultant, was dazu führt, dass im Weingut mehr auf die Reife gesetzt wird. Dies Reife erreicht man allerdings nicht ohne eine dichtere Pflanzung und mehr biologische Weinbergsarbeit. Auch wird selbstverständlich per Hand gelesen. Die Beeren werden komplett entrappt und nochmals mit einer optischen Sortiermaschine nachsortiert. Nur die wirklich reifen Beeren kommen letztlich in die Kelter. Der Ertrag pro Pflanze sinkt von Jahr zu Jahr. Phelan Segur hat als Regisseurin, neben dem Besitzer Thierry Gardinier, seit 5 Jahren Veronique Dausse mit im Boot. Sie kam aus der Champagne und hat hier wirklich die Hosen an. Eine wirklich qualitätsversessene Person. Weinberge, die nicht der Perfektion entsprechen, gehen in Zweit- und Drittweine. Phelan Segur ist seit Jahren der engste Verfolger von Calon Segur hinter den Superstars Cos und Montrose. In jüngster Zeit muss Phelan sich auch etwas mit Meyney messen lassen, der so stark aufgeholt hat. Die Nase ist hochreif, lakritzig, Cassis, Brombeere in süßer Form, aber ganz weiches Tannin in Massen. Ein schöner klassischer Mund, ganz reif, aber auch mit viel Terroir, viel Salz, viel Mineralik und wunderbare Länge in dieser sehr reifen, schwarzen und roten Frucht, aber wir sind eher bei der schwarzen Frucht. Das Tannin ist seidig und samtig, der Wein ist lang, aber insgesamt deutlich schlanker als z.B. ein Meyney, deutlich klassischer und maskuliner in der Ausrichtung, deutlich mehr in Richtung Calon Segur gehend. Das ist ein sehr stimmiger, großer Phelan Segur, vielleicht der beste Phelan bisher. 96-97+/100

Lobenberg: Obwohl Chateau Palmer offiziell nur ein 3eme Cru ist, liegt er qualitativ oft weit darüber. Es gab 2018 wegen des Mehltaus nur 11 Hl/ha Ertrag bei diesem Biodynamiker. Die Cépage 2018 ist 53% Cabernet Sauvignon, 40% Merlot, 7% Petit Verdot. Die Rebsorten sind ziemlich normal in dieser Verteilung, Palmer hat immer einen etwas höheren Merlotanteil, aber es gab eben diese starken Ausfälle durch Mehltau. Es wurde alles sauber ausgelesen, sodass der finale Blend extrem clean ist. Es gibt nur einen Erstwein in diesem Jahr, kein Alter Ego. Es gab durchschnittlich nur eine einzige Traube Ertrag pro Stock, in der Regel nur die dem Stock nächstgelegene hat überlebt, die häufig auch die beste ist. Palmer ist seit 2014 Demeter zertifiziert. Es wird natürlich alles spontanvergoren,  hierfür wird ein großer Tank mit eigenen Hefen zur Vorgärung angesetzt und auch hier wird inzwischen komplett schwefelfrei vergoren, erst nach der Malo folgt die Zugabe. Eine Methode, die sich bei Biodynamikern immer mehr durchsetzt und die einfach die Frucht deutlich sauberer erhält. Es wird komplett entrappt. Am Ende ist Palmer 2018 aus einer extrem konzentrierten, kleinbeerigen Ernte entstanden und diese Konzentration merkt man zwar in der hohen Reife und Dichte, aber gleichzeitig ist der Wein auch so unendlich fein. Verspielt schwarzkirschig, mit wunderbarer Feinheit im Mund, der Cabernet ist so reif, hinzu kommt Frische aus der reifen Frucht. Wir haben direkt davor Château Margaux verkostet und der war noch reifer, noch konzentrierter in der Frucht als Palmer, letzterer ist der deutlich feinere Wein. Für mich war Ch. Margaux der Bessere, weil eben so viel Frische aus dieser brutal reifen Frucht kommt, aber Palmer ist auch ein ganz großer Wein, das muss ich gestehen. 2016 war schon ein Riese, aber 2018 wiederholt das mit einer grandiosen Feinheit und dennoch mit einer extrem spannenden Konzentration, die man im ersten Anflug gar nicht bemerkt. Ein großer Wein, keine Frage. 99-100/100 

Graf Neipperg stellte hier auf der Händlerverkostung auf seinem Chateau d‘Aiguilhe natürlich alle seine Weine vor. Ich bin kein Fan von La Mondotte, aber 2018 war auf reinem Kalkstein mit ganz niedrigem PH und moderatem Alkohol unendlich reif und zugleich fein wie Tertre de la Mouleyre, ich muss 100 Punkte geben. Auch Canon La Gaffeliere und D‘Aiguilhe waren extrem gut und mit das Beste in ihrer Geschichte.

Lobenberg: Chateau d‘Aiguilhe ist eines der Weingüter von Stephan Graf Neipperg von Canon la Gaffelière. Ein hoher Anteil an Kalkböden mit Lehm-, Sand-, Kiesauflage. Im Weinberg wird vermehrt darauf gesetzt ganz dicht zu pflanzen und nur die eigenen Klone zu verwenden, also Selection Massale. 65 Hektar groß, ein Riese in Castillon, Bei d‘Aiguilhe wird komplett biologisch gearbeitet, es ist aber noch nicht zertifiziert. Inzwischen wird ein Anteil von 20% komplett bio bearbeitet, der Rest ist in der Umstellung. Stephan Neipperg versucht darüber hinaus, wie viele andere Biowinzer ebenfalls, den Einfluss von Kupfer drastisch zu reduzieren. Bekannt ist, dass Kupfer in Wirklichkeit die Fruchtbarkeit der Böden, Pflanzen und Tiere, sowie die Schalenstruktur der Beeren stark beeinträchtigt. Kupfer führt zu mehr Botrytis, und die physiologische Reife der Kerne weicht immer mehr vom Zuckergehalt des Saftes ab. Die Konsequenzen sind bekannt, bspw. an der südlichen Rhône, die Weine brauchen dort manchmal 16% Alkohol um in Kernen und Schalen überhaupt physiologisch zu reifen. Die Umstellung auf biologische Arbeit ist der wirkliche Weg der Zukunft. Zusätzlich weg vom Kupfer, hin zur besseren Harmonie. 2018 ist ein perfektes Castillon-Jahr, denn das kühlere Terroir mit der Basis von reinem Kalkstein, wie in St Émilion, das aber auf Grund der Entfernung zum Ozean deutlich kühler ist, braucht Wärme und die gab es 2018 reichlich. Schöne dichte, reiche Schwarzkirschnase, ohne zu fett zu sein, durchaus fein. Auch im Mund wie schon in den letzten 3 Jahren nicht mehr überextrahiert, sondern einfach sehr fein, sehr stimmig. Reif, aber nichts Überreifes, nichts Volatiles, einfach ziemlich perfekt auf den Punkt getroffen. Es fehlt vielleicht ein bisschen Sexappeal von schöner Frucht, zu sehr auf der schwarzen Kirsche, dennoch in sich sehr stimmig. Ein sehr guter Castillon und sicherlich nahe der ersten Reihe. 94+/100

La Mondotte

Lobenberg: Ein weiteres Weingut aus der Gruppe rund um Besitzer Stephan Graf von Neipperg. Direkt oberhalb von Château Tertre Roteboeuf gelegen, auf dem Kalksteinplateau, eine der besten Lagen Saint Émilions. Die Weine auf dem Kalkplateau haben in 2018 ungewöhnlich tiefe pH-Werte durch den Kalkstein. Das heißt die Weine erscheinen sehr frisch und der Alkohol ist nicht spürbar. Dieser La Mondotte ist in der Nase unglaublich fein, tänzelnd, mit schwarzer und roter Kirsche, sehr burgundisch, aber mit guter Fülle, quasi eine Art Richebourg. Alleine schon das Riechen ist eine Ode an die Freude, alles tänzelt, alles ist kirschig fein und duftig. Und auch im Mund ein reiner Kirschsaft, zerdrückte Kirschkerne dazu, Salz, Kalksteinmineralik, lang, intensiv und dennoch ultra-fein. Ich erinnere mich gar nicht mehr in welchem Jahr La Mondotte mal die 100 Punkte bei Parker hatte, aber ich glaube 2018 kann dessen würdiger Nachfolger sein. Das ist grandios in dieser Feinheit, dabei frisch und zugleich hochreif, kirschig, mit leichtem Lakritze-Cassis-Unterbau, nur ein Hauch Brombeere. Aber die große Zartheit und die große Verspieltheit sind klar die Dominanten. Das ist ein Wein wie wir ihn in ähnlicher Art auf Tertre de la Mouleyre hatten. Unendlich fein und trotzdem profund und tief. Großer Stoff, da gibt es gar kein Vertun. 98-100/100

Lobenberg: Canon La Gaffeliere Saint Emilion 2018 Château Canon La Gaffeliere 1er Gr.Cr.Cl.B
Chateau Canon la Gaffelière gehört seit seiner Übernahme durch Stephan von Neipperg ganz sicher zu den Stars des Saint Emilion. Der größte Teil seiner 19 Hektar Rebflächen liegt auf flachem Gelände mit lehmigen Sandböden am Fuß der Hänge. Den größten Qualitätssprung machte Chateau Canon la Gaffelière nach 1997, als es Graf Neipperg gelang, den talentiertesten und heute wahrscheinlich besten Berater und Önologen Saint Emilions, Stephane Derenoncourt, für seine Güter zu gewinnen. In diesem Gut braucht es, wie bei Oratoire auch, eine gewisse Wäre, um zur Klasse aufzulaufen, andererseits wird es auch problematisch, wenn es zu heiß wird, hier ist man schon ziemlich auf gutes Wetter angewiesen. Dann kann es aber groß werden. Das kleine Nachbarweingut Petit Gravet Aine trifft es in der Regel etwas besser. Die Nase ist traumhaft, weil sie eine so große Feinheit zeigt, weil sie gar nicht diese leichte Überreife zeigt, die ich erwartet hatte. Sondern feine, fast helle Schwarzkirsche, feinste Lakritze darunter, verspielt. Kaum Veilchen, traumwandlerisch in seiner kirschigen Verspieltheit. Im Mund deutlich tiefer, deutlicher intensiver, deutlich mehr Schub, reife Aromatik, aber nichts Überreifes. Hier hat man das schon ziemlich gut getroffen. Schwarze Kirsche, Brombeere, Cassis, alles zu vermählen in reichlichen, aber seidigen Tanninen. Das Ganze ist schon sehr stimmig, hier passt alles. Ich fand zwar, dass es durchaus noch grandiosere St Émilions gab, aber ich attestiere diesem Canon La Gaffelière zu den Besten der Geschichte zu gehören. Das ist ein ausgesprochen guter Saint Emilion. 97-98/100

Stephan von Neipperg

Die Weißweine aus 2018 waren etwas problematisch. Weder Carbonnieux noch Fieuzal noch Larrivet konnten an die Vorjahre heran. Extrem gelungen waren erstaunlicher Weise die Weine des leider gerade verstorbenen Denis Dubourdieu. Sein Önologenteam zeigte blitzsaubere Reynon und Clos Floridene Blanc, reine Sauvignon Blanc ohne jede Grasigkeit, allerbester Bordeaux-Stil. Sogar sein Süßwein, der Doisy-Daene vom Kalksteinfelsen Barsacs, blies alle Sauternes weg. Sensationell aromatisch und vibrierend lebendig, mit 100 Punkten aus Barsac hatte ich echt nicht gerechnet.

Carbonnieux blanc

Lobenberg: Dieser Wein ist die Benchmark im gehobenen Supermarkt-Bereich für weiße Bordeaux, aber nach Clos Floridene genossen hat er, obwohl er preislich darüber liegt, nicht den Hauch einer Chance. Er ist zu breit, zu aromatisch, er hat keine Länge und die Mineralität bleibt hinter der weichen Holzigkeit und der Üppigkeit zurück. Ein guter weißer Bordeaux, aber nichts Großes. 92/100

Lobenberg: Mitte der 80er trat das Gut mit seinen bemerkenswerten Weißweinen, die heute inzwischen immer zu den qualitativen Top 10 Bordeaux gehören, in Erscheinung und die Roten begannen langsam die Komplexität und Dichte zu erreichen, die sie heute auszeichnet. Die Lese der Trauben von den durchschnittlich 30 bis 50 Jahre alten Rebenstöcken erfolgt ausschließlich per Hand. Der Weißwein von Chateau Fieuzal ist eigentlich immer der angesagtere Wein als der Rotwein, und es ist ein sicherer Wert in der mittleren Oberklasse der Weißweine von Pessac Léognan. Seit 2007 leitet Stephen Carrier die Geschicke des Weingutes. Reife Nase mit sehr reifer Netz- und Honigmelone, üppige Birne und recht deutliches Holz, insgesamt etwas zu breit rüberkommend. Auch im Mund fehlt ihm der Kick, wahrscheinlich ist der Sémillon die Dominante in diesem Jahr, aber insgesamt fehlt mir das Spiel. Vielleicht ist auch 2018 kein ideales Weißweinjahr im Bordeaux, wirkt zu müde, zu breit. 93/100 

Lobenberg: Dieser 2018er von Denis Dubourdieu wird inzwischen von seinen Söhnen verantwortet, die nach seinem Tod das Weingut zusammen mit Clos Floridene weiterführen. Die Önologin ist Madame Levigne, die gleiche, die zuvor mit Denis arbeitete. Sie hat eben schon viele Jahre mit Doubourdieu zusammengearbeitet. Dieser reine Sauvignon Blanc aus der AC Bordeaux stammt wie gesagt aus dem Reich der Familie Dubourdieu. Das ist eigentlich seit vielen Jahren immer der perfekte Einstiegs-Bordeaux in Weiß. Ein Muss in der Gastronomie, auch der perfekte Terrassenwein, ein archetypischer Sauvignon Blanc, sehr fein, ohne jegliche Grasigkeit oder Stachelbeerigkeit. Ganz im Gegenteil, wir haben eher Melone, reife gelbe Birne mit schöner Länge und hoher Aromatik, auch eine leichte Muskatnote, das macht ihn extrem lecker. Der Wein ist einfach ein Must-Have im Einstiegsbereich von weißem Bordeaux. 91-92/100 

Lobenberg: Dieser Wein des 2016 verstorbenen Denis Dubourdieu ist eigentlich immer der perfekte Einstiegs-Sauvignon Blanc in Graves. Zusammen mit Fieuzal und Smith Haut Lafitte hat man die ganze Aromatik- sowie Preisrange ausgeschöpft. Den besten Einstieg, das beste gehobene Mittelfeld, mit hoher Aromatik, und den besten Sauvignon Blanc. Es geht meines Erachtens nach nur um diese drei Weine, deswegen laufe ich auch nur hinter diesen dreien her, obwohl ich die anderen immer probiere. Dieser Wein schafft es ob seiner hohen Intensität der Frucht durchaus in die Phalanx der Top-Weine Carbonnieux, La Louvier bis hin zu Fieuzal einzubrechen. Das ist ein wahnsinniges Preis-Leistungs-Verhältnis. Der Sauvignon ist superclean und fein, keine Stachelbeere, nur feine Melone, weiße Birne, dazu schönes Zitronengras, eine salzige Mineralität darunter. Man hat durchaus nicht nur Frische, sondern auch mineralische Untertöne und eine ganz feine, nur minimale Holznote, das passt sehr gut. Toller Wein 93-94/100 

Doisy Daene (süß)

Lobenberg: Das Weingut des leider zu früh verstorbenen Denis Dubourdieu. Die Kalkböden des Barsac ermöglichen vielleicht sogar die interessanteren, zumindest feineren und finessenreicheren Weine. Wirkliche Konkurrenz zu den deutschen Beerenauslesen entsteht mit Chateau Climens, Doisy Daene und Nairac nur im Barsac und auf d'Yquem in Sauternes. Eine üppige, süße Nase, wie man sie erwartet, aber daneben gibt es auch ein paar Bitterstoffe. Durchaus eine schöne Aromatik im Mund. Der Kalkstein der Appellation Barsac tut das Übrige, um den Wein spannend zu halten. Das ist schon tänzelnd, das macht schon Freude. Das ist gar nicht so breit, wie ich nach den etwas zu breiten, trockenen Weißweinen befürchtet hatte. Aber die Weingüter der Familie Dubourdieu lieferten mit Reynaud und Clos Floridene auch im trockenen Bereich noch mit die spannendsten Weine ab. Ein Beleg dafür, dass dieses Önologen-Team mit einem solchen Jahrgang umgehen kann, Doisy Daene ist wirklich schick, lang, verspielt. Tolle Mango, Orange und Zitronengrasnoten, feines Salz dabei, sehr verspielt. Extrem lecker, aber dennoch fein und vor allen Dingen tänzelnd. Das ist wirklich schicker Stoff in all seiner Süße, das macht richtig Spaß. 97-99/100

Und dann der Besuch bei Denis Darriet von Chateau Seguin. Das Kleinod südlich von La Mission Haut Brion. Aus der 2018 so gut anschneidenden Appellation Pessac. Das Terroir ist historisch und in Büchern belegt identisch mit Haut Brion. Der Wein ist in seiner hohen, salzigen Mineralität und dem hohen Extrakt und der berstenden Frische von Frucht eine Offenbarung. Auf dem Niveau des großen 2016ers. In seiner Art des „von allem zu viel“ und in dieser mineralischen Explosivität ein Kandidat für den Wein des Jahres. Der muss viel länger auf die optimale Trinkreife warten als 2016. Mein Eindruck Pessacs als eine Super-Appellation des Jahrgangs 2018 wird mehr als gestützt.

Lobenberg: Besitzer ist seit 1987 die Familie Darriet, die Reben sind nun ca. 25 Jahre alt. Das Weingut liegt in der Nähe von Pontac Monplaisir, nicht weit entfernt von Château Haut-Brion. Die Böden hier sind sogar identisch mit denen der Nachbarn Haut-Brion und Mission Haut-Brion, das ist sogar in historischen Büchern so festgehalten. Es ist überwiegend sensationelles Kies-Terroir mit etwas Lehm und Sand. Das Weingut ist immer schon in Familienbesitz und hat ungefähr 30 ha, die mit über 7.000 Stöcken je Hektar dicht bepflanzt sind, eines der Erfolgsgeheimnisse. Denis folgt in seiner Ernte und seiner Auswahl für Erst- und Zweitwein mehr den Bodenformationen als anderen Kriterien. Alle Reben sind in etwa gleich alt, im Durchschnitt 25-30 Jahre alt. Die sandigen Böden gehen in den Angelot, der kein klassischer Zweitwein ist, sondern eben der Wein von den sandigen Böden. Die Top-Böden mit Lehm und Kies gehen in den Seguin. Es gibt in Frankreich eine neue staatliche Zertifizierung des Agrarministeriums, welches über ein 3-stufiges System die Umweltverträglichkeit attestiert. Stufe 3 ist das höchste erreichbare Level, für welches die Verwendung von Rohstoffen wie Plastik, Holz, Wasser, der Einsatz von Pestiziden, Insektiziden, Dünger und vieles weitere nach den höchsten staatlichen Richtlinien geprüft und zertifiziert wird. Im Grund ist das genau wie bei Demeter oder anderen Verbänden, nur das dies hier staatlich geschieht. Da Seguin schon lange überwiegend organisch und ressourcenschonend arbeitet, hat Seguin inzwischen mit dem Jahrgang 2018 die höchste Stufe 3 erreicht. Ab 2018 wird es daher ein neues zertifiziertes Rückenlabel für die Flasche geben. Die Cépage in 2018 ist 55% Cab. Sauvignon und 45% Merlot, der Alkohol liegt bei 14%. Der Wein wird zu 60% in neuen Barriques ausgebaut, der pH-Wert liegt bei 3.7. Die Nase dieses Seguin zeigt eine wunderschöne Reife, Backpflaume, schwarze Kirsche, nur feine Lakritze, Veilchen, sehr verspielt und getragen, langsam kommt auch etwas rote Kirsche. Insgesamt eine große Harmonie ausstrahlend, feiner Duft mit extrem feinem Tanningerüst in der Nase. Aber im Mund geht es dann richtig zur Sache mit extremer Mineralität, so viel Salz, so viel Gestein, Kalkstein, fast Schärfe zeigend aus der Mineralik, die nochmal deutlich höher ist als sie 2016 schon war und eine großartige Balance schafft zu dieser hohen Reife. Das mit dieser wirklich fast physisch spürbaren Säure, etwas an Zitronengras und Limette erinnernd, und dann diese salzige Schärfe, die für Minuten anhält. Dieser Seguin 2018 ist wie man so schön sagt ein Vin de Garde, ein großer achtungsgebietender Wein, der Zeit braucht. Der 2018 wird noch deutlich mehr Zeit brauchen, als der hochelegante 2016er, weil in 2018 von allem reichlich vorhanden ist. Reife Frucht mit einer deutlichen Dominanz bei der Kirsche, in der schwarzen Kirsche, darunter dann diese ungeheuren Tanninmassen, die aber total seidig und fein sind und noch ein guter Touch Toasting vom neuen Holz. Hochintensiv und dennoch fast schlank bleibend, fast filigran, aber weil alles belegt wird und alles immer wieder hochrollt, weil von allem irgendwie zu viel ist, ist es dennoch gleichzeitig eine Art Blockbuster. Ein Blockbuster der Feinheit, der bitte mindestens 5 Jahre, besser etwas mehr, weggesperrt gehört. Ein Wein, der sich dann finden wird, der Eleganz und Kraft verkörpert, der im Grunde stilistisch noch mehr als 2016 eine Art La Mission Haut-Brion ist. Gnadenlos gut, aber auch gnadenlos jung. Ich hätte nach dem schicken, feinen und zugleich großen 2016 einen viel üppigeren, runderen Wein hier erwartet, aber 2018 zeigt sich so gnadenlos mineralisch, zusammen mit dieser sehr reifen Frucht. Dieser Wein wird Jahrzehnte halten und braucht wirklich viel Zeit zur Entwicklung, das Potenzial ist riesig. Fast ein wenig maskuline Züge in dieser Mineralität, fast ein wenig irgendwo an Pape Clement erinnernd mit Zügen eines Pauillac. Der Wein hat zwar Charme in der reifen Frucht, aber eben noch sehr viel mehr Anspruch in der Mineralität und in der Power, die unter allem schlummert. Der Wein hat eine so viel größere Frische und Mineralität, im Gegensatz zu den meisten anderen bisher probierten Weinen aus Pessac Léognan, von denen die meisten eine Wärme gezeigt haben. Das sorgt nicht nur für große Verblüffung, sondern sorgt auch für den großen Unterschied. Unglaublich präzise, geradeauslaufend mit einer wahnsinnigen Frische und eben dieser hohen Mineralität. Da es das gleiche Terroir ist wie bei Haut-Brion, bin ich sehr gespannt, wenn wir dort hinkommen. Das muss ja ähnlich großes erwarten lassen. Seguin 2018 ist groß, lang, dicht und ein Wein für die ewig lange Reise. 100/100

Lobenberg: Besitzer ist seit 1987 die Familie Darriet, die Reben sind nun ca. 25 Jahre alt. Das Weingut liegt in der Nähe von Pontac Monplaisir, nicht weit entfernt von Château Haut-Brion. Die Böden hier sind sogar identisch mit denen der Nachbarn Haut-Brion und Mission Haut-Brion, das ist sogar in historischen Büchern so festgehalten. Es ist überwiegend sensationelles Kies-Terroir mit etwas Lehm und Sand. Das Weingut ist immer schon in Familienbesitz und hat ungefähr 30 ha, die mit über 7.000 Stöcken je Hektar dicht bepflanzt sind, eines der Erfolgsgeheimnisse. Denis folgt in seiner Ernte und seiner Auswahl für Erst- und Zweitwein mehr den Bodenformationen als anderen Kriterien. Alle Reben sind in etwa gleich alt, im Durchschnitt 25-30 Jahre alt. Die sandigen Böden gehen in den Angelot, der kein klassischer Zweitwein ist, sondern eben der Wein von den sandigen Böden. Die Top-Böden mit Lehm und Kies gehen in den Seguin. 2016er ist 60% Cabernet Sauvignon, 40% Merlot. Dieser Wein wird in einer etwas anderen Cépage als der Hauptwein zusammengestellt und von ganz speziellen Terroirs von Seguin gewonnen. Also selektionierte Top-Böden des allgemeinen Seguin Terroirs gehen in diese Mikro-Cuvée, die ähnlich vinifiziert, aber länger im Holz ausgebaut wird. Es gibt nur rare 2000 Flaschen. Das ist der Versuch das Beste des Besten aus dieser relativ großen Anlage von Seguin herauszuholen und mit dieser Mikro-Cuvée auch in der Außendarstellung der direkte Konkurrent von Haut-Brion zu werden. Das ist das erklärte Ziel. Was unterscheidet diesen Wein nun vom normalen Seguin 2016? Durch den etwas längeren Ausbau ist er etwas weicher, er ist weiter entwickelt, nun weniger auf der salzigen Mineralität laufend, er hat mehr Rundheit und Körper entwickelt. Man kann es sich vielleicht ein bisschen so vorstellen wie eine Spezial-Cuvée von Vina Tondonia oder Vega Sicilia, einfach eine weichere, rundere, üppigere und entwickeltere Version eines Seguin. Der Wein kommt auch später auf den Markt. Ich finde den Wein weder besser noch schlechter als Seguin, nur deutlich üppiger und voller, kraftvoller. Er ist schon deutlich weiter entwickelt als der normale Seguin, wenn er auf den Markt kommt und ist generell vom Ansatz her das Beste vom Besten. Aber noch einmal, für mich macht diese Mikro-Cuvée keinen riesigen Unterschied gegenüber einem ohnehin schon außergewöhnlichen Wein. Trotzdem ist er mindestens auf dem gleichen Level wie der absolut geniale 2016er Seguin und er ist ein toller Wein für die Opulenz. 98-100/100

Sonntag, 31. März

Händlertag bei Ulysses Cazabonnes

Händlertag bei Ulysses Cazabonnes auf Chateau Rauzan Segla. Mehr als 300 Muster des Jahrgangs 2018. Ein echter Kampf, harte Arbeit, aber ein Kernpunkt der jährlichen Verkostung. Hier macht man Meter, aber klar ist auch, dass die direkten Besuche der Domainen manchmal bessere Proben ermöglichen.
Appellation Moulis und Listrac: Diese zwei tendenziell zu kühlen Gemeinden sind in trocken-warmen Jahren in der ersten Reihe des Haut Medoc zu finden. Branas Grand Poujeaux aus Moulis ist groß, best ever, der 95 Punkte Star aus Moulis, reif und samtig dicht. Fonreaud aus Listrac, auch best ever, bestätigt die Form von vor zwei Tagen.

Lobenberg: Der unter 10 Hektar große Nachbar von Poujeaux, nunmehr seit einigen Jahren, vielleicht sogar seit 2009, der Primus Inter Pares in dieser Appellation. Poujeaux hat zwar unter Stephan Derenoncourt zwischenzeitlich deutlich aufgeholt, aber der Winzling Branas ist wieder vorbeigezogen. Weit vorbei an dem inzwischen zu einer Karikatur verkommenen Chasse Spleen. Poujeaux und Branas Grand Poujeaux sind Nachbarn, aber der Ertrag bei Branas liegt tiefer, man ist auch noch nicht ganz so weltweit verbreitet wie Poujeaux, das ermöglicht dann die Ertragsbeschränkung. Reife schöne, schwarzfruchtige Nase, sanftes Tannin. Im Mund kommt auch rote Frucht dazu, feine Kirsche, eine schöne Frische zeigend, Schwarzkirsche, rote Kirsche, leichter Cassis-Hauch, zarte Lakritze, wenig Veilchen. Das Ganze nicht zu üppig werdend, sondern extrem fein im massig vorhandenen und feingeschliffen Tannin. Aber diese Seidigkeit, diese Verspieltheit bleibt. Das ist ein extrem schöner Wein aus Moulis und er gehört auf jeden Fall in die vordere Reihe hier, wenn man mal Moulis dem Haut Médoc hinzuzählt. 93-94/100

Lobenberg: Die Cépage ist 50% Cabernet Sauvignon, 45% Merlot, 5% Petit Verdot. Diese etwas südlich von Margaux gelegene Appellation war 2018 wieder begünstigt, da es hier wie in Moulis Hitze und Trockenheit braucht, da Listrac eben in schwächeren Jahren häufig katastrophal schlechte Weine macht - zu viel Lehm mit Kies-Sand. Aber in großen, meist warmen Jahren wie 09, 10 und 15 wirklich strahlen kann. Fonreaud ist in warmen Jahren sogar ein richtiger Hammer, 2018 ist ja nun wieder genauso ein Jahr und da laufen wir hier zu Hochform auf. Die kühle des Terroirs schafft dann sogar einen perfekten Ausgleich zu der trockenen Hitze. Ganz cleane Nase, satte schwarze Kirsche, wunderschöne Veilchen-Süße darunter, nur ein Hauch Lakritze, aber alles süß, weich, reif, unglaublich charmant in dieser unerwarteten Opulenz. Auch im Mund diese fast überreiche Frucht, aber es ist nicht volatil, es ist nicht überreif, aber so schön ist sie, die massive Schwarzkirsche mit der Brombeere und dem Cassis. Alles ist reichlich vorhanden, ist hocharomatisch und schiebt, macht richtig Freude. Ein Wein zum Kauen mit sattem, samtigem Tannin. Fonreaud 2018 hat richtig Klasse und im Wissen um seinen tiefen Preis ist das eine Hammer-Empfehlung. Ich bin völlig baff, ich glaube Fonreaud 2018 muss ich unbedingt anbieten, weil es so viel Freude macht und für so wenig Geld so unglaublich viel Wein gibt. Der Wein braucht 3-5 Jahre, um diese enorme Fleischigkeit zu verdauen, um eine gewisse Eleganz neben der Wucht zu zeigen. Aber es ist sehr eindrucksvoll, was hier aus dem Glas kommt. 94-95+/100

Stéphane Dief von Clos Manou

Medoc und Haut Medoc: Clos Manou ist mit 97-100 einer der großen Weine des linken Ufers. Der Nord-Medoc Nachbar Carmenere liegt nur minimal dahinter, Du Retout, Doyac und Haut Maurac folgen auch mit 94 oder 95 Punkten. Selbst Belle-Vue ist zusammen mit Sociando Mallet und La Lagune nur knapp dahinter. Ein tolles reifes Jahr für Medoc und Haut Medoc.

Berater Marco Balsimelli und Richard Barraud

Lobenberg: Dieses kleine Weingut liegt im äußersten Norden des gesamten Medoc Gebiets, weit nördlich von Saint Estèphe. Der Nachbar ist Chateau Haut Maurac. Clos Manou wird vom Besitzer Stéphane Dief persönlich bearbeitet. Zwar in einer nicht zertifizierten, aber extrem biologischen Weinbergsbearbeitung mit winzigen Erträgen, Dichtpflanzung (über 10.000 Stöcke pro Hektar). Ertrag pro Pflanze unter 500 Gramm, winzige Träubchen, sehr tief und nahe am Stamm. Wenn man die Arbeit im Keller sieht, die Stephan durchführt, wird einem schwindelig ob dieses wahnsinnigen Einsatzes. Er hat spezielle Rütteltische zur Entrappung, inzwischen sogar optische Nachsortierung der Trauben. Die Gärung erfolgt im Beton und Holz, Ausbau zum Teil auch in Betonamphoren. Hier wird nichts unversucht gelassen. Stephan ist ein echter Fanatiker der Qualität. Und wäre es nicht Haut Medoc sondern Pauillac, wären seine Weine, zusammen mit Pontet Canet, immer im 100-Euro-Bereich. Das ist seit vielen, vielen Jahren großes Kino und wird auf Grund der Randlage und zahlreicher "nur Etikettentrinker" total unterbewertet. Clos Manou kann man seit den Jahren 09, 10 und vielleicht schon ab 05 nicht mehr mit den normalen Vergleichsmaßstäben des Médoc und Haut Médoc werten. Wer schon mal auf dem Château war, wer gesehen hat wie in dieser Dichtbepflanzung mit den winzigsten Erträgen pro Stock einfach diese extrem feinen Finesseweine gewonnen werden, die gleichzeitig diese irre Spannung aufweisen, der nimmt Abschied von der Klassifikation von Bordeaux. Es geht nicht um alteigesessene, große Namen, es geht um Rebenbestand, die Böden und die Arbeit. Die Cépage des 2018ers lautet 52% Cab. Sauvignon, 38% Merlot, 5% Cab. Franc und 5% Petit Verdot. Sehr feine Nase, die eine verblüffend hohe Reife aufweist, mit sehr geschliffenem Tannin, eher zur schwarzen Frucht gehend, etwas Lakritze und Veilchen darunter. Aber wenig süß, eher ganz fein getragen. Und dieses reife Jahr 2018 führt überhaupt nicht dazu, dass Stéphane Dief irgendetwas Fettes in die Flasche zaubert, aber es führt dazu, dass der Wein eine wahnsinnige Spannung hat. Wir haben hier wie bei den allerbesten Weinen dieses Jahr eine Frische aus der hohen Reife, mit so viel Frucht, so grandioser Dichte. Tannin in Massen, aber total seidig, nichts beißt, nichts zwickt. Und trotzdem ist alles sehr präsent, sehr lang, und zugleich unendlich fein. Gleichzeitig diese konzentrierte Wucht aus sehr kleinen Beeren, aber das entscheidende ist, dass trotz dieser Unmengen an schwarzer und roter Beerenfrucht, diese unglaubliche Spannung aufsteigt. So komplex, dicht, sehr athletisch. Auch im Mund fast mehr eine Implosion als eine Explosion, der ganze Gaumen zieht sich zusammen, die Zunge rollt sich, die Augen werden schmal, das ist so unglaublich hyperkonzentriert und dicht und trotzdem nicht fett. Totale Balance und Harmonie und dabei eine wahnsinnige Spannung aufweisend aus der vornehmlich schwarzen Frucht, Brombeere, Schwarzkirsche, wenig Cassis, alles durchgegoren, nichts ist süß, alles ist unendlich fein. Trotz immenser Tanninmassen wie noch nie zuvor, mehr als 2016, mit diesem wahnsinnigen Druck und der gleichzeitig großen Feinheit. Bei diesem Wein spürt man einfach die irre Konzentration des Jahrgangs. Der Wein erinnert mich ein wenig an den einen Tag zuvor verkosteten Château Beychevelle aus Saint Julien, der auch unglaublich fein war. Das sind Belege dafür, dass man auch in einem so reichhaltigen Jahr wie 2018 sowohl famose, üppige Schönheiten, wie auf Château Meyney, als auch strahlend schicke Weine, wie in 2016 mit dieser unendlichen Finesse, erzeugen kann. Und genau das gelingt hier auf Clos Manou, lang, schön und ultrafein dabei. Das wird ein unglaublicher Langläufer, das ist besser als je zuvor und es kann problemlos mit in der Topliga der klassifizierten Weine mithalten. 97-100/100     

Lobenberg: Dieses kleine Weingut mit rund 30 Hektar ist in der südlichen Region des Haut Medocs direkt an der Grenze zu Margaux gelegen. Seit 2005 eines der führenden Weingüter im Haut Medoc, aber preislich immer eines der Günstigsten. Das Superschnäppchen schlechthin. Der Ertrag pro Hektar liegt bei circa 45 Hektoliter. Es gibt etwas über 100.000 Flaschen. Der Überwiegend maschinell geerntet, weil es einfach sehr viel schneller geht und man so den Erntezeitpunkt perfekt einplanen kann, gerade in einem Jahr wie 2018 ein großer Vorteil, mit Handlese klappt das kaum bei 30 Hektar. Hier wird eine Erntemaschine benutzt, die bereits direkt nach dem Ernten eine komplette Entrappung der Trauben durchführt. Darauf folgt eine weitere Sortierung auf der Maschine, die Grünteile und Blätter herausselektiert, sodass recht cleane Beeren im Weingut ankommen. Dort wird auf dem Rüttelpult nochmals nachsortiert, der nur eine gewisse Beerengröße durchlässt und alle anderen Teilchen außer Beeren fernhält. Danach geht das Ganze nochmal über ein Laufband an dem viele Mitarbeiter per Hand erneut nachsortieren bis das Lesegut nahezu perfekt ist. Das ist schon eine enorm aufwendige Sortierarbeit, die hier vorgenommen wird. Danach kommt eine kalte Vorfermentation unter Schutzgas mit 4 Grad für 6 bis 10 Tage. Es folgt eine langsame Fermentation unter 26 Grad mit Überpumpen. Die Gesamtzeit auf der Schale beträgt bis zu 28 Tage bei 28 Grad. Der Wein reift danach komplett in Barriques, davon ein Drittel neu. Die Reifezeit beträgt zwischen 12 und 15 Monate. Die 2018er Cuvée besteht aus 60% Cab. Sauvignon, 28,5% Merlot, 11,% Petit Verdot. Der Alkohol liegt bei moderaten 13.5% und der pH bei 3.89. Du Retout liegt wie bekannt im Grunde quasi fast in der Gemeinde Margaux, direkt am Rand gelegen. Und so ist der Charakter von Du Retout auch immer im Margaux Stil. 2018 war Margaux extrem reif, oft überreif, extrem voll, samtig, kraftvoll, üppig, fast fett. Das betrifft die ganze Appellation und so eben auch das direkt am Rand liegende Weingut Du Retout. So ist die Bezeichnung Haut Médoc hier auch völlig missverständlich, denn es gibt so andere Stilistiken, wenn wir oben im Norden an Haut Maurac, an Charmail denken, wo es deutlich rotfruchtiger wird. Und da gibt es eben hier die Cru Bourgeois, die nahe an Margaux liegen, weiter südlich werden sie dann nochmal anders. Deshalb ist Haut Médoc sicherlich die heterogenste Appellation überhaupt mit 3 bis 4 ganz verschiedenen Stilistiken. Um es noch einmal deutlich zu sagen, Du Retout ist immer im Margaux Stil. Und so wundert es nicht, dass die Nase unglaublich voll, reich und üppig ist. Tanninmassen schieben sich aus dem Glas. Süße Maulbeere, Brombeere, viel Wucht aus Cassis und Veilchen, Rosenblättern, ganz weich, ganz reif, sehr aromatisch. Darunter kommt Hagebutte, Cranberry, Haselnuss. Der Mund ist genauso typisch Margaux wie die Nase, hat jedenfalls 2018 die gleiche Reichhaltigkeit. Der Mund ist immens üppig, hier aber deutlich mehr satte Schwarzkirsche, nur ganz langsam kommt Lakritze darunter, Veilchen, auch wieder Rosenblätter, viel Assam Tee. Dann kommen rote Kirsche und Cranberry, ganz feines Tannin, das dann immer mehr Kraft aufbaut, immer voller wird. Aber nichts ist jemals hart, nichts ist spröde, keinerlei Rustikalität, sondern nur eine üppige Weichheit und dennoch Struktur und Geradeauslauf. Noch einmal die Stilistik hier ist völlig anders als die der Superstars im Norden bei Ch. Carmenère, Haut Maurac und Doyac. Dies ist im Grunde so etwas wie eine eigene Appellation. Und innerhalb der südlichen Weine des Haut Medoc ist Du Retout für mich ganz vorne. In 2016 hatten wir den bisherigen Überflieger des Weingutes der neben der Üppigkeit auch diese wahnsinnige Eleganz hatte und unglaublichen Schliff. 2018 ist auf Grund der Reife des Jahrgangs stilistisch anders, noch üppiger, voluminöser, nicht besser oder schlechter, eben nur deutlich anders. Man kann ihn eher mit einem Ch. Deyrem Valentin aus Margaux vergleichen und da finde ich, dass er durchaus auf dem gleichen Level liegt und Deyrem ist deutlich teurer. Im Preisleistungsverhältnis sind die Appellationen Medoc und Haut Medoc zu unser aller Glück ein Underperformer, diese Weingüter bekommen nie ihren wahren Wert gezahlt, weil die Appellationen so groß und uneinheitlich sind. So lange das so ist wollen wir das mit Freude hinnehmen. 95+/100

