Wohl kein anderes Weinland der Welt hat einen solchen Nimbus wie Frankreich und liegt so stark im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne.

Im Überblick

Weinregion Jurancon

Die Geschichte dieser etwas isolierten Region am Fuß der Pyrenäen ist besonders ruhmreich. Das Jurancon ist nicht nur schon seit vielen Jahrhunderten für Spitzenweine bekannt, sondern bereits auch seit dem 14. Jahrhundert Heimat des Konzepts von Spitzenlagen. Unterschiedliche Weinberge können vollkommen unterschiedliche Qualitäten erbringen. Dies erkannte bereits das Parlament des mittelalterlichen Navarra im Lichte der Weine des Jurancon – in der Folge wurden Namen und Güte dieser Crus festgehalten.

Weinberg von Clos Joliette
Weinberg von Clos Joliette

Damals wie heute ist das Kleinklima, die autochthonen Rebsorten und die vielschichtigen Bodenformationen für die Qualität verantwortlich. Besonders die kühlen Winde, die im Herbst aus den Pyrenäen kommen, ermöglichen ein Schrumpfen – und damit Aufkonzentrieren – der Beeren. Anders als zum Beispiel in Deutschland oder im viel näher gelegenen Sauternes, kommen die grandiosen restsüßen Weine ohne Botrytis Cinerea zustande. Das Schrumpfen der Beeren verursacht, dass Zucker- und Säuregehalt erhalten bleiben aber der Wassergehalt sinkt. Dieser Prozess ist als Passerillage bekannt. Die Trauben werden dabei bis in den Dezember am Stock belassen, das besondere Kleinklima verhindert hier aber einen Befall mit Edelfäulnis.

Die Trauben werden dabei bis in den Dezember am Stock belassen, das besondere Kleinklima verhindert hier aber einen Befall mit Edelfäulnis. 

Ein spezielles Klima erfordert adaptierte Rebsorten

Die autochthonen Rebsorten Petit Manseng und Gros Manseng haben sich an dieses sehr spezielle Klima angepasst. Außerhalb des Jurancon und benachbarter Appellationen werden sie kaum angepflanzt, da ihre Qualität nur hier voll zum Ausdruck kommt. Trockene Weine werden oft mit einem hohen Anteil der aromatischen Gros Manseng erzeugt. Die kleinen Beeren haben eine besonders dicke Schale und ergeben neben sehr komplexen Aromen einen hohen Trockenextrakt und somit eine fulminate Intensität.

Im Gegensatz zu Weinen mit Edelfäulnis – bei denen die Fäulnis bestimmte Aromen befördert und andere unterdrückt oder gar nicht zustande kommen lässt – sind Jurancons in ihrem Fruchtprofil glockenklar und ungemein präzise, unabhängig von ihrem Restzuckergehalt. Sie gehören zu den herausragenden und kultigen Weißweinen Frankreichs.