Rotwein, Württemberg, 2017 Deutschland Jürgen Ellwanger

Hebsack Lemberger trocken 2017

Lobenberg: Stilistisch nicht nur Blaufränkisch, sondern auch echter Lemberger, aber was für einer. Tolle fruchtbetonte Nase, aber nie Bonbon oder Erdbeere. Satte rote Kirsche und Pflaume, aber auch Blaubeere, ganz leichte mineralische Noten und Süßholz. Im Mund saftige Frucht, wieder...

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  • 37046H
  • Lobenberg 90-91/100
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Weinregion Württemberg

Auf dem Glücksatlas liegen die Württemberger in Deutschland nur an 8. Stelle, also im Mittelfeld unter den anderen Bundesländern. Dass sie trotz Wohlstand, gutem Wetter, geringer Arbeitslosigkeit und schöner Landschaft nicht glücklicher sind, hat nach Meinung der Glücksforscher damit zu, dass das „schaffe, schaffe, Häusle baue“ auf Dauer doch ziemlich stressig ist. Und den Schaffensdrang haben die Schwaben im Blut.

Vom Stress fühlen sie sich denn auch zu­neh­mend geplagt – nach Umfragen mehr als andere deut­sche Volksstämme. Dazu passt, dass das größte Kompliment, das man einer Frau in Württem­berg machen kann, laut schwäbischem Witzbuch so lautet: „Ha, siehscht du aber abgeschafft aus.“ Trotz­dem möchte der Württem­berger nicht woanders leben und vertei­digt sein Ländle gegen alle Wider­stände. Viel­leicht liegt es an den Weinstuben, Besen­wirt­schaften, Schänken, die es überall verstreut gibt und in denen er nach Schaf­fens­schluss sein Viertele trin­ken und innerlich aus­pendeln kann. Flüssiger Stress­abbau. Was in Hamburg, Düsseldorf oder Frank­furt das „Feierabend­bier“ ist, ist in Schwaben der „Feierabendwein“. Kein Wunder, dass der Wein­kon­sum in Württemberg fast doppelt hoch wie im Rest der Republik ist.

Dass es überwiegend einheimischer Wein ist, der konsumiert wird, braucht nicht extra erwähnt zu werden. Wahr ist deshalb noch heute der Satz des ersten deut­schen Bundespräsidenten Theodor Heuss, der, selbst ein Schwabe, über seine Landsleute sagte: „Wer bei uns nix trenkt, isch bloss zu faul zum Schlucken.“

Die kühle Zone A

Württemberg ist ein eigenständiges Wein­an­bau­gebiet. Mit dem benach­barten Baden hat es wenig gemein. Während Baden zur (war­men) Weinbauzone B in Europa gehört, liegt Württemberg in der (kühlen) Wein­bauzone A, zu der auch die anderen deutschen Wein­anbau­gebiete ge­hören. Die Durch­schnitts­tempe­ratur liegt im Jahres­mittel deutlich unter 10 Grad Celsius (Baden weist zum Ver­gleich eine Jahres­durch­schnitts­tempe­ratur von 10,5 Grad Celsius auf). Die Württemberger Weine sind denn auch oft etwas leichter und errei­chen selten die Mostgewichte der Badener Weine. Allerdings kommt es da­rauf an, wo sie wachsen. Denn Württem­berg ist ein heterogenes Anbaugebiet. Von Norden nach Süden hat es einen Durch­messer von 250 Kilometern. Es reicht vom Taubertal zwischen Wertheim und Roten­burg o. d. T. über Jagst, Kocher bis zum Neckar. Dessen Flusslauf folgen die Wein­berge dann bis über Tübingen hinaus. Genau genommen, reicht das Anbaugebiet sogar bis zum Boden­see. Das bayerische Lindau gehört nämlich weinbaulich zu Württemberg. Die Haupt­anbau­gebiete liegen je­doch im Unterland, und zwar im Dreieck Heil­bronn, Öhringen, Ludwigs­burg sowie im Remstal bei Stuttgart. Von dort kommt etwa 90 Prozent der württemberg­ischen Wein­produk­tion: ein riesiges Einzugsgebiet mit über 60 Prozent Rot­weinreben. Der typische Württem­berger Rotwein ist der Trollinger (20%), eine Spielart des Süd­tiroler Ver­natsch. Der blassrote, sehr süf­fige Wein wird zu allen Gelegenheiten in nicht zu geringer Menge getrun­ken, und zwar traditionell aus dem Henkelglas. Zu Flädle­supp, Maul­taschen, Zwiebel­rost­braten, Schupf­nudeln ist er nach Ansicht der Einheim­ischen unverzichtbar.

Die zweithäufigste Rotweinsorte ist der Lemberger (14,5%), identisch mit der österreichischen Sorte Blaufränkisch. Aus ihm werden ernsthafte Rotweine gekeltert (etwa von Jürgen Ellwanger), die inzwi­schen auch außerhalb Württem­bergs viele Freunde gefunden haben – im Gegensatz zum Schwarz­riesling, der aus der Müller­rebe (heißt in der Cham­pagne Pinot Meunier) gewonnen wird und oft nicht mehr als koloriertes Wasser ist. In den letzten Jahren ist auch der Spät­bur­gunder auf dem Vormarsch (11%) und wird den Schwarz­riesling bald von Platz 3 ver­drängen. Portu­gieser, Samtrot, Clevner (Frühbur­gunder) verlieren an Bedeutung, während die dunk­len Sorten (Merlot, Cabernet Sauvignon, Cabernet Dorsa, Cabernet Cubin, Blauer Zeigelt u. a.) beständig zunehmen, aller­dings auf niedrigem Niveau.


Die weißen Sorten

Die Liste der weißen Sorten führt deut­lich der Riesling an (18,5%). Er besitzt kein bestimmtes Habitat und wird in nahezu allen Teilen Württembergs angebaut, mit mal mehr, mal weniger Erfolg. In den günstigsten Fall ergibt die Sorte robuste, moderat körperreiche Weine mit erdigen oder pflanz­lichen Aromen, die sich deut­lich von den Rhein- und Mosel-Ries­lingen unterscheiden. So hoch der Riesling im Kurs steht: Oft sind Grau- und Weiß­bur­gunder die inte­ressanteren Weine. Kerner, Müller-Thurgau, Silvaner, Gewürz­trami­ner spielen heute nur noch eine sehr geringe Rolle. Dafür kommt der Sauvignon blanc immer stärker auf. Wer von den Winzern – im Württemberg übrigens Wengerter genannt – etwas auf sich hält, konzentriert seinen Weißwein-Ehrgeiz auf diese Sorte.