Lobenberg: Chateau Retout ist ein Vorreiter für eine sehr kuriose Weißweincuvée, aber nur in allerkleinster Menge. Diese Cuvée wird auf nur gut 1,5 Hektar angepflanzt. Es wird eine überschaubare Anzahl von 10.000 Flaschen erzeugt. Hier wird per Hand und in zwei Durchgängen gelesen, was möglichst ist auf Grund der kleinen Anbaufläche. Es wird extrem aussortiert und manuell nachsortiert. Sowohl im Weinberg als auch auf dem Band. Die Pressung ist eine Direktpressung ohne Entrappung (Ganztraubenpressung). Dann wird das Ganze sofort gekühlt unter Schutzgas bei 4 Grad einige Zeit abgesetzt, aber völlig ohne Zugabe von Schwefel. Die spontane Gärung findet dann ca. 48h später nur im Barrique und in schmalen Holzfudern statt. Es gibt eine Bâtonnage innerhalb der ersten vier Monate. Die Lese für die Weißweine findet natürlich eher als für die Roten statt. Die Fermentation selbst dauert bis zu 24 Tage. Der Wein wird danach 9 Monate zu über 80% im Barrique ausgebaut. Diese sind zu einem Viertel neu. Der Rest bleibt im Stahl. Die 2018er Cuvée ist 40% Gros Manseng, 40% Sauvignon Gris, 10% Savagnin, 10% Mondeuse Blanche. Der Alkoholgrad liegt bei 13.5%, der pH bei 3.18, was schon auf die große Frische des Weines hindeutet. Dieser Wein ist ein Unikat in Bordeaux, völlig anders auf Grund der Rebsortenzusammensetzung. Und es ist natürlich auch ungewohnt im Medoc am Rande von Margaux einen Weißwein zu haben. Selbstverständlich hat auch Ch. Margaux einen eigenen berühmten Weißwein aus 100% Sauvignon Blanc, aber ansonsten sind es wirklich nicht viele. 2018 war das beste Jahr meiner Verkostungsgeschichte für den Pavillon Blanc von Ch. Margaux und ich weiß nicht ob es an der Region liegt dieses Jahr, aber Du Retout Blanc ist 2018 ein ähnliches Kaliber. Er ist zumindest gleichwertig zum unglaublich schönen, eleganten 2016er. 2018 ist etwas duftiger,  etwas mehr Muskateinfluss, aromatischer, viel gelbe und weiße Birne, Aprikose, fast an den Sauvignon Blanc von Ch. Margaux erinnernd. Ganz viel weißer Pfirsich, helle Melone, ein ganz leichter Hauch Mango und Papaya darunter, unglaublich fein und aromatisch. Manchmal denke ich, wieso geben Leute 100€ und mehr für einen Wein aus, wenn dieser extrem günstige Wein so eine wahnsinnige Aromatik hat. Okay ich gebe zu, im Mund ist es dann ein Unterschied, aber der ist auch gewollt. Wir haben durch diese Rebsorten Savagnin und Gros Manseng eine so große Eigenwilligkeit, einen so eigenwilligen Charakter. Da kommt ganz viel Feuerstein, da kommt Sancerre-artiger Silex, dann sind wir im Jura oder auch im Jurancon der Gros Manseng. Wir haben all diese Einflüsse dieser verschiedenen Regionen in diesen Rebsorten. Der Wein ist unglaublich komplex, feine Aromatik, aber intensiv, feine Bitterstoffe daneben, tolle Länge. Das ist ein wirklich unikathafter Wein mit einer genialen Aromatik und Geschmacksvielfalt. Aber noch einmal, kein Genießer sollte ihm mit der Erwartungshaltung eines klassischen weißen Bordeaux begegnen. Allerdings ist er auch kein Jurancon und kein Jurawein. Dafür ist er dann wieder zu kompatibel, denn er ist bei aller Extremität und Unikathaftigkeit immer auch unglaublich lecker, süffig, saftig und macht viel Freude. Aber den eigenwilligen Charakter muss man ihm einfach lassen und den muss man auch lieben. Das ist ein wirklich ganz superber Weißwein. 96+/100 

Doyac

Lobenberg: Château Doyac ist ein ganz kleines Weingut mit wirklich extrem arbeitenden Besitzern, im Grund so eine Art zweites Clos Manou. Spezielles Terroir mit reinstem Kalkstein, deshalb auch die spezielle Ausrichtung mit so viel Merlot, was sehr untypisch für das Médoc ist. Die Cépage 2018 ist 25% Cab. Sauvignon und 75% Merlot. Die Reben sind rund 25 Jahre alt und mit 7.000 Stock/ha in Dichtpflanzung angelegt. Das Weingut arbeitet biodynamisch, dementsprechend wird auch alles spontanvergoren, komplett entrappt. Hier wird zum Teil mit der Maschine gelesen, danach gibt es eine Laser-Selektion mit der Sortiermaschine. Der Ertrag lag bei 30 Hl/ha. Der Jahrgang 2018 wird Bio-zertifiziert sein, ab 2019 dann biodynamisch zertifiziert bei Demeter, obwohl dies auch 2018 schon gegeben war. Das Team von Boissenot um Marco Balsimelli steht als Berater zur Seite. Auch die Nase ist ungewöhnlich für 2018, so unglaublich fein, aber sehr konzentriert. Durch das spezielle Terroir hier im Médoc, direkt neben Saint Estèphe gelegen. Unglaublich reiche schwarze, dichte Kirsche in der Nase, mit feiner Süße wie aus Datteln, ein bisschen Blaubeere, Maulbeere, so wuchtig, so dicht, mit heller Lakritze, aber auch schwebend, voller Finesse. Ganz dicht, intensiv und hocharomatisch im Stil eines sehr reifen Margaux. Im Mund setzt sich diese unglaubliche Konzentration fort. Wir kriegen unglaublich viel unerwartete Schlehe und Hagebutte, eine unglaubliche Konzentration in heller Frucht, weiße Schokolade, und ganz viel helle Blüten bis hin zu Jasmin, Veilchen und Brombeere dazu. Eine unglaubliche Spannung aufzeigend. Der Wein ist in seiner Stilistik viel mehr bei der roten Frucht, was man bei Merlot ja so gar nicht erwarten würde. Das Tannin ist reif und total seidig. Der Mund erinnert mich total an Château Haut Maurac, auch dieser Haut Medoc ist gerade definiert, sauber, feine Eleganz zeigend, sehr verspielt, dazu eine schöne Länge und salzige Mineralität. Dieses Weingut muss ich unbedingt im Auge behalten, es war ein persönlicher Tipp vom französischen Superstar-Verkoster Quarin, durch den wir vor vielen Jahren auch Château Clos Manou entdeckt haben. Dieser Doyac ist so fein und verspielt im Nachhall, feiner noch als Haut Maurac, nicht besser aber feiner, total zart. Das könnte ein Pessac Léognan sein, so extrem geschliffen ist das superzarte, salzige Fruchtbild. Und trotzdem hat der Wein eine tolle Struktur. Wir haben diese drei Stilistiken der drei Tops des Medoc und Haut Medoc, Clos Manou der mit Max von Doyac sehr gut persönlich befreundet ist, dann Château Carmenère und jetzt Doyac, alle drei werden vom Team Boissenot betreut und dennoch ist es verblüffend wie unterschiedlich diese drei Weine sind. Und weiterhin ist es verblüffend, dass diese Weine ohne Probleme in die Reihe der klassifizierten Top-Weingüter einzuordnen sind. Nicht unter den Premiers Crus und den Super Seconds, aber direkt dahinter können sie allemal mitspielen. Superber Wein und der dritte im Bunde der drei Musketiere. 97/100   

Lobenberg: Haut Maurac ist ein weiteres Weingut von Olivier Decelle von Château Jean Faure. Es liegt ganz im Norden des Haut Médoc in direkter Nachbarschaft zu Chateau Clos Manou. Wir hatten hier in 2018 extrem gesundes Lesegut, es gab keine Probleme mit Mehltau, aber dennoch eine kleine Ernte. Die Cépage ist 60% Merlot, 40% Cabernet Sauvignon. Der Alkohol liegt bei moderaten 13.5%, der pH-Wert liegt bei 3.7, also mit einer für das Haut Médoc relativ milden Säure. Es ganz kleiner Teil von nachträglich selektierten, sehr reifen Rappen wurde der Spontangärung hinzugefügt. Der Ausbau erfolgt im neuen und gebrauchten Barrique, sowie ein wenig im größeren Tonneau. Seit vielen Jahren ist Haut Maurac nun einer der wichtigsten Verfolger des absoluten Primus im Haut Médoc, Clos Manou von Stephane Dieff, der ein solcher Extremist ist, dass er wohl im Médoc für immer eine Ausnahmeerscheinung bleiben wird, das kann man mit normalen Maßstäben nicht kopieren und erreichen. Aber Haut Maurac ist inzwischen schon vor Charmail, sicher vor Sociando-Mallet und auch vor dem super-teuren, klassifizierten La Lagune und somit der wahre Verfolger von Clos Manou. Die Nase ist trotz des kleinen Rappenanteils extrem sauber und puristisch, auch hier wird der gleiche Ansatz verfolgt wie bei Jean Faure. Anders als bei Jean Faure wird hier bei Haut Maurac schon in die Fermentation hinein recht früh Schwefel gegeben, weil das Traubenmaterial nicht so puristisch rein ist wie bei Jean Faure. Die Menge ist auch insgesamt deutlich größer und es wird ein Teil mit der Hand und ein Teil mit der Maschine gelesen, wie es hier so üblich ist, wenn man nicht gerade Château Clos Manou heißt. Auch der finale Blend wird hier nicht frühzeitig bis März vollzogen. Die Nase ist trotzdem verblüffend schön und für einen hohen Merlot-Anteil erstaunlich in der Rotfruchtigkeit. Rote Johannisbeere und frische Zwetschge sind die Dominanten, vor etwas Kirsche und Himbeere, dann kommt Schwarzkirsche, später auch etwas Brombeere hinzu, auch Sanddorn. Der Mund ist extrem aromatisch und obwohl durch den hohen pH-Wert die Anzeige geringer Säure offensichtlich ist, ist der Mund frisch. Die Länge und Intensität der Säure der roten Johannisbeere und der Kirsche wird unterlegt von weißer Schokolade und etwas Marzipan, ein Hauch von Griespudding unterlegt das Ganze auf eine sehr schöne, angenehme Art, gibt einen Kick dazu. Guter Nachhall, wunderbare Länge, das ist mehr als ein sehr schöner Haut-Médoc. Da bin ich mal gespannt was die anderen Tops Charmail, Clos Manou und Château Carmenère hier zeigen werden. Dies hier ist ein ganz sicherer Wert, ein perfekter Haut Médoc. 95+/100

Lobenberg: Chateau Belle-Vue aus dem Haut Medoc liegt genau am Rand der Appellation Margaux. Nur so ist auch der in seiner satten und weichen Vollmundigkeit einzigartige Stil erklärbar. Allerdings totale Konzentration auf den Merlot in diesem südlichen Medoc-Weingut, was in der Nähe von Cambon la Pelouse liegt, südlich der Appellation Margaux. Immer sehr üppig, wuchtig und extrem köstlich und reif in den, wie gesagt, warmen Jahrgängen. 2018 ist sehr schick geworden, ich hätte ihn eigentlich etwas fetter erwartet, aber er ist sehr elegant, sehr fein. Der Wein macht viel Freude, hat Länge, hat salzige Mineralität, ist überhaupt nicht überreif oder überfett, was ich befürchtet hatte, sondern ein hocheleganter, sehr schicker Haut Medoc. Nicht ganz in der Liga wie du Retout, Haut Maurac oder Clos Manou, aber wie oft gesagt, das Bessere ist der Feind des Guten. Dennoch ein genialer Wert. 93-94/100

Sociando Mallet

https://www.gute-weine.de/frankreich/bordeaux/haut-medoc/sociando-mallet/

Lobenberg: Dieses Top-Weingut mit 10.000 Stöcken pro Hektar und der totalen Merlot-Ausrichtung war mal ein richtiger Geheimtipp. Dann haben sie aber neu gepflanzt und dadurch zu viele junge Reben im Ertrag gehabt. Mal sehen ob sie in 2016 zurück sind in der Spur. Früher war Sociando mal der absolute Primus des Haut Medoc, sogar noch vor La Lagune und vor allen Dingen vor den neuen Tops Carmenère, Charmail und Haut Maurac, Clos Manou. Aber 2016 war Sociando Mallet zumindest schon mal wieder sehr anständig. Ein Weingut, welches wahnsinniges Potenzial hat, als direkter Nachbar von Charmail, absolute Dichtpflanzung mit über 10.000 Stöcken mit sehr kleinen Stockerträgen. Der 2018er zeigt sich reif, mit schwarzer Frucht, intensiv, etwas stark extrahiert, etwas viel Holz, aber in sich stimmig, nichts Grünes, wie in manchen Jahren davor. Der Wein passt und hat trotzdem keine Größe, ich finde er gehört nicht in die erste Reihe des Haut Médoc, obgleich ich ihm attestiere, dass er sehr ordentlich ist. 92-93/100 

Mit Familie de Pourtalès auf Chateau Doyac und Berater Marco Balsimelli

Superbe Ergebnisse und Entdeckungen im bezahlbaren Bereich waren die reifen Charmeure Du Glana aus Saint Julien, Deyrem Valentin aus Margaux, Chantegrive aus Graves und Fonbadet aus Pauillac.
Canon in Saint Emilion war hochreif im Stil von Tertre Roteboeuf, auch dieses ein Superstar mit bis zu 100 Punkten. Erstaunlich gut die sehr extrahierten aber reifen Faugeres und der große Peby Faugeres, nicht mein Stil, aber anzuerkennen.
La Fleur de Gay in Pomerol war erstmaligst nach über 10 Jahren wieder ganz oben. La Pointe gefiel mit 95 auch sehr.

Du Glana

Lobenberg: Obwohl nur als Cru Bourgeois klassifiziert nutzte "Du Glana" die ungemein günstige Gelegenheit, vom finanziell angeschlagenen 3ème Cru "Château Lagrange" (Heute wieder reich und angesehen im Besitz der japanischen Santori-Gruppe) 35 Hektar dazu kaufen zu können. Das katapultierte Du Glana von nur 5 auf satte 40 Hektar besten Reblands, leider ohne Mitnahme des "3ème Cru" Titels der Weinberge. Fast 7000 Reben (75 % Cabernet Sauvignon, 20% Merlot, 5% Petit Verdot) stehen auf jedem Hektar, das durchschnittliche Alter liegt bei über 30 Jahren. Die Reife des Jahres 2018 ist für Du Glana eine Offenbarung. Das ist ein wunderschöner Saint Julien, warm, reich, süß, und vor allen Dingen rotfruchtig. Satte, süße Kirsche, Sauerkirsche dazu, ein bisschen Himbeere, fast in der Art eines Cabernet Franc und dazu diese mineralisch-salzige Länge. Ein extremes Leckerli und ein archetypischer Saint Julien, er weist all das auf, was Saint Julien haben sollte. Moderates Holz, geschliffene Tannine, das ist kein Riese zum Niederknien, aber ein unglaublich saftiger, leckerer Wein, hochcharmant. Du Glana hat es 2018 echt auf den Punkt getroffen. 94-95+/100 

Lobenberg: Das winzige Gut liegt mitten in Margaux auf einem Sand- und Kieselplateau, also hervorragende Drainage. Das Durchschnittsalter der Reben liegt bei knapp 40 Jahren. Die Weinberge wurden in den letzten 25 Jahren stark überarbeitet, bessere Klone, höhere Pflanzdichte. Es ist im Besitz der Familie Sorge und wird häufig nicht beachtet, weil es nicht klassifiziert ist, aber seit Jahren ein Geheimtipp in der Appellation und oft auch ein Highlight. Hier werden immer extrem feine Weine erzeugt und das Preisleistungsverhältnis ist für Margaux außergewöhnlich. In der Regel das Superschnäppchen der Appellation, aber es bekommt eben ohne Klassifizierung niemals die Aufmerksamkeit um eine große Nummer zu werden. Dennoch im Grunde sowas wie Pontac Monplaisir in Pessac Léognan, unter dem Radar laufend. Margaux ist in 2018, wie schon mehrfach von mir ausgeführt, die Appellation für Power und das ist auch bei Deyrem Valentin so. Der Wein ist hochreif, sehr voll, Schokoladenküchlein, Brombeere, Maulbeere, Lakritze, schwarze Kirsche, auch leichte Konfitüre, etwas Feige. Das ist für so einen kleinen Wein schon ein ziemlicher Kracher in dieser typischen 2018er Margaux Üppigkeit, aber mit feiner Mineralität daneben, sodass die Balance stimmt. Und auch die Tannine sind geschliffen und fein, nichts tut weh, nichts ist überextrahiert. Ein guter Kompromiss zwischen der Üppigkeit des Jahrgangs und der Appellation und der Feinheit, die bei Deyrem immer erreicht wird. Der Wein braucht vielleicht 3-4 Jahre länger Zeit, als die Vorgängerjahre, wird dann aber ein wirkliches Preisleistungswunder darstellen. Das ist wirklich ein perfekter kleiner Margaux. 94+/100

Chateau Chantegrive Cuvee Caroline

Lobenberg: Dieses Weingut erzeugt einen Rot- und einen Weißwein. Diese Cuvée Caroline ist seit Jahrzehnten einer der besten Weißen in Graves und Pessac Léognan, immer auf der Höhe von Clos Floridene der Familie Dubourdieu. 2018 ist hier im Gegensatz zu vielen Weingütern in Graves hervorragend geraten, so war es auch bei Clos Floridene schon der Fall. Diese Weingüter, die etwas unter dem Radar der bekannten Weingüter segeln, die preislich viel spannender sind, haben es in 2018 besonders gut getroffen. Überhaupt nichts Grasiges, nicht typisch Sauvignon Blanc, sondern klassisch weißer Bordeaux, Mango, feine, gelbe Melone und Netzmelone, schöne Süße ausstrahlend, Birne, aber auch Zitronengras und feine, salzige Mineralität schon in der Nase. Das Holz ist moderat, ein bisschen neues Holz ist dabei, aber eigentlich eher als Stütze. Die extrem leckere Frucht ist auch hier wieder schön in der reifen, gelben Birne bleibend, Mango, dazu ein wenig Orangenzeste, Zitronengras, diese reife, gelbe Melone dazu. Hohe Aromatik, einfach ein leckerer Weißwein. Ein bisschen rund, aber das passt hervorragend zu diesem Jahrgang und unterstützt eben auch diesen saftigen Genussfaktor. Das ist kein Wein zum Anbeten, sondern genau wie Clos Floridene einfach ein extrem saftiger Genusswein zum Saufen. Tolles Preisleistungsverhältnis. 93/100

Chateau Chantegrive rouge

Lobenberg: Chantegrive ist ein Weingut, welches ich jetzt schon seit Jahren beobachte. Es hat einen sehr schönen Weißwein, der immer zu den besten weißen Bordeaux gehört. Aber der Rote ist seit Jahren im Aufwind und in einem so reifen Jahr wie 2018 müsste es hier gelingen einen großen Wein zu machen. Die Nase ist jedenfalls sehr reif und dennoch fein, große Üppigkeit und trotzdem eine feine rote Frucht darunter, auch ein bisschen gelbe Mango, mit süßer, roter Kirsche. Eine Feinheit, die auch die Appellation Pessac Léognan aufweist und Graves ist ja der südliche Anschluss. Der Mund ist ausgesprochen lecker und vor allen Dingen ausgesprochen üppig, mit satter roter Grütze, aber in richtiggehender Süße, süße Kirsche, Maulbeere, Brombeere, Cassis, süße Lakritze, aber dennoch nicht fett, dennoch fein bleibend, geschliffen und elegant. Auch lang und mit feinem Salz darunter. Das klingt jetzt wie ein großer Wein, doch nein, ein großer Wein ist das nicht, aber ein schöner Wein im Pessac Stil mit hoher Reife und hohem Genussfaktor. In 4 bis 5 Jahren wird das ein grandioser Charmeur sein in seiner Saftigkeit. Lecker Stoff. 93/100 

Fonbadet

Lobenberg: Fonbadet ist ein preislicher und qualitativer Konkurrent von Pedesclaux und seit Jahren in meiner Beobachtung. Manchmal ist das Weingut schöner und gefälliger, es ist weniger maskulin in der Ausrichtung und der Vinifikation. 2018 ist extrem fein, wunderbarer Schliff in den ultrafeinen Tanninen. Die Nase kommt so elegant rüber, schwarzfruchtig, die Lakritze ist nicht süß, das Schokotörtchen ist nicht so üppig, aber die schwarze Kirsche hat einen sehr eleganten Schliff. Darunter auch minimal Cassis und Brombeere, aber auch diese nicht süß, alles ist eher getragen, elegant. Auch der Mund ist ultrafein, toller Schliff, gar nicht Pauillac auf maskulin, fast nach Saint Julien rübergehend, dafür aber zu schwarz in der Frucht, es bleibt schon Pauillac, es ist eben ultrafein. Die Tannine sind seidig, reichlich vorhanden, aber nichts schmerzt. Einfach nur ein feiner, extrem saftiger, leckerer Pauillac, ohne die häufige Maskulinität. Um diesen Wein sollte ich mich bemühen, das macht echt viel Freude. Wenn der preislich interessant ist, dann ist das ein idealer Einstiegs-Pauillac. Zumal mir Pedesclaux dieses Jahr nicht so gut gefiel. 95-96/100 

Lobenberg: 22 Hektar auf dem Kalkstein-Plateau, unter leichter Sandauflage liegend. Der Zweitwein ist Croix Canon. Canon selbst ist wie gesagt 22 Hektar allerbestes Terroir. Canon muss sich nur noch mit Beausejour Duffau und Ausone messen. Spätestens seit 2015 ist Canon dann reiner Kult. So eine dichte, üppige Nase, satte Schwarzkirsche, süße Blaubeere und Brombeere, Maulbeere dahinter, feine Lakritze. Alles nicht zu viel, aber trotzdem mit viel Wucht und Üppigkeit kommend. Der Wein tendiert auch im Mund in die Hochreife, es ist eine Stilistik wie Tertre Roteboeuf, extrem reife Frucht mit der Frische aus der Reife. Das ist für Canon eigentlich eher untypisch, da Canon eigentlich eher poliert, geschliffen und fein ist wie ein Beausejour Duffau, den ich aber noch nicht probiert habe. Vielleicht ist 2018 überall auf den Kalksteinplateaus so ausgefallen. Der Wein zeigt auf jeden Fall eine unglaubliche lakritzige Süße, etwas Feige darunter, satte, süße, schwarze Kirsche, Maulbeere, immer wieder die Lakritze, auch Schokotörtchen. Dennoch auch rote Frucht darunter, Himbeere, Kirsche und Sauerkirsche in extremen Tanninmassen, üppig, samtig, aber geschliffen. Nichts tut weh, alle Eigenschaften kommen aus der süßen, reifen Frucht. Wie gesagt, etwas das wir auch bei Tertre Roteboeuf hatten. Die besten 2018er sind also dementsprechend hochreif und beherrschen die Kunst nicht über die Kante zu hüpfen und volatil zu werden. Das ist bei Canon auch perfekt gelungen, großer Stoff. 98-100/100

Lobenberg: Dichtpflanzung, Ertragsreduktion, biologische Weinbergsarbeit. Das alles auf bestem Kalksteinfelsen in der Nähe von Tertre Rôteboeuf, auf bestem Terroir also. An der Kante zu Castillon gelegen und normalerweise immer stark extrahiert. Der 2018er ist extrahiert, schwarz, dicht und sehr reif. Auch wuchtig im Mund, sehr extrahiert, extrem sattes Tannin, aber reif, rund, weich und samtig. Der Wein schiebt unglaublich, das ist nicht mein Stil, weil der Wein im Grunde so eine Wuchtbrumme ist, in so einem reifen und feinen Jahr. Daraus hat man einen Kraftbolzen gemacht, aber gekonnt. Der Wein ist auf den Punkt, nichts ist überreif oder gezehrt, das Tannin ist nicht spröde. Es ist nur von allem viel vorhanden. Aber wenn man ihm 6 bis 7 Jahre Zeit gibt, glaube ich schon, dass Faugeres eindrucksvoll zu trinken ist. 95-96/100

Lobenberg: Auch dieses Weingut gehört wie Ch. Faugeres Silvio Denz, einem Schweizer Investor, der einen Hang zu Krachern mit hoher Extraktion hat. Die 12 Hektar Weinberge von Chateau Peby Faugeres sind mit 70% Merlot, 25% Cabernet Franc und 5% Cabernet Sauvignon bestockt. Die Reben sind im Durchschnitt 30 Jahre alt. Aber wie bereits zu Ch. Faugeres geschrieben, war dieser in 2018 erstaunlich gut, trotz der enormen Extraktion. Bei der Toplage Peby kommt noch mehr Wucht aus dem Glas, alles ist schwarz, alles ist dicht, alles ist reif. Aber wie schon 2016 erkenne ich an, obwohl es nicht mein Stil ist, dass das ein großer Stoff ist. Extrem konzentriert, alle Regler nach rechts, aber auch die Frische ist groß. In der hochreifen Frucht schlummert große Frische, diese wahnsinnige Reife richtet den Wein nicht hin, sondern schafft eine neue Balance in diesem schwarzen Elixier. Satte Brombeere, Maulbeere, Schwarzkirsche, viel Lakritze, enorme Veilchenmassen, darunter Rosenblätter. Ein Powerteil der obersten Güte, wenn man denn so viel Power mag. Der Wein braucht 10 Jahre, aber auch nach 10 Jahren wird man sich die Flasche noch teilen müssen, weil es einfach so reichhaltig und dick ist, der Wein macht satt. Aber ich erkenne an, dass das großer, riesiger Stoff ist. 97-100/100

La Fleur de Gay

Lobenberg: Ein kleiner Boutique-Weinberg von La Croix de Gay. Sehr fein im Mund, fast nur schwarze Kirsche, aber so getragen, langsam kommt auch rote Frucht, für einen Pomerol ganz erstaunlich, fast mit Saint-Julien-artiger Frucht. Sehr gelungen, nicht nur lecker, sondern eben auch elegant in poliertem Tannin. Das ist eine wahnsinnige Schönheit, La Fleur de Gay war vor vielen Jahren schon einmal in der allerersten Reihe von Pomerol, dann lange in der Versenkung verschwunden, aber nun mit 2018 wieder groß. Was für ein Musterbeispiel für Eleganz, diese seidigen Tannine und vor allen Dingen dieser Spannungsbogen von roter und schwarzer Frucht und das in Pomerol. Das ist die große Eleganz, sehr schicker Stoff. 97-100/100

La Pointe

Lobenberg: Wie lange steht La Pointe schon im Schatten der großen Brüder wie La Conseillante oder Beauregard. Die berühmte Familie d'Arfeuille erzeugt hier sehr verlässliche Pomerol. Reife rote und schwarze Frucht in der Nase mit guter Harmonie. Angenehmer Mund, schöne Reife zeigend, deutliche Kaffeenoten vom getoasteten Holz, schöne Länge, elegant. Sehr pikant hintenraus mit salzigem Nachhall. Aber diese Fruchtkomposition aus rot und schwarz gefällt mir sehr gut. La Pointe 2018 ist für mich besser als es jemals war. Ein sehr harmonischer Wein mit viel Eleganz und einem wirklich spannenden Finish. Eine Delikatesse! 95-96+/100

Fazit der 180 Weine dieses Tages und Zwischenfazit nach 8 Tagen? Viele reife und feine Weine, manche überreif, manche überextrahiert, manche Weine sind trotz ihrer Üppigkeit einfach zu kurz. In Summe aber ist 2016 durchaus fein, lecker, reif, fruchtig und saftig, oft sogar ganz groß. In manchen Fällen ist 2018 sogar besser als 2016, der konzentrierte Charakter der seidigen Tannine ist ob des Liebreizes oft versteckt. Viele Genießer und hedonistische Gourmets und Gourmands werden 2018 dann auch ob seines berstenden Genussfaktors vorziehen. In Summe aber scheint mir 2016 konsistenter, und die tolle Mineralität und die große Länge mit der irren Finesse und Eleganz von 2016 ist für mich schwer zu schlagen. 2016 scheint mir im Moment komplexer. 2018 hat in der Trinkfreude und im Vergnügen durchaus aber auch viel Ähnlichkeit mit 1982, das ist dann schon sehr großes Kino. Was immer deutlicher wird ist die immense Konzentration des Jahrgangs 2018 aus sehr kleinen Beeren. Oft unterschätzt man die Größe der Weine, weil sie sich so lecker und angenehm verkosten lassen. Da sind eben auch viele “best-ever” für die Ewigkeit dabei.

Morgen, Montag ist der 1. April, hoffentlich kein Aprilscherz. Wir werden alle Premier Cru und Superseconds probieren. Da bin ich gespannt.

Montag, 1. April

Was sagte mein Freund Max Gerstl?: “Seit mehr als 35 Jahren der feinste Calon.” Die inzwischen mehr als 80% Cab Sauv. und Cab Franc machen den ultrafeinen Stil in einem wunderschönen reifen Jahrgang. Alles tanzt voller Finesse. Auch Chateau Capbern und der Zweitwein Marquis waren ein Traum, ich werde alle 3 Weine anbieten.

Chateau Calon Segur 3eme Cru

Lobenberg: Das Weingut hat 55 Hektar, davon 45 Hektar in Produktion. Der Generaldirektor ist Laurent Dufau und seit ewigen Zeiten ist der Weinmacher Vincent Mellet. Önologischer Berater und Superstar des Médocs, der alle Premier Crus berät, ist Eric Boissenot. Eric Boissenot ist bekannt dafür, dass er Frische im Wein erhält. Er erntet nie zu spät, nie in Überreife. Das ist eigentlich sein Markenzeichen. Das Ganze wird gepaart mit immer sehr niedrigen Erträgen pro Pflanze. Das heißt Dichtbepflanzung. Hier sind wir inzwischen auf 8.000 Pflanzen pro Hektar. Natürlich alles per Hand gelesen. Zusätzlich danach händische und mechanische Sortierung der entrappten Beeren u.a. mit speziellen Rütteltischen und danach nochmal eine Handsortierung. Auf Calon Ségur wird immer schon alles zu 100% entrappt, was im nördlichen Teil des Médoc durchaus Sinn macht, denn hier gibt es häufig auch etwas grüne Rappen. Der Wein besteht in 2018 zu 65% aus Cab. Sauvignon, 17% Merlot, 13% Cab. Franc und 5% Petit Verdot. Der Merlot ist also ganz stark heruntergefahren worden, davon ist fast alles in den Zweitwein Marquis de Calon gegangen. Wir haben hier 14.9% Alkohol, 3.6 g/L Gesamtsäure bei einem pH-Wert von 3.75. Der Ertrag war auf normal niedrigem Niveau von 40 Hl/ha. Die Fermentation dauert 25 Tage und der Ausbau erfolgt anschließend in 100% neuem Holz. Hier ist der Ausbau komplett klassisch im neuen Barrique, keine Tonneaus, keine Betoneier. Dieser Cabernet Sauvignon mit Cab. Franc dominierten Einsprengseln, entfernt sich immer weiter von den wuchtigen Calon Segurs früherer Tage mit dem hohen Merlotanteil. Der 2018er präsentiert sich unglaublich fein, sogar noch feiner als 2016, nicht besser aber feiner. Die Nase ist eine Ode an die Freude, wir haben Johannisbeere in feinster Art, etwas Sauerkirsche, süße rote Kirsche, etwas Schwarzkirsche und dann deutlich auch Himbeere von der Cabernet Franc. Ein blumiger, rotfruchtiger Mund, ein bisschen Veilchen und Vergissmeinnicht, feinste Schokolade, tolle Salzigkeit vom Terroir, aber auch hier die verspielte Blumigkeit. Dann folgt ein richtig intensiver Ansturm roter Frucht, Cabernet Franc kommt als erstes mit dieser schönen, reifen, aber auch säurebeladenen Waldhimbeere, dann kommt feine Kirsche und relativ viel sehr helle Lakritze, auch Nussaromen kommen dazu, dann wieder die Blumigkeit. Das ist sehr verspielt, sehr fein, sehr intensiv, aber am Ende ein wirkliches Finessenwunder mit dieser roten Frucht und dieser so typischen Calon Segur Cabernet-Ausrichtung. Ich finde, dass Calon Segur 2018 besser denn je ist, weil es hier die Zielsetzung, die Calon verfolgt noch besser trifft als im großen 2016er. Weil diese blumige Feinheit und diese tänzerische Verspieltheit hier absolut auf den Punkt gebracht ist. Ob dieser Wein den gleichen Alterungsprozess durchlaufen kann wie der sensationelle 2016er, vermag ich allerdings nicht zu sagen. Nur die Fassprobe des 2018ers ist einfach berauschend schön. 98-100/100

Le Marquis de Calon Segur

Lobenberg: Das Château betont, der Calon Segur sei von allen Saint-Estèphe-Weinen dem traditionellen Stil der Langlebigkeit und langsamen Entfaltung zu voller Blüte am meisten treu geblieben. Marquis ist der Zweitwein von Calon Segur, aber kein klassischer Zweitwein. Also keine Fassauswahl, sondern mehr eine Plot- und Weinbergsauswahl. Der größte Teil der Merlot geht in diesen Zweitwein. Der Erstwein Calon Segur hat einen weitaus höheren Cabernet-Anteil. Die Cépage für 2018 ist 53% Merlot, 47% Cab. Sauvignon bei 14.9% Alkohol und einem pH-Wert von 3.65. Der Ertrag lag bei 40 Hl/ha von 20 Jahren alten Reben. Der Ausbau erfolgt mit einem Neuholzanteil von 30%. Marquis de Calon besteht zu einem nicht unerheblichen Teil aus alten Merlot-Reben, die zuvor in den Calon Segur eingegangen waren, der Hauptwein ist allerdings auf dem Weg in Richtung 85% Cab. Sauvignon, sodass die Merlot-Reben zunehmend Einzug in den Marquis gefunden haben. Außerdem haben wir hier die etwas sandigeren, leicht schwächeren Böden und die jüngeren Reben. Das macht diesen Marquis aus. Deutlich leichter als das Nachbarweingut Capbern aus gleichem Besitz, die Reben sind eben auch jünger. Aber der Wein ist extrem fein, mit einem sehr angenehmen Mund, sehr schick, fast an 2016 erinnernd, fein, getragen, voller Finesse. Sicherlich nicht ganz die Würze des Capbern oder des Calon Segur, aber dennoch ein unglaublicher Spaßmacher. Auf Grund seines starken Johannisbeeraromas, mit schöner Lakritze und feiner Blumigkeit ist das so ein archetypischer Saint Estèphe, wie er besser kaum sein kann. Wie gesagt es fehlt die letzte Würze und der letzte Druck, um groß zu sein, aber die Ausrichtung ist dennoch absolut und unverwechselbar Calon Segur. Toller Wein! Wenn hier der Preis stimmt bei diesem Zweitwein, dann ist das ein Muss-Kauf, der viele Médoc und Haut Médoc, trotz vielleicht höherer Punkte, schlägt, weil er so archetypisch für Saint Estèphe und Calon Segur ist. 93+/100

Montrose

Selbst der Zweitwein war profund und intensiv. Montrose selbst eine Orgie in konzentrierter roter reifer Frucht. Berauschend und dicht und sooo berauschend. So groß wie 2016, etwas intensiver in roter Frucht dabei, etwas weniger lang in der salzigen Mineralität.

Chateau Montrose 2eme Cru

Lobenberg: In einer der besten Lagen der Appellation, hoch oben, mit wunderbarem Blick auf die Gironde liegt Château Montrose. Die Cépage 2018 setzt sich zusammen aus 72% Cabernet Sauvignon, 20% Merlot, 6 Cabernet Franc, 2% Petit Verdot. Wie schon bei Calon Ségur beobachtet haben die Top-Güter in Saint Estèphe einen Hang zu immer mehr Cabernet Sauvignon, Merlot wird zunehmend in die Zweitweine verbannt. Und wenn wir hier Cabernet Sauvignon und Franc zusammennehmen sind wir schon bei fast 80%. Das ist natürlich der Erkenntnis geschuldet, dass in der zunehmenden Wärme der Jahre der Merlot immer früher reif wird und der spätreifende Cabernet Sauvignon diesem Klima angepasster ist. Wie jedes Jahr fast ein Paradigmenwechsel zwischen Calon Ségur und Montrose. Wir haben die unendliche Feinheit von Calon mit diesem leicht ätherisch-blumigen und wir haben auch bei Montrose eine totale Cabernet Fixierung, aber massiver. Satte Sauerkirsche, extrem schöne, süße rote Johannisbeere, mit Waldhimbeere, etwas Brombeere darunter, kaum Cassis, und auch hier Lakritze in heller Form, also nichts Süßes, nichts zu üppiges, sondern sehr fein. Nur insgesamt deutlich wuchtiger, deutlich massiver, viel schiebender vom Kern als Calon. Aber so soll es ja auch sein, das macht den Unterschied zwischen den beiden Häusern aus. Der Mund von Montrose ist dann auch extrem intensiv, hocharomatisch, fast brutal in der roten, sehr frischen Frucht, Sauerkirsche, süße Kirsche, Johannisbeere, Himbeere, recht ausgeprägte Schlehe, auch Cranberry, dazu helle Schokolade, helle Lakritze, fein und dennoch unglaublich intensiv in der rotfruchtigen Aromatik. Der Wein schiebt, 2018 ist feiner als 2016, nicht besser als dieses unendliche Lange Finessenwunder, aber der 18er ist wunderschön in dieser feinen Frucht und dieser Zugänglichkeit. Der Wein hat einen wahnsinnigen Charmefaktor, trotz aller hohen Intensitäten. Im Grund schon eine Wiederholung der Qualität, bloß mit einem anderen Charakter, mit etwas reiferem Charakter als in 2016. 100/100 

La Dame de Montrose

Lobenberg: In einer der besten Lagen der Appellation, hoch oben, mit wunderbarem Blick auf die Gironde liegt Château Montrose. La Dame ist der Zweitwein des Hauses Montrose und kommt 2018 mit einer Cépage von 52% Merlot, 39% Cab. Sauvignon, 4% Cab. Franc und 5% Petit Verdot. Vom 17. September bis zum 5. Oktober geerntet. Feine rotfruchtige Nase mit viel Johannisbeere, typisch für Saint Estèphe, aber auch Kirsche und Sauerkirsche. Natürlich nicht so fein wie die Weine auf Calon Segur, dafür ist dieser Zweitwein hier etwas tiefer als der Marquis de Calon, aber eben nicht so fein, etwas wuchtiger, dafür rund und angenehm. Im Mund aber eine wahnsinnige Aromenexplosion, alles auf roter Kirsche, roter Johannisbeere und Waldhimbeere laufend, aber intensiv, dicht, dazu feines Salz und feine Mineralik, auch blumig. Tolle Frische mit hoher Intensität in der Säure, in der roten Johannisbeere und der Sauerkirsche, trotzdem fein bleibend. Ein sehr schicker Saint Estèphe und erstmalig werde ich auch den Zweitwein von Montrose kaufen, weil es einfach eine Ode an die Freude ist, ein ausgesprochen schöner, aromatischer, geschmackvoller Wein. Hat Länge und Spiel, ohne wirkliche Größe, aber gefällt mir tatsächlich extrem gut. 94+/100 

Unglaublich fein und elegant, reif, totale Finesse aus Cabernet, dennoch schwarz, Veilchen, Lakritze, Schwarzkirsche, Maulbeere. Nicht zu fett oder wuchtig, immer fein und tänzelnd bleibend. Nur knapp hinter 2016.

