Es liegt vor allem am Nachwuchs, dass Wein aus Deutschland – das dürfte sicher sein – noch nie so spannend war wie heute.

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von Winning

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Im Überblick

Weinland Deutschland

Es ist gerade einmal hundert Jahre her, dass deutsche Weine zu den gefragtesten der Welt gehörten. Mosel-Auslesen waren deutlich teurer als Premier Cru Classé aus Bordeaux. Was dann folgte, war ein jahrzehntelanger Abstieg, dessen Tiefpunkt wohl der Glykolskandal in den 1980er Jahren war. Es bedurfte eines Generationswechsels und einer Öffnung nach außen, um sich alter Stärken zu besinnen und sie mit neuen Vinifikationsmethoden zu verbinden. 

Weingut Odinstal in der Pfalz
Weingut Odinstal in der Pfalz

Römer, Franken und gemischte Sätze

Deutschlands Weinbau nahm seinen Anfang mit den Römern, die vor mehr als 2.000 Jahren aus Gallien kamen und die Siedlung Augusta Treverorum (Trier) gründeten. Rund um Trier, entlang der Mosel, an Neckar und Mittelrhein entstanden schnell die ersten Weinberge. Nachdem das Römische Reich Geschichte war, formte Karl der Große im 9. Jahrhundert das nächste Imperium. Er selbst war Weinliebhaber und förderte den Weinbau massiv, indem er vor allem im Burgund, Flächen roden ließ und sie mit Reben bestockte. Es waren die Mönche des Burgund, die eine neue Qualitätsstufe des Weinbaus einleiteten und diesen Qualitätsweinbau in ganz Europa verbreiteten. Vor allem die Zisterzienser gründeten im Mittelalter viele Klöster, unter anderem 1136 das Kloster Eberbach im Rheingau, dem in den nächsten hundert Jahren 200 weitere Klöster folgten. Der Weinbau breitete sich massiv aus und hatte im 15. Jahrhundert mehr als 400.000 Hektar erreicht, wozu allerdings auch die großen Rebflächen des Elsass zählten. Damals wurde zwischen fränkischem und hunnischem Wein unterschieden. Beide Weintypen stammten aus der damals üblichen Anbaumethode des Gemischten Satzes, bei dem viele unterschiedliche Rebsorten gemischt im Weinberg stehen, gemeinsam geerntet und vergoren werden.

Der fränkische Wein war der Wein des Adels, und er stammte von sogenannten fränkischen, also hochstehenden Sorten.

Dazu wurden damals die Burgundersorten, der Elbling und auch der Silvaner gezählt, nicht aber der Riesling. Der galt als sauer und wurde den hunnischen, den einfachen Sorten zugerechnet, die fürs Volk bestimmt waren. Wein war damals ein gängiges Lebensmittel und diente als Wasserersatz oder auch zum Desinfizieren von Wasser.

Die Entdeckung des Rieslings als Edelrebsorte und die Geschichte des Spätlesereiters

Der Dreißigjährige Krieg, eine Kälteperiode und das Aufkommen des Bieres als Alltagsgetränk verdrängten den Weinbau aus der Fläche. Auch die Säkularisierung der Klöster und die Kleinstaaterei setzten dem Weinbau zu. Ein kirchlicher Besitz, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts säkularisiert wurde, ist das Schloss Johannisberg im Rheingau. Dort soll sich im Jahr 1775 die Geschichte des sogenannten Spätlesereiters zugetragen haben. Damals durfte der Weinberg erst nach Genehmigung des Erzbischofs von Fulda gelesen werden. Diese traf aber viel zu spät ein, die Reben am Stock waren schon vom Pilz befallen, und alle erwarteten einen ungenießbaren Wein. Doch genau das Gegenteil trat ein. Es wird wohl die Botrytis gewesen sein, die dafür gesorgt hat, dass der Jahrgang 1775 besser war als alle vorher bekannten. In dieser Zeit erfolgte dann auch der entscheidende Aufstieg des Rieslings von der geschmähten sauren Sorte zur Edelrebe, die ab dieser Zeit auch zunehmend reinsortig in den Weingärten anzutreffen war.

