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Württemberg

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      WÜRTTEMBERG von Jens Priewe Auf dem Glücksatlas liegen die Württemberger in Deutschland nur an 8. Stelle, also im Mittelfeld unter den anderen Bundesländern. Dass sie trotz Wohlstand, gutem Wetter, geringer Arbeitslosigkeit und schöner Landschaft nicht glücklicher sind, hat nach Meinung der Glücksforscher damit zu, dass das...

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WÜRTTEMBERG von Jens Priewe


Auf dem Glücksatlas liegen die Württemberger in Deutschland nur an 8. Stelle, also im Mittelfeld unter den anderen Bundesländern. Dass sie trotz Wohlstand, gutem Wetter, geringer Arbeitslosigkeit und schöner Landschaft nicht glücklicher sind, hat nach Meinung der Glücksforscher damit zu, dass das „schaffe, schaffe, Häusle baue“ auf Dauer doch ziemlich stressig ist. Und den Schaffensdrang haben die Schwaben im Blut. Vom Stress fühlen sie sich denn auch zunehmend geplagt – nach Umfragen mehr als andere deutsche Volksstämme. Dazu passt, dass das größte Kompliment, das man einer Frau in Württemberg machen kann, laut schwäbischem Witzbuch so lautet: „Ha, siehscht du aber abgeschafft aus.“
Trotzdem möchte der Württemberger nicht woanders leben und verteidigt sein Ländle gegen alle Widerstände. Vielleicht liegt es an den Weinstuben, Besenwirtschaften, Schänken, die es überall verstreut gibt und in denen er nach Schaffensschluss sein Viertele trinken und innerlich auspendeln kann. Flüssiger Stressabbau. Was in Hamburg, Düsseldorf oder Frankfurt das „Feierabendbier“ ist, ist in Schwaben der „Feierabendwein“. Kein Wunder, dass der Weinkonsum in Württemberg fast doppelt hoch wie im Rest der Republik ist. Dass es überwiegend einheimischer Wein ist, der konsumiert wird, braucht nicht extra erwähnt zu werden. Wahr ist deshalb noch heute der Satz des ersten deutschen Bundespräsidenten Theodor Heuss, der, selbst ein Schwabe, über seine Landsleute sagte: „Wer bei uns nix trenkt, isch bloss zu faul zum Schlucken.“
Württemberg ist ein eigenständiges Weinanbaugebiet. Mit dem benachbarten Baden hat es wenig gemein. Während Baden zur (warmen) Weinbauzone B in Europa gehört, liegt Württemberg in der (kühlen) Weinbauzone A, zu der auch die anderen deutschen Weinanbaugebiete gehören. Die Durchschnittstemperatur liegt im Jahresmittel deutlich unter 10 Grad Celsius (Baden weist zum Vergleich eine Jahresdurchschnittstemperatur von 10,5 Grad Celsius auf). Die Württemberger Weine sind denn auch oft etwas leichter und erreichen selten die Mostgewichte der Badener Weine. Allerdings kommt es darauf an, wo sie wachsen. Denn Württemberg ist ein heterogenes Anbaugebiet. Von Norden nach Süden hat es einen Durchmesser von 250 Kilometern. Es reicht vom Taubertal zwischen Wertheim und Rotenburg o. d. T. über Jagst, Kocher bis zum Neckar. Dessen Flusslauf folgen die Weinberge dann bis über Tübingen hinaus. Genau genommen, reicht das Anbaugebiet sogar bis zum Bodensee. Das bayerische Lindau gehört nämlich weinbaulich zu Württemberg.
Die Hauptanbaugebiete liegen jedoch im Unterland, und zwar im Dreieck Heilbronn, Öhringen, Ludwigsburg sowie im Remstal bei Stuttgart. Von dort kommt etwa 90 Prozent der württembergischen Weinproduktion: ein riesiges Einzugsgebiet mit über 60 Prozent Rotweinreben. Der typische Württemberger Rotwein ist der Trollinger (20%), eine Spielart des Südtiroler Vernatsch. Der blassrote, sehr süffige Wein wird zu allen Gelegenheiten in nicht zu geringer Menge getrunken, und zwar traditionell aus dem Henkelglas. Zu Flädlesupp, Maultaschen, Zwiebelrostbraten, Schupfnudeln ist er nach Ansicht der Einheimischen unverzichtbar.
Die zweithäufigste Rotweinsorte ist der Lemberger (14,5%), identisch mit der österreichischen Sorte Blaufränkisch. Aus ihm werden ernsthafte Rotweine gekeltert (etwa von Jürgen Ellwanger), die inzwischen auch außerhalb Württembergs viele Freunde gefunden haben - im Gegensatz zum Schwarzriesling, der aus der Müllerrebe (heißt in der Champagne Pinot Meunier) gewonnen wird und oft nicht mehr als koloriertes Wasser ist. In den letzten Jahren ist auch der Spätburgunder auf dem Vormarsch (11%) und wird den Schwarzriesling bald von Platz 3 verdrängen. Portugieser, Samtrot, Clevner (Frühburgunder) verlieren an Bedeutung, während die dunklen Sorten (Merlot, Cabernet Sauvignon, Cabernet Dorsa, Cabernet Cubin, Blauer Zeigelt u.a.) beständig zunehmen, allerdings auf niedrigem Niveau.
Die Liste der weißen Sorten führt deutlich der Riesling an (18,5%). Er besitzt kein bestimmtes Habitat und wird in nahezu allen Teilen Württembergs angebaut, mit mal mehr, mal weniger Erfolg. In den günstigsten Fall ergibt die Sorte robuste, moderat körperreiche Weine mit erdigen oder pflanzlichen Aromen, die sich deutlich von den Rhein- und Mosel-Rieslingen unterscheiden. So hoch der Riesling im Kurs steht: Oft sind Grau- und Weißburgunder die interessanteren Weine. Kerner, Müller-Thurgau, Silvaner, Gewürztraminer spielen heute nur noch eine sehr geringe Rolle. Dafür kommt der Sauvignon blanc immer stärker auf. Wer von den Winzern – im Württemberg übrigens Wengerter genannt - etwas auf sich hält, konzentriert seinen Weißwein-Ehrgeiz auf diese Sorte.


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