Chateau Cos d’Estournel 2eme Cru

Lobenberg: Ein super 2ème Cru, der zusammen mit La Mission, Las Cases, Pichon Lalande und Ducru relativ nahe dran ist an den Premier Crus. Cos ist wie Montrose, wie Ducru und Las Cases eines der Weingüter, wo besonders penibel sortiert wird. Nicht nur mehrfache grüne Lese, sondern auch noch auf optischen Sortiergeräten, welche die entrappten Beeren nochmals nachsortieren. Hier kommt nur perfekte Reife in die Kelter. Fermentation überwiegend im Stahl, Ausbau überwiegend im neuen Holz, die Vergärung erfolgt spontan. Die Assemblage besteht 2018 aus 74% Cab. Sauvignon, 23% Merlot, 2% Cab. Franc und 1% Petit Verdot. Hier sind wir, wie bei allen Top Saint Estèphes, relativ nahe bei 80% Cabernet. Dies ist der Erwärmung geschuldet und dem Hang zu größerer Finesse. Cabernet ist sicherlich besser geeignet, um dieser Klimaveränderung zu begegnen. Auf diesen Wein war ich besonders gespannt, denn der 2016er war der beste Cos unserer Zeit und für mich ein glatter 100 Punkte Wein. Was kann da 2018 mit dieser hohen Reife erreichen? Die Nase ist absolut untypisch für Cos. Schwarz, lakritzig, Veilchen, aber nicht wuchtig, sondern eher fein. So wie dieser erstaunliche Jahrgang 2018 generell ein verspielter, feiner, reifer Jahrgang ist, ohne das Fett oder die übermäßige Wucht der Jahre 2003 oder auch 2009. Nein, 2018 ist da deutlich näher an 2016. Jahrzehntelange Verkoster ziehen Vergleiche zu 1982 bezüglich der Schönheit der Verkostung. Der Mund ist eine wahre Freude, weil er so schick und fein ist. Cassis, Veilchen, Lakritze, Brombeere, auch süßere Maulbeere gesellt sich hinzu. Die Lakritze tritt deutlich hervor, auch das Salz tritt deutlich hervor, insgesamt sehr schön verwoben, tolle Harmonie zeigend und trotz der hohen Reife eine große Feinheit offenbarend. Ein toller Cos, aber wie man so manchmal sagt, ist das Bessere der Feind des Guten. Und 2016 war so astronomisch und außerordentlich, dass ich den 2018er, auch wenn manch anderer neben mir das tut, keine 100 Punkte geben. Dennoch ist es ein ganz großer Wein, der für die Zeitspanne in der ich Cos verkoste sicher zur Top 3 gehört. 98-100/100    

Chateau Cos d’Estournel blanc

Lobenberg: Der weiße Cos besteht zu zwei Dritteln aus Sauvignon Blanc, zu einem Drittel aus Sémillon. Seit Jahren ist das ein sehr frischer Weißwein, sehr gut gemacht, ganz fein, hat eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Pavillon Blanc von Château Margaux, wenngleich noch etwas dahinter zurück. In 2018 ist der Wein nicht ganz so extrem schick wie in den Vorjahren, das liegt aber einfach am Jahrgang. Für Weißweine war 2018 einfach kein optimales Jahr, dennoch finde ich ist dieser weiße Cos extrem schön, macht Freude, hat Länge. Zitronengrasfrische, feine grüne und weiße Birne, helle Melone, wirklich ein schöner Spaßmacher. Aber natürlich in einem Preisbereich, der den Kauf sicherlich nicht erleichtert. 94-95/100  

Les Pagodes de Cos (2. Wein)

Lobenberg: Dieser Zweitwein von Cos besteht aus 54% Cab. Sauvignon, 37% Merlot, 6% Petit Verdot und 3% Cab. Franc. Auch bei diesem Second besteht eindeutig die Tendenz die Majorität der alten Stöcke des Merlot aus dem Erstwein herauszunehmen und hier einfließen zu lassen. Weil der Merlot hier oben in St Estèphe auf Grund der Erwärmung doch von Jahr zu Jahr fetter und reicher wird. Zuviel Merlot steht dann der gewollten Finesse etwas entgegen. Dieser Zweitwein entspricht aber dem Modell Cos, er hat die selbe Charakteristik, die ja immer sehr schwarz und sehr üppig ist. So zeigt sich auch dieser Pagodes mit reichlich Cassis, Brombeere, Schwarzkirsche, aber im Jahrgang 2018 in seiner hohen Reife und gleichzeitig hohen Feinheit nicht zu üppig, nicht zu fett, sondern durchaus fein bleibend. Auch durchaus aromatisch lecker in der Nase. Hohe Intensität im Mund, ein typischer Cos d’Estournel, aber etwas grober. Das Tannin ist reichlich vorhanden, nicht ganz so geschliffen, sondern insgesamt etwas holprig, wuchtig. Der Zweitwein von Cos bleibt für mich beim Genussfaktor und beim Charme und der Leichtigkeit und Eleganz klar hinter den Zweitweinen von Calon Ségur und Montrose zurück, obwohl er viel Power hat. 92-93/100    

Chateau Goulee by Cos d'Estournel

Lobenberg: Das Weingut gehört zu Cos d’Estournel und ist seit Jahren im Aufwind, die Equipe versucht hier einen First-Class Haut Medoc zu erzeugen und er wird von Jahr zu Jahr besser. Die Rebsortenzusammensetzung des Goulee ist 73% Merlot, 21% Cab. Sauvignon, 6% Cab. Franc. Die Nase des 2018ers besticht durch reiche, schwarze Frucht, viel Schwarzkirsche, feine Lakritze darunter, aber fein, nicht wuchtig, nicht zu süß. Auch etwas unsüße Brombeere, Cassis, leichte Blumigkeit, Veilchen, aber alles eher fein als wuchtig süß. Angenehmer Mund, auch durchaus schick, sehr fein, lecker, aromatisch. Aber es fehlt ein bisschen der Druck, es bleibt ein feiner, tänzelnder, angenehmer, süffiger Zechwein mit Niveau, aber er gehört nicht in die erste Reihe der Médocs und Haut Medocs. Wahrscheinlich wird er zu teuer sein, ansonsten würde ich sagen ist das hier ein gehobenes Niveau für jeden Tag. 92-93/100

Sehr harmonische Weine hier, totale Balance, aber für mich der schwächste der 1er Cru von Pauillac. Auch Cos Montrose und Calon waren für mich besser. Jammern auf hohem Niveau mit 97-98 Punkten.

Chateau Lafite Rothschild 1er Cru

Lobenberg: Das Gut hat 100 Hektar und produziert jährlich je 240 000 Flaschen vom Grand Vin und vom Zweitwein; das durchschnittliche Alter der Reben liegt bei über 35 Jahren; gelesen wird selbstverständlich per Hand; selektiert zum Teil bereits im Weinberg; die Vinifikation erfolgt 18 bis 25 Tage in temperaturgeregelten Edelstahltanks und Holzfässern bei maximal 30°C; die malolaktische Säureumwandlung macht der Wein im Tank; ausgebaut wird 20 Monate in neuen Eichenfässern. Die Zusammensetzung des 2018ers sieht wie folgt aus: 91% Cabernet, 8,5% Merlot, 0,5% Petit Verdot. Bei diesem 1er Cru warte ich noch auf den Tag an dem es ein reiner Cabernet Sauvignon ist. Der spätreifende Cabernet reagiert einfach so viel besser auf die Klimaveränderung der letzten Jahre, Merlot ergibt hier oben häufig zu alkoholische und zu reiche Weine. Das Besondere bei Lafite Rothschild ist, dass der Wein, trotz dieser hohen Cabernet Sauvignon Konzentration im Mund, nicht rotfruchtig in der Nase ist, sondern eher wuchtig daherkommt. Mit viel Kraft, viel schwarzer Kirsche, Cassis, Maulbeere, Lakritze, Veilchen, wir finden eigentlich alle klassischen Elemente, aber durchaus fein bleibend. Für Lafite im Mund eine tolle Reife zeigend, die Augen ziehen sich zusammen ob der hohen Fruchtintensität, satte Lakritze, Veilchen, eine Cassis-Brombeer-Dominanz. Die Lakritze ist äußerst fein, die Schokolade moderat, sehr hohe Harmonie ausstrahlend, sehr frisch. Vielleicht liegt es an mir, aber für mich ist Lafite seit Jahren der schwächere der drei Premiers in Pauillac und die zuvor probierten Nachbarn aus Saint Estèphe Cos, Montrose und Calon Segur sind für mich klar vorne. Ein sehr guter Lafite, aber eben nicht ganz groß. 97-98/100 

Carruades de Lafite Rothschild

Lobenberg: Der Zweitwein von Lafite Rothschild kommt mit 56,5% Cab. Sauvignon, 38% Merlot, 5,% Cab Franc. Der Wein stammt aus eigenen und anderen Parzellen des Weinberges. Trotz der hohen Cabernet-Dominanz hat der Carruades durchaus immer eine dunkle, würzige Nase, etwas Merlot-lastig. Feine Lakritze, etwas Schwarzkirsche und Cassis, Brombeere, durchaus fein, aber sehr Pauillac-typisch dabei mit leicht maskulinem Touch untendrunter. Tolle Frische im Mund, hohe Intensität, schlanke Cassis, Schwarzkirsche, durchaus ein schicker Wein ohne wirkliche Größe. Und im Grunde genommen immer eine Streichposition, denn Carruades ist unglaublich teuer und deutlich hinter dem zweiten Weingut des Hauses, Duhart Milon, zurück. 93-94/100

Duhart Milon Rothschild

Lobenberg: Ein Chateau, das zu Lafite Rothschild gehört. Fast immer besser und interessanter als der Zweitwein Carruades de Lafite. 65% Cab. Sauvignon, 35% Merlot. Eine ähnliche Konstellation wie Clerc Milon bei Mouton-Rothschild, wenngleich durch den höheren Merlotanteil hier der Unterschied zum Erstwein doch recht deutlich ist. Würzige, dunkle Cassis, Schwarzkirsche, Lakritze in der Nase, aber nicht zu wuchtig, fein bleibend. Duhart Milon hatte die letzten Jahre ab 2015 ganz vorzügliche Jahre. Und auch 2018 mit dieser hohen Reife ist der Mund erstaunlich frisch. Feine Lakritze und auch hier wieder Cassis, Schwarzkirsche, Brombeere, feine blumige Note darunter, Veilchen, alles gut verwoben, gute Harmonie zeigend. Nicht die Größe des extraterrestrischen 2016er besitzend, dafür ist er insgesamt etwas zu brav, trotzdem ein sehr guter Wein. 94-95/100  

Philippe Dhalluin

Clerc Milon und Mouton sind Orgien in Schwarzkirsche, unendlich fein, aromatisch und lecker. Mouton dabei wahnsinnig mineralisch salzig und lang . Zur glatten 100 fehlt etwas Druck im mittleren Gaumen, aber mit 97-100 klar der beste 1er Cru Pauillac für mich.

Chateau Mouton Rothschild 1er Cru

Lobenberg: Nachdem für mich Best-ever 2016 bin ich jetzt sehr gespannt, wie 2018 sich präsentiert. Clerc Milon gerade eben aus gleichem Hause war extrem lecker, aber nicht so immens lang wie 2016. Mouton Rothschild 2018 kommt mit 86% Cab. Sauvignon, 12% Merlot, 2% Cab. Franc und dadurch mit fast 90% Cabernet-Anteil, noch höher als bei Clerc Milon. Und das benachbarte Terroir ist auch so baugleich mit dem von Clerc Milon. Auch der Mouton zeigt eine überhaupt nicht vermutete und erwartete Köstlichkeit in Schwarzkirsche, so unglaublich lecker, so reich, so duftig, wie bei Clerc Milon, nur ganz zarte Lakritze und Veilchen in diesem Kirschsaft. Diese Nase ist ungeheuerlich, verführerisch, erotisch, kirschig zum Reinspringen. Was sich in der Nase andeutet mit dem Vergleich zu Clerc Milon setzt sich im Mund fort, nur dass der Mouton dieses Quäntchen mehr an Gripp und Biss hat, das dem Clerc Milon zum großen Wein fehlte. Eine wunderbare hochintensive Salzspur, fast beißend auf der Zunge, Tanninmassen, aber total poliert, seidig. Samt wäre das falsche Wort, hier ist wirklich nur Seide im Spiel. Große Länge und Mineralität in ungeheurem Ausmaß, das Ganze neben dieser süffig-leckeren Schwarzkirsche. Zum 2016er fehlt ihm vielleicht ein ganz klein wenig der mittlere Gaumen, der fleischige Druck in der Mitte, aber die mineralische Länge ist ungeheuerlich, die Frucht und der hedonistische Genuss sind großartig. Eindeutig der beste Premier Cru aus Pauillac. Ich persönlich glaube, dass 2016, der ein reiner 100 Punkte Wein war, der größere Wein ist, dennoch gehört 2018 zu den ganz großen Erfolgen dieses Weingutes. Vor allen Dingen wenn man dieses Reife, Fruchtbetonte, extrem Leckere schätzt. Allerdings muss man auch 2018 Zeit geben, die Mineralität ist zu immens, die Salzigkeit zu hoch. Der Wein braucht sicherlich seine 10 Jahre, aber das ist beim 2016er ja auch nicht anders. 100/100 

Le Petit Mouton de Mouton Rothschild

Lobenberg: Das ist der Zweitwein von Mouton Rothschild und diesen Wein habe ich noch nie verstanden, aber im Grunde verstehe ich auch den Carruades de Lafitte nicht besonders. Diese Weine kosten unglaubliches Geld und sind doch nur das Auffangbecken für die zu jungen Reben der Erstweine. Bei Calon Ségur passt der Zweitwein zumindest preislich und von seiner tänzerischen Feinheit. Bei Mouton ist der Zweitwein deutlich rauer und nicht ansatzweise so hedonistisch wie Clerc Milon, wirklich einfach nur eine kleine, etwas rustikale Version des Erstweines. So richtig verstehen, warum man diesen Wein kaufen sollte werde ich nie. 93/100

Clerc Milon Rothschild

Lobenberg: Direkt neben Mouton-Rothschild und Lafite-Rothschild liegt Château Clerc Milon Rothschild. Die 30 Hektar Weinberge sind mit über 45 Jahre alten Reben bestockt. Die Cépage des 2018ers besteht aus 60% Cabernet Sauvignon, 27% Merlot, 9% Cabernet Franc, 3% Petit Verdot, 1% Carmenere. Dieses Weingut von Mouton ist immer archetypisch, wie Mouton selber, im Grunde ist es der perfekte Zweitwein, auch wenn Mouton-Rothschild einen noch höheren Cabernet-Anteil aufweist. Wow, was hat der Wein für eine Nase! Die Mouton Familie scheint in diesem Jahr der schwarzen Kirsche verpflichtet zu sein, fast nur Schwarzkirsche, immens aromatisch und so weich, Veilchen und Rosenblätter treten dahinter zurück, vermutete Cassis und Brombeere kommen nicht durch, alles läuft voll auf der burgundischen Kirsche, sehr reife Weichselkirsche darunter, extrem fein, lecker und harmonisch. Auch im Mund ist das die reine Freude, feine salzige Mineralität darunter, cremig und kirschig, schön lang, aber voller Harmonie. Ein Leckerli der Oberliga und doch fehlt ihm im Moment noch ein wenig die Länge und der enorme Zug der 2016 so auszeichnete. Ich finde ihn im Grunde genommen einfach nur wunderschön und voll da. Auch wenn die Frische vorhanden ist und die salzige Mineralität ihn stützt, hat er nicht die Länge von 2016, nicht ganz das Zeug zum Best-ever, wie ebenjener 2016er. Und trotzdem ist es einfach nur ein wunderschöner Wein, meine Hochachtung für diesen immens leckeren, kirschigen Pauillac. 95-96+/100

Latour

Ähnlich kirschig fein wie Mouton, etwas milder in der Mineralität, fein, fast lecker. Tolle Weine, aber nicht so komplex wie Mouton oder wie die 2016er.

Chateau Latour 1er Cru

Lobenberg: 2018 hat Latour große Ähnlichkeit mit Mouton in der Offenheit seiner Frucht. Dieser inzwischen komplett biodynamisch produzierte Wein besticht mit wunderbarer Kirschfrucht. Hocharomatisch, wirklich lecker, dazu feine Blumigkeit, etwas Mango neben der Schwarzkirsche, roter Kirsche, Cassis und Brombeere sind wirklich fein, nichts ist wuchtig, total seidiges Tannin schon in der Nase. Eine Tänzerin mit toller Länge im Mund, wunderschöne Salzspur, vielleicht nicht ganz so ausgeprägt mineralische Länge wie zuvor Mouton. Auch hier nicht an die wahnsinnige Komplexität des 2016ers heranreichend. Die Premiers Crus sind 2018 auf jeden Fall hinter 2016, aber das war tendenziell bei Montrose und Cos d’Estournel ja auch so. Die Komplexität von 2016 ist so immens, dass die 100 Punkte Skala gemessen an 2016 einfach schwer zu erreichen ist. 97-98+/100

Les Forts de Chateau Latour

Lobenberg: Der Zweitwein von Château Latour, der aber ähnlich wie Clos de Marquis bei Leoville Las Cases kein klassischer Zweitwein mit der Selektion von jungen Reben ist, sondern zum Großteil von eigenen Rebflächen kommt, die immer dem Forts de Latour vorbehalten sind. Er besteht zu etwa 2/3 aus alten Reben von außerhalb der l'Enclos-Lage, aus der der Grand Vin stammt. Nur 1/3 stammt aus den jungen Reben dieser Lage. Er wird in der Regel aus circa zwei Dritteln Cabernet Sauvignon und einem Drittel Merlot produziert und auf dieselbe Art vinifiziert wie der Latour. Auch dieser Wein wird inzwischen biologisch produziert. Extrem offen und lecker im Mund, sehr stark auf der Kirsche laufend, sehr charmant, deutlich offener als der Drittwein Pauillac de Latour. Einnehmend, eine große Freude, ein Spaßmacher mit mittlerer Länge und mittlerem Körper, kein großer Les Forts de Latour, aber ein schicker Wein. 93-94/100 

Pauillac de Latour

Lobenberg: Das ist der Drittwein von Château Latour. Hocharomatische, schwarze Nase, Cassis, Veilchen, schwarze Wucht mit Schwarzkirsche und süßer Maulbeere. Lecker, aromatisch und einnehmend, sehr charmant. Der Wein macht Freude, ist saftig und genussvoll. 92-93/100

Eine Konzentration und Potenzierung von Feinheit, von schwarzkirschiger Finesse. Kein Komplexitätsmonster und Mineralien-Blockbuster wie der unendlich gute 2016, dafür ist 2018 aber eine kaum zu steigernde Freude, eine anmutige Tänzerin um das goldene Kalb der Kirschfrucht. 99-100 für einen der besten Weine des linken Ufers.

Pichon Longueville Comtesse

Lobenberg: Aktueller Besitzer ist die Familie Rouzaud, ebenfalls Besitzer des Champagnerhauses Roederer. Die Familie erwarb das Weingut 2007, seit 2010 ist Sylvie Cazes Verwalterin von Pichon-Comtesse. Seit Jahren einer DER Überflieger in Pauillac mit einem perfekten 100 Punkte 2016er als Best-ever. 2018 lautet die Cépage 71% Cab. Sauvignon, 23% Merlot, 5% Cab. Franc, 1% Petit Verdot. Sehr würzige, schwarzfruchtige Nase, ein Beerenkompott mit feiner Lakritze und satter Veilchen Unterlage. Satte Aromatik im Mund, auch hier wieder eher ein Beerenkompott, eine Fruchtkaltschale, eine rote Grütze, alles auf schwarzer Frucht laufend. Immer mehr stellt sich die schwarze Kirsche als Dominante heraus, wie auch schon beim Nachbar Latour und bei Mouton Rothschild. Aber hier auf PiCoLa deutlich würziger, aber vor allen Dingen konzentrierter, und das erstaunt, denn wir sind ja „nur“ auf einem 2eme Cru. Pichon Comtesse bläst Latour um Längen fort, weil es so lang und intensiv ist mit extrem feiner, seidiger Mineralität. Die Tannine sind butterweich, aber sie sind nicht samtig-üppig, sondern seidig-fein. Alles tanzt um die schwarze Kirsche herum, der Wein hallt für Minuten nach. Es ist kein anbetungswürdiges Komplexitätsmonster wie 2016, sondern unendliche Feinheit mit ganz großer Länge, hedonistisch, extrem lecker, so süffig, so fein. Der Wein macht unglaubliche Freude und nimmt trotzdem alles ein. Eine Potenzierung von Feinheit, wenn es so etwas gibt. Das hatte ich auf dieser Verkostungsreise bisher nur bei einigen wenigen St Émilions und Pomerols, aber hier bei PiCoLa geschieht es genauso. Eine Feinheit potenziert und das grandiose ist doch, dass dieser Wein so anders ist als der megakomplexe 2016er, der zu den allseits großen Weinen der Welt gehört. Der 2018er ist auch ein potenzieller 100 Punkte Wein, aber er gehört zu den ganz feinen, schicken Teilen, ich bin verzückt ob dieser komplexen Finesse, dieser spielerischen Leichtigkeit, dieser tänzelnden Primaballerina in lakritzig-veilchenhafter Kirschfrucht. Die wahre Freude. 100/100 

Archetypischer Pauillac mit jahrgangstypischer Reife und viel schwarzer Frucht. Oberstes Mittelfeld und sehr aromatisch, aber nicht die sagenhafte Komplexität des mineralischen 2016. Wenn der Preis stimmt dennoch ein Topwert.

Grand Puy Lacoste

Lobenberg: Weit ab von der Gironde auf dem "Bages-Plateau" liegt Château Grand Puy Lacoste. Francois-Xavier Borie lebt mit seiner Familie auf dem Gut und beaufsichtigt persönlich die Pflege der fast 55 Hektar Rebfläche und die Kellerarbeit. Die 2018er Cépage ist 78% Cabernet Sauvignon und 22% Merlot. Sehr würzige Schwarzkirschnase, Veilchen und Cassis, aber mehr schwarze Kirsche, fein, aromatisch. Der Mund ist auf der einen Seite sehr Pauillac, also dieses leicht maskuline, scharfe Tannin mit Ecken und Kanten. Das ist die Definition die Pauillac ausmacht, das Tannin ist hier immer etwas bitterer als zum Beispiel in Saint Julien oder Saint Estèphe. Das Terroir ist eben etwas anders, dazu kommt hier eine schöne Würze, ein voller Körper und die volle Reife des Jahrgangs, die GPL sehr entgegenkommt, macht ihn rund und charmant. In der schwarzen Würze fast ein wenig Richtung Saint Estèphe laufend, das passt gut, das ist ein schicker Wein. Aber er hat nicht die Größe des komplexen, langen 2016ers. Wenn der Preis stimmt dennoch ein archetypischer Pauillac im obersten Mittelfeld. 95-96/100   

Seit mindestens 2009 soooo anders als alle Weine des Medocs und Pauillacs. Getrunkene Biodynamie. Würzig tief, pflaumig und kirschig, erdig natürlich , positiv rustikal. Groß und unvergleichlich.

Pontet Canet

Lobenberg: Der biodynamische Vorzeigebetrieb im Bordeaux. Seit 2005 wahrscheinlich immer eins der zwei oder drei besten Chateaus überhaupt, häufig auch gerne mal die Nummer 1. Erreichte in den Jahren 2009 und 2010 jeweils 100 Parker-Punkte. Seit 1995 immer eine sichere Bank und seit 2000 Weltklasse. 2015 und 2016 der Durchbruch auf 1er Cru Niveau zusammen mit Pichon Comtesse. Wenn hier kein grandioser Wein entsteht, kann man den Jahrgang abhaken. Die Vergärung passiert spontan im großen Holz und im konischen Beton. Der Ausbau geschieht in kleinen, mittleren und größeren Holzfässern und neuerdings zum Teil in kleinen und auch großen Beton-Eiern und großen Megaamphoren, die den Inhalt von vielen Barriques aufnehmen können. Die Beton-Eier und Amphoren sind nicht mit Epoxid ausgekleidet, sondern können atmen, sodass in Summe der Holzeinsatz noch mal deutlich verringert wird und trotzdem der Vorteil der Micro-Oxygenese über diesen Umweg vielleicht sogar noch gesteigert wird. Ein weiterer Sprung zur Natürlichkeit der Weine. Im Weinberg geschieht nur Natur, keinerlei chemische Spritzung, keine Beschneidung, keine grüne Lese, keinerlei Eingriff in die Natur, kein Stress. In 2018 gab es hohe Verluste durch Mehltau bei diesem Biodynamiker. Die 2018er Cépage ist 70% Cab. Sauvignon, 22% Merlot, 5% Cab. Franc, 3% Petit Verdot. Und das Ergebnis ist ein typischer Pontet Canet, es ist so unglaublich schwer zu verstehen, wieso Pontet Canet eine ganz andere Nase hat als der Nachbar Mouton und auch viele andere in diesem Jahrgang. Dass er reif ist, ist völlig normal, aber die letzten Jahre wird der Wein immer würziger, immer tiefer und kräftiger, immer deutlicher in die Amarenakirsche, hochreife Backpflaume, Orangenzeste darunter, aber süß, drückend, wuchtig. Mit Zeit und Luft baut der Wein dann Kirsche auf, neben der Pflaume, eine satte, reiche, volle, rote Kirsche, auch Schwarzkirsche, aber rote Kirsche bleibt die Dominante, viel Cranberry. Sehr würzig und lang. Mit der Zeit baut sich auch die Mineralität auf, es ist erstaunlich, dass selbst in der Fassprobe der Wein so viel Luft braucht. Die Mineralität ist lang, intensiv, salzig, aber nicht aggressiv. In Summe ist Pontet Canet deutlich mehr in der reifen Frucht, deutlich mehr in der Pflaume, in der ganz reifen, roten Kirsche, als der schwarzkirschig, frische Mouton oder PiCoLa, aber Pontet Canet ist so wie man sich einen würzigen Bio-Wein auch vorstellt. Er hat ganz sicher ein Alleinstellungsmerkmal in dieser ausgeprägten Art. Große Länge, aber das Besondere an Pontet Canet ist, dass er auch in der Länge diese reife und runde Feinheit der biodynamischen Würze beibehält. Ja das ist einfach ein ganz anderer Wein als von den Nachbarn in Pauillac und dieser Unterschied wird von Jahr zu Jahr größer. Weniger stylisch als die anderen, einfacher, ehrlicher in der Erdverbundenheit. Eine ganze Ecke natürlicher, was nicht besser bedeutet, nur anders. 97-98/100 

Wie schon Leoville Barton zeigte, dieses Terroir bringt 2018 hochreife Weine mit Druck und Power. Unglaublich würzig und kraftvoll, ganz anders als 2016, und trotzdem fein und schick. Diese Kombi hat was, großer Stoff.

Chateau Leoville Las Cases 2eme Cru

Lobenberg: Léoville Las Cases ist trotz seiner unmittelbaren Nachbarschaft zu Pauillac seinem Terroir immer treu. Trotz seiner immensen Dichte lässt er den spielerischen Aspekt eines Saint-Juliens niemals vermissen. 2018 wurde ein Alkoholgrad von 14.5% bei einem pH von 3.65 erreicht. Der Clos du Marquis deutete es bereits an, obwohl er ein eigener Wein ist, aber natürlich liegt er nicht weit entfernt, hat ein fast gleiches Terroir und wird vom gleichen Team vinifiziert. Leoville las Cases 2018 ist deutlich wuchtiger, kraftvoller und maskuliner als es 2016 war. Der 2016er mit dieser langgezogenen, komplexen Seidigkeit war ein ganz anderer Wein. 2018 zeigt viel Lakritze, viel Veilchen, satte Brombeere, etwas Schwarzkirsche darunter, hochintensive Aromatik in der Nase, aber weniger fein und delikat, etwas rustikaler, mit viel Druck. Auch im Mund ein Powerwein, das habe ich in diesem Jahr so gar nicht erwartet, ich habe mit unendlicher Feinheit gerechnet, aber nein. Die Tannine sind zwar seidig, der Wein ist elegant, aber trotzdem zeigt er viel Druck, viel Kraft, viel Struktur, deutliches Holz, stark auf der Brombeere, Lakritze, Cassis, das Ganze schon mit einer gewissen Rauheit, auch mit einer sehr präsenten Frische. Ein Kraftwein, dennoch extrem schön. Diese zugleich reife und kraftvolle Stilistik haben wir aber auch schon bei Leoville Barton gesehen. Saint Julien ist 2018 einfach sehr reif und sehr intensiv. 100/100 

Clos du Marquis

Lobenberg: Der Zweitwein von Leoville Las Cases, der kein Zweitwein ist, weil er auf fest definierten Rebbergen wächst. Ist ein eigenständiger Wein von Leoville Las Cases. In diesen Wein gehen also niemals abgewertete Fässer von Las Cases. Im Gegenteil. Inzwischen hat Clos du Marquis einen eigenen Zweitwein, um den Erstwein besser zu machen. Also ein ganz eigenständiger Wein, der dadurch seinen nicht ganz günstigen Preis auch wert ist. Dennoch ist er schwer zu verkaufen, weil er eben als Zweitwein gehandelt wird. Kann durchaus mit einigen 3ème und 4ème Crus aus Saint Julien mithalten. 2018 beträgt der Alkoholgrad 14.4% und der pH 3.66. Die Assemblage besteht aus 64% Cabernet Sauvignon, 30% Merlot und 6% Cabernet Franc. Eigentlich wie immer ist Clos du Marquis archetypischer für Saint Julien. Die Nase ist sehr würzig, viel Unterholz, Lakritze, Brombeere, etwas rau. Der Wein zeigt viel Gripp im Mund, deutlich Brombeere mit viel Tannin beladen, viel Struktur, etwas später kommt Schwarzkirsche und etwas Cassis hinzu, auch Veilchen. Aber die etwas rustikal rüberkommende Brombeere ist ganz vorne. Der Wein hat unglaublich viel Gripp, Dampf und Power mit massigen Tanninen. Für diesen delikaten Jahrgang 2018 fast erstaunlich rustikal, aber das hat was. Ein spannender Wein und der Preis passt. 94-95/100

Ducru Beaucaillou

Ducru kommt auch mit hoher Reife und großer Wucht, aber ganz schnell kommt auch schicke rote Kirsche. Würzig, reif und fein zugleich. Gäbe es 2016 nicht spräche man bei Las Cases und Ducru vom Jahrhundertjahrgang, so ist es aber immer noch verdammt gut.

Ducru Beaucaillou

Lobenberg: Jean-Eugene Borie ist einer der wenigen Weingutbesitzer im Bordeaux, der auch auf seinem Château wohnt. 50 Hektar Weinberge sind zu 65% mit Cabernet Sauvignon, zu 25% mit Merlot und zu je 5% mit Cabernet Franc und Petit Verdot bestockt. In die Assemblage des 2018ers sind 85% Cabernet Sauvignon und 15% Merlot eingegangen. Auf diesen Wein bin ich nun besonders gespannt, ob es hier einen Paradigmenwechsel gibt. Leoville Barton, Leoville Las Cases das waren alles reiche, volle, kraftvolle Weine. Die Würze, die Power setzt sich auch hier bei Ducru fort. Warum ist Saint Julien 2018 so viel kraftvoller als die enorm schicken, feinen Pauillacs und Saint Estèphes? Es muss an den Wetterkapriolen des Jahres liegen, die noch weiter südlich von Saint Julien liegende Appellation Margaux ist das Powerhouse überhaupt dieses Jahres, das zieht sich auch nach Saint Julien rein und ab Pauillac wird es eben dramatisch feiner. Das ist aber keine wertende Feststellung, denn Ducru kommt schon mit unglaublicher Wucht und Würze, so viel Lakritze und so viel Veilchen, so viel Brombeere. Das ist ja fast wie ein Zwilling zu Leoville Las Cases mit dieser enormen Würze, dem Druck und dem Schub. Auch Leoville Barton hatte das schon. Bei Ducru liegt im Wein ein bisschen mehr Feinheit darunter als bei Barton. Der Wein hat untendrunter eine wunderbare Finesse, ganz helle Lakritze, feine rote Kirsche kommt langsam unter der Schwarzkirsche und der Brombeere zu Tage, der Wein wandelt sich zur Feinheit und Delikatesse. Las Cases schiebt mehr, Ducru tänzelt etwas mehr, aber beide kommen in voller Reife und Wucht daher, Ducru nur noch etwas zarter, noch etwas feiner. Ducru war 2016 ganz großes Kino, ob er das in 2018 wieder so ist kann ich nicht ganz genau beantworten. Klar ist jedenfalls, wenn 2016 nicht da gewesen wäre, hätte jeder von 2018 als dem Best-ever und Jahrhundertjahrgang gesprochen. Und das gilt eben auch hier, das ist ein großer Ducru, aber 2016 war vielleicht noch größer. Dennoch superber Stoff. 97-99/100  

Margaux

Die höchste Konzentration aus den kleinsten Beeren seit Beginn der Aufzeichnungen auf Chateau Margaux und trotzdem keinerlei Ähnlichkeit mit 2003 sondern unendlich fein. Schon der Pavillon Rouge ist groß, 96-97, aber wahrscheinlich sehr teuer. Der 1er Cru selbst ist der Primus im Medoc, sogar klar vor Picola, Mouton, Palmer, Calon und Montrose. Großer, reifer dichter und doch eleganter Stoff für die Ewigkeit. Besser als 2005, 2009, 2010, 2015 und 2016, weil er die traumhafte Finesse aus der extrem reifen Frucht mineralisiert. Einer von zwei 100+ Weinen des Jahrgangs.Der Pavillon Blanc ist in seiner Frische und multikomplexen Fruchtigkeit und Frische für mich der beste Weißwein des Jahres.

Chateau Margaux 1er Cru

Lobenberg: Die Assemblage des Grand Vin von Château Margaux 2018 enthält 4% Merlot, 4% Cab. Franc, 2% Petit Verdot und 90% Cabernet Sauvignon. Im Jahr 2018 gab es hier auf Ch. Margaux die höchste Konzentration, die je erreicht wurde seit es Aufzeichnungen darüber gibt. Extrem kleine Beeren, extrem hohe Extraktwerte und trotzdem nicht wie 2003, sondern enorme Frische, enorme Feinheit im konzentriertesten Jahrgang der Geschichte. Ganz im Gegenteil zu 2003 ist die Finesse und die Feinheit, das Delikate, das Tänzelnde ganz weit vorne in diesem Jahr. Und das alles in dieser unendlichen, dieser ganz großen Reife. Das ist ein Château Tertre Roteboeuf aus Margaux, die Frische kommt aus der Reife der Frucht. Unglaublich voluminöse Schwarzkirschnase, Backpflaume, Lakritze, Cassis, feine Rauchnoten daneben, Blumigkeit, nicht nur Veilchen, sondern auch Rosenblätter, auch etwas Jasmin, sehr komplex. Und dieser Vergleich zu Château Tertre Roteboeuf setzt sich eben auch im Mund fort. Unglaublich konzentriert, tief, reich und wuchtig, unglaublich viel Wein, ein Mund voll Wein, geradezu zum Kauen. Irre, immens und trotz dieser übermäßigen Fülle und dieser Reichhaltigkeit ist der Wein nicht fett, sondern lebendig, zeigt Frische aus der satten Frucht heraus. Bis an die Hochreife gehend, aber nicht volatil, supersauber, superclean, unendlich lang. Schwarzkirsche, Cassis, auch rote Kirsche, alles superkonzentriert, ganz reife Himbeere und Brombeere, immer wieder Veilchen und andere Blumen im langen Nachhall voller Salz und Gestein. Das ist einer der Megaweine schlechthin in 2018 und einer der besten Château Margaux, vielleicht sogar der Beste, den ich je probiert habe. Aus dieser fast brutalen Reife heraus und der daraus resultierenden Fruchtfrische noch besser als 2016, was ich persönlich nicht für möglich gehalten habe. Das ist eine Offenbarung. 100+/100

Pavillon Rouge du Chateau Margaux (2.Wein)

Lobenberg: Das ist der Zweitwein von Château Margaux. 2018 kommt er mit einer Cépage von 69% Cab. Sauvignon, 19% Merlot, 9% Petit Verdot, 3% Cab. Franc in die Flasche. Im Jahr 2018 gab es hier auf Ch. Margaux die höchste Konzentration, die je erreicht wurde seit es Aufzeichnungen darüber gibt. Extrem kleine Beeren, extrem hohe Extraktwerte und trotzdem nicht wie 2003, sondern enorme Frische, enorme Feinheit im konzentriertesten Jahrgang der Geschichte. Die Nase des Pavillon Rouge ist sehr würzig, voll und reich, die Appellation Margaux ist 2018 generell enorm reich und gehaltvoll ausgefallen. Enorme Massen an schwarzer Kirsche in der Nase, feine Blumigkeit, etwas Jasmin, fast schwebend, duftig. Im Mund fast wunderbar leicht und balanciert, voller Finesse, grandiose Harmonie zeigend. Auch hier ist die Majorität wieder Schwarzkirsche, als hätten wir die Appellation Saint Julien übersprungen und wären direkt von Pauillac im Château Margaux gelandet. So fein, so delikat, wie viele Pauillac Weine, mit schwarzer Frucht und dennoch großer Finesse. Stramme Salzladung, hohe Mineralität, sehr lang, dieser Pavillon Rouge ist wirklich ein Ausbund an Feinheit, Finesse und tänzelnder Schönheit und doch hat er Kraft und Wucht. Superber Stoff, der beste Pavillon Rouge den ich bisher probiert habe. Der gefällt mir wirklich ausgesprochen gut, aber wahrscheinlich ist er auch astronomisch teuer. 96-97/100  

Pavillon Blanc du Chateau Margaux

Lobenberg: Der Weißwein von Château Margaux besteht zu 100% aus Sauvignon Blanc und wird im neuen Holz ausgebaut. Zusammen mit dem weißen Cos d’Estournel vielleicht der beste Weißwein des Jahrgangs, das erstaunt. Die Pessac Léognans waren dieses Jahr etwas zu breit, warum sind dann die Weine im Norden viel besser?! Der Wein wurde schon am 27. August geerntet, das ist sehr früh, um die Frische zu erhalten und trotzdem ist er nicht grün. Es war das erste Mal, dass die Weine des Nordens, also Pavillon und Cos Blanc, genauso früh geerntet wurden wie die Weine des Südens aus Pessac, wie Haut Brion und Dom. de Chevalier Blanc. Normalerweise wird hier oben immer später geerntet, aber scheinbar hat der Süden dieses Jahr einfach etwas zu spät gelesen, deshalb sind die Pessacs bis auf die Weine von Dubourdieu einfach ein bisschen breit ausgefallen. Die nördlichen Weine ragen deshalb so sehr heraus. Unglaublich feiner Sauvignon Blanc, überhaupt keine Stachelbeere, keine Grasigkeit, nichts dergleichen. Sondern nur wunderschöne, reife, gelbe Melone, gelbe Birne, auch etwas grüne und weiße Birne dahinter. Birne ist ganz klar vorne, dann kommt nicht zu reife Aprikose, ein ganz kleiner Hauch Pfirsich, satt Orangenzeste, viel Orangenabrieb und etwas Orangensaft darunter, das Ganze ist mit Mango und etwas Papaya unterlegt. Nichts ist zu fett, alles exzentrisch, ein unglaubliches Leckerli. Um zu den allergrößten Weißweinen Bordeaux aller Zeiten aufzuschließen fehlt ein bisschen der mineralische Säurekick, den Pavillon Blanc im Grunde nicht kriegen kann. Aber für Pavillon Blanc selbst ist das ganz großes Kino, für mich der beste Weißwein des Jahres. 97-98+/100 

Immenser Verlust durch Mehltau bei diesem Biodynamiker. Der verbleibende Teil total clean spontan vinifiziert. Nur 11 H/ha und eine Traube pro Stock. Biodynamie mit ungeheuren Mehltau Verlusten. Spontan vergoren ohne Schwefel bis nach der Malo. Extrem konzentriert wie Margaux aber ungeheuer kalifornisch und superfein. Harlan Estate. Aber auch auf eben diesem 100 Punkte Level. Not to bad!