Die Riesling Traube
Die Riesling Traube

Einer jener Erneuerer war der Pfälzer Andreas Jordan aus der Familie der Bassermann-Jordan. Er errichtete 1783 das Jordan’sche Weingut in Deidesheim, ließ die Weinberge neu anlegen, terrassieren, dränieren und rebsortenrein bepflanzen. Mit der Wende zum 19. Jahrhundert, spätestens mit dem Kometenjahrgang 1811, begann ein Jahrhundert der Blütezeit des deutschen Weinbaus. Auch heute noch höchst renommierte Weingüter wie Dr. Bürklin-Wolf, Reichsrat von Buhl, Robert Weil und Geheimrat J. Wegeler Erben wurden gegründet, Klöster in staatliche Weinbaudomänen umgewandelt, und die Preußische Lagenklassifikation sorgte für eine erste Übersicht der besten Lagen. Die Ende des 19. Jahrhunderts in ganz Europa wütende Reblaus hat auch in Deutschland zu Verwerfungen und Umbrüchen geführt. So ist mit den Neuanpflanzungen auf amerikanischen Unterlagsreben der Gemischte Satz fast vollständig aus den Weinbergen verschwunden. Nur in sandigen oder durch und durch schieferhaltigen Böden konnten sich einige historische Sätze erhalten. Mit diesem Verlust ging auch ein Großteil alter Rebsorten verloren; denn man setzte vor allem auf Riesling, Silvaner und Burgunder. Bis zum Ersten Weltkrieg erzielte deutscher Wein Spitzenpreise, doch danach ging es weitgehend bergab.

Weinlese bei Rudolf May in Franken
Weinlese bei Rudolf May in Franken

Der Weinbau wird technisch, und Massenerträge werden Standard

Wie in der Landwirtschaft auch, hielten chemische und technische Errungenschaften Einzug in den Weinbau. Zunächst waren dies die Reinzuchthefen, die die Gärung kontrollierbarer machten. Dazu kamen erfolgreiche Kreuzungsversuche in den Forschungsanstalten, die Rebsorten wie den Müller-Thurgau, den Kerner und Dornfelder oder die Scheu- und Huxelrebe hervorbrachten. Später kamen die Herbizide und Pestizide dazu – ein unsäglicher Cocktail, der die meisten Winzer innerhalb einer Generation von ihren Weinbergen und der Natur entfremdete. Zusammen mit den großen Flurbereinigungen zu Beginn der 1970er Jahre führte dies zum Abstieg des deutschen Weinbaus. An der Mosel wurde der Riesling gerne durch den Massenträger Müller-Thurgau ersetzt, ein typischer roter Ahrwein war dünn, hatte keinerlei Tannin und war restsüß. Weine aus Rheinhessen und von der Nahe wurden wie süße Liebfrauenmilch, Blue Nun oder Black Tower als typischer deutscher Wein in die ganze Welt exportiert.

Weinlese bei Dönnhoff an der Nahe
Dönnhoff an der Nahe

Die Gegenbewegung zum Massenertrag

Der Fortschritt der Moderne war natürlich kein rein deutsches Phänomen. Auch im Burgund, im Chablis, im Elsass und in Italien, um nur einige Regionen zu nennen, wurde ähnlich gespritzt und auf Massenertrag gesetzt. Die Gegenbewegung kam von jungen Winzern, die es Ende der 1970er, Anfang der 1980er satt hatten, mit Spritzmitteln und flachen Aromen umzugehen. Clemens Busch war einer jener jungen Wilden an der Mosel, die sich Stück für Stück in eine ökologische Richtung bewegten. Das Weingut Heyl zu Herrnsheim in Rheinhessen gehörte zu den frühen Protagonisten der ökologischen Bewegung. Winzersöhne wie Werner Näkel oder Gerhard Stodden waren zwar keine Bio-Vorreiter, doch ihr Streben nach einem burgundischen Stil im Ahrwein war ebenso revolutionär. Neben den wenigen wie Graf Matuschka-Greiffenclau auf Schloss Vollrads oder auch Klaus Keller in Rheinhessen, Dönnhoff an der Nahe, Koehler-Ruprecht in der Pfalz und einigen ganz traditionell arbeitenden Betrieben an Mosel, Saar und Ruwer, die immer versucht hatten, die Qualität hochzuhalten, kam dann Ende der 1990er Jahre endlich die Generation, die zumindest im Spitzenweinbau die Wende einleitete.

