IM PORTRAIT

Luigi Baudana
by G.D. Vajra

Weinmachen schaute er sich bei Nachbarn und Verwandten ab. Keine Frage, schien ihm banal genug, um nicht gestellt zu werden, keine Überlegung unwesentlich genug, um nicht diskutiert zu werden. In ihm schlummerte der alles bestimmende Wunsch, seinen eigenen Wein zu machen.

Keller von Luigi Baudana

 Er wollte sich auf Barolo konzentrieren, intuitiv war ihm bewusst, dass hier in Serralunga d’Alba, genauer gesagt in dem Weiler Baudana, der seinen Familiennamen trägt, Nebbiolo am besten gedeiht. Zumindest sieht er das so. Barolo hatte zu diesem Zeitpunkt keine große Reputation, er verkaufte sich auch langsam, oft sogar schlecht, doch das kümmerte ihn nicht.

Alleine konnte er seinen Traum nicht verwirklichen, aber das Schicksal wendete sich und das Glück trat an seine Seite – in Gestalt seiner Frau Fiorina. Sie konnte Luigis Leidenschaft nachempfinden, kommt sie doch auch aus einer Winzerfamilie. Für die nächsten Jahrzehnte wurde sie seine Weggefährtin, auch in Sachen Barolo. Zusammen war es ihnen möglich, Luigis Traum zu leben, der zu ihrem gemeinsamen Traum wurde. Ihr erster gemeinsamer Jahrgang entstand 1975.

Geheimtipp aus Serralunga d’Alba

Das Weingut der beiden wurde mit der Zeit zu einem Geheimtipp unter wahren Barolista. Mehr brauchte es auch nicht, um die wenigen Flaschen, aus lediglich 2,6 ha stammend, verkauft zu bekommen und ein anständiges Leben führen zu können. Es gab aber nie Ziele, sich zu vergrößern, neu zu bauen, Sortiermaschinen und beste Traktoren zu erwerben. Luigis Traum hatte sich erfüllt. Er war Barolo-Winzer geworden, seine Arbeit und seine Frau waren sein Glück. Die Ehe der beiden blieb kinderlos, das Weingut wurde zum gemeinsamen Kind. Mit Stolz wurde es gehegt und gepflegt - vor allem natürlich in Form der herrlich verführerischen Weine. Die einzigen Angestellten des Weinguts blieben Fiorina und Luigi.

Tradition bedeutet, das Feuer am Leben zu halten, anstatt die Asche aufzubewahren!

Die schwierige Sucher der Nachfolge

2008 begannen sich langsam Nachbarn von nah und fern für Luigi zu interessieren, Besuch kündigte sich an, es wurden Geschenke überreicht, Einladungen zum Abendessen wurden ausgesprochen. Dies alles hatte nur einen Grund: Allmählich wurde zur Gewissheit, dass das kinderlose Ehepaar das Weingut nicht mehr weiter würde fortführen können. Luigi hatte sich einer Operation unterziehen müssen, das Ergebnis des Eingriffs und sein fortgeschrittenes Alter machten deutlich, dass es eine einschneidende Veränderungen geben würde: Ein Verkauf wurde erwartet.

Doch keiner der vielen Bewerber bekam den Zuschlag. Luigi wollte nicht Kasse machen, er wollte sein Erbe fortgeführt wissen, er wollte sicher sein, dass seine Nachfolger elegante und verführerische Weine auf die Flasche bringen, Weine, für die er mit seinem Namen einstand. Niemand konnte seinen Ansprüchen genügen, bis schließlich die Familie Vajra ins Spiel kam. Sie verstanden Luigi, denn auch sie wussten seine Weine zu genießen. 

G.D. Vajra
Die neuen Besitzer vom Weingut Baudana G.D. Vajra

Ein Traditionalist im Herzen

Arbeitet Luigi mit einer langen und sanften Gärung, danach wird im Holz ausgebaut. Für Luigi ist das Holz kein entscheidender Faktor, am wichtigsten sind beste Trauben und eine wohldosierte Extraktion. So konnte er das Terroir seiner Lagen einfangen. Es entstanden komplexe und vibrierende Weine mit klaren Fruchtaromen, viel Präzision und einem extrem hohen Genussfaktor.

Tradition bedeutet, das Feuer am Leben zu halten, anstatt die Asche aufzubewahren! Ein von Guiseppe Vajra gerne zitierter Satz. Genau diesen Dienst erweist die Familie Vajra Luigi und Fiorina Baudana. Für Winzer gibt es eigentlich nur eine Möglichkeit, dieses Ziel zu erreichen, nämlich beste Weine auf die Flasche zu bringen. Die Familie Vajra macht genau dies, die aktuellen Jahrgänge der drei Barolos sind vielleicht die besten, die jemals unter dem Label Luigi Baudana entstanden, so berauschend sublim sind sie. Sie führen diese Geschichte beseelt von Freude und mit einem großen Hang zum Hedonismus fort.