Chateau Palmer 3eme Cru

Lobenberg: Obwohl Chateau Palmer offiziell nur ein 3eme Cru ist, liegt er qualitativ oft weit darüber. Es gab 2018 wegen des Mehltaus nur 11 Hl/ha Ertrag bei diesem Biodynamiker. Die Cépage 2018 ist 53% Cabernet Sauvignon, 40% Merlot, 7% Petit Verdot. Die Rebsorten sind ziemlich normal in dieser Verteilung, Palmer hat immer einen etwas höheren Merlotanteil, aber es gab eben diese starken Ausfälle durch Mehltau. Es wurde alles sauber ausgelesen, sodass der finale Blend extrem clean ist. Es gibt nur einen Erstwein in diesem Jahr, kein Alter Ego. Es gab durchschnittlich nur eine einzige Traube Ertrag pro Stock, in der Regel nur die dem Stock nächstgelegene hat überlebt, die häufig auch die beste ist. Palmer ist seit 2014 Demeter zertifiziert. Es wird natürlich alles spontanvergoren,  hierfür wird ein großer Tank mit eigenen Hefen zur Vorgärung angesetzt und auch hier wird inzwischen komplett schwefelfrei vergoren, erst nach der Malo folgt die Zugabe. Eine Methode, die sich bei Biodynamikern immer mehr durchsetzt und die einfach die Frucht deutlich sauberer erhält. Es wird komplett entrappt. Am Ende ist Palmer 2018 aus einer extrem konzentrierten, kleinbeerigen Ernte entstanden und diese Konzentration merkt man zwar in der hohen Reife und Dichte, aber gleichzeitig ist der Wein auch so unendlich fein. Verspielt schwarzkirschig, mit wunderbarer Feinheit im Mund, der Cabernet ist so reif, hinzu kommt Frische aus der reifen Frucht. Wir haben direkt davor Château Margaux verkostet und der war noch reifer, noch konzentrierter in der Frucht als Palmer, letzterer ist der deutlich feinere Wein. Für mich war Ch. Margaux der Bessere, weil eben so viel Frische aus dieser brutal reifen Frucht kommt, aber Palmer ist auch ein ganz großer Wein, das muss ich gestehen. 2016 war schon ein Riese, aber 2018 wiederholt das mit einer grandiosen Feinheit und dennoch mit einer extrem spannenden Konzentration, die man im ersten Anflug gar nicht bemerkt. Ein großer Wein, keine Frage. 99-100/100 

Teynac - die Überraschung am Abend

Ganz spät am Abend des 1. April gab es dann nämlich noch eine kleine sensationelle Neuentdeckung: Château Teynac in Saint Julien. Die Weinberge von 12 ha sind umrahmt von Leoville Barton, Gruaud Larose und Talbot, also allerbestes Terroir. 70% Cabernet und 30% Merlot. Konzentrierter rotbeeriger Stoff, besser noch als der in 2018 hervorragende Du Glana. auch besser als La Bridane, und das will was heißen. Für mich nach vielen Jahren des Suchens endlich DIE ideale Referenz im Einstiegsbereich Saint Juliens.

Teynac

Lobenberg: Dieses Weingut liegt in direkter Nachbarschaft zu Talbot, Gruaud Larose und Leoville Barton, also innerhalb der besten Terroirs Saint Juliens, auf Kies, Sand und Lehm Lagen. Die Cépage 2018 lautet 75% Cab. Sauvignon, 21% Merlot, 4% Petit Verdot. Saint Julien hat ähnlich wie Margaux im Jahr 2018 relativ viel Wucht und Würze in den Weinen, feine ätherische Würze in Saint Estèphe und Pauillac. Dieser Teynac riecht und verkostet sich relativ ähnlich wie Château du Glana, was für mich eine hohe Auszeichnung ist, denn du Glana 2018 ist vorzüglich. Satte Sauerkirsche, rote Kirsche in der Nase, Veilchen, Vergissmeinnicht, ganz helle Lakritze. Im Mund tolle Konzentration zeigend, so archetypisch Saint Julien mit dieser satten, roten Frucht darunter, voller Spannung. Große Länge in roter Johannisbeere, Sauerkirsche, roter Kirsche, relativ wenig schwarze Frucht, sondern so typisch Saint Julien eine rote Orgie mit hoher Aromatik. Nein, das liest sich jetzt wie ein großer Wein, doch das ist kein großer Wein, aber es ist für Saint Julien qualitativ sogar oberhalb von La Bridane, ein ziemlich perfekter Einstieg und nicht weit weg von den großen Namen. 95-96/100  

Beyond the 1er Crus - Fantastische Einstiegsweine

Aber es gibt eben auch neue Erkenntnisse über die berauschend schönen Einstiegsweine, Bordeaux ist da für mich weltweit vorne:

Lobenberg: Dieses kleine Weingut mit rund 30 Hektar ist in der südlichen Region des Haut Medocs direkt an der Grenze zu Margaux gelegen. Seit 2005 eines der führenden Weingüter im Haut Medoc, aber preislich immer eines der Günstigsten. Das Superschnäppchen schlechthin. Der Ertrag pro Hektar liegt bei circa 45 Hektoliter. Es gibt etwas über 100.000 Flaschen. Der Überwiegend maschinell geerntet, weil es einfach sehr viel schneller geht und man so den Erntezeitpunkt perfekt einplanen kann, gerade in einem Jahr wie 2018 ein großer Vorteil, mit Handlese klappt das kaum bei 30 Hektar. Hier wird eine Erntemaschine benutzt, die bereits direkt nach dem Ernten eine komplette Entrappung der Trauben durchführt. Darauf folgt eine weitere Sortierung auf der Maschine, die Grünteile und Blätter herausselektiert, sodass recht cleane Beeren im Weingut ankommen. Dort wird auf dem Rüttelpult nochmals nachsortiert, der nur eine gewisse Beerengröße durchlässt und alle anderen Teilchen außer Beeren fernhält. Danach geht das Ganze nochmal über ein Laufband an dem viele Mitarbeiter per Hand erneut nachsortieren bis das Lesegut nahezu perfekt ist. Das ist schon eine enorm aufwendige Sortierarbeit, die hier vorgenommen wird. Danach kommt eine kalte Vorfermentation unter Schutzgas mit 4 Grad für 6 bis 10 Tage. Es folgt eine langsame Fermentation unter 26 Grad mit Überpumpen. Die Gesamtzeit auf der Schale beträgt bis zu 28 Tage bei 28 Grad. Der Wein reift danach komplett in Barriques, davon ein Drittel neu. Die Reifezeit beträgt zwischen 12 und 15 Monate. Die 2018er Cuvée besteht aus 60% Cab. Sauvignon, 28,5% Merlot, 11,% Petit Verdot. Der Alkohol liegt bei moderaten 13.5% und der pH bei 3.89. Du Retout liegt wie bekannt im Grunde quasi fast in der Gemeinde Margaux, direkt am Rand gelegen. Und so ist der Charakter von Du Retout auch immer im Margaux Stil. 2018 war Margaux extrem reif, oft überreif, extrem voll, samtig, kraftvoll, üppig, fast fett. Das betrifft die ganze Appellation und so eben auch das direkt am Rand liegende Weingut Du Retout. So ist die Bezeichnung Haut Médoc hier auch völlig missverständlich, denn es gibt so andere Stilistiken, wenn wir oben im Norden an Haut Maurac, an Charmail denken, wo es deutlich rotfruchtiger wird. Und da gibt es eben hier die Cru Bourgeois, die nahe an Margaux liegen, weiter südlich werden sie dann nochmal anders. Deshalb ist Haut Médoc sicherlich die heterogenste Appellation überhaupt mit 3 bis 4 ganz verschiedenen Stilistiken. Um es noch einmal deutlich zu sagen, Du Retout ist immer im Margaux Stil. Und so wundert es nicht, dass die Nase unglaublich voll, reich und üppig ist. Tanninmassen schieben sich aus dem Glas. Süße Maulbeere, Brombeere, viel Wucht aus Cassis und Veilchen, Rosenblättern, ganz weich, ganz reif, sehr aromatisch. Darunter kommt Hagebutte, Cranberry, Haselnuss. Der Mund ist genauso typisch Margaux wie die Nase, hat jedenfalls 2018 die gleiche Reichhaltigkeit. Der Mund ist immens üppig, hier aber deutlich mehr satte Schwarzkirsche, nur ganz langsam kommt Lakritze darunter, Veilchen, auch wieder Rosenblätter, viel Assam Tee. Dann kommen rote Kirsche und Cranberry, ganz feines Tannin, das dann immer mehr Kraft aufbaut, immer voller wird. Aber nichts ist jemals hart, nichts ist spröde, keinerlei Rustikalität, sondern nur eine üppige Weichheit und dennoch Struktur und Geradeauslauf. Noch einmal die Stilistik hier ist völlig anders als die der Superstars im Norden bei Ch. Carmenère, Haut Maurac und Doyac. Dies ist im Grunde so etwas wie eine eigene Appellation. Und innerhalb der südlichen Weine des Haut Medoc ist Du Retout für mich ganz vorne. In 2016 hatten wir den bisherigen Überflieger des Weingutes der neben der Üppigkeit auch diese wahnsinnige Eleganz hatte und unglaublichen Schliff. 2018 ist auf Grund der Reife des Jahrgangs stilistisch anders, noch üppiger, voluminöser, nicht besser oder schlechter, eben nur deutlich anders. Man kann ihn eher mit einem Ch. Deyrem Valentin aus Margaux vergleichen und da finde ich, dass er durchaus auf dem gleichen Level liegt und Deyrem ist deutlich teurer. Im Preisleistungsverhältnis sind die Appellationen Medoc und Haut Medoc zu unser aller Glück ein Underperformer, diese Weingüter bekommen nie ihren wahren Wert gezahlt, weil die Appellationen so groß und uneinheitlich sind. So lange das so ist wollen wir das mit Freude hinnehmen. 95+/100

Lobenberg: Chateau Retout ist ein Vorreiter für eine sehr kuriose Weißweincuvée, aber nur in allerkleinster Menge. Diese Cuvée wird auf nur gut 1,5 Hektar angepflanzt. Es wird eine überschaubare Anzahl von 10.000 Flaschen erzeugt. Hier wird per Hand und in zwei Durchgängen gelesen, was möglichst ist auf Grund der kleinen Anbaufläche. Es wird extrem aussortiert und manuell nachsortiert. Sowohl im Weinberg als auch auf dem Band. Die Pressung ist eine Direktpressung ohne Entrappung (Ganztraubenpressung). Dann wird das Ganze sofort gekühlt unter Schutzgas bei 4 Grad einige Zeit abgesetzt, aber völlig ohne Zugabe von Schwefel. Die spontane Gärung findet dann ca. 48h später nur im Barrique und in schmalen Holzfudern statt. Es gibt eine Bâtonnage innerhalb der ersten vier Monate. Die Lese für die Weißweine findet natürlich eher als für die Roten statt. Die Fermentation selbst dauert bis zu 24 Tage. Der Wein wird danach 9 Monate zu über 80% im Barrique ausgebaut. Diese sind zu einem Viertel neu. Der Rest bleibt im Stahl. Die 2018er Cuvée ist 40% Gros Manseng, 40% Sauvignon Gris, 10% Savagnin, 10% Mondeuse Blanche. Der Alkoholgrad liegt bei 13.5%, der pH bei 3.18, was schon auf die große Frische des Weines hindeutet. Dieser Wein ist ein Unikat in Bordeaux, völlig anders auf Grund der Rebsortenzusammensetzung. Und es ist natürlich auch ungewohnt im Medoc am Rande von Margaux einen Weißwein zu haben. Selbstverständlich hat auch Ch. Margaux einen eigenen berühmten Weißwein aus 100% Sauvignon Blanc, aber ansonsten sind es wirklich nicht viele. 2018 war das beste Jahr meiner Verkostungsgeschichte für den Pavillon Blanc von Ch. Margaux und ich weiß nicht ob es an der Region liegt dieses Jahr, aber Du Retout Blanc ist 2018 ein ähnliches Kaliber. Er ist zumindest gleichwertig zum unglaublich schönen, eleganten 2016er. 2018 ist etwas duftiger,  etwas mehr Muskateinfluss, aromatischer, viel gelbe und weiße Birne, Aprikose, fast an den Sauvignon Blanc von Ch. Margaux erinnernd. Ganz viel weißer Pfirsich, helle Melone, ein ganz leichter Hauch Mango und Papaya darunter, unglaublich fein und aromatisch. Manchmal denke ich, wieso geben Leute 100€ und mehr für einen Wein aus, wenn dieser extrem günstige Wein so eine wahnsinnige Aromatik hat. Okay ich gebe zu, im Mund ist es dann ein Unterschied, aber der ist auch gewollt. Wir haben durch diese Rebsorten Savagnin und Gros Manseng eine so große Eigenwilligkeit, einen so eigenwilligen Charakter. Da kommt ganz viel Feuerstein, da kommt Sancerre-artiger Silex, dann sind wir im Jura oder auch im Jurancon der Gros Manseng. Wir haben all diese Einflüsse dieser verschiedenen Regionen in diesen Rebsorten. Der Wein ist unglaublich komplex, feine Aromatik, aber intensiv, feine Bitterstoffe daneben, tolle Länge. Das ist ein wirklich unikathafter Wein mit einer genialen Aromatik und Geschmacksvielfalt. Aber noch einmal, kein Genießer sollte ihm mit der Erwartungshaltung eines klassischen weißen Bordeaux begegnen. Allerdings ist er auch kein Jurancon und kein Jurawein. Dafür ist er dann wieder zu kompatibel, denn er ist bei aller Extremität und Unikathaftigkeit immer auch unglaublich lecker, süffig, saftig und macht viel Freude. Aber den eigenwilligen Charakter muss man ihm einfach lassen und den muss man auch lieben. Das ist ein wirklich ganz superber Weißwein. 96+/100 

Lobenberg: Haut Maurac ist ein weiteres Weingut von Olivier Decelle von Château Jean Faure. Es liegt ganz im Norden des Haut Médoc in direkter Nachbarschaft zu Chateau Clos Manou. Wir hatten hier in 2018 extrem gesundes Lesegut, es gab keine Probleme mit Mehltau, aber dennoch eine kleine Ernte. Die Cépage ist 60% Merlot, 40% Cabernet Sauvignon. Der Alkohol liegt bei moderaten 13.5%, der pH-Wert liegt bei 3.7, also mit einer für das Haut Médoc relativ milden Säure. Es ganz kleiner Teil von nachträglich selektierten, sehr reifen Rappen wurde der Spontangärung hinzugefügt. Der Ausbau erfolgt im neuen und gebrauchten Barrique, sowie ein wenig im größeren Tonneau. Seit vielen Jahren ist Haut Maurac nun einer der wichtigsten Verfolger des absoluten Primus im Haut Médoc, Clos Manou von Stephane Dieff, der ein solcher Extremist ist, dass er wohl im Médoc für immer eine Ausnahmeerscheinung bleiben wird, das kann man mit normalen Maßstäben nicht kopieren und erreichen. Aber Haut Maurac ist inzwischen schon vor Charmail, sicher vor Sociando-Mallet und auch vor dem super-teuren, klassifizierten La Lagune und somit der wahre Verfolger von Clos Manou. Die Nase ist trotz des kleinen Rappenanteils extrem sauber und puristisch, auch hier wird der gleiche Ansatz verfolgt wie bei Jean Faure. Anders als bei Jean Faure wird hier bei Haut Maurac schon in die Fermentation hinein recht früh Schwefel gegeben, weil das Traubenmaterial nicht so puristisch rein ist wie bei Jean Faure. Die Menge ist auch insgesamt deutlich größer und es wird ein Teil mit der Hand und ein Teil mit der Maschine gelesen, wie es hier so üblich ist, wenn man nicht gerade Château Clos Manou heißt. Auch der finale Blend wird hier nicht frühzeitig bis März vollzogen. Die Nase ist trotzdem verblüffend schön und für einen hohen Merlot-Anteil erstaunlich in der Rotfruchtigkeit. Rote Johannisbeere und frische Zwetschge sind die Dominanten, vor etwas Kirsche und Himbeere, dann kommt Schwarzkirsche, später auch etwas Brombeere hinzu, auch Sanddorn. Der Mund ist extrem aromatisch und obwohl durch den hohen pH-Wert die Anzeige geringer Säure offensichtlich ist, ist der Mund frisch. Die Länge und Intensität der Säure der roten Johannisbeere und der Kirsche wird unterlegt von weißer Schokolade und etwas Marzipan, ein Hauch von Griespudding unterlegt das Ganze auf eine sehr schöne, angenehme Art, gibt einen Kick dazu. Guter Nachhall, wunderbare Länge, das ist mehr als ein sehr schöner Haut-Médoc. Da bin ich mal gespannt was die anderen Tops Charmail, Clos Manou und Château Carmenère hier zeigen werden. Dies hier ist ein ganz sicherer Wert, ein perfekter Haut Médoc. 95+/100

Doyac

Lobenberg: Château Doyac ist ein ganz kleines Weingut mit wirklich extrem arbeitenden Besitzern, im Grund so eine Art zweites Clos Manou. Spezielles Terroir mit reinstem Kalkstein, deshalb auch die spezielle Ausrichtung mit so viel Merlot, was sehr untypisch für das Médoc ist. Die Cépage 2018 ist 25% Cab. Sauvignon und 75% Merlot. Die Reben sind rund 25 Jahre alt und mit 7.000 Stock/ha in Dichtpflanzung angelegt. Das Weingut arbeitet biodynamisch, dementsprechend wird auch alles spontanvergoren, komplett entrappt. Hier wird zum Teil mit der Maschine gelesen, danach gibt es eine Laser-Selektion mit der Sortiermaschine. Der Ertrag lag bei 30 Hl/ha. Der Jahrgang 2018 wird Bio-zertifiziert sein, ab 2019 dann biodynamisch zertifiziert bei Demeter, obwohl dies auch 2018 schon gegeben war. Das Team von Boissenot um Marco Balsimelli steht als Berater zur Seite. Auch die Nase ist ungewöhnlich für 2018, so unglaublich fein, aber sehr konzentriert. Durch das spezielle Terroir hier im Médoc, direkt neben Saint Estèphe gelegen. Unglaublich reiche schwarze, dichte Kirsche in der Nase, mit feiner Süße wie aus Datteln, ein bisschen Blaubeere, Maulbeere, so wuchtig, so dicht, mit heller Lakritze, aber auch schwebend, voller Finesse. Ganz dicht, intensiv und hocharomatisch im Stil eines sehr reifen Margaux. Im Mund setzt sich diese unglaubliche Konzentration fort. Wir kriegen unglaublich viel unerwartete Schlehe und Hagebutte, eine unglaubliche Konzentration in heller Frucht, weiße Schokolade, und ganz viel helle Blüten bis hin zu Jasmin, Veilchen und Brombeere dazu. Eine unglaubliche Spannung aufzeigend. Der Wein ist in seiner Stilistik viel mehr bei der roten Frucht, was man bei Merlot ja so gar nicht erwarten würde. Das Tannin ist reif und total seidig. Der Mund erinnert mich total an Château Haut Maurac, auch dieser Haut Medoc ist gerade definiert, sauber, feine Eleganz zeigend, sehr verspielt, dazu eine schöne Länge und salzige Mineralität. Dieses Weingut muss ich unbedingt im Auge behalten, es war ein persönlicher Tipp vom französischen Superstar-Verkoster Quarin, durch den wir vor vielen Jahren auch Château Clos Manou entdeckt haben. Dieser Doyac ist so fein und verspielt im Nachhall, feiner noch als Haut Maurac, nicht besser aber feiner, total zart. Das könnte ein Pessac Léognan sein, so extrem geschliffen ist das superzarte, salzige Fruchtbild. Und trotzdem hat der Wein eine tolle Struktur. Wir haben diese drei Stilistiken der drei Tops des Medoc und Haut Medoc, Clos Manou der mit Max von Doyac sehr gut persönlich befreundet ist, dann Château Carmenère und jetzt Doyac, alle drei werden vom Team Boissenot betreut und dennoch ist es verblüffend wie unterschiedlich diese drei Weine sind. Und weiterhin ist es verblüffend, dass diese Weine ohne Probleme in die Reihe der klassifizierten Top-Weingüter einzuordnen sind. Nicht unter den Premiers Crus und den Super Seconds, aber direkt dahinter können sie allemal mitspielen. Superber Wein und der dritte im Bunde der drei Musketiere. 97/100   

Lobenberg: Chateau Charmail liegt ganz im Norden, der direkte Nachbar von Sociando Mallet, den er seit vielen Jahren überflügelt hat. Phelan Segur zur anderen Seite. Eine überwiegend auf Merlot basierende Cuvée, die in warmen Jahren mit zu dem Besten gehört, was das Haut Medoc zu bieten hat. Er ist in der direkten Verfolgerschaft mit Haut Maurac, du Retout, alle jagen sie der Spitze um Château Carmenère und Clos Manou nach. Auf jeden Fall ist das schon die Oberliga des Haut Médoc. Die Nase ist sehr schwarzbeerig, intensiv und reif, dabei ganz weich, die Lakritze ist sehr gemäßigt, die Veilchen sind nicht so sehr drückend, leichte Rosenblätter. Eine schöne Süße ausstrahlend, aber eben auch eine gute Feinheit in den Tanninen signalisierend. Ein wirklich schicker, toller, aromatischer Mund, die Augen ziehen sich zusammen ob der Intensität und gleichzeitig dieses viele Salz und diese Länge. Kirsche, Cassis und Brombeere bleiben sehr fein, nichts wird zu fett, zu üppig, der Wein ist ganz reif, aber nicht überreif. Der Alkoholgehalt, der sicherlich hoch sein wird in diesem Jahr ist nicht zu spüren, die Balance ist da. Das ist ein Charmail, der ein würdiger Nachfolger der großen Weine aus 2010 und 2016 ist. Der vielleicht ob seiner Reife und seiner Intensität noch besser werden mag, der noch mehr Wucht aufbauen wird. Für Charmail ein großer Wein, eine Ode an die Freude und an den hedonistischen Genuss in dieser Opulenz. 95+/100 

Lobenberg: Dieses kleine Weingut liegt im äußersten Norden des gesamten Medoc Gebiets, weit nördlich von Saint Estèphe. Der Nachbar ist Chateau Haut Maurac. Clos Manou wird vom Besitzer Stéphane Dief persönlich bearbeitet. Zwar in einer nicht zertifizierten, aber extrem biologischen Weinbergsbearbeitung mit winzigen Erträgen, Dichtpflanzung (über 10.000 Stöcke pro Hektar). Ertrag pro Pflanze unter 500 Gramm, winzige Träubchen, sehr tief und nahe am Stamm. Wenn man die Arbeit im Keller sieht, die Stephan durchführt, wird einem schwindelig ob dieses wahnsinnigen Einsatzes. Er hat spezielle Rütteltische zur Entrappung, inzwischen sogar optische Nachsortierung der Trauben. Die Gärung erfolgt im Beton und Holz, Ausbau zum Teil auch in Betonamphoren. Hier wird nichts unversucht gelassen. Stephan ist ein echter Fanatiker der Qualität. Und wäre es nicht Haut Medoc sondern Pauillac, wären seine Weine, zusammen mit Pontet Canet, immer im 100-Euro-Bereich. Das ist seit vielen, vielen Jahren großes Kino und wird auf Grund der Randlage und zahlreicher "nur Etikettentrinker" total unterbewertet. Clos Manou kann man seit den Jahren 09, 10 und vielleicht schon ab 05 nicht mehr mit den normalen Vergleichsmaßstäben des Médoc und Haut Médoc werten. Wer schon mal auf dem Château war, wer gesehen hat wie in dieser Dichtbepflanzung mit den winzigsten Erträgen pro Stock einfach diese extrem feinen Finesseweine gewonnen werden, die gleichzeitig diese irre Spannung aufweisen, der nimmt Abschied von der Klassifikation von Bordeaux. Es geht nicht um alteigesessene, große Namen, es geht um Rebenbestand, die Böden und die Arbeit. Die Cépage des 2018ers lautet 52% Cab. Sauvignon, 38% Merlot, 5% Cab. Franc und 5% Petit Verdot. Sehr feine Nase, die eine verblüffend hohe Reife aufweist, mit sehr geschliffenem Tannin, eher zur schwarzen Frucht gehend, etwas Lakritze und Veilchen darunter. Aber wenig süß, eher ganz fein getragen. Und dieses reife Jahr 2018 führt überhaupt nicht dazu, dass Stéphane Dief irgendetwas Fettes in die Flasche zaubert, aber es führt dazu, dass der Wein eine wahnsinnige Spannung hat. Wir haben hier wie bei den allerbesten Weinen dieses Jahr eine Frische aus der hohen Reife, mit so viel Frucht, so grandioser Dichte. Tannin in Massen, aber total seidig, nichts beißt, nichts zwickt. Und trotzdem ist alles sehr präsent, sehr lang, und zugleich unendlich fein. Gleichzeitig diese konzentrierte Wucht aus sehr kleinen Beeren, aber das entscheidende ist, dass trotz dieser Unmengen an schwarzer und roter Beerenfrucht, diese unglaubliche Spannung aufsteigt. So komplex, dicht, sehr athletisch. Auch im Mund fast mehr eine Implosion als eine Explosion, der ganze Gaumen zieht sich zusammen, die Zunge rollt sich, die Augen werden schmal, das ist so unglaublich hyperkonzentriert und dicht und trotzdem nicht fett. Totale Balance und Harmonie und dabei eine wahnsinnige Spannung aufweisend aus der vornehmlich schwarzen Frucht, Brombeere, Schwarzkirsche, wenig Cassis, alles durchgegoren, nichts ist süß, alles ist unendlich fein. Trotz immenser Tanninmassen wie noch nie zuvor, mehr als 2016, mit diesem wahnsinnigen Druck und der gleichzeitig großen Feinheit. Bei diesem Wein spürt man einfach die irre Konzentration des Jahrgangs. Der Wein erinnert mich ein wenig an den einen Tag zuvor verkosteten Château Beychevelle aus Saint Julien, der auch unglaublich fein war. Das sind Belege dafür, dass man auch in einem so reichhaltigen Jahr wie 2018 sowohl famose, üppige Schönheiten, wie auf Château Meyney, als auch strahlend schicke Weine, wie in 2016 mit dieser unendlichen Finesse, erzeugen kann. Und genau das gelingt hier auf Clos Manou, lang, schön und ultrafein dabei. Das wird ein unglaublicher Langläufer, das ist besser als je zuvor und es kann problemlos mit in der Topliga der klassifizierten Weine mithalten. 97-100/100     

Mit Du Retout, Haut Maurac, Doyac, Charmail, Carmenere und Clos Manou In Haut Medoc, mit Lilian Ladouys und noch mehr Le Boscq in Saint Estèphe, mit Deyrem Valentin in Margaux, Pontac Monplaisir und noch mehr Seguin und Léognan in Pessac, Dutruch Grand Poujeaux in Moulis, und eben neben Chateau La Bridane diesem Teynac in Saint Julien habe ich die perfekte Weltklasse im Einstiegsbereich der Village-Appellationen des linken Ufers unter oder um 25 Euro gefunden. Nur Pauillac klemmt da noch. Vielleicht klappt es mit dem grandiosen Fonbadet? Dann “rien ne va plus”.

Lobenberg: Erst in der heutigen Zeit, unter den Direktoren Pierre Fougere und Georges Pauli, ist Lilian Ladouys wieder auf den Weg in die Spitze. Seit 2008 ist das Gut im Besitz von Françoise und Jacky Lorenzetti. Mehr als 90 einzelne Parzellen erstrecken sich über insgesamt 45 Hektar in der gesamten Appellation Saint-Estèphe. Überwiegend stehen die Reben auf Kieslinsen und Sand, dem vorherrschenden Terroir des Médoc. Andere Teile wachsen auf Ton über Kalkstein, auch durchaus üblich in der Gemeinde Saint-Estèphe. Dieses kleine Weingut hat in sehr guten Jahren wie 2009 und 2010, aber auch 2015 und 2016, schon große Erfolge gefeiert. Sie brauchen vernünftiges Wetter. In schwierigen Jahren ist es eben hier auch sehr schwer einen guten Wein zu erzeugen. In dieser Appellation in wärmeren Jahren einer der feineren Weine, dennoch reife, schwarze Frucht, auch guten Terroirabdruck und Mineralität zeigend, seidiges Tannin, tänzelnd. Der Wein macht Freude, er hat zwar keine Größe, wie ein Meyney oder Phelan Segur, von dieser Reihe ist er weit entfernt, aber dafür macht er viel Freude. Es ist ein schicker Saint Estèphe aus einem großen St Estèphe Jahr und ich hätte nicht gedacht, dass man hier 2016 noch steigern kann. Aber im Grunde gibt es dieses Jahr viele St Estèphe, die mit ihrer Reife auch große Balance gefunden haben und damit noch vor 2016 liegen. Lilien Ladouys ist auf jeden Fall richtig gelungen, ein Spaßmacher auf gutem Niveau. 93-94/100

Lobenberg: Der Le Boscq gehört zum Imperium der Thienot Champagner-Familie, zu denen auch Belgrave in Haut-Medoc und La Garde in Pessac-Léognan gehört. Das ist einer der größten Négoce hier, CVBG, der auf Chateau Belgrave sitzt. CVBG ist einer der fünf größten Négoce in Bordeaux überhaupt. Le Boscq ist spätestens seit 09/10 im Bereich der Verfolger der Spitze angekommen, also durchaus gehobenes Mittelfeld. In 2018 gibt es einige Siegerappellationen, zu denen gehört auch klar Saint Estèphe und der obere Norden gehört. Das trifft dieses Château natürlich auch gut. Hohe Reife auf einem im Grunde eher kühleren, gut mit Wasser versorgten Terroir, das ist eigentlich ziemlich perfekt. Viel schwarze Kirsche, sehr üppig, aber gleichzeitig fein. Für einen Burgunder zu dick, trotz der Kirschorientierung, langsam kommt Cassis dazu, Veilchen, Rosenblätter, aber immer sehr fein bleibend. Schon aus dem Glas steigt diese Feinheit der Tannine, massiv, aber sehr geschliffen. Wirklich hübsche, einnehmend charmante Nase. Was für ein ausgesprochen leckerer, charmanter Mund, jetzt kriegen wir eben unerwartet viel rote Frucht dazu. Waldhimbeere, satte Kirsche, auch Sauerkirsche, hohe Intensität roter Waldbeerenfrüchte, dann kommt wieder die aus der Nase bekannte Schwarzkirsche dazu, auch Cassis, aber nur zu einem kleinen Teil. Ganz feine Lakritze, nichts zu Süßes, alles bleibt fein trotz Tannin in Massen, anders kann man das nicht beschreiben, aber total seidig. Und das Ganze spielerisch mit einer großen Harmonie, in sich perfekt. Das ist fast ein großer Wein. Ein Wein normal in der Verfolgung von Ch. Meyney und Phelan Ségur. Ein Wein, der eigentlich im Mittelfeld angesiedelt ist, aber in 2018 auf jeden Fall ins obere Mittelfeld gehört. Phänomenaler Erfolg für Ch. Le Boscq. 96-97/100   

Lobenberg: Das winzige Gut liegt mitten in Margaux auf einem Sand- und Kieselplateau, also hervorragende Drainage. Das Durchschnittsalter der Reben liegt bei knapp 40 Jahren. Die Weinberge wurden in den letzten 25 Jahren stark überarbeitet, bessere Klone, höhere Pflanzdichte. Es ist im Besitz der Familie Sorge und wird häufig nicht beachtet, weil es nicht klassifiziert ist, aber seit Jahren ein Geheimtipp in der Appellation und oft auch ein Highlight. Hier werden immer extrem feine Weine erzeugt und das Preisleistungsverhältnis ist für Margaux außergewöhnlich. In der Regel das Superschnäppchen der Appellation, aber es bekommt eben ohne Klassifizierung niemals die Aufmerksamkeit um eine große Nummer zu werden. Dennoch im Grunde sowas wie Pontac Monplaisir in Pessac Léognan, unter dem Radar laufend. Margaux ist in 2018, wie schon mehrfach von mir ausgeführt, die Appellation für Power und das ist auch bei Deyrem Valentin so. Der Wein ist hochreif, sehr voll, Schokoladenküchlein, Brombeere, Maulbeere, Lakritze, schwarze Kirsche, auch leichte Konfitüre, etwas Feige. Das ist für so einen kleinen Wein schon ein ziemlicher Kracher in dieser typischen 2018er Margaux Üppigkeit, aber mit feiner Mineralität daneben, sodass die Balance stimmt. Und auch die Tannine sind geschliffen und fein, nichts tut weh, nichts ist überextrahiert. Ein guter Kompromiss zwischen der Üppigkeit des Jahrgangs und der Appellation und der Feinheit, die bei Deyrem immer erreicht wird. Der Wein braucht vielleicht 3-4 Jahre länger Zeit, als die Vorgängerjahre, wird dann aber ein wirkliches Preisleistungswunder darstellen. Das ist wirklich ein perfekter kleiner Margaux. 94+/100

Lobenberg: Dieses winzige Château noch im Stadtgebiet Bordeaux liegend ist nun seit vielen Jahren, spätestens seit 2008, im Kreise der Top-Weine Pessac Léognans angekommen. Der Preishammer am linken Ufer schlechthin. Das Weingut segelt im Fahrwasser von La Mission Haut-Brion, Pape-Clement, Carmes Haut-Brion, Seguin, Haut Bailly, Château Léognan, Domaine de Chevalier und Smith. Auf der Höhe eines Fieuzal, nur raffinierter und weniger wuchtig, mehr Seguin-Stil. Das Jahr 2018 mit seiner hohen Reife kommt diesem Château hier absolut zu Gute. Die Nase verblüfft und schlägt den wirklich famosen, eleganten und schicken 2017er um Längen. Wir sind hier auf dem Niveau des großartigen 2015ers und 2016ers, allerdings mit einer anderen Charakteristik. Die Trockenheit und die Hitze sorgen für so viel eingekochte Kirsche in der Nase, reichlich, dicht, süße rote Kirsche, süße schwarze Kirsche und Zwetschge, aber nichts Überreifes, einfach nur wuchtig, voluminös und hoch intensiv. Rosenblätter darunter, kaum Veilchen, kaum Lakritze, sondern nur ein Hauch. Wir bleiben in der kirschigen Wucht, langsam kommt ein bisschen Cassis und süße Maulbeere hinzu. Gott, was für eine Fruchtorgie in der Nase. Die Balance stellt sich dann im Mund ein und das ist auch gut so, ansonsten wäre es ein reiner, dicker Fruchtsaft. Im Mund kommt deutlich Salz, deutlich das Kalkstein-Terroir, Lehm, Sand, also auch Feinheit. Aber dieser salzige Terroirabdruck unter diesem Kirschsaft, der immer noch massiv spürbar ist, schafft eben den Ausgleich. So wird aus diesem üppigen Kirschsaft sogar ein feiner Wein mit feiner, heller holländischer Lakritze, auch hier die Blumigkeit, aber wir gehen weg von reinen Rosenblättern, hin auf etwas Jasmin, auch Kräuter der Provence. Der Wein braucht ein paar Jahre Zeit, 2018 hätte ich viel fertiger erwartet, aber man sieht hier, dass es ein großer Wein ist. Ich könnte mir vorstellen, dass er sogar irgendwann an 2015 und 2016 vorbeizieht, weil er neben der Üppigkeit und diesem massiven, aber total samtig und seidigen Tannin eben auch diese mineralische Struktur hat, die diesen Ausgleich schafft. Das ist und wird ein Top-Wert. 95/100