Rückkehr zum Spitzenweinbau

Das hatte auch mit den Veränderungen an der zentralen Ausbildungsstelle für deutsche Winzer zu tun. An der Hochschule Geisenheim wurden die angehenden Winzer ins Ausland geschickt, und zwar vornehmlich in moderne Weinbauländer wie Australien und Neuseeland, Kalifornien in den USA oder Südafrika. Sie brachten nicht nur technische Ideen mit, sie lernten auch einen anderen Umgang miteinander. Sie begannen sich auszutauschen und gründeten Gruppen wie zum Beispiel Message in a Bottle in Rheinhessen. So erfolgte ein Aufstieg auf breiter Front. Am offensichtlichsten war dies in Rheinhessen, wo Weingüter wie Keller, Wittmann, Wagner-Stempel, Kühling-Gillot oder Battenfeld-Spanier einen neuen Stil trockener Spitzenrieslinge repräsentierten, der auch im Ausland bekannt wurde. Riesling ist die große Stärke. In den letzten 20 Jahren hat sich die Qualitätskurve überall steil nach oben bewegt. Neben dem Aufschwung in Rheinhessen sind vor allem in der Pfalz die großen Güter wieder zu alter Stärke erwacht. Neben Dr. Bürklin-Wolf und Reichsrat von Buhl ist es das ehemals Bassermann-Jordan’sche Weingut von Winning. Daneben stehen kleinere Familienweingüter wie Christmann oder Rebholz, die beständig einige der besten Weine des Landes vinifizieren. Ähnlich sieht es im Rheingau aus, wo es immer einen J. B. Becker-Stil gab, wo Robert Weil zu alter Stärke und Peter Jakob Kühn zu seinem prägnanten Stil gefunden haben.

Logo des Verband Deutscher Prädikatsweingüter e.V.
Der VDP Adler

Sie alle sind übrigens Mitglieder des VDP, des Verbandes Deutscher Prädikatsweingüter. In ihm vereint sich die Creme de la Creme des Weinbaus. Zu den vielen Qualitäts-Statuten gehört eine Qualitätspyramide nach burgundischem Vorbild. Sie schreibt es den Weingütern vor, ihre Weine in Gutsweine, Ortsweine, Lagenweine und Große Gewächse einzuteilen, wobei die Großen Gewächse aus den entsprechend qualifizierten besten Lagen des Weinguts stammen und trocken ausgebaut werden. Diese Großen Gewächse gibt es für Riesling und Silvaner, Frühburgunder, Spätburgunder, Lemberger und weitere Burgundersorten, somit also für die Rebsorten mit dem höchsten Renommee in Deutschland. Mit der zunehmenden Wertschätzung trockener Rieslinge von der Terrassenmosel (z. B. Heymann-Löwenstein, Clemens Busch, Knebel) und der Mittelmosel (z. B. Dr. Loosen, Ansgar Clüsserath, Dr. Hermann, Fritz Haag, Markus Molitor, Joh. Jos. Prüm, Schloss Lieser), der Saar (z. B. Egon Müller Scharzhofberg, Geltz Zilliken, Schloss Lieser) und der Ruwer (Karthäuserhof, Maximin Grünhaus) werden auch die restsüßen Weine, die entlang dieser Flüsse entstehen, zunehmend wieder beliebter. Im Ausland war das nie anders, aber auch in Deutschland wird die einzigartige Qualität des Süß-Säure-Spiels der Rieslinge vom Schiefer wieder zunehmend gewürdigt.

Ein Rebstock auf Schiefer beim Weingut Christmann
Ein Rebstock auf Schiefer beim Weingut Christmann

Pinot Noir, der neue Star

In den 1980er Jahren haben sich von der Ahr über die Pfalz über Baden und Franken Winzer darangemacht, dem deutschen Spätburgunder ein neues Gesicht zu geben. Sie haben den burgundischen Ausbau mit geringen Erträgen und de langen Ausbau im Barrique etabliert und damit ab den 1990er Jahren, vor allem aber im letzten Jahrzehnt auch international für Furore gesorgt. Neben den schon genannten Ahr-Winzern waren das vor allem Bernhard Huber und Hanspeter Ziereisen aus Baden, Rudolf Fürst aus Franken oder Friedrich Becker aus der Pfalz. Sie alle stehen stellvertretend für das deutsche Rotweinwunder, das sich immer weiter ausbreitet. So entstehen auch an der Mosel, zum Beispiel bei Markus Molitor, hervorragende Pinots vom Schiefer und ebenso in Württemberg. À propos Württemberg – das ist wahrscheinlich das Weinbauland, in dem sich aktuell am meisten tut, und zwar sowohl was die weißen als auch die roten Rebsorten angeht. Neben dem Spätburgunder ist das Land vor allem für Trollinger und Lemberger bekannt. Letzterer wird mit dem Blaufränkisch-Boom im benachbarten Weinland Österreich auch in Deutschland immer häufiger so benannt. Es kristallisiert sich heraus, dass die Rebsorte ein enormes Potential hat. Das kann man unschwer in Erzeugnissen von Aldinger erkennen – oder auch bei St. Antony in Rheinhessen. Der deutsche Weinbau hat nicht nur qualitativ deutlich zugelegt, sondern ist auch sehr facettenreich geworden. Das merkt man schnell, wenn man einen klassischen badischen Burgunder (Dr. Heger) mit einem der Sorte »nature« (Enderle & Moll) vergleicht.

Wein in Deutschland – das dürfte sicher sein – war nie so spannend wie heute.

Weinkarte Deutschland
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