Im Portrait

Michael Teschke

Weinberg von Michael Teschke

»Die von mir erzeugten Weine entstehen aus Reben, die sich auf ihrem Boden seit Generationen als passend erwiesen haben.« Michael Teschke ist der dazu passende, verblüffend »andere« Typ. Mehr Individualismus geht kaum. Das zeigt sich sowohl bei seinem Preis-Leistungs-Wunder des Grauburgunders, mehr aber noch in seiner Paraderebe, dem Silvaner. »Nur eigene Trauben und meine Besessenheit in Wingert und Keller sind der Garant für höchsten Weingenuss!« Er lebt, ja er brennt für den Silvaner, und er ist beim Wein Traditionalist durch und durch. »In der Traube ist alles vorhanden, man muss es nur aktivieren« Seit 3 Generationen bewirtschaftet die Familie nun das Weingut im nördlichen Zipfel Rheinhessens. 

Zuerst stolpert man auf seinen Etiketten auf die Schreibweise: Sylvaner steht darauf. Die alte Schreibweise – immerhin kommen die Trauben auch von weit über 40 Jahre alten Reben. Also kein Grund sich der Moderne hinzugeben. Michael Teschke hat 6,5 Hektar Rebfläche insgesamt, davon nur 2,5 Hektar mit Silvaner, 40.000 erzeugte Flaschen im Jahr, davon 20.000 Silvaner. Größenwahn sieht wahrlich anders aus. Die Böden bestehen aus Kalkstein und Kalksandstein, das ergibt diese verblüffende Spannung, Mineralität und Filigranität. Alte Rebanlagen und extrem hohe Laubwände sorgen für natürliche Ertragsregulierung und lockerbeerige Trauben in höchster Qualität. Michael Teschke hört auf die Natur. Er verbiegt seine Reben nicht um jedes Jahr einen Wein füllen zu können. So kommt es vor, dass Lücken entstehen, aber man kann sich sicher sein, dass die Qualität stimmt. »Das hat etwas mit Liebe zu den Reben zu tun, es geht nicht nur um den schnöden Ertrag.« Was sich Michael Teschke konsequent im Weinberg erarbeitet, wird im Keller fortgeführt. Als Wahlspruch könnte über seinem Keller stehen: »Same, same – but different«. 

Weinfeld von Michael Teschke

Er gönnt seinen Trauben eine bis zu 36-stündige Standzeit auf der Schale. Dann werden sie in Handarbeit schonend auf eine alte Spindelpresse aufgeschüttet und für vier bis fünf Stunden gepresst. Eine ganz eigene Handschrift von Rebsorte und Winzer entsteht. »Der Verzicht auf frühe Schwefelung und die gezielte Oxidation der Moste, Sedimentation durch Schwerkraft und das Ruhen von bis zu 12 Monaten auf einem goldgelben Bett aus Weinbergshefen sind die Meilensteine der Langlebigkeit meiner Weine. Einzelne von ihnen werden von mir gar wöchentlich mit dem Stock aufgerührt.« Seit 1998 macht Michael Teschke nun Furore in der Weinwelt und ist noch lange nicht am Ende. Aufgrund der winzigen Betriebsgröße werden die Weine dennoch nur Fundstücke für Insider bleiben. 

Nur sollte jeder Genießer wissen: Wer jemals ursprüngliche, originäre und archetypische Silvaner von Weltklasse probieren möchte, der kann nur Teschke trinken. Am besten nach mindestens 5 Jahren, besser noch nach 10 Jahren Flaschenreife. Aber Michel ist auch Pionier (oder Bewahrer, ganz nach Betrachtung) des Portugiesers. Eine in Deutschland ob ihrer meist süßen, und zugleich wässrig belanglosen Ausprägung, zumindest von Kennern argwöhnisch beäugten Rebsorte. Der »Liebfrauenmilch« der Rotweine. Aber so wie Aldinger und Hirth in Würtemberg dem Trollinger neues Leben und Klasse eingehaucht haben, so gelingt das Michel hier mit seinen trockenen, hellroten Portugiesern. Von der Farbe ein hellroter Grenache, von der Frucht irgendwie zwischen Trollinger und Beaujolais mit einem Hauch feinster Cabernet Franc darunter. Das hat was! Aber was sonst haben wir von diesem Missionar und Überzeugungstäter erwartet?