Lobenberg: Besitzer ist seit 1987 die Familie Darriet, die Reben sind nun ca. 25 Jahre alt. Das Weingut liegt in der Nähe von Pontac Monplaisir, nicht weit entfernt von Château Haut-Brion. Die Böden hier sind sogar identisch mit denen der Nachbarn Haut-Brion und Mission Haut-Brion, das ist sogar in historischen Büchern so festgehalten. Es ist überwiegend sensationelles Kies-Terroir mit etwas Lehm und Sand. Das Weingut ist immer schon in Familienbesitz und hat ungefähr 30 ha, die mit über 7.000 Stöcken je Hektar dicht bepflanzt sind, eines der Erfolgsgeheimnisse. Denis folgt in seiner Ernte und seiner Auswahl für Erst- und Zweitwein mehr den Bodenformationen als anderen Kriterien. Alle Reben sind in etwa gleich alt, im Durchschnitt 25-30 Jahre alt. Die sandigen Böden gehen in den Angelot, der kein klassischer Zweitwein ist, sondern eben der Wein von den sandigen Böden. Die Top-Böden mit Lehm und Kies gehen in den Seguin. Es gibt in Frankreich eine neue staatliche Zertifizierung des Agrarministeriums, welches über ein 3-stufiges System die Umweltverträglichkeit attestiert. Stufe 3 ist das höchste erreichbare Level, für welches die Verwendung von Rohstoffen wie Plastik, Holz, Wasser, der Einsatz von Pestiziden, Insektiziden, Dünger und vieles weitere nach den höchsten staatlichen Richtlinien geprüft und zertifiziert wird. Im Grund ist das genau wie bei Demeter oder anderen Verbänden, nur das dies hier staatlich geschieht. Da Seguin schon lange überwiegend organisch und ressourcenschonend arbeitet, hat Seguin inzwischen mit dem Jahrgang 2018 die höchste Stufe 3 erreicht. Ab 2018 wird es daher ein neues zertifiziertes Rückenlabel für die Flasche geben. Die Cépage in 2018 ist 55% Cab. Sauvignon und 45% Merlot, der Alkohol liegt bei 14%. Der Wein wird zu 60% in neuen Barriques ausgebaut, der pH-Wert liegt bei 3.7. Die Nase dieses Seguin zeigt eine wunderschöne Reife, Backpflaume, schwarze Kirsche, nur feine Lakritze, Veilchen, sehr verspielt und getragen, langsam kommt auch etwas rote Kirsche. Insgesamt eine große Harmonie ausstrahlend, feiner Duft mit extrem feinem Tanningerüst in der Nase. Aber im Mund geht es dann richtig zur Sache mit extremer Mineralität, so viel Salz, so viel Gestein, Kalkstein, fast Schärfe zeigend aus der Mineralik, die nochmal deutlich höher ist als sie 2016 schon war und eine großartige Balance schafft zu dieser hohen Reife. Das mit dieser wirklich fast physisch spürbaren Säure, etwas an Zitronengras und Limette erinnernd, und dann diese salzige Schärfe, die für Minuten anhält. Dieser Seguin 2018 ist wie man so schön sagt ein Vin de Garde, ein großer achtungsgebietender Wein, der Zeit braucht. Der 2018 wird noch deutlich mehr Zeit brauchen, als der hochelegante 2016er, weil in 2018 von allem reichlich vorhanden ist. Reife Frucht mit einer deutlichen Dominanz bei der Kirsche, in der schwarzen Kirsche, darunter dann diese ungeheuren Tanninmassen, die aber total seidig und fein sind und noch ein guter Touch Toasting vom neuen Holz. Hochintensiv und dennoch fast schlank bleibend, fast filigran, aber weil alles belegt wird und alles immer wieder hochrollt, weil von allem irgendwie zu viel ist, ist es dennoch gleichzeitig eine Art Blockbuster. Ein Blockbuster der Feinheit, der bitte mindestens 5 Jahre, besser etwas mehr, weggesperrt gehört. Ein Wein, der sich dann finden wird, der Eleganz und Kraft verkörpert, der im Grunde stilistisch noch mehr als 2016 eine Art La Mission Haut-Brion ist. Gnadenlos gut, aber auch gnadenlos jung. Ich hätte nach dem schicken, feinen und zugleich großen 2016 einen viel üppigeren, runderen Wein hier erwartet, aber 2018 zeigt sich so gnadenlos mineralisch, zusammen mit dieser sehr reifen Frucht. Dieser Wein wird Jahrzehnte halten und braucht wirklich viel Zeit zur Entwicklung, das Potenzial ist riesig. Fast ein wenig maskuline Züge in dieser Mineralität, fast ein wenig irgendwo an Pape Clement erinnernd mit Zügen eines Pauillac. Der Wein hat zwar Charme in der reifen Frucht, aber eben noch sehr viel mehr Anspruch in der Mineralität und in der Power, die unter allem schlummert. Der Wein hat eine so viel größere Frische und Mineralität, im Gegensatz zu den meisten anderen bisher probierten Weinen aus Pessac Léognan, von denen die meisten eine Wärme gezeigt haben. Das sorgt nicht nur für große Verblüffung, sondern sorgt auch für den großen Unterschied. Unglaublich präzise, geradeauslaufend mit einer wahnsinnigen Frische und eben dieser hohen Mineralität. Da es das gleiche Terroir ist wie bei Haut-Brion, bin ich sehr gespannt, wenn wir dort hinkommen. Das muss ja ähnlich großes erwarten lassen. Seguin 2018 ist groß, lang, dicht und ein Wein für die ewig lange Reise. 100/100

Lobenberg: Besitzer ist seit 1987 die Familie Darriet, die Reben sind nun ca. 25 Jahre alt. Das Weingut liegt in der Nähe von Pontac Monplaisir, nicht weit entfernt von Château Haut-Brion. Die Böden hier sind sogar identisch mit denen der Nachbarn Haut-Brion und Mission Haut-Brion, das ist sogar in historischen Büchern so festgehalten. Es ist überwiegend sensationelles Kies-Terroir mit etwas Lehm und Sand. Das Weingut ist immer schon in Familienbesitz und hat ungefähr 30 ha, die mit über 7.000 Stöcken je Hektar dicht bepflanzt sind, eines der Erfolgsgeheimnisse. Denis folgt in seiner Ernte und seiner Auswahl für Erst- und Zweitwein mehr den Bodenformationen als anderen Kriterien. Alle Reben sind in etwa gleich alt, im Durchschnitt 25-30 Jahre alt. Die sandigen Böden gehen in den Angelot, der kein klassischer Zweitwein ist, sondern eben der Wein von den sandigen Böden. Die Top-Böden mit Lehm und Kies gehen in den Seguin. 2016er ist 60% Cabernet Sauvignon, 40% Merlot. Dieser Wein wird in einer etwas anderen Cépage als der Hauptwein zusammengestellt und von ganz speziellen Terroirs von Seguin gewonnen. Also selektionierte Top-Böden des allgemeinen Seguin Terroirs gehen in diese Mikro-Cuvée, die ähnlich vinifiziert, aber länger im Holz ausgebaut wird. Es gibt nur rare 2000 Flaschen. Das ist der Versuch das Beste des Besten aus dieser relativ großen Anlage von Seguin herauszuholen und mit dieser Mikro-Cuvée auch in der Außendarstellung der direkte Konkurrent von Haut-Brion zu werden. Das ist das erklärte Ziel. Was unterscheidet diesen Wein nun vom normalen Seguin 2016? Durch den etwas längeren Ausbau ist er etwas weicher, er ist weiter entwickelt, nun weniger auf der salzigen Mineralität laufend, er hat mehr Rundheit und Körper entwickelt. Man kann es sich vielleicht ein bisschen so vorstellen wie eine Spezial-Cuvée von Vina Tondonia oder Vega Sicilia, einfach eine weichere, rundere, üppigere und entwickeltere Version eines Seguin. Der Wein kommt auch später auf den Markt. Ich finde den Wein weder besser noch schlechter als Seguin, nur deutlich üppiger und voller, kraftvoller. Er ist schon deutlich weiter entwickelt als der normale Seguin, wenn er auf den Markt kommt und ist generell vom Ansatz her das Beste vom Besten. Aber noch einmal, für mich macht diese Mikro-Cuvée keinen riesigen Unterschied gegenüber einem ohnehin schon außergewöhnlichen Wein. Trotzdem ist er mindestens auf dem gleichen Level wie der absolut geniale 2016er Seguin und er ist ein toller Wein für die Opulenz. 98-100/100

Lobenberg: Ein kleines Weingut von unter 30 Hektar, direkt neben den Nachbarn Branas Grand Poujeaux gelegen. Branas ist allerdings nur 13 Hektar groß und pflegt einen hochreiferen Stil. Dutruch versucht nach Möglichkeit früh zu lesen, und trotzdem bauen die Weine nach 5-6 Jahren unglaublich an Volumen aus. Der Berater ist der Superstar Eric Boissenot, der alle 1er Cru und heimlichen Überflieger des Medoc (auch Carmenere) berät, und der total auf Frische geht, dafür brauchen seine Weine immer mindestens 5 Jahre um sich sehr gut zu präsentieren. Die 2018er Cépage ist 50% Merlot, 40% Cab. Sauvignon, 5% Petit Verdot und 5% Cab. Franc. Der Ausbau erfolgt im neuen und gebrauchten Holz. Auf Grund der Nachbarschaft und der Ähnlichkeit des Terroirs verwundert es nicht, dass die Nase von Dutruch Grand Poujeaux und Branas Grand Poujeaux durchaus Ähnlichkeiten aufweisen. Der gleiche Charakter in dieser wunderschön reifen schwarzen und roten Frucht, üppig, sehr feine Lakritze, schöne Süße steigt aus dem Glas, gleichzeitig sehr elegant. Sehr geschliffene Tannine, nichts Raues in der Nase. Der Mundeintritt ist seidig und fein, die Tannine sind total geschliffen, hier gibt es nichts Sprödes, alles ist reif, seidig und samtig. Was man dem Wein in seiner ganzen Delikatesse und Feinheit vielleicht vorwerfen kann ist, dass er nicht unendlich lang ist und dass die mineralische Länge nicht ganz so gegeben ist. Es ist alles geschliffen, geschmeidig und auf der anderen Seite ist es genau das, was man am Ende trinken will. Macht Spaß, große Trinkfreude, das ist schon als Fassprobe eine Ode an die Freude. So verspielt, gute Frische zeigend, dann kommt auch eine salzige Mineralität durch. Ein ganz klein wenig trocken im Mund durch das Barrique. Wenn der Preis stimmt und er preislich unterhalb von Branas Grand Poujeaux liegt, ist das eine Super-Empfehlung. Ein Wein der sich in die Liga um Charmail und Haut Maurac, vielleicht sogar Du Retout einordnen kann. Das macht richtig Spaß. 94-95/100

Fonbadet

Lobenberg: Fonbadet ist ein preislicher und qualitativer Konkurrent von Pedesclaux und seit Jahren in meiner Beobachtung. Manchmal ist das Weingut schöner und gefälliger, es ist weniger maskulin in der Ausrichtung und der Vinifikation. 2018 ist extrem fein, wunderbarer Schliff in den ultrafeinen Tanninen. Die Nase kommt so elegant rüber, schwarzfruchtig, die Lakritze ist nicht süß, das Schokotörtchen ist nicht so üppig, aber die schwarze Kirsche hat einen sehr eleganten Schliff. Darunter auch minimal Cassis und Brombeere, aber auch diese nicht süß, alles ist eher getragen, elegant. Auch der Mund ist ultrafein, toller Schliff, gar nicht Pauillac auf maskulin, fast nach Saint Julien rübergehend, dafür aber zu schwarz in der Frucht, es bleibt schon Pauillac, es ist eben ultrafein. Die Tannine sind seidig, reichlich vorhanden, aber nichts schmerzt. Einfach nur ein feiner, extrem saftiger, leckerer Pauillac, ohne die häufige Maskulinität. Um diesen Wein sollte ich mich bemühen, das macht echt viel Freude. Wenn der preislich interessant ist, dann ist das ein idealer Einstiegs-Pauillac. Zumal mir Pedesclaux dieses Jahr nicht so gut gefiel. 95-96/100 

Dutruch Grand Poujeaux

In Saint Emilion gibt es sogar viele Anwärter, Gaillard, Amelisse und sicher Le Sacre und Teyssier ist so ein Top-Anwärter, da ist einfach mehr günstige Oberklasse der bäuerlichen Winzer am Start. Castillon hat in der Liga auch eine Handvoll. Fongaban, Robin, Peyrou, Brisson, Le Rey und de l’A sind solche feinen und preiswerten Wunderwerke. Wahrscheinlich hat Castillon mit Saint Emilion die meisten Preis-Leistungs-Stars in der Pipeline. Mehr als erwähnenswert ist auf dem rechten Ufer auch der Lalande Pomerol Haut Musset des gefeierten Önologen Jerome Aguirre und Fronsacs Bester, Chateau Moulin Haut Laroque. Best ever Bel Air La Royere aus Blaye ist auch ein MUSS - und das preiswerte Leckerli Domaine de Courteillac ist mit Chateau Puygueraud von den Côtes de Franc wohl unumgänglich. Mir gefällt das verdammt gut, ich bin damit mehr als zufrieden.

Lobenberg: Ein sortenreiner Merlot von Denis Durantou von Eglise Clinet. Geerntet zwischen dem 29. September und dem 9. Oktober, mit einer Alkoholgradation von 14.5%. Der Ausbau erfolgt in 30% neuem Holz, Rest in zweijährigen Barriques. Duftige, reiche und warme Nase. Dominiert von schwarzer Kirsche, unglaublich wuchtig, aromatisch, tief und würzig. Dazu süße Brombeere, Maulbeere, ein Hauch Cassis darunter, Wacholder, schwarze Oliven, Lakritze, balsamische Noten, Amarena, Backpflaume, Unterholzwürze, auch ein bisschen Weihrauch, unglaublich wuchtig und würzig, dem Jahr 2018 mit seiner tieferen Säure entsprechend mit schönem Volumen und Fett. Der Wein ist extrem aromatisch, lecker, auch hier mit einer Dominanz schwarzer Frucht, Schwarzkirsche, Lorbeer, schwarze Olivenpaste, Lakritz, intensiv, üppig, süße Brombeere, ganz tief, würzig, deutlich wuchtiger als die Vorgängerjahre. 2018 hat dementsprechend diesen hohen pH-Wert, die niedrige Säure, aber diese unglaublich leckere Frucht, überwältigend charmant, einnehmend. Ein grandioser Wert für diesen kleinen Preis. Das ist Saint Émilion von der modernen, wuchtigen Seite, der ganze Mund wird belegt, der Amelisse haftet lange nach. Das ist durchaus nochmal eine Steigerung zum reichhaltigen und zugleich deutlich feineren 2017er. 2018 ist noch etwas voluminöser und wuchtiger und schiebt etwas mehr von unten heraus. Im Grunde genommen sind sie auf dem gleichen Qualitätslevel, aber etwas anders im Charakter. Eindrucksvoller Startwein in Saint Émilion, durchaus mit dem Hang zu einer gewissen Größe. Im Grunde ist das die Einstiegsvariante der Weine in Richtung Troplong Mondot und Angelus, zeigt den gleichen Charakter, ohne natürlich mit diesen Weinen konkurrieren zu wollen. Eine ziemliche Wuchtbrumme. 94+/100

Lobenberg: Einer der leistungsstärksten und zugleich preiswertesten Weine aus Castillon und seit Jahren ein Dauerrenner bei mir. Nach den großen Jahren 09 und 10 folgten die Überflieger 2015 und 2016 und nun schließt sich 2018 in diese Reihe der grandiosen Jahre ein. Die Nase ist üppig, reif und rotfruchtig, dicht mit Kirsche, Schlehe, sehr fein, ätherisch strömend, schöne Würze. Eine berkenswerte Dichte und auch durchaus mit Wucht, dabei aber große Feinheit und Harmonie verströmend. Nach den großen Jahrgängen 15 und 16 dachte ich, dass keine Steigerung möglich ist. Aber der Mund von Fongaban straft mich Lügen. So eine wunderbare Frische, gestützt durch intensive, dichte, üppige, reife Frucht, wieder diese pikante Schlehe mit schwarzer Kirsche, süßer roter Kirsche, Schwarzkirsche, getrockneter Blaubeere, alles reif, dicht und samtig. Das Ganze ist überwiegend auf der roten Frucht langlaufend mit genialer Frische und toller, salzig mineralischer Länge und dichtem, reifem Tanninteppich. Die Rebsortenzusammensetzung ist zwar überwiegend Merlot, aber auch ein guter Anteil Cabernet Sauvignon und vor allen Dingen Cabernet Franc, die hier ganz klar durchschlägt. Ihre grandiose Qualität ist eben auch dem wunderbar frischen und perfekten Cabernet-Franc geschuldet. Castillon ist da extrem begünstigt und ist Kalkstein-Lehm Terroir, es gibt keinen Hitzestress und die kühlen Nächte und Tage im September und Oktober tun immer das ihrige. Natürlich sind Peyrou, CPA und vor allem Clos Louie in Castillon noch besser, aber das ist bei den drei Bio-Superstars auch zu erwarten, sie kosten auch etwas mehr. Fongaban ist 2016 und 2018 auf jeden Fall noch besser als 09 und 10 und dieser Wein ist ein wirkliches Superschnäppchen. 91-92/100

Lobenberg: Das Chateau Le Rey besteht aus einem Erst- und einem Zweitwein. Der Les Roucheuses ist einfach aus den älteren Reben und liegt auf reinem Kalkstein. Über 35 Jahre sind die im Durchschnitt, aber hier gibt es zum Teil auch noch uralte wurzelechte Reben und der Untergrund besteht komplett aus Kalkstein, während der Zweitwein auch Sand- und Kieselemente enthält. Die Cépage ist 80% Merlot und 20% Cabernet Franc, der pH liegt bei 3.5 und der Alkohol bei 14.5%. Die besten Lage Castillons auf dem Plateau, nächster Nachbar ist der superfeine Clos Puy Arnaud. Die reinen Kalksteinböden haben hohe basische Werte, dementsprechend ist die Säure hier ziemlich hoch. Das gibt die Frische und die Feinheit und die salzige Terroirbezogenheit des Kalksteins. Dieser Wein ist zum Teil im Barrique vergoren, zum Teil im Stahl, aber alles spontan. Der Ausbau erfolgt dann während einem Jahr nur im gebrauchten Barrique. Und der Quantensprung zu seinem Bruder, dem günstigeren Les Argileuses von blauem Lehm, ist wirklich enorm. Das sind wie zwei verschiedene Weingüter, deshalb möchte man das auch nicht zusammenführen, und so muss man das auch getrennt betrachten. Es ist auch nicht ein Erst- und ein Zweitwein, sondern es ist ein Wein vom besten Terroir Castillons - und daneben ein einfacherer Wein für die Power vom blauen Lehm. Deshalb nie verwechselbar und auch nicht zusammenführbar. Die Nase des Rocheuses ist unglaublich fein, Merlot dominiert, aber kommt in Form von sehr zarter, schwarzer Kirsche daher. Nur ein ganz kleiner Hauch Lakritze, aber recht viel Mango darunter, auch Orange und ziemlich viel Veilchen, ein bisschen süße Rose, und langsam kommt auch Hagebutte und Schlehe. Der Mund hat beides, eine wunderbare, warme, reiche Fülle, und gleichzeitig hohe Eleganz. Viel schwarze Kirsche, Lakritze, auch hier Veilchen, aber dann auch etwas Johannisbeere und rote Kirsche, Sauerkirsche. Sehr lang, der Wein vibriert und tänzelt, das ist schon ein Castillon der oberen Liga, auch wenn er natürlich von  Clos Louie Meilen entfernt ist. Aber Clos Louie ist kein großer Wein aus Castillon, sondern einer der größten Weine die das Bordelais aufweist, damit dürfen wir nichts vergleichen. Er muss sich messen mit Château d’Aiguilhe von Graf Neipperg, und den kann er ob seiner größeren Feinheit relativ locker toppen, weil Les Rocheuses einfach so verspielt ist, weil es einfach neben der Kraft und Vollmundigkeit diese vibrierende Finesse gibt mit dieser wunderbaren Säure und Frische. Am Ende muss er sich noch der Domaine de l’A und selbstverständlich Clos Louie beugen. Aber es ist schon ein verdammt guter Castillon und ein verdammt guter Wert. Der Wein kann im Bereich des unteren Mittelfelds von St Émilion durchaus mithalten. Aber das ist eben gerade der Punkt, die besten Weine aus Castillon brechen komplett ein in die Phalanx der guten und sehr guten St Émilions. Die höhere Wärme des Klimawandels gibt dem kühleren Castillon einfach soviel Nachhilfe, dass dieses grundsätzlich kühlere Terroir in warmen Jahren mithalten oder gar besser sein kann. Denn die Gesteinsformation und das Terroir selbst sind jedenfalls gleichwertig zu Saint Emilion. 94+/100

Lobenberg: Wow! Das ist zusammen mit dem Chateau Peyrou und Brisson der beste Einstieg, den ich Ihnen in Castillon bieten kann. Seit 2016 im Besitz von Peter Kwok von Château Tour Saint Christophe und weiteren Châteaux, dem Inhaber von Bodega Mas Alta und Jean-Christophe Meyrou! 80% Merlot und 20% Cabernet Franc stehen hier auf grünem und blauem Lehm. Der Alkohol liegt bei 14.5% und der pH-Wert bei 3.4. Es gibt zwei sehr unterschiedliche Terroirs auf Le Rey, einmal blauen Lehm, von dem dieser Wein stammt und dann gibt es den Topwein Les Rocheuses von purem Kalkstein. Dieser Argileuses vom etwas gröberen blauen Lehm ist entsprechend deutlich kraftvoller, voluminöser, wuchtig, stark in Richtung schwarze Frucht gehend, ohne jedoch zu viel Lakritze zu haben. Er bleibt schon im Bereich feiner holländischer Lakritze, schön in schwarzer Kirsche, mit ein bisschen Cassis, alles ein bisschen grober als die zuvor probierten St Émilions und Pomerols vom gleichen Besitzer, aus dem Imperium von Peter Kwok. Und die Besitzer sind mutig genug diesen Castillon nach den ganzen Tops zu präsentieren. Am Ende ist das auch logisch, weil die Castillons etwas grober und rustikaler sind, als die so feinen Weine aus den Toplagen. Der Wein zeigt eine schöne Länge, ist sehr geschmacksintensiv, sehr aromatisch und dicht. Der Argileuses hat als 2018er überhaupt kein Holz gesehen. Er ist im Stahl spontan vergoren und dann in Amphoren ausgebaut, was durchaus zusätzliches Volumen gibt, aber eben keinen zusätzlichen Vanille-Touch. Weil wir hier schon so intensiv in der Frucht sind, wollten sie das Ganze nicht noch weiter mit Holz in der Wuchtigkeit unterstützen. Das ist eine wirkliche Delikatesse und einer der sensationellen Erfolge der Weine aus Castillon. Ein Gebiet das ob seiner Kühle in warmen Jahren zu ganz großer Klasse aufläuft. 91-92/100

Lobenberg: Dieses Miniweingut von Jérôme Aguirre in Lalande Pomerol hat nur 4 Hektar. Sehr alte Reben. Das Terroir ist Kies mit leichtem Sand und Lehmanteilen. Nicht der üppig schwere Lehmboden. Das Weingut gehört der Familie seiner Frau. Die Trauben werden natürlich von Hand gelesen, die Auslese ist auch im Weinberg extrem. Es wird immer entrappt und im Zementtank spontan vergoren auf fast 0 Gramm Restzucker. Der Wein verbleibt danach noch einige Wochen auf der Schale. Eine Art Nachmazeration zur Harmonisierung. Anschließend wird der Wein zum Teil im Zement und zum Teil im Barrique ausgebaut. 50% des Holzes ist einjährig, der Rest zweijährig. Also gar kein neues Holz. Die Weine werden extrem auf Harmonie ausgerichtet. Es wird kein Schwefel während oder vor der Gärung und auch nicht nach der Malo verwendet. Schwefel kommt erst zum Hochsommer, wenn die Temperatur stark ansteigt. Es geht also um extrem harmonische, würzige, fruchtstarke, süffige und leckere Weine. Die Reben auf Haut Musset sind zwischen 30 und 35 Jahre alt. Im Jahr 2018 steigt der Cabernet Franc Anteil erstmals auf 30% und der Merlot sinkt damit auf 70%. Hier gab es dieses Jahr überhaupt kein Mehltauproblem, da man hier auf diesen 4 Hektar Tag ein Tag aus, auch am Wochenende, immer arbeitet und damit jeden Ansatz sofort bemerkt und rechtzeitig dagegen angegangen werden kann. Das Hauptproblem ist nicht der Pilzbefall selber, sondern rechtzeitig präventiv zu arbeiten. Dieses Phänomen hatten wir auch schon bei Château La Croix bei Jean-Philippe Janoueix, der auch ein penibler und rechtzeitiger Arbeiter im Weinberg ist. Der Alkohol ist 13.5% und der pH-Wert liegt bei 3.7. Die größere Frische und Rotfruchtigkeit des höheren Cabernet Franc Anteils tut diesem Charmewunder durchaus gut. Wir kriegen mehr rote Frucht, etwas mehr Himbeere, etwas mehr frische Zwetschge. Der größte Fortschritt kommt aber im Mund. Diese Rotfruchtigkeit des Cabernet Franc dominiert den Merlot ganz klar, aber auch der Merlot ist frisch. Wir haben hier so viel Himbeere und Zwetschge und rote Johannisbeere, Tee, weiße Schokolade, Nüsse, helle Lakritze, und auch einen kleinen Hauch süße Walderdbeere dazu. Ganz fein, ganz ätherisch, extrem aromatisch, ja richtig lecker, süffig. Auf jeden Fall vollzog Haut Musset einen richtigen Paradigmenwechsel in dieser Hinwendung zur Loire-haften und burgundischen, feinen, roten Frucht. Manch einer wird bedauernd, dass der Wein jetzt nicht ganz so viel Struktur und Massivität aufweist wie 2016, sondern so extrem rotfruchtig fein ist, so verspielt und süß in seinem großen Charme. Aber diese Süffigkeit, die Trinkigkeit nimmt sicher nochmals zu, auch wenn der Wein nicht größer ist als 2016. Das ist ein richtig leckerer Stoff, jede und jeder wird ihn mit Vergnügen und Begeisterung bis zum letzten Tropfen austrinken, und so ein hedonistischer Hochgenuss mit soviel Charme ist durchaus ein bis zwei Bewertungspunkte wert. 94/100

Lobenberg: Ein Weingut von 40 Hektar der Familie Thienpont. Regisseur ist Nicolas Thienpont, der auch Beausejour Duffau und Pavie Macquin mitverantwortet. Seit Jahren, ja fast seit Jahrzenten das einzig ernstzunehmende Weingut der Cotes de Franc. Und weit mehr als ein Geheimtipp. 2016 und 2010 waren Mega-Erfolge. Der önologische Berater ist Stephan Derenoncourt. Seit Jahren einer der absoluten Top-Werte außerhalb der klassischen Appellationen. Die Weinberge liegen in Saint Cibard. 50% Merlot, die anderen 50% sind Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und ein bisschen Malbec. Intensive, schwarzfruchtige Nase, sehr üppig, viel Lakritze, viel Veilchen, duftig, wuchtig, fast mehr ein St Émilion in der Wucht, sehr viel Schub. Auch ein sehr reifer Mund, Backpflaume, eingekochte schwarze Kirsche, auch hier wieder ganz viel Lakritze, hochreif mit massiven Tanninbergen, völlig erstaunlich für diesen Puygueraud, der im Grunde immer ein feiner Wein ist. Nun haben wir hier ganz viel Druck, ganz viel Wucht für so einen kleinen Wein. Ich bin total geflasht, wie kann man so eine Wuchtbrumme in so einen bezahlbaren Wein kriegen?! Das ist unglaublicher Stoff in dieser dichten, lakritzigen, schwarzkirschigen Brombeersauce mit Schokotörtchen. Wow – alles hallt nach, alles bleibt dicht und üppig, fast etwas fett mit diesen Tanninmassen. 93+/100

Händlertasting bei Ballande

Dienstag, 2. April

Hintereinander der Besuch der drei besten Weingüter des Medoc und Haut Medoc. Chateau Clos Manou und Chateau Carmenere im äußersten nördlich Medoc. Immens konzentrierte Weine aus kleinen Beeren und Dichtpflanzung. Betreut vom Önologenteam des Eric Boissenot, der auch alle 1er Cru des Medoc berät. Danach der Biodynamiker Chateau Doyac, ebenfalls von Boissenot betreut. Dreimal in der Klasse der besten klassifizierten Weingüter des Medoc. Ganz großes Kino für kleines Geld! Der Norden des Medoc, Saint Estèphe und Pauillac sind einfach reif und groß 2018.

Erste UGC Verkostung auf Batailley

Das bestätigt sich auch bei der ersten UGC Verkostung auf Batailley. Ein sensationell feiner und grandios verspielter Lynch Bages ist nicht weit hinter Pichon Comtesse. Pichon Baron in extrem reifer Konzentration folgt mit Wucht, ein Irrer, weicher Blockbuster. Batailley hat das beste Jahr seiner Geschichte vor dem tollen Haut Bages Liberal.

Lobenberg: Château Lynch Bages liegt auf dem Bages-Plateau oberhalb des Örtchens Pauillac und der Gironde. Selber Besitzer wie bei Pichon Baron, Jean-Michel Cazes ist der Inhaber. Die Rebsortenzusammensetzung des 2018ers ist 72% Cab. Sauvignon, 19% Merlot, 6% Cab. Franc, 3% Petit Verdot. Deutlich feiner und rotfruchtiger in der Nase als das Schwesterweingut Pichon Baron mit mehr Kirsche, feinerer Frucht, Kaltschale, rote Grütze, ein Potpourri von roten Waldbeeren, tolle Konzentration, aber auch große Feinheit zeigend. Sehr aromatischer, schicker Mundeintritt, viel rote Frucht neben feiner heller Lakritze, viel rote Kirsche, rote Johannisbeere, Schlehe, darunter Brombeere und nur ein wenig Cassis, blumig, helle Veilchen, Rosenblätter und helle Blüten. Superfeines Tannin, sehr seidig. Verglichen mit dem Wuchtmonster Pichon Baron ist Lynch Bages unglaublich fein, delikat. Nicht ganz diese extraterrestrische Überfliegerversion wie Pichon Comtesse, aber nicht weit weg. Ein grandioser Pauillac, eine Ode an die Freunde und die Feinheit, eine Delikatesse. 98-99/100

Lobenberg: Aktueller Besitzer ist die Familie Rouzaud, ebenfalls Besitzer des Champagnerhauses Roederer. Die Familie erwarb das Weingut 2007, seit 2010 ist Sylvie Cazes Verwalterin von Pichon-Comtesse. Seit Jahren einer DER Überflieger in Pauillac mit einem perfekten 100 Punkte 2016er als Best-ever. 2018 lautet die Cépage 71% Cab. Sauvignon, 23% Merlot, 5% Cab. Franc, 1% Petit Verdot. Sehr würzige, schwarzfruchtige Nase, ein Beerenkompott mit feiner Lakritze und satter Veilchen Unterlage. Satte Aromatik im Mund, auch hier wieder eher ein Beerenkompott, eine Fruchtkaltschale, eine rote Grütze, alles auf schwarzer Frucht laufend. Immer mehr stellt sich die schwarze Kirsche als Dominante heraus, wie auch schon beim Nachbar Latour und bei Mouton Rothschild. Aber hier auf PiCoLa deutlich würziger, aber vor allen Dingen konzentrierter, und das erstaunt, denn wir sind ja „nur“ auf einem 2eme Cru. Pichon Comtesse bläst Latour um Längen fort, weil es so lang und intensiv ist mit extrem feiner, seidiger Mineralität. Die Tannine sind butterweich, aber sie sind nicht samtig-üppig, sondern seidig-fein. Alles tanzt um die schwarze Kirsche herum, der Wein hallt für Minuten nach. Es ist kein anbetungswürdiges Komplexitätsmonster wie 2016, sondern unendliche Feinheit mit ganz großer Länge, hedonistisch, extrem lecker, so süffig, so fein. Der Wein macht unglaubliche Freude und nimmt trotzdem alles ein. Eine Potenzierung von Feinheit, wenn es so etwas gibt. Das hatte ich auf dieser Verkostungsreise bisher nur bei einigen wenigen St Émilions und Pomerols, aber hier bei PiCoLa geschieht es genauso. Eine Feinheit potenziert und das grandiose ist doch, dass dieser Wein so anders ist als der megakomplexe 2016er, der zu den allseits großen Weinen der Welt gehört. Der 2018er ist auch ein potenzieller 100 Punkte Wein, aber er gehört zu den ganz feinen, schicken Teilen, ich bin verzückt ob dieser komplexen Finesse, dieser spielerischen Leichtigkeit, dieser tänzelnden Primaballerina in lakritzig-veilchenhafter Kirschfrucht. Die wahre Freude. 100/100 

Lobenberg: Das Terroir liegt nahe an Château Latour (Die Comtesse hat ihre Weinberge eher Richtung Saint-Julien), der maskuline Stil resultiert auch daher. Außerdem das Schwesterweingut von Lynch Bages, gleiche Besitzverhältnisse. Die 2018er Cépage lautet 78% Cab. Sauvignon und 22% Merlot. Sehr konzentrierte, intensive, harmonische Nase, trotz der Minderheit von Merlot hat dieser einen großen Einfluss, viel Schwarzkirsche und Brombeere. Direkt nach Pichon Comtesse probiert dachte ich, dass es hier sehr schwer wird, aber Pichon Baron hat ein ganz eigenes Standing, ist völlig anders als das gegenüberliegende Pichon Comtesse. Deutlich würziger, deutlich süßer, die Maulbeere ist viel weiter vorne, viel mehr Lakritze. Hohe Intensität mit viel Cassis, Veilchen, Lakritze, das sind die Dominanten. Unglaublich konzentriert, aus sehr kleinen Beeren gewonnen und die Frische nur aus der extrem reifen Frucht holend. Nicht überreif, aber mir durch die enorme Konzentration fast ein wenig süß erscheinend im Mund, das ist unglaublich viel Wein. Ich hoffe, dass er im Alter diese Süße noch etwas abbaut und noch etwas feiner wird. So ist es zumindest ein Maul voll Wein und schwer so eine Flasche alleine zu trinken. Ich erkenne dennoch an, dass das ein großartiger, konzentrierter Wein ist. 98+/100  

Batailley

Lobenberg: Die Rebsortenzusammensetzung des 2018ers ist 74% Cabernet Sauvignon, 23% Merlot, 3% Petit Verdot. Batailley liegt an der gleichen Ausfahrtsstraße Pauillacs vis-a-vis Grand Puy Lacoste. Batailley braucht warme, heiße Jahre, um wirklich Klasse zu zeigen. Von daher gibt es 2018 Top-Voraussetzungen. Sehr wuchtige Schwarzkirschnase, reife Pflaume, aber nicht überreif. Dicht mit ganz feiner, blumiger Spur darunter, helle Lakritze, nicht zu süß. Fein und dicht, gut gelungene Nase. Erstaunlich leckerer Mund für Batailley, das ist eigentlich immer ein sehr klassischer Pauillac, aber in heißen Jahren, speziell in 2018 – dem vielleicht reifsten Jahrgang bisher, ist das Ganze sehr gelungen. Wir haben eine tolle Spannung, eine tolle Fokussierung mit Schwarzkirsche, Brombeere, Cassis und Veilchen, Lakritze, superfeines, samtiges Tannin, tolle Länge. Ein wirklich schicker Batailley, besser als alles was ich hier bisher probiert habe. Alles stimmt, sehr Pauillac und trotzdem rund und reif, dicht, konzentriert und frisch in der Frucht. Ein Langläufer allemal. 96-97/100  

Lobenberg: Jacques Merlaut ist der Besitzer dieser Gruppe von Haut Bages Liberal, Ferrière, Durfort Vivens und anderen. Inzwischen hat er die Regie der biodynamischen Güter Ferrière, Durfort Vivens und Haut Bages Libéral an seine Enkelin Claire Villars abgegeben. 27,5 Hektar auf einer ungewöhnlich dicken Schicht mit Garonne-Kieseln, die höchstgelegenen Weinberge des Médoc. Auch hier biodynamische Bewirtschaftung. Dementsprechend minimale Erträge in diesem komplizierten Jahr durch Mehltauverluste. Gute Spannung in Nase und Mund, ein Potpourri aus roter und schwarzer Frucht, guter Fokus, gut Länge. Sehr typisch Pauillac mit schöner Süße aus diesem konzentrierten Jahr, im Grunde ein toller Wein. Aber das Bessere ist der Feind des Guten, so nach Grand Puy Lacoste im Bereich des oberen Mittelfeldes einzusortieren. Dennoch ein toller Wein, wären da nicht die vielen noch Besseren. 95-96/100

Zweite UGC Verkostung auf Branaire Ducru

Die zweite UGC Verkostung auf Branaire Ducru betrifft alle Saint Julien. Las Cases und Ducru sind da nicht und sind dennoch die Besten. Hier führt Leoville Poyferré vor Leoville Barton und Branaire Ducru. Insgesamt ist Saint Julien nicht so stark wie Pauillac, Saint Estèphe und Pessac.

Lobenberg: Zu Zeiten der französischen Revolution war Léoville das größte Weingut im Médoc. Mittlerweile ist es dreigeteilt (Poyferré, Barton, Las Cases). Seit 1920 ist Château Leoville Poyferré im Besitz der Familie Cuvelier und wird seit 1979 von Didier Cuvelier geleitet, der sich die Unterstützung von Michel Rolland gesichert hat. Wir finden hier kiesdurchsetzten Sandboden. Der 2018er ist aus 64% Cabernet Sauvignon, 30% Merlot, 3% Cabernet Franc und 3% Petit Verdot zusammengesetzt. Wenn man alle 3 oben genannten Leoville vergleicht, dann ist es schon überraschend, dass Poyferré in 2018 die eleganteste Nase aufweist. Barton war viel wuchtiger und intensiver, voluminöser, reifer. Poyferré ist zwar konzentriert aber gleichzeitig ultrafein, fast an einen Pauillac Richtung Lynch Bages erinnernd. So feine Kirsche, seidiges Tannin schon in der Nase, voller Finesse, blumig aus dem Glas steigend. So feine süße Kirsche, feinste helle Lakritze, weiße Schokolade, viel Haselnuss und Walnuss, ganz fein gewebt. Im Mund dann allerdings auch die Reife zeigend, wie die meisten Saint Juliens dieses Jahr sie zeigen, extrem konzentrierte Frucht, wie Barton sie auch schon hatte, vielleicht ein bisschen feiner bleibend. Aber insgesamt schon enorme Spannung, enorme Konzentration. Dabei bleiben die Tannine ultrafein, weich, der Wein ist seidig, tänzelnd. Die Tanninmassen tun nie weh und dennoch ist die immense Konzentration spürbar. Der Wein scheint vordergründig fertig trinkbar, es ist sofort alles da und doch merkt man an der Konzentration, dass das ein extremer Langstreckenläufer sein wird. Die Tannine und die Säure sind weniger gradlinig als 2016, der ein ganz großer Wein war. 2018 wird groß, braucht aber Zeit. Und wird immer feiner, weicher, reifer im Tannin bleiben. Die Frische kommt auch hier aus der Reife. Toller Stoff und eigentlich gar nicht hinter Leoville Las Cases. Gefällt mir extrem gut! 97-99/100

Lobenberg: Zu Zeiten der französischen Revolution war Léoville das größte Weingut im Médoc. Mittlerweile ist es dreigeteilt (Poyferré, Barton, Las Cases). Seit 1920 ist Château Leoville Poyferré im Besitz der Familie Cuvelier und wird seit 1979 von Didier Cuvelier geleitet, der sich die Unterstützung von Michel Rolland gesichert hat. Wir finden hier kiesdurchsetzten Sandboden. Der 2018er ist aus 64% Cabernet Sauvignon, 30% Merlot, 3% Cabernet Franc und 3% Petit Verdot zusammengesetzt. Wenn man alle 3 oben genannten Leoville vergleicht, dann ist es schon überraschend, dass Poyferré in 2018 die eleganteste Nase aufweist. Barton war viel wuchtiger und intensiver, voluminöser, reifer. Poyferré ist zwar konzentriert aber gleichzeitig ultrafein, fast an einen Pauillac Richtung Lynch Bages erinnernd. So feine Kirsche, seidiges Tannin schon in der Nase, voller Finesse, blumig aus dem Glas steigend. So feine süße Kirsche, feinste helle Lakritze, weiße Schokolade, viel Haselnuss und Walnuss, ganz fein gewebt. Im Mund dann allerdings auch die Reife zeigend, wie die meisten Saint Juliens dieses Jahr sie zeigen, extrem konzentrierte Frucht, wie Barton sie auch schon hatte, vielleicht ein bisschen feiner bleibend. Aber insgesamt schon enorme Spannung, enorme Konzentration. Dabei bleiben die Tannine ultrafein, weich, der Wein ist seidig, tänzelnd. Die Tanninmassen tun nie weh und dennoch ist die immense Konzentration spürbar. Der Wein scheint vordergründig fertig trinkbar, es ist sofort alles da und doch merkt man an der Konzentration, dass das ein extremer Langstreckenläufer sein wird. Die Tannine und die Säure sind weniger gradlinig als 2016, der ein ganz großer Wein war. 2018 wird groß, braucht aber Zeit. Und wird immer feiner, weicher, reifer im Tannin bleiben. Die Frische kommt auch hier aus der Reife. Toller Stoff und eigentlich gar nicht hinter Leoville Las Cases. Gefällt mir extrem gut! 97-99/100

Branaire Ducru

Lobenberg: Die 50 Hektar Weinberge von Château Branaire Ducru sind in kleine Parzellen zerstückelt und mit 70% Cabernet Sauvignon, 22% Merlot, 5% Cabernet Franc und 3% Petit Verdot bestockt. Ich bin ein ausgewiesener, großer Freund von Branaire Ducru, das ist einer der frühen Weine meiner Wein-Karriere. Diesen Wein verfolge ich seit Jahren und er hatte auch die letzten Jahre einige Erfolge. Ich weiß, dass er sich schwertut, weil das Preisleistungsverhältnis von Branaire an einem schwierigen Zwischenspot liegt. Er ist qualitativ nicht in der allerersten Reihe, aber er ist preislich auch nicht wirklich günstig. Aber 2018 ist zumindest von der Klasse her ganz großes Kino. Eine extrem feine, geschliffene Nase, keinerlei kitschige Süße in der saftigen Nase mit totalem Schliff im Tannin. Schwarzkirsche ist die Dominante, aber auch Veilchen, insgesamt feine Blütenaromen. Die Nase macht richtig Freude. Der Mund ist dann typisch Saint Julien, nach einer ganzen Reihe verkosteter Pauillacs ist es sehr deutlich, dass wir hier mehr in die rote Frucht kommen. Süße, rote Kirsche, natürlich auch süße Schwarzkirsche, Veilchen, aber auch ein bisschen Orangenzeste, Mango, es gibt eine hervorragende Balance, es gibt einen Saint Julien mit Klasse. Zumal die Tannine extrem geschliffen sind, massig vorhanden, aber sehr seidig, filigran rüberkommend. In 6 bis 7 Jahren wird das ein St Julien der Extraklasse und ich glaube sogar sagen zu können, dass das der beste Branaire Ducru ist, den sie je gemacht haben. Ich muss ein bisschen Luft nach oben lassen, zumal Beychevelle und Leoville Barton in die Hunderter-Richtung unterwegs waren und Poyferré und Las Cases noch kommen. Aber großes Kino für Branaire Ducru allemal. 97-98+/100 

Branaire Ducru

Château Du Retout

Am Abend dann noch der Überflieger des südlichen Haut Medoc, noch auf Terroir von Margaux gelegen und deshalb immer so gut wie ein Margaux: Château Du Retout. 2018 ist reifer und charmanter als der stylisch elegante 2016. Zusammen mit dem großen 2010 die drei besten Jahrgänge des Chateau, mit 95+ fast ganz großer Stoff. Im Preis-Qualitäts-Verhältnis einer der besten Weine des Jahrgangs.

Lobenberg: Dieses kleine Weingut mit rund 30 Hektar ist in der südlichen Region des Haut Medocs direkt an der Grenze zu Margaux gelegen. Seit 2005 eines der führenden Weingüter im Haut Medoc, aber preislich immer eines der Günstigsten. Das Superschnäppchen schlechthin. Der Ertrag pro Hektar liegt bei circa 45 Hektoliter. Es gibt etwas über 100.000 Flaschen. Der Überwiegend maschinell geerntet, weil es einfach sehr viel schneller geht und man so den Erntezeitpunkt perfekt einplanen kann, gerade in einem Jahr wie 2018 ein großer Vorteil, mit Handlese klappt das kaum bei 30 Hektar. Hier wird eine Erntemaschine benutzt, die bereits direkt nach dem Ernten eine komplette Entrappung der Trauben durchführt. Darauf folgt eine weitere Sortierung auf der Maschine, die Grünteile und Blätter herausselektiert, sodass recht cleane Beeren im Weingut ankommen. Dort wird auf dem Rüttelpult nochmals nachsortiert, der nur eine gewisse Beerengröße durchlässt und alle anderen Teilchen außer Beeren fernhält. Danach geht das Ganze nochmal über ein Laufband an dem viele Mitarbeiter per Hand erneut nachsortieren bis das Lesegut nahezu perfekt ist. Das ist schon eine enorm aufwendige Sortierarbeit, die hier vorgenommen wird. Danach kommt eine kalte Vorfermentation unter Schutzgas mit 4 Grad für 6 bis 10 Tage. Es folgt eine langsame Fermentation unter 26 Grad mit Überpumpen. Die Gesamtzeit auf der Schale beträgt bis zu 28 Tage bei 28 Grad. Der Wein reift danach komplett in Barriques, davon ein Drittel neu. Die Reifezeit beträgt zwischen 12 und 15 Monate. Die 2018er Cuvée besteht aus 60% Cab. Sauvignon, 28,5% Merlot, 11,% Petit Verdot. Der Alkohol liegt bei moderaten 13.5% und der pH bei 3.89. Du Retout liegt wie bekannt im Grunde quasi fast in der Gemeinde Margaux, direkt am Rand gelegen. Und so ist der Charakter von Du Retout auch immer im Margaux Stil. 2018 war Margaux extrem reif, oft überreif, extrem voll, samtig, kraftvoll, üppig, fast fett. Das betrifft die ganze Appellation und so eben auch das direkt am Rand liegende Weingut Du Retout. So ist die Bezeichnung Haut Médoc hier auch völlig missverständlich, denn es gibt so andere Stilistiken, wenn wir oben im Norden an Haut Maurac, an Charmail denken, wo es deutlich rotfruchtiger wird. Und da gibt es eben hier die Cru Bourgeois, die nahe an Margaux liegen, weiter südlich werden sie dann nochmal anders. Deshalb ist Haut Médoc sicherlich die heterogenste Appellation überhaupt mit 3 bis 4 ganz verschiedenen Stilistiken. Um es noch einmal deutlich zu sagen, Du Retout ist immer im Margaux Stil. Und so wundert es nicht, dass die Nase unglaublich voll, reich und üppig ist. Tanninmassen schieben sich aus dem Glas. Süße Maulbeere, Brombeere, viel Wucht aus Cassis und Veilchen, Rosenblättern, ganz weich, ganz reif, sehr aromatisch. Darunter kommt Hagebutte, Cranberry, Haselnuss. Der Mund ist genauso typisch Margaux wie die Nase, hat jedenfalls 2018 die gleiche Reichhaltigkeit. Der Mund ist immens üppig, hier aber deutlich mehr satte Schwarzkirsche, nur ganz langsam kommt Lakritze darunter, Veilchen, auch wieder Rosenblätter, viel Assam Tee. Dann kommen rote Kirsche und Cranberry, ganz feines Tannin, das dann immer mehr Kraft aufbaut, immer voller wird. Aber nichts ist jemals hart, nichts ist spröde, keinerlei Rustikalität, sondern nur eine üppige Weichheit und dennoch Struktur und Geradeauslauf. Noch einmal die Stilistik hier ist völlig anders als die der Superstars im Norden bei Ch. Carmenère, Haut Maurac und Doyac. Dies ist im Grunde so etwas wie eine eigene Appellation. Und innerhalb der südlichen Weine des Haut Medoc ist Du Retout für mich ganz vorne. In 2016 hatten wir den bisherigen Überflieger des Weingutes der neben der Üppigkeit auch diese wahnsinnige Eleganz hatte und unglaublichen Schliff. 2018 ist auf Grund der Reife des Jahrgangs stilistisch anders, noch üppiger, voluminöser, nicht besser oder schlechter, eben nur deutlich anders. Man kann ihn eher mit einem Ch. Deyrem Valentin aus Margaux vergleichen und da finde ich, dass er durchaus auf dem gleichen Level liegt und Deyrem ist deutlich teurer. Im Preisleistungsverhältnis sind die Appellationen Medoc und Haut Medoc zu unser aller Glück ein Underperformer, diese Weingüter bekommen nie ihren wahren Wert gezahlt, weil die Appellationen so groß und uneinheitlich sind. So lange das so ist wollen wir das mit Freude hinnehmen. 95+/100

Lobenberg: Chateau Retout ist ein Vorreiter für eine sehr kuriose Weißweincuvée, aber nur in allerkleinster Menge. Diese Cuvée wird auf nur gut 1,5 Hektar angepflanzt. Es wird eine überschaubare Anzahl von 10.000 Flaschen erzeugt. Hier wird per Hand und in zwei Durchgängen gelesen, was möglichst ist auf Grund der kleinen Anbaufläche. Es wird extrem aussortiert und manuell nachsortiert. Sowohl im Weinberg als auch auf dem Band. Die Pressung ist eine Direktpressung ohne Entrappung (Ganztraubenpressung). Dann wird das Ganze sofort gekühlt unter Schutzgas bei 4 Grad einige Zeit abgesetzt, aber völlig ohne Zugabe von Schwefel. Die spontane Gärung findet dann ca. 48h später nur im Barrique und in schmalen Holzfudern statt. Es gibt eine Bâtonnage innerhalb der ersten vier Monate. Die Lese für die Weißweine findet natürlich eher als für die Roten statt. Die Fermentation selbst dauert bis zu 24 Tage. Der Wein wird danach 9 Monate zu über 80% im Barrique ausgebaut. Diese sind zu einem Viertel neu. Der Rest bleibt im Stahl. Die 2018er Cuvée ist 40% Gros Manseng, 40% Sauvignon Gris, 10% Savagnin, 10% Mondeuse Blanche. Der Alkoholgrad liegt bei 13.5%, der pH bei 3.18, was schon auf die große Frische des Weines hindeutet. Dieser Wein ist ein Unikat in Bordeaux, völlig anders auf Grund der Rebsortenzusammensetzung. Und es ist natürlich auch ungewohnt im Medoc am Rande von Margaux einen Weißwein zu haben. Selbstverständlich hat auch Ch. Margaux einen eigenen berühmten Weißwein aus 100% Sauvignon Blanc, aber ansonsten sind es wirklich nicht viele. 2018 war das beste Jahr meiner Verkostungsgeschichte für den Pavillon Blanc von Ch. Margaux und ich weiß nicht ob es an der Region liegt dieses Jahr, aber Du Retout Blanc ist 2018 ein ähnliches Kaliber. Er ist zumindest gleichwertig zum unglaublich schönen, eleganten 2016er. 2018 ist etwas duftiger,  etwas mehr Muskateinfluss, aromatischer, viel gelbe und weiße Birne, Aprikose, fast an den Sauvignon Blanc von Ch. Margaux erinnernd. Ganz viel weißer Pfirsich, helle Melone, ein ganz leichter Hauch Mango und Papaya darunter, unglaublich fein und aromatisch. Manchmal denke ich, wieso geben Leute 100€ und mehr für einen Wein aus, wenn dieser extrem günstige Wein so eine wahnsinnige Aromatik hat. Okay ich gebe zu, im Mund ist es dann ein Unterschied, aber der ist auch gewollt. Wir haben durch diese Rebsorten Savagnin und Gros Manseng eine so große Eigenwilligkeit, einen so eigenwilligen Charakter. Da kommt ganz viel Feuerstein, da kommt Sancerre-artiger Silex, dann sind wir im Jura oder auch im Jurancon der Gros Manseng. Wir haben all diese Einflüsse dieser verschiedenen Regionen in diesen Rebsorten. Der Wein ist unglaublich komplex, feine Aromatik, aber intensiv, feine Bitterstoffe daneben, tolle Länge. Das ist ein wirklich unikathafter Wein mit einer genialen Aromatik und Geschmacksvielfalt. Aber noch einmal, kein Genießer sollte ihm mit der Erwartungshaltung eines klassischen weißen Bordeaux begegnen. Allerdings ist er auch kein Jurancon und kein Jurawein. Dafür ist er dann wieder zu kompatibel, denn er ist bei aller Extremität und Unikathaftigkeit immer auch unglaublich lecker, süffig, saftig und macht viel Freude. Aber den eigenwilligen Charakter muss man ihm einfach lassen und den muss man auch lieben. Das ist ein wirklich ganz superber Weißwein. 96+/100 

Mit Fréderic und Hélène Soual auf Chateau du Retout

Mittwoch, 3. April

Händlertasting bei CVBG Dourthe

Das vierte große Händlertasting bei CVBG Dourthe. Eine perfekt organisierte Probe. Bester Komfort mit Tischservice. Und eine sagenhafte Auswahl. Fast alle Lücken werden hier geschlossen. Unerwartet fruchtig feine Weine mit großer Finesse zeigten Chateau Larcis Ducasse und Pavie Macquin aus Saint Emilion. Zwei superfeine fruchtsüße Delikatessen des Teams um Regisseur Nicolas Thienpont und Önologe Stephan Derenoncourt. In der ersten Reihe Saint Emilions! Die Firma Dourthe zeigte mit Le Boscq aus Saint Estèphe einen preiswerten Riesen als qualitativ fast gleichwertiger Verfolger von Chateau Meyney und Phelan Segur. Berauschend schön und mit 96-97 echte Oberklasse.

Lobenberg: Larcis Ducasse liegt untern an der Cote Pavie in der Nachbarschaft von Bellefont Belcier und Pavie. Also an den Südhängen des Kalksteinplateaus. Direktor ist Nicolas Thienpont, der auch Beausejour Duffau und Pavie Macquin verantwortet. Önologischer Berater ist Stephane Derenoncourt. Wow, was für eine Nase! Trotz hohem Merlotanteil eine wahnsinnige Dominanz der Cabernet Franc mit  superreifer, extrem delikater, süßer Waldhimbeere, darunter ein klein wenig Erdbeere laufend, dann kommen sanfte rote und schwarze Kirsche, aber diese roten Waldfrüchte dominieren total, sind extrem charmant. Feine Süße, feine Blumigkeit dahinter, schon seidig aus dem Glas in die Nase strömend. Auch im Mund setzt sich dieses Leckerli fort, so feine rote Frucht, wieder diese Himbeere, Kirsche, ganz fein verwoben, ganz feine, helle Lakritze, Milchschokolade. Fast ein wenig Straßenstaub in dieser hellen Mineralik. Fein, lang und seidig, nichts tut weh und dennoch hat der Wein Struktur, der Wein ist konzentriert und lässt davon nichts spüren. Das ist das famose des Jahrgangs 2018. Ein superelegantes, feines, fruchtbetontes Konzentrat, das macht große Freude. 97-98/100

Lobenberg: Pavie Macquin liegt in direkter Nachbarschaft zu Troplong Mondot oben auf dem reinen Kalksteinplateau. Seit sehr vielen Jahren biologisch bearbeitet. Der heutige Superstar der Önologie Saint Emilions, Stephane Derenoncourt, war früher Weinbergs-Manager auf Pavie Macquin und hat hier sein Erstlingswerk in die Landschaft gesetzt. Das Terroir besteht aus Kalkstein mit Lehm-/Sandauflage, ganz hervorragend. Nun seit Jahren vom Direktor Nicolas Thienpont verantwortet wie Larcisse Ducasse und Beausejour Duffau. Weiterhin ist Stephane Derenoncourt der önologische Berater. Immer wuchtiger, strukturierter, kraftvoller als Larcisse Ducasse, aber das sind eben die unterschiedlichen Terroirs. Larcisse Ducasse in dieser unglaublichen Rotfruchtigkeit, in dieser Feinheit wie auch der übernächste Nachbar Bellefont-Belcier. Pavie Macquin geht mehr Richtung Troplong Mondot, der der direkte Nachbar darüber ist. Und trotzdem ist Pavie Macquin so unglaublich viel feiner, weil das Team um Derenoncourt einfach keine Superextrakte will. Der Wein ist sehr reif, zeigt Himbeere, schwarze und rote Kirsche, ganz feine Lakritze, Milchschokolade. Ätherisch fein und trotzdem strukturiert, seidigste Tanninmassen, aber unglaublich fein dabei. Toller schwarzkirschiger Geradeauslauf im Mund, sehr reif und trotzdem mit massigen, aber ultrafeinen Tanninen, so seidig, so geschliffen. Unglaublich lecker und saftig mit toller Länge, die Mineralität hallt gut nach. Aber der Wein ist eben weit entfernt von irgendetwas Überextrahiertem, von allem was auch nur irgendwie Troplong Mondot ähnelt. Wir sind hier bei einer unglaublichen Feinheit und seidigen Länge. Wie so oft ist das Bessere der Feind des Guten, es wird also mit Tour Saint Christophe, Bellefont-Belcier und anderen durchaus ernstzunehmende Konkurrenten geben, aber Pavie Macquin spielt eben auch in dieser Liga. 97-98/100

Lobenberg: Der Le Boscq gehört zum Imperium der Thienot Champagner-Familie, zu denen auch Belgrave in Haut-Medoc und La Garde in Pessac-Léognan gehört. Das ist einer der größten Négoce hier, CVBG, der auf Chateau Belgrave sitzt. CVBG ist einer der fünf größten Négoce in Bordeaux überhaupt. Le Boscq ist spätestens seit 09/10 im Bereich der Verfolger der Spitze angekommen, also durchaus gehobenes Mittelfeld. In 2018 gibt es einige Siegerappellationen, zu denen gehört auch klar Saint Estèphe und der obere Norden gehört. Das trifft dieses Château natürlich auch gut. Hohe Reife auf einem im Grunde eher kühleren, gut mit Wasser versorgten Terroir, das ist eigentlich ziemlich perfekt. Viel schwarze Kirsche, sehr üppig, aber gleichzeitig fein. Für einen Burgunder zu dick, trotz der Kirschorientierung, langsam kommt Cassis dazu, Veilchen, Rosenblätter, aber immer sehr fein bleibend. Schon aus dem Glas steigt diese Feinheit der Tannine, massiv, aber sehr geschliffen. Wirklich hübsche, einnehmend charmante Nase. Was für ein ausgesprochen leckerer, charmanter Mund, jetzt kriegen wir eben unerwartet viel rote Frucht dazu. Waldhimbeere, satte Kirsche, auch Sauerkirsche, hohe Intensität roter Waldbeerenfrüchte, dann kommt wieder die aus der Nase bekannte Schwarzkirsche dazu, auch Cassis, aber nur zu einem kleinen Teil. Ganz feine Lakritze, nichts zu Süßes, alles bleibt fein trotz Tannin in Massen, anders kann man das nicht beschreiben, aber total seidig. Und das Ganze spielerisch mit einer großen Harmonie, in sich perfekt. Das ist fast ein großer Wein. Ein Wein normal in der Verfolgung von Ch. Meyney und Phelan Ségur. Ein Wein, der eigentlich im Mittelfeld angesiedelt ist, aber in 2018 auf jeden Fall ins obere Mittelfeld gehört. Phänomenaler Erfolg für Ch. Le Boscq. 96-97/100   

Lobenberg: La Garde verfügt über knapp 45 Hektar Rebflächen in Martillac. Der Wein besteht 2018 aus einem Drittel Cabernet Sauvignon und zwei Dritteln Merlot und kommt mit Pessac Léognan aus einer der besten Appellationen dieses Jahres. La Garde war schon 2016 unglaublich gut, 2018 mit der größeren Wärme ist Pessac eine der Siegerappellationen überhaupt. Mit dieser hohen Reife und trotzdem dieser Eleganz und Frische. La Garde zeigt eine sehr üppige Schwarzkirsch- und Brombeernase, Cassis und Veilchen, ziemlich wuchtig für einen Wein des unteren Mittelfeldes. Auch im Mund sehr satt, jetzt ist die Lakritze vorne und kämpft mit Veilchen um die Vormachtstellung. Süße Rosenblätter, dann kommt ein wahnsinniger Schub von süßer Brombeere, eher Maulbeere, viel Cassis, Schwarzkirsche, etwas Holzkohle, satte Tanninmassen aber butterweich, geschliffen. Der Wein ist sehr massiv, das ist ein kleines Monster. Doch Frische kommt aus der Reife der Frucht, das ist für diese Preisklasse schon ziemlich großes Kino. Aber 2018 wird, obwohl er sich so reif präsentiert, länger brauchen als 2016. Das wird ein Wein für ein langes Leben, das ist wirklich groß für diesen Preisbereich. 94+/100 

Lobenberg: Das Haut Medoc Chateau liegt direkt neben Chateau Lagrange, Saint Julien, und ist seit vielen Jahren der eigentlich bessere Saint Julien. Seit etwa 10 Jahren wird kräftig in den Weinberg investiert. Das Haus gehört zur Champagner Familie Thienot. Chateau Belgrave hat 54 Hektar an Weinbergen in Produktion. 69% Merlot, 28% Cabernet Sauvignon und 3% Petit Verdot. Die Zielsetzung aller Top-Chateaus auf dem Plateau, von 10000 Stöcken pro Hektar, ist hier schon erreicht. Der Ertrag liegt bei unter 500 Gramm je Weinstock. Kiesböden mit Lehm, identisch wie beim Nachbarn Chateau Lagrange. Überwiegend biologische Arbeit im Weinberg. Spontane Vergärung, Ausbau in überwiegend neuem Holz. Eines der wenigen als Cru klassifizierten Weingüter des Haut Médoc. In kühlen Jahren im Mittelfeld schwimmend, in warmen Jahren durchaus in die Oberliga aufsteigend. Da bin ich mal gespannt wie er sich schlägt in den Reihen von Clos Manou, Carmenere, Charmail, Du Retout, Doyac und Haut Maurac. Wir haben hier großes Potenzial, weil die Reben auf bestem Saint Julien Terroir stehen, direkt an der Grenze ist der Nachbar Ch. Lagrange. Und für mich ist Belgrave eigentlich oft der bessere Saint Julien, der Lagrange überlegene Wein, weil hier einfach mit Dichtpflanzung und der Weinbergsarbeit so viel geleistet wird. In guten Jahren also der Saint Julien im Haut Medoc. Die Nase ist entsprechend des Terroirs eben auch deutlich in der roten Frucht angesiedelt. Dazu aber diese enorm hohe Reife des Jahrgangs 2018, fast gekochte Frucht, dazu Backpflaume, eine rote Grütze aus Maulbeere, Blaubeere, Brombeere, Schwarzkirsche, dazu Veilchen und Rosenblätter, etwas Mango. Kräuter der Provence, helle Lakritze, sehr duftig, sehr komplex. Der Mund ist extrem tanninreich, aber das Tannin ist total seidig, total poliert. Nichts kommt fett rüber, alles ist tänzelnd, aber hochintensiv. Alle Früchte stehen hinter diesem Tannin zurück, aber gleichzeitig hinter dieser enorm seidigen Harmonie. Ein Wein mit schöner Länge und grandioser Balance. Und er kann sich neben den Topweinen des Haut Médoc durchaus sehen lassen, weil er eben in diesem auch rotfruchtigen Bereich des Saint Julien liegt, weil er seine eigene Stilistik mitbringt. Wenn Du Retout in Wirklichkeit ein Margaux des Haut Médoc ist, so ist Belgrave eben ein Saint Julien des Haut Médoc. Und die im Norden angesiedelten Château Doyac und Haut Maurac sind in Wirklichkeit Saint Estèphe Stilistiken, das ist schon sehr lustig in dieser Appellation, die so heterogen ist, weil sie eben so viele verschiedene Charakteristiken hat. Belgrave gehört auf jeden Fall mit in die vordere Reihe der Weine des Haut Médoc, auch wenn er die absolute Spitze nicht erreichen kann. 94+/100

Lobenberg: Das Château zählt zu den ältesten im Médoc und wurde 1662 gegründet. Heute leitet Anne Le Naour das Weingut als technische Leiterin und wird beraten vom Önologen Hubert de Bouärd. Ähnlich wie bei Petrus sind die Untergrundböden von blauen Lehm durchzogen, der seine Farbe durch den Eisenanteil erhält und gleichzeitig berühmt ist für die exzellente Drainage. Der Erstwein liegt zwischen 18 und 24 Monaten im Holz. Doch nur zarte 40% werden jedes Jahr erneuert. Somit fährt Meyney voll auf der Eleganzschiene. Die 51 Hektar Rebanlagen von Château Meyney sind zu 65% mit Cabernet Sauvignon bepflanzt. Dann folgen 25% Merlot und ein wenig Petit Verdot, was eher atypisch für Saint-Estèphe ist. Hier war 2015 und 2016 schon grandios, daher bin ich besonders gespannt auf diesen Wein, da er so ein wunderbarer Wein im Preis-Leistungs-Verhältnis ist. Und 2018 unterstreicht das zumindest in der Nase erneut. So üppig und reich, viel schwarze, aber auch rote Kirsche dabei, kaum Cassis, leichte Rosenblätter, leichte Lakritze, nichts Fettes, nichts Übermäßiges, sondern schwebend. Im Grund ein bisschen Pomerol-artige Feinheit in einer in der Nase suggerierten Merlot-Dominanz. Der Mund trägt einen hinfort mit seiner wahnsinnigen Aromatik. Gott, ist Meyney eine Wuchtbrumme im Mund, aber er ist trotzdem nicht fett, er ist nur wahnsinnig intensiv. Üppigste schwarze Kirsche, Maulbeere, Brombeere und Cassis, Lakritze, Veilchen, auch ein bisschen Jasmin, Rosenblätter. Und trotzdem, das mag man kaum glauben bei dieser Aufzählung, ist der Wein nicht übermäßig fett, nicht überbordend süß. Die Tannine sind eher seidig denn samtig, das Ganze bleibt spielerisch trotzdem dieser Üppigkeit. Das macht schon während der Fassprobe große Freude, ein grandioser, schicker Wein. Die Frische kommt aus der Reife der Frucht, nicht aus der hohen Säure, alles tanzt in finessereichem Spiel umeinander. Der Wein braucht ein paar Jahre, um diese Üppigkeit ein wenig zu mildern und zu verdauen, aber dann ist es ein grandioser Meyney für die Ewigkeit, ein super Wein und best-ever, wohl DAS Preis-Leistungs-Highlight der Appellation. 97-98/100

Lobenberg: Der Ire Frank Phélan vereinte Anfang des 19. Jahrhunderts die beiden bis dahin unabhängigen Güter „Clos de Garramey“ und „Château Ségur“ zu einem Anwesen, dem malerisch gelegenen Château Phélan Ségur. Das Anwesen umfasst 65 ha. Die Reben sind im Durchschnitt 45-50 Jahre alt. Phelan Segur hat in den letzten 10 Jahren unheimlich viel in die Weinberge investiert. Michel Rolland ist hier Consultant, was dazu führt, dass im Weingut mehr auf die Reife gesetzt wird. Dies Reife erreicht man allerdings nicht ohne eine dichtere Pflanzung und mehr biologische Weinbergsarbeit. Auch wird selbstverständlich per Hand gelesen. Die Beeren werden komplett entrappt und nochmals mit einer optischen Sortiermaschine nachsortiert. Nur die wirklich reifen Beeren kommen letztlich in die Kelter. Der Ertrag pro Pflanze sinkt von Jahr zu Jahr. Phelan Segur hat als Regisseurin, neben dem Besitzer Thierry Gardinier, seit 5 Jahren Veronique Dausse mit im Boot. Sie kam aus der Champagne und hat hier wirklich die Hosen an. Eine wirklich qualitätsversessene Person. Weinberge, die nicht der Perfektion entsprechen, gehen in Zweit- und Drittweine. Phelan Segur ist seit Jahren der engste Verfolger von Calon Segur hinter den Superstars Cos und Montrose. In jüngster Zeit muss Phelan sich auch etwas mit Meyney messen lassen, der so stark aufgeholt hat. Die Nase ist hochreif, lakritzig, Cassis, Brombeere in süßer Form, aber ganz weiches Tannin in Massen. Ein schöner klassischer Mund, ganz reif, aber auch mit viel Terroir, viel Salz, viel Mineralik und wunderbare Länge in dieser sehr reifen, schwarzen und roten Frucht, aber wir sind eher bei der schwarzen Frucht. Das Tannin ist seidig und samtig, der Wein ist lang, aber insgesamt deutlich schlanker als z.B. ein Meyney, deutlich klassischer und maskuliner in der Ausrichtung, deutlich mehr in Richtung Calon Segur gehend. Das ist ein sehr stimmiger, großer Phelan Segur, vielleicht der beste Phelan bisher. 96-97+/100

Angelus

Danach die Probe von Chateau Angelus auf dem Weingut. Fast ein Paradigmenwechsel, 35% Cabernet Franc und 65% Merlot, nur mindestens 65 Jahre alte Reben. Innerhalb von 10 Jahren vom Saulus zum Paulus. Schon 2016 war extrem fein, 2018 ist gar im Ausone-Stil. Ende mit fetter Blockbuster. Der neue Titel als 1er Grand Cru Classé A verpflichtet Hubert de Boüard anscheinend auch zur feinsten Stilistik der Allerbesten. Einer der Top-Weine des Jahres.

Im Gespräch mit Hubert de Boüard

Lobenberg: Besitzer von Chateau Angelus ist der charismatische Winzer Hubert de Bouard, der mit Bellevue und Fleur de Bouard mehrere Eisen im Feuer hat. Die Weinberge von Angelus befinden sich an den unteren Hängen des Mazerat-Tals auf kalkhaltigem Lehm und auf gemischten Lehm- und Sandböden in bester Südlage. Die Cépage des 2018ers besteht aus 65% Merlot und 35% Cabernet Franc. Nur die ältesten Reben über 60 Jahre finden hier Einzug. Die Nase ist für einen Angelus unglaublich fein, fast burgundisch, mit schwarzer und roter Kirsche, aber Schwarzkirsche dominiert, ein bisschen Veilchen, helle Lakritze, aber nichts üppig fettes, sondern fein schwebend. Wir finden was wir schon im Carillon festgestellt haben, nämlich diese neue Art von Frische und Eleganz, auch im 2018er Angelus. Fast rasiermesserscharfe Mineralität, tolle Frische zeigend. Unglaublich konzentriert aber vorne total fein, die Cabernet Franc mit ihrer Mineralität dominiert alles, viel Salz, sehr lang. Und wie gesagt eher eine Stilistik wie man sie bei Ausone erwartet hätte, nicht so sehr wie Angelus in den letzten Jahren war. Fein schwebend, frisch und die immense Konzentration aus dem Cabernet Franc schiebt von hinten, ohne dass es jemals ein fetter Wein wird. Es bleibt ein frisches, filigranes Wunderwerk. 100/100

Lobenberg: Der Zweitwein von Château Angelus. In 2018 zusammengesetzt aus 85% Merlot und 15% Cabernet Franc. Es gibt das erste Mal in diesem Jahr 2018 ganz spezielle Parzellen extra für den Carillon, die nicht in den Erstwein Angelus und nicht in den Drittwein aus den jungen Reben des Angelus eingehen. Die Parzellen haben einen hohen Merlotanteil und liegen außerhalb der klassifizierten Gebiete. Also Carillon ist jetzt wirklich ein eigenständiger Wein von eigenen Weinbergen. Dementsprechend sind auch die Reben nicht so alt, der ganze Charakter des Weins ist anders, aber durchaus spannend. In der Nase schwarze Kirsche, helle Lakritze, extrem seidige Tannine. Im Mund eine große Frische und tolle salzige Mineralität, lang und extrem frisch, fast rasiermesserscharf am Gaumen. Das ist ein ganz anderer Stil als Angelus bisher und auch ein anderer Stil für St Emilion, in dieser Frische und dieser Leichtigkeit. Aber der Carillon ist hier nur der Vorbote für einen leichten Stilwechsel, welchen wir in sehr ähnlicher Art auch im Erstwein Angelus wiederfinden, der 2018 ebenfalls von stylischer Frische getragen wird und ein bisschen neue Wege geht. Diese enorme Mineralität und Säure, die fast ein wenig grün zu sein scheint, zumindest momentan etwas aggressiv rüberkommt. Das ist schon sehr spannend in dieser Art, aber sicher kein ganz großer Wein. 93-94/100

Lobenberg: 6 ha im Besitz von Hubert de Bouard, der Weinberg liegt direkt oberhalb seines anderen Weinguts Angelus um eine kleine Kuppe herum. Alter Rebbestand. Nur 20.000 Flaschen werden erzeugt. Fast reinsortiger Merlot mit etwas Cabernet Franc. Üppig, schwarze und rote Frucht, sehr satt, unglaublich extrahiert. Fast spröde im Tannin und gleichzeitig süß und reif, fast etwas zu viel gemacht und gleichzeitig nicht aufgepasst. Das Ausgangsmaterial war sicher sehr gut, aber im Keller dann zu viel gewollt. 91-92/100

La Fleur de Bouard

Lobenberg: Das Lalande Pomerol Weingut von Hubert de Bouard von Angelus. De Bouard hat es gerade so vermieden den Wein mit starker Extraktion hinzurichten. Gott was hat man hier viel rausgeholt, aber man muss zugeben, es ist auch viel drin. Hubert de Bouard arbeitet viel mit Tonamphoren, hier wird gar nicht so viel mit gerötetem Holz gearbeitet, aber der Wein ist stark extrahiert. Es ist von allem viel vorhanden, viel schwarze Frucht, aber auch viel rote Frucht, reichlich Extrakt und sattes, butterweiches Tannin. Das einzige was man diesem Wein vorwerfen kann für einen Lalande Pomerol ist eigentlich, dass er zu dicht und eindimensional ist. Es fehlt ihm das Spiel und er ist ein wenig zu süß und reif. Ein Kracher, nicht über den Punkt, sondern gut vinifiziert. Nicht mein Stil, aber ein eindrucksvoller Wein. 93-94/100

Tasting auf Larmande

 

Danach UGC Saint Emilion auf Chateau Larmande. Ein überragender 98+ Punkte Clos Fourtet und ein verdammt guter 97 Punkte Valandraud waren die einzigen Highlights. Der Rest war nur unteres Mittelfeld.

Larmande

Lobenberg: Schöne Beerenfrucht mit Kirsche in der Nase, harmonisch. Erstaunlich schlank im Mund, aber auch hier schöne Harmonie, gut verwoben, alles ist stimmig, ohne jedoch irgendwie herauszustechen. Angenehmer, guter, feiner St Emilion des unteren Mittelfeldes. 92-93/100

Clos Fourtet

Lobenberg: Clos Fourtet liegt mit 20 Hektar auf dem Plateau von Saint Emilion. Gegenüber der Kirche. Lehm und Kalkstein-Terroir. In der Nase Kirschsaft rot und schwarz, dann kommt auch ein wenig Veilchen, Brombeere, eine schöne, feine St Émilion Nase. Der Mund ist dann aber überraschend schick und fein mit deutlicher Cabernet Franc Orientierung. Sehr schlank, sehr scharf in der salzigen Mineralik, aber das Tannin ist total geschliffen. Ein bisschen vom Kalkstein dominiert, denn Clos Fourtet sitzt auf reinem Kalksteinfelsen. Und so ist auch der Wein, enorm mineralisch, scharf und salzig, aber auch super fein und elegant mit toller Länge. Insgesamt ein für ein so reifes Jahr unerwarteter Wein, weil es einfach ein filigranes, tänzelndes, kleines Wunder ist. Ich finde das großartig. 97-100/100

Valandraud

Lobenberg: Ganz am Rande der Appellation gelegene Weinberge und der Nachbar von Château Tertre de la Mouleyre. Der Besitzer ist Jean-Luc Thunevin, ein ehemals berühmter Garagenwinzer, der inzwischen zu den großen Negociants des rechten Ufers gehört. 2018 besteht der Wein zu 90% aus Merlot, 4% Cabernet Franc, 4% Cabernet Sauvignon und 2% Malbec. Dieses so wechselhafte Jahr, das einerseits extrem reif ist, andererseits auch extrem feine Weine hervorgebracht hat. Der Nachbar hier, Château Tertre de la Mouleyre, war eines der Highlights des Jahres. Und so verwundert es nicht, dass wir hier auf dem gleichen Terroir auf Valandraud, die in den letzten Jahren einen deutlichen Paradigmenwechsel in Richtung Feinheit vollzogen haben, auch eine ausgesprochen schicke Nase haben. Obwohl 90% Merlot relativ viel rote Frucht, rote Kirsche, Erdbeere, etwas Himbeere, auch Hagebutte und Schlehe, aber alles sehr fein und burgundisch. Gut verwoben, tolle Dichte zeigend, aber eben auch seidig. Erstaunlich schlanker Mund für Valandraud, das ist überhaupt nicht mehr der Valandraud, dieser Blockbuster, der er vor 10, 15, 20 Jahren mal war. Das ist unglaublich fein, eine zarte Schärfe in der salzigen Mineralik, lang, schlank, verspielt. Die besten St Emilions haben ihren Paradigmenwechsel so stramm vollzogen, dass es eine Freude ist, hier gibt es nichts mehr Fettes und Üppiges. Und gerade in so einem reifen Jahr wie 2018 ist dieser Wechsel so wichtig. Der Wein ist schlank, lang und salzig, mineralisch, mit viel roter Frucht und hoher Intensität. Echt schick, schon ein ziemliches Highlight für Valandraud. 98+/100

Stephane Derenoncourt

Final die Probe des Önologen Stephane Derenoncourt. Alle seine Beratungsweine. Wie öfters und 2018 mehr denn je war die extrem günstige Domaine de Courteillac eines DER Preis- Leistungs-Wunder. Chateau Poujeaux aus Moulis war allerdings nur oberes Mittelfeld, wenig Chance gegen Dutruch und Branas Poujeaux. Dafür überragte Beausejour Duffau aus Saint Emilion mit an die 100 Punkte. Ein feiner Riese. Und berauschend war Derenoncourts eigenes Chateau, die Domaine de L’A aus Castillon, wo er auch zu Hause ist. Seit Jahren DER qualitative Verfolger von Clos Louie. Stilistisch 2018 noch feiner als 2016 und 2017. Nur 20 HL/ha Ertrag, 30% Cabernet Franc. Tolle Mineralität und sensationell frische Eleganz. Groß mit 97 Punkten, besser denn je? Immer noch hinter Clos Louie, aber das ist auch einer der besten Weine des rechten Ufers.

Stephane und Christine Derenoncourt

Lobenberg: Eine kleine 27 Hektar große Domaine südlich von Castillon. Ursprünglich gegründet von Stephane Asseo, der heute in Kalifornien mit L’Aventure einer der Top-Erzeuger ist. Das Weingut wurde dann von Dominique Meneret übernommen. Diese Weine sind immer gleichwertig zu Castillon und dafür extrem preiswert. Ein kleines Leckerli und seit vielen Jahren ein Star des Preisleistungsverhältnisses. 2018 zeigt sich fein, fast schlank, elegant, sehr schön auf der roten Kirsche laufend. Ein richtiger schicker, leckerer Wein und 2018 erstaunlicherweise noch schlanker und noch feiner als der wunderbare 2016er. Das ist einfach ein Wein für die Freude. Kein Riesenwein, aber ein Aushängeschild für Bordeaux. 92-93/100

Chateau Poujeaux

Lobenberg: Das Cru Bourgeois Poujeaux ist eines der ältesten Weingüter in Bordeaux (seit 1544). Die 2018er Cépage ist 50% Merlot, 40% Cabernet Sauvignon, 5% Cabernet Franc, 5% Petit Verdot. Dieses Weingut wird nunmehr seit fast 10 Jahren von Star-Önologe Stephane Derenoncourt beraten, auch Umstellung auf Bio. Die Typizität ist in guten Jahren ähnlich eines guten Margaux, das ist die Nachbarappellation, das Terroir ist ähnlich. Es ist etwas kühler aber gut mit Wasser versorgt, man braucht hier also warme Jahre, das liegt ja 2018 vor. Reife, dichte Schwarzkirsche, ziemlich wuchtig. Im Mund deutlich schlanker, auch schöne Frische zeigend, das Tannin etwas spröde, etwas stark extrahiert. Etwas trocken der Wein und wie ich schon sagte ist das Tannin etwas rustikal, etwas brutal vinifiziert, etwas grün durch Kerne. Ganz okay aber kein großer Wein und deutlich hinter Branas Grand Poujeaux und Dutruch Grand Poujeaux zurückbleibend. Allerdings vor dem sehr schwachen Chasse Spleen. 92-93/100

Lobenberg: Das von Nicolas Thienpont und Stephane Derenoncourt betreute Weingut in bester Lage St Emilions an der Fortsetzung der Hänge von Ausone, leicht oberhalb von Château Coutet gelegenen, darunter Angelus, also allerbestes Terroir. Und seit dem 100 Punkte Wein aus 1990 ein Mythos, den es nur in kleiner Stückzahl zu kaufen gibt. In 2018 mit dieser enormen Reife hat der Wein eine famose Nase, satte schwarze Kirsche, extrem charmant, auch rote Kirsche und dunkle, fast schwarze Himbeere, ins Brombeerige driftend, super fein, feinste Veilchen und Rosenblätter, aber nichts ist süß, nichts schwer, nichts üppig. Tänzelnd, eine unglaubliche Schönheit in der Nase. Im Mund so süß, so reif und trotzdem so kirschig, tolle Struktur aufweisend. Auch hier feinste, aber helle Lakritze, nichts drückt, wieder Blumigkeit, alles spielt um die Kirsche herum, Schwarzkirsche, Kirsche, dann wieder untermalt von dieser ins Brombeerige driftenden, dunklen Waldhimbeere. Ganz feine Tannine, total poliert und dennoch eine wahnsinnige Konzentration anzeigend, der Wein wird ewig halten. Das ist ein ganz großer St Emilion und ein ganz großer Beausejour Duffau. Ein tänzelnder Riese, der mit uns Verstecken spielt. 99-100/100 

Lobenberg: Der biologisch bearbeitete Castillon, auf dem Stephan Derenoncourt, der Superstar der Önologie des rechten Ufers, persönlich wohnt. 11,5 Hektar, überwiegend Kalkstein mit Lehm. Die Domaine de L’A ist seit Jahren der zweitbeste Wein in Castillon nach dem Weltklassewein von Clos Louie, aber in einigen Jahren durchaus nicht so weit entfernt. In 2018 gab es 40% weniger Ernte durch Mehltauverluste, auch hier wird biodynamisch gearbeitet. Zwar noch nicht zertifiziert auf dem Etikett, aber die Arbeit ist eben so. Die Cépage 2018 lautet 70% Merlot und 30% Cabernet Franc bei gerade einmal 20 Hl/ha Ertrag. Spontan vergoren, ohne Schwefel zur Fermentation und bis nach der Malo. Der Ausbau erfolgt im Barrique aber auch in größeren Tonneau. Feine eher rotkirschige Nase, schicke Süße, darunter ein bisschen Himbeere, ganz feine helle Lakritze, Milchschokolade, fein verwoben, tänzelnd, burgundisch. Der kleine Cabernet Franc Anteil dominiert den ganzen Wein. Wir haben eine fast rasiermesserscharfe, salzige Mineralität und Würze, das ist Cabernet Franc pur. Dieser Wein braucht ein paar Jahre, aber die Eleganz ist verblüffend. Sensationelle Länge, überhaupt nicht verhallen wollend und immer wieder dieser rotfruchtige, frische Tanz, extrem schlank. Eine Bewegung die in St Emilion und Castillon seit Jahren zunimmt und inzwischen auch Weingüter wie Angelus und andere große Namen angesteckt hat. Weg vom Barrique, hin zum Tonneau, hin zu mehr Cabernet Franc, hin zur Frische und zum burgundischen und Loire Stil. 97-98

Donnerstag, 4. April

Heute ist Superstar-Tag des rechten Ufers.

Chateau Cheval Blanc

 

Chateau Cheval Blanc. Pierre Olivier Clouet ist seit einigen Jahren verantwortlich für die Weine. Seitdem ist Cheval einer der feinsten Weine des Bordelaise und wohl auch der Welt. Atemberaubende Finesse und Frische. Lang und unendlich. Vielleicht sogar minimal besser als der wahnsinnig schöne Nachbar Jean Faure. 50% Cabernet. Genial. Welten besser als 1982 und 1990 damals waren. 100+

Lobenberg: Die Besonderheit von Chateau Cheval Blanc ist die Lage, das Terroir. Wie das auch beim Nachbarn Jean Faure genauso zum Ausdruck kommt. Wir haben einen Untergrund komplett aus Lehm. Darüber ein sehr hoher Kies-/Sandanteil. Aber 60% ist Lehm, 40% Kies und Sand. Kies und Sand macht die Feinheit aus. Der Lehm hält das Wasser. Es gab also auf diesen Untergründen mit diesem hohen Lehmanteil keine Probleme in Form von Wasserstress, trotz der Trockenperiode. Die Cépage 2018 lautet 55% Merlot, 40% Cabernet Franc und 5% Cabernet Sauvignon. Hier bei Cheval Blanc ist man schon nah an der angepeilten Ideallösung von 50% Cabernet Franc, 45% Merlot und 5% Cab. Sauvignon, die Bestockung entspricht dem schon, nur gibt es noch zu viele junge Reben. 2018 ist die Nase des Cheval Blanc fast baugleich mit dem Nachbarn Jean Faure. Auch die Rebsortenzusammensetzung ist bei Jean Faure schon weiter fortgeschritten auf noch mehr Cabernet Franc, also dem Ideal dem auch Cheval Blanc nacheifert. Da in diesem Jahr beide Weingüter komplett entrappt gearbeitet haben, ohne Schwefel spontan vergären und auch erst nach der Malo Schwefel einsetzen, ist die Fruchtigkeit der Weine durchaus ähnlich, die Feinheit sowieso und das Terroir ist das gleiche, auch das Rebalter ist ähnlich. Und so wundert es mich nicht, dass ich Cheval Blanc nach der Verkostung auch mit 100 Punkten bewerte. Der einzige Unterschied ist, dass das Komma beim Preis des Cheval Blanc eine Stelle weiter rechts zu setzen ist, leider. Die Nase des Cheval Blanc ist berauschend schick, die rote Waldhimbeere, die ins Dunkle, Schwarze abdriftet, die Feinheit der hellen Schokolade, helle Lakritze, Blumigkeit. Ja, im Grunde hat Cheval Blanc alles, was Jean Faure auch hat in diesem Jahrgang, der durch die große Wärme des Sommers eigentlich prädestiniert war, fette Weine zu machen. Aber hier auf diesen Böden ist die unendliche Leichtigkeit des Seins, auch Nachbarn wie La Conseillante beweisen wie großartig dieser Jahrgang ist. Der 2016er war best-ever, 2018 ist für die Weingüter in diesem Bereich best-ever plus. Alle der vier genannten Château, Jean Faure, Conseillante, Cheval Blanc und Vieux Château Certan haben nochmal eine Steigerung gegenüber 2016 hinbekommen. Das ist eine große Freude, auch wenn es ein Wein nur für Millionäre sein wird, das ändert aber nichts daran, dass er groß ist. 100+/100 

Lobenberg: Petit Cheval 2018 kommt mit 70% Merlot und 30% Cabernet Franc. Es gibt nur ganz kleine Mengen, nur 10% der Gesamtmenge macht Petit Cheval aus. Es wird ein ziemlicher Kampf bei der Allokation werden. Die Nase des Petit Cheval ist dann auch auf Grund des hohen Merlot-Anteils sehr anders als die des Cheval Blanc. Wir sind hier deutlich mehr in der dunklen, in der schwarzen Frucht, etwas wuchtiger. Sehr frischer Mund, total balanciert, extrem fein. Petit Cheval kostet leider so viel, dass viele großartige Erstweine günstiger sind und natürlich kaufe ich und jeder vernünftige Mensch lieber einen Ch. Figeac als einen Petit Cheval. Dennoch attestiere ich, dass es ein extrem schöner Wein ist, mit einer wunderbaren Frische, mit schwarzfruchtiger Saftigkeit und Rassigkeit, sowie einer tollen Balance. Ohne Frage ein ziemlich perfekter St Emilion aus einem Jahr, das unerwartet viel Frische zeigt und eine Balance und Harmonie der anderen Art aufweist. Das ist ein berauschender St Emilion, wenn er bloß nicht so wahnsinnig teuer wäre. Dennoch ist das der beste Petit Cheval den es je gab. 95-96/100

Lobenberg: Quinault L´Enclose gehört inzwischen zu Cheval Blanc ist ganz in der Nähe des Friedhofs in Saint Emilion. Inzwischen 20% Cabernet Sauvignon, 18% Cabernet Franc und nur noch 62% Merlot. Das Team ist der Meinung, besser gesagt weiß, dass auf diesen Kiesböden Cabernet Sauvignon im Grunde erfolgreicher ist als Merlot. Das sieht man auch bei ähnlichem Terroir wie Chateau Figeac. Schon der 2016er war grandios, der 2018er zeigt sich reich, dicht, fruchtig mit sehr viel Schwarzkirsche, Brombeere, Maulbeere, etwas stark extrahiert, auch viel Holz zeigend. Ein guter Erfolg, gehört aber nicht zu meinen Favoriten. 93-94/100

Chateau Ausone

 

Ein Mythos. Alain Vauthier ist der völlig geerdete, bäuerliche und zugleich philosophischer Besitzer. Seit 2005 immer einer DER Finesseweine der Welt überhaupt. 2018 sehr fein und fast lecker. Superb aber doch klar hinter Cheval.

Lobenberg: Ein 7 Hektar Weingut auf purem Kalkstein an der Kante von St. Emilion. Bestes Terroir und häufig die Benchmark überhaupt für St. Emilion. Bis zu 7.500 Stöcke pro Hektar in Dichtpflanzung dicht gepflanzt. Die Cépage 2018 ist 40% Cabernet Franc mit 60% Merlot. Die Rebsortenzusammensetzung ist eine Idealform für St Emilion, diesen hohen Cabernet Franc Anteil streben viele Château an. Und Alain Vauthier ist der Meister dieser Rebsorte, manchmal ist der Anteil sogar noch höher. Unglaublich frische Loire-hafte Nase, bleibt ja nicht aus bei soviel Cabernet Franc. Reife, fast süße Waldhimbeere, fast Brombeere darunter. Etwas Eukalyptus und Minze und damit schon in der Nase eine schöne Frische anzeigend. Und das Ganze ist im Mund sehr gut verwoben. Auch hier wieder diese Himbeere, aber auch noch mehr Sauerkirsche, Salz, etwas Schärfe zeigend, ja fast rasiermesserscharf in dieser Frische, die Tannine sind komplett poliert. Ausone ist groß, Ausone war für mich 2016 allerdings noch größer. Und ich finde, dass er in 2018 nicht in der gleichen extremen Liga spielt wie Cheval Blanc, der in St Emilion dieses Jahr der Primus überhaupt ist. 97-100/100 

Lobenberg: Das ist der Zweitwein von Ausone. Er besteht 2018 aus 50% Merlot, 40% Cab. Franc und 10% Cab. Sauvignon. Bis zu 12.600 Stöcke pro Hektar in Dichtpflanzung. 2018 ist auf der einen Seite so extrem fein wie erwartet, auf der anderen Seite aber auch durchaus reich. Mit viel Kirsche, süßer, schwarzer Beerenfrucht, gute Balance zeigend, harmonisch, seidig. Darunter ein bisschen Hagebutte, schöne Wärme aus Himbeere und süßer Kirsche. Im Mund fast lecker, gar nicht so rasiermesserscharf wie er manchmal ist. Gute salzige Kirschfrucht, mittlere Länge, ein angenehmer Chapelle d’Ausone aber auch nicht ganz groß. 95/100

Chateau La Clotte

Lobenberg: Nur 4 Hektar auf zum Teil reinem Kalksteinfels mit etwas Lehm, der Besitzer ist Alain Vauthier von Ch. Ausone. Die 2018er Cuvée enthält 85% Merlot, 10% Cabernet Sauvignon und 5% Cabernet Franc. Entsprechend der Stilistik von Alain Vauthier sehr fein, voller Spiel, zarter schlanker Mund. Aber La Clotte ist durchaus auch mit einer gewissen Wärme und einem Schmelz gesegnet. Die schwarze Kirsche mit der Maulbeere und etwas Holunder sind nicht so extrem in der Säure, die Mineralität ist mehr harmonisch eingebunden, ein feiner, ausgewogener, leckerer Saint Emilion. 94/100

Evangile

 

Das Pomerol-Weingut der Lafite-Rothschild-Gruppe. DER Powerwein Pomerols. Nicht so in 2016 und 2018. Die große Frische Feinheit, sooo lang, qualitativ bei den grandiosen Nachbarn Cheval, Conseillante und VCC. 99-100 mit Luft nach oben.

Lobenberg: Die Cépage 2018 lautet 80% Merlot und 20% Cabernet Franc. Evangile hat mit 2016 den besten Wein seiner Geschichte erzeugt und 2018 schließt wie bei den grandiosen Nachbarn Conseillante, Vieux Chateau Certan und Cheval Blanc daran an. Mal sehen ob 2018 den 2016er noch übertreffen kann, bei den anderen genannten war das der Fall. Bei Evangile weiß ich es nicht genau, aber wir sind nahe der Perfektion. Wir sind ganz fein, wir haben Maulbeere, deutliche Holunderspuren in der Nase, was ich so bisher nur bei Evangile gerochen habe in diesem Jahrgang, das passt aber sehr schön, dann wirklich ultrafeine Lakritze darunter, nichts Schweres, Üppiges oder Süßes. Getragen, fein verwoben, mit Schwarzkirsche, sehr betörend in der Nase. Eigenwillig und ausdrucksstark, so unendlich fein im Mund und trotzdem so Merlot. Satte Schwarzkirsche, auch hier wieder dieser Touch Holunder, sehr erstaunlich, vielleicht auch etwas Eukalyptus und Minze, fein verwoben, ein minimaler Hauch Cassis und süße Waldbeeren, sogar Himbeere aus der Cabernet Franc kommt. Feine salzige Länge, sehr reif mit hoher Konzentration, total seidiges Tannin, aber in den Massen an Gerbstoffen, die hier vorhanden sind. Der Ganze Druck kommt aus dem Untergrund, der Wein wird wie der 2016er ein langes Leben vor sich haben, ich fand den 2016er zumindest etwas kraftvoller und strukturierter. Ich probiere den Wein noch etwas weiter und er wird immer länger und länger, nach 5 Minuten Degustation bin ich doch an dem Punkt ihn gleichzusetzen mit dem 2016er, weil er so eine irre Länge in der salzigen Mineralik zeigt. Dann kommt mehr rote Frucht durch, wieder Holunder, lang, lang und noch länger in der Mineralität. Der 2018er kommt mit der versteckten Konzentration und der unendlich feinen Raffinesse, das ist zweimal das gleiche Niveau. Auf jeden Fall großes Kino. 99-100/100 

Le Pin

Jacques Thienpont von Château Le Pin und L'If

 

Inzwischen der teuerste Wein Pomerols und Bordeaux. Ein Kult für Milliardäre. Dazu der Saint Emilion L’IF, eine Art zweiter Troplong Mondot, das Nachbarweingut. Wucht, schwarz und doch fein. Le Pin selbst ist ein Traum in Kirsche mit Minze und feiner Blumigkeit. Eine verspielte Ode an die Freude, ganz groß und ganz teuer.

Lobenberg: Winziges Weingut mit 2,8 Hektar von Jacques Thienpont in Pomerol, beste Lage neben Trotanoy und Enclos Tourmaline. Château Le Pin ist Kies und Sand in dicker Schicht. Der Lehm liegt sehr viel tiefer. Das heißt, nur die alten Reben erreichen die Lehmschicht mit der guten Wasserführung. 100% Merlot bei 14.5% Alkohol, die aber nicht spürbar sind. Le Pin ist trotz reinsortigem Merlot meist extrem fein und rotfruchtig. Die Nase ist unterlegt von Mango, Schwarzkirsche, ein bisschen Holunder und Minze, durchaus fein. Vor allen Dingen sehr schick. Anders als bei Vieux Chateau Certan das ebenfalls der Fam. Thienpont gehört haben wir hier viel mehr Kies und Sand, der Lehm beginnt erst sehr viel tiefer, kein Kalkstein. Der Mund ist ein Potpourri aus Kirsche, schöne Weichselkirsche, süße Kirsche, ganz wenig Sauerkirsche, ein wenig Schwarzkirsche, ganz feine helle Lakritze, Milchschokolade, Holunder und Minze, auch ein wenig Eukalyptus, alles toll verwoben, spielerisch leicht. Ein Wein für die Freude in dieser tänzerischen Eleganz. Aber eben auch ein Wein für Milliardäre, jährlich mittlerweile der teuerste Wein in Bordeaux überhaupt. 98-100/100

Lobenberg: Zweites Weingut von Jacques Thienpont von Le Pin. Liegt vis-à-vis in der Kurve von Troplong Mondot, also bestes Kalksteinplateau. IF ist die Eibe, der Baum der dort vor dem Haus steht. Saint Emilion in seiner wuchtigen Ausprägung, Maulbeere, Schwarzkirsche und Veilchen, sehr intensiv, sehr reich, fast Troplong Mondot-artig, was nicht verwundert, denn If liegt direkt unterhalb von Troplong. Es ist das gleiche Terroir, also reiner Kalkstein mit Lehmauflage. Langsam zeigt sich ein bisschen Schwarzkirsche mit Mango und Orangenzesten, die Nase wird feiner, auch rote Kirsche kommt langsam durch. Der Mund fängt ebenfalls wuchtig an und wird immer feiner, schwarze Olivenpaste, Lorbeer, sehr intensiv. Etwas trocken vom neuen Holz, aber keineswegs zu stark extrahiert, keine Bitterstoffe, sondern relativ wuchtig, drückend und durchaus im Troplong Mondot Stil. Durchaus eine Powerversion eines St Emilion, aber da alles so harmonisch verwoben ist passt das gut, schiebt und drückt. 95-96+/100

Pavie

Einer von nur vier 1er Grand Cru Classé A. Superteuer. Ist er 2018 sein Geld wert? 2016 war toll, 2018 wurde mit scharfer Extraktion und viel neuem Holz, alles auf die Spitze getrieben … Ein verschenktes Potenzial?

Lobenberg: Von der Côte Pavie, also den Südhängen St Emilions auf reinem Kalkstein. Wahnsinnig duftige, intensive Schwarzkirsche, Maulbeere, etwas Holunder aber auch Eukalyptus, Minze. Eine sehr eigenwillige Nase aber durchaus spannend. Ein sehr reicher Mund, intensiv, Eukalyptus, Holzkohle, Minze, Holunder, Schwarzkirsche, Maulbeere, aber auch unglaublich viel Holz, viele Bitterstoffe aus den Kernen, scharf extrahiert. Das ist wirklich schade, 2016 war man auf so einem tollen Weg, hat es nicht so übertrieben mit der Extraktion und dem Holz, 2016 war Pavie ein potenzieller 100 Punkte Wein. 2018 hätte das auch sein können, wurde aber leider zu brutal behandelt. 94-96/100

Figeac

 

Für mich einer der besten Weine des rechten Ufers und zusammen mit Clinet aus Pomerol immer einer meiner persönlichen absoluten Lieblingsweine. 2018 ist in der Nase eine total verspielte Kirschnase, im Mund aber total Cabernet Sauvignon. Satte rote Johannisbeeren und etwas Cassis, unglaublich frisch mit Irrer Konzentration, mineralisch ohne Ende. Ewiges Leben und 10-15 Jahre in Ruhe lassen. Best ever klingt langsam etwas abgeschmackt, hier muss man es aber sagen. Dieses Terroir von Figeac, Cheval, VCC, Conseillante, Evangile... unglaublich aber wahr. So 100 wie es eben geht.

Lobenberg: Chateau Figeac ist ein wunderschöner Landsitz auf dem Kiesplateau des Saint Emilion mit 40 Hektar Rebfläche schräg gegenüber von Cheval Blanc. Die 2018er Cépage lautet 37% Merlot, 33% Cabernet Franc, 30% Cabernet Sauvignon. Der Ertrag lag bei normalen 39 Hl/ha und ergab somit ca. 100.000 Flaschen Gesamtproduktion. Château Figeac bewirtschaftet etwa 70% seiner Fläche organisch und ist bei H.I.V. zertifiziert, das ist ein Zertifikat des französischen Staates zur Schonung der Umwelt, Figeac hat mit Stufe 3 die höchste Klasse. Jean Faure und Seguin haben dieselbe Zertifizierung. Diese Art des Bio Anbaus ohne in eine extreme Organisation wie Demeter zu gehen nimmt momentan stark zu. Letztlich soll uns egal sein wie es passiert, Hauptsache es nimmt zu. Nur Figeac hat so eine fast brutale Fokussierung auf Cabernet-Reben in St Emilion oder Pomerol. Es gibt natürlich mit Clinet auch andere Weingüter, die etwas Cabernet haben. Oder Weingüter wie Ausone, die auch auf 50% Cabernet Anteil kommen, allerdings immer überwiegend mit Cab. Franc. Auf Figeac sind beide Cabernets eben in etwa gleichstark vertreten auf Grund der speziellen Kiesböden, die in größeren Teilen denen des Medoc entsprechen. Trotz des Cabernet Anteils haben wir eine sehr dunkle, fast schwarze Nase, viel Maulbeere, Schwarzkirsche, aber noch viel mehr Eukalyptus und Minze, stark ausgeprägt, dazu Holunder, Veilchen, Jasmin, Orangenzeste. Das ist schon eine ziemliche Wucht an Nase und das bei so viel Cabernet, das hätte ich nicht erwartet. Die Antwort auf die Fragen in Richtung Cabernet kommt dann im Mund, denn der Mund ist Cabernet Sauvignon, aber ganz reif, rote Johannisbeere, deutlich vor Cassis, aber eine reife, fast süße Johannisbeere, und dahinter eine unendlich lange Mineralität, viel Salz. Der Wein hat unglaublich Schliff und Spiel, ist sehr komplex, blumig und dennoch würzig und tief. Die reife aber sehr konzentrierte Himbeere kommt hinzu, das Ganze mit unglaublich viel Gripp und Power, nur eben nicht mit brutalem Tannin, nicht mit Extraktion, sondern seidig und samtig. Und trotzdem dieser Gripp mit der hohen Säure und der genialen Frische. Ein Wein der nicht 5 Jahre, nein, sondern mindestens 10 Jahre weggesperrt gehört. Ein Figeac in einer großen Intensität und Dichte und gleichzeitig mit viel Finesse. 2016 war Figeac ein Mörderwein und 2018 ist noch besser, das schien mir kaum vorstellbar. 100/100 

Chateau Trottevieille

 

Mehr als 50% Cabernet Franc. Wahnsinnig konzentriert und bei großer Frische brutal konzentriert. 15 Jahr wegsperren. Ein Riese mit 98+. 2018 auf dem rechten Ufer schockt mich.

Lobenberg: Chateau Trottevieille befindet sich seit 1949 im Besitz des Handelshauses Borie-Manoux und liegt etwas östlich vom Stadtkern Saint Emilions auf Lehm- und Kalkböden. 44% Merlot, 54% Cab. Franc und 2% Cab. Sauvignon. Dieses klassifizierte Weingut liegt im unteren Hangbereich auf reinem Kalksteinfels kurz vor Troplong Mondot. Schöne, intensive Beerennase, hauptsächlich schwarze Kirsche, auch ein wenig Maulbeere, Holunder, auch wieder obligatorisch in diesem Jahrgang, Minze und langsam auch ein wenig Teer und eingekochte schwarze Beerenfrucht, Backpflaume, sehr dicht, sehr wuchtig, sehr schwarz, auch florale Aromen. Unglaublich viel Druck im Mund, Schwarzkirsche, Holunder und Eukalyptus, fast scharfe Salzigkeit, unglaubliche Konzentration und Tanninmassen, die aber nicht hart und spröde sind. Der Wein ist zwar ein bisschen extrahiert, aber nichts ist bitter, das Tannin ist nur in Mengen vorhanden und gleichzeitig bleibt vorne eine Seidigkeit und eine Finesse, etwas Tänzelndes. Schwarz, dicht und konzentriert, wieder Minze, Eukalyptus und Schwarzkirsche, Maulbeere, Holunder, Teer und Schokolade. Das ist schon ein ziemlich irrer Wein und wenn mir jemand in einer Blindverkostung gesagt hätte das sei Troplong Mondot, der Nachbar dann hätte ich das geglaubt, weil Trottevieille noch nie so immens war in der Dichte und Konzentration. Bitte 10 Jahre oder mehr wegsperren, aber für Trottevieille ist das ein ganz großer Wein, der dieses Jahr fast in die allererste Reihe gehört. 98+/100 

Troplong Mondot

 

Kraftwein Saint Emilions. Dramatisch konzentriert aber nicht fett. Groß. Ein Paradigmenwechsel zur Feinheit. Burgundisch. Not to bad!

Lobenberg: Troplong Mondot ist oben auf dem Plateau gelegen, aber nicht an der Südkante, sondern ziemlich mittig, direkt am Wasserturm. 28 Hektar besten Landes auf Kalkstein und Lehm. Etwas abfallend. Darunter dann Tertre Roteboeuf. Der direkte Nachbar ist Pavie Macquin. Im Grunde eines der Top Terroirs in Saint Emilion schlechthin. Die 2018er Cuvée besteht aus 85% Merlot und 13% Cab. Sauvignon und 2% Cab. Franc. Die Lese fand schon am 7. September statt, 90% der Lese wurden so schnell wie möglich durchgeführt, um die maximale Frische und Saftigkeit zu erhalten. Der Ertrag ist mit 49 Hl/ha ziemlich hoch, es gibt 80.000 Flaschen. Der Wein ist reif und konzentriert und er ist überhaupt nicht so Blockbuster-mäßig schwarz und dicht wie 2016, der war zwar auch super, aber 2018 ist fast dramatisch viel feiner durch die frühe Ernte. Der Alkohol ist mit 14.5% hier für Troplong Mondot mindestens ein halbes, häufig sogar ein ganzes Prozent unter normal. Ein schöner, weicher, fruchtbetonter Mund, eher zur roten Frucht gehend, Kirsche. Diese Fülle an roter und schwarzer Kirsche ist für Troplong ungewöhnlich, wir haben nur helle Lakritze, ein bisschen Holunder, helle Milchschokolade, Haselnüsse, alles sehr fein. Sogar noch feiner als der Nachbar L’If von Jacques Thienpont. Mehr in Richtung des darunterliegenden Nachbarn zur anderen Seite Pavie Macquin, also mit dieser Verspieltheit. Ein Paradigmenwechsel für Troplong Mondot, er verliert zwar ein wenig diese brutale Wucht des Blockbusters, die ihn auch ein wenig unique machte, aber dafür wird er gut trinkbar. Auch wenn ich ihn nicht in die erste Reihe stelle, trotzdem ein sehr guter Troplong. Und wie gesagt erstmalig mit hohem Genussfaktor und schönem Schmelzfaktor versehen. 97-98/100

La Conseillante

 

Eine Wuchtbrumme in Frucht und Konzentration. Unglaublicher Schub und satte polierte Tannine mit immenser Mineralität. Für ein ewiges Leben. Best ever. 100. Chapeau!

Lobenberg: Auf 12 ha tiefgründigem, kieshaltigem, mit Lehm und Eisen durchsetzten Boden stehen die durchschnittlich 40 Jahre alten Reben von La Conseillante. Der Wein kommt 2018 mit einer Cuvée von 83% Merlot und 17% Cabernet Franc. Es gab ungefähr 10% Verlust durch Mehltau, ansonsten alles im grünen Bereich, nur eben konzentriert von kleinen Beeren. Hochintensive Nase nach schwarzer Kirsche, etwas Mango, Schlehe, Eukalyptus und Minze, spannende Nase. Extrem aromatischer Mund, da kommt eine unglaubliche Wucht, aber nicht unbedingt fett, sondern nur schiebende Massen von Frucht, eine wahnsinnige Konzentration von butterweichen Tanninen, nichts ist hart, nichts ist bitter, nichts ist überextrahiert. Alles ist in sich stimmig, unendlich lang in salziger Mineralität. Aber diese Wucht in der Frucht ist wirklich verblüffend, ich habe kaum einen Wein dieses Jahr in Pomerol probiert, der dermaßen schiebt. Ein bisschen wie Eglise Clinet oder Clos de la Vieille Eglise, die auch sehr reichhaltig daherkamen. Aber hier kommt noch eine rote Frucht dazu, konzentrierte Schlehe, Waldhimbeere, Kirsche in allen Schattierungen, Veilchen, dunkle Lakritze, aber nicht süß, sondern eher salzig. Nichts Überreifes oder gar Volatiles, wir haben hier eine grandiose Frische und einen schiebenden Druck. Ich bin sicher, dass dieser Wein ein sehr langes Leben vor sich hat und das ist einer der größten je erzeugten Conseillante. Für mich ein Riesenwein. 99-100/100

Letzte UGC Probe Pomerol auf Chateau Beauregard

 

Gazin und Petite Village waren ordentlich, La Pointe nach Jahren wieder mal super. 2005 mit viel mehr Finesse und frischer roter Frucht.

Chateau Clinet. Mein Liebling. Total fein in roter Kirsche laufend, tänzelnde Finesse, geniale 15% Cab Sauv unter der Merlot, der Figeac der Pomerols. Ich bin wie 2016 sehr begeistert. 97-100

Zum Abschluss Chateau Beauregard, der Biodynamiker neben Chateau La Croix in Catusseau. Sand und Kies und Lehm. Extrem fein und dazu vom Lehm etwas mehr Power als La Croix. Total auf Kirsche, rote Frucht, extrem wohlschmeckend, angekommen in der Spitze der Biodynamiker. Best ever hier mit 98-99/100.

Beauregard

Chateau Gazin

Lobenberg: Holunder, Schwarzkirsche und Sauerkirsche in der Nase, auch leichte Blumigkeit, ziemlich viel Gripp im Mund, etwas stramm extrahiert. Viel Schwarzkirsche und süßliche Waldbeerenfrucht, insgesamt etwas unharmonisch und spröde, etwas viel extrahiert und trocken vom neuen Holz. Noch nicht richtig absehbar. 93-94/100

Chateau Petit Village

Lobenberg:Die 2018er Cuvée enthält 72% Merlot, 20% Cab. Franc, 8% Cab. Sauvignon, ungefähr zur Hälfte in neuem Holz ausgebaut. Auf diesen Wein war ich besonders gespannt, denn in durchschnittlichen Jahren finde ich Petit Village total langweilig, aber in großen Jahren kann das durchaus mal außergewöhnlich werden. Zumindest in der Nase zeigt er sich schon mal sehr fein, auf der schwarzen Kirsche laufend. Es fehlt aber ein bisschen Aufregung, um z.B. an La Pointe vorbei oder auf gleicher Stufe zu Beauregard zu laufen. Einfach ein netter, sehr guter Pomerol. 94-95/100

La Pointe

Lobenberg: Wie lange steht La Pointe schon im Schatten der großen Brüder wie La Conseillante oder Beauregard. Die berühmte Familie d'Arfeuille erzeugt hier sehr verlässliche Pomerol. Reife rote und schwarze Frucht in der Nase mit guter Harmonie. Angenehmer Mund, schöne Reife zeigend, deutliche Kaffeenoten vom getoasteten Holz, schöne Länge, elegant. Sehr pikant hintenraus mit salzigem Nachhall. Aber diese Fruchtkomposition aus rot und schwarz gefällt mir sehr gut. La Pointe 2018 ist für mich besser als es jemals war. Ein sehr harmonischer Wein mit viel Eleganz und einem wirklich spannenden Finish. Eine Delikatesse! 95-96+/100

Lobenberg: Im Chateau Clinet treffen sich die drei Voraussetzungen, die einen großen Wein garantieren: Alte Reben, ein superbes Terroir und engagierte Arbeit in Keller und vor allem im natürlich organisch bewirtschafteten Weinberg. Die Bestockung hier ist 85% Merlot und 15% Cabernet Sauvignon, es ist eines der wenigen Cab. Sauv. Weingüter in Pomerol und hat daher immer eine völlig eigene Stilistik. 2018 ist, wie schon 2016, eine Orgie in Kirsche, man kann es gar nicht anders sagen. Ich hatte zuvor Beauregard, das war ein Traumwein, aber Clinet mit dieser Weichselkirsche, mit dieser knubbeligen Kirsche, mit der roten süßen Kirsche, dazu ein bisschen Cranberry, ganz feine Moschusnote, auch etwas Vanille, Jasmin, ein Hauch Orangenzeste darunter. Unglaublich duftig, erotisch, fruchtig, ein grandioser Burgunder. Rote Frucht geht über alles im Mund, was die Nase versprach wird hier gehalten, schöne Kirsche mit einer wunderbaren Säure und auch ein bisschen Schlehe, Sauerkirsche, wieder diese Blumigkeit, ganz feine helle Lakritze, fast weiße Schokolade, ein Hauch Nutella darunter, Haselnüsse, alles fein verwoben mit extrem seidigem Tannin. Die hohe Konzentration des Jahrgangs ist überhaupt nicht spürbar in dieser tänzelnden Schönheit, der Wein ist fast zu lecker in dieser spielerischen Leichtigkeit, eine große Freude. 98-100/100

Lobenberg: Chateau Beauregard hat in den letzten Jahren große Investitionen im Weinberg und Chateau getätigt. Das ist nunmehr abgeschlossen. Alles sehr schick. Aber die Hauptarbeiten geschahen im Weinberg. Das Chateau gehört der Familie Moulin, der auch die Galeries Lafayette gehört. Mitbesitzer sind die Cathiards von Smith Haut Lafitte. Das Terroir gehört schon immer mit zu dem Besten. Es ist der Nachbar von Chateau La Croix. Es sind lehmige, sandige Böden, also sehr feine Weine. Jetzt wird alles entsprechend in den Keller gebracht. Die Umstellung zur Biodynamie ist komplett abgeschlossen. Die Arbeit in den Weinbergen geschieht überwiegend mit dem Pferd. Alle Weine sind inzwischen biologisch zertifiziert. Auf den unteren sandigen Böden wird kein Erstwein erzeugt, die Ernte geht in den Zweitwein. Beauregard ist auf dem Weg an die erweiterte Spitze der Appellation. Sicherlich nicht in die Reihe der Top 10, aber nahe dran. Der Regisseur Vincent Priou ist auf jeden Fall einer der talentiertesten und genialsten Regisseure auf dem rechten Ufer. Der Cabernet Franc Anteil ist im Lauf der letzten Jahre immer weiter erhöht worden. 2018 ist die Cépage 75% Merlot und 25% Cabernet Franc. Der Nachbar La Croix ist bekanntermaßen eines der feinsten Weingüter in Pomerol auf sandigem Terroir, wenn man denn diese Finesse in Pomerol sucht und nicht die würzige Tiefe. Beauregard ist genau der Mittelweg dazwischen, war schon 2016 und so auch 2018 so unglaublich tief in der reichen, würzigen, roten Frucht. Satte rote Kirsche, Veilchen, dazu Rosenblätter, aber rot bleibt, Kirsche in allen Variationen, Zwetschge, ein bisschen Mango dahinter, ganz fein. Ein bisschen wie eine etwas dichtere Nase eines Ch. Le Pin oder VCC. Das trifft nicht nur den Jahrgang extrem gut, sondern das ist ein in sich schlüssiger Wein, mit diesem verspielten Hauch, dieser Extravaganz, dieser Finesse in der Nase. Ich verfolge Beauregard schon lange und glaube, dass Beauregard mit dem 2018er dem selbstgesteckten Ziel von vor 10 Jahren schon ziemlich nahegekommen ist. Der Mund spiegelt mehr schwarze als rote Kirsche wider, schön dicht, Tanninmassen, hohe Konzentration, aber alles extrem fein, butterweich, lang und salzig. Ein bisschen Holunder und Schlehe, Cranberry, feines Salz, sehr lang, ein extrem harmonischer Pomerol. Im Grund wie der Nachbar La Croix, nur etwas rotfruchtiger und etwas druckvoller und länger. Pomerol hat es in vielen Fällen in 2018 sehr gut getroffen. Und Beauregard ist sicherlich einer der kommenden Superstars und auch jetzt schon Bestandteil direkt hinter der ersten Reihe. 98+/100

Lobenberg: Ein Weingut der Familie Janoueix. Jean-Philippe Janoueix persönlich ist verantwortlich für den Weinberg und Keller. Ein winziges Weingut mitten in Catusseau neben Beauregard, seit Ewigkeiten ein Geheimtipp, schwer zu finden. Das klassische „old-fashioned“ Weingut in der Vinifikation. Sandböden mit ein bisschen Lehm. Immer super zart und vorsichtig vinifiziert. Auf La Croix wird anders gearbeitet als auf den anderen Weingütern von Jean-Philippe Janoueix. Das Terroir ist wie gesagt sandiger, kalkhaltiger, lehmiger. Aber nicht zu schwerer Lehm. Der Wein wird klassisch im Zement vergoren mit seiner natürlichen Hefe. Nach der Vergärung verbleibt der Wein noch drei Wochen auf den Schalen. Der Ausbau geschieht nur zum Teil im neuen Holz, seit 2015 zunehmend in Stockinger-Holzfässern von 1500 L und 2500 L, um weiter vom Holzeinfluss wegzugehen. Pump over, nur ganz vorsichtig. Und mit 2017 trat der neue Kellermeister in die Janoueix-Gruppe ein. Ein bewiesen extrem talentierter, italienischer Önologe, der zuvor 7 große Jahrgänge auf Château Clinet zu Ruhm und Ehre brachte und als Meister der Eleganz und Finesse gilt. Die finale Cépage ist unverändert in 2018, im Grund genommen besteht der Wein aus Merlot, allerdings sind 3-4% Malbec dabei, die wichtig sind, um Würze, Farbe und vor allem florale Elemente einzubringen. Der pH-Wert in 2018 lag bei etwas über 3.6, also mittlere Säure, der Alkoholwert beträgt moderate 13.5%. La Croix liegt ja wie bekannt im Herzen Pomerols, aber auf der Westseite neben dem Nachbarn Beauregard. Wir haben überwiegend sandige, kiesige Böden, die deutlich feinere Weine als die von schwerem Lehm berühmterer Pomerol-Weingüter ergeben. Eine ganz feine, getragene Nase, dunkle Früchte, ein Potpourri aus Brombeere und süßer schwarzer Kirsche, sehr mild, sehr fein, sehr ätherisch. Im Mund besticht der auch hier deutlich schwarzfruchtige Wein durch große Harmonie, durch eine Balance, eine Leichtigkeit im sagenhaften Trinkfluss, die noch höher einzuschätzen ist als die Komplexität. Wunderbarer Nachhall aus säurebeladener schwarzer Kirsche, etwas Brombeere und Maulbeere, auch ein bisschen Barbera-hafte Sauerkirsche kommt hinzu, durchaus lebendig. Aber das Ganze voller Finesse, aber vor allen Dingen - und das ist die hervorstechende Eigenschaft von La Croix – große Harmonie und Feinheit und verspielte Leichtigkeit jenseits aller Komplexität, so fein und sooo elegant. Viele Pomerol-Liebhaber stehen mehr auf Blockbuster und Kracher, das ist La Croix niemals auf Grund des Terroirs und der überaus zurückhaltenden Kellerarbeit. Es bleibt immer die Leichtigkeit des Seins, die Feinheit, die Trinkfreude und Saftigkeit. Und genau das zeigt dieser milde 2018er mit seinem schönen, vollen, runden Körper, nichts Fettes, einfach nur fein, harmonisch und voll komplexen Spiels, dabei überwiegend auf der schwarzen Frucht laufend. Eine grandiose Trinkfreude, nie wird ein Schluck in der Flasche überbleiben, aber man muss La Croix nicht anbeten, man muss ihm nicht Achtung entgegenbringen, sondern man muss sich einfach diesem hedonistischen Genuss und der Trinkfreude hingeben. Diese Freude, die dieser Wein ausstrahlt, ist schon unbeschreiblich. Einfach nur lecker, saftig und extrem gut. 96-97/100

Jean Pierre Moueix. Das hochkarätige Händlertasting in Libourne

 

Chateau Trotanoy, La Fleur Petrus, Latour a Pomerol, Certan de May, Belair Monange. Hier sind viele Superlative unter einem Besitzerdach vereint.

Lobenberg: Das kultigste und edelste Weingut von Christian Moueix. Nur 7 Hektar Boden mit Kies auf blauem und schwarzem Lehm mit sehr viel Eiseneinsprengseln. Nachbar von Le Pin, Petrus und VCC. Trotanoy ist ein Mythos und neben Größen wie Le Pin vielleicht der einzig wahre Konkurrent. Das ist die ultimative Feinheit in schwarzer Frucht von der nichts drückt. Schwarze Kirsche, Holunder, darunter ein bisschen Schlehe, Cranberry und rote Kirsche, man kann kaum beschreiben wie unendlich fein das ist und dennoch so duftig und intensiv, Le Pin ist dagegen ganz anders, geht viel mehr in die rote Frucht, Petrus konnte ich nicht probieren dieses Jahr. Aber Verkoster die ich traf tendierten in die gleiche Richtung, unendlich dicht, schwarz, reichhaltig, fein und kirschig. Der Mund hat alles was ein großer Pomerol braucht, er ist so wahnsinnig hocharomatisch in schwarzer und roter Frucht, aber es tut eben nichts weh, alles ist immens fein und zugleich mit unglaublicher Intensität, alle Sinne werden berührt, alles tänzelt. Im Mund läuft es hin und her, so intensiv, so hochkonzentriert. Ein Wein für viele Jahrzehnte, der von der Fassprobe bis für weitere 50 Jahre wahrscheinlich immer ein 100 Punkte Wein bleibt, denn das ist er glasklar. Ich bin ziemlich geflasht, denn das ist einer der besten Weine die ich dieses Jahr probiert habe. Und speziell in Pomerol zusammen mit VCC das ultimative Erlebnis und mindestens gleichwertig zu Le Pin, bei anderer Stilistik. Großer Stoff, berauschender Stoff, unglaublich feiner Stoff. 100+/100

Chateau La Fleur Petrus

Lobenberg: Relativ großes Weingut in Pomerol mit 18 Hektar, tiefer Kies- und blauer Lehmboden, stark eisenhaltig. Die 2018er Cuvée ist 91% Merlot, 6% Cab. Franc und 3% Petit Verdot. Ein Weingut der Moueix Gruppe, direkt nach den beiden großen Weinen Certan de May und Hosanna probiert. Alle diese drei Pomerols gehören mit zu den besten des Jahrgangs, La Fleur Petrus ist der teuerste von allen dreien. Aber er ist auch der allerfeinste, La Fleur Petrus geht wieder weg von der totalen Wucht, hin zur großen Feinheit. Schwarze und rote Kirsche, sehr fein, schwebend. Der mineralischste Mund der bisherigen Pomerols von Moueix, nicht nur viel Salz, sondern auch viel Gestein. Rote und schwarze Früchte, noch etwas undefiniert, schöne Länge zeigend. Ein Wein von dem man jetzt schon weiß wie er in 10 – 15 Jahren mal sein wird, weil es einfach ein archetypischer, perfekter Pomerol wird. Er hat nicht ganz so viel Eigenwilligkeit wie Hosanna und Certan de May, er ist universeller, aber es ist ein Pomerol wie er dereinst groß sein wird. Dennoch kann ich ihn nicht höher bewerten als die beiden Unikate, die so brutal beeindruckend waren. La Fleur Petrus ist nur der Riese in Feinheit und Harmonie. 98-100/100

Latour a Pomerol

Lobenberg: 8 Hektar tiefer Kies und Lehm, auch blauer Lehm, mit 100% Merlot Bestockung. Ein legendäres Château aus der Moueix Gruppe, hier gab es schon sagenhafte Weine. Reiche, dichte, Schwarzfruchtnase, aber butterweich, üppig und schick, gar nichts Raues dabei. Einfach nur fein, kirschig, ein bisschen süße Maulbeere, reiche schwarze Kirsche, etwas rote Kirsche darunter, ein Hauch Blaubeere, auch Holunder, helle Lakritze, etwas Nuss, schicke Nase. Der Mund ist dann auch deutlich rotfruchtig, intensiv, eine tolle Frische aus der sehr reifen Frucht zeigend, Kirsche, Sauerkirsche, auch Schlehe. Schön tänzelnd, das Ganze in sich sehr harmonisch. Der Wein hat zwar keine absolute Größe, dafür ist er im Grunde zu lieb, aber alles passt so wunderbar und hat viel Niveau. Kein Wein zum Niederknien aber ein ausgezeichneter Pomerol aus einem hervorragenden Jahr. Ein Pomerol, der schon als Fassprobe sehr viel Spaß macht. 97-100/100

Lobenberg: Nur 5,5 Hektar groß. Der Untergrund besteht aus Lehm mit tiefem Kies darüber. 70% Merlot, 25% Cabernet Franc, 5% Cabernet Sauvignon. Der hohe Cabernet Anteil ist natürlich dem hohen Kiesanteil geschuldet. Das ist der direkte Nachbar von Vieux Chateau Certan, der häufig eine ähnlich feine Cabernet-Ausrichtung hat. Also mit die beste Lage in Pomerol, in der Nähe dann Evangile, etwas weiter Petrus. Certan de May hat schon manches Mal an den 100 Punkten gekratzt. Geniale Vergangenheit aber in den letzten 10 Jahren nur das obere Mittelfeld gestreift, aber nie in die Top 10 vorgedrungen, 2018 soll es aber sein. Wuchtige Schwarzkirsche mit süßer Maulbeere, unglaublich voluminös, Lakritze über Maulbeere, hohe Intensität, zerdrückte schwarze Oliven, Unterholz. Und wie ich schon sagte süße, dunkle, schwarze Lakritze, dazu Eukalyptus und Minze. Die Nase ist schon eine Wucht. Extrem reicher Schwarzkirschmund, langsam kommen andere schwarze Waldbeeren hinzu, aber die schwarze Kirsche dominiert komplett, unglaublich lecker, unglaublich voluminös. Gott – was für eine Wucht von Pomerol. Der Nachbar VCC war trotz seiner Wucht feiner, Eglise Clinet ging schon eher in diese Richtung. Wahnsinnig geschmackvoll, alle Geschmacksnerven im Mund werden beschäftigt. Immer wieder rollt es hoch ob dieser Dichte und Intensität, was für ein Knaller, und trotzdem sind die Tannine butterweich. Massen von Tannin aber da ist gar nichts, wirklich gar nichts das stört oder eckig ist. Nur rund, fleischig, dicht, lang, aber dennoch niemals überfordernd, alles bleibt immer köstlich trotz dieser enormen Wucht. Ich finde Certan de May 2018 ist zwar weniger fordernd als ein Evangile oder ein VCC, weniger polarisierend in seiner positiven Extremität, einfach köstlich, aber er ist ganz sicher Oberliga. Der Wein gefällt mir extrem gut. 98-100/100

Lobenberg: Das Top Saint Emilion Weingut von Christian Moueix. Oben auf dem Plateau als direktester Nachbar von Ausone gelegen. Hat früher nur Belair geheißen und war im Besitz von Pascal Delbeck. Nun seit vielen, vielen Jahren von Moueix betrieben, und wiederum seit vielen Jahren eines der besten Weingüter in Saint Emilion. Das Weingut ist mit 23 Hektar relativ groß. Reines Kalkstein-Plateau. Auch ein bisschen blauer Lehm darüber, speziell wenn es etwas den Hang runter geht. Blauer Lehm, der ja auch eine Kalksteinvariante ist, und der auf Grund der Metallanteile unglaublich reichhaltige, kraftvolle Weine ergibt. Hier stehen 90% Merlot und 10% Cab. Franc. Früher DER Konkurrent von Ausone und Beausejour Duffau, dann lange, lange in Vergessenheit geraten, durch den früheren Besitzer Delbeck etwas hingerichtet worden. Auch sein Partner Vauthier konnte das nicht retten. Erst mit der Moueix Gruppe aus den Ruinen auferstanden und seit einigen Jahren wieder in die absolute Spitze St Emilions gehörend. Die Nase kann je nach Jahrgang mal von brutaler Kraft zu großer Feinheit changieren. 2018 ist wie 2016 unendlich fein mit reiner, ätherisch-tänzelnder Schwarzkirsche. Gott – das ist die reinste Verzückung in der Nase, viel mehr Charme als der Nachbar Ausone, eher sich kabbelnd mit Beausejour Duffau in dieser wunderschönen Kirschduftigkeit. Feinste Blütenaromen darüber und darunter, auch Lakritze und Mango, Orange. Gott ist diese Nase lecker. Was mach ich denn mit diesem Mund? Der Eintritt ist wirklich der schiere und der pure Wahnsinn, denn wir haben Backpflaume und eingekochte Schwarzkirsche in so einer unglaublichen Massivität, das muss eine Reduktion über Tage gewesen sein, so hochintensiv ist diese Schwarzkirsche. Und die Lakritze darunter ist süß und reich, ja fast dick und saftig, Schokolade dabei, auch Holunder, sehr viel Eukalyptus, satt Minze. Die Frische und die Mineralität sind verblüffend, aber die kommen hier nicht aus irgendeiner Säure, sondern wie bei Tertre Roteboeuf aus der reinen reife der Frucht. Das ist ein grandioser St Emilion für ein langes Leben mit dieser wahnsinnigen Konzentration, die nie zu überreif ist und die einfach nur unglaublich beeindruckt. Man ist einfach nur geflasht von diesem Eintritt und dennoch ist der Wein saftig und trinkbar bei dieser immensen Dichte und Konzentration. Ein Turbo Saint Emilion der anderen Art, wie ich ihn in dieser Form dieses Jahr sonst nur bei Tertre Roteboeuf gefunden habe. Auf jeden Fall ist das auch eine glatte 100/100.  

 

Ich hatte befürchtet dass es sooo gut ist. Und dann war es noch besser, La Serre Saint Emilion und Latour a Pomerol einfach Traumweine. Certan de May, Hosanna und La Fleur Petrus mit 97-100 gaaanz groß, besser als 2016. Trotanoy und Belair Monange glatt 100... bei Trotanoy zuckte sogar das + Zeichen... Christian Moueix war dann mit mir einer Meinung, dass 2016 und 2018 die besten Weine seiner Historie waren, mit einem kleinen Plus für 2018.

Lobenberg: Lehm auf dem Kalksteinplateau in Saint Emilion. Extrem gutes Terroir. La Serre ist ein Grand Cru Classé und ein weiteres Gut aus dem Imperium von J-P Moueix aus Libourne, mindestens seit 2005 in immer weiterem Höhenflug begriffen. Das Gut hat nur 7 Hektar Lehm über Kalksteinplateau, darauf stehen 80% Merlot und 20 Cabernet Franc. La Serre ist in der Reihe der Moueix Weine der erste der eine gewisse Größe hat, und zwar Größe in Feinheit. Eine Orgie in süßer, roter Kirsche, Weichselkirsche, unglaublich süß, dazu feinste Himbeer-Erdbeer-Unterlage, ganz helle Lakritze und Milchschokolade, ein wenig Holunder. Das Ganze ist mit Blüten unterlegt, aber keine massiv süße Blüte wie Veilchen, eher helle Blüten. Das Ganze tänzelt in der Nase, eine kleine Geruchsorgie in Feinheit. Der Mund ist wahnsinnig lecker, ich kann das gar nicht anders sagen. Da ist süße Kirsche in allen möglichen Schattierungen, daneben Milchschokolade, viel Haselnuss, helle Lakritze, ganz leichte Salzspur, das Ganze süß und wollüstig. So eine Ode an die Freude, es macht so viel Spaß diesen Wein zu trinken, und das schon als Fassprobe. Und wir wissen ja, große Fassproben sind auch später groß, große Weine sind immer groß. La Serre ist nicht groß, das wäre jetzt einfach übertrieben, aber das ist eine wirkliche Delikatesse in dieser Feinheit der Frucht. Das wird Everybody’s Darling auf gehobenem Niveau. 95-96/100  

Chateau Hosanna

Lobenberg: Ein kleines Weingut von nur 4.5 Hektar auf blauem Lehm, rotem Kies mit sehr viel Eisen im Unterboden. 70% Merlot und 30% Cabernet Franc. Die Eisenhaltigkeit des Bodens ist schon in der Nase zu spüren, ein bisschen Blut, viel Holunder und viel würziger, teeriger, lakritziger Brombeere, so intensiv, so reich. Ein Wein so intensiv wie Eglise Clinet, unglaublich wuchtig und dennoch butterweich, nichts tut weh. Hier muss man auf keinen Fall sagen, dass der Wein noch etwas wird, wie beim zuvor probierten Certan de May, denn hier ist alles schon da und ist trotzdem groß und es wird wohl noch größer und hält ewig. Der süße Lakritze- und Schokoladenmund zeigt auch viel Minze und Eukalyptus, unglaublich würzig durch diese Zusatzaromatik, dann auch sehr nussig, Haselnuss satt, leichte Nougatschicht darunter. Viele helle Blüten, der Wein tanzt und ist trotzdem so reich und dicht, fleischig, üppig, blutig. Alles knallt vor lauter Intensität und dennoch ist alles butterweich, kein einziges kleines Tanninchen das auch nur im Ansatz spröde ist. Alles ist einfach nur wuchtig, dicht und trotzdem nicht zu fett, aber der Wein sollte dennoch 10, 12, 15 Jahre in den Keller. Das wird einmal ein Riese, ich bin schwer beeindruckt. 98-100/100


Freitag, 05. April

Der letzte Tag unserer Reise.

Chateau Haut Brion und La Mission Haut Brion

 

Aus der 2018 so grandiosen, unendlich feinen Appellation Pessac Léognan. Schon die Zweitweine Chapelle und Clarence waren mit 95 Punkten schicke Meisterwerke. Haut Brion war die Wiederauferstehung des 1989ers und La Mission war noch feiner und mineralischer. 100.

Lobenberg: Château Haut Brion ist im Besitz der amerikanischen Familie Dillon. Seit dem Jahre 2001 ist Prinz Robert von Luxemburg, ein Urenkel Dillons, für die Leitung des Châteaus verantwortlich. Die 2018er Cepage ist 49,4% Merlot, 11,9% Cabernet Franc und 38,7% Cabernet Sauvignon. Hohe Übereinstimmung mit dem Zweitwein Clarence de Haut Brion, in der Wucht, in der Frucht, eben ganz anders als die La Mission Serie. Hier gibt es üppige Pflaume, üppige rote und schwarze Kirsche, aber durchaus Frisch, wenngleich mit total buttrigen, samtig-seidigen Tanninen unterlegt. Da kommt nichts Hartes, nichts Sprödes, nichts Grünes aus dem Glas, sondern nur eine wunderschöne, fruchtig-intensive Reife aus der Nase. Im Mund sehr guten Gripp zeigend, tolle Mineralität, Salz, feine helle Lakritze, auch ein wenig Holunder. Der Großteil der Frucht ist aber reife Zwetschge und Pflaume mit reifer, süßer Kirsche, fast bis zur Amarenakirsche reichend. Hohe Intensität, geniale Aromatik. La Mission war vielleicht einen Hauch feiner, aber auch dieser Haut Brion ist einer der ganz großen Weine des Jahres. Die Appellation Pessac Léognan ist so unendlich fein und holt ihre unendliche Frische aus der großen Reife, das sind tänzelnde Riesen. Mir ist durchaus klar, dass La Mission und Haut Brion trotz 100 Punkte im Verkauf nie richtig spannend sind, weil sie vielleicht nicht ganz den Sexappeal eines Mouton haben. Aber wer Weine kauft nur für den Hochgenuss, der sollte dieses Jahr in Pessac Léognan massiv zum Auftragsblog greifen. Und wen es finanziell nicht schmerzt, der sollte durchaus an La Mission und Haut Brion denken, um einfach puren Genuss und pure Freude mit hoher Reife und unendlich schöner Aromatik im Glas zu haben. Dieser 2018er ist eine fast 100% Kopie des 1989ers, wenngleich auch eine Spur konzentrierter und zugleich feiner. 100/100

Lobenberg: Der Zweitwein von Haut Brion kommt dieses Jahr mit einer Cuvée von 58.2% Merlot, 28.5% Cab. Sauvignon, 9.7% Cab. Franc und 3.6% Petit Verdot. Die beiden Zweitweine von La Mission und auch von Haut Brion sind 2018 unglaublich gut gelungen. Wir haben hier etwas, das andere Güter aus dem oberen Mittelfeld gerne als Grand Vin haben würden. Der Clarence ist deutlich wuchtiger in der Nase als der feinere La Chapelle von Mission. Würziger, mehr dunkle Beerenfrüchte, aber auch hier Feinheit neben der Üppigkeit, Kirsch- und Pflaumenaromatik. Das macht Freude, das hat unglaublich viel Charme. Sehr intensiver Mund und hier im Clarence haben wir auch das dazu, was der La Chapelle nicht ganz hatte, nämlich die Fülle und das Fleisch in der Mitte. Dazu kommt eine hohe Würze, er ist vielleicht nicht ganz so mineralisch schwebend wie der La Chapelle, dafür noch intensiver in der Frucht, noch konzentrierter. Wow, tolle Länge. Ein wirklich wunderschöner Pessac Wein und für einen Zweitwein richtig großes Kino. Das ist der beste Clarence, den ich bisher probiert habe. Diese beiden Zweitweine sind einfach wirklich toll. 95/100 

Lobenberg: Haut Brion Blanc 2018 kommt mit 88.6% Sauvignon Blanc und 19.4% Semillon in die Flasche. Zeigt sich deutlich frischer als La Mission Blanc, das liegt zu einem Stück weit natürlich auch am viel höheren Sauvignon Anteil. Etwas feiner, sehr schöne typische Bordeaux Sauvignon Aromatik mit dieser feinen Birne, Orangenzeste, Zitronengras, süße Melone, ein bisschen Mango und Passionsfrucht darunter. Gut, fein und schick. Im Mund, wie schon der weiße La Mission, einfach ein Powerwein. Irgendwie gibt es für eine solche Art von Weißwein auch eine Berechtigung, eine gewisse Süße aus dem Alkohol, dem Druck und der Konzentration kommt durch. Das schiebt unglaublich, hat für einen fast reinen Sauvignon Blanc eine ungeheure Wucht. Ein echter Kracher. Was ihm jedoch fehlt ist diese Leichtigkeit eines tänzelnden Weißweins, wer im Weißweinbereich aber gerne Krafttrinker ist wird sich hieran erfreuen, wobei das Holz hier gar nicht mal viel ist, die ganze Kraft kommt aus der irren Konzentration. Wer also so eine Art Wein liebt, der ist bei Haut Brion in Pessac gut aufgehoben. Und unter diesem Aspekt ist Haut Brion Blanc doch fast auf Augenhöhe mit dem Pavillon Blanc von Ch. Margaux. Auf irgendeine Art bin ich von diesem weißen Haut Brion doch sehr beeindruckt. 98/100 

Lobenberg: Die gut 20 Hektar sind im Besitz der Familie Dillon. 53.5% Merlot, 3.6% Cab. Franc und 42,9% Cab. Sauvignon. Auf diesen Wein war ich nach der Verkostung des hervorragenden Zweitweines sehr gespannt. Und es ist wirklich eine Freude, wie sehr die Tendenz und die Richtung bei beiden übereinstimmt. Wie immer ist La Mission deutlich feiner in der Nase als Haut Brion, sowohl beim Zweit- als auch beim Erstwein. Eine richtig feine Mineralität, helle Lakritze, helle Milchschokolade, Haselnüsse, ganz feinster Veilchenduft auch, ein bisschen Jasmin, Rosenblätter. Nichts ist süß, nichts ist zu fett, auch die Lakritze bleibt hell und fein. Dazu eine schöne Zwetschgen-Pflaumen-Aromatik, in der Würze bis zur Backpflaume reichend und üppige, ganz süße rote und schwarze Kirschen, aber nichts ist wuchtig. Der Wein riecht im Grunde wie ein 10 Jahre gereifter, harmonischer Wein, eine große Freude in dieser samtigen Eleganz. Auch im Mund eine rassige Schönheit, aber vor allen Dingen wie eine reife Schönheit, der Wein trinkt sich nicht wie eine Fassprobe, sondern wie ein perfekt gereifter großer Wein. Diese pflaumig-süße Kirschfrucht, rot, üppig und total geschmeidig. Die Tannine sind schon kaum noch zu spüren, wie gesagt ein bisschen wie ein reifer Wein, weil die Tannine so butterweich und samtig-seidig sind. Die Frische kommt aus dieser Reife der Trauben. Ein ziemlich perfekter Traumwein, wie ein 20 Jahre gereifter Premier Cru. Aber all das hat dieser Wein noch vor sich, denn er wird ein langes Leben haben. In dieser Feinheit, in dieser Aromatik, in dieser Größe gehört dieser Mission Haut Brion zu den besten Weinen von Bordeaux. 100/100  

Lobenberg: Das ist der Zweitwein von Mission Haut Brion und der kommt mit 40.8% Merlot, 7.6% Cabernet Franc, 51.6% Cabernet Sauvignon. Dieser Zweitwein von Mission kann in warmen Jahren schonmal berauschend schön werden und das ist auch 2018 der Fall. Hinzu kommt natürlich die unglaubliche Feinheit der gesamten Appellation Pessac Léognan. Für mich zwar nicht alleine die beste Appellation des Jahres, aber ich halte sie für die Feinste, mit den schicksten und elegantesten Weinen. Wunderschöne, reife Pflaumennase mit satter süßer Kirsche, schöne Blumigkeit. Konzentrierter aber extrem feiner Mund, tolle Aromatik, niedrige Säure, die Frische kommt aus der wirklich ausgeprägten Mineralität. Auch eine erstaunliche Länge für einen Zweitwein. Dieser Chapelle kann mit vielen Grand Vins von größeren Château sehr gut konkurrieren. Eine wirkliche Schönheit, mit Anspruch, Mineralität, innerer Spannung und seidigen, butterweichen Tanninen. Zum ganz großen Wein fehlt ihm ein bisschen das Fleisch und die Wucht in der Mitte, der Rest passt super. 94-95+/100

Lobenberg: Die 2018er Cuvée, wieder mit dem ungewöhnlich hohen Semillon-Anteil, beinhaltet 57.4% Sauvignon Blanc und 42.6% Semillon. 2018 ist, das habe ich in den vielen Tagen mehrfach festgestellt, nicht das große Weißwein- und Süßweinjahr, einzelne Ausnahmen bestätigen diese Regel. Auch La Mission Blanc hat zwar Größe und enorme mineralische Länge und bezieht alle Kraft aus der Wucht, der Dichte und der Konzentration, es fehlt ihm aber die überragende Dynamik, das Tänzelnde der großen Weißweine anderer Jahre. Wenn man allerdings Richtung Power gehen will ist dieser La Mission Blanc schon ein Riese, er hat mehr Druck als alle Weine aus dem südlichen Pessac. Aber für mich bleibt Pavillon Blanc von Ch. Margaux in 2018 der absolute Primus. La Mission ist gut, aber in diesem Preisbereich auch irgendwo schwer zu vermitteln. 96-97/100

Haut Bailly

 

Fruchtstark und fein. Fast ganz groß mit 97-100. Superb im oberen Mittelfeld das zweite Weingut Le Pape. Aromatisch und unglaublich fein.

Lobenberg: Der Blend 2018 enthält 55% Cabernet Sauvignon, 35% Merlot, 5% Cabernet Franc, 5% Petit Verdot. Also bei diesem Wein als einzigem eine ganz klare Majorität des Cabernet. Er zeigt neben schwarzer und roter Kirsche deutliche Spuren von reifer, süßer, roter Johannisbeere und Cassis. Auch Schlehe und ein bisschen Brombeere, hier kommt Cabernet Sauvignon zum Tragen, aber in einer ganz reifen Form. Nichts Sperriges, nichts Eckiges, nichts Grünes, gar nichts Raues, was ein Cab. Sauvignon durchaus haben kann. Sondern einfach aromatisch dicht und konzentriert, schon in der Nase deutlich aufzeigend, toller Geradeauslauf. Verblüffend identisch in Nase und Mund, sehr viel Struktur, sehr viel Cabernet im Mund. Zu allererst mal rote Johannisbeere mit einer wahnsinnigen Würze, von unten schiebend mit Cassis, Brombeere, extremer Geradeauslauf. Die Mineralität schiebt mit Salz, aber auch mit einer würzigen Süße. Sehr harmonischer Wein, sehr Cabernet-like, und im Jahrgang 2018 in großer Feinheit, Finesse und entsprechender aromatischer Reife. Das macht richtig Freude, braucht aber dennoch ein paar Jahre Zeit, weil diese hohe Konzentration sich sicherlich erst nach 10 Jahren perfekt eingebunden hat. Das ist keiner der zwei, drei besten Weine der Appellation, aber das ist auf jeden Fall ein ganz großer Haut Bailly. 97-100/100

Lobenberg: Der Haut Bailly II kommt 2018 mit einem Blend von 65% Merlot und 35% Cabernet Sauvignon. Das ist der Zweitwein von Haut Bailly aus den etwas jüngeren Reben und aus bestimmten Plots. Er zeigt in 2018 die ganze Schönheit dieses Jahrgangs, archetypisch in dieser wunderschönen Kirsche, schwarze Kirsche, sehr viel rote Kirsche, sehr dunkel, fast an Amarena heranreichend, auch etwas Backpflaume, aber alles bleibt fein, alles ist eine Orgie in Frucht. Ganz feine, helle Lakritze, Veilchen und Rosenblätter, aber nichts üppig Süßes, sondern alles eher fein und getragen, schwebend mit keinerlei Grün oder Ecken. Der Mund spiegelt die Nase zu 100% wider, unendlich schöne Kirschfrucht, so lecker, und dann kommt feine Mineralität, sehr lang. Aber nichts Ehrfurchtgebietendes, einfach nur fein verwoben, eine Köstlichkeit. Natürlich ist ein solcher Zweitwein problematisch, da er qualitativ weder über dem Le Pape aus gleichem Hause, noch über klassifizierten Erstweinen anderer Weingüter steht. Also preislich passt so ein Zweitwein im Grunde gar nicht rein, aber ich erkenne an, dass es ein wunderschöner Wein ist. 94-95/100

Chateau Le Pape

Lobenberg: Château Le Pape gehört zu Château Haut Bailly, ein zweites, kleines Gut, dass sie vor ein paar Jahren dazugekauft haben. Die Cepage ist 80% Merlot und 20% Cabernet Sauvignon. Reiche, hocharomatische Nase mit wunderbar reifer, roter Kirsche, Pflaume, eine tolle Reife anzeigend, samtig, seidig, aber auch ein bisschen Frische, Hagebutte, Schlehe, eine sehr individuelle Mineralität, fast an Feuerstein erinnernd, Silex-artig. Dazu kommt etwas Jasmin und sehr viel frische Minze. Und was für ein Mund dann folgt! Fast explosiv in der Aromatik, unglaublich schöne, salzige Mineralität, auch hier wieder die Erinnerung an Silex, an Quarzsand. Wunderschöne Länge, Zwetschge, rote und schwarze Kirsche, ganz feine, helle Lakritze. Der Wein wird nie schwarz, er bleibt immer mehr auf der roten Seite, trotz oder vielleicht gerade wegen dem hohen Merlotanteil. Eine echt tänzelnde Schönheit, wunderbar verwoben, große Harmonie, ausdrucksstark und aromatisch. Wirklich eine tänzelnde Schönheit. Wenn der Le Pape preislich passt sollte ich ihn unbedingt kaufen, wenn ich ihn denn kriege, denn die Distribution der kleinen Mengen ist doch sehr eingeschränkt. 96-97/100  

Chateau Smith Haut Lafitte.


Unser letzter Besuch auf der Reise. 2016 war der Wein berauschend und fokussiert, 2018 konzentrierter und noch feiner zugleich. Ein 100 Punkte Wein zum Schluss, ein grandioses Finale.

Lobenberg: Heute ist Château Smith Haut Lafitte als Cru Classé eines der glänzendsten Erfolgsbeispiele der jüngeren Bordeaux-Geschichte. Florence und Daniel Cathiard sind die Besitzer. Die Cépage ist 60% Cab. Sauvignon, 34% Merlot, 4% Cab. Franc und 2% Petit Verdot. Der Ausbau erfolgt im zu 60% neuen Holz. Bei SHL lehnt man derzeit zumindest noch den Ausbau in Tonneaus, Fudern, Zementeier, Tonamphoren oder ähnlichem ab, hier ist es noch das ganz klassische Barrique, nur die Auswahl des Holzes hat sich im Laufe der Zeit geändert zu deutlich feinerem Toasting und dichteren Poren. Die Nase ist geprägt von schwarzer Kirsche, frischer Zwetschge, reifer Backpflaume, auch etwas Amarenakirsche. Dann kommen Kirsche, Schlehe und viel Holunder, Veilchen, Vergissmeinnicht, Rosenblätter, Minze, Eukalyptus, auch ein bisschen süßlicher Wachholder, schwarze Olivenpaste, die Nase ist wirklich multikomplex, aber ultrafein. Nichts stört, nichts ist grün, nichts ist aggressiv. Der Mund greift dieses grandiose Nasenbild auf, das ist ein extrem moderner Wein, wenn wir das mal mit Haut Brion vergleichen, so ein geschliffenes Wunderwerk, seidige Tannine, samtig-dichtes Mundgefühl, üppig und trotzdem so verspielt, keinerlei Schmerz in keinem Winkel des Mundes, einfach nur seidig-fein und tänzelnd. Wieder diese Masse an schwarzer Kirsche, aber all die anderen Aromen kommen Stück für Stück hinzu, kaum Cassis und Brombeere, sondern viel stärker in der Kirsche laufend, vielleicht sogar ein Hauch Blaubeere darunter und dann diese feine ganz helle Lakritze darunter, Haselnüsse, Nutella, aber in ganz feiner Form, immer zart bleibend. Das ist ein wirkliches Leckerli, hocharomatisch und lang, ein Genusswein. Und alle Frische kommt aus der Reife der Frucht, der Wein hallt unendlich nach, man wird ihn total unterschätzen können, weil es einfach so ultrapoliert ist. 2016 Smith war schon gut, aber 2018 ist noch besser als ich überhaupt erwarten konnte. SML hat hier so eine aromatisch-feine, leckere Delikatesse erzeugt. Der Nachhall bleibt für Minuten stehen, sehr fein aber auch deutlich mineralisch, salzig geprägt und die Fülle an Kirschfrucht bekommt ein wenig Gripp dazu. Ich glaube dieser Wein ist von Beginn an bis in sein hohes Alter, das er erreichen kann immerzu eine Köstlichkeit. Und wie ich schon sagte, völlig anders als die hochreifen Weine von Haut Brion und La Mission. Ich finde ihn in seiner Feinheit sogar meinem Lieblingschateau Seguin überlegen. 100+/100

Lobenberg: Chateau Smith Haut Lafitte Blanc ist oft mein Lieblings Sauvignon Blanc, weil er beides hat: Er hat einerseits diese typische Sauvignon-Nase mit dem Feuerstein so wie an der Loire und mit der hohen Mineralität und andererseits trotzdem leicht exotische Früchte. Die 2018er Cuvée besteht aus 90% Sauvignon Blanc, 5% Sauvignon Gris und 5% Semillon. Ganz klassisch in zu 50% neuen Barriques mit geringem Toasting und dichten Poren ausgebaut, keinerlei Amphoren, Beton oder Fuder hier. SML ist nun seit vielen Jahren der Primus inter pares im Bereich der Weißweine von Pessac Léognan. 2018 ist für mich ein etwas schwieriges Jahr im Weißweinbereich, ich hatte bisher nur 2 bis 3 gute Weiße im Einstiegsbereich aus der Denis Dubourdieu Gruppe, und mit einem richtigen Hang zur Größe den Pavillon Blanc von Margaux und Haut Brion Blanc. Und jetzt bekomme ich den dritten großen Wein mit dem Smith Haut Lafitte Blanc dazu. Aber SML 2018 ist anders als seine Vorgänger, auf Grund des warmen Jahrgangs. Trotz früher Lese sind wir enorm reif, dicht, mit anderer Fruchtstruktur, mehr zur Passionsfrucht und zur Mango, süße, reiche Mango ist eigentlich die Hauptkomponente. Darunter ein bisschen pfeffrige Papaya und hochreife, gelbe Melone. Auch wieder extrem reife weiße und gelbe Birne. Das Holz gibt ein ganz klein wenig Stütze. Auch Zitronengras und grüne Limette dazu, die es auch braucht, um diesen großen Weißwein auch frisch zu halten. Aber in Summe kommt hier eine üppige Frucht, doch weil das Holz sehr zurückhaltend ist wird der Wein nicht fett, er bleibt im Bereich der hohen Aromatik. Ausgesprochen lecker, dieser Wein wird immer Freude machen und wir immer mit Genuss getrunken werden, aber gehört eben nicht zu den ganz Großen Smith aus den kühleren Jahren. Das ist der dritte große Weißwein, den ich dieses Jahr probieren konnte. 97-98/100 

100 ist inzwischen öfters eine zu enge Bewertung. Mehr als 5 Weine müssten 2018 eine höhere relative Bewertung bekommen im Vergleich zu anderen 100 Punkte Weinen und zur eigenen Historie. Diese Skala muss endlich, wie die nach oben offene Richter-Skala für Erdbeben, nach oben geöffnet werden. 2016 und 2018 sind doch so ungeheuer viel besser als die meisten 100 Punkte Weine aus 1945, 1947, 1959, 1961 und 1982 jemals waren, wie soll man das denn abbilden? Mir bliebe ja eigentlich nichts anderes übrig als 2018 mehrfach 100+ zu vergeben.

Fazit einer denkwürdigen Reise in den Weinhimmel

Smith Haut Lafitte

 

Ich hatte hier in Bordeaux genial beeindruckende Proben der Traum-Jahrgänge 2005, 2009, 2010 und 2015. Wahnsinnig gute Weine und ob der Intensität durchaus auch anstrengende Verkostungsreisen.

Es gab aber nur 2 Jahrgänge für uneingeschränkte Probierfreude und die unendliche Leichtigkeit des Seins im Trinkvergnügen direkt vom Fass. 2016 und 2018. Was eint und was unterscheidet diese grandiosen Jahrgänge der Freude?

2016 hat wie 2010 alle Regler rechts. Tanninmassen und hohe Säure. Aber während 2010 alles vordergründig und offensichtlich zu Tage tritt, man ob der Massivität sogar noch nach 10 Jahren zu Recht von wahnsinnig hohem Potenzial spricht, ist 2016 alles mild und fein und hintergründig und elegant verwoben. Von allem genau so viel oder mehr als 2010, aber eben seidig und immer mit Finesse. Bei 2010 sagte man “das wird groß”, 2016 war immer und bleibt immer groß. 2010 wird, wenn in 30 bis 40 Jahren auch die ganz großen Weine langsam reif sind, ein gleichwertiger Sensations-Jahrgang sein, aber 2016 ist und bleibt eben immer schon groß. 

Und nun kommt 2018

Florence (Hintergrund) und Daniel Cathiard (rechts) von Smith Haut Lafitte

 

Der Jahrgang hat final die meiste Ähnlichkeit mit 2016 (und 1982 - aber 82 war in Summe nicht so gut), aber es gibt auch einen einige ganz große Unterschiede. Die Tannine sind 2018 noch reichlicher als 2016 und 2010, aber sie sind ganz reif und seidig schick wie 16 und zugleich üppig und samtig und fast etwas fett im positiven Sinn.

Die Konzentration und der Extrakt sind unvorstellbar hoch, mehr als jemals zuvor. Dennoch sind die Weine nicht fett und nicht sehr alkoholisch. Die Weine werden ewig altern können. Trotz der Milde muss man ob der immensen Konzentration auf 2018 länger warten bis die optimale Trinkreife beginnt, 10 Jahre ist bei den großen Weinen sicher eher das Minimum.

Die reichliche aber total milde Säure aus 2016 ist 2018 deutlich geringer. Die dennoch erstaunlich hohe Frische kommt 2018 nur aus der extrem reifen Frucht. Für Weine aus südlichen Gefilden ist das ein perfektes Resultat, das hier ob des atlantischen Einflusses eher selten erreicht wird. Große Klassiker wie 2005 und 2010 sind hier der Idealzustand, himmlische Finesse wie 2016 und extrem feine Reife wie 2018 sind bisher absolute Ausnahmen.

 

Nun hoffen wir auf gute Zuteilungsmengen und Allokationen der oft knappen Mengen und auf Preise wie Jahrgang 2016. Lesen Sie mit Vorfreude meine Texte und schaffen Sie Platz im Keller. Und beziehen Sie mit 2015,16 und 18 Bordeaux wieder in Ihren Alltag ein, es gibt so viele geniale Weine von 9 bis 25 Euro nirgendwo sonst auf der Welt zu kaufen.

Viel Freude und lieber Gruß
Heiner Lobenberg